Charlaine Harris – Vampirmelodie (Sookie Stackhouse 13)

Da ist er nun also: Der dreizehnte und letzte Band der Sookie-Stackhouse-Reihe. Vor dreizehn Jahren erschien das erste Buch um die gedankenlesende Kellnerin Sookie Stackhouse, die im kleinen Städtchen Bon Temps in einer Kneipe arbeitet und plötzlich an einen Vampir gerät. Damit nahm ihr bisher beschauliches Leben eine drastische Wende. Hatte sie sich bisher durch ihre Begabung (sie nennt es Behinderung) in zwischenmenschlichen Dingen geradezu gehandicappt gefühlt, lernt sie nun endlich zu leben – und zu lieben. Natürlich wird es auch zunehmend gefährlich, denn wie sich bald herausstellt, wird die Welt nicht nur von Vampiren bevölkert. Je mehr Bücher der Reihe erscheinen, desto mehr übernatürliche Wesen lernt der Leser kennen: Vampire, Werwölfe, Gestaltwandler, Dämonen, Hexen und Elfen.

In „Vampirmelodie“ nun ist es Charlaine Harris‘ Aufgabe, die Geschichte um Sookie zu einem würdigen Ende zu bringen. Es gilt, lose Fäden aufzunehmen und vor allem, Sookies Liebesleben zu ordnen. Denn schon im Vorgängerband, „Cocktail für einen Vampir“, sah es zwischen Sookie und Eric nicht mehr wirklich rosig aus. Und zu Beginn von „Vampirmelodie“ scheint Eric definitiv sauer auf Sookie zu sein. Die hatte nämlich ihr magisches Cluviel Dor dafür eingesetzt, ihren Boss Sam von den Toten zurückzuholen, anstatt – wie Eric es sich wohl erhofft hatte – ihren Vampirehemann aus seiner arrangierten Ehe zu befreien. Also hält sich Eric fern. Eigentlich taucht er nur noch kurz in „Vampirmelodie“ auf, um (ziemlich grundlos) ein wenig im Hintergrund zu agieren und Sookie zu sich zu zitieren, um ihre Vampirehe zu lösen. Und damit verschwindet er dann auch aus dem Roman und lässt den Leser unbefriedigt zurück. Sookies und Erics Beziehung findet keinen wirklichen Abschluss, sie wird einfach fallen gelassen wie ein langweilig gewordenes Spielzeug. Diejenigen Leser, die Fans dieser Liebesbeziehung waren, werden sicherlich nicht glücklich darüber sein, wie Harris dieses Kapitel so sang- und klanglos abschließt.

In dem Moment, in dem Eric aus dem Weg ist, wird natürlich Platz für Neues (oder Altes). Mit wem sich Sookie schlussendlich einlassen wird, soll hier natürlich nicht verraten werden. Nur so viel sei gesagt: Harris lässt sich fast bis zum Schluss Zeit, um Sookie neu zu verkuppeln.

Stattdessen bemüht sie sich lieber um einen spannenden Plot – mit eher mäßigem Erfolg. Wie der Klappentext verspricht, wird Sookie des Mordes angeklagt und sogar ins Gefängnis gesteckt (jedenfalls kurzfristig). Das liegt daran, dass ihre alte Freundin Arlene tot im Müllcontainer vor dem Merlotte’s aufgefunden wird. Dass Arlene nur Teil eines weitreichenderen Plans war, findet Sookie bald heraus. Denn ihre alten Feinde haben es sich zur Aufgabe gemacht, Sookie zu Fall zu bringen. Doch warum sie dafür einen so komplizierten und umständlichen Plan aushecken, anstatt sie schlicht zu entführen (so wie sie es schließlich tun werden), bleibt Harris‘ Geheimnis. Auch Sam kann der Logik dieses Unterfangens nicht ganz folgen: „Das ist ziemlich verworren“, meint er, als Sookie ihm den bösen Masterplan auseinandersetzt. Und Sookie stimmt zu: „Es wäre für ihn doch viel einfacher gewesen, eine Pistole zu stehlen und mich zu erschießen.“ Ganz ehrlich: Dass Charlaine Harris ein paar Bösewichtern aus ihrem Universum einen hahnebüchenen Plan in die Herzen legt, um ihr letztes Buch zu füllen, ist nicht gerade originell, aber immerhin legitim. Dass dieselbe Autorin dann auf den letzten Seiten jedoch diesen Plan selbst als ziemlichen Hirnriss entlarvt, darf dann aber doch als reichlich absurd bezeichnet werden. Soll das witzig sein? Selbstreferenziell? Oder ist es nicht doch eher ein Zeichen dafür, wie sich eine Autorin hier selbst dekonstruiert? Jedenfalls ist es ein eher zweifelhaftes Vergnügen, solche Sätze lesen zu müssen.

Charlaine Harris hat versucht, im letzten Band noch einmal alle Figuren Revue passieren zu lassen, deshalb ist das Personal unglaublich groß geraten und leider haben auch nicht alle Figuren etwas Sinnvolles zu tun. Da wird man dann als Leser leider wieder mit einer Vielzahl an Nichtigkeiten konfrontiert, so zum Beispiel, dass Charakter A das Bad verlässt und Charakter B ins Bad geht (ja, wirklich). Wir erfahren wieder Weisheiten aus der Welt der Sookie Stackhouse, wie zum Beispiel, dass Pizzakartons ja so unglaublich schwer zu entsorgen seien, weil sie ziemlich sperrig sind. Aha. Gut, dass darüber mal gesprochen wurde …

Es ist kaum zu übersehen, dass Charlaine Harris in den letzten Romanen der Reihe die Puste ausgegangen ist. Es fehlten zündende Ideen und spannende Plots, um den Leser bei der Stange zu halten. Auch im letzten Band kann Harris das Verlorene nicht wieder aufholen, der Zauber der Anfangsjahre ist unwiederbringlich verflogen. Und so liest man „Vampirmelodie“ hauptsächlich, um eine liebgewonnene Buchreihe zu Ende zu bringen und nicht unbedingt, weil man es nicht erwarten kann zu erfahren, wie die Geschichte um Sookie Stackhouse endet.

Vielen Fans der Serie ist sauer aufgestoßen, mit wem die Autorin ihre Protagonistin letztendlich verkuppelt. Das ist sicherlich persönliche Präferenz und es wäre zu viel verlangt zu erwarten, dass die Wahl eines Autors alle Leser zufriedenstellen kann. Vielmehr ist enttäuschend, dass Charlaine Harris es nicht schafft, ihre so erfolgreiche Buchreihe mit einem ordentlichen Knall zu verabschieden. Der Schluss ist lauwarm. Schade, denn man hätte Sookie Stackhouse ein schillernderes Ende gewünscht.

Taschenbuch: 400 Seiten
ISBN 13: 978-3-423-21500-8
Originaltitel: Dead Ever After
www.dtv.de
charlaineharris.com

Der Autor vergibt: (3/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Die Sookie-Stackhouse-Reise im Überblick:
Vorübergehend tot (Band 1)Untot in Dallas (Band 2)
Club Dead (Band 3)
Der Vampir, der mich liebte (Band 4)
Vampire bevorzugt (Band 5)
Ball der Vampire (Band 6)
Vampire schlafen fest (Band 7)
Ein Vampir für alle Fälle (Band 8)
Vampirgeflüster (Band 9)
Vor Vampiren wird gewarnt (Band 10)
Vampir mit Vergangenheit (Band 11)
Cocktail für einen Vampir (Band 12)
Vampirmelodie (Band 13)

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