Die drei ??? – GPS-Gangster (Band 168)

Zur Story

Die drei Fragezeichen nehmen einem angesehenen Geocaching-Wettbewerb teil, den der örtliche Verein der „Track-Cracker“ nahe Rocky Beach veranstaltet – Fast hätten sie die finale Aufgabe auch rechtzeitig vor Ablauf des Zeitlimits gelöst. Das wäre das Sahnehäubchen gewesen. Für den ersten Platz reichts auch so allemal: Sieg nach Punkten. Die Geocaching-Gemeinde ist verblüfft und entzückt gleichermaßen, denn schneller hat noch niemand in der Vergangenheit die dazugehörigen Rätsel, um an die jeweiligen Koordinaten für die moderne Art der Schnitzeljagd zu gelangen, gelöst. Die Tatsache, dass es sich bei Justus, Peter und Bob um offenbar sehr helle Detektive handelt, veranlasst Mitveranstalterin und Vereinsvorstand Deborah Rodman den Jungs spontan einen recht heiklen Fall anzubieten.

Seit einiger Zeit macht ein dubioser Kunstdieb namens „Captain Skull“ die Gegend unsicher und düpiert die Polizei mit seinen Spielchen, wobei er stets eine rückwärts laufende Uhr hinterlässt und ausgebuffte Rätsel, welche letztendlich den Weg via GPS zum Diebesgut ergeben. Bislang schaffte es die Polizei nur ein einziges Mal, die Beute fristgerecht zu sichern. Inzwischen ist die Geocaching-Szene durch den Gangster stark in Verruf und Verdacht geraten, was Mitgliederschwund zur Folge hat. Jetzt lässt Deborah in ihrer Verzweiflung ihre hochrangigen Beziehungen ins Polizeipräsidium spielen, damit die drei ??? uneingeschränkten Zugang zur Skull-Akte bekommen. Inspektor Cotta ist erwartungsgemäß wenig begeistert, fügt sich aber zähneknirschend seinem Schicksal, dass die Jungs nun quasi die federführenden Ermittler sind.


Eindrücke

Schon das (gelungene) Cover macht unmissverständlich deutlich, dass die drei ??? ohne Zweifel in der Neuzeit angelangt sind. „Geocaching“ heißt das Zauberwort dieses Falles, was Autor Marco Sonnleitner schon einmal die ersten Punkte für Originalität einbringt. Einen solchen Aufhänger gabs bislang noch nicht, wiewohl Internet und Handy inzwischen ja schon länger fester Bestandteil der berühmten Junior-Detektei aus Rocky Beach geworden sind. GPS (Global Positioning System) also. Nun gut. Damit lässt sich trefflich eine Schnitzeljagd realisieren, denn nichts anderes ist Geocaching schließlich, bei der Koordinaten eine zentrale Rolle spielen – und die wiederum kann man eben auch wunderbar chiffrieren. Natürlich mit Rätselsprüchen. Klar, was auch sonst bei den drei Fragezeichen? Dafür sind dann jetzt (mindestens) 5 Euro für die Klischee-Kasse fällig. Ja Ja. Ist ja gut, das will die Leserschaft so. Schon recht. Solange das Herumreiten auf solchen nicht Überhand nimmt, ist gegen dieses Argument auch nichts einzuwenden. Es entspricht der Wahrheit: Der gemeine Drei-???-Konsument braucht gewisse, feste Rituale für sein Seelenheil.

Eins davon ist – wenigstens bei den alteingessenen Fans, wie auch der Rezensent sicher einer ist – gerne die Möglichkeit selbst mitknobeln zu können. In diesem Punkt herrscht allerdings ziemliche Flaute, doch das ist kein spezielles Problem allein dieses Romans, sondern betrifft fast alle Autoren und Fälle der Neuzeit. So bleibt es wie üblich an Justus, die Leserschaft endgültig über den wahren Sachverhalt aufzuklären, ohne dass diese genügend Informationen bekommt, als dass es sich wirklich lohnt, belastbare Theorien aufzustellen. Zwar werden einige kleine, eher am Rande bemerkte, Details hinterher sehr wichtig, doch kann man sich die Mühe sparen, den Fall auf eigene Faust lösen zu wollen. Auf der anderen Seite bleibt der Plot bis zum Schluss gerade dadurch spannend, da bis zuletzt dank falscher Fährten die Identität und das Motiv des Diebes hinter der Totenkopfmaske effektiv verschleiert werden. Auch die Action kommt nicht zu kurz. Als comic relief – oder besser: romantic – darf der erste Detektiv mal wieder ein Mädel anschmachten. Es sei Marco Sonnleitner aber hoch angerechnet, dass er uns dabei keine weitere Brittany (siehe: „Das Erbe der Meisterdiebs“, „Feuermond“) beschert. Puh!

Fazit

Schnitzeljagd meets GPS-Satellitennavigation. Kann das gutgehen? Es kann, wie das beliebter werdende Hobby der Geocacher beweist. Vielleicht einer der Gründe um diesem Thema auch mal einen modern angestrichenen Fall für die drei ??? zu widmen. Wobei das allein natürlich nicht ausreicht, da müssen die Koordinaten dann auch noch durch Rätsel verschlüsselt werden. Ehrensache. Schnitzeljagd plus – digitally reloaded sozusagen. Rätsel übrigens, die der Leser nicht selbst bewältigen kann, sondern darauf bauen muss, dass dem Autor sowohl eine plausible Herleitung als auch Einbettung in die Handlung gelingt. Mission erfüllt. Der Plot bleibt bis zum Schluss temporeich, spannend und undurchsichtig. Die Serienklischees halten sich im gewünschten wie von Fans erwarteten Rahmen, wenngleich die Sache mit Inspektor Cotta dann doch ein wenig dick aufgetragen ist. Spaßig ist es aber allemal. Für das Gesamtpaket zeigt der satellitengestützte Daumen des Rezensenten auch gern in den Orbit.

128 Seiten, Hardcover
Erzählt von Marco Sonnleitner basierend auf den Figuren von Robert Arthur
© 2012 – Franckh-Kosmos, Stuttgart
Redaktion: Anja Herre
ISBN 9783440126998

www.kosmos.de

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