Runberg, Silvain (Autor) / Pellè, Serge (Zeichner) – Orbital 1: Risse

_Story_

Mai 2278: Die Menschheit steht vor dem größten Coup ihrer Geschichte, als sie ein Referendum ankündigt, welches die 781 Rassen der Erde zu einer einmaligen Konföderation zusammenwachsen lassen und endlich die lang ersehnte Einheit herbeiführen soll. Doch noch während der Antrittsrede zerstört ein Attentat auf die Befürworter alle Hoffnungen auf einen fest verankerten Frieden, ausgelöst von einem radikalen Anschlag der Isolationisten. Unfähig, eigene Schuldgeständnisse zuzulassen, zieht die Menschheit in einen dominanten Krieg gegen eine andere konföderierte Rasse und bringt das Volk der Sandjaren an den Rand der totalen Vernichtung.

Doch die Menschheit muss für ihre Vergehen büßen: Erst zwei Jahrzehnte später beginnt langsam aber sicher die Rehabilitation der humanen Rasse, als ein Mitglied namens Kaleb Swaney an Bord der Orbital in die Interweltliche Diplomatische Abteilung gewählt wird. Gemeinsam mit einer Agentin der Sandjaren bildet er ein Binom des Friedens, welches symbolisch auch bei weiteren Einsätzen des Völkerbundes eingesetzt werden soll.

Der erste Auftrag führt die beiden nach Senestam, einen Planeten, der für seine reichen Trellium-Vorräte bekannt ist, auf dem die Konflikte aber nach wie vor anhalten. Zunächst hat es den Anschein, als würden die Jäwloden, die in den Trellium-Minen beschäftigt sind, aufgrund ihrer zwielichtigen Geschäfte die aktuelle Krise auslösen. Als aber ausgerechnet nach der Ankunft der IDA-Abgesandten mehrere suspekte Attentate folgen, wird dem Agenten-Binom bewusst, dass hinter den Konflikten auf Senestam weitaus mehr steckt als bloß ein geschäftliches Ungleichgewicht.

_Persönlicher Eindruck_

„Orbital“ ist ziemlich harter Tobak, dies schon mal vorab. Nicht nur, dass der erste Band der Serie gleichzeitig auch das umfangreichste Projekt aus dem |Splitter|-Verlag geworden ist, auch in Sachen Komplexität und wechselseitiger Action setzt dieser Titel im erlesenen Katalog des renommierten Verlags komplett neue Maßstäbe.

Autor Sylvain Runberg nutzt die quantitative Opulenz allerdings auch sehr umfassend, um seinen Plot vielschichtig und überdies kreativ zu gestalten. Die Szenarien werden von Beginn an enorm breit ausgetreten, es werden Rahmen größerer Ausmaße geschaffen, aber auch hinsichtlich der Charakterzeichnungen lässt sich der Franzose die nötige Ruhe und Zeit, um seine Protagonisten adäquat reifen zu lassen. Dieser Umstand nagt jedoch keinesfalls an der ziemlich hohen Geschwindigkeit, welche die Erzählung auf den insgesamt hundert Seiten vorgibt. Von der ersten Seite an lebt ein gewisses Maß an Action auf, das wiederum von vielen Story-Breaks belebt wird, sich aber immer wieder höchst intensiv durch die Handlung schlängelt. Gerade im zweiten Abschnitt geht es stellenweise richtig zur Sache, wobei Runberg auch vor einer teils deftigen Härte bei seinen Darstellungen nicht zurückschreckt. Zur Sicherung der Glaubwürdigkeit dieses interstellaren Konflikts war dies aber auch zwingend erforderlich, wenngleich es auf den letzten Seiten wirklich sehr häufig scheppert.

Derlei Effekte sind aber insgesamt dennoch nur schmückendes Beiwerk, da der Fokus selten, ja eigentlich gar nicht vom Hauptstrang abrückt. Die politischen Ränkespiele bilden die Basis der Erzählung, werden aber mit sehr vielen Nebenepisoden und plötzlichen Einschnitten ausgeschmückt. Es passiert einfach unheimlich viel, und dennoch ist man stets an den elementaren Erzählstrang gefesselt, der alleine schon ausreichen würde, um ganze Bücher zu füllen. Im Hinblick auf das hintergründige Potenzial scheint „Orbital“ aber trotzdem noch sehr kompakt zu sein, was bei einer derartigen Ausstaffierung, wie sie dieser Doppelband nun aufweist, schon fast widersprüchlich erscheint. Andererseits darf man dies gerne auch als Qualitätsmerkmal einer wahrhaftig faszinierenden, neuen Serie betrachten!

Zumindest ist es Runberg und seinem illustrierenden Sidekick Serge Pellé schon einmal gelungen, Begeisterung für eine sehr vielseitige Idee zu schaffen, die potenziell Stoff für die Etablierung eines gänzlich neuen Science-Fiction-Universums bieten könnte. Die Darstellung der komplexen Verstrickungen ist mitreißend, die Integration der Action nahezu perfekt. Und da auch die Story inhaltlich einen souveränen, starken Background zur Seite gestellt bekommt, darf man bei Kapitel eins, „Risse“, auch gerne mal euphorisch werden. Des Eindrucks, hier die bislang wertvollste und mitunter beste Verlagsarbeit analysiert zu haben, kann man sich nämlich im Nachhinein trotz genialer Momente wie „Universal War One“ und „Die Schiffbrüchigen von Ythaq“ kaum entziehen – und mehr muss eigentlich auch nicht mehr gesagt werden!

http://www.splitter-verlag.de

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