Robert E. Howard – Das Feuer von Asshurbanipal (Gruselkabinett 77)

Echtes INDY-Feeling: Showdown mit dem Dämon

Steve Clarney, ein unerschrockener, verwegener amerikanischer Schatzjäger, durchforstet mit seinem Diener Yar Ali bereits seit Langem den asiatischen Kontinent, um endlich eines sagenumwobenen Juwels habhaft zu werden: des größten Rubins der Welt, bekannt als „Das Feuer von Asshurbanipal“. Doch wo befindet sich bloß die im „Necronomicon“ des verrückten Arabers Abu al-Hazred erwähnte vergessene Stadt, die übersetzt „Stadt der Teufel“ heißt? (korrigierte und ergänzte Verlagsinfo)

Bei der Erwähnung des Necronomicons“ müssen jedem Lovecraft-Fan die Ohren zucken: Und tatsächlich passt diese Erzählung des langjährigen Lovecraft-Freundes Howard genau in den Cthulhu-Mythos von den Großen Alten.

Der Autor

Der Texaner Robert E(rvin) Howard (1906-36) ist am besten bekannt als Schöpfer der Figur des mächtigen Kriegers Conan. Der Brieffreund von Howard Philips Lovecraft schuf aber in der Zeit der Großen Depression noch viele weitere Gestalten, allesamt Abenteurer und Outlaws, so etwa Bran Mak Morn, Solomon Kane (ein Pirat des 16. Jahrhunderts) und King Kull. Seine rund 160 Erzählungen für „Weird Tales“, die er ab 1925 veröffentlichte, umfassen neben Western, Piratengeschichten und dergleichen auch exzellente, vielfach abgedruckte Horrorgeschichten.

Durch seine Handhabung verschiedener Motive und Themen beeinflusste er die heroische Fantasy, insbesondere die Variante der Sword & Sorcery, im restlichen 20. Jahrhundert. Obwohl er weder Sword & Sorcery noch Heroic Fantasy erfand, etablierte er doch den diffusen Hintergrund eines Schauplatzes, der zwischen dem legendären Irland, prähistorischen Reichen wie Atlantis (bei Conan Hyperborea usw.) und dem alten Norwegen oszilliert. Von den nordischen Sagen (Islands Eddas) stammt möglicherweise der Fatalismus sowie die Verachtung für krankhaft wirkende Zivilisationen, die seine einzelgängerischen Helden an den Tag legen.

Jede Menge Zauberei schwingt in den Erzählungen mit, gewirkt von meist boshaften, egoistischen Magiern und Hexern beiderlei Geschlechts, denen der HELD sich entgegenstellen muss, um zu überleben. Hervorragende Kampffähigkeiten helfen ihm dabei, doch er gewährt selten Gnade. Er ist, wie gesagt, ein fatalistischer Einzelgänger, obwohl er Gefährten, die es verdienen, treu sein kann. Gegenüber Frauen ist der Barbarenkrieger oft rau und zupackend, doch stets ohne Bösartigkeit.

Howards Artikel in der „Encyclopedia of Fantasy“, aus dem ich zitiert habe, umfasst nicht weniger als 4,5 Spalten, was für einen Unterhaltungsschriftsteller, der nur zwölf Jahre lang schrieb, erstaunlich viel ist. Der Grund für diese Länge ist die Aufzählung der ungeheuer vielen CONAN-Romane und -Erzählungen, die in Howards Nachfolge geschrieben wurden, sowie die Aufzählung von Howards anderen Werken, die der Artikel sonst nicht abdeckt. Herausgeber wie Lin Carter und L. Sprague de Camp ergänzten und veränderten Howards nachgelassene Manuskripte (genau wie viele von HPLs Manuskripten), so dass der Sammler aufpassen muss – es gibt jede Menge Fälschungen.

Der mittlerweile wohlhabende Autor erschoss sich 1936 im Alter von 30 Jahren, kurz vor Fertigstellung eines Romans, wohl aus Kummer über den Tod seiner Mutter. Die englische Wikipedia bietet zu REH ebenfalls einen umfassenden Artikel.

Howard-Titel im Gruselkabinett:

– Tauben aus der Hölle (Gruselkabinett 52)
– Der Grabhügel (Gruselkabinett 60)
– Besessen (Gruselkabinett 63)
– Schwarze Krallen (Gruselkabinett 70)

Die Sprecher/Die Inszenierung

Die Rollen und ihre Sprecher:

Steve Carney: Wolfgang Pampel (dt. Stimme von „Indiana Jones“ Harrison Ford)
Yar Ali: Tayfun Bademsoy (dt. Stimme zahlreicher Orientalen)
Händler: Friedrich Georg Beckhaus
Nureddin El Mekru: David Nathan (dt. Stimme von Johnny Depp u. a.)
Beduine: Kaspar Eichel

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den Planet Earth Studios statt und wurde bei Kazuya abgemischt. Die Illustration stammt von Ertugrul Edirne.

Handlung

Der amerikanische Abenteuerer Steve Clarney sieht sich mit seinem arabischen Diener und Freund Yar Ali dem Tode gegenüber: Angekommen in der afghanischen Wüste, bleiben ihnen nur noch wenige Tropfen und ein paar Bissen Proviant, bevor sie aufgeben müssen. So nahe vor dem Ziel ihrer langen Suche, der Stadt der Teufel. Denn dort soll sich der sagenhaft große Rubin befinden, der „Das Feuer von Asshurbanipal“ genannt wird. Das hat ihnen ein Händler im persischen Shiraz erzählt. Doch er hat sie auch vor den gefahren gewarnt: Ein Fluch liege auf dem Stein, der jeden ereile, der ihn rauben will.

Ist der Stein nur eine Legende, fragen sich die beiden Abenteurer. Doch es gab laut Händler einen Türken, der den Stein leibhaftig gesehen hat – tief in der Wüste, in einer verlassenen Stadt, die aus schwarzem Stein erbaut wurde. Dort gingen Geister um, sagte der Türke, bevor er dem Wahnsinn verfiel. Das war vor 50 Jahren, also anno 1878.

PENG! Die Schüsse, die die Räuber hier abfeuern, sind jedenfalls sehr real. Clarney und Ali feuern zurück, was das Zeug hält. Nachdem sie die Räuber vertrieben haben, beschließen sie, nur noch nachts zu gehen – ihre Kamele haben sie längst verloren – und in kühlen Höhlen die Hitze des Tages abzuwarten.

Als Clarney am Mittag erwacht und aus der Höhle späht, erblickt er das Wunder, auf das er gewartet hat: die Schwarze Stadt. Er weckt Ali, doch der zögert statt zu jubeln. Hat er etwa Angst? In der Abenddämerung erreichen sie die Ausläufer der Stadt, in deren Zentrum das Heiligtum auf sie wartet – und darin wird sich gewiss auch der Rubin finden. Ali bemerkt geisterhafte Schatten in den Winkeln der verfallenen Häuser, und auch die assyrischen Stierstatuen mit Menschenköpfen kommen ihm sehr verdächtig vor. Ein unheimlicher Schrei lässt Ali zusammenfahren, und Clarney identifiziert einen Tempel des furchtbaren Gottes Baal. Doch Ali weiß: Dämonen existieren.

Endlich gelangen sie ins Heiligtum. Der Abenteurer betritt die erste Vorkammer; er weiß, dass jede Kammer, die folgt, jeweils ein Stück größer sein wird, bis sie endlich von den gigantischen Ausmaßen der Haupthalle fast erdrückt werden. Eine enorme Treppe führt in die Düsternis, die nun von ihren Taschenlampen kaum durchdrungen wird. In der Mitte der Treppe liegt ein feiner Nebel, in dem ihre elektrischen Leuchten ausgehen.

In der anschließenden Finsternis gibt es nur eine Lichtquelle: das unheimlich rote Glühen des Edelsteins, den sie suchen und das wie ein Herz pulsiert. Die Hand eines Skeletts hält ihn wie den Schatz eines versunkenen Reiches – und der Schädel des längst toten Königs grinst sie hinterhältig wissend an. „Nicht anfassen!“, fleht Yar Ali seinen Freund an. „Hier gibt es bestimmt Vorsichtsmaßnahmen.“ Von dem Fluch ganz zu schweigen.

Da hören sie etwas: Schritte. Es ist der Hauptmann der Räuber, denen sie entgangen sind. „Nureddin el Mekru!“, zischt Clarney. Er hätte ihn schon in Somalia töten sollen. Dort war Nureddin noch Sklavenhändler. Nun hat er es ebenfalls auf den Edelstein abgesehen. Seine Schergen halten die beiden Abenteurer in Schach. Auch die furchtsamen Warnungen dieser Beduinen können ihn nicht davon abhalten, das rotglühende Kleinod an sich zu nehmen.

Doch dann geschieht etwas Unerwartetes. Als ein tiefes Grollen zu vernehmen ist, beginnt Nureddin qualvoll zu schreien …

Mein Eindruck

In den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es immer noch ein paar weiße Flecken auf der Landkarte, und das nicht nur im schwärzesten Afrika, sondern auch in Innerasien. Noch war kein Westler je nach Tibet, das verbotene Königreich, vorgedrungen und Gerüchte von einem „schrecklichen Schneemenschen“, Yeti genannt, gingen um. Die Welt barg noch Geheimnisse und Wunder. Folglich galten Abenteuer wie Steve Clarney oder auch der alte Allen Quatermain aus viktorianischen Zeiten immer noch als kühne Forscher und Erkunder der letzten Geheimnisse der Welt.

Doch in Howards phantastischer Horror-Erzählung wagen sich unsere beiden kühnen Indy-Vorläufer nicht nur auf verbotenes Terrain vor, sie müssen auch ihre eigenen Ängste überwinden. Während Yar Ali furchtsam von den „Geistern der Toten“ flüstert, hat Clarney keinerlei Angst vor dem Tod – sondern vor der konkreten Gewalt, die der Räuber Nureddin darstellt.

Das macht Nureddin zu einer interessanten Figur. Warum hat er weder Angst vor den „Geister der Toten“ (sprich: Gespenstern) noch vor dem Fluch des Rubins, den seine Beduinen fürchten? Nureddin ist ein skrupelloser moderner Verbrecher, der weder an den Tod, Aberglauben noch Flüche glaubt. Das erhebt ihn über Beduinen und Araber wie Yar Ali, doch es stellt ihn auf eine Stufe mit Steve Clarney, den kühnen, leicht verrückten Forscher. Wer also wird in diesem spannenden Duell den Rubin erringen?

An diesem Punkt kommt der Faktor X ins Spiel. Ohne Genaueres zu verraten, sei doch die Lektüre von H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos empfohlen. Der „Dämon“, wie Yar Ali ihn nennt, ist ein Wächter, den ein Magier hinterlassen hat, um seinen „Schatz“ zu behüten. Das Monster vernichtet jeden, der den Schatz raubt. Es ist die lange Hand der Vergangenheit, die auf magische Weise den Fluch des Magiers aufrechterhält.

Die Metaphorik ist ziemlich eindeutig: Das Juwel pulst wie ein Herz, es wird von einem Ebenbild des Todes und der Herrschaft gehalten und glüht wie Höllenfeuer. Kurzum: Es ist eine Verkörperung Satans, des Herrschers der Hölle. Wer wagt danach zu greifen und es zu rauben? Nur ein Mensch, der kein Gewissen besitzt, das seine Seele schützt. Diesen ultimativen Test besteht Steve Clarney, der „gute“ Amerikaner zum Glück, aber keineswegs der skrupellose Verbrecher Nureddin.

Amerikanische Leser lasen diese Pulp Fiction sicherlich mit höchster Befriedigung, in der selbstgerechten Gewissheit, dass sie ganz bestimmt so ein tolles Gewissen ihr Eigen nennen durften. Das erwies sich dann spätestens in Hiroshima, Korea und Vietnam als Selbsttäuschung.

Assurbanipal

Assurbanipal, auch als Sardanapal und Asenappar bekannt, war der letzte große König des neo-assyrischen Reiches und lebte von 685 bis 627 v. Chr., also fast erstaunliche sechzig Jahre. Seine Residenz war in Ninive, das in der Bibel auch nicht gut wegkommt. Die dort ausgegrabene Bibliothek von rund 30.000 Keilschriften befindet sich heute im Britischen Museum, ist also Beutekunst. Unter den Dokumenten befindet sich auch das monumentale „Epos von Gilgamesch“, die erste Fantasy-Story der Menschheit.

Als „Sardanapal“ beschrieb ihn Diodorus und machte den angeblich letzten assyrischen König auf verleumderische Weise zu einem Inbild der Korruption und der Dekadenz, so dass Eugéne Delacroix 1827 in seinem oriental-romantischen Monumentalschinken „Tod des Sardanapal“ jede Menge nackte Frauen in den Händen gewalttätiger Männer sowie wertvolle Gegenstände darstellen konnte. Warum der lässig zurückgelehnte König sterben soll, geht allerdings auf den ersten Blick nicht aus dem Bild hervor (http: http://en.wikipedia.org/wiki/Sardanapalus und http://en.wikipedia.org/wiki/File:Eug%C3%A8ne_Delacroix_-_La_Mort_de_Sardanapale.jpg).

Warum spielt also ausgerechnet Ass(h)urbanipal eine solche große Rolle in Howards Schauererzählung? Das ergibt sich aus dem Kontext der moralischen Dekadenz. Dass ein Magier hier ebenso herrscht, unterstreicht nur die unchristliche Atmosphäre, in der der „letzte“ Assyrerkönig geschwelgt haben soll. Howard zeichnet Assurbanipal, dessen Skelett immer noch auf dem Thron der „Stadt der Teufel“ sitzt, als wahren Höllenfürsten. Klar, dass er in seinem Riesenrubin dem verführbaren Räuber ein hinterlistiges Angebot macht. Sollte der Räuber zugreifen (wie Nureddin es tut), folgt die Strafe auf dem Fuß. Nur rechtschaffene Amerikaner wie Steve Clarney entgehen natürlich diesem grausigen Schicksal!

Die Sprecher/Die Inszenierung

Dass Wolfgang Pampel, die deutsche Synchronstimme von Harrison „Indy“ Ford, die Rolle von Steve Clarney spricht, ist schlichtweg ein Geniestreich. Sofort stellt sich das richtige Indy-Feeling ein, und da die Geschichte geschickt mit etlichen Rückblenden und nachgereichten Erklärungen erzählt wird, gewinnt diese Abenteurer-Figur durchaus an Tiefe, ohne zu individuell zu werden. Dass eine weitere bekannte Stimme den Part des Freundes und Dieners Yar Ali spricht, macht dieses Duo zu einer perfekten Besetzung, die es mit Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar aufnehmen kann. Schon in der ersten Szene wird klar, dass Clarney und Ali eine enge Freundschaft pflegt.

Umso wichtiger ist die Gegenfigur des Nureddin, der ja den Schurken im Stück spielt. Dass zwei sympathische Gutmenschen unterwegs sind, mag ja ganz nett sein, aber dass sie gut sind, müssen sie erst einmal unter Beweis stellen, und das geht nur im Konflikt mit einem Schurken. Deshalb ist es so wichtig, dass Nureddin von einem mindestens ebenso starken Sprecher dargestellt wird. Das gelingt einem Veteranen wie David Nathan natürlich mit links. Mit seiner tiefen Stimme wirkt er genügend furchteinflößend, und die Gier in seiner Stimme ist unüberhörbar.

Alle anderen Sprechrollen sind eigentlich vernachlässigbar. Die Rollen des Händlers und des Beduinen dienen nur der Lieferung von Hintergrundinformationen. Dennoch möchte ich F.G. Beckhaus als Händler erwähnen, denn als Gewährsmann muss er eine gewisse Glaubwürdigkeit und Autorität an den Tag legen, und das gelingt. Natürlich warnt er die beiden Abenteurer vergeblich.

Geräusche

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Das trifft ganz besonders auf die Szenen nach dem Betreten des Heiligtums zu. Wichtiger als all die Schritte, Hufschläge, Schüsse und Rufe ist aber die Musik, denn erst diese erschafft die nötige Atmosphäre.

Musik

Die Musik entspricht wieder einmal dem Score für ein klassisches Horrormovie. Das Intro führt mit seinen orientalischen Klängen bereits in die richtige Lokalität ein. Das Tempo der klassisch instrumentierten Musik wechselt von unternehmungslustiger Dynamik über ahnungsvolle Langsamkeit bis zu höchst dramatischer Schnelligkeit im Finale. Der Hörer bekommt also die volle Bandbreite geboten.

Ergänzt wird die Orchestermusik von Soundeffekten, zu denen beispielsweise sehr tiefe Bässe gehören, aber auch Hintergrundeffekte zum Auftritt des Wächters des Rubins. Trickreich ist der Musikeinsatz durchaus: Nach dem dramatischen Finale spiegelt die heiter-ruhige Musik vor, dass alles in Butter ist. Dann liefert Clarney die Pointe mit den Außerirdischen, und nichts ist wieder in Butter.

Musik, Geräusche und Stimmen wurden so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

Das Booklet

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von Titania Medien. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher.

Im Booklet finden sich Verweise auf die im Herbst 2013 kommenden Hörspiele aufgeführt:

Nr. 78: Lovecraft: Das Ding auf der Schwelle
Nr. 79: Theodor Hildebrand: Lodoiska
Nr. 80+81: Lewis: Der Mönch 1+2
Nr. 82: Henry S. Whitehead: Der Zombie
Nr. 83: Allen Upward: Heimgesucht

Unterm Strich

Mir gefiel die Story von der Schwarzen Stadt und dem Juwel des Todes ausnehmend gut, erinnert sie mich an die geliebten „Indiana Jones“-Filme. Tatsächlich erinnert Clarneys Odyssee in der Schwarzen Stadt fatal an „Der Tempel des Todes“, wo es ja auch recht unridisch und gruselig zugeht. Und wo eine Bande schwertschwingender Assassinen die Rolle von Nureddins Räubern einnimmt.

Aber bei solchen lauwarmen, weil familientauglichen Schwachheiten macht Howards Erzählung keineswegs halt. Immer weiter imaginiert der Autor, bis er endlich auf dem Niveau seines Freundes Howard Phillips Lovecraft angekommen ist. Ein Beduine liefert zuvor noch eine Menge Hintergrundinformationen zu dem Urheber des titelgebenden Höllenrubins. Das eigentliche Monster aber, so die Pointe, die Clarney am Schluss zum besten gibt, stammt nicht von dieser Welt. Und wo es dergleichen hier gibt, mag es sie auch noch woanders geben. Das kann man als Aufforderung verstehen, mal über die verhängnisvolle Antarktis-Expedition in „Die Berge des Wahnsinns“ nachzulesen, die Lovecraft Anfang der 1930er Jahre auf weitere Außerirdische treffen lässt (siehe dazu Gruselkabinett 44+45).

Das Hörspiel

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Besonders gut gefiel mir die sehr sorgfältig ausgearbeitete Geräuschkulisse, die so realistisch wie möglich ist, um das surreale Geschehen im weißen Haus auszugleichen.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert, und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling.

Wer jedoch mit Dramatik und Romantik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen. Die Hörbücher der „Necroscope“-Reihe von Brian Lumley dürften dem Hörer eine ausreichend starke Dosis verabreichen. Leider hat LPL diese Reihe schon längst endgültig eingestellt.

Hinweis

Immer noch warte ich ungeduldig auf die Gruselkabinett-Umsetzung von Howards Lovecraft-Story „Der schwarze Stein“. Sie ist in der Anthologie „Hüter der Pforten“ zu finden, die 2003 bei Bastei-Lübbe erschien (ISBN 3404148770).

Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Spieldauer: 57:18 Minuten
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