Die drei ??? und der dreiäugige Totenkopf

Die Handlung:

Horror-Regisseur James Kushing erwacht eines Morgens mit einer mysteriösen Tätowierung auf dem Arm: ein dreiaugiger Totenkopf! Was hat das Tattoo mit dem Film zu tun, den Kushing niemals fertiggestellt hat? Und welches Geheimnis steckt hinter dem gestohlenen Smaragd, der vor Jahren spurlos vom Filmset verschwand? Justus, Peter und Bob stürzen sich in den Fall und entdecken nach und nach die Wahrheit hinter dem Rätsel … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Nachdem die KIDS-Version der Jungdetektive bereits im letzten Jahr ihr Comic-Debut mit den „Strandpiraten“ feierte, steigen auch die älteren Fragezeichen ins grafische Geschäft ein. Offenbar hat sich der KIDS-Comic gut verkauft … das freut mich, denn mir hatte er gut gefallen.

Aber dies ist ja kein Comic, sondern eine Graphic Novel. Der Unterschied? Na ja … der ist gar nicht so direkt zu sehen, denn im Grunde sinds immer noch gezeichnete Abenteuer. Bei der Graphic Novel erzählen die aber meist komplexere Themen, die Zielgruppe ist älter und der Vertrieb geschieht hierzulande meist über den Buchhandel und nicht den Tankstellenkiosk.

Hinter der ersten Klappenbroschurklappe begrüßt uns dann ein vorwortender Herr, der aussieht wie Michail Gorbatschow ohne sein prägendes Feuermal, aber offenbar Alfred Hitchcock darstellen soll … zumindest kann man das anhand der Unterschrift „A. H.“ annehmen. Ich vermute diese zeichnerische Verfremdung und die nicht komplette Verwendung des Namens, weil der Verlag einfach nicht (mehr) die Rechte am Namen oder am Bild hat … clevere Idee.

Dann aber gehts los ins frostige Abenteuer. Frostig, weil es komplett in kaltem Blau, Schwarz und Weiß gehalten ist und beim Leser den Eindruck erweckt, in Rocky Beach und Umgebung herrschte eisiger Winter und alles ist mit Schnee bedeckt. Die Schrift ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, besonders für Leute, die sonst nur in gleichem Schriftgrad gesetzte Bücher lesen, und manchmal ziemlich klein. Wenn dann auch noch die Buchstaben aus künstlerischen Gründen oder einfach nur, weil das Bild so klein ist, so eng zusammenstehen, dass sie fast wie ein Barcode aussehen, wird der Lesegenuss arg geschmälert. Zum Glück kommt das aber nicht allzu häufig vor.

Geschmälert hat der Zeichner die Jungs aber nicht, zumindest nicht Justus, was ja auch Hochverrat an den Altfans wäre. Interessant zu sehen, wie andere sich den in die Jahre gekommenen „Baby Fatso“ vorstellen … und auch Inspektor Cotta, Tante Mathilda und Onkel Titus bekommen wir zu sehen. Da sich jeder Fan diese Figuren anders vorstellt, ist es gut, dass sie uns vorgestellt und in bekannter Atmosphäre präsentiert werden … ich hätte keinen von ihnen wiedererkannt. Auch an die gezeichneten Jungs musste ich mich noch gewöhnen … zumal ich die Zeichnungen der KIDS-Reihe gewohnt bin und so einen etwas anderen Eindruck der Detektive und von Tante und Onkel hatte.

Worum gehts denn jetzt eigentlich im ersten gezeichneten Fall, der vor eingestreuter Eigenwerbung von Autor und Verlag nicht Halt macht? Es geht um einen gestohlenen Smaragd … aha … klingt jetzt nicht umwerfend innovativ oder noch nie dagewesen … Genau wie der telefonische Hilferuf, den die FRAGEZEICHEN am Anfang des Falls erhalten … auch so was hatten wir schon. Da die Jungs aber jeden Fall übernehmen, auch wenn sie sich irgendwie bekannt anfühlen, gehen sie der Männerstimme am anderen Ende der Leitung nach und fangen an, Fragen zu stellen. Erst sich, dann anderen.

Ich hab mir kurz vor Ende und Auflösung des Falles die Frage gestellt, wieso der Ort, an dem wir den Smaragd letztendlich finden und den wir in dieser Graphic Novel zweimal besuchen … beim zweiten Besuch anders heißt und auch anders aussieht. Künstlerische Freiheit oder habe ich da etwas verwechselt? Auch wäre es ein haarsträubender Zufall, dass die Jungs gerade hier vorbeigefahren und dann auch noch reingegangen wären …

Davon ab haben wir eine feste Handvoll Verdächtiger, die wir mit den Jungdetektiven der Reihe nach besuchen und befragen und am Ende gibts noch ein wenig Maskerade. In dem Zusammenhang bekommen wir dann in Bildern die kompletten Hintergründe erzählt und warum wer was wem angetan hat. Das ist durchaus interessant, vom Hocker haute mich das Ganze aber nicht, da habe ich von den Fragezeichen schon weitaus komplexere Storykonstrukte erleben dürfen. Auch die Auflösung war jetzt nicht zum Hut ziehen spektakulär.

Eine schöne Idee ist, dass es nach dem gezeichneten Abschlusslacher, der diesmal auf Kosten aller drei geht und bei dem auch der Leser diesmal gern mit einstimmt, noch einen Nachschlag gibt. Herr Gorbatschow von der Einstiegsbroschurklappe gewährt uns einen Blick hinter die Zeichnerkulissen und wir erfahren, wie die Hauptfiguren dieses Abenteuers schrittweise entstanden sind.

Die Autoren:

John Beckmann hat als freier Autor u. a. fur die preisgekrönten Mystery-Serien „Darkside Park“ und „Porterville“ geschrieben.

Ivar Leon Menger ist Regisseur, Werber und Hörspielautor. Seine Kurzfilme, Werbespots und Hörspiele erhielten zahlreiche internationale Auszeichnungen. (Verlagsinfos)

Mein Fazit:

Das erste gezeichnete Abenteuer der Rocky-Beach-Boys macht auf mich in allen Bereichen einen eher minimalistischen Eindruck. Wenn man Schwarz und Weiß als Nichtfarben weglässt, gibts hier nur eine Farbe zu sehen … Blau … und ein noch dazu sehr kaltes. Die Zeichnungen deuten manchmal eher an als dass sie ausschmückend wären, hin und wieder gibs aber auch größere Zeichnungen, die detaillierter sind. Der Zeichensatz der Textblasen war mir oftmals zu klein oder einfach zu eng gesetzt. Vielleicht werden meine Augen aber auch schlechter, das kann gut sein … aber mir bremste das den Lesefluss gewaltig aus.

Der Langzeitfan merkt auch schnell, dass der Autor nicht zum festen Stamm der FRAGEZEICHEN-Reihe gehört. Die Prämisse des Falls ist einfach und auch die Recherche und der Ablauf sind geradlinig. Am Ende gibts noch einen kleinen Twist, aber auch der fühlt sich … wie so ziemlich alles an dieser Story … an, als hätte mans in diversen anderen Fällen schon erlebt, man kommt nur grad nicht auf den Titel. Und dann dieser riesige Zufall mit dem letztendlichen Fundort des Smaragds …

Mir persönlich gefallen die Zeichnungen der KIDS-Reihe besser, aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Dass den Fans immer mal wieder Novitäten geboten werden, finde ich prima, diese Graphic Novel aber sprach mich nicht wirklich an und hier fesselten oder überraschten mich weder die Zeichnungen noch die Story.

Klappenbroschur mit zwei Klappen: 128 Seiten
Illustrationen von Christopher Tauber
Vom Verlag empfohlen ab 10 Jahren
ISBN-13: 978-3-440-14123-6

www.kosmos.de

Der Autor vergibt: (2.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 3,50 von 5)

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