David Brawn – Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs – Fotos aus Mittelerde

Teile der nachfolgenden Buchbesprechung decken sich mit der Rezension zum „offiziellen Begleitbuch“ von Jude Fisher, das ebenfalls hier vorgestellt wurde.
Wieder einmal hat sich der Autor David Brawn dazu hergegeben, kleine Infotexte zu den Fotos dieses Begleitbuches zur filmischen HdR-Trilogie zu schreiben. Er richtet sich dabei natürlich nach dem Drehbuch von Walsh, Jackson, Boyens u.a. Da aber bekanntlich die Kinofassung um mindestens eine Stunde gekürzt wurde (die hoffentlich auf der DVD der Special Extended Edition landet), so dass von Saruman nichts zu sehen ist, hat Brawns Verlag vorsichtshalber nur die unwichtigen und sichersten Szenen des Films berücksichtigt. Für den Käufer ist das nicht sonderlich zufrieden stellend.

Professor Tolkien wollte den dritten „Teil“ seines umfangreichen Buches eigentlich „Der Ringkrieg“ nennen, der Verlag bestand aber auf dem Titel „Die Rückkehr des Königs“. Und um das typische Geschehen in einem Krieg geht es hier auch: der Höhepunkt des globalen Konflikts findet auf den Pelennorfeldern vor den Toren der gondorischen Festung Minas Tirith statt.

Für Actionfans gibt es alles, was das Herz begehrt, und die Fotos dieses Bandes zeigen es in düsteren Farben: fliegende Drachen der Nazgul, turmhohe Mumakil-Elefanten, Orks in rauen Mengen und schließlich die Krieger der Toten, die von Aragorn in ihr letztes Gefecht geführt werden, bevor er sie von ihrem Bann erlösen kann.

Doch auch der Feind in den eigenen Reihen schläft nicht: Statthalter Denethor wurde von Sauron über den Verlauf der Dinge getäuscht und hat alle Hoffnung fahren lassen. Er will sich mit seinem noch lebenden Sohn Faramir auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Auch Gollum ist ein Verräter, wie man seit dem Schluss von Teil 2 weiß. Nachdem Frodo ihn an Faramir verraten hat, um sein Leben zu retten, führt Gollum die beiden Hobbits in das Versteck der Riesenspinne Kankra. Leider ist das Monster an keiner Stelle abgebildet.

Als das siegreiche Menschenheer vor dem Schwarzen Tor Aufstellung bezieht, hängt dennoch der Erfolg dieses Heeres von drei kleinen Hobbits ab: Gollum, Frodo und Sam kämpfen am Schicksalsberg ums nackte Überleben – und um den „Schatzzzzz“!

Die Fülle der Fotos täuscht darüber hinweg, dass die interessantesten Motive fehlen:

1) die toten Ritter, die Aragorn aus dem Dwimorberg ruft, wo sie als Schatten unter Isildurs Fluch dahinvegetieren – also seit rund 3000 Jahren; selbst für einen Geist ist das eine verdammt lange Zeit;
2) die Szene, in der Gandalf dem Fürsten der Nazgul, dem Hexenkönig von Angmar, entgegentritt (das Foto gibt’s im „Offiziellen Begleitbuch“ und Internet);
3) die Szene, in der Eowyn und Merry den Hexenkönig tödlich verwunden;
4) der Zweikampf mit Kankra;
5) Aragorn Krönung zu König Elessar;
6) Gollums Ende.

Das „Fotobuch“ lässt sich nur als kleiner Appetithappen vor der Hauptmahlzeit oder als kleines Souvenir auffassen. Tolkienfreunde und Kinogänger sollten zum „Offiziellen Begleitbuch“ von Jude Fisher greifen, das zwar mit fünfzehn Euro einen Fünfer teurer ist, aber wenigstens die gesamte Geschichte von HdR3 nicht als Foto-Comic erzählt. Außerdem findet man dort eine weitaus größere Fotoauswahl. Leider fehlen auch dort die meisten der oben angeführten Szenen.

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