Christoph Tauber – Rocky Beach (Die drei ???)

Die Handlung:

Das gab’s in der Geschichte der drei ??? noch nie! Viele eingefleischte Fans fragen sich schon lange: Was wäre eigentlich aus Justus, Peter und Bob geworden, wenn sie nicht ewig jung geblieben, sondern tatsächlich erwachsen geworden wären? Die Graphic Novel „Rocky Beach“ erzählt eine mögliche Variante dieses Gedankenspiels. Revolutionär, mit Ecken und Kanten im modernen Graphic-Novel-Stil erzählt und besonders ausgestattet – ein Hochgenuss für erwachsene Fans der Kult-Detektive! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Vorabgedanken

Dass die Bücher und Hörspiele der Drei ??? in der Mehrzahl von längst erwachsenen Fans konsumiert werden, ist kein Geheimnis. Sicher hört deren Nachwuchs und teilweise auch dessen Nachwuchs auch mit … aber die, die das meiste Geld im Franchise lassen, sind die Kassettenkinder von damals.

Düstere und dunkle Fälle gabs hin und wieder auch mal, mit denen die älteren Fans sicher besser klarkamen … aber eine Story, die sich explizit an die Erwachsenen richtig, die gabs bislang noch nicht.

Die Frage, die ich mir direkt nach dem Lesen des Klappentextes gestestellt habe war: Wie weit geht der Autor wohl? Wie wahrscheinlich ist es, dass die Jungs ab Alter 20+ überhaupt noch exklusiv zusammen rumhängen, geschweige denn überhaupt noch Rätsel lösen und Verbrecher bekämpfen wollen? Wird Justus ewig Junggeselle bleiben oder trifft er wie Sheldon bei der „Big Bang Theory“ ein für ihn passendes Gegenstück?

Bei Peter und Bob hab ich mir wenig Gedanken gemacht. Die werden heiraten, Väter werden und hin und wieder mal ein Bier trinken gehen … so sie denn alle in der Gegend bleiben. Die USA sind groß, da wärs kein Wunder, wenn die Jungs komplett in alle Winde zerstreut leben würden. Außerdem steht „Die drei ???“ nicht mal im Titel dieser Geschichte!

Also … Wie alt sind die Helden unserer Kindheit in dieser Geschichte? Und was ist von der Abenteuerlust der Jugend geblieben?

Bevor wir das herausfinden, erschließt sich dem Leser erst mal, woher der Preis kommt. Für die 25 €, die der Fan derzeit auf den Tisch seines Vertrauens legen muss/darf, hat er vor gar nicht allzu langer Zeit drei normale ???-Romane bekommen. Diese Graphic Novel ist aber größer als einer, dicker als einer und schwerer als drei ???-Romane zusammen. Der Unterschied zum Comic besteht übrigens darin, dass Graphic Novels in der Regel storytechnisch anspruchsvoller sind. Und das können wir ja auch von diesem Werk erwarten.

Die Story

Als ???-Fan hatte ich meine Probleme mich einzufinden, auch wenn ich versucht habe, so neutral wie möglich an alles heranzugehen. Die extrem kleine, kursive Schrift in den dafür viel zu großen Sprechblasen haben es mir zusätzlich nicht leichter gemacht.

Es geht auch nicht mit Justus, Peter und Bob los … so wie wir es gewohnt sind, sondern in einer Kneipe mit einem Typen, der offenbar unbeliebt ist. Wer sind diese ganzen Leute und warum machen sie, was sie machen? Und keiner wird hier mit Justus Jonas, Peter Shaw oder Bob Andrews angesprochen, damit wir zumindest optisch wissen, was aus den Jungs von damals geworden ist.

Stattdessen gehts um … was genau? Versicherungen? Ein großes Geschäft? Versicherungsbetrug? Klingt alles nicht wirklich fesselnd und dass die Graphic Novel komplett in schwarzweiß gehalten ist, verdüstert das Setting zusätzlich, auch wenn mal einer grinst.

Halten wir mal fest: Peter ist offenbar bei einer Versicherung angestellt und Bob schreibt fürs Fernsehen. Und sie wohnen auch nicht mehr alle in Rocky Beach. Warum das so ist, könnte am Inhalt der Rückblende liegen, die Peter erlebt. Haben die drei einen Mord mitangesehen und waren danach so geschockt, dass sie ihr Detektivbüro aufgegeben haben? Aber, so was hätten die Autoren der Abenteuer sie doch nie durchleben lassen.

Peters Vater ist/war doch beim Film und ich hätte erwartet, dass er ihn da unterbringen würde. Woher seine Leidenschaft für knochentrockene Versicherungen kommt? Vielleicht erklärts uns hier noch einer. Oder es liegt an dem, was er in der Vergangenheit erlebt hat … von dem er so weit wie möglich weg will. Räumlich und thematisch. Mit Waffen bedroht wurden die Jungs schon häufiger … aber wirklich abgedrückt hatte noch keiner. Später hat auch Bob Flashbacks von genau dem gleichen Fall, der einen tiefen, seelischen Einschnitt bei den Jungs bewirkt hat.

„Den Schrottplatz“ sehen wir im Vorbeifahren übrigens auch … oder das, was er jetzt ist. Passt zum Setting. Nicht schön, nicht lustig, kein Ort, an dem noch Kirschkuchen gebacken wird.

Da es offenbar das Detektivbüro der Jungs nicht mehr gibt … die Jungs keine mehr sind … und offenbar auch keinen Kontakt mehr zueinander haben beziehungsweise auch alle nicht mehr hier wohnen (sonst hätten sie sich auf ein Bierchen in der alten Heimat getroffen), folgen wir nun zumeist Peter. Der „Versicherungs-Heini“ ermittelt für eine Versicherung, um Versicherungsbetrug auszuschließen. Klingt immer noch extrem langweilig.

Der Geschädigte hat aber offenbar tierisch Angst, dass Peter etwas herausfinden könnte. Außerdem hat er Kontakt zur zwischenzeitlich neu aufgebauten und ausgebauten Polizei-Dienststelle von Rocky Beach … und der Kontakt scheint nicht auf legaler Basis zu stehen.

Währenddessen kann Bob beim Sex … ja, den gibts hier auch, genau wie Kraftausdrücke, Gewalt und Tote … Probleme hat, weil er mit dem Kopf ganz woanders ist. In Rocky Beach vielleicht? Bei dem, was die drei damals mitansehen mussten?

Und bei allem Verständnis für den Kopfstress der beiden: Was ist denn nun aus Justus geworden? Kommt der noch? Und … hat am Ende alles etwas mit dem Typ zu tun, den wir am Anfang des Buchs gesehen haben? Den, den keiner mag und der anscheinend verschwunden ist?

Und dann … nach fast der Hälfte des Buchs … sehen wir dann auch, wie Justus heute aussieht. Und auch er fügt sich nahtlos in die bedrückte, depressive Stimmung ein, die dieses Buch und diese Story verbreiten. Denn auch er hat Erinnerungsschübe an „den Tag“, den auch er offenbar noch nicht verarbeitet hat.

Die Jungs (die keine mehr sind) hatten tatsächlich keinen Kontakt mehr … seit über 20 Jahren … und happy ist auch keiner von ihnen. Erleben sie denn dann jetzt wenigstens noch mal einen neuen Fall zusammen und alles wird wieder super, mit Abschlusslacher und allem? Ich befürchte nicht. Den Fall aber … den könnte es doch geben … falls die drei sich zusammenraufen …

Den Abschluss bilden ein sehr persönliches Nachwort des Autors und einige Rohzeichnungen und Entwürfe zum Buch.

Die Macher:

Der Autor Christopher Tauber ist Comiczeichner und lebt in Frankfurt am Main. Er konzipiert und gestaltet Magazine, Comics und Kunstprojekte. Seine „Die drei ???“-Graphic-Novel „Das Dorf der Teufel“ wurde als „Bester Comic für Kinder und Jugendliche“ mit dem Max-und-MoritzPreis 2018 ausgezeichnet.

Die Illustratorin Hanna Wenzel lebt als freischaffende Illustratorin in Stuttgart. Am liebsten fängt sie in ihren Bildern unscheinbare Momente ein und jagt mit derselben Leidenschaft Tagträumen nach (Verlagsinfos)

Mein Fazit:

So dick und schwer dieses Buch ist, so legt es sich auf das unbekümmerte Gemüt derer, die freudig ein neues Abenteuer der Drei ??? aus Rocky Beach erwarten … nur halt „in älter“.

Was aus einer Freundschaft von drei Jungs werden kann, die gern Rätsel knacken und Kirschkuchen essen, wenn einmal bei einem Fall etwas wirklich Schlimmes passiert, das sehen wir hier.

Dunkel, düster, bedrückend, depressiv, verbittert … und all das auch noch in Schwarz und Weiß gezeichnet. Also der komplette Gegenentwurf zu den Drei ??? Kids, bei denen es sogar manchmal lustig bunte Zeichnungen zu sehen gibt. Die wenigen Lacher in diesem Buch sind aufgesetzt.

Denn hier ist alles anders und natürlich ist es „dichterische Freiheit“, mal so richtig in eine Richtung zu treiben, die uns die Autoren der laufenden Drei-???-(Kids)-Romane niemals anbieten würden … dürften. Aber, meins war dieser dystopische Ausflug in das „postapokalyptische“ Rocky Beach so gar nicht.

Ich mochte die Gewalt nicht, ich mochte die Vision nicht, ich hatte während des Lesens eine Beklemmung, die ich beim Lesen eines ???-Abenteuers nicht bekomme, so spannend es auch manchmal ist.

Jetzt würde ich mich freuen, wenn sich jemand mal einen Gegenentwurf zu diesem Szenario ausdenken würde und brauche erst mal etwas Sonne. Denn die scheint für Justus, Peter und Bob gefühlt nicht mehr. Nicht von außen und nicht von innen … auch wenn es am Ende für den Leser ein mitfühlendes Lächeln gibt. Und ein „wenigstens einer“.

Groß Punkte abziehen kann und will ich dennoch nicht. Nur, weil ich kein Freund von solch düsteren Geschichten bin, so erkenne ich dennoch an, dass die Idee des Autors konsequent verfolgt und entsprechend in Bildern festgehalten wurde.

Hardcover: 200 Seiten
Durchgehend illustriert von Christopher Tauber
Maße: 19.5 x 2.4 x 25.4 cm
Vom Verlag empfohlen ab 16 Jahren
ISBN-13: 978-3-440-16562-1

www.kosmos.de

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