Cathala, Bruno / Pauchon, Sébastien / Braff, Malcolm – Animalia

Tiere sind nicht erst seit dem durchschlagenden Erfolg von [„Zooloretto“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4288 gerne verwendete Sympathieträger im Brett- und Kartenspielbereich. Dementsprechend waren die renommierten Autoren Braff, Cathala und Pauchon bei der grafischen und inhaltlichen Konzeption ihres neuen Titels „Animalia“ im Grunde genommen von Anfang an auf der sicheren Seite, wenngleich die Gestaltung des Spiels zunächst doch äußerst gewöhnungsbedürftig erscheint. Zumindest auf illustrativer Ebene sind die drei Franzosen gänzlich dem Kitsch verfallen und präsentieren letztendlich ein Spiel, welches nicht sofort blind anzieht. Wobei es dies aufgrund des netten Systems eigentlich schon tun sollte …

_Spielidee_

In „Animalia“ übernehmen insgesamt zwei bis sechs Spieler die Rolle von Tierzüchtern, deren Aufgabe darin besteht, in drei aufeinanderfolgenden Wettbewerben die schönsten Vertreter aus insgesamt fünf Tierfamilien zu präsentieren und entsprechend auch bei der Vergabe der Medaillen ein Wörtchen mitzureden. Dabei haben die Züchter die Wahl: entweder alle Tierfamilien einzeln vorstellen oder doch besser auf eine oder zwei Gattungen konzentrieren. Beide Optionen haben ihre Vorzüge – aber eben auch ihre Nachteile. Wer schließlich die meisten Medaillen einsammelt und die besten Tierausstellungen bietet, wird das Spiel siegreich bestehen.

_Spielmaterial_

• 1 Notizblock
• 6 Karten Spielhilfe
• 5 Tierfamilien zu jeweils sieben Karten
• 1 Eule (Joker)
• 1 Spielanleitung

Die grafische Ausarbeitung des Kartenmaterials ist, wie eingangs schon angeschnitten, äußerst gewöhnungsbedürftig und gerade aufgrund der grellen Farbgebung mitunter nicht jedermanns Sache. Zudem ist es anfangs gar nicht so leicht, manche Tierarten genauer voneinander zu unterscheiden, da sich die netten Tierchen stellenweise hinter Masken oder Sonnenbrillen verbergen, sodass besonders bei der Unterscheidung zwischen Hasen und Katzen schon mal einzelne Schwierigkeiten entstehen können. Gerade diesbezüglich wäre ein wenig Linearität sicherlich die bessere Option gewesen. Wirklich berauschend ist das Spielmaterial daher auch nicht gerade.

_Spielvorbereitung_

Vor jedem Spiel wird der Stapel aller Tierfamilien gut durchgemischt. Jede Tierfamilie besteht aus sieben verschiedenen Mitgliedern mit unterschiedlicher Funktion, von denen der ’niedliche‘ Vertreter noch aussortiert werden muss, wenn man nicht zu fünft oder zu sechst spielt. Nachdem ein Startspieler bzw. ein Geber bestimmt wurde, kann das Spiel bereits mit der ersten Zuchtsaison beginnen.

_Spielablauf_

Der Geber beginnt das Spiel, indem er die oberste Karte vom Nachziehstapel aufdeckt. Nun entscheidet er, ob er diese Karte selber in seine Auslage legen möchte oder sie für alle Spieler ins Angebot gibt. Für den letzteren Fall darf nun reihum jeder überlegen, ob er die Karte halten möchte oder nicht. Ziel sollte es nämlich sein, entweder – nach klassischer Poker-Manier – Pärchen zu sammeln oder eben jede Familie genau einmal in der eigenen Auslage vertreten zu haben. Einzelne Karten zwischen Zwillingen und Drillingen werden nämlich in der Schlusswertung nicht mit Medaillen berücksichtigt.

Sollte sich nun niemand dazu durchringen können, die erste Karte aufzunehmen, wird eine zweite aufgedeckt und zusammen mit der ersten Karte erneut zur Disposition gestellt. Der Geber entscheidet zuerst, anschließend folgen eventuell dann die weiteren Spieler im Uhrzeigersinn. Nach einer möglichen dritten Runde ist der Geber schließlich dazu verpflichtet, die Karten aufzunehmen, ob sie ihm nun in den Kram passen oder nicht. Danach wechselt der Geber-Part im Uhrzeigersinn, bis schließlich alle Spieler fünf Karten in ihrer Auslage haben.

Nach der ersten Zuchtsaison folgt nun die erste Wertung. Allerdings bekommen zwei Spieler noch die Möglichkeit, weitere Karten vom Nachziehstapel zu nehmen und somit ihre Auslage noch durch einen Tausch auszubessern. Wem dies zuteil wird, entscheiden die Sterne, die auf manchen Karten abgebildet sind. Wer auf seinen fünf Karten die meisten Sterne hat, darf zwei weitere Karten aufnehmen und gegebenenfalls austauschen, der Zweitplatzierte darf immerhin noch eine Karte nehmen.

In der anschließenden Wertung werden alle Tiere, die einem Zwilling, Drilling, Vierling oder gar Fünfling angehören, mit jeweils einer Medaille bedacht. Sollte außerdem ein Spieler von genau jeder Tierart einen Vertreter gesammelt haben, bekommt er nun auch jeweils eine Medaille für diese Tierarten. Die Resultate werden in einer Strichliste auf dem Notizblock vermerkt. Direkt danach beginnt nach dem gleichen Strickmuster die nächste Zuchtsaison.

_Spielende_

Im Anschluss an die dritte Zuchtsaison erfolgt die Gesamtwertung, in der schließlich alle gesammelten Medaillen miteinander verglichen und zusammengezählt werden. Allerdings gibt es nun noch einen Fünf-Punkte-Bonus für alle Tierarten, die insgesamt fünf Medaillen sammeln konnten. Letzteres ist schließlich auch das ausschlaggebende Zünglein an der Waage in „Animalia“. Man sollte nämlich in allen drei Runden darauf hinarbeiten, möglichst viele dieser Boni zu bekommen, da sie letztendlich über Sieg und Niederlage entscheiden. Nach der Auswertung von Bonuspunkten und Medaillen werden die Siegpunkte gegenübergestellt. Derjenige mit dem höchsten Ergebnis gewinnt das Spiel.

_Persönlicher Eindruck_

Die ersten Eindrücke von „Animalia“ waren eigentlich nicht sonderlich herausragend. Das Spielsystem wirkte träge, die Poker-Referenzen ein wenig bemüht und auch das Design ein Stück weit zu gewagt und effektbeladen. Allerdings stellte sich schon in den ersten Spielrunden heraus, dass die nüchterne Inhaltsbeschreibung bei weitem nicht das zu erfassen vermag, was tatsächlich hinter diesem kurzweiligen Kartenspiel steckt. Nach den ersten Zuchtsaisons erfasst man nämlich erst, dass hier durchaus strategische und intuitive Qualitäten gefragt sind und man wirklich jedes Mal von neuem abwägen muss, wie viel Risiko man einsetzt bzw. wann es doch besser ist, mal auf Nummer sicher zu gehen.

Außerdem eröffnen sich durch manche Kartentypen noch Möglichkeiten, deren Einfluss auf das Spiel weiterhin entscheidend sein kann. Ein Dieb ermöglichst den Raub einer gegnerischen Tierkarte, mit einem Geschenk kann man unnütze Vierbeiner ganz schnell wieder loswerden, und der Spion ist so nett und erlaubt einen Blick unter den Nachziehstapel, den man nun zu eigenen Gunsten verändern kann – und siehe da: Aus einem vorerst langweilig anmutenden Spiel entwickelt sich in kürzester Zeit ein relativ spannender, hitziger Schlagabtausch.

Schön ist darüber hinaus auch, dass man „Animalia“ auch problemlos zu zweit spielen kann, ohne dabei die üblichen Einbußen hinnehmen zu müssen. In diesem Fall übernimmt man einfach zwei Tierfamilien und simuliert somit eine Mehrspieler-Runde, was vom Reiz her absolut vergleichbar ist. Lobenswert, dass dieses oftmalige Manko hier von Anfang an mit bedacht und schließlich ausgeräumt wurde!

Insgesamt hat sich das Spiel daher auch nach anfänglicher Skepsis zu einem gerne gesehenen Gast auf dem Spieltisch entwickelt. Die kurze Spielzeit, der Spielwitz und vor allem auch die ansprechende Mischung aus Intuition, Strategie und Planung sprechen ganz klar für eine Investition in den neuesten Titel von Erfolgsentwickler Bruno Cathala.

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