Hamilton, Laurell K. – Herrscher der Finsternis (Anita Blake 10)

_Reihenfolge der Anita-Blake-Romane:_

01 [„Bittersüße Tode“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1009
02 [„Blutroter Mond“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1027
03 [„Zirkus der Verdammten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2165
04 [„Gierige Schatten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4258
05 [„Bleiche Stille]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4348
06 [„Tanz der Toten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3679
07 [„Dunkle Glut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5990
08 [„Ruf des Blutes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6006
09 [„Göttin der Dunkelheit“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7021
10 _“Herrscher der Finsternis“_
11 „Jägerin des Zwielichts“
12 „Cerulean Sins“ (noch ohne dt. Titel)
13 „Incubus Dreams“ (noch ohne dt. Titel)
14 „Micah“ (noch ohne dt. Titel)
15 „Danse Macabre“ (noch ohne dt. Titel)
16 „The Harlequin“ (noch ohne dt. Titel)
17 „Blood Noir“ (noch ohne dt. Titel)
18 „Skin Trade“ (noch ohne dt. Titel)
19 „Flirt“ (noch ohne dt. Titel)
20 „Bullet“ (noch ohne dt. Titel)
21 „Hit List“ (Juni 2011, noch ohne dt. Titel)

_Ein gnädiger Leser_ würde den Beginn von „Herrscher der Finsternis“ wohl „in medias res“ nennen: Ohne viel Palaver wird man hineingeworfen in die Handlung. Anita Blake befindet sich an einem Tatort mit reichlich übel zugerichteten Leichen. Wie sie dorthin gekommen ist und wer eigentlich all die Figuren sind, die sonst noch in „Herrscher der Finsternis“ vorkommen, das findet man nur heraus, wenn man den Vorgängerband „Göttin der Dunkelheit“ gelesen hat, der in der amerikanischen Originalausgabe mit „Herrscher der Finsternis“ einen Band bildet. Für den deutschen Markt wurde das Buch ziemlich genau in der Mitte durchgeschnitten und in zwei Bänden veröffentlicht. Unvorbereitete Leser werden also ziemlich verloren in der Handlung von „Herrscher der Finsternis“ herumtappen und weder wissen, welches böse Monster es zu killen gibt, noch wer all die Nebenfiguren sind, die hier ganz selbstverständlich die Szenerie bevölkern.

_Daher kurz zur Vorgeschichte:_ In „Göttin der Dunkelheit“ hatte Edward den Gefallen eingefordert, den Anita ihm schuldete. Also fährt sie zu ihm nach Santa Fe, wo einige Familien grausam ermordet wurden – während einzelne Opfer jedoch überlebten und nun gehäutet auf der Intensivstation liegen. Edward und Anita verfolgen einige Spuren und Ideen – sie befragen unter anderem die örtliche Vampirgröße Obsidian Butterfly, die einen Nachtclub betreibt -, doch weiter kommen sie nicht wirklich. Bis nun Anita am frischen Tatort endlich der Gedanke kommt, dass die Verletzten im Krankenhaus gar nicht lebendig, sondern tot sind. Ein Besuch auf der Intensivstation bestätigt den Verdacht, doch da sind die hautlosen Zombies im Auftrag ihres Meisters schon damit beschäftigt, ein Blutbad anzurichten. Nur mit äußerstem Körpereinsatz gelingt es Anita, die Situation herumzureißen. Und auch sie überlebt nur knapp.

Als Anita Tage später im Krankenhaus wieder aufwacht, beschleunigt sich die Handlung dramatisch. Nicht nur muss sie noch einmal mit Obsidian Butterfly sprechen, auch der örtliche Magier verlangt sie zu sehen. Und als wäre das nicht genug, werden auch noch Donnas Kinder entführt, um Edward und Anita in eine Falle zu locken. Ach ja, und das Monster gibt es natürlich auch noch zu identifizieren! Für den größten Teil der Romanhandlung wird also gerannt, verfolgt, geschossen, gestochen und gemordet. Gute, grundsolide Action also. Doch auch hartgesottene Leser werden hier schwer schlucken müssen. Denn wem Hamiltons detailreiche Beschreibungen der Tatorte und der Übelkeit erregende Anblick gehäuteter Menschen nicht ausreicht, dem bietet sie – quasi als Sahnehäubchen – eine Szene, in der ein gehäuteter Zombie die Säuglingsstation des Krankenhauses überfällt und sich in ein Neugeborenes verbeißt. An dieser Stelle ist sicherlich für viele Leser die Schmerzgrenze erreicht, an die sich Hamilton in ihren Büchern ja immer wieder genüsslich annähert.

Während in „Göttin der Dunkelheit“ also hauptsächlich vorbereitet und eingeführt wurde, geht es in „Herrscher der Finsternis“ richtig zur Sache, da hier die verschiedenen Handlungsfäden aufgedröselt und zu einem logischen Ende gebracht werden. Wie bei Laurell K. Hamilton üblich, gönnt sie ihren Helden dabei kaum eine Verschnaufpause.

_Für die Vampir- und Werwolffans_ gibt es in „Herrscher der Finsternis“ allerdings kaum Neues zu entdecken. Jean-Claude hat einen kurzen Auftritt, doch weder er noch Richard greifen aktiv ins Geschehen ein. Anita ist ganz auf sich allein gestellt – auch wenn sie im Laufe der Handlung zu der Erkenntnis gelangt, dass sie ohne die beiden wohl doch nicht mehr sein kann. Leser, die Edward mögen, kommen hier jedoch voll auf ihren Kosten. Man erfährt viel Neues über ihn, wobei er trotzdem seine geheimnisvolle Aura behält. Er wirkt etwas menschlicher, doch legt er seine Kaltblütigkeit keineswegs ab. Immer wieder ertappt Anita sich dabei, wie sie sich mit Edward vergleicht. Ist er ihr Spiegelbild? Wird sie einmal sein wie er, wenn sie ihr Leben nicht radikal ändert? Es gibt reichlich Hinweise dafür, doch ist Anita keineswegs begeistert von dieser Aussicht. Denn schon jetzt provoziert ihr hartes Äußeres gestandene Polizisten dazu, ihr eine längere Pause ans Herz zu legen. Und das hat sie auch fest vor: Doch mal ehrlich, wer glaubt schon ernsthaft, dass Anita nicht in ein paar Tagen über den nächsten ungeklärten Mordfall stolpert, den nur sie lösen kann? Dass sie sich dabei selbst verbrennt, ist ihr auch klar. Nur ändern kann sie an der Situation wohl nichts. Der Zug ist abgefahren.

_Nachdem der Leser_ in „Herrscher der Finsternis“ eine sehr enthaltsame Anita Blake erleben durfte, die dem Sex und den Männern quasi entsagt hat (zumindest für den Moment), steht es zu vermuten, dass im nächsten Buch ihre Beziehungsprobleme wieder eine größere Rolle spielen werden. Neben der üblichen Monsterjagd natürlich!

|Taschenbuch: 400 Seiten
Originaltitel: Obsidian Butterfly (Teil 2)
ISBN-13: 978-3404164424|
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