Schlagwort-Archive: Diana

Hera Lind – Die Hölle war der Preis

Gisa Stein, genannt Peasy, träumt von einer Karriere als Balletttänzerin. Und tatsächlich schafft sie es bis an die Staatsoper und tanzt große Hauptrollen. Doch dann wird sie immer weiter degradiert – weil sie mit ihren Ansichten nicht in das System der DDR passt und nicht bereit ist, ihre Freunde und Bekannten zu bespitzeln. Ihr Mann Edgar steht zu ihr und beschließt, mit Peasy zusammen in die BRD zu fliehen. Im Januar 1974 steigen die beiden zu einem Unbekannten ins Auto, der sie an den Treffpunkt bringt. Dort warten sie über Stunden in der Kälte, bis endlich ein weiterer Mann kommt, der die beiden in seinem Kofferraum über die Grenze schmuggeln soll. Doch dann werden sie kontrolliert und im Auto entdeckt.

Nun beginnt für beide eine jahrelange Hölle, denn sie werden zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt, die Peasy im DDR-Gefängnis Hoheneck verbringt. Dort wird sie Tag für Tag aufs Schlimmste gequält, bis sie fast die Hoffnung verliert…
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Melanie Metzenthin – Die Hafenschwester – Als wir wieder Hoffnung hatten (Band 2 der Hafenschwester-Saga)

Worum gehts?

Martha führt ein vollkommenes Leben. Sie lebt mit ihrem Ehemann Paul und ihren drei gemeinsamen Kindern in einer hübschen Wohnung in Hamburg. Als sie eine Einladung ihrer besten Freundin Milli aus Amerika bekommt, schwappt Marthas Herz über vor Freude. Doch dieses Glücksgefühl soll leider nicht sehr lange währen, denn der Ausbruch des Ersten Weltkrieges steht kurz bevor und Marthas Zukunftsträume geraten aus den Fugen. Als auch noch Paul eingezogen wird, ist sie allein verantwortlich für das Wohl und Überleben der Familie. Doch dann kehrt Paul Gott sei Dank heim. Doch nichts ist mehr wie es war.

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Claire Winter – Kinder ihrer Zeit

Im Januar 1945 flüchtet Rosa Lichtenberg mit ihren beiden Töchtern, den Zwillingen Emma und Alice, vor den nahenden Russen aus Ostpreußen. Während der Flucht erkrankt Alice, sodass Rosa das Mädchen bei einer Frau zurücklassen muss, als sie sich mit Emma zusammen auf die Suche nach Lebensmitteln macht. Hilflos müssen die beiden mit ansehen, wie die Russen das Dorf, in dem sie die kranke Alice zurückgelassen haben, niederbrennen. Doch Alice kann gerettet werden – ein Russe nimmt sie mit sich.

Jahre später leben Rosa und Emma zusammen in West-Berlin, während Alice sich im Osten Berlins ein Leben aufgebaut hat. Kurz nach Rosas Tod treffen die beiden Schwestern sich überraschend wieder, doch die Differenzen scheinen nahezu unüberbrückbar: Emma wünscht sich, dass ihre Schwester zu ihr in den Westen zieht, doch Alice ist überzeugt vom politischen System der DDR und hat zudem enge Kontakte zu den Russen.

Durch Alice lernt Emma den Ost-Berliner Physiker Julius Laakmann kennen, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Bald aber geraten die beiden und auch Alice zwischen die Fronten im Kalten Krieg…
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[NEWS] Beth O’Leary – Time to Love. Tausche altes Leben gegen neue Liebe

Zwei Monate Sabbatical: Nach einer katastrophalen Präsentation im Job wird Leena eine Auszeit verordnet. Ausgerechnet Leena, die Tag und Nacht arbeitet, um ihre verstorbene Schwester nicht zu vermissen. Zuflucht findet sie bei ihrer Großmutter Eileen in Yorkshire. Eileen wünscht sich mit Ende 70 eine neue Liebe, nur leider ist die Auswahl an interessanten Kandidaten in ihrem kleinen Dorf begrenzt. Die Lösung: Leena kommt auf dem Land zur Ruhe, und Eileen stürzt sich in die Londoner Dating-Szene … doch ist es wirklich so einfach, die Leben zu tauschen? (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 448 Seiten
Diana

Hera Lind – Die Hölle war der Preis

Worum gehts?

Gisa und Ed leben in Ostberlin. Sie beide wissen, dass sie sowohl beruflich als auch privat dort keine Zukunft haben werden. Ihnen ist bewusst, dass eine Flucht in den Westen mit enormen Risiken verbunden ist, dennoch möchten sie ihren Traum von einem Leben in Freiheit verwirklichen. Schließlich misslingt der Fluchtversuch und die beiden werden im Januar 1974 wegen Republikflucht verhaftet – selbstverständlich getrennt voneinander. Gut, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen, durch welche Hölle sie gehen müssen, wenn sie irgendwann einmal in Freiheit leben möchten.

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Hera Lind – Hinter den Türen

Worum gehts?

Juliane Bressin führt ein wünschenswertes Leben. Ihre Ehe mit Jon ist perfekt, sie hat zwei wundervolle, gesunde und gutgeratene Kinder, einen sicheren Job, der ihr viel Freude bereitet und ein gemütlichen Zuhause umgeben von einer netten Nachbarschaft. Dieses Glück möchte sie gerne an die Menschen weitergeben, die es nicht so gut getroffen haben wie sie. Als sie zufällig auf eine Anzeige stößt, in der eine Pflegefamilie für drei Kinder thailändischer Abstammung gesucht wird, fühlt sie sich gleich angesprochen und berufen. Auch ihr Mann steht voll und ganz hinter ihrem Vorhaben, so dass ihr zunächst nichts im Wege steht. Doch zu diesem Zeitpunkt ahnt sie nicht, dass ihre perfekte Welt schon bald ins Wanken gerät.

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Hera Lind – Vergib uns unsere Schuld

Worum gehts?

Durch einen traurigen Zufall begegnen sich Raphael und Carina. Er ein attraktiver, katholischer Pater, der seit über 20 Jahren einem Orden anhängt und sie eine Witwe mit drei Kindern. Sie sucht nach dem Tod ihres Mannes Trost im Glauben. Zwischen den beiden herrscht sofort eine angenehme Vertrautheit und sie verstehen sich auf Anhieb. Zu diesem Zeitpunkt denkt weder Carina noch Raphael an Liebe, doch das soll sich schon bald ändern. Wohin wird sie der steinige Weg führen, auf dem die Gefühle füreinander stärker sind als der Eid des Zölibats?

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[NEWS] Hannah Beckerman – Nur ein Wort von dir entfernt

Seit 30 Jahren haben die Schwestern Jess und Lily kein Wort mehr gewechselt. Seit einer traumatischen Nacht in ihrer Kindheit, die sie entzweit hat. Heute sind sie so unterschiedlich wie Tag und Nacht: Die eine bangt als künstlerische Single Mom jeden Monat um die Miete, die andere führt ein Leben wie in einem Hochglanzmagazin. Ihr Leben wird erneut auf den Kopf gestellt, als ihre Mutter Audrey nur noch wenige Monate zu leben hat. Sie setzt alles daran, ihre beiden Töchter zu versöhnen, womit ein unvorstellbares Geheimnis ans Licht zu kommen droht … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 464 Seiten
Diana

Eithne Shortall – Weil wir Träume haben

Worum gehts?

Grace hat nichts anderes vor Augen als ihren verstorbenen Freund Henry. Sie sieht ihn einfach überall: auf den Straßen, im Supermarkt, im Park und sogar zu Hause. Seit er vor zwei Monaten bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, versinkt Grace in Trauer. Sie ist untröstlich und schafft es oft nicht, morgens aus dem Bett aufzustehen.

Als sie eines Tages Andy kennenlernt, traut sie ihren Augen nicht. Auch in ihm sieht sie ihren geliebten Henry. Doch dieses Mal ist schnell klar, dass ihr Inneres ihr keinen Streich spielt. Der Unbekannte sieht Henry wirklich frappierend ähnlich. Grace fragt sich, ob sie für diesen Menschen ebenso empfinden kann wie für Henry. Oder zeigt ebendieser Mensch ihr einmal mehr, dass nichts mehr so ist, wie es einmal war?

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Liane Moriarty – Neun Fremde

Inhalt

In einem abgelegenen Ressort versammeln sich neun Menschen, die sich noch nie zuvor begegnet sind. Fünf Frauen und vier Männer, die eins gemeinsam haben: Jeder von ihnen steht an einem Punkt in seinem Leben, an dem klar ist, so kann es nicht mehr weitergehen. Frances, beispielsweise, ist einem Heiratsschwindler zum Opfer gefallen. Tony ist ehemaliger Footballstar und nun übergewichtig. Oder Carmel, die vierfache Mutter wurde von ihrem Mann verlassen. Im Luxus des Wellness-Komforts kommen Geheimnisse ans Licht: Alte Wunden brechen auf, aber nichts ist, so wie es scheint in Tranquillum House … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Die neun Fremden – wobei fremd eher im übertragenen Sinne zu verstehen ist, denn unter ihnen befinden sich ein Paar und eine Familie – erwarten eine totale Transformation in zehn Tagen: die sollen sie kriegen, wenn auch anders als gedacht…

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Melanie Metzenthin – Die Hafenschwester 1: Als wir zu träumen wagten

Worum gehts?

Hamburg, 1892. Die Cholera hat die Stadt voll im Griff. Tausende Menschen sind infiziert und die Zahl der Toten steigt stetig. So auch Marthas Mutter und Schwester. So muss die Vierzehnjährige schon früh lernen die Mutterrolle zu übernehmen und um das Überleben der Familie kämpfen. Sie arbeitet sich vom Kind aus dem armen Gängeviertel hoch bis zur angesehenen Krankenschwester des Eppendorfer Krankenhauses. Doch dann verliebt sie sich gegen die Schwesternstatuten in einen Mann. Sie steht vor einer schweren Entscheidung und ahnt, dass es keine glückliche Lösung für dieses Problem geben wird.

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Beth O´Leary – Love to share

Inhalt

Not macht erfinderisch: Tiffy braucht eine günstige Bleibe, Leon braucht dringend Geld. Warum also nicht ein Zimmer teilen, auch wenn sie einander noch nie begegnet sind? Eigentlich überhaupt kein Problem, denn Tiffy arbeitet tagsüber, Leon nachts. Die Uhrzeiten sind festgelegt, die Absprachen eindeutig. Doch das Leben hält sich nicht an Regeln … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Tiffy und Leon klären Organisatorisches per Klebezettel, wobei die emotionale Tiffy ihrem Mitbewohner nebenbei auch ihr Herz ausschüttet. Sie ist traurig, unsicher sowie verwirrt ist, weil sie abserviert wurde. Tiffy backt Süßkram um sich von ihrem Kummer abzulenken, Leon revanchiert sich, indem er kocht. Ihre Nachrichten an ihn sind fünfmal so lang wie seine an sie. Sie lebt bunt opulent, überschäumend -er hingegen schlicht, weshalb er Tiffy etwas anstrengend findet. Die Beiden verstehen sich dennoch überraschend gut, zudem werden sie schnell miteinander vertraut, obwohl sie sich monatelang nicht begegnen.

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[NEWS] Petra Hammesfahr – Der Schatten

Die ehrgeizige Filmproduzentin Stella Helling hat den Halt verloren. Sie trinkt zu viel verzweifelt an der Behinderung ihres Kindes nicht fertig und kann sich gegen die allmächtige Schwiegermutter nicht zur Wehr setzen. Stellas einziger Halt ist ihr Mann Heiner, ein Polizeikommissar. Als sie sich ihren größten Erfolg »Der Schatten mit den Mörderaugen« noch einmal anschaut, ist Heiner im Dienst. Sie schläft vor dem Fernseher ein und erwacht von einem fürchterlichen Schrei. Auf dem Bildschirm kämpft eine Frau vergebens um ihr Leben. Und dann steht der Schatten leibhaftig vor Stella. Am nächsten Morgen ist ihre Schwiegermutter tot und das Baby verschwunden. Und nicht einmal Heiner glaubt seiner Frau, dass in der Nacht ein Filmmonster im Haus war … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 640 Seiten
Diana

Basu, Jay – Sterne können warten, Die

Im deutsch besetzten Oberschlesien wächst 1940/41 der vierzehnjährige Gracian auf. Nachts schleicht er sich auf eine Waldlichtung, um die Sterne zu betrachten. Sein Bruder Pawel holt ihn da weg, schenkt ihm dann aber ein Teleskop, mit dem er die Sterne viel besser sehen kann. Gracian beobachtet aber auch seinen Bruder bei dessen nächtlichen Aktivitäten. Und die sind mitunter ziemlich gefährlich. Eines Nachts folgt er ihm …

|Der Autor|

Jay Basu ist der Sohn eines indischen Vaters und einer polnischen Mutter mit russischen und deutschen Vorfahren. Er hat in Cambridge studiert und lebt in London. Sein erster Roman „Die Sterne können warten“ wurde nach Verlagsangaben ein internationaler Bucherfolg.

_Handlung_

Das Kriegsjahr 1940, im ehemals polnischen Teil Oberschlesiens, der nun von deutschen Truppen des „Generalgouvernements Polen“ besetzt ist. Die Lebensmittel sind rationiert, viele junge Männer leben im Untergrund und arbeiten für den Widerstand.

Hier lebt der vierzehnjährige Junge Gracian mit seiner Familie: seiner Mutter und seinem bewunderten Bruder Pawel. Seitdem Pawel ihm ein Buch über Astronomie geschenkt hat, liebt es Gracian, die Sterne zu beobachten. Sie sind das Einzige, wohin sein Geist fliehen kann, um der Not, Gefahr und Bedrückung ringsum zu entgehen.

Doch Gracian belässt es nicht beim Sterngucken aus dem Fenster. Er begibt sich dazu mitten in den nahen Wald, jenseits dessen das Militärlager der Deutschen liegen. Wieder einmal hat er sich in den Wald auf seine Lieblingslichtung geschlichen und ist den Wachen und Patrouillen knapp entgangen, da packt ihn eine Hand am Schlafittchen. Pawel schleift ihn wieder nach Hause, vernagelt das Fenster und verbietet Gracian, jemals wieder in den Wald zu gehen: „Die Sterne können warten. Das haben sie schon immer getan.“

Tagsüber schuftet Gracian in der Kohlenzeche einen Kilometer unter Tage, an bestimmten Tagen jedoch begleitet er seine Mutter auf gefährliche Expeditionen in ihr Heimatdorf. Dort herrscht noch keine große Not, und so kann sie mit Schinken und Würsten unter ihrer dicken Kleidung nach Hause zurückkehren. Doch nicht immer klappt das reibungslos. Zweimal hätten deutsche Wachen Gracian und seine Mutter fast auffliegen lassen.

Das Leben gewinnt wieder an Reiz, als Pawel ihm ein schönes, altes Teleskop schenkt. Damit rücken die Sterne wieder in greifbare Nähe, aber auch andere Dinge. Nun kann er auch den geheimnisvollen Wegen Pawels besser folgen, der mitunter tagelang verschwindet, um dann wieder am Hof von Gracians Familie aufzutauchen. Ist er ein Schmuggler oder gar ein Partisan? Als Gracian hinter Pawels Geheimnis kommt, setzt er, ohne es zu wollen, eine Entwicklung in Gang, in deren Verlauf das Schicksal seiner ganzen Familie, wenn nicht sogar des Dorfes auf dem Spiel steht.

_Mein Eindruck_

Vieles dessen, was der Autor erzählt, steht zwischen den Zeilen. Er braucht uns nicht zu sagen, dass Gracian seinen Bruder ebenso liebt wie seine Mutter. Wer Augen hat zu sehen, der wird an Dingen, die Gracian tut, merken, wie sehr ihn das Schicksal seines Bruders interessiert. Das ist auch gut so, denn den Geschichten, die Gracian von seinem Zechenkumpel Dylong über Pawel erzählt bekommt, darf man nicht hundertprozentig trauen. Taten zählen, Wörte können allzuoft lügen.

|Die Wahrheit des Zeigens|

Und deshalb konzentriert sich die wortkarge Erzählung auf das, was Gracian empfindet und tut. Hier liegt Wahrheit. Die Schwierigkeit liegt darin, sie angemessen zu beschreiben. Wie leicht wäre es, Gefühle zu behaupten statt sie zu beschreiben. Bis zu einem gewissen Grad muss jeder Erzähler diese Dinge behaupten. „ABC fühlte sich, aber XYZ ging es hingegen dreckig.“ Solche Sätze findet man allzu häufig in Unterhaltungsromanen.

Jay Basu tut dies nicht. Und sein Roman will auch nicht unterhalten, sondern erzählt in sehr einfacher Sprache, aber sehr präzise. Er nimmt keine Abkürzungen. Vielmehr stellt er uns Gracians Welt genau vor, in all ihrer Schönheit, mit allen Schrecken. Dies fand ich nicht immer einfach zu ertragen, und deshalb musste ich nach dem ersten Teil, an dessen Ende Pawel ihm das Teleskop schenkt, eine mehrwöchige Pause einlegen.

Das war vielleicht ein Fehler, vielleicht auch nicht. Der Rest des Buches lässt sich ohne Schwierigkeiten weiterlesen, denn nun ergeben sich die Konsequenzen aus dem Geschenk. Wurden im ersten Teil wichtige Figuren vorgestellt, so erleben wir nun, wie es ihnen ergeht, während die Besatzung durch die Deutschen in ihr zweites Jahr (nach dem September 1939) geht. Pawel ist tatsächlich in den Widerstand gegangen. Seine Erfahrungen als Schmuggler, die er schon mit sechzehn und siebzehn gemacht hat, kommen ihm jetzt wie gerufen. Allerdings nimmt er seine Verlobte Anna ebenfalls mit auf die nächtlichen Erkundungen bei den Einrichtungen der Deutschen. Das erweist sich als verhängnisvoll.

|Eine Frage der Wahrnehmung|

Gracian hat ein Problem mit dem Sehen durch das Teleskop. Er kann nahe Dinge noch näher heranholen, so dass er ihre Bewegung genau beobachten kann, wie etwa die einer Spinne. Oder er kann Strukturen entdecken, die ihm mit bloßem Auge noch verborgen gewesen waren, so etwa die Sternbilder, in denen nun auch schwächere Sterne auftauchen. Die Schwierigkeit liegt für ihn in der Überbrückung dieser zwei Extreme, denn das Teleskop bietet ihm nur diese zwei Pole des Sehens.

Die menschliche Wahrnehmung ist jedoch ein Kontinuum, in dem die Einzelheiten stets etwas mit dem Hintergrund zu tun haben und mit anderen Strukturen interagieren. Gracians Bemühen, diese Distanz der Wahrnehmung zu überbrücken, indem er seinen Bruder erst beobachtet und dann auch noch verfolgt, führt zu einer Katastrophe. Zu spät bemerkt der Beobachter, dass er seine Anwesenheit mit seinem Gerät in einer ungewohnten Umgebung verraten hat. Dies ist die reale Umsetzung von Heisenbergs Unschärferelation aus der Quantenphysik.

|Betrachten heißt enscheiden|

Die Folgen seiner Tat bereiten Gracians lange Zeit schreckliche Schuldgefühle, und die Erlösung lässt lange auf sich warten. Dann jedoch zieht er nach der klaren Erkenntnis, dass die wartenden Sterne keinen Trost spenden, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit. |“Leben lag in der Betrachtungsweise. Die Betrachtungsweise war eine Entscheidung, die getroffen werden musste.“| (S. 190)

Am Schluss steht Gracian verändert auf der alten Waldlichtung: |“Und wenn jemand von dort aufgestiegen wäre, fort von dem knienden Jungen mit den erdbedeckten Händen, hätte er nur das dunkle Aufragen der Fichtenstämme im Regen gesehen und darüber die zitternden Wellenkämme eines grünen, schattigen Meeres und darüber, weit darüber noch, den weiten, offenen Himmel, an dem die fernen Wächter ihre Bahnen beschreiben: kreisend, vorbeiziehend und der Unendlichkeit winkend.“| (S.191)

Der lange, harte Winter ist endlich vorüber, denn es fällt Regen statt Schnee. Und der Junge hat Abschied von den Sternen genommen. Seine Hände sind bedeckt mit dem, was menschliche Dimensionen hat und alleine zählt: Erde.

_Unterm Strich_

Die Geschichte, wie Gracian in jenem Winter aufwächst und schließlich erwachsen wird, ist schlicht und doch poetisch erzählt, voller gefühlter Humanität und Würde. Man kann diese Erzählung immer wieder lesen und wird doch Neues dabei entdecken, vor allem all jene Dinge, die zwischen den Zeilen stehen, die Dinge, die wirklich wichtig sind: Liebe, Solidarität, Hass, Schrecken und Schönheit.

Es ereignen sich keine weltbewegenden Dinge wie etwa in „Schindlers Liste“, und doch erklärt diese Geschichte genauso viele Dinge wie jener Roman, den Spielberg verfilmte. Der Mut der Menschen, ihre verrückten Hoffnungen, ihre Liebe zueinander werden ebenso sichtbar gemacht wie die Schrecken der deutschen Besetzung Oberschlesiens. Dabei sind die Menschen um Gracian herum nicht einmal Juden, denen ein viel härteres Los zugedacht worden wäre. Die Schupos der „Sonderpolizei“ verbreiten genügend Schrecken für alle.

Sehr wichtig fand ich, dass sich Gracians Betrachtungsweise ändert. Statt zu den Sternen ist sein Blick nun auf die Erde gerichtet. Kein Teleskop ist mehr nötig, kein Astronomiebuch, um die irdischen Dinge in all ihrer Komplexität zu verstehen. Wir können nur hoffen, dass Gracian in seiner neuen Realität zurechtkommt.

Dem Engländer Jay Basu ist ein unglaublich genaues und sehr schönes Buch gelungen. Er entführt den Leser in eine Welt, die vielleicht schon versunken ist und doch in allen wichtigen Details wieder zum Leben erweckt wird. Ich konnte mich jedenfalls sofort zurechtfinden. Meine eigene Verwandtschaft mütterlicherseits, die mir davon erzählte, kam aus dieser Gegend: Oberschlesien, mährisches Sudentenland, aber nicht Richtung Kattowitz (dem Kohlegebiet), sondern Richtung Olmütz in Mähren, einer sehr ländlich strukturierten Region.

Ich kann mir vorstellen, dass sich auch Frauen für diese Geschichte begeistern könnten. Denn nicht irgendwelche Action zählt hier, sondern die Werte zwischenmenschlicher Beziehungen. Und wer weiß? Vielleicht können Frauen besser zwischen den Zeilen lesen als ich.

|Originaltitel: The stars can wait, 2002
Aus dem Englischen übersetzt von Marie Rahn.|

Colin Fletcher – Kalifornischer Sommer. Tausend Meilen zu Fuß durch Wüsten und Berge

Reisebuch-Klassiker für Wanderer

Reisen verändern den Wanderer. So tat es auch die Fußwanderung Colin Fletchers durch das östliche Kalifornien. Seine Erfahrungen und Gefühle bilden ein Zeitdokument, aber auch einen persönlichen und mitunter sehr bewegenden Reisebericht. Endlich mal kein Bericht über eine Todesexpedition!
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Eliette Abécassis – Asche und Gold

Ein Historiker stößt bei seiner Suche nach den Wurzeln des Bösen auf eine uralte und weltweite Verschwörung, hinter der womöglich der Teufel persönlich steckt, und folgerichtig in lebensgefährliche Abenteuer … – Im Gewand eines Unterhaltungs-Thrillers steckt eine ‚metaphysische‘ Betrachtung des Bösen als elementare Kraft. Diese Schere klafft allerdings zu weit, um das von der Autorin gewünschte Ergebnis zu erzielen: trotzdem ein ungewöhnlicher und lesenswerter Roman.
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Donald S. Johnson – Fata Morgana der Meere. Die verschwundenen Inseln des Atlantiks

johnson-fata-morgana-cover-kleinBevor die Kartografie ‚erfunden‘ wurde, mussten entdeckte Inseln auf gut Glück im umgebenden Meer verortet werden. Irrtümer und Missverständnisse sowie dreiste Lügen sorgten für die Entstehung unzähliger ‚Geister-Inseln‘, die nie existierten, obwohl sie auf zeitgenössischen Karten verzeichnet waren. Donald Johnson rekonstruiert das Phänomen dieser „Fata Morganas der Meere“ anhand ausgewählter Beispiele und ergänzt ebenso informativ wie spannend das Wissen über die Entdeckungsgeschichte.
Donald S. Johnson – Fata Morgana der Meere. Die verschwundenen Inseln des Atlantiks weiterlesen

Susanne Goga – Der dunkle Weg

Die Handlung:

Eine Reise nach Irland, die alles verändert. Hamburg, 1912: Gegen den Willen ihrer Eltern begibt sich die Kaufmannstochter Ida auf eine gewagte Reise, fort von ihren Pflichten, auf nach Irland. Dublin empfängt sie weltoffen, kreativ und gegensätzlich – genau die Abwechslung, die Ida gesucht hat. Schnell findet die junge Künstlerin Arbeit, schließt Freundschaften und lernt den Arzt Cian kennen – und lieben. Voller Zuversicht hofft Ida auf eine Zukunft mit ihm und ein neues Leben in Irland. Doch Europa stehen blutige Zeiten bevor, und bald muss Ida um ihre Träume kämpfen. ( Verlagsinfo)

Mein Einruck:

Als die Hamburger Kaufmannstochter Ida Martens im Jahr 1912 nach Dublin reist, um ihre Freundin Grace zu besuchen, ist auch ihr selbst noch nicht klar, dass sie nicht nach Hamburg zurückkehren wird. Doch dank Grace und deren Familie lernt Ida nicht nur die Stadt Dublin schnell kennen und lieben. Sie schließt schon rasch Freundschaften und erhält gleich mehrere Gelegenkeiten, um mit ihrer künstlerischen Begabung ein wenig Geld zu verdienen. Dabei begegnet Ida auch dem Arzt Cian O Connor, der eine eigene Praxis betreibt und sich außerdem für Bedürftige engagiert.

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Claudia Toman – Jagdzeit

Diese Rezension stammt von Nadine Warnke

Handlung

Die junge Autorin Olivia Kenning reist für ein Blind Date in das düstere Bergdorf „W.“, das auf sie direkt einen unheimlichen Eindruck macht. Zudem drängt sie eine Deadline, denn ihr erstes Buch wurde endlich veröffentlicht und der Verlag wartet dringend auf ihr nächstes Werk und bedrängt sie dabei stark, was Olivia zusetzt. Sie schafft es kaum, sich an den Shakespeare-Pakt zu halten.

Angekommen in „W.“, bezieht sie ein Zimmer in dem einzigen Gasthaus dort und lernt gleich ein paar der Einwohner flüchtig kennen, ebenso den zweiten Fremden, der sich dort aufhält: Adrian Alt. Die Einwohner von „W.“ sind Fremden gegenüber schon fast feindselig eingestellt, und dies spürt Olivia recht schnell. Irgendetwas scheinen die Menschen dort zu verbergen.

Durch Adrian Alt wird Olivia auf merkwürdige Todesfälle aufmerksam. Entweder sterben die Menschen hier sehr früh oder sie werden außergewöhnlich alt. Nur Einzelne, Unfallopfer und Opfer von Gewalttaten, sterben im mittleren Alter. Was hat es damit auf sich?

Dann findet sich Olivia im düsteren Wald wieder verfolgt von einer Meute Dorfbewohner, die bestrebt sind, die Geheimnisse von „W.“ zu schützen. In diesem wunderlichen Wald trifft Olivia die Eule „Sibby“, die mit ihr sprechen kann und ihr den Weg zu einer Quelle der Inspiration deutet. Dies ist für die unter starkem Druck stehende Schriftstellerin wie die Erfüllung aller ihrer Wünsche …

Kritik

In Claudia Tomans zweitem Buch, „Jagdzeit“ trifft man wieder auf die Protagonistin Olivia, die einem schon aus „Hexendreimaldrei“ bekannt ist. Dieser Roman ist jedoch nicht als Fortsetzung zu sehen, denn die Abenteuer unterscheiden sich völlig vom ersten Buch.

Claudia Toman bedient sich in „Jagdzeit“ einiger bekannter Märchen sowie der nordischen Sagen und verwebt diese gekonnt in einem Märchenkrimi. Man begegnet Hexen, sprechenden Tieren, ungewöhnlichen Pflanzen, düsteren Geheimnissen und noch vielem mehr. Mit ihrem lebendigen, flüssigen und atmosphärisch dichtem Schreibstil schafft es die Autorin, den Leser das ganze Buch über bei der Stange zu halten, auch wenn man durch die ständigen Zeitsprünge, unverhoffte Personenwechsel oder den eingeflochtenen Roman von Olivia manchmal doch sehr verwirrt wird. Erzählt wird der Roman aus der Perspektive von Olivia und Adrian, wobei Olivia deutlich mehr Raum gegeben wird. Der Part von Adrian dient dabei dazu, das Geheimnis von „W.“ aufzudecken, während Olivia ihre eigenen magischen Abenteuer zu bestehen hat.

Die Protagonisten sind lebensnah und humorvoll aufgebaut. Olivia wächst dem Leser mit allen ihren Fehlern und Macken recht schnell ans Herz und sorgt so ganz nebenbei für einige Lacher; sie ist hervorragend und sympathisch konzipiert. Die weiteren Charaktere sind für die Geschichte ausreichend erklärt und eingesetzt.

Fazit

„Jagdzeit“ von Claudia Toman hat mich teilweise überzeugt. Die einzigartige Art der Autorin zu schreiben und ihre Figuren lebendig werden zu lassen, fasziniert mich sehr. Auch das Einarbeiten von bekannten Märchen und der nordischen Mythologie in den Krimi gefällt mir außerordentlich gut. Was ich als störend empfunden habe und was mich auch beim Lesen oft verwirrt hat, waren der ständige Wechsel der drei Erzählstränge und die Fragmente aus Olivias Roman.

Trotz allem hoffe ich, dass es in nächster Zeit noch weitere Bücher von Claudia Tomangibt, da ihre Art zu schreiben etwas Besonderes ist und ich gerne mehr davon lesen möchte.

Autorin

Claudia Toman wurde 1978 in Wien geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie zu etwa gleichen Teilen in Mittelerde, Phantasien, Märchenmond und Derry, Maine. Nach dem Schulabschluss packte sie die Theatersucht und sie arbeitete als Regisseurin, Regieassistentin und Inspizientin in Wien, Tokio und Tel Aviv. Seit 2001 betreut sie die Vorstellungen der Kinderoper an der Wiener Staatsoper. 2009 erschien ihr Debütroman „Hexendreimaldrei“ bei Diana. Der zweite Roman, „Jagdzeit“, wurde im April 2010 veröffentlicht. Claudia Toman lebt als Untermieterin einer eigenwilligen Katzendame in Wien und arbeitet derzeit an ihrem dritten Roman.

Taschenbuch: 336 Seiten
ISBN-13: 978-3453353992
www.randomhouse.de/diana
claudiatoman.blogspot.com

Juliette Manet – Wehrlos

Man bekommt in bestimmten Fernsehshows zwar manchmal einen anderen Eindruck, aber Fotomodells müssen nicht automatisch dumm sein. Juliette Manet ist ein gutes Beispiel dafür. Sie hat nicht nur Kunstgeschichte studiert, sondern auch einen spannenden Thriller geschrieben, der absolut vorzeigbar ist.

Vor zwölf Jahren wurde Paris von einem brutalen Kindermörder heimgesucht, der mit Vorliebe kleine Jungen vergewaltigte und sie schließlich ermordete. Sein Erkennungszeichen war die alte Radierung eines Akts, den er an den Tatorten hinterließ. Senda Barhi, die damalige Kriminalkommissarin, hatte schwer an diesem Fall zu kauen, doch er schien gelöst, als ein Tatverdächtiger Selbstmord beging. Man war davon überzeugt, den Richtigen gefunden zu haben, nur Senda war anderer Meinung. Sie glaubt immer noch daran, dass Raphael Schiller, der Vater eines ermordeten Mädchens, in den Fall verstrickt war, nur konnte sie es ihm damals nicht nachweisen.

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