Susan Cooper – Wintersonnenwende (Wintersonnenwende 2)

Spannend: Jungzauberer bekämpft Schwarze Reiter

Der elfjährige Will Stanton hat eine Mission. Als letzter Kämpfer des Lichts muss er sich in der ewigen Schlacht zwischen Gut und Böse den Vertretern der Macht der Finsternis stellen. Im Kampf gegen das Böse überquert er die Grenzen von Raum und Zeit. Als ein todbringender Schneesturm über sein Heimatdorf hereinbricht, weiß Will, dass die Mächte der Finsternis zum finalen Schlag ausholen. Wird er diesen Kampf gewinnen können? Unerwartet auftauchende Helfer stellen sich an seine Seite.

Das Buch ist ab 11 Jahren zu empfehlen. Die Verfilmung soll am 11. Oktober 2007 in unsere Kinos kommen:

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Die Autorin

Susan Cooper, geboren 1935, stammt aus der englischen Grafschaft Buckinghamshire und hat schon sehr früh mit dem Schreiben begonnen. Nach ihrem Studium in Oxford arbeitete sie als Redakteurin, brachte es zur ersten weiblichen Herausgeberin des Oxford University Newspaper und arbeitete dann sieben Jahre für die Sunday Times (wo ihr erster Chef der James-Bond-Erfinder Ian Fleming war). 1963 zog sie in die Vereinigten Staaten. Sie ist mit einem amerikanischen Wissenschaftler verheiratet, hat fünf Kinder (zwei eigene und drei Stiefkinder aus der ersten Ehe ihres Mannes) und lebt in der Nähe von Boston, Neuengland. Sie hat zahlreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht.

Der Zyklus der Wintersonnenwende umfasst folgende Bücher:

1) Bevor die Flut kommt (1965)
2) Wintersonnenwende (1973)
3) Greenwitch (1974)
4) Der Graue König (1975)
5) Die Mächte des Lichts (1977)

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Handlung

Als Will Stanton am Tag seines elften Geburtstags aufsteht, ahnt er noch nichts von den Schrecken und Wundern, die ihm an diesem Tag widerfahren werden. Er wohnt in dem Dorf Huntercombe, dem Jägertal, an der westlichen Grenze der südenglischen Grafschaft Berkshire, zusammen mit seinen zahlreichen Geschwistern und seinen Eltern. Er weiß es noch nicht, aber er ist der siebte Sohn eines siebten Sohns, und das sind bekanntlich immer besonders gesegnete und begabte Menschen.

Als er an diesem Morgen mit seinem Bruder James aus dem Haus, die Landstraße hinunter und zum nächsten Bauern geht, achtet er nicht auf die zahlreichen Krähen, die in den kahlen Bäumen des Winterwaldes hocken und sich etwas zukrächzen. Als sie Bauer Dawson erreichen, um Butter und andere Lebensmittel zu kaufen, wird er wie stets freundlich aufgenommen. Doch heute warnt Mr. Dawson Will vor kommendem Schnee und gibt ihm einen interessant geformten Talisman mit: einen Eisenring, der durch ein Kreuz geviertelt ist. Will steckt ihn als Schnalle auf seinen Gürtel.

Und er hat gut daran getan, denn kaum hat er den Bauernhof verlassen, passieren sonderbare Dinge. Sie stoßen auf einen Landstreicher, der von Krähen angegriffen und vertrieben wird. In der folgenden Nacht schneit es das Dorf ein, die Welt ist wie verwandelt. Angst überfällt Will in der Nacht, und aus unerfindlichem Grund öffnet sich eine Dachluke, durch die der Schnee in Wills Zimmer fällt. Am nächsten Morgen macht sich Will wieder auf den Weg zu Bauer Dawson, doch in dessen Schmiede taucht ein schwarzer Reiter auf einem schwarzen Pferd auf, der Will neugierig und bedrohlich anschaut. Der Schmied bewahrt ihn davor, vom Reiter mitgenommen zu werden.

Dafür trabt eine schneeweiße Stute in John Smiths Schmiede. John kennt sie offensichtlich und lädt Will ein, sie zu besteigen, denn sie ist völlig zutraulich. Als Will aufsitzt, beginnt sein Kopf einen Schwindel zu fühlen, er hört eine leise, wundervolle Musik, die er er in der Nacht zuvor gehört hat. Will schreit auf und steigt ab. Die Hufeisen der Stute haben die gleiche Form wie der Talisman, den ihm Bauer Dawson gegeben hat.

Will begegnet dem Landstreicher wieder, den er nun als „Den Wanderer“ erkennt. Ein geheimes Wissen erfüllt ihn, aber es ist bei weitem noch nicht ausreichend, um die Andeutungen und Fragen des Wanderers zu verstehen. Dieser nimmt wieder Reißaus, aber diesmal nicht vor schwarzen Krähen, sondern vor dem schwarzen Reiter. Dieser hat Wills Talisman an dessen Gürtel bemerkt. „Dieser Eine wird dir nicht helfen“, droht der Reiter, und Will bekommt es wieder mit der Angst zu tun. Doch da kommt ihm die weiße Stute zu Hilfe, die ihn vor diesem Vertreter der Finsternis in Sicherheit bringt.

Dennoch verfolgt sie der schwarze Reiter auf seinem nachtschwarzen Höllenpferd, und erst als die Stute ihn durch die Tore eines Schlosses trägt, fühlt sich Will in Sicherheit. Dort begrüßt ihn ein freundlicher alter Mann, der sich Merriman nennt (und den wir schon aus „Bevor die Flut kommt“ als Mr. Lyon kennen) und starke Ähnlichkeit mit einem gewissen Merlin hat. Über Merriman erhält Will Zutritt zu einer Dimension, die andere Zeiten einschließt. Und hier hört er wieder die wundervolle Musik, die er auf dem Rücken der Stute vernahm.

Merriman erklärt ihm folgende wichtige Dinge. Gestern sei Will quasi „erwacht“, um ein neues Leben zu beginnen. Als siebter Sohn eines siebten Sohns sei er einer der „Uralten“, deren Aufgabe es sei, als Vertreter der Mächte des Lichts die Mächte der Finsternis zu bekämpfen. Der starke Schneefall in der letzten Nacht sei nur ein Vorbote dessen, was noch kommen werde. Die Finsteren würden sich gerade anschicken, ganz England unter einer hohen Schneedecke versinken zu lassen, so dass man nicht einmal Lebens- und Heizmittel in die abgelegenen Dörfer wie Huntercombe transportieren könne. Die Menschen hätten dann nur noch geringe Überlebenschancen. Es sei denn, die Uralten unternähmen etwas dagegen.

Zu diesen Maßnahmen gehört Wills Aufgabe, die anderen fünf Zeichen des Lichts zu sammeln, das magische Buch Gramarye zu lesen und den letzten Kampf gegen die vordringende Finsternis auszufechten. Folgendes Orakel singt Merriman Will vor:

„Erhebt die Finsternis sich wieder, wehren sechs sie ab;
Drei aus dem Kreis und Drei von dem Pfad.
Holz, Bronze, Eisen; Wasser, Feuer, Stein;
Fünf kehren wieder und Einer geht allein.“

Das eiserne Zeichen habe Will bereits erhalten, nun müsse er noch die restlichen fünf sammeln, doch das stellt sich als schwerer als gesagt heraus, erkennt Will. Woher ein Zeichen aus Wasser nehmen – oder gar eins aus Feuer?

Mein Eindruck

Die Serie „The dark is rising“ liegt nunmehr als durchgehender Zyklus ganz auf Deutsch vor, und der vorliegende Band „Wintersonnenwende“ ist zweifellos einer der gelungensten. Alle Bände drehen sich um ein zentrales Symbol, das der Seite des Lichts zum Sieg im Kampf gegen die Mächte der Finsternis verhelfen soll. Im ersten Band, „Bevor die Flut kommt“, ist es der heilige Gral, den einige Teenager vor dem Zugriff der Schurken bewahren müssen.

In „Wintersonnenwende“ ist es ein Kreuzring. Später folgen noch ein Schwert aus Kristall und eine Harfe aus Gold. Diese Gegenstände erinnern an die magischen Objekte im walisischen Sagenkreis des „Mabinogion“, zum Beispiel einen magischen Kessel. Aber es gibt einen wichtigen Unterschied: Während die Mabinogion-Objekte ihre Macht äußerlich von bestimmten Göttern beziehen, projizieren die Figuren in „Wintersonnenwende“ die Macht in die Gegenstände hinein. Daher können die Gegenstände das Leben der betroffenen Figuren viel tiefer durchdringen, erweisen sich aber auch als recht wirksam im Einsatz.

Will Stanton hat ab seiner Initiation als Jung-Magier durch Merlin / Merriman kein leichtes Los. Er ist ständigen Angriffen und Versuchungen der höchst aktiven Gegenseite ausgesetzt. Obendrein hat er sich nicht nur um sich selbst zu kümmern, sondern auch um seine Geschwister und Eltern. Deshalb besteht die Handlung keineswegs nur aus dem banalen Suchen heiliger Gegenstände, sondern auch aus einem menschlichen Drama. Dieses Drama betrifft nicht nur Wills wachsende Verantwortung für seine Familie und Gemeinde, sondern auch das, was er in der Anderszeit bewirkt.

Merriman ist eines der Tore in die Anderszeit, beispielsweise in das 14. Jahrhundert. Wie jeder weiß, hat der Zauberer Merlin ein ganz spezielles Verhältnis zur Zeit: Er kann sich darin nach Belieben bewegen. Doch was passiert, wenn man das Schicksal eines Menschen aus der Anderszeit beeinflusst? Will findet es zu seinem Leidwesen heraus. Er greift auf die Dienste eines jungen Mannes namens Hawkin zurück, doch ohne dessen Einwilligung. Durch diesen Missbrauch fällt er der „dunklen Seite“ anheim bzw. erliegt deren Verlockungen. Was dann aus Hawkin wird, kann Will selbst an dem Landstreicher ablesen, der ihm an seinem elften Geburtstag über den Weg läuft: Hawkin ist „Der Wanderer“, dessen Auftauchen zusammen mit dem Schwarzen Reiter die Finsternis ankündigt, die über das Land in Gestalt eines Schneesturms hereinbricht.

Nur in der Kirche können die Vertreter des Lichtes, also Will, Merriman, Bauer Dawson und andere, das letzte Gefecht mit der Macht der Finsternis ausfechten. Das ist leichter gesagt als getan, weil Will immer noch das letzte und wichtigste Kreuzring-Zeichen fehlt. Mehr darf nicht verraten werden, ohne die Spannung zu zerstören.

Es gibt ein gewisses Maß an Humor, doch dieser Humor ist so bieder und kindlich, dass ich mich wenig darüber gefreut habe. Hier merkt man dem Buch sein Alter doch deutlich an – es wurde bereits 1973 geschrieben. Dass man heute in England noch Weihnachten mit Sternsingern feiert, die von Haus zu Haus gehen, möchte ich doch stark bezweifeln. Auch in England hocken heute wie bei uns alle Leute vor der Glotze, nachdem der Stress der „Bescherung“ vorüber ist.

Der Reiz des Buches liegt also vor allem in der inneren Entwicklung des Helden, in seinen Auseinandersetzungen mit bedrohlichen Gestalten und mit der faszinierenden Queste nach den magischen Zeichen. Ich bin ziemlich sicher, dass die Verfilmung durch 20th Century Fox ihren Schwerpunkt auf diesen leicht nachzuvollziehenden Ablauf richten wird.

Unterm Strich

„Wintersonnenwende“ erinnert im Gegensatz zu „Bevor die Flut kommt“ noch am ehesten an „Harry Potter“, insofern, als hier die Entstehung eines Zauberers geschildert wird. Die drei Buchteile sind in „Weissagung“, „Lehrzeit“ und „Erfüllung“ unterteilt – das sagt schon viel über die Phasen von Wills Entwicklung aus. Was mir ein bisschen gefehlt hat, ist ein Gefährte Wills, mit dem er sich während seiner Reisen austauschen kann. Der alte Merriman ist mehr Lehrmeister und Mentor als Freund. Wenn Will eine Art Frodo ist, so fehlt ihm ein Sam.

Heute würde Susan Cooper ihre Geschichte wahrscheinlich etwas anders erzählen. Dass Bücher wie das „Buch Gramarye“ derartige Offenbarungen über die wahre Natur der Welt beinhalten, halte ich inzwischen auch für ziemlich unwahrscheinlich, aber das liegt wohl an meiner eigenen Skepsis gegenüber vermittelten Lehren allgemein. Sie riechen mir stets ein wenig nach Ideologie. Wie auch immer: Das Buch Gramarye ist ein ganz besonderes Buch, das seinen Leser in andere Welten entführt – genau, wie es ein gutes Buch auch tun sollte. So wie „Wintersonnenwende“.

Taschenbuch: 288 Seiten
Originaltitel: The dark is rising, 1973
Aus dem Englischen von Annemarie Böll
www.randomhouse.de/Verlag/cbt-Kinder-und-Jugendbuecher
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