Trudi Canavan – Die Königin (Sonea 3)

Sonea

Band 1: Die Hüterin“
Band 2: Die Heilerin“
Band 3: „Die Königin“

Lorkin konnte die Verräterinnen tatsächlich überreden, ihn gehen zu lassen. Aber kaum ist er zurück in Arvice, läßt König Amakira ihn festsetzen. Da Dannyls Versuche, ihn loszueisen, keinen Erfolg zeigen, beschließt die Gilde, Sonea nach Sachaka zu schicken. Doch Lorkins Befreiung ist nicht ihre einzige Aufgabe …

Cery hat Skellin inzwischen kaum noch etwas entgegenzusetzen. Wohl oder übel flieht er in die Tunnel unter der Gilde. Aber noch immer ist er nicht bereit aufzugeben, statt dessen plant er, Skellin eine Falle zu stellen.

An der Charakterzeichnung hat sich, abgesehen davon, dass Lorkin etwas selbstbewusster geworden ist, nicht viel getan. Durch die Spannungen aufgrund Lorkins Aufenthalt bei den Verräterinnen ist Dannyl in Bezug auf Ashaki Achati ein wenig in die Zwickmühle geraten, und auch um Sonea entwickelt sich ein Hauch von Romantik. Letztlich bleibt es jedoch, wie schon bei Lorkin und Tyvala, bei einem Hauch. Wirklich tragfähig war das alles nicht.

Folglich musste die Handlung den Leser ganz allein bei der Stange halten. Leider ist auch das nicht so ganz geglückt. Das liegt daran, daß alles sich nur sehr langsam entwickelt.

Der Strang um Cery ist kurzzeitig interessant, bis er und seine Begleiter Gol und Anyi die Tunnel unter der Gilde erreichen. Dann geht es erst einmal seitenlang darum, wie die drei, teilweise mit Lilias Hilfe, das Notwendigste für einen längeren Aufenthalt besorgen. Erst als Cery anfängt, über eine Falle für Skellin nachzudenken, wird es etwas interessanter, aber auch hier tut sich erst mal wenig. Ich hatte größere Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Zutaten für die Falle erwartet. Erst, als der Zeitpunkt gekommen ist, sie zuschnappen zu lassen, zieht hier die Spannung an.

Soneas Strang bietet überhaupt keine Spannung. Ihre Reise verläuft quasi vollständig ereignislos bis Arvice, das kurze Treffen hinter der Grenze am Rand der Gebirge, hat auf die eigentliche Geschichte überhaupt keine Auswirkungen.

Das gilt zunächst auch für die Ereignisse um Lorkin. Was im Gefängnis geschieht, ist zwar grausam, aber nicht im geringsten spannend, weil Lorkin selbst zu keiner Zeit in Gefahr ist. Erst als die Verräterinnen wieder mehr ins Zentrum des Geschehens rücken, zieht der Spannungsbogen an und wirkt sich durch Achatis Warnung an die Bewohner des Botschaftshauses sogar ein wenig bis dorthin aus.

Bis der Leser so weit ist, hat er allerdings bereits gut zwei Drittel des Buches gelesen. Schade nur, daß das bißchen Spannung, das sich bis dahin entwickelt hat, vollkommen wirkungslos verpufft. Denn die Auflösung der brenzligen Situationen erfolgt beinahe spielerisch. Ganz plötzlich sind sämtliche Probleme behoben, quasi mit einem Fingerschnipsen. Der Kampf in Arvice ist für die Sieger ein Spaziergang! Keinerlei ernstzunehmende Hinterhalte, und auch die Bedrohung innerhalb der letztlich siegreichen Truppen löst sich sozusagen von selbst in Luft auf, versandet einfach. Die Ereignisse in Imardin sind sogar innerhalb eines einzigen Absatzes erledigt.Keinerlei Komplikationen, keinerlei unvorhergesehene Wendungen. So einfach war es, dass ich mich regelrecht betrogen fühlte. So einfach, dass es schon unlogisch war.

Selbst wenn den magischen Ringen mehr Raum gelassen worden wäre als lediglich eine Aufzählung, wie sie auf die verschiedenen Taschen einer Weste verteilt wurden, hätte dieser Aspekt das Ganze nicht mehr retten können. Dazu kommt, dass am Ende ein ganzer Haufen loser Fäden übrig ist. Was ist zum Beispiel mit Bokkin? Wenn er ein neuer Regin sein sollte, hat er ziemlich kläglich versagt. Wenn nicht, was sollte er dann sein? Letztlich hatte sein Auftritt keinerlei Auswirkungen auf die Ereignisse. Und was ist mit den Ichani? Die Verräter haben sich jahrhundertelang verborgen. Das mag noch angehen, wenn man nur die Ashaki berücksichtigt, die in der Regel dort wohnten, wo das Land fruchtbar war. Die Ichani dagegen lebten auch in den Bergen und im Ödland, schließlich waren sie Ausgestoßene. Wie kann es sein, dass Ichani und Verräterinnen sich nie in die Quere kamen? Es hat sich auch keiner der Ichani blicken lassen, als es in Sachaka zum Kampf kam. Keiner von ihnen hat versucht, daraus Kapital zu schlagen.

Unterm Strich muss ich sagen, ich war von dieser neuen Trilogie um Sonea sehr enttäuscht. Die ältere Sonea ist bei Weitem kein so faszinierender Charakter mehr wie die junge, und selbst wenn sie es wäre, hätte die Geschichte durch die vielen zusätzlichen Handlungsstränge davon kaum profitiert. Das gilt auch für Cery. Und keiner der Neuzugänge war ein adäquater Ersatz für Akkarin. Der neue Aspekt der magischen Steine wurde zu stiefmütterlich behandelt, um sein Potential voll ausschöpfen zu können. Vor allem aber zeichneten alle drei Bände sich dadurch aus, dass sie mit einer Menge Nebensächlichkeiten überfrachtet waren, die die Entwicklung der eigentlichen Handlung ausbremsten und für jede Menge Durchhänger sorgten. Und wenn schon Romanzen in eine Geschichte einfließen, dann sollten sie auch etwas Herzblut enthalten und nicht nur ein blasses Gespenst am Rande sein.

Dass die Autorin es besser kann, hat sie bereits bewiesen. Deshalb werde ich ihrem nächsten Zyklus wohl eine Chance geben. Sollte Trudi Canavan allerdings tatsächlich, wie auf ihrer Homepage erwähnt, noch einmal weitere Bände über Sonea und die schwarzen Magier veröffentlichen, werde ich darauf wohl lieber verzichten.

Trudi Canavan stammt aus Australien, wo sie nach einem Studium am Melbourne College of Decoration als Designerin, Illustratorin und Kartenzeichnerin für verschiedene Verlage tätig war, ehe sie zu schreiben begann. 1999 gewann sie mit ihrer Kurzgeschichte „Whispers of the Mist Children“ den Aurealis Award for Best Fantasy Short Story. 2001 erschien dann ihr erster Roman, der erste Band der Trilogie Die Gilde der schwarzen Magier. Ihre Trilogie Das Zeitalter der Fünf ist inzwischen ebenfalls auf Deutsch erhältlich. Derzeit schreibt die Autorin an ihrem neuen Zyklus Millennium’s Rule.

Gebundene Ausgabe 603 Seiten
Originaltitel: The Traitor Spy 3 – The Traitor Queen
Deutsch von Michaela Link
ISBN-13: 978-3-764-53043-3

http://www.trudicanavan.com/
http://www.randomhouse.de/penhaligon/index.jsp

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