Trudi Canavan – Die Begabte (Die Magie der tausend Welten 1)

Die Magie der tausend Welten

Band 1: „Die Begabte“
Band 2: „Angel of Storms“ (noch ohne dt. Titel)
Band 3: “Successor’s Son” (noch ohne dt. Titel)

Tyen ist enttäuscht. Er hat eine Menge Zeit und Mühe darauf verwandt, nach einem unberührten Grab zu suchen, und obwohl er letztlich tatsächlich eines gefunden hat, scheint sich der Fund kaum zu lohnen. Keinerlei Kostbarkeiten sind zu sehen, lediglich ein paar verblasste Wandmalereien und … ein Buch. Ein ganz besonderes Buch, wie Tyen bald herausfindet!

Rielles Familie ist nicht arm, wegen ihres Berufes gesellschaftlich allerdings nicht sehr hoch angesehen. Rielles Mutter aber ist ehrgeizig, sie will ihre Tochter über ihrem Stand verheiraten und schickt sie deshalb zum Unterricht in den Haupttempel, in der Hoffnung, daß das Mädchen dort entsprechende Kontakte knüpft. Doch als Rielle eines Tages vom Unterricht nach Hause geht, geschieht etwas, das ihrem Leben eine völlig neue Richtung gibt …

Wie der Titel des Zyklus es schon sagt, gibt es in dieser Geschichte nicht nur eine Welt, sondern viele. Sie sind aber trotzdem alle Teil desselben Universums, erkennbar zum Beispiel an der Magie, die in beiden Handlungssträngen denselben Gesetzmäßigkeiten folgt. Kulturell gibt es allerdings deutliche Unterschiede.

Das leratianische Reich ist stolz auf seinen Fortschritt und seine Zivilisation sowie seine Aufgeklärtheit. Seine Akademie ist berühmt für ihr Wissen und ihre Erfindungen. Die meisten Erfindungen sind technischer Natur und werden mit Magie betrieben. Luftschiffe, Schienenschlitten und magisch-mechanische Tiere sind an der Tagesordnung.

Trotzdem ist Trudi Canavans neuer Zyklus kein Steampunk.

In Rielles Welt nämlich scheint es keinerlei Technik zu geben. Wer auf Reisen geht, reitet oder geht zu Fuß. Auch maschinelle Produktionsmittel wie Druckereien oder dergleichen gibt es nicht, alle Gegenstände werden von Handwerkern hergestellt. Dafür ist Rielles Heimat sehr religiös. Magie gilt dort als Eigentum der Engel, und nur Priestern ist es gestattet, sie zu benutzen.

Und damit wären wir schon beim Problem. Denn Rielle gehört zu denen, die die Fähigkeit besitzen, Magie zu nutzen. Und in der Stadt Fyre ist offenbar jemand unterwegs, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, solche Leute in Versuchung zu führen.

Rielle ist ein junges Mädchen, nicht gerade dumm, aber behütet aufgewachsen und recht gutgläubig. Kein Wunder, dass sie ein paar Entscheidungen trifft, die gelinde gesagt keine gute Idee sind. Die heimlichen Treffen mit einem Maler aus dem Künstlerviertel gehören da noch zur harmlosen Kategorie.

Tyen ist Rielle recht ähnlich. Auch er ist intelligent und gleichzeitig ein wenig naiv. Er teilt die Überzeugungen seiner Umgebung ziemlich unreflektiert, bis er nach ein paar unangenehmen Erfahrungen vermehrt mit Angehörigen anderer Völker in Kontakt kommt. Und auch das Buch, das er gefunden hat, erweitert seinen Horizont.

Sowohl Tyen als auch Rielle sind recht ordentlich gezeichnet, glaubhaft und nachvollziehbar, ein wenig fehlte mir jedoch das innere Feuer, das eine Figur wirklich zum Leben erweckt. Die Nebenfiguren sind eher skizziert, ihre Persönlichkeit reicht kaum über ihre Funktion innerhalb der Geschichte hinaus.

Im Falle von Rielles Handlungsstrang wird das mit der Zeit ein wenig zum Problem. Denn hier passiert nicht viel, außer dass Rielle immer tiefer in den Schlamassel gerät. Dieses In-den-Schlamassel-geraten hätte durchaus spannend werden können, wenn die Autorin den Mut gehabt hätte, die Angelegenheit etwas unangenehmer zu gestalten. Statt dessen verliert jeder Schritt, der die Situation hätte verschärfen sollen, an Brisanz, weil unter den Akteuren nur ein einziger wirklicher Schuft ist, der leider überhaupt keinen Einfluss hat.

Die Handlung um Tyen hat da schon mehr zu bieten. Zwar hat auch Tyen unterwegs geradezu unverschämt viel Glück, aber immerhin sind seine Verfolger nicht harmlos, und sie sind außerordentlich hartnäckig. Tyen gerät von einer brenzligen Situation in die andere, ohne dass es gekünstelt oder gezwungen wirkt, sodass es hier tatsächlich immer wieder spannend wird.

Unterm Strich fand ich diesen Auftakt ganz interessant, aber noch ein wenig zahm. Die Ausgestaltung der Welten und ihrer Kulturen hat mir sehr gut gefallen, ebenso der Entwurf der Magie. Die Figuren dagegen können noch ein wenig mehr Pfeffer vertragen, und die Handlung um Rielle ein wenig mehr Tempo.

Immerhin sind beide Hauptprotagonisten nun in Bewegung, und auch ein paar der eingestreuten Andeutungen klangen vielversprechend, sodass die Fortsetzung hoffentlich etwas lebhafter werden wird.

Trudi Canavan wurde in Deutschland durch ihre Romane über die Magierin Sonea bekannt, außerdem stammt der Zyklus „Das Zeitalter der Fünf“ aus ihrer Feder. „Die Begabte“ ist der erste Band ihrer neuen Trilogie „Die Magie der tausend Welten“. Ein Erscheinungsdatum für den nächsten Band ist bisher nicht bekannt.

Gebundene Ausgabe 672 Seiten
Originaltitel: Thief’s Magic
Deutsch von Michaela Link
ISBN-13: 978-3-764-53105-8

www.trudicanavan.com
www.randomhouse.de/penhaligon

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