Alfred Elton van Vogt – 200 Millionen Jahre später

Ein Loblied auf die Soldatenbräute

„Seine Kräfte waren grenzenlos. Er ermüdete nicht, und er kannte keine Furcht – er war der Gott Ptath. Gegen seinen Willen war er zurückgekehrt. Ineznia, seine erbitterte Rivalin, hatte ihm eine Falle gestellt. Jetzt befand er sich im Körper eines Sterblichen aus unserer Zeit – versetzt in die Welt der allerfernsten Zukunft …“ (Moewig-Verlagsinfo)

„The Book of Ptath“, van Vogts einziger Fantasy-Roman, erschien 1943 und wurde 1947 erweitert; 1967 erhielt es den Titel „Two Hundred Million Years A.D.“. Der Science Fiction-Autor van Vogt konnte nicht umhin, auch dieser Fantasy so etwas wie einen wissenschaftlichen Hintergrund zu verleihen, allerdings nicht konsistent. Jahrzehnte später erschien mit den planetarischen Abenteuern auf einer sterbenden Erde, die ein gewisser Jack Vance schrieb, etwas Ähnliches auf dem Markt.

Der Autor

Der 1912 im Winnipeg geborene und im Januar 2000 verstorbene Kanadier Alfred Elton van Vogt war einer der wichtigsten Autoren des Goldenen Zeitalters der Sciencefiction, das nur fünf bis sechs Jahre, von 1939 bis 1944/45, währte. Er ist ein typischer Pulp-Magazin-Autor: Seine Kapitel sind serienkompatibel und kurz, seine Charaktere schematisch und sein Plot das reinste Zickzack bis zur Widersprüchlichkeit.

Durch den frühen Tod seines Vaters musste van Vogt schon früh von der Schule angehen und sich als Gelegenheitsarbeiter verdingen, bis er dann 1931 mit 19 Jahren sein erstes Produkt veröffentlichte, ein Prostituierten-Melodram. Seine erste Science-Fiction-Story war die an John W. Campbell geschulte Erzählung „Vault of the Beast“, aber seine erste veröffentlichte Science-Fiction-Story erschien erst im Juli 1939 in Campbells „Astounding Science Fiction“: „The Black Destroyer“ ist die erste und beste Story des bekanntesten Episoden-Romans van Vogts: „Die Expedition der Space Beagle“ (1950; „Beagle“ hieß das Schiff, auf dem Charles Darwin mitsegelte) – eine phantasiereiche Erforschung der gefährlichen Wunder, die das Universum für uns bereithält.

Aus dem Zusammenhang der Genre-Entwicklung und seiner wirtschaftlichen Zwänge (Groschenhefte, Papiermangel während des Krieges, miese Bezahlung) wird klar, dass van Vogt nur so gut oder schlecht schrieb, wie es der Markt zuließ. Asimov und Heinlein, seine größten Konkurrenten wussten sich a) besser zu verkaufen und hatten b) (vielleicht) die besseren Ideen.

Im 2. Weltkrieg erschienen die zwei ersten „Null-A“-Bände in Magazinen, wurden aber heftig ob ihrer Unlogik kritisiert, besonders von Damon Knight. 1970 endlich überarbeitete van Vogt die Bücher gründlich, doch kam er erst kurz vor seinem Tod dazu, den dritten Band zu schreiben. Als Trilogie bilden die Null-A-Bücher eines der wegweisenden, aber keineswegs unumstrittenen Werke der Science Fiction. Einen weiteren, wesentlich lesbareren Zyklus bilden die Ischer-Publikationen, nämlich zwei Romane und zwei Erzählungen: „Die Wippe“ (1941), „Der Waffenladen“ (1942) sowie die Romane „Die Waffenläden von Ischer“ (1941-42/51) und „Die Waffenschmiede“ (1943/46).

Van Vogt zeigt sich in den meisten seiner Geschichten als literarisch ziemlich unbedarfter Autor, mit einem schlechten Stil und kaum in der Lage, glaubwürdige Charaktere zu entwickeln (seltene Ausnahme: der Mutantenroman „Slan“, 1946). Seine Vorliebe für Größenwahn, Supermänner und feudalistische Gesellschaftsformen machten ihn bereits früh zu einem umstrittenen Autor, der von Herausgeber Damon Knight mit dem vernichtenden Urteil „kosmischer Bauspekulant“ (in „In Search of Wonder“) belegt wurde. Immerhin: Knight bedauerte später sein einseitiges Urteil. Und Arthur Jean Cox kommt in seinem Autorenporträt in „Welten der Wahrscheinlichkeit“, 1983 herausgegeben von Ronald M. Hahn (Ullstein-Taschenbuch) zu einem ausgewogenen Urteil, kritisiert van Vogt aber wegen seines Engagement für die Dianetik (heute: Scientology).

Er ist ein typischer Pulp-Magazin-Autor: Seine Kapitel sind serienkompatibel und kurz, seine Charaktere schematisch und sein Plot das reinste Zickzack bis zur Widersprüchlichkeit.

Handlung

Der (altägyptische) Gott Ptath, dessen Macht sich aus der Anbetung von Millionen von Frauen auf dem Planeten Erde in ferner Zukunft speist, hat sich nach Millionen von Jahren des Gottestums in mehreren sterblichen Körperformen einsperren lassen, was verschiedenen Personen zu Reinkarnationen verhalf. Der Zweck: Er will wieder lernen, was es heißt, ein Mensch zu sein.

Am Anfang des Buches erwacht Ptath mit einer Art Amnesie irgendwo in ferner Zukunft in der Wildnis eines Planeten. Obwohl verwirrt, behauptet er sich gegenüber den Truppen der Priesterkrieger, indem er sich der Erinnerungen seiner letzten Inkarnation bedient, eines Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg namens Peter Holroyd. (Dieser Zeitbezug sollte dem Autor Leser verschaffen.)

Er trifft eine böse Göttin namens Ineznia, die, wie er herausfindet, seine Geliebte Lo’nee in einem Kerker ihres Tempels gefangenhält oder zumindest deren Körper. Denn alle drei Göttlichen können ihren Körper verlassen, um auf Geistreise zu gehen. Ptath hat auch dabei bald den Bogen raus und trickst Ineznia aus, die er bekämpft. Der Grund: Sie und ihre Truppen wollen mehrere Reiche des Superkontinents unterwerfen, um sodann sowohl die Anhänger Ptaths, von denen dieser seine Kraft bezieht, als auch den Thron der Götter zu zerstören, was den letzten Bann aufheben würde, der die Tötung Lo’nees und Ptaths ermöglichen würde.

Eindrücke

Die Erde ist meist wüst und leer: endlose Ebenen von Sand und vulkanischem Gestein erstrecken sich zwischen Hauptstädten der Reiche, die Ptath mit seinem Riesenvogel überfliegt. Die Erde hat kaum noch Metalle, Panzer zu bauen ist unmöglich. Statt ausgereifter Waffen zählt vielmehr, wer mehr Millionen von Soldaten auf die Beine stellen kann. Eine Art elegischer Endzeitstimmung herrscht, die nur Ptaths Tatendrang durchbricht. Er ist der Tatmensch, der sich mit Hilfe seines Intellekts immer wieder aus der Affäre zieht.

Apropos Affäre: Ptath ist seiner süßen Lo’nee treu, da können noch so schöne Bauerntöchter ihren Rock heben. (Hier vertritt van Vogt den staatstragenden Konservatismus, dass die Soldaten an der Front 1943 darauf zählen können, dass ein treues Weib in der Heimat wartet. Diese Frauen sind es auch, denen Ptath seine göttliche Macht verdankt!)

Unterm Strich

Leider ist van Vogt weder daran interessiert, psychologische Tiefen auszuloten noch soziale Strukturen detailliert zu schildern. Alles konzentriert sich auf den Zickzack-Plot, der auf fast jeder Seite neue Enthüllungen bringt und die Handlung in eine andere Richtung treibt.

Der Leser hat nur die Wahl, sich entweder von der hypnotischen Wirkung dieser Prosa gefangennehmen zu lassen oder das Buch nach wenigen Seiten wütend in die Ecke zu feuern, abgestoßen von den Vereinfachungen und der mangelnden Wahrscheinlichkeit der Ereignisse.

Taschenbuch: 158 Seiten
Info: The Book of Ptath, 1947
Aus dem US-Englischen übertragen von Jesco von Puttkamer
www.luebbe.de

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