Die drei ??? und die Totenkopfbucht (Sonderband)

Die Handlung:

Beim Tauchen in der Totenkopfbucht stoßen die drei ??? auf eine merkwürdige Geschichte: Bei einem Sturm sank hier das Segelboot eines Hafenmitarbeiters. Ein Mann, der das Meer kennt, kentert nahe der Küste? Sehr seltsam! Als Justus, Peter und Bob beim Untersuchen des Wracks von Unbekannten angegriffen werden, spitzt sich die Lage dramatisch zu …
Noch spannender: jetzt kommen auch die Gegner der drei ??? zu Wort!
Wer die geheimen Seiten öffnet, erfährt die ganze Wahrheit und ist den drei ??? schon einen Schritt voraus. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Irgendwie ist gerade Unterwasser-Saison bei den Drei ???, denn auch in einem der parallel erscheinenden Bände der regulären Romanreihe gibts gerade ein nasses Abenteuer zu erleben. Na dann mal ab in die Fluten und runter zum Wrack … und vor allem: Was versteckt sich wohl hinter den verschlossenen „Japan-Seiten“?

Na ja … das Inhaltsverzeichnis zum Beispiel … das war aber wohl eher aus produktionstechnischen Gründen von der japanischen Zwangsbindung betroffen.

Beim Lesen wird auch schnell klar, dass es extrem hektisch werden wird. Klar kenne ich es, dass Geschichten mehrere Handlungsfäden bearbeiten und dass auch zwischen denen hin- und hergesprungen wird … meist mit ’nem gemeinen Cliffhanger. Das geschieht normalerweise aber immer erst nach einem Kapitel und wenn der Leser richtig in den jeweiligen Strang eintauchen konnte.

Hier ist das anders. Da es auf den verstecken Seiten nicht nur Zusatzbilder, sondern meist auch echten Text in Storyform zu sehen gibt, entsteht ein sehr hektischer Lesefluss, der seinen Namen nicht wirklich verdient hat. Der Autor hat hier nämlich im Wechsel nur zwei Seiten Zeit, jeden der beiden Handlungsfäden voranzutreiben, bevor dann schon wieder der nächste Schwenk kommt. Wer nicht aufpasst, der weiß auf einmal gar nicht mehr, auf wessen „Seite“ er gerade steht … wenn da nicht die Namen der Prota- und (mutmaßlichen) Antagonisten benutzt würden.

Das funktioniert bei den Drei ??? KIDS besser, denn da gibts bei den japanisch gebundenen Abenteuern meist Rätsel, Spiele oder Bastelanleitungen, die zwar an die Story angelehnt sind, sie aber ergänzen, anstatt hektisch auf etwas ganz anderes zu deuten, bevor es gleich wieder zurückgeht.

Hier entsteht zudem der Eindruck, dass sich das Abenteuer in die Länge ziehen wird. Gerade zu Anfang sind alle Beteiligten in der Nähe des Wracks und es dauert eine ganze Weile, bis endlich mal alle Seiten im Wasser sind, um auch wirklich hinzuschwimmen. Bei doppelseitigen Bildern als Auflockerung ists angenehmer.

Auch wenns gefährlich wird, ist das Leseerlebnis ein anderes. Ich finds spannender, wenn man nicht sofort auf der nächsten Doppelseite erfährt, was da grad wirklich passiert ist, sondern mit den Jungs zusammen grübeln kann.

Viele, viele, sehr viele Seiten lang gehts irgendwie gar nicht voran. Die Jungs ermitteln rund um das Boot, das praktischerweise auch noch von Kameras im Auge behalten wird und die Gegenseite sucht offenbar auch was im Boot. Den standardmäßigen Schatz mutmaßlich. Einzig der große Unbekannte, der hin und wieder auch mal eine Doppelseite vom Autor spendiert bekommt und nur „ER“ genannt wird, weckt das Interesse des Lesers (also meins jetzt). Ein dritter Interessent oder gehört er zu den anderen?

Und … lass da unten bitte nicht einfach nur einen Schatz rumliegen, dafür hätte ich ungern die ganzen Seiten aufgetrennt und mich hektisch durch den Fall gelesen.

Ganz so einfach ists dann zum Glück doch nicht und die Hintergrundstory hat mich durchaus gut unterhalten können.

Was ist eigentlich eine „japanische Bindung“?

Wer das Prinzip der „japanischen Bindung“ noch nicht kennt, für den sei kurz das einfache Prinzip erklärt: Dieses Buch besteht aus „Seitenpaaren“, hier sind immer zwei Seiten am äußeren Rand zusammengeheftet. Das gibts beim KIDS-Ableger der drei ??? schon und bei den (minimal) älteren Jungs haben wir beim „Grab der Maya“ auch schon mal Seitentrennung betreiben können.

In diesem Buch arbeitet man sich voran, indem es erst zwei Seiten zu lesen gibt und dann gilt es, das nächste Seitenpaar möglichst beschädigungsfrei voneinander zu trennen. Geht prima mit einem Brieföffner, einem Lineal oder einem Messer. Den jüngsten Lesern würde ich zur Lineal-Alternative raten … allein schon, um den Eltern dieses nicht zum „gruseligsten Buch aller Zeiten“ werden zu lassen. Der Buchschnitt sieht dann am Ende des Falles aus, als hätte ihn jemand mit grobem Schmirgelpapier bearbeitet, dessen muss man sich bewusst sein und das lässt sich hier auch nicht vermeiden, egal wie vorsichtig man zu Werke geht.

Der Autor:

Marco Sonnleitner ist seit seiner Kindheit großer Fan der drei ??? und seit dem Frühjahr 2003 im Autorenteam. Er sprüht nur so vor Ideen und es gelingt ihm mühelos, diese gekonnt in Texte mit starken, witzigen Dialogen umzusetzen. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Wer wie ich zuerst alle japanisch verbundenen Seiten trennt und dann das Buch in einem Rutsch durchliest, hat wenig Spaß an diesem letztendlich gut durchdachten und hintergründigen Fall.

Dann liest sich das Ganze wie ein Wettrennen, bei dem der Leser zwei Seiten auf den einen Läufer schaut, um dann zwei Seiten einem zweiten Läufer zuzuschauen, der den gleichen Streckenabschnitt hinter sich bringt. Klingt wenig spannend? Ist auch alles andere als.

Jetzt könnte man die Seiten zulassen und den Fall aus Sicht der Detektive lesen, dann wäre der aber nach etwa der halben Zeit vorbei, weil die Jungs sich das Buch ja mit anderen teilen müssen. Die Frage ist allerdings auch, wer das gleiche Abenteuer noch mal lesen möchte (mit geöffneten Seitenpaaren oder ausschließlich die geöffneten Seitenpaare als eigenständiges, unvollständiges Abenteuer), am Ausgang ändert sich ja nix, so interessant die Hintergründe auf den verschlossenen Seiten auch sind.

Der Verlag meint in der hinteren Klappe, dass man das Buch nicht lesen könne, wenn man die Seiten zusammengeheftet lässt. Warum dann überhaupt eine japanische Bindung? Den Euro Aufpreis hätte man sich dann doch sparen können? Na ja, manchmal ists schon hilfreich, wenn man das sieht, was die Jungs grad sehen … und normal gibts ja keine Zeichnungen oder Fotos in ???-Abenteuerromanen, von daher …

Wer sich aber auf die Lesehektik einlassen kann, der findet einen Lesespaß, den es sonst nicht gibt. Gerade wenn beide Seiten aufeinandertreffen, wirds interessant. Bilder gibts wie gesagt auch sonst nicht und gerade hier sind die sehr aufschlussreich.

Dass ER immer noch ER genannt wird, obwohl der aufmerksame Leser schon längst weiß, wer ER ist … na ja.

So war ich am Ende hin- und hergerissen, wie ich den Fall denn nun beurteilen soll. Auf der einen Seite wars mir zu hektisch, gleichzeitig auch zu langatmig und zu einfach zusammenzufassen. Auf der anderen Seite war die Hintergrundgeschichte wirklich interessant und ich habe mich gern mit ins Meer nehmen lassen, um zu erfahren, wer hier was vorhatte und obs geklappt hat oder nicht.

Hardcover: 176 Seiten mit japanischer Bindung
Vom Verlag empfohlen ab 10 Jahren
12 SW-Zeichnungen von Silvia Christoph
1. Auflage, März 2019
ISBN: 978-3-440-16002-2

www.kosmos.de

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