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[NEWS] Kai Meyer – Fürimmerhaus

Das Fürimmerhaus steht zwischen den Welten, am Ufer eines dunklen Ozeans. Es hat tausende Hallen und Säle, seine Korridore sind endlos. Und noch immer wächst es weiter und verändert sich.

Im Fürimmerhaus stranden junge Heldinnen und Helden, die ihre Welten vor dem Untergang bewahrt haben. Die Herrschenden fürchten ihre Macht und schicken sie hierher ins Exil. Doch Carter ist kein Held wie die anderen. Er besitzt keine Erinnerung, ist nur von einem überzeugt: Er hat niemals eine Welt gerettet. Und so begibt er sich auf die abenteuerliche Reise durch das Fürimmerhaus, auf der Suche nach seiner Bestimmung. (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 384 Seiten
Sauerländer

Meyer, Kai / Hagitte, Christian / Bertling, Simon – Alchimistin, Die. Teil 1: Der Stein der Weisen (Hörspiel)

_Das Haus Institoris: ein seltsamer Fall_

Schloss Institoris, ein düsteres Gemäuer an einer einsamen Küste. Inmitten eines Labyrinths endloser Gänge und Säle wächst Aura heran, die älteste Tochter des Schlossherrn. Sie ist die Erbin eines uralten Rätsels, der Rezeptur des Steins der Weisen. Doch als ihr Vater im Auftrag seines Widersachers Lysander ermordet wird, schlägt die Stunde für Auras Stiefbruder Christopher – er beansprucht das Geheimnis der Unsterblichkeit für sich … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen. Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis |CORINE| ausgezeichnet.

Die erste Staffel der achtteiligen Hörspielreihe umfasst die Folgen:

1) Der Stein der Weisen
2) Das Erbe des Gilgamesch
3) Die Katakomben von Wien
4) Das Kloster im Kaukasus

Im August 2008 erscheint die zweite Staffel:

5) Die Unsterbliche
6) Die Schwarze Isis
7) Der Schatz der Templer
8) Der Alte vom Berge

|Kai Meyer auf Buchwurm.info:|

[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Der Brennende Schatten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4506 (Hörspiel)
[„Die Vatikan-Verschwörung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3908 (Hörspiel)
[„Die Wellenläufer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3247 (Hörbuch)
[„Die Muschelmagier“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3252 (Hörbuch)
[„Die Wasserweber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3273 (Hörbuch)
[„Frostfeuer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2111 (Hörbuch)
[„Die Alchimistin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=73
[„Das Haus des Daedalus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=373
[„Der Schattenesser“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2187
[„Die Fließende Königin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=409
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3145
[„Der Rattenzauber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=894
[„Faustus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3405
[„Seide und Schwert“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3558 (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
[„Lanze und Licht“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4549 (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
[„Drache und Diamant“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4574 (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher:|

Erzähler: Friedhelm Ptok (Ian ‚Imperator Palpatine‘ McDiarmid)
Aura Institoris: Yara Blümel-Meyers
Gillian: Claudio Maniscalco (Jimmy ‚The Haitian‘ Jean-Louis)
Christopher Institoris: Timmo Niesner (Elijah ‚Frodo‘ Wood)
Charlotte Institoris: Kerstin Sanders-Dornseif (Susan Sarandon)
Nestor Institoris: Uwe Friedrichsen (Danny Glover, ‚Perry Rhodan‘)
Friedrich von Vehse: Mathieu Carrière
Stein: Oliver Brod
Bein: Thomas Winter
Daniel: Nicolas Artajo (Jamie Bell)
Fräulein Braun: Karin David
Sylvette Institoris: Natalie Spinell
De Dion: Freimut Götsch
Cosima: Cathleen Gawlich
Und andere.

Für Regie, Ton und Musikkomposition zeichnen Christian Hagitte und Simon Bertling vom Studio |STIL| verantwortlich. (Das Hörspiel ist daher Cornelia Bertling gewidmet, die 2007 mit 40 Jahren starb.) Die Musik spielt das Filmorchester Berlin und der Hochmeisterchor Berlin unter der Leitung von Hagitte. Die Hörspielbearbeitung stammt von Stefan Maetz. |Lübbe Audio| produzierte das Hörspiel und nicht etwa ein Rundfunksender.

_Handlung_

Die Familie Institoris lebt in einem einsam gelegenen Schloss an der Ostseeküste, das auf einer von fünf Inseln erbaut ist, die man nur per Boot erreicht. Die Bewohner können sowohl den Friedhof mit der Familiengruft als einen verfallenden Leuchtturm sehen, wenn sie aus dem Fenster schauen.

Die Bewohner, das sind zunächst einmal der im Dachgeschoss experimentierende Hausherr, dann seine werte Gattin Charlotte, die fremdgeht, und schließlich ihre vier Kinder. Christopher, 17, ist gerade aus dem Waisenhaus gekommen und scheint folglich nur ein Stiefsohn zu sein. Kein Wunder, dass er sich von Charlotte nicht mehr als Kind behandeln lassen will.

Dann sind da noch seine Schwester Sylvette, die etwa zehn Jahre alt ist, sowie Aura, 17, und Daniel. Während Sylvette und Daniel blondes Haar haben, ist das von Aura schwarz wie die Nacht. Später erfahren wir über Aura, dass nicht sie, sondern Sylvette das Kind von Charlottes Lover ist. Daniel und Aura stehen einander sehr nahe. Als sie erfährt, dass sie in vier Tagen in ein Schweizer Internat reisen soll, bricht sie in Tränen aus. Sie befestigt 38 Ringe an den Innenseiten ihrer Oberschenkel, für jeden Monat im Internat einen.

Als Friedrich von Vehse, der beste Freund der Familie (und Charlottes Lover), zum Abendessen kommt, erzählt er von seinen Erlebnissen mit den Hottentotten in Deutsch-Südwestafrika. Zu aller Erstaunen erscheint auch Nestor Nepomuk Institoris, der Hausherr. Er fragt von Vehse unverblümt, ob er ihm das Drachenblut mitgebracht habe, um das er ihn gebeten habe. Als von Vehse bedauernd verneint, wird Nestor barsch und geht wieder.

Der Vorfall macht jedoch Christoph neugierig: Wozu sollte irgendjemand, der noch so klar bei Verstand ist wie sein Stiefvater, Drachenblut benötigen? Nachts schleicht er sich ins Dachgeschoss und dringt von außen in das Glashaus ein, in dem Nestor einen Dschungel gepflanzt hat. Ein Vogel schreit, so dass Chris schon ganz unheimlich zumute wird und er einen Rückzieher macht.

Erst beim zweiten Versuch wagt er sich weiter vor. Da wird er unvermittelt von Nestor überrascht, der ihn aber sogleich zu seinem Gehilfen ernennt. Nestor, so scheint’s, ist ein Alchimist, komplett mit Ofen, Kessel und riesiger Bibliothek. Er suche den Stein der Weisen, vertraut Nestor ihm an. Denn der Stein schenke bekanntlich ewige Jugend. Ob Christopher sein Schüler sein wolle? Na, logo! Nestor vertraut ihm den Schlüssel zum Dachboden an.

Dagegen protestiert Aura bei Nestor heftig, denn sie hat ebenfalls einen solchen Schlüssel und pocht auf ihre Privilegien. Der Schlüssel symbolisiert ihren Anspruch auf das Erbe des alten Alchimisten. Daniel hingegen könne seit einem Unfall keine Nachkommen mehr zeugen, und seine verbundenen Handgelenke haben Christopher schon zuvor verraten, dass Daniel versucht hat, sich das Leben zu nehmen.

Was alle jedoch nicht ahnen: Nestors alter Feind Lysander hat den Killer Gillian aus Wien ausgesandt, um den alten Nestor zu töten. Gillian hat den Auftrag nur widerwillig übernommen, doch nichtsdestotrotz ist er nun schon auf der Schlossinsel eingetroffen und beobachtet die Vorgänge im Dachgeschoss. Als alles ruhig erscheint, erklettert er die Fassade und dringt in das Labor ein.

_Mein Eindruck_

Der Anfang ist für jede Geschichte, wie jeder weiß, entscheidend. Der Anfang des Hörspiels kombiniert Rätsel und Gefahr auf einem Fundament, das recht solide erscheint: die Familie Institoris. Doch es ist eine Familie mit Widersprüchen, Unvereinbarkeiten, Geheimnissen. Was beispielsweise treibt Nestor wirklich dort oben im Dachgeschoss? Ist er verrückt, nach einem legendären Gegenstand namens [„Stein der Weisen“]http://de.wikipedia.org/wiki/Stein__der__Weisen zu suchen? Oder steckt vielleicht mehr dahinter?

Christopher ist unser Auge und Ohr. Zunächst scheint es, als wäre er die alleinige Hauptfigur der Geschichte, doch schon bald hat sich ihm Aura zugesellt, wenn auch nicht gerade als Verbündete. Vielmehr fühlt sie sich abgeschoben, in eines jener grässlichen Schweizer Internate, die uns seit den Zeiten von Johanna Spyris „Heidi“ verhasst sind (obwohl dort bis zum heutigen Tage jede Menge recht brauchbarer Frauenzimmer „produziert“ und in die Welt entlassen werden).

Beide müssen sich gleichermaßen mit der Gefahr auseinandersetzen. Dieser Killer, den Nestors Widersacher Lysander entsandt hat, nimmt erst Nestor und Christopher aufs Korn, dann auch noch Aura. Auf verschiedene Weise können die Kinder der Gefahr entgehen und ihre Lehren daraus ziehen. Die Hoffnung besteht, dass sie gestärkt aus den Konfrontationen hervorgehen und ihre erhöhte Verantwortung zu nutzen verstehen.

Damit hätte die Geschichte dieser Folge eigentlich ihr Bewenden haben können, doch Aura muss unbedingt noch ein wichtiges Detail erfahren, nämlich den Grund, warum die Auseinandersetzung überhaupt besteht. Und ohne es ahnen, schwebt sie bereits erneut in Gefahr, aber nun von ganz anderer Seite. Ein Krankheit, die ihre Familie in Poe’scher Manier seit Generationen mit sich herumträgt, droht auch sie in Mitleidenschaft zu ziehen.

Was mir gut gefallen hat, waren die recht genau gezeichneten Hauptfiguren, insbesondere Aura (gleich mehr dazu). Auch das Ambiente wird nicht auf das Minimum reduziert und somit austauschbar, sondern als spezifisch für die jeweiligen Figuren gezeichnet. Ziemlich blass sind jedoch Daniel, Sylvette und Charlotte, die Mutter, gezeichnet. Und als erklärt wurde, warum Christopher überhaupt aus dem Waisenhaus geholt und in diese Familie gesteckt wurde, muss ich wohl gepennt haben.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Kai Meyer lobt die Darstellung Yara Blümels in höchsten Tönen, insbesondere die Übereinstimmung mit seiner Vorstellung von der Entwicklung der Heldin Aura Institoris. Als wir sie kennenlernen, ist sie bereits eine selbständige junge Frau von 17 Jahren, die ihrem neuen „Bruder“ Christopher die Stirn bietet und auch gegenüber ihrem Vater auf ihre Rechte pocht. In der Schweiz zeigt sie, dass sie Eigeninitiative besitzt und sich zur Wehr setzen kann. Dies ist keine Frau, die etwas anbrennen lässt, wenn man es nicht sofort erledigen kann. Yara Blümels Stimme weiß dies genau auszudrücken. Um Aura braucht man sich wirklich keine Sorgen zu machen – es sei denn, die Geschichte verlangt es.

Timmo Niesner ist die deutsche Stimme von Elijah „Frodo“ Wood. Er bringt in seine Rolle als Christopher Institoris eine Menge Feingefühl ein, um die verschiedenen Beziehungen, in denen er sich zu Vater und Mutter, zu Schwester und Bruder befindet, entsprechend flexibel auszudrücken. Die Figuren Sylvette und Daniel spielen hingegen praktisch keine Rolle.

Als Nestor Institoris tritt das deutsche Schauspieler-Urgestein Uwe Friedrichsen auf, allerdings nur in dieser Episode. Trotz der Kürze seiner Auftritte präsentiert Uwe Friedrichsen einen Nestor, der sowohl ein gieriger Forscher als auch ein liebevoller, wenn auch autoritärer Familienvater ist. Diese Gespaltenheit verleiht der Figur eine tiefere Dimension, die nötig ist, um Nestor als Referenzpunkt für die späteren Folgen gültig erscheinen zu lassen. Dort wird nämlich ständig auf ihn verwiesen.

Auch Mathieu Carrière gehört schon zur älteren Generation deutscher Schauspieler, und in seiner Glanzzeit gab er stets den charmanten, aber etwas windigen Verführer und Liebhaber – die optimale Ausgangslage für seine Rolle als Friedrich von Vehse, den Liebhaber von Charlotte Institoris. Allerdings überlebt Friedrich die zweite Episode nicht, doch der Fight, den er Christopher liefert, ist durchaus voll Action und Dramatik. Ich hoffe, dass Carrières sicher nicht ganz unbeträchtliches Honorar mindestens zwei anderen Sprechern zugute gekommen ist.

Nichtsdestotrotz fand ich den Text im Vergleich zu der Musik und den (spärlichen) Geräuschen viel zu leise ausgesteuert.

|Die Geräusche|

Die realistisch gestalteten Geräusche sind mit bemerkenswerter Vorliebe der Natur zugeordnet. Zunächst hören wir Wellenrauschen, als würde die Kamera vom Meer aufs Land schwenken, wo sich über der Steilküste ein düsterer preußischer Kasten von Schloss erhebt. Auch Möwen kommen vorzugsweise in diesem Ambiente vor, sowie das eine oder andere Ruderboot. Zu Beginn des letzten Drittels fährt Auras Zug nach Zürich ab, und die Lok lässt ihre Pfeife ertönen, und Dampf zischt. Wie schon zuvor sind alle Schritte gedämpft, und nur einmal ist das Rascheln von Auras Reisetasche zu hören.

|Die Musik|

Die Musik ist neben dem Text das überragende Merkmal dieser Hörspielreihe. Christian Hagitte und Simon Bertling vom Studio |STIL| haben sich wieder richtig ins Zeug gelegt und einen Score geschaffen, der diesen Namen auch verdient. Die Musik schafft die Stimmung für jede Szene, und wer auf die Musik achtet, bekommt sofort mit, wenn sich die Stimmung ändert, so etwa bei einem Wechsel des Schauplatzes.

Aufgrund dieser vielfältigen Wechsel fällt es nicht leicht, die Musik pauschal zu charakterisieren, aber mir ist aufgefallen, dass sich die klassische Instrumentierung häufig auf der melancholischen und wehmütigen, wenn nicht sogar düsteren Seite des Farbenspektrums bewegt. Allerdings ist diese Gemütslage höchst romantisch und keineswegs morbide oder zerfahren. Daher fällt es der Musik leicht, aus dem romantischen Ton in den dramatischen Ausdruck zu wechseln.

Wird die Musik dramatisch, kann sie auch recht flott werden, besonders in Kampfszenen, von denen es nicht wenige gibt. Doch die Musik muss aufpassen, dass sie nicht die Rufe und Schreie während dieser Kampfszenen überlagert. Die Figuren sollten immer die Oberhand über die Stimmung haben, sonst erscheinen sie als Marionetten.

Das Outro erfüllt die Funktion eines Aufräumers: Jetzt spielt das gesamte Orchester eine majestätische und dramatische Melodie, die nicht nur die Bedeutung des Gehörten unterstreicht, sondern Anlass zur Hoffnung auf weitere solche weltbewegenden Ereignisse gibt. Der Verweis auf die Fortsetzung, gesprochen von Lutz Riedel, unterstreicht dieses Versprechen, das die Musik gibt.

|Das Booklet|

Ein Geleitwort des Autors lobt die Darstellung Yara Blümels in höchsten Tönen, sagt aber immerhin genau, was ihm daran so gefiel, nämlich die Übereinstimmung mit seiner Vorstellung von der Entwicklung der Heldin Aura Institoris. Außerdem gefiel die Musik ausnehmend gut. Er hat jetzt Lust, die Fortsetzung zu schreiben. Wird auch Zeit!

Der Rest des Booklets liefert einen Überblick über die erste Staffel und eine Biografie des Autors.

_Unterm Strich_

Das Hörspiel versucht, den goldenen Mittelweg zwischen Edgar Allan Poes [„Der Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 und einer optimistischen Entwicklungsgeschichte à la „Anne auf Green Gables“ zu gehen. Damit sind schon zwei Extreme hinsichtlich Plot, Aussage und vor allem Stimmung genannt. Der Mittelweg bedeutet ein ständiges Ringen um Selbstbehauptung für die Hauptfiguren Aura und Christopher. Der Gegner ist eine Altlast der Familie, die aus der Vergangenheit ihres Familienoberhauptes Nestor stammt: Lysander (wir erfahren nicht mal seinen Nachnamen).

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von bekannten Schauspielern (u. a. Elijah Wood) einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Mir war die Umsetzung an vielen Stellen zu romantisch und melodramatisch, aber von einer statischen Handlung kann keine Rede sein, denn die folgerichtige Entwicklung von Auras Abenteuern im Kampf gegen Lysander und seinen Schergen ist mitreißend geschildert. Auch die romantische Liebe kommt – in der zweiten Folge – nicht zu kurz.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Stars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen.

|77 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3546-6|
http://www.kai-meyer.com
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name

[NEWS] Kai Meyer – Imperator

Die Studentin Anna schließt sich einer Gruppe Paparazzi an, um inkognito den Mörder ihrer Mutter zu jagen. Zugleich soll der Privatdetektiv Gennaro Palladino den Tod eines wahnsinnigen Malers aufklären.
Die Suche nach der Wahrheit führt Anna zusammen mit dem jungen Fotografen Spartaco durch Paläste und verlassene Villen, durch Filmstudios und verruchte Jazzclubs – und immer wieder auf die legendäre Via Veneto, den Brennpunkt des Dolce Vita. Während die High Society im Champagner badet und Regierungsgegner die Revolution planen, ziehen finstere Mächte die Fäden. Sie wollen die Auferstehung des antiken Rom – koste es, was es wolle. (Verlagsinfo)


Broschiert : 400 Seiten
Knaur

Meyer, Kai / Hagitte, Christian / Bertling, Simon – Alchimistin, Die. Teil 4: Das Kloster im Kaukasus (Hörspiel)

_Zwischenfinale: Gewinne und Verluste_

Schloss Institoris, ein düsteres Gemäuer an einer einsamen Küste. Inmitten eines Labyrinths endloser Gänge und Säle wächst Aura heran, die älteste Tochter des Schlossherrn. Sie ist die Erbin eines uralten Rätsels, der Rezeptur des Steins der Weisen. Doch als ihr Vater im Auftrag seines Widersachers Lysander ermordet wird, schlägt die Stunde für Auras Stiefbruder Christopher – er beansprucht das Geheimnis der Unsterblichkeit für sich …

Folge 2: Aura enthüllt das Geheimnis ihrer Familie. Ausgerechnet der Mörder ihres Vaters, der geheimnisvolle Hermaphrodit Gillian, befreit sie aus den Klauen grausamer Mörder. Auf der Spur von Auras entführter Schwester Sylvette reisen sie nach Wien. In den Katakomben unter der Stadt geraten sie in einen Konflikt, dessen Ursprünge weit zurück ins Mittelalter reichen …

Folge 3: Sieben Jahre sind vergangen. Aura hat die Geheimnisse der Alchimie erforscht und das Erbe ihres Vaters angetreten. Doch alle, die ihr etwas bedeutet haben, sind tot. An der Seite ihres verhassten Stiefbruders Christopher muss sie abermals den Kampf gegen den alten Feind ihrer Familie aufnehmen – tief unter der Wiener Hofburg. Zugleich dämmert daheim auf Schloss Institoris eine neue Gefahr: Auras wahnsinnige Mutter Charlotte hat eigene Pläne …

Folge 4: Jenseits des Schwarzen Meeres, in den einsamen Bergen des Kaukasus, liegt die vergessene Festung der Tempelritter. Hier in der Wildnis am Ende der Welt nähern sich Ara Institoris und ihr Stiefbruder Christopher endlich dem Versteck ihres Gegners Lysander. Zugleich reist Gillian, der Hermaphrodit, mit den Institoris-Kindern nach Venedig ins neue Hauptquartier des Templerordens. Sein schwerster Kampf steht ihm noch bevor – gegen Morgantus, den unsterblichen Alchimisten … (Verlagsinfos)

_Der Autor_

Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen. Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis |CORINE| ausgezeichnet.

Die erste Staffel der achtteiligen Hörspielreihe umfasst die Folgen:

1) [Der Stein der Weisen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5052
2) [Das Erbe des Gilgamesch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5155
3) [Die Katakomben von Wien]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5220
4) Das Kloster im Kaukasus

Im August 2008 erschien die zweite Staffel:

5) Die Unsterbliche
6) Die Schwarze Isis
7) Der Schatz der Templer
8) Der Alte vom Berge

Weitere Titel von Kai Meyer auf |Buchwurm.info|:

[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Der Brennende Schatten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4506 (Hörspiel)
[„Die Vatikan-Verschwörung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3908 (Hörspiel)
[„Die Wellenläufer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3247 (Hörbuch)
[„Die Muschelmagier“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3252 (Hörbuch)
[„Die Wasserweber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3273 (Hörbuch)
[„Frostfeuer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2111 (Hörbuch)
[„Die Alchimistin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=73
[„Das Haus des Daedalus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=373
[„Der Schattenesser“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2187
[„Die Fließende Königin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=409
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3145
[„Der Rattenzauber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=894
[„Faustus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3405
[„Seide und Schwert“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3558 (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
[„Lanze und Licht“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4549 (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
[„Drache und Diamant“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4574 (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)

_Die Inszenierung_

Erzähler: Friedhelm Ptok (Ian ‚Imperator Palpatine‘ McDiarmid)
Aura Institoris: Yara Blümel-Meyers
Gillian: Claudio Maniscalo (Jimmy ‚The Haitian‘ Jean-Louis)
Christopher Institoris: Timmo Niesner (Elijah ‚Frodo‘ Wood)
Charlotte Institoris: Kerstin Sanders-Dornseif (Susan Sarandon)
Sylvette Institoris: Natalie Spinell
Lysander: Lutz Riedel (Timothy Dalton, Udo Kier, Tom Wilkinson)
Morgantus: Hans-Werner Bussinger (Michael Ironside, Jon Voight)
De Dion: Freimut Götsch (Steve Buscemi in „Monster House“)
Lascari: Friedrich Georg Beckhaus (Robert Duvall, Klaus Kinski, Sir Ian Holm)
Tess: Aliana Schmitz
Gian: Paul Gerlitz
Marie Kaldani: Katharina Bellena
Und andere.

Für Regie, Ton und Musikkomposition zeichnen Christian Hagitte und Simon Bertling vom Studio |STIL| verantwortlich. (Das Hörspiel ist daher Cornelia Bertling gewidmet, die 2007 mit 40 Jahren starb.) Die Musik spielt das Filmorchester Berlin und der Hochmeisterchor Berlin unter der Leitung von Hagitte. Die Hörspielbearbeitung stammt von Stefan Maetz. |Lübbe Audio| produzierte das Hörspiel und nicht etwa ein Rundfunksender.

_Handlung_

Gian, der siebenjährige Sohn Auras und Gillians, ist ein ungewöhnliches Kind, genau wie Tess, die Tochter Sylvettes und Lysanders. Beide können in Visionen genetische Erinnerungen sehen. Dazu gehören Tempelritter, die vor 700 Jahren lebten. Sie sehen die Burg, die sie bewohnten, und die Kämpfe bei der Spaltung des Ordens.

Während der westliche Zweig vom französischen König und dem Papst vernichtet wurde, konnten sich die Mitglieder des östlichen Zweiges in Sicherheit bringen. Doch zwei Offiziere, Lysander und Morgantus, versuchten ihre Unsterblichkeit durch schwarze Magie zu sichern, Nestor Institoris hingegen durch das Lebenskraut, wie Aura weiß.

Lysanders Burg liegt in Georgien, im Kaukasus, und dorthin unternehmen Aura und Christopher nun ihre Rettungsmission, um Sylvette zu befreien und zurückzuholen. Falls sie noch lebt. Sie haben ihre Kinder Gian und Tess bei Auras Mutter Charlotte zurückgelassen. Das erweist sich als Fehler, denn Charlotte verrät sie und setzt die Kinder gefangen. Doch mit wem ist sie im Bunde?

In Suchumi an der Küste des Schwarzen Meeres heuert Aura die Einheimische Maria Caldani als Führerin an, die mit 18 Begleitern den Geleitschutz bildet. Sie reiten zusammen in die Berge, bis sie zur achteckigen Templerburg gelangen, wo sie Lysander vermuten. Seltsamerweise stehen die Tore offen und sind unbewacht. Das sieht nach einer Falle aus. Aber auch Maria Caldani hat Besseres zu tun, als in diese Burg einzudringen, und verrät Aura und Christopher.

Die Folgen sind schrecklich.

_Mein Eindruck (Achtung, Spoiler)_

Endlich erfahren wir die Hintergrundgeschichte über die Tempelritter, ihre Spaltung und die Kämpfe zwischen den Fraktionen. Auf einmal taucht darin ein gewisser Morgantus auf, und es vergeht eine ganze Weile, bis dessen Rolle dem Hörer klargemacht worden ist. Auch Morgantus hatte die üble Angewohnheit, sich durch Inzest fortzupflanzen, aber dabei setzte er noch einen in puncto Grausamkeit drauf. Wie sich zeigt, steht er in direkter Beziehung zu Gillian und Gian.

Klar, dass man eine so wichtige Figur nicht erwähnt, ohne sie eine zentrale Rolle spielen zu lassen. Und deshalb taucht Morgantus auf Schloss Institoris an der Ostsee auf, um die Kinder Gian und Tess zu rauben, die Charlotte für ihn gefangen genommen hat. Zum Glück ahnt auch Gillian, dass im Schloss etwas oberfaul ist, und kann helfend einschreiten. In der Folge kommt es zu einem ganz schön dramatischen Showdown an einem erhabenen Ort …

Doch auch Auras Finale ist nicht ohne gewisses Drama. Christophers Tod erschien mir allerdings ziemlich an den Haaren herbeigezogen, so als hätte der Autor die Figur loswerden wollen, um sich ganz auf Aura konzentrieren zu können. Dass sie ihre Schwester Sylvette wiederfindet, ist ja eh klar; dass hier aber auch Lysander und De Dion, der frühere „Monseigneur“ auftauchen, erscheint dagegen weniger wahrscheinlich. Aber ob Aura diese Burg, die offensichtlich eine Falle ist, auch wieder zu verlassen vermag, soll hier nicht verraten werden. Doch was wäre die zweite Hälfte des Buches ohne die Hauptperson?

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Kai Meyer lobt die Darstellung Yara Blümels in höchsten Tönen, insbesondere die Übereinstimmung mit seiner Vorstellung von der Entwicklung der Heldin Aura Institoris. Mittlerweile ist sie bereits eine selbständige junge Frau von 24 oder 25 Jahren, die ihrem Stiefbruder Christopher helfen kann. In der Schweiz hat sie gezeigt, dass sie Eigeninitiative besitzt und sich zur Wehr setzen kann, nun führt sie sogar einen Generalangriff auf Lysander an. Dies ist keine Frau, die etwas anbrennen lässt, wenn man es sofort erledigen kann. Yara Blümels Stimme weiß dies genau auszudrücken. Um Aura braucht man sich wirklich keine Sorgen zu machen – es sei denn, die Geschichte verlangt es.

Timmo Niesner ist die deutsche Stimme von Elijah „Frodo“ Wood. Er bringt in seine Rolle als Christopher Institoris eine Menge Feingefühl ein, um die verschiedenen Beziehungen, in denen er sich zu Vater und Mutter, zu Schwester und Bruder befindet, entsprechend flexibel auszudrücken. Die Figuren Sylvette und Daniel spielen hingegen praktisch keine Rolle. Eine größere Rolle spielt die Sprecherin Maria Kaldanis, Katharina Bellena. Sie versucht durch einen gewissen Zungenschlag anzudeuten, dass Maria eine Ausländerin aus dem Kaukasus ist.

Im Übrigen fand ich den Text im Vergleich zu der Musik und den (spärlichen) Geräuschen viel zu leise ausgesteuert.

|Die Geräusche|

Die realistisch gestalteten Geräusche sind auf das Land und das Meer verteilt. Der Showdown im Kaukasus-Kloster der Templer erfordert eine Reihe leiser Geräusche, und wider Erwarten kommt es kaum zu einer Auseinandersetzung. Das sieht bei den Szenen in Venedig und auf der Schlossinsel ganz anders aus. Hier fallen Schüsse, ertönen Schreie, bis alles vorüber ist. Erst im Epilog hören wir wieder Wellen und Möwenschreie, die von lachen begleitet werden.

|Die Musik|

Die Musik ist neben dem Text das überragende Merkmal dieser Hörspielreihe. Christian Hagitte und Simon Bertling vom Studio |STIL| haben sich wieder richtig ins Zeug gelegt und einen Score geschaffen, der diesen Namen auch verdient. Die Musik schafft die Stimmung für jede Szene, und wer auf die Musik achtet, bekommt sofort mit, wenn sich die Stimmung ändert, so etwa bei einem Wechsel des Schauplatzes.

Aufgrund dieser vielfältigen Wechsel fällt es nicht leicht, die Musik pauschal zu charakterisieren, aber mir ist aufgefallen, dass sich die klassische Instrumentierung häufig auf der melancholischen und wehmütigen, wenn nicht sogar düsteren Seite des Farbenspektrums bewegt. Allerdings ist diese Gemütslage höchst romantisch und keineswegs morbide oder zerfahren. Daher fällt es der Musik leicht, aus dem romantischen Ton in den dramatischen Ausdruck zu wechseln.

Wird die Musik dramatisch, kann sie auch recht flott werden, besonders in Kampfszenen, von denen es nicht wenige gibt. Doch die Musik muss aufpassen, dass sie nicht die Rufe und Schreie während dieser Kampfszenen überlagert. Die Figuren sollten immer die Oberhand über die Stimmung haben, sonst erscheinen sie als Marionetten.

Das Outro erfüllt diesmal eine andere Funktion als die eines Aufräumers. Es ist ein Ausklang, der eher heiter und ruhig gestaltet ist. Er erinnerte mich an Mahlers 5. Sinfonie, wird aber von einem Klaviermotiv abgeschlossen.

Lutz Riedel verweist wie üblich auf die Fortsetzung, die den Titel „Die Unsterbliche“ trägt.

|Das Booklet|

Ein Geleitwort des Autors lobt die Darstellung Yara Blümels in höchsten Tönen, sagt aber immerhin genau, was ihm daran so gefiel, nämlich die Übereinstimmung mit seiner Vorstellung von der Entwicklung der Heldin Aura Institoris. Außerdem gefiel die Musik ausnehmend gut. Er hat jetzt Lust, die Fortsetzung zu schreiben. Wird auch Zeit!

Der Rest des Booklets liefert einen Überblick über die erste Staffel und eine Biografie des Autors.

_Unterm Strich_

Das Hörspiel versucht, den goldenen Mittelweg zwischen Edgar Allan Poes [„Der Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 und einer optimistischen Entwicklungsgeschichte à la „Anne auf Green Gables“ zugehen. Damit sind schon zwei Extreme hinsichtlich Plot, Aussage und vor allem Stimmung genannt. Der Mittelweg bedeutet ein ständiges Ringen um Selbstbehauptung für die Hauptfiguren Aura und Christopher. Der Gegner ist eine Altlast der Familie, die aus der Vergangenheit ihres Familienoberhauptes Nestor stammt: Lysander (wir erfahren nicht mal seinen Nachnamen). In dieser Folge finden mehrere Erzählstränge ihren krönenden Abschluss.

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von bekannten Schauspielern (u. a. Elijah Wood) einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Mir war die Umsetzung an vielen Stellen zu romantisch und melodramatisch, aber von einer statischen Handlung kann keine Rede sein, denn die folgerichtige Entwicklung von Auras Abenteuern im Kampf gegen Lysander und seinen Schergen ist mitreißend geschildert. Auch die romantische Liebe kommt – zumindest in der zweiten Folge – nicht zu kurz.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für unheimliche Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Stars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen.

|80 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3594-7|
http://www.kai-meyer.com
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name

Meyer, Kai / Hagitte, Christian / Bertling, Simon – Alchimistin, Die. Teil 3: Die Katakomben von Wien (Hörspiel)

_Mystisch: Schrecken der Vergangenheit_

Schloss Institoris, ein düsteres Gemäuer an einer einsamen Küste. Inmitten eines Labyrinths endloser Gänge und Säle wächst Aura heran, die älteste Tochter des Schlossherrn. Sie ist die Erbin eines uralten Rätsels, der Rezeptur des Steins der Weisen. Doch als ihr Vater im Auftrag seines Widersachers Lysander ermordet wird, schlägt die Stunde für Auras Stiefbruder Christopher – er beansprucht das Geheimnis der Unsterblichkeit für sich …

Folge 2: Aura enthüllt das Geheimnis ihrer Familie. Ausgerechnet der Mörder ihres Vaters, der geheimnisvolle Hermaphrodit Gillian, befreit sie aus den Klauen grausamer Mörder. Auf der Spur von Auras entführter Schwester Sylvette reisen sie nach Wien. In den Katakomben unter der Stadt geraten sie in einen Konflikt, dessen Ursprünge weit zurück ins Mittelalter reichen …

Folge 3: Sieben Jahre sind vergangen. Aura hat die Geheimnisse der Alchimie erforscht und das Erbe ihres Vaters angetreten. Doch alle, die ihr etwas bedeutet haben, sind tot. An der Seite ihres verhassten Stiefbruders Christopher muss sie abermals den Kampf gegen den alten Feind ihrer Familie aufnehmen – tief unter der Wiener Hofburg. Zugleich dämmert daheim auf Schloss Institoris eine neue Gefahr: Auras wahnsinnige Mutter Charlotte hat eigene Pläne … (Verlagsinfos)

_Der Autor_

Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen. Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis |CORINE| ausgezeichnet.

Die erste Staffel der achtteiligen Hörspielreihe umfasst die Folgen:

1) [Der Stein der Weisen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5052
2) [Das Erbe des Gilgamesch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5155
3) Die Katakomben von Wien
4) Das Kloster im Kaukasus

Im August 2008 erschien die zweite Staffel:

5) Die Unsterbliche
6) Die Schwarze Isis
7) Der Schatz der Templer
8) Der Alte vom Berge

Weitere Titel von Kai Meyer auf |Buchwurm.info|:

[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Der Brennende Schatten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4506 (Hörspiel)
[„Die Vatikan-Verschwörung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3908 (Hörspiel)
[„Die Wellenläufer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3247 (Hörbuch)
[„Die Muschelmagier“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3252 (Hörbuch)
[„Die Wasserweber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3273 (Hörbuch)
[„Frostfeuer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2111 (Hörbuch)
[„Die Alchimistin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=73
[„Das Haus des Daedalus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=373
[„Der Schattenesser“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2187
[„Die Fließende Königin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=409
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3145
[„Der Rattenzauber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=894
[„Faustus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3405
[„Seide und Schwert“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3558 (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
[„Lanze und Licht“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4549 (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
[„Drache und Diamant“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4574 (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)

_Die Inszenierung_

Erzähler: Friedhelm Ptok (Ian ‚Imperator Palpatine‘ McDiarmid)
Aura Institoris: Yara Blümel-Meyers
Gillian: Claudio Maniscalo (Jimmy ‚The Haitian‘ Jean-Louis)
Christopher Institoris: Timmo Niesner (Elijah ‚Frodo‘ Wood)
Charlotte Institoris: Kerstin Sanders-Dornseif (Susan Sarandon)
Tess: Aliana Schmitz
Gian: Paul Gerlitz
Marie Kaldani: Katharina Bellena
Ballássy: Bodo Wolf
Und andere.

Für Regie, Ton und Musikkomposition zeichnen Christian Hagitte und Simon Bertling vom Studio |STIL| verantwortlich. (Das Hörspiel ist daher Cornelia Bertling gewidmet, die 2007 mit 40 Jahren starb.) Die Musik spielt das Filmorchester Berlin und der Hochmeisterchor Berlin unter der Leitung von Hagitte. Die Hörspielbearbeitung stammt von Stefan Maetz. |Lübbe Audio| produzierte das Hörspiel und nicht etwa ein Rundfunksender.

_Handlung_

Sieben Jahre sind seit den Kämpfen vergangen, die die drei Institoris-Kinder gegen Lysander geführt habe, der ihre Schwester Sylvette entführt hatte. Im Verlauf der Kämpfe wurde Daniel getötet und Christopher von der Wiener Burgwache gefangen und in den Kerker geworfen. Aura, inzwischen 25, hat überlebt und kennt die Katakomben Wiens inzwischen wie ihre Westentasche. Sie glaubt, ihr Geliebter Gillian sei damals umgekommen. Wenigstens hat sie ein lebendiges Andenken an ihn: ihren Sohn Gian.

Sie trägt zur Tarnung ihr Haar kurz wie ein Mann und kleidet sich auch wie einer. Weil ihre Mutter Charlotte dem Irrsinn verfallen und ihr Bruder ein verurteilter Häftling ist, haben die Behörden Aura zur Alleinerbin des Familienerbes eingesetzt. Die entführte Sylvette wurde vor zwei Jahren für tot erklärt. Inzwischen hat Aura die Alchimistenbibliothek ihres Vaters durchforstet und dabei viel gelernt, vor allem über die Wirkungsweise gewisser Pflanzen wie dem Lebenskraut …

Als sie die Wiener Zelle ihres Bruders Christopher betritt, erzählt sie ihm all dies und gibt ihm anschließend eine Zigarre, an deren Rauch er sterben könne. Weil Chris weiß, dass seine schlaue Schwester nie etwas ohne Grund tut, lässt er sich die Zigarre schmecken, immerhin ein letzter Luxus für einen Lebenslangen. Erst auf dem Friedhof wacht er wieder auf. Dort hat ihn der Friedhofsgärtner schon für tot gehalten und ein passendes Grab geschaufelt. Aura weiß jedoch, dass sie nur 33 bis 34 Stunden warten muss, bis der Betäubte wieder erwacht. Und so kommt es auch.

In ihrem Hotelzimmer hecken sie einen verwegenen Plan aus, um Lysander frontal anzugreifen, natürlich wieder durch die sattsam bekannten Katakomben. Inzwischen hat Aura eine ganze Söldnerarmee angeheuert. Keine halben Sachen diesmal!

Doch was sie in Lysanders Gemächern vorfinden, überrascht sie sehr. Ein kleines Mädchen entpuppt sich als Sylvettes Tochter Tess, und ein Zimmer weiter liegt eine lebende Mumie in einem Himmelbett: Ist das jetzt endlich der gesuchte Lysander? Röchelnd erzählt der Alte, Sylvette sei mit den anderen fortgegangen, doch wohin, verrät er nicht. Aura ist entschlossen, dem Alten das Mädchen zu entreißen, und hebt das Messer, um ihn zu töten. Er wäre nicht ihr erstes Opfer. Da fällt ihr jemand in den Arm …

_Mein Eindruck_

Diese Episode präsentiert gewissermaßen eine Wiederholung der zweiten Folge, denn nach sieben Jahren und einigen Personalveränderungen erfolgt schon wieder ein Angriff auf Lysander, und sogar am gleichen Ort wie zuvor, in den Katakomben unter der Wiener Hofburg.

Wieder narrt uns der Autor mit Uneindeutigkeiten. Die erste ist der scheinbare Tod Christophers durch die Zigarre, die ihm Aura gegeben hat. Hier folgt eine der ersten Aufhebungen des Todes durch Christophers Wiederauferstehung aus dem Grab des Friedhofsgärtners. Allerdings wird er alles andere als wie ein Messias verehrt, sondern darf gleich nochmal richtig ranklotzen, wenn er gegen Lysander kämpft. Auch als Lazarus hat man’s nicht leicht.

Die zweite Uneindeutigkeit ist die Identität jenes Mannes, der Tess begleitet und sich in seinem Himmelbett offenbar darauf vorbereitet, endgültig den Löffel abzugeben. Doch ist das wirklich Lysander, der da vor Auras blitzendem Messer liegt, oder nicht doch wieder einer dieser Handlanger, über die der ehemalige Tempelritter Lysander in Mengen zu verfügen scheint? Wahrscheinlich wird auch dieses Geheimnis erst in der nächsten Folge enthüllt.

|Unsterblich oder was?|

Wer schon immer Unsterblichkeit für eine mordsmäßig tolle und aufregende Sache gehalten hat, der dürfte erwarten, dass die darüber verfügenden Figuren in „Die Alchimistin“ vor Jubel einen Freudentanz aufführen. Diese Erwartung wird leider nicht erfüllt, muss ich sagen. Das liegt wohl an den Umständen. Erstens befindet sich Aura nun als Nestors Kind in einem exklusiven Zirkel, der es für angebracht hält, die Eigenschaft der Unsterblichkeit nicht an die große Glocke zu hängen. Und zweitens trachten ihr immer noch gewisse Gestalten nach dem Leben, die eben diesem Zirkel entstammen. Gestalten wie etwa Lysander, aber auch noch andere.

Aber immerhin gibt es etwas, worüber sich Aura in dieser Hinsicht freuen darf. Sie hat zwar Gillian verloren, aber dafür dessen Sohn Gian erhalten. Und nach dem Kampf in Wien verfügt sie nun auch über Sylvettes Tochter Tess. Wie sich herausstellt, verfügen beide Kinder über erstaunliche Fähigkeiten. Sie können nämlich ihre genetischen Erinnerungen abrufen (ob es die nun wirklich gibt oder nicht, sei mal dahingestellt). Das funktioniert wie psychisches Fernsehen, komplett mit Bildfolgen und Soundtrack. Dieser dramaturgische Trick ist wirklich klasse einsetzbar und verschafft dem Hörer eine ganze Reihe von Rückblenden voller Dramatik. (Dass die Erinnerungen nicht das alltägliche Teetrinken betreffen, liegt irgendwie nahe.)

Doch Aura weiß inzwischen, wie die Vererbung in einer Templerfamilie funktioniert: durch Inzest. Und folglich muss sie auch erkennen, dass sowohl Gian als auch Tess in großer Gefahr schweben …

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Kai Meyer lobt die Darstellung Yara Blümels in höchsten Tönen, insbesondere die Übereinstimmung mit seiner Vorstellung von der Entwicklung der Heldin Aura Institoris. Mittlerweile ist sie bereits eine selbständige junge Frau von 24 oder 25 Jahren, die ihrem Stiefbruder Christopher helfen kann. In der Schweiz hat sie gezeigt, dass sie Eigeninitiative besitzt und sich zur Wehr setzen kann, nun führt sie sogar einen Generalangriff auf Lysander an. Dies ist keine Frau, die etwas anbrennen lässt, wenn man es sofort erledigen kann. Yara Blümels Stimme weiß dies genau auszudrücken. Um Aura braucht man sich wirklich keine Sorgen zu machen – es sei denn, die Geschichte verlangt es.

Timmo Niesner ist die deutsche Stimme von Elijah „Frodo“ Wood. Er bringt in seine Rolle als Christopher Institoris eine Menge Feingefühl ein, um die verschiedenen Beziehungen, in denen er sich zu Vater und Mutter, zu Schwester und Bruder befindet, entsprechend flexibel auszudrücken. Die Figuren Sylvette und Daniel spielen hingegen praktisch keine Rolle.

Hervorzuheben ist der passende österreichische Tonfall des Friedhofsgärtners. Hier hat der Sprecher mitgedacht. Im Übrigen fand ich den Text im Vergleich zu der Musik und den (spärlichen) Geräuschen viel zu leise ausgesteuert.

|Die Geräusche|

Die realistisch gestalteten Geräusche sind zunächst recht zurückkahltend, denn in der Kerkerzelle und auf dem Friedhof ist wohl kaum größerer Radau zu erwarten. Dies ändert sich auch nicht mit dem Eindringen in Lysanders Räume, wo ein alter Mann jammert und röchelt. Noch nachdenklicher wird die Stimmung im Schloss an der melancholischen Ostsee. Ein gewisses Drama wird erst am Schluss angedeutet, als der Donner rollt und eine dunkle Gefahr über dem Schloss heraufzieht, nachdem Aura und Christopher sich auf den Weg in den Kaukasus gemacht haben.

|Die Musik|

Die Musik ist neben dem Text das überragende Merkmal dieser Hörspielreihe. Christian Hagitte und Simon Bertling vom Studio |STIL| haben sich wieder richtig ins Zeug gelegt und einen Score geschaffen, der diesen Namen auch verdient. Die Musik schafft die Stimmung für jede Szene, und wer auf die Musik achtet, bekommt sofort mit, wenn sich die Stimmung ändert, so etwa bei einem Wechsel des Schauplatzes.

Aufgrund dieser vielfältigen Wechsel fällt es nicht leicht, die Musik pauschal zu charakterisieren, aber mir ist aufgefallen, dass sich die klassische Instrumentierung häufig auf der melancholischen und wehmütigen, wenn nicht sogar düsteren Seite des Farbenspektrums bewegt. Allerdings ist diese Gemütslage höchst romantisch und keineswegs morbide oder zerfahren. Daher fällt es der Musik leicht, aus dem romantischen Ton in den dramatischen Ausdruck zu wechseln.

Wird die Musik dramatisch, kann sie auch recht flott werden, besonders in Kampfszenen, von denen es nicht wenige gibt. Doch die Musik muss aufpassen, dass sie nicht die Rufe und Schreie während dieser Kampfszenen überlagert. Die Figuren sollten immer die Oberhand über die Stimmung haben, sonst erscheinen sie als Marionetten.

Das Outro erfüllt die Funktion eines Aufräumers: Jetzt spielt das gesamte Orchester eine majestätische und dramatische Melodie, die nicht nur die Bedeutung des Gehörten unterstreicht, sondern Anlass zur Hoffnung auf weitere solche weltbewegenden Ereignisse gibt. Der Verweis auf die Fortsetzung, gesprochen von Lutz Riedel, unterstreicht dieses Versprechen, das die Musik gibt.

|Das Booklet|

Ein Geleitwort des Autors lobt die Darstellung Yara Blümels in höchsten Tönen, sagt aber immerhin genau, was ihm daran so gefiel, nämlich die Übereinstimmung mit seiner Vorstellung von der Entwicklung der Heldin Aura Institoris. Außerdem gefiel die Musik ausnehmend gut. Er hat jetzt Lust, die Fortsetzung zu schreiben. Wird auch Zeit!

Der Rest des Booklets liefert einen Überblick über die erste Staffel und eine Biografie des Autors.

_Unterm Strich_

Das Hörspiel versucht, den goldenen Mittelweg zwischen Edgar Allan Poes [„Der Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 und einer optimistischen Entwicklungsgeschichte à la „Anne auf Green Gables“ zu gehen. Damit sind schon zwei Extreme hinsichtlich Plot, Aussage und vor allem Stimmung genannt. Der Mittelweg bedeutet ein ständiges Ringen um Selbstbehauptung für die Hauptfiguren Aura und Christopher. Der Gegner ist eine Altlast der Familie, die aus der Vergangenheit ihres Familienoberhauptes Nestor stammt: Lysander (wir erfahren nicht mal seinen Nachnamen).

Diese Episode ist relativ, denn durch Graben in der Vergangenheit müssen Aura und Chris herausfinden, wo sich ihr Erzfeind Lysander mitsamt der entführten Schwester Sylvette aufhält. Die Stimmung ist weiterhin mystisch und dramatisch, denn die Gegner zeigen sich noch nicht in eigener Gestalt, sondern nur als Ahnung kommender Schrecknisse. Die vierte Folge schließt diesen Spannungsbogen dann ab.

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von bekannten Schauspielern (u. a. Elijah Wood) einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Mir war die Umsetzung an vielen Stellen zu romantisch und melodramatisch, aber von einer statischen Handlung kann keine Rede sein, denn die folgerichtige Entwicklung von Auras Abenteuern im Kampf gegen Lysander und seinen Schergen ist mitreißend geschildert. Auch die romantische Liebe kommt – in der zweiten Folge – nicht zu kurz.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Stars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen.

|70 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3593-0|
http://www.kai-meyer.com
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name

Meyer, Kai / Hagitte, Christian / Bertling, Simon – Alchimistin, Die. Teil 2: Das Erbe des Gilgamesch (Hörspiel)

_Action & Romantik: Kämpfe in den Katakomben_

Schloss Institoris, ein düsteres Gemäuer an einer einsamen Küste. Inmitten eines Labyrinths endloser Gänge und Säle wächst Aura heran, die älteste Tochter des Schlossherrn. Sie ist die Erbin eines uralten Rätsels, der Rezeptur des Steins der Weisen. Doch als ihr Vater im Auftrag seines Widersachers Lysander ermordet wird, schlägt die Stunde für Auras Stiefbruder Christopher – er beansprucht das Geheimnis der Unsterblichkeit für sich …

Folge 2: Aura enthüllt das Geheimnis ihrer Familie. Ausgerechnet der Mörder ihres Vaters, der geheimnisvolle Hermaphrodit Gillian, befreit sie aus den Klauen grausamer Mörder. Auf der Spur von Auras entführter Schwester Sylvette reisen sie nach Wien. In den Katakomben unter der Stadt geraten sie in einen Konflikt, dessen Ursprünge weit zurück ins Mittelalter reichen…(Verlagsinfos)

_Der Autor_

Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen. Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis |CORINE| ausgezeichnet.

Die erste Staffel der achtteiligen Hörspielreihe umfasst die Folgen:

1) [Der Stein der Weisen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5052
2) Das Erbe des Gilgamesch
3) Die Katakomben von Wien
4) Das Kloster im Kaukasus

Im August 2008 erschien die zweite Staffel:

5) Die Unsterbliche
6) Die Schwarze Isis
7) Der Schatz der Templer
8) Der Alte vom Berge

|Kai Meyer auf Buchwurm.info:|

[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Der Brennende Schatten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4506 (Hörspiel)
[„Die Vatikan-Verschwörung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3908 (Hörspiel)
[„Die Wellenläufer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3247 (Hörbuch)
[„Die Muschelmagier“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3252 (Hörbuch)
[„Die Wasserweber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3273 (Hörbuch)
[„Frostfeuer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2111 (Hörbuch)
[„Die Alchimistin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=73
[„Das Haus des Daedalus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=373
[„Der Schattenesser“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2187
[„Die Fließende Königin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=409
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3145
[„Der Rattenzauber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=894
[„Faustus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3405
[„Seide und Schwert“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3558 (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
[„Lanze und Licht“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4549 (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
[„Drache und Diamant“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4574 (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher:|

Erzähler: Friedhelm Ptok (Ian ‚Imperator Palpatine‘ McDiarmid)
Aura Institoris: Yara Blümel-Meyers
Gillian: Claudio Maniscalco (Jimmy ‚The Haitian‘ Jean-Louis)
Christopher Institoris: Timmo Niesner (Elijah ‚Frodo‘ Wood)
Charlotte Institoris: Kerstin Sanders-Dornseif (Susan Sarandon)
Friedrich von Vehse: Mathieu Carrière
Stein: Oliver Brod
Bein: Thomas Winter
Daniel: Nicolas Artajo (Jamie Bell)
De Dion: Freimut Götsch
Cosima: Cathleen Gawlich
Rupert: Detlef Bierstedt
Und andere.

Für Regie, Ton und Musikkomposition zeichnen Christian Hagitte und Simon Bertling vom Studio |STIL| verantwortlich. (Das Hörspiel ist daher Cornelia Bertling gewidmet, die 2007 mit 40 Jahren starb.) Die Musik spielt das Filmorchester Berlin und der Hochmeisterchor Berlin unter der Leitung von Hagitte. Die Hörspielbearbeitung stammt von Stefan Maetz. |Lübbe Audio| produzierte das Hörspiel und nicht etwa ein Rundfunksender.

_Handlung_

Christopher Institoris arbeitet bereits seit Monaten im Alchimistenlabor seines Stiefvaters Nestor, den der Killer Lysanders getötet hat. Damit Nestors Tod nicht bekannt wird, kippt Chris das Essen einfach in den Atanor, den Alchimistenkessel. Er sucht wie sein Vater den Stein der Weisen. In einem Buch findet er den Hinweis, dass es sich um das Kraut des Gilgamesch handeln könnte: das Lebenskraut. An der Stelle im Kräuterbeet, wo er den erschlagenen Nestor vergraben hat, beginnen in der Tat seltsame Blumen zu wachsen.

Eines Nachts folgt er seiner Mutter Charlotte, die mit Friedrich von Vehse, dem Freund der Familie, das Schloss verlässt. Er folgt ihnen durch einen der beiden Geheimgänge, die einst von Piraten angelegt wurden, und gelangt in die Familiengruft. Dort treiben es die beiden doch tatsächlich miteinander: in der Leichenhalle! Da er seine Mutter nun in der Hand hat – ihr Geheimnis darf nicht bekannt werden -, zwingt er sie, den unheimlichen Daniel, ihren zweiten Sohn, in den verlassenen Leuchtturm auf der anderen Insel zu verbannen. Doch Friedrich von Vehse ist nicht so einfach zu vertreiben wie Daniel, und so kommt es zu einem Kampf auf Leben und Tod.

|Der Killer|

Gillian ist ein Hermaphrodit, ein „Mädchenjunge“, der beide Geschlechtsmerkmale aufweist. Das macht ihn überall zu einem Außenseiter – und so zu einem guten Auftragsmörder. Er hat Nestor Institoris auf Befehl Lysanders getötet, doch Aura Institoris befehlswidrig verschont. In dem Auftragsschreiben Lysanders, das er ihr stattdessen zugesteckt hat, wird Auras Rolle im Plan von Nestor und Lysander erklärt. Sie ist nun im Bilde, was sie mit ihr vorhatten, um den Stein der Weisen zu erlangen.

Weil er eine Hälfte des Mordauftrags nicht erfüllt hat, muss sich Gillian in Paris zweier Abgesandter Lysanders erwehren. Er tötet sie und schwört, sich an Lysander zu rächen. Allerdings braucht er dazu dringend einen Helfer, der Lysander ebenfalls den Tod wünscht. Wer wäre dazu besser geeignet als Aura?

|Aura in der Schweiz|

Aura ahnt nicht, in was für einer Art von Institut sie sich wirklich befindet. Das St.-Jakobus-Stift scheint ein strenges Internat wie viele andere zu sein. Es ist abgelegen, das Regiment hier führt „Monseigneur“, wie die Direktorin Madame de Dion spöttisch von den Mädchen genannt wird. Mittlerweile darf Aura schon den vierten ihrer Ringe am Oberschenkel entfernen, denn der vierte Monat ist bereits vergangen. Cosima, ihre Zimmergenossin, spendet ihr Trost und Wärme. Und bringt Neuigkeiten. Sie hat beobachtet, dass ab und zu eine Mitschülerin verschwindet, was nicht gerade zu ihrer Beruhigung beiträgt. Aura ist entschlossen, so bald wie möglich von hier abzuhauen.

Eines Nachts bemerkt Aura, wie ein Karren vor dem Seiteneingang hält. Der Kutscher will wie jede Nacht die Wäsche abholen. Als der Fahrer und de Dion gerade in den Keller gehen, huscht Aura flugs an Bord des Karrens und versteckt sich unter den Wäschesäcken. Doch der Wagen fährt nicht wie erwartet in die Stadt zur Wäscherei, sondern in die Berge.

Als die Kutsche hält, hört Aura ein Wimmern aus einem der Säcke: ein anderes Mädchen, das fliehen will? Sie wartet, bis alles wieder ruhig ist, und schleicht dann zu der Steinhütte, vor der der Kutscher gehalten hat. Ein leerer Sack weist daraufhin, dass das Mädchen herausgeholt wurde. Doch wo ist sie? Aura sieht entsetzt eine Blutspur zur Tür der Hütte, dann erklingt der Schrei eines Mädchens. Marla, Auras Mitschülerin, stürzt heraus, ihr Gesicht blutig von einem eingeritzten Symbol, ihr Nachthemd zerfetzt. Gleich hinter Marla kommt der Kutscher aus der Tür geeilt, in der Hand das Messer, von dem Marlas Blut tropft …

_Mein Eindruck_

Noch immer werden die beiden Handlungsstränge um die beiden Institoris-Erben Christopher und Aura parallel fortgeführt. Unabhängig voneinander stoßen sie auf Geheimnisse, die später noch sehr wichtig werden. Chris findet das Lebenskraut, das Unsterblichkeit verleiht, so wie es seinem Stiefvater ein verlängertes Leben verlieh. Und Aura fragt sich, welche merkwürdigen Gestalten mit der Direktorin ihres Internats zu tun haben. Sie ahnt nicht, dass auch der Kutscher etwas mit Lysander, ihrem Feind, zu schaffen hat.

Immerhin gelingt ihr diesmal die Flucht und sie trifft Gillian wieder, den Auftragsmörder, der sie verschont hat. Zusammen reisen sie nach Wien, um Lysander zu bekämpfen, ihren gemeinsamen Feind. Doch das ist leichter gesagt als getan, selbst als noch Auras Geschwister mithelfen. Das ganze Unternehmen endet verhängnisvoll, wie die nächste Folge zeigen wird.

Diese Episode ist wie die anderen abwechslungsreich und spannend aufgebaut. Interessant fand ich das Spiel des Autors mit dem Geschlecht der Figuren. Gillian ist nicht, wie der Name vermuten lässt, eine Frau, sondern ein Zwitter. Ob er für Aura sexuell attraktiv und er fortpflanzungsfähig ist, muss sich erst noch erweisen. Auch das Geschlecht von „Monseigneur“ De Dion ist nicht eindeutig festgelegt. Ob diese Figur nun wirklich weiblich oder doch männlich ist, wird sich erst in der vierten Episode herausstellen.

Die oben geschilderte Szene in der Berghütte korrespondiert in ihrer blutreichen Gewalttätigkeit mit dem Kampf, den Christopher mit Friedrich von Vehse austragen muss bzw. vom Zaun bricht. Für beide Kinder geht es um die Selbstbehauptung in einer feindseligen und zunehmend rätselhaften Welt, die ganz weit weg von der Realität zu sein scheint. Kein Wunder, denn die Instititoris-Familie war schon immer für ganz besondere Aufgaben vorgesehen.

Wer sich nun fragt, was das Lebenskraut mit dem legendären Helden Gilgamesch zu tun, der erhält hier eine kleine Nachhilfestunde. Der Protagonist des ältesten Heldenliedes der Menschheit unternimmt bekanntlich zahlreiche Fahrten in gefährliche Gegenden, unter denen sich auch die Unterwelt befindet. Er findet das Lebenskraut und wird potenziell unsterblich, wenn ich alles richtig verstanden habe.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Kai Meyer lobt die Darstellung Yara Blümels in höchsten Tönen, insbesondere die Übereinstimmung mit seiner Vorstellung von der Entwicklung der Heldin Aura Institoris. Als wir sie kennenlernen, ist sie bereits eine selbständige junge Frau von 17 Jahren, die ihrem neuen „Bruder“ Christopher die Stirn bietet und auch gegenüber ihrem Vater auf ihre Rechte pocht. In der Schweiz zeigt sie, dass sie Eigeninitiative besitzt und sich zur Wehr setzen kann. Dies ist keine Frau, die etwas anbrennen lässt, wenn man es nicht sofort erledigen kann. Yara Blümels Stimme weiß dies genau auszudrücken. Um Aura braucht man sich wirklich keine Sorgen zu machen – es sei denn, die Geschichte verlangt es.

Timmo Niesner ist die deutsche Stimme von Elijah „Frodo“ Wood. Er bringt in seine Rolle als Christopher Institoris eine Menge Feingefühl ein, um die verschiedenen Beziehungen, in denen er sich zu Vater und Mutter, zu Schwester und Bruder befindet, entsprechend flexibel auszudrücken. Die Figuren Sylvette und Daniel spielen hingegen praktisch keine Rolle.

Im Übrigen fand ich den Text im Vergleich zu der Musik und den (spärlichen) Geräuschen viel zu leise ausgesteuert.

|Die Geräusche|

Die realistisch gestalteten Geräusche beginnen mit dem Klirren und Scheppern von Besteck und Geschirr, das Christopher beiseite räumt. Später ist in der Leichenhalle der Familie ein gewisses Stöhnen zu vernehmen. Diese Klänge aus Innenräumen kontrastieren stark mit denen, die Aura auf ihrer Exkursion in die Berge hört sowie mit jenen Kampfgeräuschen, die Gillian in Paris vernimmt: Schüsse, Schreie und dergleichen. Das Kampfgeschehen erfährt eine lautstarke Reprise, als es in den Katakomben von Paris gegen Lysanders Truppe und die Burgwache richtig zur Sache geht.

|Die Musik|

Die Musik ist neben dem Text das überragende Merkmal dieser Hörspielreihe. Christian Hagitte und Simon Bertling vom Studio |STIL| haben sich wieder richtig ins Zeug gelegt und einen Score geschaffen, der diesen Namen auch verdient. Die Musik schafft die Stimmung für jede Szene, und wer auf die Musik achtet, bekommt sofort mit, wenn sich die Stimmung ändert, so etwa bei einem Wechsel des Schauplatzes.

Aufgrund dieser vielfältigen Wechsel fällt es nicht leicht, die Musik pauschal zu charakterisieren, aber mir ist aufgefallen, dass sich die klassische Instrumentierung häufig auf der melancholischen und wehmütigen, wenn nicht sogar düsteren Seite des Farbenspektrums bewegt. Allerdings ist diese Gemütslage höchst romantisch und keineswegs morbide oder zerfahren. Daher fällt es der Musik leicht, aus dem romantischen Ton in den dramatischen Ausdruck zu wechseln.

Wird die Musik dramatisch, kann sie auch recht flott werden, besonders in Kampfszenen, von denen es nicht wenige gibt. Doch die Musik muss aufpassen, dass sie nicht die Rufe und Schreie während dieser Kampfszenen überlagert. Die Figuren sollten immer die Oberhand über die Stimmung haben, sonst erscheinen sie als Marionetten.

Das Outro erfüllt die Funktion eines Aufräumers: Jetzt spielt das gesamte Orchester eine majestätische und dramatische Melodie, die nicht nur die Bedeutung des Gehörten unterstreicht, sondern Anlass zur Hoffnung auf weitere solche weltbewegenden Ereignisse gibt. Der Verweis auf die Fortsetzung, gesprochen von Lutz Riedel, unterstreicht dieses Versprechen, das die Musik gibt.

|Das Booklet|

Ein Geleitwort des Autors lobt die Darstellung Yara Blümels in höchsten Tönen, sagt aber immerhin genau, was ihm daran so gefiel, nämlich die Übereinstimmung mit seiner Vorstellung von der Entwicklung der Heldin Aura Institoris. Außerdem gefiel die Musik ausnehmend gut. Er hat jetzt Lust, die Fortsetzung zu schreiben. Wird auch Zeit!

Der Rest des Booklets liefert einen Überblick über die erste Staffel und eine Biografie des Autors.

_Unterm Strich_

Das Hörspiel versucht, den goldenen Mittelweg zwischen Edgar Allan Poes [„Der Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 und einer optimistischen Entwicklungsgeschichte à la „Anne auf Green Gables“ zu gehen. Damit sind schon zwei Extreme hinsichtlich Plot, Aussage und vor allem Stimmung genannt. Der Mittelweg bedeutet ein ständiges Ringen um Selbstbehauptung für die Hauptfiguren Aura und Christopher. Der Gegner ist eine Altlast der Familie, die aus der Vergangenheit ihres Familienoberhauptes Nestor stammt: Lysander (wir erfahren nicht mal seinen Nachnamen).

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von bekannten Schauspielern (u. a. Elijah Wood) einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Mir war die Umsetzung an vielen Stellen zu romantisch und melodramatisch, aber von einer statischen Handlung kann keine Rede sein, denn die folgerichtige Entwicklung von Auras Abenteuern im Kampf gegen Lysander und seine Schergen ist mitreißend geschildert und gipfelt hier in mehreren Kämpfen. Auch die romantische Liebe kommt in der vorliegenden zweiten Folge nicht zu kurz.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Stars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen.

|75 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3547-3|
http://www.kai-meyer.com
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name

[NEWS] Kai Meyer – Der Pakt der Bücher

Ein phantastischer Roman im viktorianischen London – Die Fortsetzung des Bestsellers DIE SPUR DER BÜCHER Londons Straße der Buchhändler – Labyrinthe aus Regalen, Läden voller Geschichten auf vergilbtem Papier. Mercy Amberdale führt hier das Antiquariat ihres Stiefvaters und praktiziert die Magie der Bücher. Als man sie zwingt, das letzte Kapitel des verschollenen Flaschenpostbuchs an den undurchsichtigen Mister Sedgwick zu übermitteln, gerät das Reich der Bibliomantik aus den Fugen. Vergiftete Bücher und nächtliche Rituale, ein magisches Luftschiff und ein mysteriöser Marquis reißen Mercy in einen Strudel tödlicher Intrigen. Denn wer alle Kapitel des Flaschenpostbuchs vereint, kann die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion niederreißen. Wenn Mercy ihre Gegner nicht aufhält, droht ihrer Welt der Untergang – und die Invasion der Antagonisten. (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 400 Seiten
Fischer

Meyer, Kai / Maetz, Stefan / Hagitte, Christian / Bertling, Simon – Alchimistin, Die. Teil 7: Der Schatz der Templer (Hörspiel)

_Actionreiche Kampfszenen, mystische Rufe_

Folge 7: Die Schatten der Vergangenheit holen Aura ein, als es sie nach Andorra in das Kastell ihres toten Vaters verschlägt. Nestor Institoris hat dort lange vor ihrer Geburt grausame Experimente durchgeführt. Nun will sein Diener das alchimistische Werk vollenden – mit Auras unfreiwilliger Hilfe. Noch aussichtsloser wird ihre Lage, als sie erfährt, dass sich die Institoris-Kinder in der Gewalt eines uralten Assassinenordens befinden. Doch da taucht ein rätselhafter Helfer auf und heftet sich an ihre Fersen …

_Der Autor_

Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen. Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis |CORINE| ausgezeichnet.

Die erste Staffel der achtteiligen Hörspielreihe umfasst die Folgen:

1) [Der Stein der Weisen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5052
2) [Das Erbe des Gilgamesch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5155
3) [Die Katakomben von Wien]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5220
4) [Das Kloster im Kaukasus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5263

Im August 2008 erschien die zweite Staffel:

5) [Die Unsterbliche]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5379
6) [Die Schwarze Isis]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5406
7) Der Schatz der Templer
8) Der Alte vom Berge

Weitere Titel von Kai Meyer auf |Buchwurm.info|:

[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Der Brennende Schatten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4506 (Hörspiel)
[„Die Vatikan-Verschwörung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3908 (Hörspiel)
[„Die Wellenläufer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3247 (Hörbuch)
[„Die Muschelmagier“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3252 (Hörbuch)
[„Die Wasserweber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3273 (Hörbuch)
[„Frostfeuer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2111 (Hörbuch)
[„Die Alchimistin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=73
[„Das Haus des Daedalus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=373
[„Der Schattenesser“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2187
[„Die Fließende Königin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=409
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3145
[„Der Rattenzauber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=894
[„Faustus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3405
[„Seide und Schwert“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3558 (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
[„Lanze und Licht“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4549 (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
[„Drache und Diamant“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4574 (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Erzähler: Friedhelm Ptok (Ian ‚Imperator Palpatine‘ McDiarmid)
Aura Institoris: Yara Blümel-Meyers
Gillian: Claudio Maniscalo (Jimmy ‚The Haitian‘ Jean-Louis)
Fuente: Hans-Peter Hallwachs
Tess: Marie-Luise Schramm (Mara Wilson)
Gian: Kim Hasper (Jason Biggs, James Franco, Jamie Oliver)
Karisma: Ulrike Stürzbecher (Patricia Arquette, Kate Winslet)
Konstantin: Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Don Cheadle, Daniel Craig)
Innana: Marie Bierstedt (dt. Stimme von Kirsten Dunst)
Und andere, darunter Tilo Schmitz (dt. Stimme von Ving Rhames)

Für Regie, Ton und Musikkomposition zeichnen Christian Hagitte und Simon Bertling vom Studio |STIL| verantwortlich. (Das Hörspiel ist daher Cornelia Bertling gewidmet, die 2007 mit 40 Jahren starb.) Die Musik spielt das Filmorchester Berlin und der Hochmeisterchor Berlin unter der Leitung von Hagitte. Die Hörspielbearbeitung stammt von Stefan Maetz. |Lübbe Audio| produzierte das Hörspiel und nicht etwa ein Rundfunksender.

_Vorgeschichte_

Schloss Institoris, ein düsteres Gemäuer an einer einsamen Küste. Inmitten eines Labyrinths endloser Gänge und Säle wächst Aura heran, die älteste Tochter des Schlossherrn. Sie ist die Erbin eines uralten Rätsels, der Rezeptur des Steins der Weisen. Doch als ihr Vater im Auftrag seines Widersachers Lysander ermordet wird, schlägt die Stunde für Auras Stiefbruder Christopher – er beansprucht das Geheimnis der Unsterblichkeit für sich …

Folge 2: Aura enthüllt das Geheimnis ihrer Familie. Ausgerechnet der Mörder ihres Vaters, der geheimnisvolle Hermaphrodit Gillian, befreit sie aus den Klauen grausamer Mörder. Auf der Spur von Auras entführter Schwester Sylvette reisen sie nach Wien. In den Katakomben unter der Stadt geraten sie in einen Konflikt, dessen Ursprünge weit zurück ins Mittelalter reichen …

Folge 3: Sieben Jahre sind vergangen. Aura hat die Geheimnisse der Alchimie erforscht und das Erbe ihres Vaters angetreten. Doch alle, die ihr etwas bedeutet haben, sind tot. An der Seite ihres verhassten Stiefbruders Christopher muss sie abermals den Kampf gegen den alten Feind ihrer Familie aufnehmen – tief unter der Wiener Hofburg. Zugleich dämmert daheim auf Schloss Institoris eine neue Gefahr: Auras wahnsinnige Mutter Charlotte hat eigene Pläne …

Folge 4: Jenseits des Schwarzen Meeres, in den einsamen Bergen des Kaukasus, liegt die vergessene Festung der Tempelritter. Hier in der Wildnis am Ende der Welt nähern sich Ara Institoris und ihr Stiefbruder Christopher endlich dem Versteck ihres Gegners Lysander. Zugleich reist Gillian, der Hermaphrodit, mit den Institoris-Kindern nach Venedig ins neue Hauptquartier des Templerordens. Sein schwerster Kampf steht ihm noch bevor – gegen Morgantus, den unsterblichen Alchimisten …

Folge 5: Zehn Jahre nach den Ereignissen im Kaukasus in Folge 4. Aura Institoris hat die Unsterblichkeit gewonnen. Doch ihre große Liebe ist daran zerbrochen, ihre Familie in alle Winde zerstreut. Während die Welt in einen großen Krieg taumelt, taucht Aura einsam und verzweifelt in Paris unter. Ein geheimes Zeichen, der blutige Abdruck einer Hand mit sechs Fingern, ändert alles. Auras Nachforschungen führen auf die Fährte eines Mörders, dem jedes Mittel recht ist, um die Geheimnisse der Alchimistin zu offenbaren. (Verlagsinfos)

Folge 6: Aura folgt geheimnisvollen Spuren und stößt auf eine bestialische Mordserie. Nicht ahnend, dass zur gleichen Zeit vermummte Kämpfer ihren Sohn und ihre Nichte entführen, gerät sie in einen Strudel von Gewalt und düsteren Visionen. Währenddessen macht sich Gillian, der neue Großmeister der Templer, gemeinsam mit der Ordensschwester Karisma auf die Suche nach dem legendären Schatz seines Ordens. (Verlagsinfo)

_Handlung_

Der Templer-Großmeister Gillian und seine Ordensschwester Karisma erklimmen die steile Nordküste Mallorcas und gelangen über eine Schafweide in eine Höhle, in der sich hoffentlich der Schatz der Templer befindet. Die Höhle ist leer, aber eindeutig ausgebaut, als ob sich der Orden hier einst häuslich eingerichtet hätte. Seltsamerweise liegt kein Staub auf der Madonnenfigur in der Mitte.

Gillian schwant Übles, und da tritt es auch schon ein: Zwei Wächter der Höhle greifen sie an. Die zwei Tempelritter machen kurzen Prozess mit ihnen. Jenseits der Wiese finden sie die Hütte der Wächter und darin verräterische Dokumente. Sie stammen aus der Zeit zwischen 1677 und 1892. Karisma erschrickt: Darauf ist das Siegel mit dem Wappen ihres Onkels eingetragen, des Grafen von Cristobal in Spanien. Sie müssen also weiter, aufs Festland, nach Kastilien.

|Andorra|

Unterdessen gerät auch Aura in Schwierigkeiten. Sie ist mit Zug und Pferd nach Andorra zur Burg ihres Vaters gereist. Da hört sie einen Neuankömmling und zückt ihre Pistole. Der Mann nennt sich Eduardo Fuente und will ihren Vater Nestor gekannt haben. Ja, er habe in Paris den Autor Grimaud und den armen Raffael getötet sowie ihr die Bücherkiste geschickt. Aber dies alles diente nur dem Zweck, Aura auf die Spur des sechstrahligen Sterns und des Verbum Dimissum zu setzen. Aura fragt sich, ob er vielleicht der unbekannte Maskierte war, mit dem sie in Paris schlief.

Fuente öffnet eine Falltür im Burghof und führt sie in ein unterirdisches Alchimistenlabor mitsamt riesiger Bibliothek hinab. Hier soll sie nach Fuentes Willen in die Fußstapfen ihres Vaters Nestor treten, doch Aura weigert sich. Nun erfährt sie erstaunt, dass Nestor in den Pyrenäen nach dem Gral gesucht habe und auf den Spuren der vertriebenen Katharer bis nach Kastilien gereist sei. Fuente übergibt Aura einen Brief, dem das Foto ihres Sohnes Gian beiliegt. Sie erschrickt. Gian wird eine Klinge an den Hals gehalten! Er werde dort in Kastilien gefangen gehalten, sagt Fuente. Der Brief trägt das Siegel der Familie Cristobal. Wer mag dieser Cristobal wohl sein, fragt sie sich noch. Da betäubt Fuente sie mit Chloroform.

|Kastilien|

Tess sieht sich in einem Waisenhaus gefangen gehalten. Wieder hat sie Streit mit Gian, dem der Aufenthalt hier ganz recht zu sein scheint, denn er will ja endlich die Unsterblichkeit erlangen. Na, soll er doch! Ihr Entführer Cristobal sucht etwas, das offenbar Nestor, ihr Großonkel, hier gesucht hat. Und sie und Gian sollen es mit ihren telepathischen Fähigkeiten finden. So ein Blödsinn! Als ob der Gral ausgerechnet hier zu finden wäre! Dann rudert sie Cristobal hinaus auf einen See, in dessen Mitte sich eine geheimnisvolle Insel erhebt …

_Mein Eindruck_

Allmählich erhalten wir Antworten Antworten auf ein paar Rätsel. Die Ereignisse in Paris sind also auf Eduardo Fuente zurückzuführen. Sein Ziel ist zwiefach: Aura soll wieder die Alchimistenforschung aufnehmen und nach Kastilien zu Cristobal und der Schwarzen Isis kommen. Denn diese beiden seien das weltliche und das religiöse Oberhaupt der Templer-Assassinen und hielten ein großes Versprechen für ihre Anhänger bereit: den Gral und die Kenntnis des Ersten Wortes. Mithin also die Macht, eine neue Welt zu erschaffen. Mit ihren Anhängern als Auserwählten, versteht sich. Na, wie wär’s?

|Showdown|

Da Aura ihm nicht den Stinkefinger zeigt, sondern lediglich entrüstet ablehnt, muss er sie zwingen, mit ihm zu kommen. Der Weg von Andorra nach Kastilien ist jedoch weit, und es findet sich Gelegenheit, mit dem zweiten Verfolger Auras einen Plan zu Auras Befreieung zu schmieden. Dieser Befreier ist kein anderer als ihr nächtlicher Lover aus Paris, der Chevalier de Veldan, der nun aber Konstantin Ragosi genannt werden will, warum auch immer. Vielleicht ist es sogar sein richtiger Name. Der Befreiungsversuch wird zu einem echten Fight zwischen den drei Kontrahenten. Der Zuhörer hat Mühe, dem raschen Geschehen zu folgen, und sollte genau hinhören.

Danach reiten die beiden Unsterblichen Konstantin und Aura weiter zu Cristobal und der Schwarzen Isis. Schließlich müssen sie herausfinden, was diese beiden vorhaben. Zudem gilt es, die beiden Kinder Gian und Tess aus ihren Klauen zu befreien.

|Der Alte vom Berge|

Dass auch ihr früherer Gefährte Gillian vor Ort sein wird, ahnt Aura jedoch nicht. Denn auch Gillian und seine Gefährtin Karisma haben einen bühnenreifen Actionauftritt hinter sich. Endlich erkennt Karisma durch die Dokumente der Hüter, wer hinter dieser Sache steckt: Es ist ihr Onkel Cristobel. Doch wer versteckt sich hinter diesem geheimnisvollen Mann, der den unheilvollen Titel des „Alten vom Berge“ trägt? Der Alte vom Berge war immerhin während der Kreuzzüge der Gründer des gefürchteten Ordens der Asssassinen bzw. Haschischin, der auch in Wolfgang Hohlbeins Kreuzzug-Serie [„Kevin von Locksley“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5082 eine Schurkenrolle innehat.

Auf jeden Fall sollten sich alle Neuankömmlinge vor diesem Burschen in Acht nehmen. Schon vernimmt Gillian den telepathischen Ruf der Schwarzen Isis, die ihn zu ihrem Herrn lockt …

_Unterm Strich_

Die vorletzte Episode der zweiten Staffel ist ungewöhnlich actionreich. Zwei Kampfszenen schmücken diese Folge und machen sie zur besten der ganzen Staffel. Die Kämpfe müssen auch sein, denn nun gilt es für Aura und Gillian, sich befreit von allen Fesseln zum Ort des Showdowns aufzumachen: nach Kastilien, von wo die Schwarze Isis die Unsterblichen mit telepathischen Botschaften herbeilockt. Ist es eine Falle, mag sich der Hörer bang fragen. Um die Antwort zu erhalten, muss er sofort die nächste CD einlegen.

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von bekannten Schauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Mir war die Umsetzung an vielen Stellen zu romantisch und melodramatisch, aber von einer statischen Handlung kann keine Rede sein, denn die folgerichtige Entwicklung von Auras Abenteuern im Kampf gegen den Alten vom Berge ist mitreißend geschildert.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Stars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen.

|69 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3612-8|
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Meyer, Kai / Maetz, Stefan / Berling, Simon / Hagitte, Christian – Vatikan-Verschwörung, Die

_Spannende Mystery: Verfolgungsjagd zum Höllentor_

In Rom stößt der Kunstdetektiv Jupiter auf das Vermächtnis des geheimnisumwitterten Kupferstechers Piranesi. Rätselhafte Morde und unheimliche Erscheinungen führen ihn zum legendären „Haus des Daedalus“, einem vergessenen Ort tief unter den Fundamenten der Vatikanstadt. Verbirgt sich dahinter die Hölle selbst, wie ein vatikanischer Geheimbund vermutet? Jupiter und die Kunststudentin Coralina werden zu Gejagten, als Mönche, Kardinäle und die Geister der Vergangenheit ihre Spur aufnehmen, um ihnen das Vermächtnis Piranesis abzunehmen …

_Der Autor_

Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen. Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist ein eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet. Kürzlich schloss Meyer eine Trilogie mit chinesischer Fantasy ab: „Seide und Schwert“; „Lanze und Licht“; „Drache und Diamant“.

„Die Vatikan-Verschwörung“ erschien erstmals im Jahr 2000 unter dem Titel „Das Haus des Daedalus“.

|Kai Meyer bei Buchwurm.info:|

[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Die Wellenläufer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3247 (Hörbuch)
[„Die Muschelmagier“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3252 (Hörbuch)
[„Die Wasserweber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3273 (Hörbuch)
[„Frostfeuer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2111 (Hörbuch)
[„Die Alchimistin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=73
[„Das Haus des Daedalus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=373
[„Der Schattenesser“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2187
[„Die Fließende Königin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=409
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3145
[„Der Rattenzauber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=894
[„Faustus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3405
[„Seide und Schwert“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3558 (Das Wolkenvolk 1)

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Jupiter: Andreas Fröhlich
Coralina: Antje von der Ahe
Janus: Roland Hemmo
Prof. Trojan: Gunter Schoß
Shuvani: Barbara Ratthey
Landini: Christian Gaul
Estacado: Till Hagen
Babio: Fritz Hammer
Cristoforo: Kaspar Eichel
Diana: Heide Domanowski
Remeo: Klaus-Peter Grap
Lorin: Johannes Hubert
Pascale: Raimund Widra
Kardinal von Thaden: Horst lampe
Kapuzinermönch Santino: André Sander

Andreas Fröhlich ist die deutsche Stimme von John Cusack und Edward Norton. Er wurde 1965 in Berlin geboren; bereits mit sieben Jahren begann er mit der Synchronarbeit, nachdem er im Kinderchor des „Sender Freies Berlin“ entdeckt wurde. 1978 stieg er in der Sprecherrolle des Bob Andrews bei einer der bis heute erfolgreichsten Hörspielreihen Deutschlands, „Die drei Fragezeichen“, ein. Nach dem Abitur ging Fröhlich zunächst zum Theater, wo er unter anderem Rollen in Büchners „Woyzeck“ und in Shakespeares „Was ihr wollt“ spielte, bis er 1991 wieder zu seiner Arbeit als Synchronsprecher zurückkehrte. Außer als Sprecher arbeitet er als Synchronregisseur und Drehbuchautor, wo er u. a. für die Synchronisierung von „Der Herr der Ringe“ verantwortlich war. In dieser Trilogie übernahm er z. B. die Synchronisation des Wesens Gollum. Doch auch die deutschen Dialoge in Filmen wie Disneys „Mulan“ und „The Beach“ stammen aus seiner Feder. (Verlagsinfo)

Till Hagen ist die deutsche Stimmbandvertretung für Filmstars wie Kevin Spacey, Billy Bob Thornton und Kevin Kline. Er absolvierte die Schauspielschule in Berlin und war am Theater in Dortmund und Bielefeld engagiert. Seit 1977 ist der professionelle Rundfunksprecher beim RBB und anderen ARD-Sendeanstalten tätig.

Die Musik wird vom Filmorchester Berlin gespielt und der Hochmeisterchor Berlin von Christian Hagitte geleitet.

Die Hörspieladaption erarbeitete Stefan Maetz. Für Regie, Musik und Ton waren Simon Berling und Christian Hagitte zuständig, für Schnitt und Nachbearbeitung Sonja Harth. Die Produktion erfolgte durch das |STIL|-Studio, Berlin, das bekannt ist für seine ausgezeichneten Hörspielproduktion, z. B. der POE-Reihe.

_Handlung_

Wieder mal besucht der Kunstdetektiv Jupiter die Ewige Stadt. Das Taxi bringt ihn durch ein Gewirr von Altstadtgassen zur Kirche Santa Maria del Priorato. Dort erwartet ihn bereits Coralina, die er bereits kannte, als sie noch 15 Jahre alt war, doch jetzt ist die Tochter von Angehörigen des Roma-Volkes eine schwarzhaarige Schönheit. Bevor sie ihm ihre Entdeckung zeigt, fragt sie ihn, was er über Giacomo Piranesi, den geheimnisumwitterten Kupferstecher des 18. Jahrhunderts, weiß. Piranesi sei berühmt-berüchtigt für seine sechzehn Drucke der „Carceri“: Schreckensvisionen von überdimensionalen, labyrinthartigen Kerkern. Der einzige öffentliche Auftrag, den man dem „Spinner“ je gab, war die Restaurierung eben dieser Kirche, in der sie gerade stünden.

Coralinas Entdeckung ist eine Sensation. Hinter einer doppelten Wand ist sie auf die originalen Druckplatten für die „Carceri“-Drucke gestoßen. Das haut Jupiter um, denn die 16 Platten sind Millionen wert. Was Coralina wirklich wissen will: Kann sie den Fund an einen Kunsthehler verkaufen? Jupiter rät ihr: Vergiss es. Also erzählt sie einem Priester von den 16 Platten, aber die 17. Platte verschweigt sie, denn sie hat sie bereits beiseitegeschafft.

In ihrem Antiquitätenladen eröffnet Coralina dem Kunstdetektiv, dass es noch eine 17. Platte gibt. , Er macht ihr klar: Der Wert der 17. Platte ist unschätzbar hoch und sie anzubieten, wäre sehr gefährlich. Doch das Motiv fasziniert ihn: Der Kerker zeigt einen Obelisken, und darauf ist als Scherenschnitt ein Schlüssel zu sehen. Wofür ist der Schlüssel? Coralina hat noch etwas: die Scherbe einer Schale. Die alten Symbole scheinen minoischer Herkunft zu sein, meint Jupiter, doch die neueren Zeichen sind wahrscheinlich aus Piranesis Zeit, wie Jupiter von einem Fachmann erfährt.

|Die Adepten der Schale|

Schon am nächsten Tag geht der Ärger los. Vor der Kirche, wo sie die Piranesi-Platten fanden, hat die Polizei alles abgesperrt. Die Kirche ist geschlossen. Zu allem Überfluss ist auch Kardinal Leonhard von Thaden gekommen, der Leiter der Glaubenskongregation, eine Nachfolgeorganisation der Inquisition. Sein weißhäutiger Assistent Landini wimmelt Coralina ab. Da sieht sie, wie ein Straßenmaler namens Cristoforo, der früher mal im Vatikan als Restaurator arbeitete, auf den Asphalt das Motiv der 17. Druckplatte zeichnet. Coralina und Jupiter sind bestürzt: Woher kennt Cristoforo das Motiv? Doch der Obelisk mit dem Schlüssel fehlt. Kurz entschlossen bringen die beiden den Straßenmaler vor Landini in Sicherheit. Im Taxi murmelt der Alte etwas vom „Haus des Daedalus“ und ewiger Nacht. Sie lassen ihn gehen.

Als sich Jupiter am nächsten Tag dem Versteck Cristoforos nähert, erspäht er einen gut gekleideten Mann im Rollstuhl, den sein Chauffeur „Professor“ nennt und der laut Autokennzeichen aus dem Vatikan kommt. Ob er wohl von Thaden und Landini kennt? Jupiter schließt nichts mehr aus. Cristoforos Versteck ist ein alter Palazzo. An allen Wänden sind Zeichnungen von Piranesis „Carceri“, auch von Nr. 17. Jupiter stößt auf einen Kapuzinermönch, der sich Santino nennt und angibt, er habe Cristoforo nach dessen Rauswurf aus dem Vatikan jahrelang gepflegt. Er murmelt etwas von einem Stier, bevor er sich von Jupiter losreißt und übers Dach flüchtet. Drei schwarzgekleidete Männer dringen in den alten Palazzo ein und legen mit Benzin einen Brand. Jupiter entkommt den Explosionen ums Haaresbreite durch einen kühnen Sprung …

|Das Haus des Daedalus|

Am nächsten Tag erfährt er, dass Cristoforo tot aus dem Tiber gefischt wurde. Jemand im Vatikan geht also auch über Leichen, um das Geheimnis des 17. Piranesi-Drucks zu bewahren. Doch wer ist es genau? Als Jupiter Coralina wiedersieht, erzählt sie ihm vom Haus des Daedalus, von dem Cristoforo sprach. Der Legende nach errichtete der berühmteste Baumeister der Antike, Daedalus, für den minoischen König von Kreta ein Labyrinth, um ein Ungeheuer namens Minotaurus gefangen zu halten und ihm Jungfrauen zu opfern. Doch Daedalus fiel in Ungnade und musste mit seinem Sohn Ikaros fliehen. Ikaros flog mit seinen Wachsflügeln zu hoch und verbrannte entweder, oder das Wachs seiner Flügel schmolz und er stürzte ins Meer.

Wie auch immer: Daedalus errichtete in den römischen Hügeln für die etruskischen Könige ein weiteres Labyrinth. Im Lauf der Jahrtausende ging diese Tatsache fast verloren, Rom wurde errichtet, und nur eine Schale bewahrte das Geheimnis: Deren Bruchstück fanden Coralina und Jupiter in der römischen Kirche als Piranesis Vermächtnis. Doch wo ist das Tor zum Labyrinth, das als „Haus des Daedalus“ in die Legende einging und von manchen nun als die Hölle angesehen wird? Öffnet der Schlüssel auf dem Obelisken der 17. Kupferplatte das Tor selbst?

Jupiter und Coralina beginnen ihre Suche, nicht wissend, dass der vatikanische Geheimbund alles daran setzt, den Zugang vor ihnen zu finden. Beide Gruppen ahnen nicht, dass bereits eine Expedition ins besagte Labyrinth eingedrungen und dort unten auf namenlose Schrecken gestoßen ist …

_Mein Eindruck_

Acht Jahre sind eine lange Zeit, genug, um eine einst vielleicht innovative Story in ein abgedroschenes Klischee zu verwandeln. Nach den Megaerfolgen von Mystery-Thrillern wie [„Illuminati“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2106 und „Sakrileg“ sieht „Die Vatikan-Verschwörung“ aus, als stamme die Story aus dem Rezeptbuch für die Kategorie „Mystery“. Man nehme einen alten Geheimbund, der im Herzen der sowieso zwielichtigen katholischen Kirche tätig ist; eine alte Legende, die möglichst den meisten bloß zur Hälfte bekannt ist; sowie ein tapferes Ermittlerpärchen, das sämtlichen Gefahren und dem Geheimbund trotzt, um besagter Legende auf den Grund zu gehen. Dass im Finale alle bösen Buben ihr verdientes Ende finden, versteht sich von selbst, und dass die beiden Helden bis an ihr Lebensende glücklich sind und viele |bambini| in die Welt setzen, natürlich ebenfalls.

So weit, so traurig. Denn Meyers Buch hätte sicherlich ein besseres Schicksal verdient. Der Autor hat in erzählerischer Hinsicht alles richtig gemacht. Mit den oben genannten Ingredienzien lässt sich ein gar spannendes Süppchen kochen, und wenn man wie Meyer den richtigen Rhythmus für Spannung und Entspannung, Romanze und Action einhält, so kommt der Leser bzw. Hörer eigentlich voll auf seine Kosten.

Da macht es dann fast gar nichts mehr, dass im Finale die Verwirrung etwas groß wird, wenn nicht bloß ein unheimliches Wesen auftaucht, sondern gleich zwei. Und wer oben genau aufgepasst hat, kann sich sogar ausrechnen, welche zwei Wesen ich meine. Es versteht sich von selbst, dass die Welt noch einmal nur um Haaresbreite einer Katastrophe entgeht.

Ein gar hübscher Einfall ist zudem, dass der Baumeister des Vatikan den wahnwitzigen Plan hat, das Haus des Daedalus auf die ganze Welt auszudehnen, sie sozusagen komplett zu „labyrinthisieren“. Halb ironisch deuten Jupiter und Baumeister Trojan an, dass in Rom die Labyrinthisierung bereits in vollem Gange sei, so dass die Altstadtgassen sich dynamisch verändern, um den ahnungslosen Wanderer in einer Falle zu fangen (was dem Begriff „Touristenfalle“ einen völlig neuen, blutigen Beigeschmack verleiht).

Die Welt als Karzer (Carcero), also Kerker, und als Labyrinth – Piranesi und Dädalus hätten sich sicherlich gefreut. Denn dadurch würde die Welt sämtlich Charakteristika der Hölle annehmen: Es gibt kein Entkommen für die darin Gefangenen, so dass diese auf ewig ihre Strafe erleiden müssen. Dädalus selbst war ja ein Bestrafter, der von seinem Dienstherrn eingesperrt wurde. Der Sage nach entkamen sie aus dem Labyrinth des Minos mit Flügeln, doch nur Ikaros flog zu hoch, das Wachs der Flügel schmolz und er stürzte ins Meer. Dädalus entkam irgendwohin. Warum nicht gar nach Rom, das der Sage nach – und der Roman fußt fortwährend auf Legenden und Sagen – von einem trojanischen Helden namens Aeneas gegründet worden sein soll. Was die etruskischen Könige in dieser Gegend sicher sehr witzig gefunden hätten.

Die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart bildet ein geheimnisvoller Code – und das erinnert uns stark an den „Da Vinci Code“ in [„Sakrileg“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1897 Der Code steht auf einer zerbrochenen Schale aus minoischen Zeiten. Wer alle Bruchstücke zusammenfügt, wie es die „Adepten der Schale“ tun, soll das Tor zum Haus des Daedalus finden. (Die Verbindung mag zwar historisch völlig unhaltbar sein, aber wenn man wie der Autor mit Sagen und Legenden hantiert, kann man alles nach Belieben verwenden.) Und der Geheimbund ist selbst gespalten: Trojan will die Welt zum Labyrinth machen, doch seine Widersacher wollen die katholische Kirche schützen und das Geheimnis hüten. Sie werden alle gleichermaßen gerichtet werden, weiß der Leser bzw. Hörer im Voraus. Doch bis zum Finale ist es ein langer, sehr spannender Weg. Für gute Unterhaltung ist stets gesorgt.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Das Hörspiel wird wie (fast) jede dramatische Form von seinem Zusammenspiel aus Dialogen, Geräuschen und Musik getragen. Keiner der drei Teile darf sich zu sehr in den Vordergrund drängen, sollen die anderen Teile nicht unverständlich werden und störend wirken. So drängt sich beispielsweise in Schätzings Hörspiel [„Tod und Teufel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3596 die Musik gar mächtig in den Vordergrund, worunter die Bedeutung der Dialoge leidet. Dass Geräusche und Musik die Dialoge grundsätzlich nicht überlagern dürfen, versteht sich von selbst, denn sonst bleibt der Sinn des Hörspiels auf der Strecke: der dramatische Dialog mit dem Hörer.

|Die Sprecher|

Die Handlung wird nur von zwei Figuren vorangetragen, von Jupiter, der zugleich als Ich-Erzähler fungiert, und von Coralina. Andreas Fröhlich ist ein Großmeister seines Fachs und hat mir auch als Jupiter sehr gut gefallen. Zwar ist seine Stärke eigentlich das ruhige und emotional fein nuancierende Vorlesen (ich sage nur: [Polidori!),]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=525 aber auch als Quasi-Schauspieler wusste er mich zu überzeugen. Er ist mir am liebsten als ironischer John Cusack, aber auch als Träger der Action ist er nicht zu verachten. Gerade im Finale, das an Dramatik kaum zu überbieten ist, werden nicht viele Worte gebraucht, denn es hagelt stattdessen blaue Bohnen. Fröhlich hat Cusack allerdings auch in romantischen Rollen wie etwa „Serendipity“ (Weil es dich gibt) gesprochen, und diese Fähigkeiten braucht er gegenüber einer so attraktiven Partnerin wie Coralina alias Antje von der Ahe.

Antje von der Ahe zeichnet ihre Coralina (ich muss bei diesem Namen immer an den fast gleichnamigen [Roman]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1581 von Neil Gaiman denken) als tapfere junge Frau, die einiges auf dem Kasten hat und in der Not auch eine Autoverfolgungsjagd ohne Schaden überstehen kann. Die Zigeunertochter zeigt jedoch häufig auch ihre empfindsame Seite, als sie sich immer wieder Sorgen um das Schicksal ihrer Großmutter macht, welche den Adepten der Schale wehrlos ausgeliefert ist. Als Frau darf Coralina / von der Ahe durchaus mal schluchzen und weinen, Jupiter / Fröhlich ist dies jedoch verwehrt (wäre ja noch schöner, wenn der Held zum Weichei würde!).

Unter den übrigen Sprechern fielen mir lediglich die alte UFA-Schauspielerin Barbara Ratthey als Shuvani und der Film-, TV- und Hörbuchsprecher Till Hagen als Estacado auf. Leider ist die Rolle des Estacado zu klein, als dass Hagen seine Stärken ausspielen könnte. Doch die Ratthey weiß sich als Zigeunerzauberin gut in Szene zu setzen und strahlt eine sanfte weibliche Autorität aus, die man heute lange suchen muss.

|Geräusche und Soundeffekte|

Die Geräusche des alltäglichen Roms kann man sich leicht vorstellen, denn es sind die jeder Großstadt. Doch hier in der Ewigen Stadt kommen noch die allgegenwärtigen Glocken hinzu sowie die Vögel, die in jedem Park und auf jedem Platz zwitschern und zirpen. Die Glocken dröhnen von Anfang an und läuten buchstäblich die Handlung ein.

Kommen wir zu den Geräuschen, die nicht so natürlich nach Rom passen: Schüsse etwa, Chaos auf der Autobahn, eine Verfolgungsjagd und schließlich noch mehrere donnernde Explosionen. Das hört sich doch schon mehr nach Kino für die Ohren an.

Aber wir sind immer noch nicht beim eigentlichen Schauplatz: dem labyrinthartigen, unterirdischen „Haus des Daedalus“. Zum Glück werden die drei Mönche, die sich in dieses Labyrinth gewagt haben, von Anfang an in die Pausen der Haupthandlung eingefügt, so dass wir Gelegenheit haben, den Fortgang ihrer Exkursion zu verfolgen. Remeo nimmt ein Tonband auf, um das zu protokollieren, was er sieht und mit Pasquale bespricht. Der Klang des Bandes ist schlecht und klingt verzerrt – ein simpler Filtereffekt. Subtiler wird’s dann bei den Soundeffekten, die die bedrückende Atmosphäre in den Gängen des Labyrinths evozieren. Gruseliger sind schließlich die Schreie, das Schnauben und am Ende … das Klappern von Hufen. Diese Kombination wiederholt sich in Variationen im Finale.

|Musik|

Die Musik hat zwei primäre Aufgaben, nämlich Untermalung im Hintergrund und das Füllen der Pausen zwischen den Szenen sowie natürlich Intro und Outro.

Die Pausen sind häufig, aber nicht immer mit einem männlichen Chorgesang ausgefüllt. Nach einer Weile verstand ich auch die lateinischen Wörter: „Domus Daedali“ – „Haus des Daedalus“. Wie passend. Sachte sind Streicher und ein Cello unterlegt. Dieser Chor

Weitaus weniger subtil ist hingegen die Musik der übrigen Pausen und des Hintergrunds. Recht häufig wird die Orgel eingesetzt sowie ein Tutti des gesamten Orchester, das in einem Crescendo die Dramatik auf die Spitze treibt. Mehr als einmal musste ich an die vielfältigen musikalischen Motive zu Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung denken, die Howard Shore so fabelhaft komponiert hat.

Doch wo bei Shore die Bilder die dramatische Musik ergänzen und rechtfertigen, fehlen im Hörspiel die Bilder – der Hörer muss sie sich im Kopf dazudenken. Entweder fehlt es mir an Phantasie oder am Sinn fürs Dramatische, aber oft erschien mir diese musikalische Untermalung als etwas übertrieben. Andere mögen sie allerdings als genau passend zu einem Mystikthriller empfinden.

_Unterm Strich_

Wenn „Illuminati“ und „Sakrileg“ nicht solch einen großen Erfolg gehabt hätten, wäre der „Vatikan-Verschwörung“ wahrscheinlich ein ebensolcher beschieden gewesen. Heute wirkt die einfallsreiche und sehr spannende Story etwas abgedroschen und klischeehaft. Das tut ihrem hohen Unterhaltungswert aber keinen Abbruch. Inzwischen hat sich eine ganze Industrie auf das Thema „Historische Mystery-Thriller“ eingestellt, und auch der unvermeidbare Wolfgang Hohlbein hat sein Scherflein dazu beigetragen [(„Das Paulus-Evangelium“).]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2630 Daher hat sich Kai Meyer wohlweislich auf Jugendabenteuer verlegt und sich exotischeren Gegenden gewidmet: St. Petersburg, die Karibik, das alte China. Und seine Jugendbücher sind durchweg empfehlenswert.

|Das Hörspiel|

Sprecher und Geräusche sind perfekt, um spannendes Kino im Kopf entstehen zu lassen, doch die Musik, wenn auch stilecht und von Profis beigetragen und abgemischt, fand ich zu dick aufgetragen. Aber wahrscheinlich bin ich sowieso ein Fan der leisen Töne. Jedenfalls ist die Musik geeignet, auch noch dem ruhigsten Hörer den Adrenalinpegel zu erhöhen. Das Finale lässt an horrormäßiger Suggestion nichts zu wünschen übrig. Hier hat das renommierte STIL Studio ganze Arbeit geleistet.

|Originaltitel: Das Haus des Daedalus, 2000
158 Minuten auf 2 CDs|
http://www.stil.name
http://www.luebbe-audio.de
http://www.kaimeyer.com/

Meyer, Kai – Dschinnland (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)

_Orient-Fantasy: Kampf mit Dschinnen und Magiern_

Seit über 50 Jahren herrschen die Dschinne über die Wüste zwischen Samarkand und Bagdad. Nur todesmutige Schmuggler wie Tarik al-Jamal mit ihren fliegenden Teppichen wagen sich hinaus in die Einöde. Bis Tariks Geliebte Maryam ein Opfer der Dschinne wird. Seither besteht Feindschaft ihm und seinem Bruder Junis. Erst als die geheimnisvolle Sabatea Junis dazu bringt, sie durchs Dschinnland nach Bagdad zu bringen, beschließt Tarik, die beiden zu beschützen – auch gegen Junis‘ Willen. Eine mörderische Jagd durch die Wüste beginnt, mitten in den Krieg zwischen Dschinnen und Sturmkönigen. (Verlagsinfo) Dies ist der Auftakt zu einer Trilogie über die Sturmkönige.

_Der Autor_

Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte unter anderem ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen.

Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet. 2007 verfilmte Dominik Graf („Treffer“, „Die Katze“) Meyers Roman „Das Gelübde“. Der Autor lebt am Rande der Eifel.

Mehr von Kai Meyer auf |Buchwurm.info|:

[Interview mit Kai Meyer]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=11
[„Dschinnland“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5340 (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
[„Die Wellenläufer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3247 (Hörbuch)
[„Die Muschelmagier“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3252 (Hörbuch)
[„Die Wasserweber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3273 (Hörbuch)
[„Der Brennende Schatten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4506 (Hörspiel)
[„Die Vatikan-Verschwörung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3908 (Hörspiel)
[„Frostfeuer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2111 (Hörbuch)
[„Die Alchimistin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=73
[„Das Haus des Daedalus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=373
[„Der Schattenesser“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2187
[„Die Fließende Königin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=409
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=890 (Hörbuch)
[„Das Buch von Eden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3145
[„Der Rattenzauber“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=894
[„Faustus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3405
[„Seide und Schwert“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3558 (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
[„Lanze und Licht“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4549 (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
[„Drache und Diamant“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4574 (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
|Die Alchimistin – Das Hörspiel:|
1) [„Der Stein der Weisen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5052
2) [„Das Erbe des Gilgamesch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5155
3) [„Die Katakomben von Wien“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5220
4) [„Das Kloster im Kaukasus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5263
5) [„Die Unsterbliche“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5379
6) [„Die Schwarze Isis“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5406
7) [„Der Schatz der Templer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5427
8) [„Der Alte vom Berge“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5448

_Sprecher & Produktion_

Andreas Fröhlich ist die deutsche Stimme von John Cusack und Edward Norton. Er wurde 1965 in Berlin geboren; bereits mit sieben Jahren begann er mit der Synchronarbeit, nachdem er im Kinderchor des „Sender Freies Berlin“ entdeckt wurde. 1978 stieg er in der Sprecherrolle des Bob Andrews bei einer der bis heute erfolgreichsten Hörspielreihen Deutschlands, „Die drei Fragezeichen“, ein.

Nach dem Abitur ging Fröhlich zunächst zum Theater, wo er unter anderem Rollen in Büchners „Woyzeck“ und in Shakespeares „Was ihr wollt“ spielte, bis er 1991 wieder zu seiner Arbeit als Synchronsprecher zurückkehrte. Außer als Sprecher arbeitet er als Synchronregisseur und Drehbuchautor, wo er unter anderem für die Synchronisierung von „Der Herr der Ringe“ verantwortlich war. In dieser Trilogie übernahm er auch die Synchronisation des Wesens Gollum. Doch auch die deutschen Dialoge in Filmen wie Disneys „Mulan“ und „The Beach“ stammen aus seiner Feder. (Verlagsinfo)

Fröhlich liest eine gekürzte Romanfassung, die von Aenne Glienke bearbeitet wurde. Regie führte Kathrin Weick, die Aufnahme steuerten Dicky Hank und Dennis Kassel in den |d.c. studios NRW-Berlin|.

_Handlung_

Die Provinz Khorassan im 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, aber im 52 Jahr des Dschinnkrieges. Wieder mal saust Tarik al-Jamal auf seinem magischen fliegenden Teppich durch die engen Gassen der Altstadt der einstigen Handelsstadt Samarkand. Hier herrscht zwar noch der Emir in seinem weitläufigen Palast, aber Handelskarawanen kommen über die Seidenstraße keine mehr: Die Dschinne und ihre Magier haben die Stadtregion abgeriegelt. Auch Tariks Vater war mal ein Schmuggler, der bis nach Bagdad jenseits der Wüste tätig war. Doch der Vater ist gestorben, ebenso wie wohl auch Tariks Freundin Maryam, die von den Dschinnen entführt wurde. Nun betäubt Tarik seit Jahren seinen Schmerz mit Wettflügen auf fliegenden Teppichen und natürlich mit Wein.

Kaum hat er seinen Bruder Junis überholt, gelangt er auch schon unter die Palastmauern und somit in Reichweite der Bogenschützen des Emirs. Ein Glück, dass es Nacht ist. Bei Tag hätte Tarik nicht den Hauch einer Chance, ihren Pfeilen zu entgehen, denn die Teppichrennen sind streng verboten. Und ein Loch in seinen kostbaren Teppich aus magischen Drachenhaar will er auch nicht riskieren, denn es gibt keinerlei Ersatz mehr für solches Gewebe.

Am Ende der Gasse unter den Palastmauern erscheinen menschliche Gestalten. Was haben die hier zu suchen? Tariks Teppich rammt eine der Gestalten; es muss ein Mädchen sein. Der Teppichs stürzt ab, es gibt einen harten Aufschlag. Das Mädchen ist in Bedrängnis, denn drei Kerle wollen sie entführen. Tarik hilft ihr, die Gegner zu vertreiben. Sie heißt Sabatea und stammt aus dem Palast des Emirs.

Wer mag diese Schönheit wohl sein, die unbedingt einen Weg sucht, Samarkand zu verlassen, fragt er sich. Sie wolle diesem Gefängnis entrinnen, das der Emir mit seinem Geheimdienst beherrsche. Sie versucht, Tarik mit Gold und ihrem jungen Körper zu bestechen. Bei einem Abstecher in das Vorland lernen sich die beiden näher kennen, und er nimmt das Angebot ihres Körpers an. Danach setzt er sie wieder in einem abgelegenen Palasthof ab.

Am nächsten Tag geht das Gerücht um, der Emir wolle seine Vorkosterin nach Bagdad schicken, um sie dem Kalifen Harun al-Raschid zum Geschenk zu machen. Eine sehr großzügige Geste, findet Tarik, denn die Vorkosterin hat den Herrscher bereits mehrmals vor Giftanschlägen bewahrt. Es heißt, sie sei selbst durch Schlangengift derartig abgehärtet worden, dass nur ein Tropfen ihres Blutes auf den Lippen eines Menschen zum sofortigen Tod führen würde.

Tarik hat Sabateas Bitte abgelehnt, denn es sei sinnlos, durch die Wüste nach Bagdad zu reisen: Die Dschinne würden einen garantiert erwischen. Und wenn nichts sie, dann ihre Kettenmagier. Als er seinen Bruder Junis besucht, ist er daher nicht allzu sehr überrascht, auch Sabatea hier vorzufinden. Angesichts des zerwühlten Bettes haben sie miteinander geschlafen. Und Junis hat ihr zugesagt, sie für ein großzügiges Entgelt als Führer durch die Wüste nach Bagdad zu bringen. Jeder Protest Tariks ist zwecklos.

Am folgenden Tag brechen die beiden auf, ebenso wie die Karawane der Vorkosterin. Tarik geht mit sich zu Rate, was er tun soll. Er bringt es nicht übers Herz, seinen Bruder im Stich zu lassen. Und dann ist da ja immer noch die schöne, verlockende Sabatea aus dem Palast, die sowohl mit Dolchen als auch magischen Teppichen umgehen kann, ein bemerkenswertes Talent. Kurz und gut: Er fliegt den beiden nach, auch wenn es bedeutet, an die Stätten alten Schmerzes zurückzukehren. Vor ihnen liegen tausend Kilometer Dschinnland.

Wie alle Wüsten birgt auch diese sowohl Wunder als auch Schrecken. Zu den Wundern zählen die Elfenbeinpferde, scheue und geflügelte Wesen, die magischer Natur sind. Zu den Schrecken zählen neben den Dschinnen auch schwarze Fladen, die einem Menschen das Leben aussaugen wollen. Tarik bekämpft sie mit Salz, das er mitgenommen hat. Sie treten in der zerstörten alten Grenzfestung auf, wo er seinerzeit Maryam verlor. Er folgt dem Verlauf der alten Seidenstraße, die zum Gebirge Kopet Dag führt, und stößt auf die Spuren von Sabatea und Junis. Sie sind unvorsichtig, wie er findet.

Kaum hat er die beiden erreicht und von der Notwendigkeit seiner Hilfe überzeugt, als auch schon sechs schwebende Dschinne am Horizont erscheinen. Offenbar eine Vorhut für eine größere Gruppe, meint Tarik. Sie könnten die Vorhut besiegen und dann dem Haupttrupp entkommen. Indem sie sich aufteilen, formieren sich Tarik und Junis zu einem Zangenangriff. Na, wenn das mal gut geht!

_Mein Eindruck_

Geografisch liegt der Schauplatz Samarkand genau zwischen dem von Meyers Wolkenvolk-Trilogie und dem Schauplatz seines „Buches von Eden“, in dem die Blume des Paradieses unweit von Bagdad gesucht wird. Inzwischen kennt sich der Autor also schon sehr gut im Orient aus. Allerdings kommen bei ihm keine Religionskriege oder gar Kreuzzüge vor; sie werden höchstens am Rande erwähnt. In dieser Hinsicht hat sein Kollege Wolfgang Hohlbein jedoch keinerlei Skrupel, wie seine Abenteuer um Kevin von Locksley sowie diverse Templer-Abenteuer belegen.

|Tausendundeine Nacht|

Mich hat dieser erste Band der Sturmkönige-Trilogie stark an die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht erinnert. Da finden wir Dschinne, grausame Herrscher, schöne Jungfrauen und natürlich den obligatorischen Kalifen von Bagdad, Harun-al-Raschid. Zum Glück ist Meyer aber auch eine Menge Neues eingefallen, so etwa die erstaunlichen Kettenmagier, die deswegen so heißen, weil sie, wenn sie nicht angekettet wären, wie ein Heißluftballon in den Himmel entschweben würden.

Niedlich sind auch die zapfenförmigen, schwebenden Dschinne, es sei denn, man kommt ihnen zu nahe, und die geflügelten Elfenbeinpferde, die eine Kreuzung aus Einhorn und Pegasus darstellen. Daneben gibt es noch allerlei finsteres Ungeziefer, das aber stets fachgerecht entsorgt wird. Es ist eine recht eklektisches Sammelsurium, das vielfach einfach der Dekoration dient.

|Die Sturmkönige|

Die rätselhafteste Schöpfung dieser Trilogie sind die Sturmkönige selbst. Sie sind die Erzfeinde der grausamen Dschinne, die das Land zwischen Samarkand und Bagdad erobert haben. Die Sturmkönige bekämpfen sie, wo sie nur können, und setzen dabei ihre Fähigkeit ein, Tornados zu formen und zu lenken, so dass die Dschinne zerrissen werden. Dies passiert in einer groß angelegten Szene, die aus der Perspektive von Tarik und Sabatea die finale Attacke der Sturmkönige auf die Festung der Dschinne schildert. Da sich diese Festung in einem hohlen Vulkan befindet, gucken sich die beiden Helden das Geschehen aus der Froschperspektive an.

|Starke Figuren|

Nach dem Sieg der Sturmkönige ist für den Leser klar, dass diese Rebellenorganisation der optimale Verbündete für potenzielle Freiheitskämpfer wie Junis und Tarik wäre. Und wer weiß, vielleicht finden sie bei den Rebellen ja etwas, das sie schon lange vermisst haben.

Aber es ist auch deutlich, dass Sabatea neben den beiden Teppichreitern keine Neben-, sondern eine Hauptfigur darstellt, die ihre eigene Macht ausübt, um ihre Aufgabe zu erfüllen oder ihr eigenes Ziel zu erreichen. Worin dieser Zweck besteht, soll hier nicht verraten werden, um die zahlreichen Überraschungen nicht zu verderben, die mit Sabatea verbunden sind. Sie ist eine erfreulich starke und aktive Frauenfigur, wie man sie sich öfter in der deutschen Fantasy wünschen würde.

|Der Sprecher|

Andreas Fröhlich ist ein wahrer Stimmkünstler. Es hat mich immer wieder verblüfft, wie es ihm gelingt, seine Stimme so flexibel anzupassen, dass er die optimale Ausdruckskraft hervorbringen kann. Das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es Fröhlich war, der in Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung den Gollum spricht.

Auch hier setzt er seine Stimmkunst effektvoll ein. Eine „Silberschlange“ lässt er hinterlistig zischen, einen Byzantiner und einen Dschinnfürsten mit grollendem Akzent sprechen. Sabatea ist mit einer höheren Stimmlage ausgestattet und wickelt sowohl Tarik als auch Junis mit ihrer sanften verführerischen Stimme um den Finger. Tarik und Junis sprechen in einer normalen, tieferen Stimmlage, doch sie sind schwierig zu unterscheiden. Zum Glück gibt es nur wenige gemeinsame Szenen zwischen den beiden, so dass die Gefahr der Verwechslung minimal ist.

Am wichtigsten ist die Intonierung der Erzählerstimme. Senkt der Sprecher die Tonhöhe, klingt ein Satz bedrohlich oder geheimnisvoll raunend, je nach Satzmelodie. Diese Feinheiten hat Fröhlich routiniert im Griff. Ich bin mit dieser Sprachaufnahme rundum zufrieden.

|Musik|

Die Musik tritt sowohl in den Pausen zwischen den Kapiteln als auch im Hintergrund auf, das heißt, sie hat sowohl untermalende als auch entspannende oder vorbereitende Aufgaben. In jedem Fall sind ihre Instrumentierung, die Rhythmen und Melodien auf das orientalische Ambiente abgestellt. So hören wir vielfach Tablas und Trommeln, tiefe Flöten und andere Instrumente, die in arabischer Musik üblich sind.

Stets ist der Rhythmus der Stimmung der Szene angepasst, damit die Musik den Text emotional unterstützen kann. So erklingt beispielsweise romantische Musik, wenn sich Sabatea von Tarik nach der ersten Liebesnacht verabschiedet. In Actionszenen beschleunigt die Musik natürlich auf ein hohes Tempo, damit die Luftkämpfe der Teppichreiter mit den Dschinnen auch nachvollziehbar werden. An manchen dieser Stellen wird das Durcheinander durch eine arhythmische Kakophonie angedeutet, die aber zum Glück nur kurz anhält.

In jedem Fall ist diese Musikuntermalung professionell gehandhabt, nicht übertrieben und verdeckt nie den Dialog. Es ist eine erfrischende Abwechslung zu den üblichen Hollywood-Scores, die man bei Hörspielen findet.

|Geräusche|

Wunderbarerweise gibt es in dieser inszenierten Lesung auch Geräusche. Am Anfang ist dies einfach nur Wind, doch später kommt auch ein Grollen und Donnern hinzu. Im Zusammenhang mit den Sturmkönigen darf Wind natürlich auch nicht fehlen. Geheimnisvoll fand ich einen tiefen Sound, der stets Gefahr und Bedrohung signalisiert.

|Infomaterial|

In dem Einsteckkarton für die CDs sind Informationen abgedruckt. Hier erfährt der Hörer Näheres zu den Sturmkönigen, zu Tarik al-Jamal, über die Elfenbeinpferde und die Kettenmagier. Auf einer Seite sind auch die Überschriften der Kapitel aufgeführt.

Die gesamte Verpackung ist sehr schön illustriert. Auf dem Titelbild sieht man über den Türmen und Minaretten Samarkands (oder Bagdads) zwei Teppichreiter und links im Bild mehrere Vögel neben einem zapfenförmigen Umriss, bei den es sich um einen Dschinn handeln könnte. Über diese Details ist eine Sternenkette gelegt, die zu einem transparenten Gewebe führt, das möglicherweise einem Magier gehört. Das Sternenmotiv findet sich durchgehend und erinnert an die Magie, die allenthalben wirksam ist.

_Unterm Strich_

Wie von Kai Meyer gewohnt, ist auch dieser Auftakt zur „Sturmkönige“-Trilogie voller Romantik und Abenteuer. Sie sorgen für jede Menge Action und wechselnde Schicksale, aber auch für erotische Verwicklungen. Prinzipiell findet der Leser bzw. Hörer auch hier wieder eine Meyer-typische Ausgangslage vor: Ein unterdrücktes Volk, vertreten durch interessant gezeichnete junge Leute, strebt nach Freiheit, muss jede Menge Abenteuer gegen die Unterdrücker (hier: die Dschinne) bestehen und stößt auf Verbündete, mit deren Hilfe der Freiheitskampf vielleicht erfolgreich geführt werden kann. Die spannende Frage lautet natürlich, wie es Teppichreitern und Sturmkönigen gelingen soll, eine so zahlreiche und mächtige Organisation wie die Dschinne zu besiegen. Man darf auf die Fortsetzungen gespannt sein.

|Das Hörbuch|

Hier handelt es sich nicht um eine gewöhnliche Lesung. Stimmungsvolle Musik aus dem Orient und etliche Geräusche versetzen die Phantasie des Hörers an exotische Schauplätze, wo Liebe, Gefahr und Action das Geschehen bestimmen. Der Sprecher Andreas Fröhlich zeigt auch hier wieder sein ganzes Können. Ich hätte mir neben Spannung und Action noch etwas Humor gewünscht, aber dies ist ja nicht gerade ein Karl-May-Roman, in dem ein Hadschi Halef Omar für das humoristische Element sorgt.

HINWEIS: „Dschinnland“ wurde im März 2009 mit dem „Wunschkrieg“ fortgesetzt. Der Abschlussband „Glutsand“ soll im September 2009 erscheinen.

|438 Minuten auf 6 CDs
ISBN-13: 978-3-7857-3751-4|
http://www.sturmkoenige.de
http://www.kai-meyer.com
http://www.luebbe.de

Meyer, Kai – Buch von Eden, Das

Im Jahre 1257. In einem französischen Kloster wird die „Lumina“ gehütet – die letzte Pflanze des Gartens Eden. Als Schergen des Erzbischofs von Köln, der die Pflanze haben will, das Kloster überfallen, überlebt nur die Novizin Favola. Als Hüterin der Lumina obliegt ihr deren Schutz. Mit Gefährten macht sie sich auf eine gefährliche Reise gen Arabien. Sie wollen die Lumina an den Ort zurückbringen, an dem der Bibel nach einst der Garten Eden gelegen haben soll. (Verlagsinformation)

|Der Autor|

Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte unter anderem ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen. Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller [„Die Alchimistin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=73 begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei |Loewe| erschien mit den „Wasserläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus.

|Der Sprecher|

Philipp Schepmann, Jahrgang 1966, erhielt seine Ausbildung als Schauspieler an der renommierten Folkwang-Schule in Essen. Er ist nach Verlagsangaben verheiratet, Vater von drei Kindern und lebt in Bergisch Gladbach bei Köln. Schepmann arbeitet als Sprecher und Schauspieler für Film, Funk und Theater.

_Handlung_

Der Novize Elwin lebt in einem Kloster von Zisterziensermöchen in der verschneiten Eifel, als er im Jahr 1257 in das Abenteuer seines Lebens gerät. Er ist reichlich aufmüpfig, denn er verzichtet partout nicht auf die Benutzung des eigenen Gehirns, und deshalb ist das Kloster in der Eifel schon sein zweites. Wieder einmal hat er sich davongeschlichen, um den öden Unterrichtsstunden zu entgehen. Mit seinem robust gebauten, aber dennoch vorsichtigen Freund Odo hat er sich auf eine Waldlichtung geschlichen, auf der sich ein Wunder ereignet.

Die beiden Jungs werden Zeuge, wie das sechzehnjährige Mädchen Libuse die große Eiche auf der Lichtung verehrt, den Schnee schmilzt und ihre Umgebung zum Leuchten bringt. Dies lockt einen riesigen Keiler herbei, mit dem sich das Mädchen offenbar gut versteht. Sie nennt den Eber „Nachtschatten“. Bei so viel Magie ist es kein Wunder, dass sich Elwin in Libuse verliebt hat. Dass sie dunkelrotes Haar und grüne Augen wie eine Hexe hat, stört ihn nicht weiter. Nur seine Tollpatschigkeit vertreibt sie leider.

Libuse lebt zusammen mit ihrem Vater Corax von Wildenburg in einem hölzernen Wohnturm, der sich aus dem Wald erhebt. Corax ist schon 50 Jahre alt, ein ehemaliger Kreuzritter, der Libuses Mutter im Orient kennen lernte, doch sie starb bei der Geburt ihrer Tochter. Er spricht gut Arabisch, doch wird das in den christlichen Landen ringsum ungern gehört. Hier herrscht der Erzbischof von Köln, Friedrich von Hochstaden, mit eiserner Hand, denn er will deutscher König werden. Corax hat die Spuren von zwei Wanderern und drei Reitern gefunden. Etwas ist im Gange.

Die zwei Wanderer treffen wenig später in Elwins Kloster ein. Durch einen Geheimgang gelangen Elwin und Odo in eine Nische, wo sie den Abt und seinen Besucher belauschen können. Elwin ist völlig von den Socken, als er erkennt, dass es sich um den Dominikanermönch Albertus Magnus, den Abt seines ersten Klosters, handelt, ein hochgelehrter Mann, dem man sogar magische Fähigkeiten nachsagt. Und er ist ein erbitterter Gegner des Erzbischofs.

Tatsächlich bittet Albertus den Abt um Schutz und Hilfe gegen seine Verfolger, die im Dienst des Erzbischofs stehen. Es sind Söldner, die von einem grausamen „Wolfsritter“ namens Gabriel von Goldau angeführt werden. Sie sind hinter etwas her, das Albertus‘ Schützling bei sich hat. Die Novizin Favola ist die einzige Überlebende eines französischen Klosters, das Gabriel zerstört hat. Favola ist krank und schwach, aber etwas ganz Besonderes.

Elwin schließt Freundschaft mit Favola, denn er fühlt sich zu ihr ebenso hingezogen wie zu Libuse, nur auf andere Weise. Und außerdem ist er neugierig. Sie verrät ihm ihr Geheimnis: Sie trägt in einem kleinen Schrein die Lumina bei sich, die Leuchtende, die letzte Pflanze aus dem Garten Eden. Und da sie zur Lumina eine empathische Verbindung hat, merkt sie, dass die Pflanze schwächer wird. Sie muss unbedingt zurück in ihren Heimatboden.

Doch wo ist der Garten Eden? Der Legende nach lag er im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, doch wie Elwin auf einer langen Wanderung herausfindet, liegt der Garten Eden erstens in der unwirtlichsten Wüste Arabiens und zweitens nicht eigentlich in dieser Welt.

Zunächst aber müssen sich die Verfolgten Albertus Magnus und Favola vor den Rittern des Erzbischofs in Sicherheit bringen. Elwin und Odo helfen ihnen dabei. Als Albert und seine Gefährten seinen alten Freund Corax besuchen, finden sie ein Bild des Grauens vor – die Ritter waren schon hier …

_Mein Eindruck_

|Die Schurken|

Ja ja, das Böse ist immer und überall. Und in Gabriel von Goldau hat es eine trügerische Gestalt angenommen, die unsere wackeren Gefährten auf ihrer Reise ins Gelobte Land auf Schritt und Tritt verfolgt. Bloß gut, dass Gabriel als Bösewicht leicht zu erkennen ist: Er trägt ein Feuermal im Gesicht. Dass auch sein direkter Boss ein Schurke ist, erschließt sich dem Hörer leicht: Ein Nigromant, also Schwarzkünstler, kann nichts anderes als böse sein. Und beide stehen im Dienst eines bereits vorgestellten Schurken: des Erzbischofs von Köln.

In einem hohem Maße sorgen die Schurken – wohl noch viel mehr als im Buch – für jede Menge Action und Drama. Die Darstellung der Untaten des finsteren Trios ist selbst noch im gekürzten Text des Hörbuchs so drastisch, dass ich sie nur Jugendlichen ab 14 Jahren empfehlen würde. Nicht jedes Kind kann wohl mit einer Vergewaltigungsszene klarkommen.

|Der zweite Erzählstrang|

Nun soll man aber nicht meinen, dass die gesamte Handlung nur aus einem Handlungsstrang besteht, selbst wenn sich die Gefährten mal unterwegs verlieren. Vielmehr verhält es sich so, dass in einem zweiten Handlungsstrang ein zweiter Garten Eden, hier „Der Garten Allahs“ genannt, auftaucht. Die Protagonisten dieses Strangs sind ein Mongolenfürst, der eine Million Untertanen gegen das reiche Bagdad führt; ein Verräter, der eben diesen Garten Allahs zerstört; und eine schöne junge Witwe namens Zinaida, die die Schönheit dieses halb überirdischen Gartens geschaut hat und nun den Verräter Shadan vernichten und Bagdad vor der Mongolengefahr warnen will.

Obwohl der zweite Erzählstrang das Personal und somit die Liste der Namen, die man sich merken muss, erheblich erweitert, trägt er doch stark zur Abwechslung bei, so dass keinerlei Langeweile aufkommt. Vielmehr ist der Zuhörer ständig darum bemüht, den Wendungen der vielsträngigen Handlung zu folgen. Eine Verschnaufpause tut mitunter recht gut.

Wenigstens münden die Wege aller Mitwirkenden in Bagdad zusammen, zum Guten und zum Schlechten. Für so manchen entscheidet sich dort sein Schicksal. Doch die Stadt und ihr historisch überlieferter Untergang im Jahre 1258 ist keineswegs das Ende der Geschichte. Denn dann kommt’s hammerhart mit einem beinahe tödlich endenden Ausflug in die arabische Wüste.

|Finale in der Wüste|

Die Wüste bringt – wie in „Lawrence von Arabien“ – den mystischen Aspekt im Menschen hervor. Und das gilt für alle Beteiligten, insbesondere aber für Favola und Libuse, die ja beide über außergewöhnliche mystische Fähigkeiten verfügen: Favola über Empathie und Libuse über das so genannte „Erdlicht“. In diesem Finale erfahren wir endlich, worauf wir die ganze Zeit gewartet haben: Was es eigentlich mit den Kräften, die in der Lumina schlummern, auf sich hat.

|Faustischer Schurke|

Was mich besonders positiv beeindruckt hat, ist die Mitwirkung des Schurken Shadan in der Herbeiführung dieses Finales. So kommt dem Bösen doch noch – wie in Goethes „Faust“ – eine positiv wirkende Rolle zu. Selbstredend überlebt der Schurke den Showdown nicht, so viel darf ich wohl verraten.

|Teamwork|

Was an der Handlung auffällt, ist das ständige Teamwork der Gefährten. Allerdings gehören sie alle der gleichen Religion oder Glaubensrichtung an. Selbst die Kaukasierin Zinaida ist eine Christin, wenn sie auch umgeben ist von Mongolen, Muslimen usw. Ihr getöteter Gatte ist der letzte Herr der berühmten Assassinen, der so genannte „Alte vom Berge“. Der Autor interpretiert das ansonsten so hässliche Erscheinungsbild dieses Meisters aller Attentäter zu einem positiven Bild um. Und das ist auch nötig, um den „Garten Allahs“, den Kur-Shah sein Eigen nennt, als einen verlorenen Schatz darzustellen, der es mit dem Garten Eden aufnehmen kann. Und dadurch ist unsere Sympathie für Zinaida, Kur-Shahs Witwe und geistige Erbin, absolut gerechtfertigt.

Zinaida steht auf einer Stufe mit den beiden anderen Frauenfiguren Favola und Libuse. So viele Heldinnen auf einem Haufen findet man selten in deutscher Unterhaltungsliteratur, die ein Mann verfasst hat. Noch ein Pluspunkt. Und was wird aus unserem Chronisten Elwin? Er hat die Qual der Wahl bei so viel Weiblichkeit und muss sich zwischen Favola und Libuse entscheiden. Eine haarige Sache, wenn man’s recht bedenkt, aber auch diese Klippe umschifft der Autor mehr oder weniger elegant.

|Was uns der Dichter sagen will|

Und die Moral von der Geschicht‘? Die muss man selbst herausfinden, denn sie leitet sich direkt aus dem ungewöhnliche Finale der Geschichte ab. Und dies darf auf keinen Fall verraten werden. Es ist jedenfalls eine ziemliche moderne Botschaft, die bei vielen Menschen gut ankommen dürfte.

_Der Sprecher_

Philip Schepmann verfügt über eine ähnlich große Fähigkeit, seine Stimme zu verstellen, wie Rufus Beck. Libuse und Favola erhalten daher eine hohe Stimmlage und eine weiche Aussprache (Favola etwas schwächer, logo), während beispielsweise Corax eine sehr tiefe, männliche Stimme erhält. Jede Figur erhält so ihre eigene charakteristische Stimmfärbung, um sie für den Hörer leichter erkennbar zu machen. Das ist sehr gut gelungen.

Ein zweites Hilfsmittel sind natürlich Spezialeffekte. Hall wird eingesetzt, um die Chronik, die Elwin auf der Reise durch den wilden Balkan zu schreiben beginnt, als solche hervorzuheben. Wir lauschen also praktisch seinen Gedanken statt einer Szene.

Insgesamt erweckt der Sprecher die Szenen sehr gut zum Leben, so dass wir fast glauben können, einem Film zuzuhören. Für die Bilder sorgte dann einfach meine Vorstellungskraft, die, wie ich merkte, auf viele andere Bilder aus Ritter- und Mittelalterfilmen, die jetzt so in Mode sind, zurückgreifen konnte. Etwas schwieriger ist es, Bilder zu den Mongolen abzurufen. Dazu rief ich mir den neuen Film über Attila in Erinnerung.

Und Bagdad? Ich stellte mir Bilder aus den romantischen Orient-Epen der fünfziger Jahren vor. Über die arabische Wüste Rub al-khali („das leere Viertel“) gibt es seit kurzem ebenfalls phantastische Bilder. Man findet sie in dem Reiter-Epos „Hidalgo – 3000 Meilen durch die Wüste“ mit Viggo „Aragorn“ Mortensen in der Hauptrolle.

|Musik|

Vor dem Prolog erklingt ein kurzes Musikstück, das den Hörer auf das Kommende einstimmen soll. Es handelt sich um eine flotte Melodie, die auf mittelalterlichen Instrumenten gespielt wird.

_Unterm Strich_

„Das Buch von Eden“ dürfte alle ansprechen, die Abenteuer, Mystik und Drama vor dem Hintergrund des Mitttelalters lieben. Während mich Action und Drama ebenso gut unterhalten haben wie Elwins Humor und Gewitztheit, so haben mich die Mystik und die übersinnlichen Fähigkeiten der Frauen fasziniert. All dies würde ein wenig zu naiv wirken, gäbe es nicht eine ganze Menge Schurken im Stück, die den Guten ständig auf den Fersen sind und ihnen mehrmals schwer zusetzen. Leider sind die Schurken derart eindeutig böse, dass sie bereits nicht mehr interessant sind, sondern nur noch eine Bedrohung, vor der die Guten ständig fliehen müssen – auch eine Methode, die Reise zu beschleunigen. Dennoch dürfte die romantische Seite des Plots vor allem Frauen ansprechen.

Wirklich gut fand ich die Idee, den historisch verbürgten Fall der Festung Bagdad durch die Mongolen einzubauen. So erhält die Story eine gewisse weltgeschichtliche Dimension. Dass auch die Kreuzzüge irgendwie vorkommen müssen, erscheint plausibel, doch sie liefern zum Glück nur die Vergangenheitsdimension der aktuellen Story. Mehr Bedeutung sollte den Kreuzzügen nicht zukommen, denn das Thema ist praktisch bereits ausgelutscht.

Der Sprecher trägt entscheidend zum Vergnügen an diesem Hörbuch bei. Er charakterisiert die zahlreichen Figuren und macht sie leicht unterscheidbar. Schwierigkeiten hatte ich nur bei den Szenen im Kaukasus, wo Mongolen und Assassinen aufeinandertreffen, jedoch in den Badgadszenen nie. Das spricht auch für die klare Dramaturgie, für die der Hörspielbearbeiter verantwortlich zeichnet.

Fazit: Ohne die klischeehaften Darstellungen der Figuren, besonders der Schurken, wäre das Vergnügen an dieser Geschichte noch größer.

|Spieldauer: 474 Minuten auf 6 CDs|

[NEWS] Kai Meyer – Nachtland (Die Seiten der Welt 2)

Immer tiefer dringt Furia in die magische Welt der Bücher vor. Das Reich uralter Bibliotheken und phantastischer Geschichten wird von den tyrannischen Drei Häusern regiert. Von einem geheimen Ort aus, dem Sanktuarium, herrschen sie über die Geschicke aller Bibliomanten und Exlibri. Doch Furia und ihre Gefährten leisten Widerstand. Um ihre Welt von den Unterdrückern zu befreien, begeben sie sich auf die gefährliche Suche durch die verborgenen Refugien nach dem Zentrum der Macht – und stoßen auf das größte Geheimnis der Bibliomantik. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 608 Seiten
Fischer

[NEWS] Kai Meyer – Hexenmacht (Die Krone der Sterne 2)

In jenen Tagen strahlten die Sterne heller. Könige herrschten über Sonnen, Adelshäuser regierten wie Götter im All. Wo Leidenschaften entbrannten, wurden gewaltige Schlachten geschlagen. Zivilisationen vergingen, Welten zerbrachen, Gestirne zerstoben zu Sternenstaub.
Am Ende des bekannten Universums, auf der Hexenwelt Empedeum, sucht der Orden der Gottkaiserin nach einem Zugang zum Pilgerkorridor, einer uralten Sternenstraße, von der keiner ahnt, wohin sie führt – oder was sich auf ihr nähert. In ihrer Verblendung rufen die Hexen ihren Götzen an, das Schwarze Loch Kamastraka, und ahnen nicht, welches Unheil sie damit heraufbeschwören. (Verlagsinfo)

Broschiert: 480 Seiten
Tor

[NEWS] Kai Meyer – Die Spur der Bücher

London – eine Stadt im Bann der Bücher. Mercy Amberdale ist in Buchläden und Antiquariaten aufgewachsen. Sie kennt den Zauber der Geschichten und besitzt das Talent der Bibliomantik. Für reiche Sammler besorgt sie die kostbarsten Titel, pirscht nachts durch Englands geheime Bibliotheken.
Doch dann folgt sie der Spur der Bücher zum Schauplatz eines rätselhaften Mordes: Ein Buchhändler ist inmitten seines Ladens verbrannt, ohne dass ein Stück Papier zu Schaden kam. Mercy gerät in ein Netz aus magischen Intrigen und dunklen Familiengeheimnissen, bis die Suche nach der Wahrheit sie zur Wurzel aller Bibliomantik führt. (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Fischer

[NEWS] Kai Meyer – Blutbuch (Die Seiten der Welt 3)

Das Sanktuarium ist untergegangen, aber schon wird die bibliomantische Welt von einer neuen, übermächtigen Gefahr bedroht. Die Ideen steigen aus dem goldenen Abgrund zwischen den Seiten der Welt auf und verschlingen ein Refugium nach dem anderen. Bald ahnt Furia, dass sie die einzige ist, die die Vernichtung der Welt aufhalten kann und dass sie dafür einen sehr hohen Preis zahlen muss. Doch ist sie dazu bereit? (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Fischer

[NEWS] Kai Meyer – Die Unsterbliche (Die Alchimistin 3)

Director’s Cut – vom Autor vollständig überarbeitete Neuausgabe

Im düsteren Schloss ihrer Ahnen wächst Aura Institoris inmitten eines Labyrinths endloser Gänge und Säle heran. Als ihr verhasster Vater, ein Alchimist, getötet wird, verliebt sie sich ausgerechnet in seinen Mörder – den mysteriösen Gillian. Sein Auftrag ist es, auch Aura zu ermorden. Doch Gillian stellt sich für sie gegen seinen Meister. Gemeinsam geraten die beiden zwischen die Fronten eines Krieges zwischen Unsterblichen, deren Hass die Jahrhunderte überdauert hat. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 464 Seiten
Heyne

Kai Meyer – Arkadien fällt (Arkadien 3)

Arkadien:

Band 1: „Arkadien erwacht“
Band 2: „Arkadien brennt“
Band 3: „Arkadien fällt“

Nachdem das sagenumwobene Reich Arkadien im ersten und zweiten Band von Kai Meyers Trilogie erwachte und brannte, droht ihm nun im dritten Band der endgültige Fall. Rosa und Alessandro, Anführer – capi – verfeindeter Mafiaklans auf Sizilien, sind auf der Flucht seit sie ihre verhängnisvolle Liebe nicht mehr verstecken und so ins Visier ihrer eigenen Klans gerieten. Doch hinter der Ablehnung der Klans und ihrem verzweifelten Kampf gegen die Beziehung der Teenager steckt mehr, als die beiden zunächst erahnen konnten. Brechen sie etwa ein Versprechen, das einst die Götter selbst den Dynastien der Arkadier abgerungen haben? Und welche Rolle spielt der geheimnisvolle Hungrige Mann, der capo dei capi, der auf Sizilien zurückgekehrt ist und seine ganz eigenen Pläne mit Rosa und Alessandro zu haben scheint? Nach einem mysteriösen Mord geraten die Geschehnisse auf Sizilien schließlich endgültig aus den Fugen und Rosa und Alessandro müssen ihrern Verfolgern zuvor kommen und das Geheimnis um die arkadischen Dynastien lüften, bevor sie selbst ihm zum Opfer fallen.
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Kai Meyer – Arkadien brennt (Arkadien 2)

„Arkadien“:

Band 1: „Arkadien erwacht“
Band 2: „Arkadien brennt“
Band 3: „Arkadien fällt“

Nach dem actiongeladenen Finale von „Arkadien erwacht“, dem ersten Band der „Arkadien“-Reihe Kai Meyers, der in einem verzweifelten Kampf zwischen den Mafia-Clans der Alcantaras und der Carnevares gipfelte, braucht Rosa Abstand von Sizilien und all den verwirrenden und gefährlichen Geheimnissen ihrer Familie, von denen sie nun erfahren musste. Und auch von Alessandro, denn jetzt, da sie beide zu Anführern ihrer verfeindeten Clans wurden, steht es um ihre Liebe noch schlechter als zuvor. Rosa kehrt deshalb nach New York zurück, nicht zuletzt auch, um ihre Mutter mit ihren Entdeckungen zu konfrontieren und mehr über die geheimnisvolle Organisation TABULA zu erfahren, die auf mysteriöse Weise in ihre Familiengeschichte verwickelt zu sein scheint. Doch in ihrere Heimat wird sie bereits von den amerikanischen Clan-Oberhäuptern empfangen, die alles daran setzen, das Mädchen aus dem Wege zu schaffen und zu verhindern, dass sie TABULA und dem eigentlichen Geheimnis der Clans auf die Schliche kommt. Es entbrennt eine abenteuerliche Jagd inmitten New Yorks und Rosas Verfolger schrecken vor nichts zurück. Als schließlich ein mysteriöses Video aus Rosas Vergangenheit auftaucht, wird ihre Welt erneut auf den Kopf und insbesondere ihr Vertrauen in Alessandro auf eine harte Probe gestellt.

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[NEWS] Kai Meyer – Die Seiten der Welt: Nachtland

Das Abenteuer geht weiter: Das zweite Buch des Spiegel-Bestsellers DIE SEITEN DER WELT von Erfolgsautor Kai Meyer um die junge Bibliomantin Furia.

Die Reise ins Herz der Bücherwelt

Schon seit Wochen roch Furia nach Büchern: Sie war auf dem besten Weg, eine erstklassige Bibliomantin zu werden.

Immer tiefer dringt Furia in die magische Welt der Bücher vor. Das Reich uralter Bibliotheken und phantastischer Geschichten wird von den tyrannischen Drei Häusern regiert. Von einem geheimen Ort aus, dem Sanktuarium, herrschen sie über die Geschicke aller Bibliomanten und Exlibri. Doch Furia und ihre Gefährten leisten Widerstand. Um ihre Welt von den Unterdrückern zu befreien, begeben sie sich auf die gefährliche Suche durch die verborgenen Refugien nach dem Zentrum der Macht – und stoßen auf das größte Geheimnis der Bibliomantik. (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 592 Seiten
Fischer

Kai Meyer – Arkadien erwacht (Arkadien 1)

Um einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten, flieht Rosa Alcantara nach Sizilien, die Heimat ihrer Familie, nachdem sie ihr bisheriges Leben gemeinsam mit Mutter und Schwester in New York verbracht hat. Schon im Flugzeug macht sie Bekanntschaft mit dem mysteriösen Alessandro, der die junge Frau zwar einschüchtert, doch gleichermaßen fasziniert und eine schier magische Anziehungskraft auf sie ausübt. Dann aber erfährt Rosa, dass der junge Mann Spross und künftiger Anführer des mit den Alcantaras verfeindeten Mafia-Clans der Carnevares ist, doch trotz aller Widrigkeiten und dem erbitterten Widerstand der Familien können Rosa und Alessandro nicht voneinander lassen. Immer besser lernen sich die beiden kennen und kommen gemeinsam einem unglaublichen Geheimnis der sizilianischen Clans auf die Spur, das die Schicksale ihrer Familien und ihnen selbst für immer verändern könnte. Doch als wäre dies für die labile Rosa nicht schon genug, fängt auch sie selbst an, sich zu verändern, sowohl hinsichtlich ihres Charakters als auch ihres Körpers: Immer tiefer wird die junge Frau in die Machenschaften der Cosa Nostra hineingezogen und steht vor der Entscheidung, wie sie mit den Grausamkeiten ihrer eigenen Familie umgehen kann, bis sie eines Tages mit einem weiteren Geheimnis der Clans konfrontiert wird und sich in eine Riesenschlange verwandelt. Um Alessandro und Rosa entbricht ein Kampf um die Vorherrschaft innerhalb der Clans und derer untereinander, ausgetragen durch Verrat, Intrigen und Gewalt, und die beiden ziehen in eine verzweifelte Schlacht, dem endlich ein Ende zu machen.

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