Jim C. Hines – „Die Buchmagier“ (Magic ex Libris 1)

Magic ex Libris

Band 1: „Die Buchmagier“
Band 2: „Codex Born“ (noch ohne dt. Titel)

Isaac Vainio ist Bibliothekar. Zumindest, seit er vor zwei Jahren vom Außendienst suspendiert wurde wegen Kontrollverlustes infolge zu hoher Nutzung von Magie. Nun katalogisiert er Bücher, sowohl für die ganz und gar harmlose Bibliothek in Michigan, in der er arbeitet, als auch für die Pförtner. Bis eines Tages auf einmal ein Trio Vampire in seiner Bibliothek auftaucht und Informationen von ihm verlangt … dabei sind Informationen etwas, was ihn die letzten zwei Jahre beharrlich gemieden hat!

Um ehrlich zu sein, wenn ich vorher gewusst hätte, dass in diesem Buch Vampire vorkommen, hätte ich es wahrscheinlich nicht gelesen, denn mit Vampiren hab ich es eigentlich nicht so. Aber ganz ehrlich … ich hätte echt was verpasst!

Isaac ist ein glühender Literaturliebhaber, wobei seine spezielle Vorliebe der Science- Fiction und der Fantasy gilt. Abgesehen davon ist er unendlich neugierig, eine Forschernatur. Der unerwartete Angriff dreier Vampire ist ihm ein Rätsel, und natürlich will er das unbedingt lösen.

Unterstützt wird er dabei von Lena Greenwood, einer Dryade, die eigentlich als Leibwächterin für eine Psychologin der Pförtner arbeitet. Lena ist tough, mutig und außerordentlich treu.

Isaacs strenge, Vorschriften befolgende Chefin Nicola Pallas ist erwartungsgemäß gar nicht erbaut von Isaacs Aktivitäten, was ihm auf Dauer zusätzlichen Ärger einhandelt.

Isaac und auch Lena sind recht gut gezeichnet, nicht unbedingt übermäßig tiefschürfend, aber sehr intensiv und lebendig. Die Nebencharaktere sind wesentlich gröber skizziert, was aber nicht schadet.

Denn zum einen kann der Autor mit einer recht interessanten Variante der Magie aufwarten, der Libriomantik. Libriomantik ist die Fähigkeit, so tief in eine Geschichte einzutauchen, dass der Libriomant, wenn er seine Hand in das betreffende Buch steckt, Gegenstände oder Geschöpfe von dort in die Realität holen kann, vorausgesetzt, sie passen durch das Format der Buchseite. Da die nötige Energie dafür durch den Glauben der Leser an die betreffende Geschichte entsteht, wurde Libriomantik erst durch den Buchdruck möglich, durch die massenhafte Herstellung und Verbreitung von Büchern.

Zum anderen erzählt der Autor seine Schnitzeljagd ziemlich temporeich. Isaac hat keine allzu großen Schwierigkeiten herauszufinden, was sich da abspielt, warum, und wer dahintersteckt. Allerdings ist er auch ziemlich gnadenlos, wenn es darum geht, Risiken einzugehen! Vom Einbruch in eine einsturzgefährdete Ruine über den Besuch in einem Nest eh schon ziemlich gereizter Vampire bis hin zur magischen „Durchquerung“ eines Buches ist alles dabei. Kein Wunder, dass er bei seinen Ermittlungen immer wieder in die Bredouille gerät, aus der Lena ihm dann wieder raushelfen muss. Da Isaac außerdem dazu neigt, aus seinen Lieblingsromanen vorwiegend Schusswaffen aller Art herauszuziehen, deren Einsatz in den meisten Fällen nicht zum gewünschten Ergebnis führt, sind die diversen Rettungen meist eine ziemlich knappe Angelegenheit.

Jim C. Hines gelingt es dabei, zu keiner Zeit gekünstelt oder bemüht zu wirken. Außerdem erzählt er in einem recht legeren, saloppen Stil, durch den die gesamte Geschichte mit einem Augenzwinkern daherkommt. Das Sahnehäubchen sind die Details am Rande, wie zum Beispiel diverse magische Einbruchsmethoden, die Feuerspinne Klecks, die eigentlich aus Hines Goblin-Trilogie stammt, oder die Chupacabras, mythisches Ungeheuer, die vor allem in Mittel- und Südamerika verdächtigt werden, Ziegen zu reißen und deren Blut zu trinken.

Unterm Strich ist Hines‘ neues Buch eine kurzweilige, amüsante Geschichte. Der Plot ist intelligent angelegt, die Entwicklung nicht vorhersehbar. Logische Brüche sind mir nicht aufgefallen. Die Protagonisten sind sympathische Zeitgenossen, und die Idee der Magie bietet unsagbar viel Potential. Die lockere Schreibe ist immer für einen Schmunzler gut. Sehr empfehlenswert.

Jim C. Hines
wurde hierzulande bekannt durch seine Goblin-Trilogie. Auch eine Märchenparodie stammt aus seiner Feder, auf Deutsch erschienen als Todesengel-Reihe. Sein neuer Zyklus Magic ex Libris, zu dem „Die Buchmagier“ den Auftakt bildet, ist im englischen Original bereits bis Band zwei gediehen. Der Autor lebt mit seiner toleranten Familie und seinen intoleranten Katzen in Michigan.

Taschenbuch 464 Seiten
Originaltitel: „Libriomancer. Magic ex Libris: Book One“
Deutsch von Axel Franken
ISBN-13: 978-3404207473

www.jimchines.com
www.luebbe.de

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