Schlagwort-Archive: Norman Spinrad

Michael Swanwick – Vakuumblumen. Cyberpunk-Roman

Abenteuer in einem seltsamen Sonnensystem

Dies ist die Geschichte von Rebel Elisabeth Mudlark, der geklonten „Tochter“ einer biogenetischen „Zauberkünstlerin“. Sie kommt im Auftrag ihrer „Mutter“ von den Kometenwelten der Oortschen Wolke ins Innere Sonnensystem, wo sich sehr viel verändert hat. „Vakuumblumen“ ist ein farbenprächtiger, tempo- und einfallsreicher Abenteuerroman, der die raumfahrende Menschheit in einem ganz anderen Blickwinkel zeigt als die Hochglanzprospekte der NASA und der Lagrange-Gesellschaft. (Verlagsinfo)

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Norman Spinrad – Deus X

Himmelfahrt im Cyberspace: seltenes Lesevergnügen

Ein ungewöhnliches Lesevergnügen vom Meister der satirischen Science-Fiction ([„Bilder um 11“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1516 „Der stählerne Traum“).

Wenn die Erschließung des Cyberspace im selben Tempo wie jetzt weitergeht, wird es eines Tages möglich sein, das komplette Bewusstsein abzuspeichern und in den Netzen leben bzw. „herumgeistern“ zu lassen. Die armen Geister in der Maschine haben zwar ein Ichbewusstsein, können handeln und sich verhalten – aber haben sie auch eine Seele, oder sind sie gar des Teufels? Eine echte Herausforderung für die katholische Kirche!
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Spinrad, Norman – Bilder um 11

Leipzig in L.A. – exklusiv: spannende Mediensatire

Norman Spinrad hat eine bitterböse, aber sehr engagierte Abrechnung mit den Themen Ökologie, Terrorismus und Medienmacht geschrieben, die von der ersten bis zur allerletzten Seite in Atem hält (es gibt Verschaufpausen, keine Sorge).

Spinrad ist kein Amateur auf dem Gebiet: 1967/68 verursachte er mit seinem Medien-Roman „Champion Jack Barron“ einen Skandal, in dessen Folge das Buch im Unterhaus diskutiert und von einer Buchhandelskette verbannt wurde.

In „Bilder um 11“ – der Fortsetzung? – stellt Spinrad sein umfangreiches, kompetentes Insiderwissen über die Medienindustrie, besonders das US-Fensehen, unter Beweis. Aber auch Gebiete wie den Vietnamkrieg und Baseball, Amerikas Nationalsport, nutzt er auf vielfältige Weise.

Handlung

Der Tag beginnt wie immer friedlich beim kleinen TV-Sender KLAX-TV in Los Angeles: Nachrichtensprecher Toby Inman ist mal wieder für einige Stunden seiner frustrierten Ehefrau entkommen; der ehemalige Vietnamsoldat und CIA-Agent Carl Mendoza kommentiert kompetent wie stets die neuesten Baseballereignisse; Wetterfee „Heather Blake“ (geborene Hester Gluck) mit der Playmatefigur erklärt die Tiefdruckgebiete, und Programmchef Eddie Franker plagen Geldnöte, weil die Besitzer des Senders Geizkragen sind.

Plötzlich kommt das Publikum zum Sender: Ökoterroristen besetzen das Gebäude und fordern das Scheitern eines Kernkraft-Referendums. Zum „Grünen Armee Kommando“ gehören ein paar Medienspezialisten und ein paar wirklich hartgesottene Revolutionäre. Kopf der Truppe ist der Ostdeutsche Horst Klingermann, der schon beim Marsch in Leipzig 1989 die Oberen der DDR zum Abdanken zwang. Nun will er die Regierung des Staates Kalifornien und danach die der Vereinigten Staaten in die Knie zwingen. Und es scheint ihm wirklich zu gelingen!

Die Besetzung dauert acht Tage. In dieser Zeit bangen die genannten vier Redakteure um ihr Leben. Da aber nicht nur die Terroristen, sondern auch die Polizei von L.A., das FBI und, zu schlechter Letzt, CIA und Army damit drohen, das Sendegebäude in die Luft zu jagen, wenn die gegenseitigen Bedingungen nicht erfüllt werden, beschließen die vier Geiseln in zunehmend verzweifelteren Aktionen, ihren Status als Medienleute und als Kommunikationszentrum so nutzbringend wie möglich zu verkaufen. Schließlich hat man die Exklusivrechte an der eigenen Geiselnahme, oder!?

In einer irrwitzig ansteigenden Spannungskurve wird der Akt des Terrorismus selbst medien- (und werbe-)wirksam verkauft, ja, die Medien machen Terrorismus, bis die Terroristen sich der so wertvoll gewordenen Medien bedienen müssen, um a) gehört zu werden und b) zu überleben. Gipfel des zynischen Wahnsinns sind die Argumente des gerissenen Agenten Leonard Isaacs, der den Terroristen einerseits die „Grüne Armee Kommando Show“ sowie einen abendfüllenden Spielfilm anbieten (mit Exklusivrechten, versteht sich), andererseits aber Klingermann nur den Märtyrertod anraten kann: Nur der Freitod können seine Glaubwürdigkeit noch bestätigen, nachdem alle anderen „Werte“ schon verkauft bzw. desavouiert worden sind.

Schlussbild: Die Geiseln werden freigelassen, die medienwirksamen Terroristen ergeben sich. Die „Revolutionäre“ gehen mit Klingermann in den Tod, während eine Armee sie umstellt. Abblende.

_Unterm Strich_

Was Spinrad sicherlich von einem US-Autor unterscheidet, ist auch die Tatsache, dass er die Wende in Osteuropa aus dem FF kennt – nachzulesen in seinem Roman „Russischer Frühling“ (|Heyne|). Und hier, in Ostberlin, fand sich das „Grüne Armee Kommando“ zusammen: Palästinenser, japanische und brasilianische Ureinwohner, englische Punk-Hacker, westdeutsche Baader-Meinhof-Reste usw. Sie werden in Interviews vorgestellt (exklusiv!) und dem Leser nahe gebracht. Darf die CIA solche armen, verfolgten, verzweifelten Kämpfer umbringen? Das amerikanische Fernsehvolk sagt: nie und nimmer! Und auch der Leser zittert vor unbemerkt gewachsener Sympathie mit dem Schicksal dieser Outlaws mit, solange, bis auch er ahnt, dass er am Tropf der Medien hängt und von Spinrad nach allen Regeln der Kunst manipuliert wird …

|Originaltitel: Pictures at 11, 1994
Aus dem Englischen von Peter Robert|