Hamilton, Laurell K. – Blutroter Mond (Anita Blake 2)

Anita Blake heißt die Heldin von Laurell K. Hamiltons Vampirreihe. Sie ist 24 Jahre alt, klein und zart gebaut. Doch schon in ihrer Kindheit stellte sich heraus, dass sie eine besondere Beziehung zu Toten hat: Sie kann sie beschwören, aus dem Grab holen und ihnen ihren Willen aufzwingen. Diese Eigenschaft ist, so seltsam das auch scheinen mag, in Hamiltons Welt eine begehrte Gabe. Anita arbeitet nämlich bei Animators Inc. Dort erweckt sie im wahrsten Sinne des Wortes Tote zum Leben – für Geld versteht sich -, damit die Angehörigen das Testament klären oder die letzten Abschiedsworte sprechen können.

Anitas Künste als Animator sprechen sich auch in St. Louis herum. So möchte sie der Millionär Harold Gaynor engagieren, um eine jahrhundertealte Leiche zu reanimieren. Doch für einen so alten Toten reicht das normale Opfer eines Huhns (auch schon blutig genug) nicht aus – ein Menschenopfer wäre erforderlich. Anita lehnt dies strikt ab, ist es doch nicht nur illegal, sondern natürlich auch unethisch.

Neben ihrer Tätigkeit bei Animators Inc. hilft Anita auch noch bei der Polizei aus – als Fachkraft für das Übernatürliche. So wird sie vom Spukkommando zu einem grauenerregenden Tatort gerufen: Eine junge Familie wurde nicht nur zerfleischt, die Körper wurden auch mit brutaler Gewalt auseinandergerissen. Den kleinen Jungen findet man erst einen Tag später auf einem nahe gelegenen Friedhof – in seinen Einzelteilen. Auch die härtesten Polizisten sind ob dieses Anblicks schockiert. Niemand kann sich erklären, welche Art Kreatur eine solche Tat vollbringen kann. Aus Ermangelung anderer Ideen vermutet Anita einen besonders aggressiven fleischfressenden Zombie. Aber wer könnte diesen Zombie erweckt haben?

Ihre Suche führt sie zu der Voodoo-Priesterin Dominga Salvador, die hinter der Fassade einer gutmütigen Großmutter eine skrupellose und herrschsüchtige alte Frau verbirgt. Sie hat es geschafft, die Seele im Zombie zu fangen und will daraus ein florierendes Geschäft machen. Als sie Anita die Mitarbeit in ihrem neuen Unternehmen anbietet, lehnt diese ab, wohl wissend, dass sie damit die Rache der alten Voodoo-Künstlerin auf sich zieht.

Derweil passieren weitere blutige Morde, Anita und Dominga Salvador liefern sich weitere Schlagabtäusche, die Bodyguards Harold Gaynors statten ihr Besuche in ihrer Wohnung ab und sie verbringt einen netten Abend im Rotlichtviertel mit dem neuen Meister der Vampire. Eine ganz normale Woche im Leben von Anita Blake also … 400 Seiten müssen vergehen, bis die Morde aufgeklärt und alle losen Enden geklärt sind. In dieser Zeit jedoch wird Anita mit schöner Regelmäßigkeit zusammengeschlagen, verfolgt, erpresst, entführt und generell ständig fast um die Ecke gebracht. Weder Anita noch dem Leser bleiben irgendwelche Verschnaufpausen. Immer befinden sich beide auf einer heißen Spur, die es zu verfolgen gilt, bevor die Bösen auftauchen.

Laurell K. Hamiltons „Blutroter Mond“ ist der zweite Teil ihrer Serie um die Vampirjägerin Anita Blake. Krankte der Erstling, [„Bittersüße Tode“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1009 noch an einigen Startschwierigkeiten, hat Hamilton nun definitiv ihren Stil gefunden. Die Story fließt mühelos und die Spannung lässt kaum einmal nach. Die handelnden Figuren werden auf ein überschaubares Maß reduziert und wirken nun auch nicht mehr so schematisch. Besonders Anita, Dolph und Jean-Claude gewinnen in „Blutroter Mond“ auffallend an Substanz.

Dazu muss man natürlich sagen, dass von Vampiren in diesem Band kaum etwas zu sehen ist. Hamilton konzentriert sich diesmal auf Anita und ihre Fähigkeiten als Animator. Sie versucht zu ergründen, worauf sich diese Fähigkeiten gründen und stellt sie in Beziehung zu anderen Animatoren und Voodoo-Priestern, um ihre Macht zu verdeutlichen. Vampirfans müssen sich diesmal mit einigen wenigen Szenen zufrieden geben, die beste davon ist natürlich das Treffen zwischen Anita und Jean-Claude, in der er sie abwechselnd umgarnt und bedroht, um seine eigene Macht als Meister der Stadt zu zementieren. Denn im ersten Band hatte er Anita mit zwei Zeichen markiert und sie so zu seinem menschlichen Diener gemacht – entgegen Anitas Willen, die sich nun natürlich dagegen wehrt, sich Jean-Claude unterzuordnen. Für zukünftige Bände verspricht das einen unendlichen Vorrat an Erheiterung für den Leser und Frust für Anita.

Noch stärker als in „Bittersüße Tode“ sind hier die Horrorelemente betont. Zartbesaitete werden an dem Buch wohl keine Freunde haben, denn Laurell K. Hamilton beschreibt genüsslich sämtliche Mordschauplätze. An Blut mangelt es nicht und auch Leichenteile und zusammengestückelte Zombiemonster gibt es zuhauf. Gruselfreunde kommen also in jedem Fall auf ihre Kosten und auch Liebhaber von Magie und Voodoo werden bedient.

Da es sich bei „Blutroter Mond“ erst um den zweiten Teil einer umfangreicheren Romanserie handelt, ist es immer noch möglich, hier einzusteigen, ohne den ersten Band zu kennen. Wichtige Charaktere werden noch einmal eingeführt, ebenso wie fundamentale Regeln des Hamilton-Universums. Doch natürlich ist es immer empfehlenswert, eine Reihe von vorn zu beginnen – der Suchtfaktor ist garantiert!

Laurell K. Hamilton ist für St. Louis, was Anne Rice für New Orleans ist. Sie nimmt ihre Heimatstadt und macht sie zu einem integralen Teil ihrer Welt der Vampire und Monster. „Blutroter Mond“ könnte man vermutlich auch als Reiseführer benützen – auch wenn die zu besuchenden Orte etwas abwegig wären. Finstre Ecken, Rotlichtviertel, unheimliche Kneipen – abseits von den normalen Sehenswürdigkeiten malt Hamilton eine Stadt voller Subkulturen und tiefer Schatten. Die schwül-unheimliche Atmosphäre Louisianas trägt damit unbedingt zum Lesevergnügen bei.

„Blutroter Mond“ ist ein Buch, das so ziemlich alles mitbringt: eine freche Heldin, große Knarren, blutige Morde, einen spannenden Plot und einige anzügliche Szenen. Für den Horrorliebhaber also eine runde Sache!