Die drei ??? – Dein Fall – Die weiße Anakonda (Band 3)

Die Handlung:

Interaktiver Ratespaß: Mitfiebern, mitraten, mitentscheiden, wie die Geschichte weitergeht – hier wird der Leser zum vierten Ermittler.

Großer Aufruhr im Botanischen Garten von Rocky Beach: Vor den Augen der Besucher wird eine wertvolle weiße Anakonda gestohlen. Auf der Jagd nach dem mysteriösen Schlangendieb geraten Justus, Peter und Bob immer tiefer in die Welt des illegalen Handels mit seltenen Reptilien.

Dein Fall! – Hier wirst du zum vierten Detektiv und entscheidest selbst, wie die Geschichte weitergeht! Welche Spur ist die richtige? Dein Spürsinn ist gefragt! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Dies ist kein normales „Drei ???“-Abenteuer, sondern ein „FYF-“ („Find Your Fate“) oder auch „Mitmach-„Fall. In den 1980ern gab es ein paar Versuche, um jungen Leuten mehr Spaß beim Lesen zu bereiten und sie aktiv ins Geschehen mit einzubeziehen. Mit am bekanntesten war nicht nur hierzulande die Reihe „Einsamer Wolf“.

Und wer die Jungs schon immer mal aktiv bei der Lösung eines Falles unterstützen wollte, der hat hier … in eingeschränkt vorgegebenem Rahmen … die Chance dazu. Ob es hier allerdings „1000 Spuren“ gibt, denen man nachgehen kann, wie es das Cover verspricht, darf man getrost bezweifeln. Von dem Personenregister, das es vor den normalen ???-Abenteuergeschichten nicht gibt, sollte man sich nicht einschüchtern oder verängstigen lassen. Die Namen muss man nicht auswendig lernen, um hier zu bestehen. Das sollte man eher als nützlichen Anlaufpunkt sehen, zu dem man immer wieder zurückkehren kann … als einzige Konstante in diesem Fall sozusagen, denn schließlich wird dieser Mitmach-Fall nicht von vorn nach hinten durchgelesen.

Die Leser werden vielmehr, je nachdem für welchen der zwei oder drei vorgegebenen Vorschläge des Autors sie sich nach manchmal nur einer halben Seite schon entscheiden müssen, wild blätternd im Buch hin und hergeschickt. Zur besseren Orientierung druckt der Verlag senkrecht am Rand eines jeden Abschnitts eine Info dazu ab, von welcher Seite des Buches aus man hierhier gelangt ist. Das ist besonders vorteilhaft, wenn sich der Weg, den man eingeschlagen hat, als unvorteilhaft erwiesen hat und man sich doch noch mal umentscheiden möchte.

Wenn aber dort steht, dass der Leser entweder von Seite 24 oder Seite 58 an diese Stelle gelangt ist und entsprechend dann in eine jeweils andere Richtung weiterblättern soll, frage ich mich schon, ob ich hier ein Abenteuer erleben kann oder ob ich mir die ganze Zeit auch noch Notizen machen muss, von welcher Seite ich gekommen bin? Und so musste ich die Verfolgung des Schlangendiebes unterbrechen, um herauszufinden, von welcher Seite aus ich denn zu diesem Teil des Falles gelangt war.

Es gibt ja Leser, die halten die Spannung nicht aus und lesen grundsätzlich das letzte Kapitel eines Buches als erstes … die gibts wirklich. Das ist hier schlecht möglich … aus oben beschriebenen Gründen. Es gibt halt nicht nur ein Ende und Schluss ist nicht zwangsläufig auf der letzten Seite.

Schluss ist aber schnell mit der Spannung, wenn man zu schnell zu viele richtige Entscheidungen trifft. Mein erster Durchlauf betrug eine Handvoll Sprünge, bei denen mir die hektische Hin- und Herblätterei mit dem ständigen „Merk dir, von welcher Seite, du jetzt gekommen bist, sonst musst du gleich wieder zurückblättern, um nachzuschauen“ extrem den Spaß verdorben hat. Ich hatte den Anakonda-Dieb nämlich sofort geschnappt, der wurde verhaftet und dann war der Fall zu Ende. Bis auf Rumblättern, nix gewesen und nach wenigen Minuten zog ich einen beachtlichen Flunsch.

Die Motivation danach noch mal ganz von vorn anzufangen … denn das musste ich, war extrem gedämpft. Nun war ich nicht nur gezwungen, schon mal Gelesenes anzuschauen, sondern auch noch offensichtlich unschlaue Entscheidungen zu treffen, um den Dieb entkommen zu lassen, nur damit ich mehr von dem Buch zu lesen bekomme. Der Sinn dahinter erschließt sich bestimmt dem Autor … mir nicht. Ich ging davon aus, dass die Jungs Verbrechen aufklären wollen und nicht die Übeltäter vorsätzlich entkommen lassen.

Und wenn ich einmal drei statt zwei Vorschläge bekomme, was jetzt geschehen soll und zwei in eine Sackgasse führen, obwohl bei dem einzigen Vorschlag, nach dessen Blätterei das Abenteuer nicht zu Ende ist, etwas passiert, was exakt einem der Sackgassen-Vorschläge entspricht, dann langts mir wirklich.

Spätestens jetzt wollte ich nur noch wissen, ob der Dieb immer noch der Gleiche ist, den ich vorhin schon mal gefangen hatte … was aber wohl so nicht geplant war. Auf dem Weg dahin allerdings musste ich mehrere Finger dauerhaft in den Seiten stecken lassen, damit ich von den Sackgassen wieder zurückfinde, in die mich der Autor geschickt hat. Wovon ich ehrlicherweise nicht eine einzige habe nachvollziehen oder gar vorhersehen können.

Der Autor:

Michael Kühlen hat länger in den USA gelebt und gearbeitet. Deswegen freut er sich immer, wenn er schreibend in Rocky Beach vorbeischauen kann. Sein kritischster Leser ist dabei sein älterer Sohn Nick. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Eine Schlange wird gestohlen, das ist augenscheinlich der Fall. Fehlen noch Motiv und vor allem der Täter … in welcher Reihenfolge wir die finden, ist nicht so wichtig. Und bei der Aufklärung soll der Leser selbst mitwirken. Klingt toll, denn welcher Fan wollte nicht schon immer mal bei den Jungs mitmachen.

Die Umsetzung aber ist eine Katastrophe! Wenn der Autorensohn laut Verlagsinfo wirklich des Autors kritischster Leser ist, dann hatte er wohl grad Ferien und war mit den Fünf Freunden unterwegs.

Hier wird der Leser nicht für schlaue Entscheidungen belohnt … denn dann ist das Abenteuer schon nach wenigen Minuten zu Ende. Hier gehts nur weiter, wenn man den Weg geht, den der Autor sich ausgesucht hat. Es ist nie abzusehen, ob die Entscheidung jetzt gewinnbringend ist oder nicht, von daher gibt es auch keine richtigen oder falschen Wege, die man einschlagen kann. „Belohnt“ wird man nur mit Blättern und wenn man reines Glück hat, gehts auch weiter in der Story.

Außerdem muss man sich ständig merken, von welcher Seite aus man eigentlich gekommen ist, nur um nach manchmal nur einer halben Seite wieder einen Sprung durchs Buch zu machen. Und das manchmal nur um des Springens Willen, ganz ohne irgendeine Entscheidung treffen zu müssen.

So sehr ich von der Idee eines Mitmachfalls immer noch begeistert bin (das hier ist nicht mein Erster), so sehr ging dieser in die Hose. Der Leser wird viel zu oft und vor allem viel zu schnell und hektisch herumgescheucht, ohne sich wirklich in die Story hineinfinden zu können und ist mehr damit beschäftigt, sich Seitenzahlen zu merken, als Entscheidungen zu treffen.

Ach so … der Vollständigkeit halber erwähne ich na klar auch, dass die eigentliche Idee … wenn man den Fall wirklich irgendwann mal zum vom Autor vorgesehenen Ende durchgedrungen ist, gar nicht schlecht war. Vorauszusehen war das Ganze auch nicht und hätte durchaus als Teil einer Adventskalender-Kurzgeschichtensammlung gut unterhalten können. Aber als FYF machte das keinen Spaß.

Das nächste Mal bitte wesentlich weniger hektische Sprünge und mehr Gelegenheit, in den Fall eintauchen zu können. Ach ja, noch was … und ich hätte gern das nachvollziehbare Gefühl gehabt, dass meine Entscheidung wirklich richtig oder falsch gewesen ist und nicht mit einem Münzwurf genauso gut hätte erledigt werden können.

Laminierter Pappband: 144 Seiten
ISBN-13: 978-3440141212

www.kosmos.de

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