Emmanuelle Arsan – Laura

Wie schon in ihrem Welterfolg „Emmanuelle“ lässt die Arsan (ein Pseudonym) auch in „Laura“ junge schöne Menschen aus den besten Kreisen aufeinandertreffen. Für den heutigen Leser erscheint die Lektüre, als würde er sich auf einer Zeitreise in die Prä-Aids-Epoche befinden, in der alle Menschen noch bedenkenlos ungeschützt Sex miteinander haben konnten – Zustände wie im Paradies.

Die Autorin

Emmanuelle Arsan (* 1932 in Bangkok; eigentlich Marayat Rollet-Andriane, geborene Bibidh; † Juni 2005) war eine französische Schriftstellerin thailändischer Herkunft, die als Autorin der Emmanuelle-Romane sowie der nach diesen Romanen gedrehten Filme weltweit bekannt wurde. Nach ihrem Tod wurde ihre Autorenschaft in Frage gestellt; in Wahrheit soll ihr Mann, der Diplomat Louis-Jacques Rollet-Andriane, der Autor gewesen sein. Mehr Info: https://de.wikipedia.org/wiki/Emmanuelle_Arsan. (Wikipedia.de)

Handlung

In der exotischen Welt des Manila der 1970er Jahre begegnen sich Nicolas Elm, Myrte, Laura Olsen, Natalie Morgan und Prof. Gualtier Morgan, allesamt Mitarbeiter des Instituts für pazifische Studien (LIPS), einer Enklave westlicher Lebensform im philippinischen Archipel. Alle fünf verstehen sich als erotisch befreite, weltanschaulich ungebundene Menschen*.

Ihr gemeinsames Band ist das völkerkundliche Interesse am Volk der Mara, einer Stammesgesellschaft, die unter Steinzeitbedingungen auf der Insel Emmelle lebt. Mit jeder Geburt der „Neuen Sonne“ zur Sommersonnenwende vergessen die Mara ihr bisheriges Leben, ihre bisherigen Partner, ihre Sprache und erwachen zu einer neuen Existenz, in der sie alles von neuem beginnen.

Zwischen dem Fotografen Nicolas und der blonden Pfarrerstochter Laura entwickelt sich eine durch keinerlei sexuelle Tabus und Vorbehalte getrübte Liebesbeziehung. Er begreift seine Liebe nicht zuletzt auch durch das Medium des Films. Sie hingegen lässt sich, um ihre erotische Freiheit und zugleich ihre Gebundenheit an Nicolas zu demonstrieren, von anderen Männern lieben und dadurch auch von ihm lieben – da er daran Freude hat.

Bei einem Fest am LIPS beschließen die fünf Hauptpersonen, eine Expedition zu den Mara zu unternehmen. Sie wollen dabei erforschen, ob auch für sie eine „Neue Sonne“ ein neues Leben bedeuten kann – das irdische Paradies bzw. die Utopie der Liebe. Aber es erweist sich zu ihrer Enttäuschung, dass die Mara lediglich den Traum zu verwirklichen suchen, auf Raten zu sterben.

Vier Abenteurer kehren etwas geknickt nach Manila zurück. Lediglich Laura beschließt, bei dem schönen Mara-Mädchen Tieo zu bleiben. Sie hofft, mit ihr die Wahrheit hinter einer unserer Ängste, der Angst vor dem Tod, zu finden…

Mein Eindruck

Utopie der Liebe und des Lebens – das klingt für den heutigen Zeitgenossen, der meist der zynischen Vernunft frönt, reichlich verstiegen und abgehoben. Aber bis etwa 1976/77 war dies wirklich die Sehnsucht einer Generation, die an der politischen Revolte 1968 gescheitert war, die Entfremdung von Liebe und Sex durch den Kapitalismus ablehnte und lieber alternative Modelle untersuchte und erlebte. Bei Arsan sind es allerdings Wissenschaftler und Intellektuelle, die diesen Traum hegen, nicht ständig bekiffte Blumenkinder. Daher sollte man der Ernsthaftigkeit, mit der Arsan ihre erotische Utopie wie schon in „Emmanuelle“ vorbringt, ein wenig mit Achtung begegnen.

Don’t worry: Natürlich gibt es auch für den Genießer der „Stellen“ genügend Passagen, in denen die erotischen Abenteuer und Episoden der Hauptfiguren hautnah geschildert werden. Dabei zielt aber die Autorin, vertreten durch den jeweils gerade fungierenden Ich-Erzähler, keineswegs (nur) auf den Voyeur. Sex hat an keiner Stelle etwas Verklemmtes oder gar Verstohlenes: Lustbereiten und –geben ist eine Pflicht – siehe das folgende Zitat.

*: Ein Beispiel für die libertären Sophismen, die E. Arsan verbreitet: „Die Liebe ist etwas, das man schuldig ist. Wer sich weigert, diejenigen zu lieben, die ihn lieben, ist ungerecht. Man kann nicht verliebt sein, ohne gerecht zu sein. Und man kann nicht gerecht sein, ohne allen die gleiche Lust zu schenken. Da es unmöglich ist, seinen Körper zu vervielfältigen, muss man den Traum vervielfältigen. Jemandem den Traum zu versagen, den er von einem erwartet, ist unverzeihlich.“ (Nicolas, Seite 118, Ausg. v. 1979)

Hinweis zu der Ausgabe von 1979

Der Roman von 1976 wurde bereits 1975 von 20th Century Fox verfilmt, wie an den in der deutschen Ausgabe eingefügten Filmfotos von 1979 zu erkennen ist. Allerdings konzentriert sich der Film nur auf die erste Episode in Manila, also denjenigen Teil, den der Fotograf Nicolas erzählt – der Text ist hier sehr visuell orientiert. Der Verdacht liegt nahe, dass der Roman seine Existenz dem Drehbuch verdankt. Der Rowohlt-Verlag hat „Laura“ 1997 neu herausgebracht, allerdings ohne Fotos.

Taschenbuch: 287 Seiten
Info: Laure, 1976

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