Sage, Angie – Septimus Heap – Magyk

Im Fahrwasser von „Harry Potter“ erleben Fantasybücher für Kinder einen Boom, den man vor einigen Jahren wohl kaum für möglich gehalten hätte. Alles, was nur irgendwie mit Magie und Zauberei zu tun hat, erlangt in der Kinderbuchsparte hohe Aufmerksamkeit und hat Bestsellerpotenzial. Beispiele sind die Verkaufsschlager „Eragon“ und [„Bartimäus“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=353 Nun gesellt sich eine neue Fantasyfigur dazu, die bei ihrer Erstveröffentlichung in den USA glatt Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times erstürmte: „Septimus Heap“. Auch „Septimus Heap – Magyk“ hat Hitpotenzial und das nicht nur, weil es sich um den ersten Teil einer Trilogie handelt, sondern auch, weil die Autorin Angie Sage hier eine recht eigenständige und absolut kindgerechte Fantasywelt erschaffen hat.

Septimus Heap ist der siebte Sohn eines siebten Sohnes und das ist etwas ganz Besonderes, denn als solcher verfügt er über besondere magische Kräfte. Doch Septimus Heap wurde bereits am Tag seiner Geburt ein tragisches Schicksal zuteil. Als vermeintlich toten Säugling entführt die Oberhebamme ihn. Seine Familie glaubt auch Jahre später noch, dass der Junge am Tag seiner Geburt gestorben ist. Sein Schicksal bleibt verborgen.

Doch am gleichen Tag wurde in der Burg noch ein Kind geboren, das ein ebenso tragisches Schicksal erleidet: Die Tochter der Königin, deren Mutter am Tag der Geburt ermordet wird. Das Kind wird dank der Geistesgegenwart der beim Mord anwesenden Zauberin Marcia Overstrand verschont. Sie versteckt das Kind, das wenig später von Silas Heap, dem Vater von Septimus, gefunden wird. Die Zaubererfamilie Heap nimmt das Kind unbekannter Herkunft bei sich auf.

Zehn Jahre nach dem Mord an der Königin haben längst andere das Sagen im Land und die junge Jenna Heap, wie die Königstochter mittlerweile heißt, ist in Gefahr. Der Oberste Wächter, der die Macht an sich gerissen und die Zauberei verboten hat, ist auf der Suche nach dem Kind der Königin. Er weiß, dass es lebt, und dank einer Spionin weiß er nach zehn Jahren endlich auch wo. Die Familie Heap ist in großer Gefahr. Marcia, die mittlerweile zur Außergewöhnlichen Zauberin und damit zur wichtigsten Zauberin im Land aufgestiegen ist, nimmt sich der Sache an und bringt zusammen mit Silas das Königskind in Sicherheit. Für Jenna, die Familie Heap und Junge 412 von der Jungarmee, dem Marcia während ihrer Flucht das Leben rettet, beginnt damit ein aufregendes und ereignisreiches Abenteuer außerhalb der Burgmauern …

„Septimus Heap“ ist in vielerlei Hinsicht eine recht klassische Fantasygeschichte. Es gibt die altbekannte Schwarz/Weiß-Skizzierung der Welt, mit guter und böser Magie. Es gibt den altbekannten Kampf zwischen den guten (vertreten von Marcia Overstrand) und den dunklen Mächten (vertreten von DomDaniel, dem dunklen Magier und seinen Helfershelfern rund um den Obersten Wächter). Ähnlich wie beim „Herr der Ringe“ überschattet eine dunkle Bedrohung die Welt. Die dunklen Mächte strecken ihre Finger nach der absoluten Herrschaft aus.

DomDaniel thront über all dem als dunkler Mythos und ähnelt damit der Figur des Voldemort aus den „Harry Potter“-Büchern. Es findet sich so manche Parallele zu bekannten Fantasyerzählungen, und als Leser mag man erst einmal laut aufstöhnen, als Junge 412 während der abenteuerlichen Reise mit Marcia und den Heaps ganz zufällig auf einen mysteriösen magischen Ring stößt. Dennoch, „Septimus Heap“ als Abklatsch erfolgreicher Fantasyromane zu sehen, täte der Sache großes Unrecht.

Angie Sage schafft eine Welt, die recht eigenständig wirkt. Anders als bei „Harry Potter“ ist Sages Welt in sich geschlossen. Es besteht keinerlei Bezug zum Hier und Jetzt. Die Welt wirkt eher wie etwas Vergangenes. Manche Schilderungen erinnern an mittelalterliche Geschichten, insbesondere die Schilderungen des Lebens innerhalb der Burgmauern. Sage serviert also quasi ein Mittelalter mit einer saftigen Prise Magie.

Was man als Leser von vorneherein nicht vergessen darf ist, dass „Septimus Heap“ ein Kinderbuch ist. Wenn man die Handlung als Erwachsener relativ leicht durchschaut, dann kann man das schwerlich der Autorin ankreiden, nur weil sie, anders als beispielsweise J. K. Rowling, eine recht eng umrissene Zielgruppe hat. Wer mit einer Harry-Potter-Erwartungshaltung an die Lektüre von „Septimus Heap“ geht, der könnte somit enttäuscht sein, aber das macht das Buch nicht schlechter. „Septimus Heap“ ist eben ein „echtes“ Kinderbuch und damit auch wirklich in erster Linie für Kinder zwischen 10 und 12 Jahren geeignet.

Die Sprache ist recht einfach und leicht verständlich gehalten. Sage erzählt aber nicht nur kindgerecht, sondern auch auf sehr liebevolle Art und mit einem Augenzwinkern. Immer wieder regen Szenen zum Schmunzeln an, immer wieder erheitert Sage den Leser mit kleineren Tollpatschigkeiten der Figuren, mit witzigen Wendungen der Geschichte und einer feinen Prise Ironie.

Gleichzeitig entwickelt das Buch (zumindest für die junge Leserschaft) auch eine gewisse Spannung. Die Flucht von Marcia, Silas, Junge 412, Jenna und ihrem Halbbruder Nicko ist schon recht spannungsgeladen. Die Verfolger sind ihnen dicht auf den Fersen. Das Tempo der Handlung wird dadurch stetig angeheizt. Auch wenn der Handlungsverlauf für den erwachsenen Leser eher wenige Überraschungen bietet, so dürfte das Buch für Kinder durchaus fesselnd sein.

Wenn ich so an meine eigenen Kindertage zurückdenke, bin ich mir sicher, dass ich „Septimus Heap“ geliebt hätte. Es ist phantasievoll, gewitzt und spannend zugleich und damit für den kindlichen Leser hochgradig unterhaltsam. Hätte es das Buch damals schon gegeben, Angie Sage hätte gute Karten gehabt, Astrid Lindgren in meiner persönlichen Gunst den Rang abzulaufen.

Was „Septimus Heap“ obendrein so gelungen abrundet, sind die Figuren. Sage spickt ihre Handlung nicht nur mit einer intensiven Atmosphäre und phantasievollen Einfällen, sondern erschafft auch Figuren, die dem Leser schnell ans Herz wachsen. Von den Hauptfiguren geht viel Sympathie aus, die den Leser ansteckt. Man fiebert dadurch mit den liebevoll skizzierten Hauptfiguren mit. Liebenswert kehrt Sage die Macken der einzelnen Figuren heraus, besonders bei Marcia Overstrand und Silas Heap, und so, wie man über die Figuren schmunzelt, fühlt man auch mit ihnen.

Man kann „Septimus Heap – Magyk“ letztendlich gleichzeitig als Einzelwerk betrachten wie auch als Auftakt zu einer Trilogie. Die Handlung ist in sich relativ abgeschlossen, wenngleich der neugierige Leser natürlich wissen will, wie sich die Figuren weiterentwickeln und wie die Geschichte weiterverläuft. Man gewinnt halt nicht nur die Hauptfiguren lieb, sondern auch all die phantasievollen Geschöpfe, die in Angie Sages Welt sonst noch so herumgeistern: fleißige, gewissenhafte Botenratten, gutmütige Boggarts, pflichtbewusste, loyale Panzerkäfer und gemütliche, handzahme Steintiere.

Alles in allem ein gelungenes und phantasievolles Kinderbuch, das sich nicht hinter anderen Fantasywerken im Kinderbuchbereich zu verstecken braucht. Angie Sage weiß den Leser zu unterhalten. Die Figuren sind allesamt sympathisch (logischerweise abgesehen von den Bösewichten) und Sages Erzählstil ist leicht verständlich, aber auch mit einer gewissen Portion Witz ausgestattet. Fazit: schöne, kindgerechte Fantasyliteratur für Kinder und Junggebliebene, die neben anderen Werken wie [„Eragon“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1247 „Harry Potter“ und Co. durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. Wenn einem solche Bücher in die Hände fallen, möchte man gerne noch einmal Kind sein.

Website zum Buch: [septimusheap.de]http://www.septimusheap.de