Die drei ??? – Musik des Teufels (Folge 84)

Im Bereich um die Folgen 50 bis 80 hatten die drei Fragezeichen qualitätsmäßige Einbußen zu verzeichnen. Nur wenige Geschichten, sowohl in Buch als auch in Hörspielform, konnten in den Neunzigern so recht überzeugen. So wie Folge 84 „Musik des Teufels“, wo sich endlich eine Trendwende und Licht am Ende des Tunnels abzeichneten. Besserung war in Sicht, und das liegt zum Teil an der Kombination von frischen Ideen mit alten Tugenden, welche die Serie zu ihrem verdienten Kultstatus brachten. Einer dieser Einfälle war 1998 die Schaffung einer illustren Stammgast-Figur im jugendlichen Detektiv-Universum, die fortan immer wieder sporadische Auftritte haben soll: Jelena – Justus‘ schlimmster Alptraum.

Zur Story

Irgendetwas scheint mit Bob nicht zu stimmen; knurrig pflaumt er Justus am Telefon an, als dieser ihn anruft, um nachzuhaken, wo er den Tag über abgeblieben ist. Justus stutzt, denn eigentlich ist Bob der ausgeglichenste und ruhigste Charakter unter den drei Jungdetektiven, daher ist er sehr besorgt um seinen Freund und dessen neuerliche, brüske Art ihn abzubügeln. Just informiert Peter, und die beiden wollen Bob vor dem Haus seiner Eltern zur Rede stellen, werden aber abermals schroff von ihrem Kollegen angegiftet. Sehr seltsam, denn seinen Eltern hatte Bob erzählt, er würde zu seinen beiden Freunden auf dem Schrottplatz fahren, doch offensichtlich war er woanders gewesen. Sein pikfeiner schwarzer Anzug wäre für die Zentrale der drei ??? auch etwas zu overdressed ausgefallen.

Genauso wie fürs „Kino“, wo er ihnen gegenüber behauptet gewesen zu sein. Just und Peter machen sich verständlicherweise Sorgen, sodass sie sich entschließen, etwas zu tun, was eigentlich undenkbar schien: Sie beschatten ihren eigenen Freund und Kollegen am nächsten Tag, um der Sache mit seinem merkwürdigen Verhalten und dem aufgedonnerten Styling auf den Grund zu gehen. Sie müssen nicht lange warten, denn Bob entert wiederum im schwarzen Anzug seinen alten Käfer und düst los, nicht wissend, dass Peter und Justus sich in Peters MG in sicherer Entfernung unauffällig an seine Stoßstange geheftet haben. Die ungewöhnliche Verfolgung endet an einer Villa, die Bob wie selbstverständlich durch die Vordertür betritt – für Just und Peter ist dieser Weg natürlich aus Gründen der Heimlichkeit versperrt.

Sie klettern stattdessen über einen Balkon ins Innere. In der Villa werden die beiden Eindringlinge Zeugen eines privaten Geigen-Konzerts, dem zwei Dutzend Zuhörer – unter ihnen auch Bob – vollkommen gebannt und wie in Trance lauschen. Selbst Justus und Peter verfallen langsam aber sicher in eine seltsam euphorische Stimmung, die erst endet, als die letzten Takte aus der Fiedel des Teufelsgeigers verklingen. Noch bevor sich die beiden Schnüffelnasen aus dem Staub machen können, werden sie als vermeintliche Einbrecher von der Tochter des Hauses ertappt und befinden sich nun in Erklärungsnot. Doch dem intelligenten Mädchen im Rollstuhl ist der seltsame Geiger Vanderhell – Gast im Hause ihres Vaters – ebenfalls ziemlich suspekt, und somit klinkt sie sich zu Justus‘ Leidwesen mit in den Fall ein.

Eindrücke

„Die Musik des Teufels“ ist die erste der Folgen, in denen der Hörer die Figur von Jelena vorgestellt bekommt, die auch später sporadisch auftaucht und Justus damit oft den Schneid abkaufen kann – immerhin steht das Mädel dem ersten Detektiv in Sachen Klugscheißerei in nichts nach. Konkurrenz belebt das Geschäft. Gesprochen wird Jelena von Alexandra Doerk und ist durchaus eine Bereicherung für die Serie, schließlich bekommen die Geschichten nun eine weitere „Hauptperson“ und erklimmen neue Dimensionen, abseits davon, dass die Jungs selbst so langsam richtig erwachsen werden.

Das zeigt auch der Plot, bei dem einmal deutlich wird, dass auch bei den drei Detektiven untereinander nicht immer alles eitel Sonnenschein ist. Die Sprecherliste an sich ist recht dünn, aber erlesen, der gestandene Lutz Mackensy (u. a. die deutsche Stimme von Christopher Lloyd) mischt sich nach langer Zeit mal wieder unter Hörspielensemble und darf den Teufelsgeiger mit dem passenden Namen Vanderhell geben; ich mochte ihn schon in früheren Folgen (und auch in anderen Serien von |EUROPA|) stets gern.

Die Story ist trotz des offensichtlichen Bösewichts schön undurchsichtig, Motiv und Tatumstände werden durch gezielte Desinformation seitens der Autoren verschleiert und der Hörer auf die falsche Fährte geführt. Die Irreführung hält über weite Strecken an, danach überwiegt der Actionanteil ab etwa dreiviertel der Laufzeit, wenn der Verdächtige (der quasi von Anfang an feststeht) hieb- und stichfest überführt und überwältigt werden muss. Die Musik ist diesmal nicht die übliche 08/15-Mucke, das bietet mal ein wenig Abwechslung, denn die meisten Themen kennt man ja eh schon zur Genüge, wenn man mit der Serie vertraut ist. Da ist das Geigenspiel eine willkommene Abwechslung zum Einheitsbrei.

Gröbere Macken in Handlung und Geräuschkulisse sind in dieser Folge diesmal nicht ausmachen. Eine Kleinigkeit lediglich: Im Laufe der Folge scheint Jelenas Vater plötzlich seinen russischen Akzent zwischendurch einzubüßen … und findet ihn später wieder. Bemerkenswert. Klar, Bobs Käfer klingt immer noch eher nach kastriertem Porsche denn nach ’nem ollen „Foffi“, doch daran hat man sich als regelmäßiger Hörer der Serie vermutlich längst gewöhnt.

Fazit

„Die Musik des Teufels“ ist eine ordentliche Folge und dank der Sticheleien zwischen den Superhirnen Justus und Jelena streckenweise sogar amüsant, während der Anfang noch ungewöhnlich bedeutungsschwer ausfällt. Man ist es nicht gewohnt, dass die drei Fragezeichen sich untereinander anblaffen und sogar bespitzeln. Gewürzt ist die Folge mit einem kleinen Schuss Mystery, zumindest zu Beginn. Da der Bösewicht ganz offensichtlich leicht auszumachen ist und praktisch von vornherein feststeht, geht die Spannung geringfügig flöten. Dafür sind die Charaktere zum Ausgleich sehr gut ausgearbeitet und gesprochen. Insgesamt eine äußerst hörenswerte und interessante Folge, die auch für Einsteiger in die Hörspielserie unbedingt geeignet ist.

Die CD-Daten auf einen Blick:

Titel: „Die drei ??? – Musik des Teufels“ – Folge 84
Ersterscheinung: 1998
EUROPA / BMG Ariola Miller
Laufzeit: ca. 60 Minuten
Buch und Effekte: André Minninger
Produktion & Regie: Heikedine Körting
Musik: J. F. Conrad, Morgenstern, Zeiberts
Cover-Illustration: Aiga Rasch

Die Figuren und ihre Sprecher:
Erzähler: Alfred Hitchcock: Matthias Fuchs
Erster Detektiv: Justus Jonas: Oliver Rohrbeck
Zweiter Detektiv: Peter Shaw: Jens Wawrzceck
Recherchen & Archiv: Bob Andrews: Andreas Fröhlich
Jelena Charkova: Alexandra Doerk
Jelenas Vater – Mr. Charkov: Klaus Dittmann
Der Teufelsgeiger – Vanderhell: Lutz Mackensy
Bobs Vater – Mr. Andrews: Roland Becker
Bobs Mutter – Mrs. Andrews: Carola Lange

www.natuerlichvoneuropa.de
www.dreifragezeichen.de
www.rocky-beach.com

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