Alle Beiträge von Uwe Webel

Scott Westerfeld – Die geheime Mission (Leviathan 1)

Die Handlung:

Europa am Vorabend des Ersten Weltkriegs auf einer alternativen Erde. Prinz Aleksandar, der Sohn des gerade in Sarajevo ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand, wird von seinen eigenen Leuten gejagt. Er flieht in einem „Stormwalker“. Das ist eine Art Jules-Verne-Ausgabe eines Kampfläufers aus „Star Wars“.

In den Schweizer Alpen trifft Alek auf das lebende britische Luftschiff „Leviathan“, das eigens für die britische Armee erbaut und gezüchtet wurde. Die „Leviathan“ befindet sich auf geheimer Mission ins Osmanische Reich. Mit an Bord ist Deryn, die sich als Junge verkleidet in die Armee der britischen Darwinisten eingeschmuggelt hat. Alek rettet sich an Bord der „Leviathan“ und muss mit Deryn gemeinsame Sache machen … (stark abgeänderte Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ich mag Steampunk. Ich mag Jules Verne. Und ich mag Jugendbücher, weil sie meist nicht so düster und gewaltverherrlichend sind wie Romane für abgestumpfte Erwachsene, denen „Saw“ nicht blutig und menschenverachtend genug ist.

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Ken Follett – Sturz der Titanen (Die Jahrhundert-Saga 1)

Die Handlung:

Europa, 1914: Eine deutsch-österreichische Aristokratenfamilie, die durch politische Spannungen zerrissen wird. Eine Familie aus England zwischen Arbeiterschicht und Adel. Und zwei Brüder aus Russland, die in den Strudel der Revolution geraten und sich auf verschiedenen Seiten gegenüber stehen. Ken Folletts neue Trilogie spielt zwischen 1914 und 1989 und erzählt von drei Familien aus drei Ländern, deren Schicksale auf dramatische Weise miteinander verknüpft sind – und wird Geschichte schreiben! (Verlagsinfo)

Meine Meinung:

Mit diesem Buch startet Follett seine neue Trilogie mit dem Titel „The Century“. In dieser Reihe beschreibt der Autor das 20. Jahrhundert aus der Sicht unterschiedlicher Familien aus Amerika, Deutschland, Russland, England und Wales, die wichtige und bekannte geschichtliche Ereignisse durchleben. Im Speziellen sind das im ersten Band der Erste Weltkrieg, die Russische Revolution und der Kampf der Frauen um das eigene Wahlrecht in Großbritannien.

Wie schon beim letzten Roman „Die Tore der Welt“ erwartet den Hörer eine gekürzte Lesung, die allerdings auch wieder auf 12 CDs erscheint, was fast die doppelte Menge von dem ist, mit dem andere Verlage bei ihren Hörbuchumsetzungen aufwarten. Eine ungekürzte Lesung mit ca. 40 Stunden Spieldauer, die von Philipp Schepmann gelesen wird, erscheint voraussichtlich im November. Und ich kann mir gut vorstellen, dass auch bei diesem Buch eine Hörspiel-Umsetzung folgen wird, wie es schon nach dem Erfolg von „Die Tore der Welt“ der Fall war.

„Sturz der Titanen“ beginnt im Juni 1911 und endet im Januar 1924, wobei ein großer Anteil der Geschichten sich in der Zeit des Ersten Weltkriegs abspielen. Hier schafft es Follett perfekt, die Schicksale der vielen Charaktere und Familien, die aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Ländern stammen, miteinander zu verknüpfen. So trifft der Grubenjunge Billy aus Wales auf den Russen Lev, der eigentlich von Russland nach Amerika auswandern wollte, aber betrogen wurde und in Wales gestrandet ist. Und Lady Maud Fitzherbert verliebt sich in den Deutschen Walter von Ulrich.

Viele interessante Charaktere, viele interessante Geschichten, alle irgendwie und irgendwo miteinander verbunden und keine davon auch nur eine Spur langweilig. Jeder Mann und jede Frau ist nicht einfach nur gut oder böse gezeichnet, Follett zeigt dem Hörer auch, warum sie so handeln und denken, wie sie es tun. Die gesellschaftliche Stellung und die Herkunft der Charaktere hat eine Menge damit zu tun, wie sie miteinander interagieren.

Einzig die mir persönlich zu detailliert geschilderten und zu häufig auftretenden Sex-Szenen bremsen die Handlung immer mal wieder ab. Aber auch nicht wirklich lange, denn während sich die einen ausruhen, erleben die anderen wieder etwas Interessantes.

Mein Hör-Eindruck:

Ken Follett persönlich begrüßt den Hörer als Einleitung der ersten CD auf Englisch. Er wünscht eine gute Unterhaltung und spricht am Ende seines Einleitungssatzes den Titel des Romans auch auf Deutsch aus. Dann folgt ruhige Ambientmusik, während eine Frauenstimme den männlichen Sprecher vorstellt. Nach ein wenig mehr Musik beginnt Johannes Steck mit seiner Arbeit, während die Musik ganz langsam ausgeblendet wird. Das schafft eine angenehme Stimmung und nimmt den Hörer ganz vorsichtig mit in die Story.

Und wenn Steck dann beginnt, vom Grubenjungen Billy zu erzählen, fällt dem Hörer gar nicht auf, dass im Hintergrund schon gar keine Untermalung mehr zu hören ist. So schnell schafft es Follett, den Hörer in seinen Bann zu ziehen – oder ist es Steck? Es ist bestimmt die Kombination aus beiden.

Nie aufdringlich oder nervend bearbeitet er die vielen unterschiedlichen Charaktere. Der jeweiligen Gesellschaftsstellung angemessen spricht er aristokratisch oder vulgär und gewöhnlich. Auch mit der Lautstärke seiner Stimme spielt Steck gekonnt. So deutet er nicht nur ein Brüllen an, er brüllt auch, allerdings entfernt er sich dafür vom Mikrofon, was den Effekt aber nicht schmälert. Jedem Charakter wird seine eigene individuelle Note verliehen, die einen hohen Wiedererkennungswert hat.

Steck ist dabei immer klar und deutlich zu verstehen und erzählt mit seiner angenehmen Stimmfarbe eine spannende und überaus interessante Geschichte.

Die Übersetzung

Normalerweise gehe ich nie gesondert auf die Übersetzung ein, besonders nicht bei einem Hörbuch, aber hier ist mir doch etwas äußerst unangenehm aufgefallen. Wie der Übersetzer auf die Idee kommt, dass Wörter wie „giggle“ (kichern) und „pal“ (Kumpel, Kamerad) als Anglizismus Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn Kinder oder Näherinnen also „giggeln“, dann klingt es nicht nur unnatürlich, das ist es auch, denn im Gegensatz zum Wort „googeln“ gibt es dieses Wort im deutschen Sprachgebrauch nicht.

Des Weiteren schafft der Übersetzer es auch den derben Witz einer Näherin so seltsam und unlustig zu übersetzen, dass ich im Original nachschlagen musste, weil ich mir nicht erklären konnte, was an dieser Stelle denn nun so witzig sein sollte. Es stellte sich heraus, dass hier „itchy finger“ (juckender Finger) mit „Intimbereich“ übersetzt wurde, was den Witz komplett zerstört.

Und das sind nur die Stellen, die mir direkt aufgefallen sind. Es gibt bestimmt noch weitere, die nicht das wiedergeben, was der Autor beabsichtig hat.

Die Aufmachung

Die Aufmachung dieser Lesung ist wirklich ansprechend gemacht. Komplett auf Plastik verzichtend, kommt das Hörbuch in einem Pappschuber daher, in dem zwei Pappeinschübe stecken, die jeweils sechs CDs enthalten.

Bei den Einschüben hat man sich eine intelligente Aufbewahrungsart einfallen lassen. So stecken die einzelnen CDs jeweils bis zur Hälfte in einer Art Einschubtasche. Sie sind zwar leicht zu entnehmen, sitzen aber fest genug, um nicht herauszufallen. Hinter den CDs und auf den Einschubtaschen sind weitere Informationen zum Buch, Bilder von Autor und Sprecher, Auszüge aus „Sturz der Titanen“, eine Aufstellung der beschriebenen Charaktere, und das sind eine Menge Personen, Schwarz/Weiß-Zeichnungen und bei CD 7 – 12 Werbung für weitere Ken-Follett-Lesungen aufgedruckt. So stört es nicht weiter, dass es kein Booklet gibt.

Was allerdings stört, ist ein starker Geruch nach Chemie, der sich sofort verbreitet, nachdem die Box von der Plastikfolie befreit wurde. Nach ein paar Tagen war dieser Geruch allerdings verflogen.

Die Fortsetzungen

In den nächsten beiden Bänden der Reihe wird Follett den kommenden Generationen der bekannten Familien folgen, die sich mit weiteren geschichtlichen Großereignissen auseinandersetzen müssen. Und Nachwuchs gibt es so viel, wie es in „Sturz der Titanen“ Sex gibt.

Der Sprecher

Johannes Steck, Jahrgang 1966, ist Schauspieler und Sprecher. Nach einer Ausbildung zum Theatermaler am Staatstheater Braunschweig studierte er an der Schauspielschule Prof. Krauss in Wien. Verschiedene Engagement an deutschen Bühnen folgten, zum Beispiel am Schauspielhaus Chemnitz, am Stadttheater Würzburg und am Staatstheater Darmstadt. Danach zog es ihn verstärkt zum Fernsehen. Er war über vier Jahre in einer Hauptrolle in der ARD-Fernsehserie „In aller Freundschaft“ zu sehen, spielte aber auch in „Forsthaus Falkenau“, „Soko Leipzig“ und „Die Wache“. Seit 2004 widmet sich Johannes Steck verstärkt seiner Leidenschaft – den Hörbüchern. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Ein tolles Hörbuch und ein toller Sprecher. Eine sehr gut recherchierte und ebenso spannende Geschichte mit vielen unterschiedlichen Charakteren, die in einer interessanten Zeit leben. Kein Sturz für den Titan Ken Follett.

12 Audio-CDs mit 15:30 Stunden Spieldauer, aufgeteilt auf 157 Tracks
Originaltitel: Fall of the Giants
Gesprochen von Johannes Steck
ISBN-13: 978-3785744000
www.luebbe-audio.de
Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Perry Rhodan – Konzil der Sieben (Silber Edition 74, Teil 2)

_Die Handlung:_

Es beginnt Anfang des Jahres 3459. Perry Rhodans Gehirn ist in seinen Körper zurückgekehrt, und die Galaxis wartet voller Spannung auf die Konsequenzen, die sich aus dem „Kosmischen Schachspiel“ ergeben könnten. Als dann aber die Sterne erlöschen, kommt alles anders als erhofft. Eine fremde Macht, die Laren, landet im Auftrag des [„Konzils der Sieben“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6560 auf der Erde und stellt unmissverständliche Forderungen.

Hotrenor-Taak, ihr Sprecher und Anführer, bestimmt Perry Rhodan kurzerhand zum „Ersten Hetran der Milchstraße“. Der Terraner soll im Auftrag des Konzils diktatorisch über die Völker der Galaxis herrschen. Perry Rhodan bleibt nichts anderes übrig, als zum Schein auf die Forderung der Fremden einzugehen und im Untergrund gegen das Konzil der Sieben zu kämpfen. Dabei darf er nicht einmal davor zurückschrecken, zum Schein seinen Freund Atlan zum Tode zu verurteilen – ein Spiel, aus dem tödlicher Ernst wird … (Verlagsinfo für den kompletten Silberband)

|Dieser Teil:|

Perry täuscht mithilfe der Rebellen seine Entführung vor, um sich aus dem Griff der Laren zu befreien. Die Rebellen bringen ihn zurück in die Milchstraße, wo er erkennt, dass die Laren schon vor ihrem offiziellen Auftauchen Informationen auf Terra gesammelt haben müssen. Eine Informantin, die Doppelgängerin einer Großindustriellen, verhält sich auffällig.

_Mein Hör-Eindruck:_

Nach einem Einleitungssatz, der Titel und Teil der |Silber Edition| angibt, geht es direkt mit Kapitel acht los. Sprich, es gibt keine gesprochene Zeitleiste wie vor dem ersten Teil, keine Zusammenfassung der Art „was bisher geschah“ und auch kein anfängliches „die Hauptpersonen“, wie es bei den wöchentlichen Heftlesungen der Fall ist. Das kommt dem Hörer entgegen, der erst alle vier Teile der |Silber Edition| sammelt, bevor er mit dem Hören anfängt, weil er so einem etwaigen Cliffhanger mit anschließender Wartezeit von drei Wochen bis zur Auflösung entgehen will.

Der Hörer, der drei Wochen auf die Fortsetzung gewartet hat und sich vielleicht nicht mehr so ganz daran erinnert, wo Perry denn jetzt gerade ist oder was er gerade macht, wird direkt ins aufgewühlte Handlungswasser geworfen. Denn er landet mitten in einer hitzigen Diskussion und muss erst einmal versuchen, dieser zu folgen. Aber besser so als eine langatmige Handlung, die erst nach Stunden des Hörens Fahrt aufnimmt. Spätestens nach dem ersten Track sollte sich aber jeder Hörer wieder zurechtgefunden haben.

|Der erste neue Sprecher|

Tom Jacobs liest auch diesen Teil gewohnt souverän. Diesmal gibt es keinen asthmatischen Außerirdischen für ihn zu bewältigen, an dem er sich die Zunge brechen müsste. Spannend und mitreißend erzählt er die Geschichte um Perry Rhodan und seine Mitstreiter und verleiht auch hier wieder jedem Charakter seine eigene Stimmfarbe.

Einzig der übertriebene amerikanische Akzent, den er einem der Charaktere zuteil werden ließ, stört – liest er doch sämtliche anderen Amerikaner ohne Akzent. Und auch Perry Rhodan ist Amerikaner.

Ansonsten habe ich mich an Jacobs‘ Gucky gewöhnt und er gefällt mir mittlerweile besser als der von Josef Tratnik. Allein Icho Tolot und sein Brüllen sind für den Stammhörer der |Silber Editionen| vielleicht noch etwas gewöhnungsbedürftig.

|Die Effekte – Der Hintergrund|

Dieser zweite Teil unterscheidet sich in Sachen Hintergrundgestaltung nicht vom Vorgänger. Hier und da gibt es ein paar Ambientsounds zu hören oder eine leichte Melodie. Das ist aber teilweise so leise, dass es schon wieder irritierend wirkt.

Da ich davon ausgehe, dass die |Silber Edition| 74 schon komplett produziert auf die Verteilung wartet, würde ich mir bei der Untermalung für die folgende |Silber Edition| ein wenig mehr Mut zum Abmischen wünschen.

|Die MP3s|

Dem Pedanten fällt auf, dass der zweite Teil von |Silber Edition| 74 um über zehn Minuten kürzer ist als der erste. Das liegt aber ausschließlich an der Tatsache, dass die Kapitel einfach unterschiedlich lang sind.

Dennoch ist auch dieser Teil der |Silber Edition| wieder in 45 Tracks aufgeteilt, von denen sich der Hörer unterhalten lassen kann. Die MP3s liegen wie gehabt in der Qualität 128kbps, 41,1kHz und in Joint Stereo vor. Die ID3-Tags sind sauber gesetzt und jede Datei enthält neben den Angaben zu Titel und Autor auch das Cover der |Silber Edition|, was sich bei MP3-Playern der iPod-Touch-Fraktion immer nett im Display macht.

Schön ist auch, dass der Verlag das Cover bei jedem Teil der |Silber Edition| austauscht. Zierte den ersten Teil noch der Titel von Perry Rhodan Band 650, so ist es diesmal die Front von Band 651. Dies liegt dem Hörbuch zusätzlich als JPG- und als PDF-Datei bei.

_Mein Fazit:_

Die Story ist weiterhin spannend, Tom Jacobs liest auf gleichem Niveau gut. Schade, dass es erst in drei Wochen weitergeht.

Eine etwa 7,5 Minuten lange Hörprobe bietet der Verlag [hier]http://www.einsamedien.de/MP3/hoerprobe__se74.mp3 an.

|MP3-Download mit ca. 205 MB Größe
Spieldauer der Lesung: 3:40 h
Sprecher: Tom Jacobs|
[perry-rhodan-shop.de]https://perry-rhodan-shop.de
[perry-rhodan.net]http://www.perry-rhodan.net

Hinweis: Die MP3-Fassung erscheint im November auch auf 2 CDs im Handel.

Thomas Thiemeyer – Korona

Die Handlung:

Mit dem Eintreffen eines neuen Teammitglieds in Uganda beginnt für die Gorillaforscherin Imelda Walker ein Abenteuer, das ihre kühnsten Träume übersteigt. Bei einer Expedition ins Hochgebirge stößt ihr Team auf die Ruinen einer versunkenen Hochkultur, die die Forscher vor unerklärliche Phänomene stellt. Bald kann sich die Biologin der Wahrheit nicht länger verschließen: Ihr Team hat das Portal zu einer fremden Dimension durchschritten. Und für die Rückkehr ist es längst zu spät … (Verlagsinfo)

Meine Meinung:

Ich habe wirklich versucht, die Geschichte zu mögen, wirklich, es hat nicht geklappt. Die Verlagsinfo versprach mir eine Abenteuergeschichte mit Gorillas im Dschungel und Sciencefiction mit „Stargate“-Dimensionsportalen. Empfänglich bin ich für solche Geschichten allemal. Bekommen habe ich Mosaikteile, die sich einfach nicht zu einem Ganzen zusammensetzen ließen.

Dschungelabenteuer mit intelligenten Menschenaffen sind nicht neu, aber als dann noch erwähnt wurde, dass in besonders heißen Sommern etwas kommt und die Menschen umbringt, da musste ich lachen und an „Predator“ denken. Die Intelligenz der Affen hat es dann auch nicht auf das Niveau vom „Planet der Affen“ geschafft und die fliegenden Schiffe, die später noch auftauchen, passen so gar nicht ins Bild, weil sie mich eher an Jule Vernes Werke erinnerten oder an japanische Zeichentrickserien.

Pflanzenmonster, die den Menschen den Kopf abbeißen und sich mit Gewehrkugeln nicht aufhalten lassen, passen prima in die Horror-Ecke. Und die toughe Anführerin, die erst tough, dann weinendes Mädchen und plötzlich wieder tough ist, gesellt sich zu dem „Verräter“, der erst von der Gruppe verachtet wird, um dann auf einmal als Anführer dazustehen und mit der ehemaligen Anführerin in ihrer Mädchen-Phase zu kuscheln.

Das alles passt und fügt sich so überhaupt nicht zusammen. Die ganze Gruppendynamik der Beteiligten fühlt sich künstlich und gezwungen an. Die Dialoge klingen oftmals gestellt und unnatürlich.

Und als mich der Sprecher des Hörbuchs nach vielen Stunden des Wartens auf etwas wirklich Interessantes in den Sciencefiction-Anteil mitnahm, zu den fliegenden Inseln und Schiffen, mit mehr-als-halbintelligenten Menschenaffen, da hatte der Roman dann endgültig für mich verloren.

Dass die letzten Stunden des Hörbuchs nur noch aus B-Movie-Horror bestanden, bestätigte meinen Eindruck erneut. Hier sind auch die Stellen zu finden, in denen der Sprecher extra gruselig klingen will und ich mich jedes Mal extrem zusammenreißen musste, damit ich nicht loslache.

Das Ende ist dann auch passend melodramatisch und kitschig.

Das Hörerlebnis – Der Sprecher

Ohne Musik und ohne Effekte geht es nach einem einleitenden Satz direkt mit der Geschichte los. Hier zeigt Dietmar Wunder, dass er als deutsche Stimme von Adam Sandler, Jamie Foxx, Robert Downey Jr. und Daniel Craig vor dem Mikro auch schauspielern kann. Dass er auch auf verschiedenen Theaterbühnen gespielt hat, kommt ihm auch bei dieser Produktion zugute.

Er moduliert seine Stimme zwar nicht so extrem, wie es einige seiner Kollegen tun, dennoch sind die in den verschiedenen Szenen agierenden Charaktere gut zu unterscheiden. Und wenn er eines der Teammitglieder liest, das vorsichtig auf einen Gorilla einredet, dann überträgt er die Spannung gekonnt auf den Hörer.

Verschiedene Sprachen und Akzente bringt er gut ins Ohr, ohne aufgesetzt oder nervig zu klingen. Allein den „Botschafter“ spricht er wie eine Kreuzung zwischen einer schlechten Persiflage auf Helmut Kohl und Boris Becker. Seiner Leistung allein ist es zu verdanken, dass die zu sehr konstruierte Geschichte, die einfach zu viele Genres bedienen will und das zwangsweise bei keinem richtig schafft, noch interessant bleibt. Denn Wunder erzählt sie wirklich gut und mitreißend.

Das Case – Das Booklet

Die CDs ließen sich leicht aus den Trays des Jewelcase‘ lösen, was heutzutage eine Seltenheit ist. Zum Roman selber gibt es keinerlei Infos in der Hülle. Auch ein Booklet sucht der Hörer vergebens. Stattdessen gibt es ein Büchlein mit dem Gesamtverzeichnis des Verlages.

Lediglich die Namen der an der Produktion beteiligten Personen werden genannt, sowie die Spieldauer und Trackanzahl der sechs enthaltenen CDs.

Mein Fazit:

Eine Story, die zu viele Genres bedienen will, scheitert an dem Versuch, es allen recht machen zu wollen. Thomas Thiemeyer hat mir mit seinen anderen Büchern wesentlich besser gefallen. Dietmar Wunder hingegen macht seinen Job gewohnt gut.

6 Audio-CDs mit 477 Minuten Spieldauer
Gesprochen von Dietmar Wunder
ISBN-13: 978-3839810538
www.argon-verlag.de

Der Autor vergibt: (2.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Jack London – Lockruf des Goldes

Die Handlung:

Elam „Burning Daylight“ Harnish ist einer der härtesten Kerle unter den Goldsuchern in Alaska. Sein Riecher für die richtigen Stellen zum Graben und sein Geschäftssinn lassen ihn reich, aber auch korrupt werden. In der großen Stadt lernt er, unter den Finanzhaien zu schwimmen, und verliebt sich gerade hier zum ersten Mal in seinem Leben. Wird die Liebe den alten Harnish in ihm zurückbringen?

Mein Eindruck:

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, die alle ihren eigenen Charme besitzen, weil sie eigentlich aus drei unterschiedlichen Genres stammen.

Teil eins

Hier wird der harte Kerl, der Goldsucher „Burning Daylight“, beschrieben, der seinen Spitznamen daher hat, dass er seine Mitstreiter mit dem Ausruf: „Burning Daylight!“ zu wecken pflegt. Der Leser erfährt, wie sehr Harnish dem Glücksspiel verfallen ist, das ihn nicht nur sein Vermögen kostet, sondern auch fast das Leben. Er ist ein harter Hund, der fest an sich und seine Überzeugungen glaubt. Und als er, seinem Riecher folgend, am Klondike River seine Claims absteckt, wird er schnell reich.

Teil zwei

Jetzt zieht es ihn in die große Stadt, und nachdem ihm drei „Finanzexperten“ in New York sein Vermögen abgenommen haben, verändert sich sein Wesen, nachdem er seine Lektion gelernt hat. Er geht nach San Francisco und wird mit seinem Riecher für Geschäfte und die richtigen Investitionen in die Zukunft wieder sehr reich. Aber er verändert sich, wird hartherzig, legt an Gewicht zu und hat nur noch wenig gemein mit dem Mann, der er einmal gewesen ist.

Teil drei

Dann verliebt er sich zum ersten Mal in seinem Leben (im zarten Alter von 36 Jahren) in seine Sekretärin, die aber nichts von ihm wissen will, da er nur in sein Geld verliebt zu sein scheint. Er erkennt, dass sie Recht hat, lässt das Geschäft und die Großstadt hinter sich und zieht mit ihr auf eine Ranch. Happy End.

Und was lernen wir daraus?

„Geld verdirbt den Charakter“. So hätte man Jack Londons erfolgreichen Roman auch zusammenfassen können. Vom sympathischen, harten Kerl, der, wenn er etwas anpackt, es auch richtig machen will, über den reichen, geldgierigen und unnachgiebigen Geldsammler bis hin zum Geläuterten, erlebt der Leser die Stationen des Lebens von „Burning Daylight“.

Zwar wird sich der Leser eher weniger mit einem Goldsucher identifizieren können, der in Alaska Ende des 19. Jahrhunderts gelebt hat, aber die Veränderungen seiner Charakterzüge lassen sich auf jede Zeit und jede Gegend der Welt übertragen. Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, warum das Buch nicht nur zu Londons Lebzeiten sehr erfolgreich war. Auch heute noch sagt vielen zumindest der Titel etwas.

Die Rechtschreibung

Die Vorlage für diese Neuausgabe stammt aus dem Jahr 1973. Dementsprechend ist auch dieses Buch, wie auch schon die Vorgänger der „Abenteuer“-Serie des Verlages, nicht auf dem aktuellen Stand der deutschen Rechtschreibung.

Der Anhang

Im Nachwort interpretiert Sebastian Domsch den Roman und schildert die zeitlichen Hintergründe der Geschichte und Vorbilder des Protagonisten. Außerdem gibt es für den Leser noch ein paar interessante Informationen zu Jack London, die nicht in der nachfolgenden Zeittafel zu Leben und Werk Londons zu finden sind.

Mein Fazit:

Drei Bücher zum Preis von einem. Goldrausch-Abenteuer, Finanzgeschichte und Liebesgeschichte. Von jedem genug, um eine interessante Lebensgeschichte zu erzählen. „Lockruf des Goldes“ ist besonders für Film und Fernsehen geeignet und wird immer mal wieder gezeigt und umgesetzt.

Ein amerikanischer Klassiker, der diesen Titel zu Recht trägt und 100 Jahre nach der Erstveröffentlichung immer noch spannend, gemein und romantisch ist.

Die „Klassiker der Abenteuerliteratur„:

Dieses war das letzte Buch der kleinen und feinen Reihe, die bei dtv als Neuausgabe im Laufe dieses Jahres erschienen ist. Fraglich ist, wen sich der Verlag als Käufer vorgestellt hat und wen er mit teilweise jahrzehntealten Übersetzungen in der veralteten deutschen Rechtschreibung zum Kauf überreden möchte. Die durchaus interessanten Anhänge und Zeittafeln reichen da sicherlich nicht aus.

Auch fehlen mir in der Reihe Klassiker wie „Moby Dick“, „Gullivers Reisen“ und „Die drei Musketiere“, um jetzt nur die zu nennen, die mir in diesem Moment in den Kopf kommen.

Taschenbuch: 256 Seiten
Originaltitel: Burning Daylight (1910)
Aus dem Amerikanischen von Erwin Magnus
Mit einem Nachwort und einer Zeittafel von Sebastian Domsch
ISBN-13: 978-3423138864
www.dtv.de

Dieses Buch gehört zur Reihe „Klassiker der Abenteuerliteratur“ von dtv:

Daniel Defoe: „Robinson Crusoe“
Jules Verne: „Reise zum Mittelpunkt der Erde“
Robert L. Stevenson: „Die Schatzinsel“
Karl May: „Der Schatz im Silbersee“
Jack London: „Lockruf des Goldes“

&Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Perry Rhodan – Konzil der Sieben (Silber Edition 74, Teil 1)

_Die Handlung:_

Es beginnt Anfang des Jahres 3459. Perry Rhodans Gehirn ist in seinen Körper zurückgekehrt, und die Galaxis wartet voller Spannung auf die Konsequenzen, die sich aus dem „Kosmischen Schachspiel“ ergeben könnten. Als dann aber die Sterne erlöschen, kommt alles anders als erhofft. Eine fremde Macht, die Laren, landet im Auftrag des „Konzils der Sieben“ auf der Erde und stellt unmissverständliche Forderungen. Hotrenor-Taak, ihr Sprecher und Anführer, bestimmt Perry Rhodan kurzerhand zum „Ersten Hetran der Milchstraße“. Der Terraner soll im Auftrag des Konzils diktatorisch über die Völker der Galaxis herrschen. Perry Rhodan bleibt nichts anderes übrig, als zum Schein auf die Forderung der Fremden einzugehen und im Untergrund gegen das Konzil der Sieben zu kämpfen. Dabei darf er nicht einmal davor zurückschrecken, zum Schein seinen Freund Atlan zum Tode zu verurteilen – ein Spiel, aus dem tödlicher Ernst wird … (Verlagsinfo für den kompletten Silberband)

_Mein Hör-Eindruck:_

Da ist sie nun, die erste |Silber Edition|, die nicht von Josef Tratnik gelesen wird. Nach 25 erfolgreichen Hörbüchern startet der Verlag, sicher auch auf Drängen der Fans hin, eine Parallelveröffentlichung von weiteren Silberbänden, die im Wechsel von Tom Jacobs und Andreas Laurenz Maier gelesen werden. Und damit man sich selbst nicht in die Quere kommt, beginnen die Lesungen mit Silberband 74, den Tom Jacobs vorliest. Die Silber Edition 75 vertont dann Andreas Laurenz Maier. In der „regulären“ Reihe hatte Josef Tratnik gerade Silberband 25 präsentiert.

Die |Silber Edition| 74 „Konzil der Sieben“ startet den „Konzil“-Zyklus, der sieben Silberbände umfasst. Band 74 selber beinhaltet die Handlung der Heftromane mit den Nummern 650-655. Das sind sechs Hefte, deren Gesamthandlung in vier Teilen vorgetragen werden. Da fragt sich der geneigte Fan mit Vorwissen, wo denn da unterbrochen wird, und der unvorbelastete Hörer freut sich auf weitere Abenteuer mit Perry Rhodan und seinen Freunden.

Es ist schon ein wenig seltsam, nach der altbekannten Titelmusik nicht die Stimme von Josef Tratnik zu hören, besonders für die, die Tom Jacobs nicht von den wöchentlichen Heftlesungen her kennen. Was allerdings ein wenig das Hörvergnügen gleich zu Anfang schmälert, ist die Zeitleiste, die Jacobs vorträgt. Das hatte Tratnik auch schon 25-mal gemacht, natürlich, sie steht ja auch am Anfang jedes Silberbandes, nur erfährt der Hörer der vorherigen |Silber Editionen| jetzt schon Dinge, die er eventuell gar nicht wissen möchte. Denn hier wird die Lücke zwischen Band 25 und 74 im Schnelldurchlauf geschlossen und die Handlung sämtlicher kommender Tratnik-Lesungen schon vorweggenommen. Wer hier also nicht schnell genug auf den „Nächster Track“-Knopf drückt, der bekommt eine Hypnoschulung der unfreiwilligen Art.

|Der erste neue Sprecher|

Tom Jacobs liest gefühlt schneller als Josef Tratnik, dieser Eindruck stellte sich sofort ein. Teilweise klingt er ein wenig unruhig und gehetzt und überträgt eine Art Nervosität. Aber er kann auch langsamer lesen und sich passend mit den bekannten Charakteren auseinandersetzen, so dass es nicht lange seltsam anmutet, dass hier Jacobs liest und nicht Tratnik. Er hat seine eigene Note, kopiert Tratnik nicht und hat es auch nicht nötig.

Einen leichten Einstand hat Jacobs allerdings nicht, so muss er doch gleich zu Anfang einen Xisrapen lesen. Diese amöbenartige Rasse kann die Lautverbindungen „an“ und „in“ mit ihrer Sprechblase nicht erzeugen, und entsprechend schwer hat es der Sprecher, wenn solche Passagen vorzulesen sind. Jacobs spricht den Außerirdischen gequält, gedrungen, bedrückt, fast asthmatisch und irgendwie leidend. Es hat den Anschein, dass hier auch das Leid des Sprechers mit eingeflossen ist. Allerdings hat der Erfinder dieser Rasse 1974 sicher noch nicht daran gedacht, dass in 36 Jahren einmal jemand diese Sprache laut vorlesen würde.

Davon abgesehen macht Jacobs seinen Job wirklich gut und transportiert die Stimmung und die Handlung überzeugend. Insgesamt wirkt sein Vortrag ein wenig lebendiger als der von Tratnik, an dem er sich natürlich messen lassen muss. Tratnik ist eher der ruhigere und gemächlichere Vorleser, wohingegen Jacobs mehr Schauspiel vor dem Mikro und somit ein wenig mehr Action in die Ohren bringt.

Im Speziellen spricht er Gucky nicht wie „Kermit der Frosch“. Zwar auch ein wenig gedrungen, aber nicht so nervend, wie Tratnik diesen Charakter vertont. Und Icho Tolot spricht er nicht wie einen ruhigen Riesen mit tiefer Stimme, wie sein Kollege es tut, sondern kräftig laut und mit Abstand vom Mikrofon.

|Keine neuen Effekte|

In Sachen „Hintergrund“ bleibt der Verlag bei Altbewährtem. So werden die bereits aus den Tratnik-Lesungen bekannten Effekte und Ambientesounds an den Anfang einiger Tracks gestellt. Dies könnte gern öfter und vielfältiger getan werden. Auch die Titelmusik ist gleich geblieben. Lediglich das Ende unterscheidet sich von den Vorgängern durch ein „Ende Teil 1“ des Sprechers statt der bekannten Abspannmusik. Diese wird wahrscheinlich am Ende des letzten Teils wieder zu hören sein und auf der im November erscheinenden Komplett-Ausgabe der |Silber Edition|.

|Die MP3s|

Beim Taggen der 45 Dateien, die in der Qualität 128kbps, 41,1kHz und in Joint Stereo vorliegen, ist ein wenig geschlampt worden. Die ersten 16 Tracks tragen eine andere ID als die folgenden 29. Bei der One-Track-Version gibt es dieses „Problem“ natürlich nicht.

_Mein Fazit:_

Das Experiment, eine neue Parallelreihe mit |Silber Editionen| zu starten, ist geglückt. Es ist keine Blasphemie, wenn Jacobs statt Tratnik zu hören ist, denn auch er versteht es, durch seine Vortragsart den Hörer zu fesseln, und schafft durch unterschiedliche Betonungen und Stimmmodulationen einen Wiedererkennungswert bei den Charakteren.

Eine etwa 7,5 Minuten lange Hörprobe bietet der Verlag [hier]http://www.einsamedien.de/MP3/hoerprobe__se74.mp3 an.

|MP3-Download mit ca. 215 MB Größe
Spieldauer der Lesung: 3:52 h
Sprecher: Tom Jacobs|
[perry-rhodan-shop.de]https://perry-rhodan-shop.de
[perry-rhodan.net]http://www.perry-rhodan.net

Hinweis: Die MP3-Fassung erscheint im November auch auf 2 CDs im Handel.

Stephen Hawking / Leonard Mlodinow – Der große Entwurf

Eine neue Erklärung des Universums versuchen die Autoren und Wissenschaftler Stephen Hawking und Leonard Mlodinow in ihrem neuen Buch zu geben. Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts? Warum existieren wir? Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes? Ohne Formelsammlungen und massivem Fachchinesisch erklären die beiden ihre Sicht der Welt in mikro- und makrokosmologischer Betrachtungsweise und richten sich dabei an den interessierten Laien, der nur geringe Vorkenntnisse und ein offenes Wesen braucht, um den Autoren folgen zu können.

Wer zwar interessiert genug ist, sich das Buch zu kaufen, aber mit dem Namen Leonard Mlodinow nichts anfangen kann, dem sei gesagt, dass auch Mlodinov Wissenschaftler im Bereich der Quantenmechanik ist und derzeit am California Institute of Technology als Gastdozent tätig. Einige Drehbücher für „Star Trek: The Next Generation“ hat er übrigens auch verfasst. Er war Hawkings Co-Autor bei „Die kürzeste Geschichte der Zeit“.

Relativ am Anfang des Buches stellen die Autoren fest, dass die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach allem nicht „42“ ist, was den Laien nicht verwundern dürfte, aber Douglas-Adams-Fans ein Lächeln auf das Gesicht zaubert.

Nicht verwunderlich ist es auch, dass die Kirche pauschal schon im Vorfeld der Veröffentlichung ihrer Bestürzung darüber Ausdruck verliehen hat, dass Hawking und Mlodinow in ihren Theorien behaupten, dass es nicht zwangsläufig eines Gottes bedarf, um ein Universum zu erschaffen. Wobei die beiden nicht behaupten, es gebe keinen Gott, lediglich, dass man niemanden brauche, der den ersten Dominostein anschubst, damit der Rest an seinen Platz fällt.

Der Aufbau des Buches ist so gewählt, dass der Leser nicht direkt mit den neuesten Erkenntnissen torpediert, sondern langsam an die Materie herangeführt wird. So beschreiben die Autoren auch eine Geschichte der Physik und deren Gesetze und vor allem deren Gesetzgeber, die sich im Laufe der Jahrhunderte, gar Jahrtausende die Klinken und Theorien in die Hand gegeben haben – vom Glauben der Urvölker in Afrika über Newton und Einstein bis hin zur M-Theorie. Letztere sei der beste Kandidat, um tatsächlich eine einzige Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach allem zu geben. Leider kann auch die M-Theorie derzeit noch nicht vollständig bewiesen werden und deshalb kommt das Wort „Theorie“ im Buch ebenso häufig vor wie das Wort „Gesetz“.

Unterstützt durch viele anschauliche Bilder und einige lustig gezeichnete Cartoons erklären Hawking und Mlodinow, dass die newtonschen Gesetze nicht unfehlbar sind, sich nicht zwangsläufig alles mit einem Gott im Hintergrund abspielen muss und dass die Naturgesetze immer weniger Gültigkeit haben, je kleiner die betrachteten Dinge werden. Auf Quantenebene verhält sich vieles nicht so, wie anfangs erwartet, und so mussten Quantenversionen der Naturgesetze gebildet werden. Diese beiden sich teilweise unterscheidenden und widersprechenden Gesetze doch unter einen Hut zu bringen, daran versucht sich die oben genannte M-Theorie.

Und so bekommt der Leser einen umfassenden Überblick darüber, wie früher und heute über die Entstehung des Universums gedacht wurde und wird, dass es jede Menge Paralleluniversen gibt und dass „Außerirdische, deren stammesgeschichtliche Entwicklung sich unter dem Einfluss von Röntgenstrahlen vollzog, gute Berufsaussichten beim Sicherheitsdienst von Flughäfen haben“ (S. 91).

Außerdem kommen gegen Ende des Buches dann die Steine des kirchlichen Anstoßes, dass nämlich die Multiversumstheorie zur Erklärung der Entstehung des Universums mit Darwins Evolutionstheorie verglichen werden kann, denn beide kommen ohne einen „gütigen Schöpfer“ aus.

Und irgendwo gibt es auch ein Universum, in dem die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach allem tatsächlich „42“ ist! Nur halt nicht in unserem. Das allerdings behauptet der Rezensent, nicht die Autoren.

Wer ist die Zielgruppe?

Wie anfangs schon erwähnt, richtet sich das Buch an interessierte Laien, die sich offen und unvoreingenommen anhören möchten, was Stephen Hawking und Leonard Mlodinow zu sagen haben. Sprachlich nicht abgehoben und vieles mit Beispielen in Wort und Bild erklärend, ist es nicht schwer, den Ausführungen zu folgen.

Ob der Leser nach der Lektüre für sich auch ausschließt, dass es zwangsläufig einen Gott geben muss, bleibt jedem selbst überlassen.

Mein Fazit:

Mir hat es Spaß gemacht, auf so lockere Art und Weise Wissen vermittelt zu bekommen. Die Sprache ist sympathisch leicht und nicht oberlehrerhaft. Hier und da lockert ein Scherz den Text im richtigen Maß auf, so dass sich das Buch nicht wie eine Lehrstunde an der Universität liest, bei der der Leser mit Fakten druckbetankt wird.

Mir wurde im Buch sogar eine Frage beantwortet, die ich schon lange hatte: Was war eigentlich vor dem Urknall? Falls auch Sie sich das schon einmal gefragt haben, die Antwort steht in „Der große Entwurf“.

Gebunden: 192 Seiten
Originaltitel: The Grand Design
Aus dem Amerikanischen von Hainer Kober
ISBN-13: 978-3-498-02991-3
www.rowohlt.de
www.hawking.org.uk

Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Justin Cronin – Der Übergang

Die Handlung:

Die sechsjährige Amy Harper Bellafonte, aus einer Affäre geboren, wird von ihrer Mutter weggegeben. Das FBI greift sich das Mädchen und setzt es zusammen mit einem Dutzend Schwerverbrecher einem Experiment mit einem Virus aus, das zur Unsterblichkeit führen soll. Das Experiment schlägt katastrophal fehl und die Welt wird ins Chaos gestürzt.

Es scheint, dass Amy die Einzige ist, die die Welt jetzt noch retten kann …

Mein Hör-Eindruck:

Das Buch hat 1024 Seiten, und auch die Hör-Ausgabe, trotz Kürzung, umfasst stattliche zehn CDs. Diese Größenordnung bin ich eher von ungekürzten Lesungen der „Harry Potter“-Romane oder „Perry Rhodan“ gewohnt. Aber offenbar wollte der Verlag dem Hörer etwas Gutes tun und nicht zu sehr streichen, aber auch nicht langweilen und jedes kleine Detail vorlesen lassen. Wobei ich mich das ein und andere Mal schon gefreut hätte, wenn (problemlos) um weitere Stunden gekürzt worden wäre, an Stellen, an denen die Geschichte nicht vorankommt und die Protagonisten nicht von der Stelle.

Der Sprecher

David Nathan entwickelt sich immer mehr zu einem meiner Favoriten. Selbst die über 40 Stunden „Die Arena“ von Stephen King mit ihm waren kurzweilig, weil er es perfekt versteht, seine Stimme leicht zu modulieren, wenn es vonnöten ist. Sei es, um verschiedenen Charakteren eine eigene wiedererkennbare Stimme zu verleihen, oder um Spannung aufzubauen. Hier merkt man, dass er als deutsche Synchronstimme von Johnny Depp und Christian Bale nicht nur Texte abliest, sondern die Szenen auch vor dem Mikro spielt. Umso glaubhafter sind das Ergebnis und das Erlebnis für den Hörer. Die Geschichte klingt erzählt und nicht nur vorgelesen.

Gestört hat mich immer mal wieder eine falsche englische Aussprache Nathans. Bei „Mardi Gras“ spricht der Amerikaner das „S“ nicht, und bei „New Orleans“ liegt die Betonung auf dem „O“, nicht auf auf dem „ea“. Das allerdings hätte die Aufnahmeleitung bemerken müssen.

Das Hörerlebnis

Abgesehen davon konnte ich mal langsam, mal schnell, dann wieder mit Vollbremsung, auch mit spontanem Zeitsprung und wieder mit blutiger Action, ein postapokalyptisches Amerika erleben, das von Vampiren bevölkert wird, die eigentlich keine sind, eher eine Art Zombie. Und das nicht nur, weil „Vampir“ heutzutage nicht mehr „N-o-s-f-e-r-a-t-u“ geschrieben wird, sondern „E-d-w-a-r-d“. Die Vampire aus „Der Übergang“ sind aus einem Virus entstandene Killer, da ist nichts Romantisches dran.

Eigentlich könnte man das Buch auch als eigenständigen Roman stehenlassen. Das Ende ist offen, was nicht verwundert, es ist ja auch Teil eins von drei, und es entsteht der Eindruck, als sei der Weg das Ziel und die Geschichte steuere nicht wirklich auf ein Ende zu. Dennoch könnte das (Hör-)Buch als Ende-zum-Nachdenken und Abschluss durchgehen.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob sich Cronin weiterhin lustig aus allem, was Rang und Namen hat, freizügig bedient, um seine Story weiterzuerzählen. Mich würde allerdings auch nicht wundern, wenn auch das dritte Buch kein wirkliches Ende hätte, und ob es happy ist, bleibt auch abzuwarten. Vielleicht sind die Hauptcharaktere um Amy (die eigentlich in „Der Übergang“ nur eine Nebenrolle spielt, auch wenn sie das Cover ziert und in der Verlagsinfo gern als Hauptperson dargestellt wird) am Ende des dritten Teils am Ozean ankommen, und es entstünde der tiefenpsychologisch wertvolle Dialog:

„Oh, guckt mal, der Ozean … wollen wir ’ne Runde schwimmen?“
„Ne, lasst mal wieder umdrehen.“
Ein paar fäkale Kraftausdrücke folgen.

Es ist halt ein Roadmovie in Buchform. Eine Geschichte, bei welcher der Weg das Ziel ist, auch wenn die Protagonisten etwas anderes behaupten.

Der zweite Teil wird 2012 erscheinen und den Titel „The Twelve“ tragen. Der letzte Teil „The City of Mirrors“ ist für 2014 geplant. Bereits vor dem Erscheinen von „Der Übergang“ verkaufte Cronin die Filmrechte an dem Buch an Fox 2000 für $1.75 Millionen. $3.75 Millionen gab es für den Autor vom Verlag für die gesamte Trilogie.

Die Verpackung – Das Booklet

In einer aufklappbaren Pappschachtel sind die zehn CDs der Lesung jeweils einzeln nochmals in Papphüllen verpackt. Das Booklet ist ein zweiseitiger Flyer, in dem das Gleiche steht, was auch auf der Rückseite der CD-Box zu lesen ist. Zusätzlich gibt es noch ein paar kurze Infos zu Autor und Sprecher.

Die düstere und abgewetzte Optik, die das Buch ziert, ist auch für das Cover der Lesung übernommen worden und passt gut zur Stimmung, die vermittelt werden soll. Die ganze Box sieht aus, als wäre sie schon eine Zeit lang unterwegs gewesen und hätte einiges hinter sich, genau wie die Protagonisten in der Geschichte.

Mein Fazit:

Wer postapokalyptische Erzählungen wie „The Road“ oder „I am Legend“ mag und wen es nicht stört, dass dieser Roman eine Reise ohne Abschluss ist und erst der erste von drei Teilen, der kann sich hier über 700 Minuten lang düster und teilweise actionreich-brutal unterhalten lassen. Nicht zuletzt, weil David Nathan wieder einmal gute Arbeit leistet, trotz der immer wieder eingestreuten Fäkalausdrücke. Aber dafür kann ja der Sprecher nichts. Scheiße aber auch.

10 Audio-CDs mit ca. 12,5 Stunden Spieldauer
Gesprochen von David Nathan
ISBN-13: 978-3-8371-0421-9
www.randomhouse.de/randomhouseaudio
www.der-übergang.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Thomas Thiemeyer – Der Palast des Poseidon (Chroniken der Weltensucher 2)

Die „Chroniken der Weltensucher„:

Band 1: „Die Stadt der Regenfresser“
Band 2: „Palast des Poseidon“
Band 3: „Der gläserne Fluch“
Band 4: „Der Atem des Teufels“
Band 5: „Das Gesetz des Chronos

Als Hörbuch erschienen lediglich die ersten drei Bände.

Die Handlung:

Im Mittelmeer verschwinden plötzlich Schiffe auf unerklärliche Weise, angeblich sei ein Seeungeheuer dafür verantwortlich. Carl Friedrich von Humboldt, der nach seinem Abenteuer in Peru unter die Freelancer gegangen ist, wird von einer griechischen Reederei beauftragt, mit seinem Team heraus zu finden, was hinter der ganzen Sache steckt. Und so macht er sich mit dem Schiff „Calypso“ auf die Reise, um über und unter Wasser nach der Ursache zu suchen.

Mein Hör-Eindruck:

Das Hörerlebnis

Ohne Musik, ohne Geräusche, ohne Vorankündigung der Art „Sie hören …“ geht es direkt los mit der Geschichte. Und nach den ersten Minuten hatte ich den Eindruck, als würde Dietmar Wunder mit angezogener Handbremse lesen oder davon ausgehen, dass der Hörer nur eine begrenzte Anzahl an Wörtern pro Minute verarbeiten kann. Dieses Gefühl legte sich zum Glück recht schnell wieder, als der Sprecher anfing zu zeigen, was er kann, und das ist so einiges.

Er kann auf jeden Fall auch schneller lesen, wenn es spannend und dramatisch wird. Er kann seine Stimmfarbe modulieren oder einen Berliner Akzent auflegen, wenn die Leute des niederen Volkes reden, und er kann leicht aufgesetzt klingen, wenn Carl Friedrich von Humboldt spricht. Ganoven, Frauen und Ausländer weiß er gekonnt unterschiedlich zu sprechen und der Wiedererkennungswert der Charaktere ist die ganze Zeit über gegeben.

Schon nach den ersten turbulenten Szenen hatte ich vergessen, dass ich anfänglich ein wenig Untermalung vermisst hatte. Im Nachhinein gesehen, kommt das Hörbuch auch gut ohne aus, denn Dietmar Wunder macht seine Arbeit wirklich gut und es dem Hörer durch seine Erzählweise wirklich schwer, das Hörbuch zu stoppen, wenn es mittlerweile zu spät zum Weiterhören oder man auf der Arbeit angekommen ist.

Die von den Charakteren empfundenen Emotionen vermittelt Wunder von träumerisch bis gemein genauso souverän wie entspannte und angespannte Situationen durch Anpassung der Lesegeschwindigkeit und Änderung der Stimmlage.

Auch wenn das Hörbuch ohne Geräusche und Musik gut auskommt, wäre für eine Fortsetzung eine dauerhafte Untermalung perfekt. Ein paar Windgeräusche, ein Meeresrauschen, ein wenig sanfte Musik im Hintergrund, und das Hörerlebnis wäre auch noch perfektes Kopfkino. Die einzigen „Spezialeffekte“, die es zu hören gibt, sind Pseudo-Funkgeräte-Stimmen und ein wenig Hall. Die Kollegen im englischsprachigen Ausland machen das schon eine ganze Weile so und steigern dadurch das Erlebnis noch mal um einiges.

Der Sprecher

Dietmar Wunder ist die deutsche Stimme von Adam Sandler, Jamie Foxx, Robert Downey Jr. und Daniel Craig. Dass er auch auf verschiedenen Theaterbühnen gespielt hat, kommt ihm bei dieser Produktion zugute.

Das Case – Das Booklet

Die CDs saßen ziemlich fest im Jewelcase und ich hatte Angst, dass ich entweder die Halterung oder aber die CDs beim Herausnehmen beschädige. Aber das ist bei Jewelcase-Boxen, die für mehrere CDs bestimmt sind, leider schon immer so gewesen.

Wenn man die CD-Trays umklappt, kommt ein schöner, altertümlich gezeichneter Kartenausschnitt einer Weltkarte zum Vorschein, der Griechenland und die umliegenden Meere zeigt. Das Cover des Booklets ziert das wunderschön gestaltete und gezeichnete Bild, das auch schon die Vorderseite des Buches bildet. Im Booklet ist der Inhalt der sechs CDs aufgeführt und man kann anhand der Namen der einzelnen Tracks leicht gesuchte Stellen in der Geschichte wiederfinden.

Dann folgt eine Seite mit Infos zu Thomas Thiemeyer und Dietmar Wunder und im Anschluss eine „Encyclopedia Humboldtica“. Diese erklärt alphabetisch sortiert dreizehn Begriffe aus und zu der Geschichte. Enthalten sind unter anderem Wörter wie „Roboter“, „Atlantis“, „Eiffelturm“ oder „Tesla, Nikola“.

Danach gibt es noch ein paar Seiten mit Werbung für andere Hörbücher des Verlags.

Mein Fazit:

Ein tolles Abenteuer für Fans der klassischen Jules-Verne- und Steampunk-Abenteuer, gelesen von einem, der es kann. Diese Lesung war für mich wie ein spannendes Buch, von dem man wirklich nur noch schnell dieses eine Kapitel zu Ende lesen will und dann aber auch wirklich aufhört, ganz ehrlich, versprochen. Ich hatte Mühe, mich zurückzuhalten, das ganze Abenteuer auf einen Schlag zu hören. Ab und zu musste ich leider aus der Welt von Carl Friedrich von Humboldt in meine eigene zurück.

Gekürzte Lesung auf 6 Audio-CDs mit ca. 450 Minuten Spieldauer
ISBN-13: 978-3-8337-2612-5
www.jumboverlag.de
www.weltensucher-chroniken.de
www.thiemeyer.de

Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Dave Duncan – Die Jägersschenke

Die „Omar„-Romane:

„Die Straße der Plünderer“
„Die Jägersschenke“

auch als Sammelband erschienen: „Omar, der Geschichtenerzähler“

Die Handlung:

Unglückliche Umstände verschlagen den Geschichtenerzähler Omar ziemlich durchgefroren in die „Jägersschenke“. Unglücklich deshalb, weil er hier im Sommer zuvor nicht nur die Zeche geprellt hat, nachdem er seine Speisen nicht bezahlen konnte, sondern auch noch den Hund des Wirts erschlagen.

Verständlicherweise möchte sich der Wirt nun rächen und Omar nackt zurück in den Winter schicken, da kommt Omar auf eine Idee. In einem Geschichtenwettbewerb will er im Wechsel gegen die anwesenden Gäste antreten und so lange seine Geschichten als die besseren anerkannt werden, darf er bleiben. Und so fängt Omar an, um sein Leben zu erzählen. (Veränderte Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Nachdem die 1992 und 1995 erschienen zwei „Omar“-Bücher bei uns bereits 2007 als Sammelband bei Otherworld veröffentlicht wurden, entschied sich Bastei Lübbe nun dazu, die beiden Romane „Die Straße der Plünderer“ und „Die Jägersschenke“ noch einmal separat als preiswerte Taschenbuchausgaben zu veröffentlichen. In beiden Büchern steht der Geschichtenerzähler Omar im Mittelpunkt und beide können auch einzeln gelesen werden, ohne die jeweils andere Geschichte zu kennen.

Die Gäste in der „Jägersschenke“, gegen die Omar antritt, sind vom Autor interessant gezeichnet und sehr unterschiedlich. Sechs Geschichten hat der Geschichtenerzähler zu erzählen und tritt dabei gegen einen Soldaten, eine Schauspielerin, einen Spielmann, einen Rechtspfleger, eine Zofe und einen Pferdehändler an.

Das klingt auf den ersten Blick nach einer Menge Abwechslung, allein auf Grund der unterschiedlichen Charaktere, aber leider erzählen sowohl die Gäste als auch Omar im Prinzip eine einzige große Geschichte um ein kriegerisches Königreich immer ein Stückchen weiter. Natürlich werden von Omar immer neue Details eingefügt und er schmückt seine Geschichten ein wenig mehr aus als seine Gegner … muss er ja auch, denn er will ja gewinnen und nicht nackt hinaus in die Kälte geschickt werden. Dennoch hätte ich von einem Geschichtenerzähler, der mit geschilderten Abenteuern handelt, nach dem Lesen des Klappentextes erwartet, dass er nicht einfach die Vorlage der anderen Gäste aufgreift und einfach nur weiter erzählt, sondern völlig eigenständige Geschichten zum Besten gibt. Hierfür fehlten dem Autor entweder die Ideen oder er sparte sie sich für andere Bücher auf.

Dennoch ist Omar ein Charakter, dem man als Leser (dem er ja nichts getan hat) nicht böse sein kann, wenn er wieder einmal die Wahrheit so hindreht, wie sie ihm zuträglich ist. Auch die Zeche hat er ja nie geprellt, er wollte ja bezahlen …

Interessant ist auch, dass der Roman keine einfache Sammlung von aneinandergereihten Geschichten ist, sondern sich auch in der Gruppe der Gäste mit zunehmender Zeit eine eigene Dynamik und Anspannung bildet. Natürlich ist Omar auch hieran nicht ganz unschuldig. Und so wird zwischen den Geschichten eifrig diskutiert.

Mein Fazit:

Der Roman über den liebenswerten Wahrheitsverdreher Omar lässt sich trotz der zum Genre passenden altertümlichen Sprache flüssig lesen. Sobald der Geschichtenerzähler in seinem Element war, stellte sich bei mir unweigerlich ein dauerhaftes Grinsen ein und ich wünschte ihm, dass er den Wettstreit gewinnen würde.

Ein Fantasy-Roman ohne Trolle, Oger, Elfen und Orks in den Hauptrollen, sondern ein Charakterroman, der seine Aufgabe erfüllt: er unterhält, und das gut. Der geneigte Leser kann anschließend wie schon erwähnt problemlos zum Vorgänger- oder Sammelband greifen.

Taschenbuch: 480 Seiten
Originaltitel: The Hunter’s Haunt (1995)
Aus dem Englischen von Michael Krug
ISBN-13: 978-3404206261
www.luebbe.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

 

Karl May – Der Schatz im Silbersee

Die Handlung:

Old Firehand ist auf der Reise zurück zum Silbersee, an dem er eine Silberader entdeckt hatte. Aber nicht nur er ist auf dem Weg dorthin, auch eine Gruppe von Tramps unter der Führung von Cornel Brinkley, der im Silbersee einen Schatz heben will.

Viele Kämpfe und Indianerüberfälle behindern die Reisenden, zu denen sich auch Winnetou und Old Shatterhand gesellen.

Mein Eindruck:

Eigentlich ist der Titel des Buches irreführend, denn eigentlich beschreibt der Großteil der Handlung den Kampf zwischen guten Cowboys (und teilweise auch Indianern) und bösen Tramps (und teilweise auch Indianern).

Immer wieder kommt es zu Konflikten und immer wieder werden neue Charaktere zum Handlungsstrang hinzugefügt. Das dient zum einen der Auflockerung, zum anderen fragt sich der Leser aber irgendwann, ob bei dem Roman der Weg das Ziel ist. Und auch die Namen der Protagonisten sind Karl-May-typisch lustig. Tante Droll, der gar keine Frau ist, sondern nur aufgrund seiner Kleidung so genannt wird, Hobble Frank, Der lange Davy, Der dicke Jemmy … allein schon beim Lesen der Namen formt sich ein schräges Bild im Kopf.

Die Charakterzeichnung ist sehr klar und strikt. Es gibt gute Menschen und schlechte Menschen. Bei Old Shatterhand und seinen Leuten bzw. der Gegenseite um Cornel Brinkley kann man leicht und schnell erkennen, wer hier gut und wer böse ist. Aber auch bei den Indianern gibt es nicht nur die Bösen, die überfallen, skalpieren und Ohren abschneiden, sondern auch die guten Timbabatschen. Die allerdings verraten die Guten und werden dann auch wieder böse.

Wer das Buch liest, weil er schnell herausfinden möchte, was es denn nun mit dem Schatz auf sich hat, der wird vielleicht etwas enttäuscht sein, weil er beim Lesen ständig von Kämpfen und Überfällen aufgehalten wird. Wer sich aber an die Seite von Old Shatterhand gesellt, den erwartet eine tolle und spannende Abenteuerreise mit jeder Menge Action. Allerdings ist die Action streckenweise sehr brutal beschrieben, denn die Indianer schneiden tatsächlich Ohren ab und lassen ihre Widersacher von Hunden zerfleischen.

Die Sprache – Die Rechtschreibung

„Der Text des vorliegenden Bandes folgt originalgetreu der ersten Buchausgabe von 1894“, steht noch vor der Inhaltsübersicht, und entsprechend ist die Rechtschreibung auch „alt“. Aufgelockert wird der Text durch immer wieder eingestreute englische Vokabeln wie „drink“ oder „behold“ oder auch „all devils“, was bei mir allerdings eher als eine Art „Guckt mal, das spielt wirklich im Wilden Westen … und alle reden auch wirklich Englisch!“ jedes Mal ein Grinsen hervorrief. Auch die Sprache des Romans ist dem Alter entsprechend authentisch.

Mein Fazit:

Ein zeitloser Klassiker, den man auch heute noch lesen kann. Denn ein Abenteuer bleibt ein Abenteuer, egal in welcher Zeit es spielt. Hauptsache es ist spannend erzählt. Und „Der Schatz im Silbersee“ ist eine spannende Erzählung.

Taschenbuch: 768 Seiten
Mit sämtlichen Illustrationen der ersten Buchausgabe von 1894,
einem Essay von Hans-Rüdiger Schwab zu dem Roman
und einer Zeittafel zu Leben und Werk von Karl May
ISBN-13: 978-3423138857
www.dtv.de

Dieses Buch gehört zur Reihe „Klassiker der Abenteuerliteratur“ von dtv:

Daniel Defoe: „Robinson Crusoe“
Jules Verne: „Reise zum Mittelpunkt der Erde“
Robert L. Stevenson: „Die Schatzinsel“
Karl May: „Der Schatz im Silbersee“
Jack London: „Lockruf des Goldes“ (Oktober 2010)

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Perry Rhodan – Brennpunkt Andro-Beta (Silber Edition 25)

_Die Handlung:_

|Im Jahr 2402 steht die Entscheidung bevor: Die Terraner stoßen nach Andro-Beta vor, jene Kleingalaxis im Vorfeld der großen Galaxis Andromeda. Dort wollen Perry Rhodan und seine Begleiter jene Gefahr bannen, die der Milchstraße durch die Meister der Insel und ihre Angriffe droht.

Mit seinem Raumschiff, der |CREST II|, unternimmt Perry Rhodan erste Erkundungsflüge in den absolut fremden Raum. Sie stoßen auf einen Moby, ein riesiges Lebewesen, das in der Lage ist, im Leerraum zwischen den Sternen zu existieren. In seinem Innern leben die geheimnisvollen Twonoser – ein Volk mit vielen Facetten.

Während die Terraner noch die ersten Kontakte knüpfen, erkennen die Herrscher über Andromeda, dass Fremde ihren Herrschaftsbereich betreten haben. Sie reagieren sofort – und Perry Rhodan kommt in Kontakt zu einem alten Volk, das er bereits kennt und über dessen Ursprünge er in der Fremde mehr erfährt …|
(Verlagsinfo)

_Das Hörbuch:_

25 Lesungen der „Perry Rhodan“-Silberbände gibt es mittlerweile. Welcher Fan hätte 2002 mit dem Erscheinen von „Die Dritte Macht“ erwartet, dass die Hörbuchversion der Silberbände tatsächlich so lange durchhalten würde?

Dies ist nicht zuletzt der Verdienst von Josef Tratnik, denn Hörbücher und insbesondere Lesungen stehen und fallen mit dem Sprecher. Tratnik erzählt wie immer souverän und enthusiastisch eine spannende Geschichte und klingt dabei wie bei der ersten Silber Edition. Ich habe keine Ermüdungserscheinungen feststellen müssen, denn Tratnik ist immer noch mit dem gleichen Eifer bei der Sache wie schon vor acht Jahren, als die erste Lesung erschien, auch wenn es mir in diesem Silberband im Vergleich zu den Vorgängern zu viel Gerede um die und mit den Mobys und zu wenig Action gab. Aber dafür kann ja der Sprecher nichts.

Der Stammhörer, und davon gibt es offenbar sehr viele, hört an jeder von Tratnik aufgelegten Stimmfarbe sofort, welcher Charakter gerade spricht, noch bevor es die Story verrät. Allein den Telepathen John Marshall liest er exakt so wie Perry Rhodan selber. Autoritär, selbstbewusst, mit kräftiger Stimme und manchmal leicht hektisch. Das könnte zu Verwirrungen führen, aber wenn die beiden aufeinandertreffen, dann verändert Tratnik die Stimme von Marshall leicht.

Gucky verursacht nach wie vor jedem Hörer einen Tinitus, weil der Kermit-Akzent in den Ohren schmerzt, wenn das Hörbuch mit Kopfhörern gehört wird. Hier wäre ein Meter Abstand vom Mikro angenehmer gewesen. Das Gleiche gilt auch für die Vertonung der Umweltangepassten. Diese Charaktere werden von Tratnik wie immer ins Mikro geschrien.

Ansonsten erwartet den Hörer wieder das ganze Spektrum aller Akzente, derer Tratnik mächtig ist, und die gewohnt ruhige und Ich-spreche-jetzt-so-tief-wie-ich-kann-Stimme von Icho Tolot.

Mit Musik und Ambient-Sounds wird mir immer noch zu vorsichtig umgegangen. Zwar ist mittlerweile hörbar mehr Untermalung da (auch wenn es teilweise nur ein nervender Dauerton ist) als noch zu Zeiten der „Dritten Macht“, aber es ist noch reichlich Raum für mehr Beiwerk vorhanden. Hier wünsche ich mir weiterhin eine Angleichung an amerikanische Standards. Bei den Lesungen der neuen amerikanischen „Star Wars“-Hörbücher ist immer etwas zur Geschichte Passendes im Hintergrund zu hören, was das ganze Geschehen wesentlich lebendiger macht.

|Die Bonus-CD und der Bonus-Sprecher|

Da Josef Tratnik nicht den ganzen Tag nur für „Perry Rhodan“ lesen kann und die (zahlungswilligen) Fans nach mehr Hörnachschub drängten, wird die Jubiläums-Geschichte „Helden im Ruhestand“ von Andreas Laurenz Maier gelesen. Diese Novelle, die auf einer Bonus-CD enthalten ist, wurde von Marc. A. Herren geschrieben und soll mit einem Augenzwinkern auf den neuen Plan des Verlages rund um Perry Rhodan hinweisen.

Maier ist den Abonnenten der wöchentlichen Heftlesungen der Erstauflage von „Perry Rhodan“ bereits bekannt und wird ab September im Wechsel mit Tom Jacobs, der ebenfalls zum Stamm der Sprecher der Heftlesungen gehört, einen parallel erscheinenden Silberband-Zyklus vorlesen.

Auch Maiers Leistung als Sprecher ist rundum überzeugend. Im Gegensatz zu Tratnik macht er teilweise längere Sprachpausen und legt ein wenig mehr Schauspiel in seine Darbietung, was der Geschichte einen Hauch mehr Lebendigkeit verleiht als dem Vortrag Tratniks. Dadurch wirkt die Erzählung sehr stimmungsvoll und manchmal auch dramatisch, auch wenn es sich um eine Humoreske handelt.

Auf jeden Fall ist Maier als Sprecher ein Gewinn für das Franchise, und Fans, die ihn von den Heftlesungen noch nicht kennen, brauchen keinen Qualitätsabbruch zu befürchten, nur weil der neue Parallel-Zyklus nicht von Josef Tratnik gelesen wird.

|Die „neuen“ Silber Editionen|

„Das Konzil“ besteht aus sieben Silberbänden, die jeweils in vier Teilen in dreiwöchigem Abstand parallel zu den Tratnik-Lesungen erscheinen sollen. Außerdem wird es diese Lesungen nicht mehr als Audio-CD-Boxen geben, sondern als MP3-Download und, nach Erscheinen des vierten und letzten Teils eines Silberbandes, auch als MP3-CD.

Die künftigen Lesungen mit Josef Tratnik wird es nach wie vor auch als schicke Pappboxen geben, die nebeneinander im Regal ein nettes Bild zeigen, das sich aus den Rändern der einzelnen Schuber zusammensetzt.

_Das Fazit:_

Perry-Rhodan-Hörbuch-Fans greifen hier eh zu und müssen nicht erst überzeugt werden, denn sie wissen mittlerweile, was sie bei einer Tratnik-Lesung erwartet. Die einzige Enttäuschung ist die lange Stille zwischen dem Ende des letzten Tracks und dem ersten von Silber Edition 26, die in drei Monaten erscheint.

Auch die Idee des Verlages, eine Bonus-Geschichte in diese Jubiläumsbox zu packen, wird gut ankommen und dient zeitgleich dazu, Werbung für den im September startenden neuen Parallel-Zyklus zu machen.

Bleibt mir und den anderen Fans nur zu wünschen, dass auch dieser Zyklus mit den „neuen“ Sprechern so gut ankommt und so lange durchhält wie die bereits laufende Serie.

|13 CDs in Papp-Klappbox, einzeln in Papphüllen verpackt
Spieldauer: ca. 14,5 Stunden („Brennpunkt Andro-Beta“) + 1 Stunde („Helden im Ruhestand“)
Gelesen von Josef Tratnik, Bonus-CD gelesen von Andreas Laurenz Maier
Booklet mit Vorwort zum Jubiläum, Cover der Einzelromane und einer Risszeichnung eines Raumschiffs der Twonoser
ISBN-13: 978-3939648796|
[www.einsamedien.de]http://www.einsamedien.de/
[perry-rhodan.net]http://perry-rhodan.net

Paul Melko – Die Mauern des Universums

Die Handlung:

Der frustrierte Highschool-Schüler John Rayburn bekommt eines Tages Besuch von John Rayburn, einem alternativen Ich aus einem Paralleluniversum. Dieser überlässt ihm ein Gerät, mit dem er nun selbst andere Paralleluniversen bereisen kann. Der Alternativ-John würde so lange seinen Platz einnehmen, bis John wieder da wäre.

Allerdings verschweigt Alternativ-John eine Kleinigkeit: Das Gerät hat einen Defekt und man kann nie mehr in sein altes Universum zurückkehren!

Auf seiner Reise durch die alternativen Welten trifft John andere Johns und versucht zu Geld zu kommen, indem er Dinge seines alltäglichen Lebens „erfindet“, die es in den anderen Welten nie gab. Und trotzdem er sich in einem neuen Universum verliebt und niederlässt, gibt er sein Vorhaben nie auf, das Gerät zu reparieren, um letztendlich doch wieder in seine eigene Realität zurückzukehren …

Mein Eindruck:

Zeitreiseabenteuer und Paralleluniversen faszinieren mich, seitdem ich das erste Mal „Die Zeitmaschine“ im Fernsehen gesehen habe.

Und nachdem ich dieses Buch gelesen hatte, habe ich mir gedacht: „Hey, eigentlich könntest du dir mal wieder ‚Sliders‘ ansehen!“. Denn die Ähnlichkeit zwischen der TV-Serie aus den 80ern und der Geschichte im Buch ist nicht abzustreiten. Auch das Team in der Serie „slidet“ von Paralleluniversum zu Paralleluniversum und versucht wieder nach Hause zu kommen.

Dennoch hat das Buch seinen eigenen Charme, wenn also auch die Grundidee nicht wirklich etwas Neues ist. Wer würde nicht die Chance wahrnehmen, in andere Realitäten zu reisen, um einfach mal zu schauen, wie es da so aussieht? Was ist anders? Was ist gleich? Sind alle, die ich kenne, auch in dem anderen Universum? Was ist aus meinem Alternativ-Ich in der anderen Welt geworden?

Okay, der Teil mit dem „es gibt kein Zurück“, der stört … aber der ist es auch, der das Buch spannend macht und den Leser bei der Stange hält. Einfach nur zuzuschauen, wie John von Welt zu Welt springt und neue alte Bekannte wiedertrifft, den Zauberwürfel erfindet und das Buch „Shining“ von Stephen King neu schreibt, weil es beides in seinem neuen Zuhause nie gegeben hat, ist interessant. Dennoch würde das recht schnell langweilig werden, weil der Roman dann zu einer schlichten Aufzählung verkommen würde.

Aber die Tatsache, dass John davon überzeugt ist, das Gerät reparieren zu können, um doch wieder in das Universum zurückzukommen, aus dem Alternativ-John ihn heraus getrickst hat, das ist interessant. Und so bleibt der Leser Seite für Seite am Ball und lässt sich von John mit auf die Reise nehmen, um Welten zu erleben, deren Geschichte anders verlaufen ist als seine … und unsere.

2006 gewann die dem Roman zugrunde liegende Geschichte „The Walls of the Universe“ den Asimov’s Readers Poll Award.

Fazit:

Ein Sciencefiction-Roman auch für Nicht-SciFi-Leser, da der Science-Anteil sehr gering ausfällt. Stattdessen eine interessante und spannende Was-wäre-wenn-Geschichte für alle, die gern einmal aus ihrem Alltag entfliehen wollen … und das nicht nur bis nach Mallorca.

Taschenbuch: 512 Seiten
Originaltitel:  The Walls of the Universe (2009)
Aus dem Englischen von Ulrich Thiele
ISBN-13: 978-3453526914
www.randomhouse.de/heyne
www.paulmelko.com

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Philip Sington – Das Einstein-Mädchen

Die Handlung:

Berlin 1932. Eine junge Frau wird im Wald bei Caputh bewusstlos, verletzt und halb nackt aufgefunden und in die psychiatrische Abteilung der Charité eingeliefert. Als sie aus dem Koma erwacht, kann sie sich an nichts erinnern, nicht einmal an ihren Namen. Bei ihr findet man nur einen Programmzettel von einem Vortrag Albert Einsteins.

Martin Kirsch, der zuständige Psychiater, ist fasziniert von diesem ungewöhnlichen Fall und entwickelt Gefühle für seine Patientin. Wer ist diese Frau? Gibt es eine Verbindung zu Einstein? Seine Nachforschungen führen ihn nach Zürich und bis nach Serbien. Währenddessen ergreifen in Deutschland die Nazis die Macht … (abgewandelte Verlagsinfo)

Mein Hör-Eindruck:

Da ich das Buch schon kannte und mochte, war ich gespannt darauf, ob der Sprecher es schaffen würde, die spannende Geschichte in echtes Kopfkino zu verwandeln, wie ich es schon bei vielen Lesungen erlebt habe. Leider hat das in diesem Fall nicht geklappt.

Puristisch und ohne jegliche musikalische Einleitungen oder Untermalungen wird der Text vorgetragen. Daher lag es einzig an den Sprechern, die passende Atmosphäre zu schaffen. Aber leider entstand in meinem Kopf bei den Monologen der beiden Sprecher lediglich das Bild eines Menschen, der auf sein Manuskript starrt und seinen Text runterliest.

Und es sind in der Tat zwei Sprecher. Das Hörbuch beginnt mit „Sie hören … das Einstein-Mädchen … von Philip Sington … gelesen von Torben Kessler … und Anna Carlsson“. Frau Carlsson wird es sicher nicht gefallen, dass sie außer an dieser Stelle keinerlei Erwähnung findet. Denn hinter der dritten CD, die durch einen Klecks Kleber, der sich auch auf die CD selber übertragen hatte und nur unter Schwierigkeiten zu entfernen war, standen lediglich ein paar Infos zu den beteiligten Verlagsangestellten, Herrn Kessler und dem Autor.

Wer also ein paar Infos haben möchte, der muss die ersten drei CDs des Hörbuchs herausnehmen, um an den Text zu gelangen, der darunter verborgen ist. Ein Booklet wäre an dieser Stelle wünschenswert gewesen. Ein Booklet gibt es aber dennoch, nur hat das nichts mit dem Hörbuch zu tun, sondern enthält Produktwerbung zu anderen Hörbüchern aus dem Verlag. Ein Flyer eher.

Die Sprecher

Torben Kessler hat Schauspiel studiert, wie der Hörer unter den CDs hatte lesen können. Leider ist davon während der Lesung wenig zu hören. Der Roman enthält nicht wirklich viele Charaktere, denen eine eigene Stimmfarbe gutgetan hätte. Leider schafft es der Sprecher teilweise nicht einmal, den Unterschied zwischen den Unterhaltungen und den Zwischensätzen herauszuarbeiten. Er variiert lediglich in der Sprechgeschwindigkeit und klingt manchmal etwas gehetzt dabei. Häufig macht er Sprechpausen dort, wo sie unnötig sind, und dehnt nötige unnötig lange aus. So entsteht im Allgemeinen ein unrundes und unruhiges Hörerlebnis.

Auch Anna Carlsson trägt im gleichen Stil vor. Wenig betont und abgelesen klingen ihre Auftritte während des Hörbuchs.

So formte sich in meinem Kopf kein spannender Kopfkinofilm, in dem ich gern verweilte, sondern das Bild von zwei Sprechern, die vor ihren Texten sitzen und ihre Arbeit machen.

Mit ein wenig mehr Enthusiasmus, mit ein wenig Einbeziehung der schauspielerischen Grundausbildung hätte man aus dieser Lesung das zum wirklich guten Roman passende Erlebnis zaubern können. Das haben die beiden Sprecher leider nicht geschafft.

Fazit:

Zu viel „Märchenonkel“ und zu wenig „Schauspiel“ ist in dieser Lesung. Da fehlte mir der Pfeffer. Ich wurde nicht mitgerissen, sondern im Schlafwagen vorsichtig vorangeschoben. Mit anderen Sprechern wäre das Erlebnis mit Sicherheit ein anderes geworden.

6 Audio-CDs mit ca. 7,5 Stunden Spieldauer
Gesprochen von Torben Kessler und Anna Carlsson
ISBN-13: 978-3898139489
www.der-audio-verlag.de

Der Autor vergibt: (2/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Robert Louis Stevenson – Die Schatzinsel

Die Handlung:

Der junge Jim Hawkins gerät an eine Schatzkarte und bildet mit seinen Freunden Dr. Livesey und Squire Trelawney sofort ein Expeditionsteam, um den verborgenen Schatz des Piratenkapitäns Flint zu finden, den er auf einer Insel vergraben hat. Doch die frühere Piratenmannschaft Flints ist ebenfalls hinter dem Gold her und heuert unerkannt auf dem Expeditionsschiff an. Auf der Insel angekommen, beginnt der Kampf der Piraten gegen den Rest der Besatzung um den begehrten Schatz. (veränderte Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Und wieder hat sich der Verlag ein tolles Buch ausgesucht, um es im Rahmen der „Abenteuerklassiker“-Reihe neu aufzulegen. Auf jeder Seite spürt man die Begeisterung des Autors für das Reisen und für Abenteuer. Diese überträgt sich nahtlos auf den Leser, der schnell von der Geschichte gefesselt ist.

Der Autor hält sich und den Leser nicht lange und schon gar nicht langweilig mit ausschweifenden Erklärungen auf, sondern beginnt direkt geheimnisvoll mit den Umständen, durch die Jim in den Besitz der Schatzkarte gerät.

Einzig der Kampf zwischen den Piraten und der Schiffsführung auf der Insel treibt zum schnelleren Lesen an. Schließlich will der Leser ja erfahren, ob es tatsächlich einen Schatz gibt. Wie und wo, und vor allem von wem er tatsächlich gefunden wird, ist interessant gelöst und spannend erzählt. Und das Ganze ohne Vampire, Werwölfe, Drachen und Zauberer. Ob das allerdings ein Verkaufsargument für die jüngere Zielgruppe ist …

Die Rechtschreibung

Leider hat der Verlag auch in diesem Teil seiner „Abenteuer“-Reihe wieder auf eine alte Übersetzung und entsprechend alte und mittlerweile falsche Rechtschreibung zurückgegriffen. Und selbst das Nachwort ist nicht neu, sondern stammt aus dem Jahr 2000.

Aus diesem Grund allein schon eignet sich auch dieser Teil nicht für den Schulunterricht.

Die Fortsetzung

Unter dem Titel „Jim Hawkins und der Fluch der Schatzinsel“ ist übrigens 2005 eine „Fortsetzung“ erschienen. Francis Bryan beschreibt hier, wie Jim Hawkins sich doch noch einmal auf den Weg in die Südsee macht.

Mein Fazit:

Eine spannende Geschichte, die um eine simple Grundidee gestrickt ist, aber einfach Spaß macht. Ein zeitloses Abenteuer für Leser jeden Alters.

Taschenbuch: 256 Seiten
Originaltitel: Treasure Island (1883)
Aus dem Amerikanischen von Richard Mummendey (1962)
Mit einem Nachwort von Uwe Böker (2000) und einer Zeittafel zu Leben und Werk des Autors
ISBN-13: 978-3423138840
www.dtv.de

Dieses Buch gehört zur Reihe „Klassiker der Abenteuerliteratur“ von dtv:

Daniel Defoe: „Robinson Crusoe“
Jules Verne: „Reise zum Mittelpunkt der Erde“
Mark Twain: „Tom Sawyers Abenteuer“
Robert L. Stevenson: „Die Schatzinsel“
Karl May: „Der Schatz im Silbersee“ (September 2010)
Jack London: „Lockruf des Goldes“ (Oktober 2010)

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Philip Sington – Das Einstein-Mädchen

Die Handlung:

Berlin 1932. Eine junge Frau wird im Wald bei Caputh bewusstlos, verletzt und halb nackt aufgefunden und in die psychiatrische Abteilung der Charité eingeliefert. Als sie aus dem Koma erwacht, kann sie sich an nichts erinnern, nicht einmal an ihren Namen. Bei ihr findet man nur einen Programmzettel von einem Vortrag Albert Einsteins.

Martin Kirsch, der zuständige Psychiater, ist fasziniert von diesem ungewöhnlichen Fall und entwickelt Gefühle für seine Patientin. Wer ist diese Frau? Gibt es eine Verbindung zu Einstein? Seine Nachforschungen führen ihn nach Zürich und bis nach Serbien. Währenddessen ergreifen in Deutschland die Nazis die Macht … (abgewandelte Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Anfängliche Verwirrung

Alles beginnt mit einem Brief an eine „Elisabeth“, in dem der namenlose Absender ihr ein ebenso namenloses Buch übersendet, mit der Bitte um eine Veröffentlichung nach seinem Tod.

Dann folgen wir Alma Siegel, die im Mai 1933 auf der Suche nach ihrem verschwundenen Verlobten, dem Psychiater Martin Kirsch, ist. Ob der Brief, den wir gerade vorher gelesen haben, irgendetwas mit den beiden zu tun hat, oder ob er in der Zukunft, der Gegenwart oder der Vergangenheit dieses Handlungsstrangs angesiedelt ist, erfährt der Leser nicht. Lediglich, dass Kirsch vor seinem Verschwinden der behandelte Arzt des „Einstein-Mädchens“ war. Sie hatte ihren Namen von der Presse verliehen bekommen, nachdem bekannt wurde, dass man neben ihrem Fundort im Wald einen Programmzettel einer Veranstaltung gefunden hatte, an der auch Albert Einstein teilgenommen hatte.

Eine Rückblende führt den Leser jetzt in den Oktober 1932. Hier erfahren wir mehr über die Differenzen, die Kirsch mit den brutalen und mittelalterlich anmutenden Praktiken bei der Behandlung der Patienten durch seinen Kollegen Dr. Mehring hat. Als das „Einstein-Mädchen“ eingeliefert wird, erinnert sich Kirsch, dass sie sich bereits vorher kurz getroffen hatten und sie ihm erzählt hatte, dass ihr Name „Elisabeth“ sei. Mit fortschreitender Genesung aber gibt sie an, dass sie Mariya heiße.

Ein Psychiater auf Reisen

Fasziniert von dieser Frau, will Kirsch ihrem Geheimnis auf den Grund gehen und findet in ihrer Wohnung ein Notizbuch mit komplexen mathematischen Berechnungen. Diese Art von einsteinschen Berechnungen anzustellen, sei laut Professor Max von Laue nur zwei Frauen auf dieser Welt möglich: Marie Curie und Mileva Maric, der ersten Frau von Albert Einstein.

Kirsch macht sich auf den Weg nach Zürich und besucht Mileva Maric. Jetzt stellt sich die Frage, ob Mariya „Elisabeth“ vielleicht sogar die verlorene Tochter von Maric und Einstein sein könnte.

Die Komplexität

Die Handlung des Buches ist tiefgründiger und komplexer, als man es von einem Plot, den man mit einem Satz beschreiben kann, vermuten würde: „Ein Psychiater erforscht die Vergangenheit eines Mädchens, das sein Gedächtnis verloren hat.“ Aber so einfach ist das Ganze nicht, und das ist auch gut so, sonst wärs ja auch langweilig.

Der Autor versteht es, das Leben und Leiden in und um die Stadt Berlin in den 1930er-Jahren so intensiv zu beschreiben, dass der Leser das Gefühl hat, selbst dort zu sein. Als Kirsch dann in Zürich ankommt, atmet der Leser durch, weil er den Unterschied zwischen den Städten förmlich fühlen kann.

Die Hauptcharaktere, besonders Martin Kirsch, und deren Motivation sind scharf gezeichnet und der Leser kann mit ihnen mitfühlen, wenn er sich auf den Zwiespalt zwischen Genie und Wahnsinn (oder Wahnvorstellung) einlassen möchte. Die Handlungsstränge sind interessant und spannend erzählt, so dass keine Langeweile aufkommt, auch wenn der Roman kein echter Page-Turner ist. Das Setting ist düster und beklemmend. Deutschland war zu jener Zeit kein Sonnenstaat, und das ist auch zu spüren. Die „Behandlungsmethoden“ einiger Ärzte waren schlichtweg Verbrechen und lassen den Leser wütend werden. Kirsch entwickelt sich zum Sympathieträger, dessen Schicksal schließlich ebenso interessant wird wie das des „Einstein-Mädchens“.

Fazit:

Die Idee zu dem Buch entstammt dem tatsächlichen Schriftwechsel zwischen Albert Einstein und Mileva Maric. Sington hat ihn zum Grundstein für einen spannenden Roman werden lassen, der teilweise etwas viel Technobabble enthält, aber dennoch nicht abgehoben wirkt. Das Ganze ist zudem in einem ungewöhnlichen Setting angesiedelt und bereitet dem Leser so eine gute Unterhaltung.

Taschenbuch: 464 Seiten
Originaltitel: The Einstein Girl (2009)
Aus dem Englischen von Sophie Zeitz
ISBN-13: 978-3-423-24783-2
www.dtv.de

Mark Twain – Tom Sawyers Abenteuer

Die Handlung:

Tom Sawyer, der Archetyp des Lausbuben, erzählt dem Leser seine Erlebnisse. Er bringt andere Jungs dazu, für ihn einen Zaun zu streichen und in der Sonntagsschule erschummelt er sich eine neue Bibel. Als er und sein Freund Huckleberry Finn auf dem Friedhof aber Zeuge eines Mordes durch Indianer-Joe werden, schwören die beiden, nie etwas über das Gesehene zu verraten und fliehen auf eine Insel, um fortan als Piraten zu leben.

Und das war erst der Anfang der Abenteuer von und mit Tom Sawyer. Es geht spannend weiter und am Ende wartet sogar noch ein echter Schatz und ein Showdown mit Indianer-Joe …

Mein Eindruck:

So sollte ein Abenteuerroman sein. Spannend, lustig, ohne großartige und meist langweilige Beschreibungen von Dingen, die Abenteuer-Fans eh nicht interessieren. Hier wird in kurzen Kapiteln episodisch auf die Abenteuer von Tom Sawyer geblickt, in dem sich jeder Junge und Junggebliebene entweder selber wiedererkennt oder sich gern wiedererkennen würde, weil er Tom einfach für sein unbeschwertes Leben beneidet.

Fängt das Buch noch als eine Art Kurzgeschichtensammlung an, die man ohne Probleme auch in nicht-chronologischer Reihenfolge lesen könnte, da die Ereignisse unabhängig voneinander sind, so ändert sich das nach dem Erlebnis auf dem Friedhof. Ab jetzt gibt es einen roten Faden, der sich um Indianer-Joe wickelt, der am Ende auch das bekommt, was der Leser ihm schon lange wünscht.

Die Sprache, in der das Buch geschrieben ist, ist flüssig zu lesen, da sie erfrischend einfach gehalten ist. So, wie ein Junge im 19. Jahrhundert am Mississippi eben geredet hat. Und da stört auch der heute als politisch nicht korrekt betrachtete „Neger“ nicht, denn so nannte man Afro-Amerikaner zu der Zeit halt. Auch werden sie weder herablassend noch sonst wie anders beschrieben als alle anderen Akteure des Buches.

Die Rechtschreibung

Der Verlag hat sich zwar die Mühe gemacht und stellt ans Ende des Romans ein längeres Nachwort von Rudolf Beck und eine interessante Zeittafel zu Leben und Werk von Mark Twain, übernimmt aber leider nicht die Neue Rechtschreibung. Das wirkt gerade für jüngere Leser sicher irritierend, besonders bei den Klassikern wie dem „daß“.

Mein Fazit:

Ein absolut zu empfehlender Klassiker, der zeitlos immer wieder aus dem Bücherregal geholt werden kann und junge und junggebliebene Leser gleichermaßen anspricht.

Taschenbuch: 304 Seiten
Originaltitel: The Adventures of Tom Sawyer (1876)
Aus dem Amerikanischen von Lore Krüger (2005)
ISBN-13: 978-3423138833
www.dtv.de

Dieses Buch gehört zur Reihe „Klassiker der Abenteuerliteratur“ von dtv:

Daniel Defoe: [„Robinson Crusoe“
Jules Verne: [„Reise zum Mittelpunkt der Erde“
Robert L. Stevenson: „Die Schatzinsel“ (August 2010)
Karl May: „Der Schatz im Silbersee“ (September 2010)
Jack London: „Lockruf des Goldes“ (Oktober 2010)

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Gesa Schwartz – Das Siegel des Feuers (Grim 1)

Diese Rezension stammt von Nadine Warnke

Handlung

Der Pariser Gargoyle Grim ist ein Schattenflügler und untersteht der OGP, der obersten Gargoyle-Polizei. Er hat dafür zu sorgen, dass die steinernen Gesetze des GBG (Gesetzbuch der Gargoyles) eingehalten werden. Oberstes Gesetz ist, dass kein Mensch je von der Anderwelt erfahren darf. Nach einem verheerenden Krieg wurden die Welten von einander getrennt und die Menschheit mit einem Vergessenszauber belegt. Wenn es passiert, dass ein Mensch Kenntnis über die Anderwelt erlangt, muss diese Erinnerung gelöscht werden.

Eines Abends wird Grim Zeuge, wie seine Mentorin Moira einem Menschen ein Paket überreicht. Voll Zorn stellt Grimm Moira zur Rede, und diese versucht ihm zu erklären, warum dies nötig war. Grim ist allerdings so in den Regeln des GBG gefangen, dass er ihr nicht richtig zuhört und auch nicht verstehen will. Sie nimmt ihm trotzdem noch das Versprechen ab, den Jungen Jacob zu beschützen. Tags darauf wird er Zeuge, wie Moira ihrem langen Leben ein Ende setzt. Nach diesem Schock macht er sich auf nach Ghrogonias, um den Leiter der OGP, Mourier, den Tod Moiras zu melden.

In letzter Zeit kommt es bei den magischen Geschöpfen der Anderwelt zu brutalen Morden, bei denen nur höhere Geschöpfe, die über viel Magie verfügen, regelrecht abgeschlachtet werden. Dieses beunruhigt die Gargoyles sehr und sie versuchen den Schuldigen dingfest zu machen. Um das Volk zu beruhigen, werden in regelmäßigen Abständen Hybriden, Mischwesen aus Mensch und Gargoyle, der Morde beschuldigt und hingerichtet. Die Gargoyles haben die Hybriden versklavt und verachten diese Mischwesen.

Wenige Menschen, sogenannte Hartidien – Seher des Möglichen – sind in der Lage, Wesen aus der Anderwelt als solche zu erkennen, und tragen Magie in sich. Dazu gehört auch Jacob, der von Moira das Paket bekam. In diesem befindet sich ein geheimnisvolles Pergament, das mit dem Siegel des Feuers verschlossen ist. Seine Schwester Mia, die gerade, als sie den Grabstein ihres Vaters malen wollte, ein Erlebnis hatte, das sie sehr verängstigte, besucht Jacob, um ihm davon zu berichten. Er erkennt, dass auch sie die Gabe der Hartidien besitzt, und erklärt ihr so manches. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in die Anderwelt, die Jacob Mia zeigen will.

Als sie in Ghrogonias angekommen sind, werden sie Zeuge einer der Hinrichtungen der Hybriden. Auch Grim ist anwesend und entdeckt die beiden Menschen und verfolgt diese. Auf der Flucht versteckt Mia sich und befreit einen Hybriden von seiner magischen Fessel. Jacob versucht unterdessen, die Gargoyles abzuschütteln. Als er meint, dies sei gelungen, flieht er mit Mia wieder nach Paris. Leider ist es ihm allerdings nicht gelungen, die Gargoyles abzuschütteln, nein, es sind sogar noch mächtigere dazugekommen, die Jacob und Mia weiter verfolgen. Nachdem Jacob Mia in Sicherheit gebracht hat, versucht er, die Wesen abzuschütteln.

Grim, der sich an sein Versprechen Moiras gegenüber erinnert, versucht Jacob zu schützen. In einem dunklen Tunnel sieht er sich Jacobs Verfolgern gegenüber und erkennt, dass diese keine Gargoylen sind. Sie verfügen über sehr starke Magie, der Grim nicht viel entgegenzusetzen hat. Er kann sie jedoch kurz aufhalten und Jacob gelingt die Flucht.

Mia, die wieder bei ihrer Mutter und ihrer Tante ist, versucht ihre Mutter zu beruhigen, da Jacob sich seit Tagen nicht gemeldet hat. Diese hat große Angst um ihren Sohn, lässt sich dann aber von Mia und ihrer Tante beruhigen. Als Mia in ihrem Zimmer ist, erhält sie einen Anruf von Jacob, der sie dringend sehen will. Sogleich macht sie sich auf den Weg zu dem ihr genannten Treffpunkt. Jacob erwartet sie dort schon und überreicht ihr das geheimnisvolle Pergament. Er befindet sich immer noch auf der Flucht, und das Paket ist bei ihm nicht mehr sicher. Sie verabreden, sich in drei Tagen am Eiffelturm zu treffen, dann küsst er sie und taucht wieder unter.

Zur verabredeten Zeit wartet Mia am Eiffelturm, aber Jacob erscheint nicht. Sie geht wieder nach Hause und muss dort erfahren, dass man die Leiche ihres Bruders gefunden hat, eingewickelt in einen Mantel, der, wie sie erkennt, nicht Jacob gehört hat. Als sie auf seiner Beerdigung noch lange am Grab stehen bleibt, kommt plötzlich ein Schwarm Hybriden, der sie einkesselt. Grim, der ebenfalls am Friedhof ist, rettet Mia und beschließt, mit ihr das Rätsel um das Pergament zu lösen …

_Kritik_

Mit „Grim – Das Siegel des Feuers“ hat Gesa Schwartz einen fantastischen Debütroman im Genre der Urban-Fantasy verfasst.

Gleich zu Beginn des Romans wird der Leser in die Geschehnisse katapultiert. Die Autorin hält sich nicht lange mit Erklärungen rund um Grim und die Anderwelt auf, sondern lässt den Leser direkt am Geschehen teilhaben. Schnell findet er sich in der ersten actionreichen Szene wieder.

Durch Mia und ihrem Bruder lernt der Leser dann die Anderwelt und erste Bewohner genauer kennen. Jakob, der die Anderwelt nun schon etwas länger kennt, erklärt Mia (damit auch dem Leser) die Begebenheiten und Wesen, die in dieser leben.

Durch den lebendigen Stil der Autorin lebt man die Geschichte quasi mit. Gesa Schwarz versteht es, Spannung, aber auch Freunde und Leid so zu schildern, dass man mit den verschiedenen Charakteren mitfühlt. Erzählt wird „Grim“ aus der Perspektive eines Beobachters, der zwischen den einzelnen Figuren wechselt. Dies ist keineswegs störend, sondern sorgt für ein stimmiges Bild.

Die Protagonisten hat die Autorin keinesfalls einseitig beschrieben, diese sind, ob nun Held oder Bösewicht, so facettenreich, dass sie sehr glaubwürdig wirken. Grim, nach außen „stein“-hart, verbirgt doch einen weichen Kern, den er mit seinen Sprüchen zu verbergen weiß.

Mia beweist mit ihren gerade mal siebzehn Jahren schon eine Menge Mut und Verstand. Auch der Bösewicht ist in seinem Wesen so beschrieben und seiner Art die Ghrogoniaer zu überzeugen, dass man als Leser nicht immer voll überzeugt ist, dass er Böses will. Auch die Nebendarsteller sind nicht zu kurz gekommen; diese wurden ebenfalls mit Stärken und Schwächen ausreichend versehen. Besonders Grims Gefährte, der Kobold Remis, bringt dabei noch eine gute Portion Humor mit ein.

Fazit

Die Autorin Gesa Schwartz hat mich mit ihrem Erstlingswerk „Grim“ sofort in den Bann gezogen. Die knapp 700 Seiten waren viel zu schnell ausgelesen, und in keinem Moment kam Langeweile auf, da der Spannungsbogen nie zu tief in Erklärungen abfiel. Diesen Roman, der sich von Thema so gänzlich von der momentanen Fantasy-Welle abhebt, kann ich nur allen Fantasy-Begeisterten ans Herz legen.

Autorin

Gesa Schwartz wurde 1980 in Stade geboren. Sie hat Deutsche Philologie, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache studiert. Ihr besonderes Interesse galt seit jeher dem Genre der Phantastik. Nach ihrem Abschluss begab sie sich auf eine einjährige Reise durch Europa auf den Spuren der alten Geschichtenerzähler. Sie lebt in der Nähe von Hamburg.

Gebundene Ausgabe: 677 Seiten
ISBN-13: 978-3-8025-8303-2
www.egmont-lyx.de
www.gesa-schwartz.de

Sebastian Fitzek – Der Augensammler

Die Handlung:

Der Unterhändler der Polizei, Alexander Zorbach, zerbricht an einem Fall, bei dem er eine Frau erschießt. Fortan ist er für die Presse tätig und befasst sich mit dem „Augensammler“. Der zerreißt Familien, in dem er die Mutter tötet, das Kind entführt und dem Vater eine Frist von 45 Stunden und sieben Minuten setzt, um es lebend zu finden. Falls er das nicht schafft, findet er das Kind tot und mit herausgetrenntem linken Auge.

Dann trifft Zorbach auf eine blinde Physiotherapeutin, die behauptet, die Vergangenheit von Menschen sehen zu können und wird von der Polizei verdächtigt, selber der „Augensammler“ zu sein, da seine Brieftasche an einem der Tatorte gefunden wurde …

Mein Eindruck:

Das gesamte Buch ist im Prinzip ein langer Countdown. Und so ist es auch aufgebaut. Sprich, es fängt mit dem Epilog an, zählt die Kapitel rückwärts runter und endet mit dem Prolog. Das ist ein netter Gag, zumal ich erst befürchtet hatte, ich müsste mir die Handlung in umgekehrter Reihenfolge merken, aber dem war zum Glück nicht so, denn die Handlung schreitet chronologisch voran. Das Herunterzählen der Seiten soll wohl der Spannung dienen und dem Leser symbolisieren, dass es auf das Ende zugeht, das eigentlich auch wieder ein neuer Anfang ist.

Das Buch beginnt mit dem Grund für das Ende der Polizei-Karriere von Alexander Zorbach und endet mit dem Wissen darum, dass der „Augensammler“ nicht nur mit seinen Opfern, sondern auch mit Zorbach gespielt hat und auch weiterhin spielt, denn das Ende, oder halt der Anfang, bleibt offen – ein neuer Countdown wird gestartet, und der gilt Zorbach.

Nach dem leicht schleppenden und sich ziehenden Anfang des Buches, bei dem sich der Leser fragt, wann denn nun endlich die Action mit dem und um den „Augensammler“ losgeht, nimmt die Handlung dann auch Fahrt auf.

Bei der Suche nach dem Täter wird Zorbach von der ihm durch den „Augensammler“ zugeführten blinden Physiotherapeutin Alina Gregoriev unterstützt. Das ist aber nur ihr Künstlername. Wie sie tatsächlich heißt, erfährt der Leser nicht. Und das bringt mich auch schon zu den Dingen, die der Leser nicht erfährt, und den Dingen, die ihm vom „Augensammler“ selber vorgesetzt werden. Der schreibt nämlich im Laufe des Buches E-Mails an die Presse, in denen er seine Motive komplett darlegt und somit alles erklärt, was sich Interessantes im Buch zugetragen hat. Sprich, eigentlich könnte man sich das Lesen des Buches komplett sparen. Allein die E-Mails klären alles auf, denn sowohl die Polizei als auch Zorbach tappen komplett im Dunkeln.

Nicht nur erklärt der „Augensammler“, warum er die Augen heraustrennt, was es mit den 45 Stunden und sieben Minuten auf sich hat, warum er die Mütter tötet, sondern auch, warum er den Verdacht auf Zorbach gelenkt hat. Bis hin zu dem Grund, warum er nach Abschluss des Buches nun mit Zorbach spielen wird.

Nichts bis wenig hingegen erfährt man über die Frau, ohne deren Visionen eigentlich gar nichts passieren würde. Denn der „Augensammler“ sagt zwar, dass er spielt und sogar seinen „Spielern“ hilft, aber ohne die blinde Physiotherapeutin würde in dem Buch gar nichts laufen. Erst im Nachhinein wird klar, welches die sehr spärlichen „Hilfen“ waren, die der „Augensammler“ hinterlassen hat, die aber keiner zu deuten wusste.

Auch wer der „Augensammler“ ist, der sich natürlich gegen Ende des Buches in der letzten E-Mail mit Namen vorstellt, ist nicht wirklich umwerfend weit hergeholt.

So hinterlässt mich das Buch zweigeteilt. Auf der einen Seite fand ich die Jagd sehr spannend und auch die Idee, eine blinde Physiotherapeutin als einzigen echten Info-Lieferanten zu verwenden, ist schon interessant. Eigentlich müsste das Buch auch „Alinas Visionen“ heißen, denn nur sie werden von Zorbach verfolgt, weil er keine anderen Hinweise hat. Die Polizei, wie gesagt, weiß noch weniger. Auf der anderen Seite wird schnell klar, dass der „Augensammler“ nie gefasst werden wird, und das reine Zusehen dabei, wie er mit Zorbach spielt, ist daher streckenweise unspannend. Niemand weiß irgendwas, und das würde auch so bleiben, wenn es nicht die E-Mails gäbe.

Dennoch ist das Buch sehr fesselnd geschrieben. Bis auf den langsamen Start bleibt es durchgehend spannend, und ich hatte es wesentlich schneller durchgelesen als viele andere Bücher. Eine Spur zu widerwärtig für meinen Geschmack fand ich allerdings die Beschreibung der in Plastikfolie eingewickelten Frau, die lebendig verfault. Die hätte man getrost komplett streichen können, da sie weder mit den Entführungen noch mit den fehlenden Augen etwas zu tun hat.

Mein Fazit:

Wer bei Filmen der „Saw“-Reihe nicht wegschaltet, der wird hier spannend unterhalten. Zartere Gemüter können die „ekligen“ Szenen getrost überschlagen, verpassen dadurch nichts und haben auch so ihren Spaß.

Gebundene Ausgabe: 442 Seiten
ISBN-13: 978-3426198513
www.droemer-knaur.de
www.sebastianfitzek.de

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Perry Rhodan – Die Para-Sprinter (Silber Edition 24)

_Die Handlung:_

Die Maakhs dringen mit einem Raumschiff in die Milchstraße ein und wollen mittels einer Impulsweiche weitere Schiffe unbemerkt in den Bereich des Solaren Imperiums einschleusen. Das sollen die im Vorgängerband „Die Maakhs“ duplizierten Agenten der Terranischen Abwehr ermöglichen. Rakal und Tronar Woolver sollen dies verhindern. Die beiden Brüder sind Mutanten, von denen bislang nur Atlan etwas wusste. Sie haben die Gabe, jede Energieform als Transportmittel zu benutzen.

So infiltrieren sie das Schiff der Maakhs, wobei Tronar entdeckt und auch dupliziert wird, doch dabei löst er sich auf. Seine Kopie, der Duplo, weiß allerdings nicht, dass sein Original ein Mutant ist, geschweige denn, dass er einen Zwillingsbruder hat. Deshalb schlägt auch der Versuch der Maakhs fehl, ihn bei den Terranern einzuschleusen. Rakal Woolver übernimmt seinen Platz und sabotiert den Plan, die Impulsweiche zu benutzen. Der Duplo stirbt und der tot geglaubte Tronar erscheint wieder.

Nachdem die Maakhs gescheitert sind, sieht der Kommandant des Schiffs, Grek-1, keinen Grund mehr, seinen Auftraggebern, den geheimnisvollen „Meistern der Insel“, weiter zu dienen. Er schlägt sich auf die Seite Perry Rhodans.

Nun tauchen die Akonen vor dem Sonnentransmitter auf und verlangen seine ungehinderte Benutzung. Perry Rhodan gestattet dies, um einen Krieg zu verhindern. Außerdem bittet auch Grek-1, der offenbar ein persönliches Interesse daran hat, die Akonen durchzulassen.

Nachdem die Akonen den Sonnentransmitter durchflogen haben, werden sie von einer Übermacht an Maakh-Raumern angegriffen und vernichtet. Rhodan flüchtet aus der Kampfzone und findet im Schrotschuss-System einen weiteren Sonnentransmitter, der von den „Meistern der Insel“ nicht mehr genutzt wird.

Hier fasst er den Plan, einen großen Asteroiden, der den Namen „Troja“ bekommt, auszuhöhlen, mit Superschlachtschiffen zu bestücken und eigenem Antrieb zu versehen, um ihn als „Trojanisches Pferd“ durch den Sonnentransmitter in die Klein-Galaxie „Andro-Beta“ zu schicken. Dort soll dann ein weiteres Standbein auf dem Weg nach Andromeda und zu den „Meistern zu Insel“ geschaffen werden.

Perry Rhodan gelingt mit seinen Verbündeten das unbemerkte Eindringen in das System. Bei dem Versuch, sich von dem dort vorgefundenen und bewachten Justierungsplaneten zu entfernen, wird „Troja“ vom einem „Moby“ verschlungen. Das riesige anorganische Wesen lebt und patrouilliert zwischen den Sternen und dient den „Meistern der Insel“. Bevor „Troja“ durch den „Moby“ zur eigenen Speisung in Energie umgewandelt wird, gelingt es Perry Rhodan, mit Hilfe der im „Moby“ lebenden Bio-Parasiten und der Woover-Zwillinge, ihn zu vernichten.

_Das Hörbuch:_

Die Handlungszusammenfassung ist deshalb so üppig ausgefallen, weil wirklich ständig etwas passiert. Wer hier auch nur für einen Moment wegdriftet, weil er auf den Verkehr achten muss oder es sich abends im Bett mit dem Hörbuch gemütlich gemacht hat, wird „bestraft“. Denn, wenn der Hörer einmal etwas verpasst hat und sich über verschiedene Dinge wundert, wird es bei einem Hörbuch mit zwölf CDs schwer haben, die richtige Stelle wiederzufinden.

Wie immer wurden für die Lesung des gleichnamigen Silberbandes nur die Heftromane der Serie ausgewählt, die interessant sind und die Story um Perry Rhodan vorantreiben. Und das sind diesmal gleich acht Hefte (Nr. 224-230 und 233), was im Endeffekt zu über 15 Stunden kurzweiliger Unterhaltung führt.

Erzählt wird das Ganze wie gewohnt von Josef Tratnik, der bereits die vorherigen Silber Editionen vorgetragen hat. Wieder schafft er es, jedem Charakter eine eigene Stimmfarbe zu verleihen und den Zuhörer durch eine packende Interpretation der Geschichte zu fesseln. Leider zeigt sich Herr Tratnik in einem Punkt komplett kritikresistent und liest Gucky weiterhin mit der Stimme von „Kermit dem Frosch“. Darüber hatten sich in der Vergangenheit schon viele Fans der Serie beschwert. Er scheint es zur Kenntnis genommen zu haben.

Unterstützt wird Tratnik ab und an durch ein paar Ambient-Sounds oder kleine Melodien, die am Anfang einiger Tracks eingespielt werden. Mit diesem Stilmittel geht der Verlag, nach Meinung vieler Fans, viel zu zaghaft um. Erschienen die ersten Lesungen noch komplett ohne Musik, so wurden später die erwähnten Klänge und Melodien hinzugefügt. Leider wurde dieser Ansatz nicht weiter ausgebaut. Die Idee kam nämlich sehr gut an, und nicht wenige wünschen sich mehr Untermalung und sogar Geräusche, so dass am Ende eine tolle inszenierte Lesung entstehen könnte.

_Das Fazit:_

Wer dieses ungekürzte Hörbuch hört, der hat mehr von der Story als jemand, der nur das Buch liest, und das nicht nur, weil es schlichtweg länger dauert. Denn durch Josef Tratniks Erzählweise hat der Hörer immer das Gefühl, direkt im Geschehen zu sein. Und das macht einfach Spaß und lässt den Hörer am Ende mit Vorfreude auf die nächste Silber Edition zurück, die in drei Monaten erscheint. Und da bereits über 100 Silberbände veröffentlicht wurden, ist für reichlich hörbaren Nachschub gesorgt.

|12 CDs in Papp-Klappbox, einzeln in Papphüllen verpackt
Gesamtlaufzeit: ca. 15 Stunden
Gelesen von Josef Tratnik
Booklet mit Vorwort aus dem Originalroman, Cover der Einzelromane und Risszeichnung von „Troja“
ISBN-13: 978-3939648710|
[www.einsamedien.de]http://www.einsamedien.de
[perry-rhodan.net]http://perry-rhodan.net