Bernard Cornwell – Sharpes Rivalen (Sharpe 13)

Der vorliegende Band, der dreizehnte in der Reihe um den britischen Scharfschützen Richard Sharpe, heißt im Original „Sharpe’s Company“ und der Titel benennt im Gegensatz zur deutschen Übertragung recht deutlich den zentralen Konflikt des Geschehens: Denn Richard Sharpe, zu Beginn des Romans noch Captain, muss recht bald fürchten, den Befehl über seine Mannen zu verlieren. Nun hat Sharpe zwar viele Talente, aber ein guter Verlierer war er noch nie …

Doch von vorn: Der Roman beginnt im Jahr 1812 mit der Belagerung von Ciudad Rodrigo. Diese Festung – und ihre große Schwester Badajoz – müssen genommen werden, damit die Briten in Spanien einmarschieren können. Die erfolgreiche Eroberung von Ciudad Rodrigo am Anfang des Buches wirkt als Blaupause für das Finale des Romans, denn diesen Erfolg gilt es zu wiederholen. Das Problem an der Sache ist nur, dass Badajoz viel größer und wehrhafter ist als Ciudad Rodrigo – und demzufolge auch viel schwerer zu erobern.

In dem Sturm auf Ciudad Rodrigo wird Sharpes Freund und Gönner Lawford so schwer verwundet, dass ein Nachfolger für ihn gefunden werden muss, der, als er schließlich eintrifft, Sharpe prompt mitteilt, dass man in London seine Beförderung zum Captain abgelehnt hat. Sharpe findet sich nun also plötzlich als Lieutenant wieder und sitzt zwischen allen Stühlen – kein Platz für einen Kriegshelden wie ihn. Er möchte seinen alten Rang unbedingt wiederhaben und er möchte diesmal sichergehen, dass er ihm nicht wieder genommen werden kann. Also meldet er sich freiwillig zum Himmelsfahrtskommando, das Badajoz erstürmen soll. Denn im unwahrscheinlichen Fall, dass man so ein Himmelfahrtskommando überlebt, wird man sofort befördert.

Gleichzeitig taucht auch Sharpes alte Liebe Teresa wieder auf, die ihm eröffnet, eine Tocher – seine Tochter! – geboren zu haben. Und wie es das Schicksal so will, befindet sich diese kleine Tochter zufällig in Badajoz. Noch ein Grund für Sharpe, unter den ersten zu sein, die die Stadt betreten. Denn wenn erst mal die Armee dabei ist, die Stadt zu plündern, sind Teresa und die kleine Antonia nicht mehr sicher. Auch das hat das Beispiel Ciudad Rodrigo gezeigt. Wenn die Eroberer erst einmal die Stadt erstürmen, wird geplündert, vergewaltigt und gemordet.

„Sharpes Rivalen“ gehört zu den älteren Bänden der Reihe (verfilmt 1994 unter dem deutschen Titel „Kommando ohne Wiederkehr“) und ist ein wunderbares Beispiel für Bernard Cornwells Meisterschaft als Erzähler historischer Stoffe und Erklärer politischer Zusammenhänge. Mit den beiden Festungen Ciudad Rodrigo und Badajoz schafft er einen logischen Rahmen für seine Handlung und es gelingt ihm, auch dem militärischen Laien begreiflich zu machen, was es bedeutet, eine Festung einnehmen zu wollen. Je länger man liest, desto mehr begreift man, woher das Wort „Himmelsfahrtskommando“ stammt (der englische Begriff ist mit „forlorn hope“ ebenso bildlich), denn die ersten Soldaten in der Bresche waren so gut wie tot. Auch darum will Sharpe unbedingt ganz vorn mit dabei sein: Er will sich etwas beweisen. Er will es schlicht versuchen und entweder als Leiche enden oder als glorreicher Sieger aus der ganzen Sache hervorgehen. Und da Sharpes Name vorn auf dem Buchdeckel steht, kann der Leser leicht erraten, welcher Fall letztendlich eintreten wird.

Bis es so weit ist, muss Sharpes jedoch einige Abenteuer bestehen und sich unter anderem seinem alten Rivalen Obadiah Hakeswill stellen, der nicht nur Sharpe selbst Böses will, sondern auch ein Auge auf Teresa geworfen hat. Hakeswill ist einer von der Sorte, der wunderbar nach oben kratzen und nach unten treten kann, und so mobbt und misshandelt er die ihm unterstellten Soldaten völlig unbemerkt von den befehlenden Offizieren. Er schafft es sogar, Sharpes Lieutenant Harper des Raubs zu bezichtigen und ihn auspeitschen zu lassen. Natürlich schafft er sich damit viele Feinde, doch Hakeswill ist nicht umzubringen. Auch in den nächsten Bänden wird man noch gespannt sein dürfen, wie lange diese unglaubliche Glückssträhne anhält.

„Sharpes Rivalen“ ist eine rundum gelungene Episode. Sie ist keinen Moment langatmig, kommt in flüssigem Stil und guter Übersetzung daher und bleibt auch bis zur letzten Seite spannend. Sharpes Abenteuer und der historisch-militärische Hintergrund halten sich immer angenehm die Waage, sodass man zwar Neues lernen kann, aber nie den Eindruck hat, der Autor würde nur Daten und Fakten referieren. So muss ein historischer Roman gestrickt sein: Voller relevanter Informationen, die so schmackhaft verpackt werden, dass man die Lektüre kaum unterbrechen mag, um sich einen neuen Kaffee zu holen. Zum Glück sind Sharpes Abenteuer noch lange nicht vorbei: Die Reihe hat immerhin vierundzwanzig Bände!

Taschenbuch: 428 Seiten
ISBN 13: 978-3-404-16982-5
Originaltitel: Sharpe’s Company
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bernardcornwell.net

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