Schlagwort-Archive: Hoffmann und Campe

Patricia Cornwell – Staub (Lesung)

Mittelmäßiger Krimi

Fünf Jahre, nachdem sie als Gerichtsmedizinerin entlassen wurde, kehrt Kay Scarpetta nach Richmond, Virginia, zurück. Doch das Wiedersehen mit der Vergangenheit steht unter keinem guten Stern.

Kay wird von ihrem Nachfolger in Richmond gebeten, bei einem rätselhaften Todesfall zu helfen. Ein 14-jähriges Mädchen ist scheinbar ohne erkennbare Ursache gestorben. Als sie eine weitere Leiche in Augenschein nimmt, entdeckt sie eine alarmierende Parallele zum Fall des toten Mädchens: feine Spuren von Knochenstaub auf dem Körper. Allem Anschein nach hat der Täter im Krematorium der Gerichtsmedizin gearbeitet … (Verlagsinfo)
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[NEWS] Siegfried Lenz – Florian, der Karpfen: Ein Märchen und seine Geschichte

Ein literarisches Juwel: ein bisher noch nie im Buchform erschienener Text von Siegfried Lenz mit dem Titel „Florian, der Karpfen“ steht im Zentrum eines bibliophilen Bandes über die besondere Beziehung des großen Erzählers zur Natur, zum Wasser, zum Angeln – und zum Karpfen. Mit einem Vorwort von Maren Ermisch. (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 80 Seiten
Hoffmann und Campe

[NEWS] Paolo Casadio – Der Junge, der an das Glück glaubte

1943 in einem abgeschiedenen Dorf in den toskanischen Bergen: Hier lebt der achtjährige Romeo, Sohn des Bahnhofsvorstehers, ein behütetes Leben. Bis eines Tages ein Güterzug voller Menschen einfährt. Ein Ereignis, das Romeos Welt aus den Angeln hebt. Denn unter den Menschen in dem Zug befindet sich auch ein kleines Mädchen. Romeo kennt die hasserfüllten Reden des Duce, und er ahnt, wohin der Zug die jüdische Flavia bringen wird. Während sein Vater und seine Mutter mit ihrem Gewissen ringen, fasst Romeo einen Entschluss. (Verlagsinfo)


Seitenzahl der Print-Ausgabe : 272 Seiten
Hoffmann und Campe

Cornwell, Patricia – Dämonen ruhen nicht, Die

Ein Serienkiller verbreitet in Louisiana Angst und Schrecken. Das Seltsame: Seine Opfer sehen wie Abziehbilder der Ex-Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta aus. Als diese dann einen Brief aus dem Todestrakt eines Gefängnisses bekommt, ahnt sie, dass die Dämonen der Vergangenheit keine Ruhe geben.

|Die Autorin|

Patricia Cornwell, 1956 in Miami geboren, war Polizeireporterin und Computerspezialistin am Gerichtsmedizinischen Institut von Virginia, bevor sie zu schreiben begann. Mit den Thrillern um ihr literarisches Alter Ego, die Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta, wurde sie zur „erfolgreichsten Thrillerautorin der Welt“ (Der Spiegel). Cornwell lebt allein in Richmond/Virginia und in Malibu/Kalifornien. (Verlagsinfo)

|Die Sprecherin|

Franziska Pigulla war Moderatorin bei n-tv, SAT.1 und bei der BBC in London. Als eine der bekanntesten Sprecherinnen synchronisiert sie Gillian Anderson aus „Akte X“, Demi Moore, Fanny Ardant und Sharon Stone. Auch als Erzählerin bei „Galileo“-Dokumentation ist sie regelmäßig im Off zu hören. Für |HoCa| hat Pigulla bereits mehrere Romane vorgetragen:

– Blinder Passagier
– Das letzte Revier
– Das fünfte Paar
– Brandherd

Weitere Cornwell-Hörbücher: [Wer war Jack the Ripper?]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=97 – Porträt eines Killers; Die Tote ohne Namen.

_Handlung_

Wie in vielen modernen Thrillern verläuft auch hier die Handlung in mehreren Strängen, die am Schluss zusammenführen. Nach dem Motto: Alle Wege führen nach Baton Rouge.

Da ist zum einen die Serienheldin Kay Scarpetta. Nachdem sie als Chefpathologin des Bundesstaats Virginia geschasst worden ist, lässt sie es ruhig angehen, verdingt sich als freie Beraterin und lehrt an der National Academy of Justice. Dort lernt die Polizistin Nic Robillard die Pathologin kennen und schätzen. Nic erzählt ihr von einer Mordserie in Baton Rouge/Louisiana, der binnen 14 Monaten bereits zehn Frauen zum Opfer gefallen sind. Alle waren blond, gebildet und zwischen 30 und 40, etwa so wie Scarpetta selbst. Nic hat selbst acht Jahre zuvor ihre Mutter Annie durch einen brutalen Mord verloren.

Es ist kein Zufall, dass wenig später der Chefleichenbeschauer des Bezirks Baton Rouge, Dr. Sam Lanier, bei Scarpetta in Florida anruft und sie um Mithilfe bei der Aufklärung eines alten Falles bittet. Charlotte D’Art starb an einer Überdosis Tabletten, doch zu ihrem Umfeld gehörte ein gewisser Jean-Baptiste Chandonne, auch bekannt als „Der Wolfmann“. Ob sie interessiert sei? Ein mulmiges Gefühl beschleicht Kay, als sie diesen Namen hört. Dessen Träger kennt sie nur allzu gut, denn er hatte versucht, sie umzubringen, doch sie verätzte ihm die Augen mit Formalin. Kay sagt zu.

Ihr Freund und Kollege Pete Marino hat sich von Richmond, Virginia, aus auf den Weg gemacht, um in Boston einen Toten zu besuchen. Auch Scarpetta glaubt, dass ihr Geliebter Benton Wesley getötet worden sei – sie hat schließlich selbst „seine“ Asche verstreut. Doch Benton lebt lediglich im Zeugenschutzprogramm des FBI, unter dem Namen Tom Havilland. Marino will, dass Benton unter die Lebenden zurückkehrt, um Scarpetta davon abzuhalten, nach Baton Rouge zu fahren. Dort lauere Gefahr auf sie, weil das Verbrecherkartell der Chandonnes sich an Scarpetta rächen wolle. Und hinter der Mordserie an Blondinen dürfte Jean-Baptiste Chandonnes Bruder Jay Talley stecken. Benton schickt Marino fort, um selbst gen Süden zu fahren. Er will Lucy einschalten.

Lucy Farinelli ist Scarpettas Nichte. Sie war selbst beim FBI, wurde aber geschasst, als sie einen Kollegen, Rudy, wegen versuchter Vergewaltigung anzeigte. Stattdessen gab man ihr die Schuld. Da hatte sie die Nase voll von diesem Verein und eröffnete eine Hightech-Privatdetektei namens „Das letzte Revier“ (The last precinct; ein Romantitel). Doch auch Lucy ist ein Opfer von Jean-Baptiste Chandonnes Machenschaften, die er via Brief ins Werk setzt.

Der Wolfmann mag zwar im Todestrakt der texanischen Haftanstalt Pulasky sitzen, doch er hat einen raffinierten Plan in Gang gesetzt. Als sein Brief endlich durch Marinos Überwachung schlüpft und bei Scarpetta ankommt, kriegt diese eine Panikattacke (siehe unten unter „Sprecherin“): Er will wichtige Infos über seine Familie geben, sofern sie bereit ist, ihn persönlich am 7. Mai per Giftspritze in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Dazu muss sie natürlich nach Texas kommen …

Während alle Anzeichen Richtung Süden gen Baton Rouge zeigen, begibt sich Lucy auf einen Chandonne-Brief hin gen Osten, nach Polen, genauer: nach Stettin. Hier residiert Chandonnes korrupter Anwalt Rocco Caggiano, der auch als Sohn von Pete Marino bekannt bzw. berüchtigt ist. Lucy und Rudy wollen Rocco einen würdigen Abgang von der weltlichen Bühne verschaffen. Leider verläuft der Job nicht so reibungslos, wie sie hoffte …

_Mein Eindruck_

Ursprünglich wollte ich an dieser Stelle eine Parodie auf die die Wiederauferstehung von Benton Wesley schreiben, aber dann kamen mir doch Bedenken, dass sich ein Frömmler auf den Schlips getreten fühlen könnte. Nun denn.

Man kann an Cornwells neuestem Roman etwas Gutes finden, wenn man sich anstrengt, aber die negativen Punkte dürften doch bei weitem überwiegen. Es gibt zum Beispiel tatsächlich so etwas wie Action und Spannung. Dazu tragen nicht nur die Entführungen und Folterungen von Jay Talleys Opfern bei – sozusagen als schmerzvolles Grundthema -, sondern auch die Szene, in der Lucy und ihr Kollege Rudy Rocco Caggiano im Stettiner Radisson-Hotel in die Mangel nehmen.

Danach muss man ziemlich lange warten, bis es der Polizistin Nick gelingt, Bev Kiffin aufzuspüren (ohne sie zu kennen) und der Komplizin Jay Talleys lebend zu entkommen. Dass es im doppelten Finale recht blutig zugeht, leuchtet ein und wird auch vom Leser erwartet. Doch die wichtigsten Schurken werden mit einem einzigen Nebensatz ganz am Schluss abgefertigt. Und da der Oberschurke entkommt, ist auch für die obligatorische Fortsetzung gesorgt.

|Leitmotiv|

Den ganzen Roman durchzieht das Leitmotiv der Fliegen und Mücken. Das Motiv wird ja auch schon vom Originaltitel „Blow Fly“ (Schmeißfliege) angeschlagen. Gleich in der ersten Szene hat die Fliege unter Kay Scarpettas Obhut ihren Auftritt, diesmal noch gut weggesperrt. Am Schluss der Szene mit Rocco Caggiano setzen Lucy und ihr Komplize ein ganzes Glas voll Schmeißfliegen frei und öffnen das Fenster. Sie wissen genau, was nun folgt, sind sie doch Scarpettas gelehrige Schüler: Die Fliegen stürzen sich voll Blutgier auf das wehrlose Opfer und legen tausende von Eiern ab, aus denen schon nach wenigen Stunden ebenso gierige Maden über das angerichtete Festmahl hermachen.

Szenenwechsel zu Jay Talley. Auch er lebt wie die Made im Speck, umschwirrt von Moskitos, und stürzt sich mit seiner Komplizin auf eine Louisiana-Blondine nach der anderen. Wie unter einem Mikroskop hält er das wehrlose Opfer in einem Fischtank gefangen, um ihm das richtige WORT abzuringen. Schon bald ist das Menschenwesen wert- und reizlos geworden, reif für die Alligatoren …

Sollen wir uns also das Böse in Gestalt von Schmeißfliegen symbolisiert vorstellen? Die Autorin scheint uns dies nahe zu legen. Insbesondere die Fähigkeit der Fliege, sich durch mehrere Stadien zu entwickeln, sich rasant zu vermehren, überall einzudringen und ständig neue wehrlose „Lämmchen“ zu finden, dürfte sich mit einigen Eigenschaften eines Verbrecherkartells wie dem der Chandonnes decken. Auch Jean-Baptiste Chandonne, der „Wolfmann“, hat sein Opfer, Kay Scarpetta, zu sich ins Gefängnis gelockt und nutzt die Lage schamlos aus.

|Jagd nach dem Gral|

Doch Scarpetta, so sehr ihr auch unsere Sympathien als Serienheldin gelten, ist diesmal lediglich eine bedeutende Nebenfigur. Es fällt jedoch sehr schwer zu sagen, ob es überhaupt eine Hauptfigur gibt. Ist es Lucy, die Inhaberin der Detektei „Das letzte Revier“, die sich mit Pete Marino in die Sümpfe Louisianas auf Verbrecherjagd begibt? Ist es Benton Wesley, der aus seinem Versteck gekrochen kommt, um die Ex-Geliebte Kay zu beschützen? Oder sind es vielmehr die beiden Hauptschurken Jean-Baptiste Chandonne und sein Bruder Jay Talley, die eher an Raubtiere („Wölfe“ vs. „Lämmer“, unterscheidet Talley) erinnern? Ach ja, und dann gibt es noch Wölfe im Schafspelz.

Diese multiperspektivische Erzählweise ist von Lesern bei |Amazon| heftig kritisiert und bedauert worden. Dabei ist sie doch durchaus gebräuchlich und halbwegs modern. Nur steht eben nicht mehr Kay Scarpetta als strahlende Heldin da, die schon alles richten wird, sondern als Opfer ihrer früheren Chefs, Opfer der Schurken und wegen Ahnungslosigkeit sogar als untätige (oder gar unfähige?) Helferin von Kindern in der Höhle des Löwen. So viel defätistischer Realismus auf einmal ist offenbar für einige Leser schwer zu akzeptieren.

Es gibt zudem etliche Nebenhandlungen, durch die sich die Figuren durchwursteln müssen. So ist etwa nach Lucys Rückkehr in ihre Detektei erst einmal der ganze rechtliche Knatsch durchzukauen, der in Gestalt von Scarpetta und Staatsanwältin Berger Lucy in die Mangel nimmt, bis sie kaum noch weiß, wo bei ihrem Helikopter vorne und hinten ist. Dennoch wird dieses technische Wunderwerk detailliert beschrieben. Der Grund: Die Autorin fliegt selber so ein Schmuckstück.

All dieses Beiwerk ist aber beleibe nicht das Schlimmste an diesem Roman. Das Schlimmste sind die zahlreichen ungeklärten Fragen am Schluss. Sie werden zwar beantwortet, aber erst in den letzten fünf Minuten, und dann auf eine so beiläufig-wegwerfende Weise, dass der Eindruck entsteht, das sei ja alles gar nicht wichtig. Jedenfalls lange nicht so wichtig wie die Auferstehung Benton Wesleys, wenn er Kay gegenübertritt, die ihn für tot gehalten hat. Benton hat drei wichtige Gegner kurz mal so mit links ausgeschaltet. So tritt er nun seiner Kay nicht nur wie der auferstandene Jesus gegenüber, sondern auch wie der rettende Ritter in schimmernder Rüstung. Mit Kay Scarpetta als heiligem Gral.

Möchte die Autorin uns zur christlichen Lehre bekehren und zu Gralsrittern machen? Wir wollen’s nicht hoffen, aber man könnte es so interpretieren.

|Die Sprecherin|

Diesmal hat Franziska Pigulla reichlich Gelegenheit, ihre sprachliche Versiertheit unter Beweis zu stellen. Dass sie sowohl Besoffene und Wütende als auch Selbstmordkandidaten realistisch darzustellen vermag, könnte man vielleicht noch erwarten (obwohl sie keine Schauspielausbildung zu haben scheint). Auch das Brüllen, Kreischen und Säuseln hat man schon einmal gehört – in „Die Leopardin“ von Follett.

Dass sie aber sowohl Französisch und Englisch als auch Polnisch beherrscht, erstaunt doch ein wenig mehr. Die Beherrschung des Polnischen zeigt sich in ihrer korrekten Aussprache der Währungsbezeichnung „Zloty“: Es heißt eben nicht „sloti“, sondern „swoti“. (Eine wichtige Szene findet in Stettin statt. Da muss alles stimmen.)

Nun zum Französischen. Wie leicht könnte sich ein Nichtfranzose dabei lächerlich machen! Und dann ist noch ein kompletter Brief mit französischem Akzent, aber in deutscher Sprache vorzulesen. Normalerweise hört man so etwas in schlechten Komödien. Und um dies eben richtig hinzubekommen, muss man schon sehr ernsthaft bei der Sache sein. Noch einen Tick ernster wird’s, wenn der vorzulesende Brief von einem wahnsinnigen Mörder – Jean-Baptiste Chandonne – stammt, der sich wie ein Abklatsch von Hannibal Lecter aufführt. Das Sahnehäubchen: Die Lesende ist keine andere als ein früheres Opfer Chandonnes, das ihm sein Augenlicht genommen hat: Kay Scarpetta. Und wenn Chandonne jetzt blind ist, wie kann er dann diesen Brief in formvollendeter Handschrift geschrieben haben? Es ist also schon eine ziemlich unheimliche Szene, und es liegt ganz und gar bei der Sprecherin, sie so eindrucksvoll wie möglich zu gestalten. Es gelingt. Danach möchte man am liebsten wie Scarpetta gleich zur Toilette rennen …

_Unterm Strich_

Angesichts des Hypes, der um die Autorin getrieben wird, überrascht mich die mindere Qualität dieses ihres neuesten Werks schon ein wenig. Ich gebe dem Buch nur nur eine untere Wertung meiner Thriller-Skala. Nur die fabelhaft engagierte und fähige Sprecherin Franziska Pigulla verhilft dem Hörbuch zu einem Pluspunkt.

|Umfang: 480 Minuten auf 6 CDs|

[NEWS] Sandra Gugic – Zorn und Stille

Die Fotografin Billy Bana ist eine moderne Nomadin, die ihre Herkunft scheinbar hinter sich gelassen hat. Doch als ihr Vater stirbt, wird Billy von der Vergangenheit eingeholt: Wie konnte ihr kleiner Bruder bloß spurlos verschwinden? Und warum haben sie alle vier sich über die Jahre so sehr voneinander entfernt, obwohl sie sich doch eigentlich nah waren?
(Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Hoffmann und Campe

[NEWS] David Lopez – Aus der Deckung

Boxen, dealen, Karten spielen und ein bisschen Voltaire: In einer Kleinstadt mit endlosen Reihenhaussiedlungen irgendwo in der Provinz vertreiben sich Jonas und seine Kumpel die Zeit. Für sie ist es nicht Tristesse, sondern ihr Zuhause. Hier können sie große Töne spucken, hier werden sie respektiert. Ab und zu landet einer von ihnen im Knast. Jonas hat das Zeug zum Profiboxer, aber nicht den Elan. In der Hipster-Bar in der nahen Großstadt oder auf der Studentenparty machen er und seine Kumpel Stress, verlieben sich in Frauen, die für sie nicht infrage kommen, versuchen erst gar nicht, akzeptiert zu werden. Sie reden zwar vom Ausbruch, doch wem er gelingt, der gehört nicht mehr dazu.
(Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Hoffmann und Campe

[NEWS] Kassia St Clair – Die Welt der Stoffe

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das Stoffe herstellt – ohne sie wäre die menschliche Entwicklung nicht denkbar. Kassia St Clair erzählt faszinierend von Hanf, Leinen, oder der Entdeckung der Seide, von den Wikinger-Segeln aus Schafswolle, und dem Weltraumanzug Neil Armstrongs, den er nicht auszuziehen brauchte, wenn er auf die Toilette musste. (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Hoffmann und Campe

Alexander Oetker – Winteraustern

Ebbe, Blut und edle Austern

Winter auf dem Bassin d`Arcachon. Das bedeutet Hochkonjunktur bei den Austernzüchtern, schließlich sind Feiertage ohne Meeresfrüchte in Frankreich unvorstellbar. Besonders umtriebig sind zu dieser Zeit allerdings auch die berüchtigten Austerndiebe, denen man mit immer drastischeren Methoden begegnet.
Und so mündet das, was eine besinnliche Bootsfahrt werden sollte, für Luc Verlain in einen Mordfall, der ihn und seine Kollegen an ihre Grenzen bringt. (Verlagsinfo)

Inhalt und Eindrücke:

Alexander Oetker heißt uns mit seinem dritten Band um den Kommissar Luc Verlain wieder einmal im malerischen französischen Landstrich Aquitaine willkommen.
Wer erlebt dieses beliebte Reiseziel schon im Winter?

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[NEWS] Véronique Olmi – Bakhita

Sieben Jahre alt ist Bakhita, als sie aus ihrem Dorf im Sudan entführt wird. Damals heißt sie noch anders, doch die Erinnerung an ihren Namen verblasst mit jedem Jahr, in dem sie verschiedenen Herren dienen muss. Die Freundschaft mit Binah ist ihr in dieser Zeit der größte Halt, obwohl das Mädchen nicht Bakhitas Sprache spricht. Als ein italienischer Konsul Bakhita kauft, erkennt die junge Frau ihre Chance, das Schicksal zu wenden: Sie setzt alles daran, mit ihm nach Italien zu kommen. Hier hört sie erstmals von Jesus Christus und beschließt, dem „gekreuzigten Sklaven“ als einzigem Herrn zu dienen. Doch selbst als die Menschen sich an den Anblick der schwarzen Nonne gewöhnen, stehen die Spuren der Vergangenheit Bakhita ein Leben lang auf den Körper geschrieben und erinnern sie an die Familie, die sie hinter sich lassen musste. (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Hoffmann und Campe

[NEWS] Christopher Isherwood – Die Welt am Abend

Ein rauschendes Fest im Hollywood der vierziger Jahre: Inmitten von Glanz und Glamour bestätigt sich Stephen Monks Verdacht, dass seine Frau Jane ihn betrügt – er erwischt sie in flagranti. Kurzerhand verlässt er Jane und sein altes Leben und zieht zu seiner Tante nach Pennsylvania. Hier auf dem Land kommt er zur Ruhe und kann seinen Gedanken nachhängen, vor allem an seine Ehe mit Elizabeth, seiner großen Liebe. Zusammen reisten sie quer durch die Welt, bis Elizabeth unerwartet starb. Stephen fasst den Plan, ihre Briefe als ihr Vermächtnis herauszugeben. Doch die Briefe enthüllen unliebsame Wahrheiten über ihre Beziehung und über ihn selbst, den Getriebenen. Erstmals liegt Christopher Isherwoods Werk von 1954, das auch heute noch durch sein offenes Bekenntnis zur Homo- und Bisexualität viel Beachtung findet, in deutscher Übersetzung vor: ein eleganter, schillernder Roman über den Einzelnen in einer Welt mit sich wandelndem Wertekompass, über Schein und Sein, Rausch und Lust, Liebe und Freiheit und nebenbei ein atmosphärisches Panorama Europas und der USA von den Wilden Zwanzigern bis zum Zweiten Weltkrieg. (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Hoffmann und Campe

[NEWS] Oskar Panizza – Die Menschenfabrik

Schon 1890, lange vor Orwell und Huxley, hat Oskar Panizza sich in Die Menschenfabrik prophetisch, fesselnd und verstörend mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Mensch und Maschine auseinandergesetzt. Seine Erzählung handelt von der Optimierung der Menschheit, von der drohenden Herrschaft der künstlichen Intelligenz – und fragt danach, was den Menschen überhaupt ausmacht. (Verlagsinfo)

E-Book
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 90 Seiten
Hoffmann und Campe

[NEWS] Claire Messud – Das brennende Mädchen

Julia kann sich an keine Zeit erinnern, in der sie Cassie nicht gekannt hat. Sie sind schon so lange befreundet, dass es Julia schwerfällt zu begreifen, wie sie sich verloren haben. Kein einschneidendes Ereignis, das ihr helfen würde zu verstehen, und so spürt sie den vielen kleinen Dingen nach, die passiert sind seit jenem „Zwillingssommer“ vor zwei Jahren, „in dem es uns nicht im Traum eingefallen wäre, dass wir nicht für immer und ewig Freundinnen bleiben würden.“ Claire Messud erzählt von der ersten großen Freundschaft und davon, warum ihr Verlust uns prägt, und stellt zugleich die großen Fragen: Wie gut können wir einander jemals kennen? Wie wahr sind die Geschichten, mit denen wir uns unser Leben und unsere Beziehungen zu erklären versuchen? (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Hoffmann und Campe

[NEWS] Alessandro Baricco – Die junge Braut

Eine anarchische Hymne auf das Schreiben, das Leben und die Liebe

Eine Familie in einem alten Gutshaus: Da ist der Vater, der gar nicht der Vater ist. Da ist die bizarr schöne Mutter. Der Onkel, der ununterbrochen schläft. Die hinkende Tochter. Und eines Tages steht die junge Braut in der Tür, die sich dem Sohn versprochen hat – der unauffindbar ist. (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Hoffmann und Campe

[NEWS] Patricia Cornwell – Ihr eigen Fleisch und Blut: Ein Kay-Scarpetta-Roman

An ihrem Geburtstag findet Kay Scarpettas auf ihrer Mailbox eine kryptische Nachricht von einem gewissen „Copperhead“, und kurz darauf entdeckt sie an ihrer Gartenmauer sieben blank polierte Münzen. Ein alberner Scherz? Bevor sie darüber nachdenken kann, klingelt das Telefon und Detective Pete Marino berichtet ihr, dass ganz in ihrer Nähe ein Mann erschossen wurde. Auf dem blank polierten Projektil, so stellt man später fest, ist die Zahl 3 eingraviert. Es ist bereits der dritte Mord, der nach diesem Muster begangen wurde – und die Opfer stammten alle aus Scarpettas Umfeld. Sieben Münzen, drei Morde: bleiben noch vier … (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Hoffmann und Campe

[NEWS] Petra Reski – Die Gesichter der Toten

Mafiaboss Alessio Lombardo ist seit Jahrzehnten flüchtig, doch als Serena Vitale mit den Ermittlungen beauftragt wird, kommt Bewegung in den Fall. Während die Staatsanwältin nach Don Alessio fahndet, wird eine Spur nach Deutschland immer heißer: Sie stößt nicht nur auf Komplizen und eine glamouröse Geliebte des Paten, sondern auch auf die Geschichte ihres eigenen Vaters, der als Gastarbeiter nach Dortmund kam – und von dem sie plötzlich nicht mehr weiß, ob er wirklich auf der richtigen Seite stand. Lombardo bleibt jedoch verschwunden, und ein inhaftierter Mafioso erhängt sich in seiner Zelle. Als Serena Vitale die Umstände des Selbstmords zu klären versucht, gerät sie selbst in höchste Gefahr … (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Hoffmann und Campe

[NEWS] PATRICIA CORNWELL – Blendung

Als Kay Scarpetta nach einem furchtbaren Einsatz an ihr Institut zurückkehrt, wartet gleich der nächste Fall auf sie: eine in Leinenstoff eingewickelte Frauenleiche, die man auf dem Campusgelände gefunden hat. Es handelt sich um die Informatikstudentin Gail Shipton, die zuletzt in einer beliebten Bar gesehen wurde, in der auch Scarpettas Nichte Lucy gern verkehrt. Ein Zufall? Die forensische Untersuchung legt nahe, dass die Studentin Opfer eines Serienmörders wurde. Bei ihren Ermittlungen gerät Kay Scarpetta in eine Welt, die von modernster Überwachungstechnologie und Designerdrogen beherrscht wird. Noch bedrohlicher allerdings scheint der tiefe Sumpf von organisierter Kriminalität und Korruption auf höchster Ebene, auf den sie bei ihren Ermittlungen stößt.
(Verlagsinfo)

Gebunden, 512 Seiten
Hoffmann und Campe

Erik Larson – Tiergarten: In the Garden of Beasts. Ein amerikanischer Botschafter in Nazi-Deutschland

Inhalt:

Im Sommer des Jahres 1933 ist das Deutsche Reich aus US-amerikanischer Sicht ein Land, das nur aus einem Grund besonderer Aufmerksamkeit bedarf: Nachdem das Reich 1918 den I. Weltkrieg verloren hatte, wurden ihm im Versailler Vertrag hohe Reparationszahlungen auferlegt. In den Vereinigten Staaten hatten patriotische Bürger Kriegsanleihen gezeichnet, die sie jetzt mit Gewinn einlösen wollen.

Der ungestörte Geldfluss wird nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 umso wichtiger. Nichts darf ihn stören, was der neue US-Botschafter William E. Dodd vor allen anderen Dienstpflichten garantieren soll. Dass in Deutschland im März 1933 eine obskure Partei namens „NSDAP“ an die Macht gekommen ist, sorgt in den fernen USA nicht für Schlagzeilen. In der Weimarer Republik sind seit 1918 zahlreiche Regierungen gekommen und gegangen. Niemand rechnet damit, dass sich die „Nazis“ unter ihrem seltsamen „Führer“ Adolf Hitler halten werden. Erik Larson – Tiergarten: In the Garden of Beasts. Ein amerikanischer Botschafter in Nazi-Deutschland weiterlesen

Thomas Harris – Hannibal Rising

Das geschieht:

Litauen im Winter des Jahres 1945: In seinen letzten Wochen erreicht der II. Weltkrieg auch das Jagdhaus, in dem sich die Familie des Grafen Lecter bisher verbergen konnte. Die Eltern und das Gesinde kommen um, nur Sohn Hannibal und seine kleine Schwester Mischa überleben, bis eine versprengte Gruppe litauischer Nazi-Kollaborateure das Jagdhaus entdeckt und besetzt. Als die Lebensmittel knapp werden, schlachten und fressen die Eindringlinge Mischa. Verzweifelt kann Hannibal fliehen; der hochintelligente Junge wird das Erlebte nie vergessen und schwört den Mördern Rache.

Der im Schock stumm gewordene Hannibal kommt in ein Kinderheim. Dort spürt ihn sein in Frankreich lebender Onkel Robert auf. Der berühmte Maler nimmt ihn auf, aber Hannibals Liebe gilt vor allem seiner Gattin, der Japanerin Lady Murasaki, die ihn zum Sprechen bringt, fördert, als der Onkel stirbt und sogar seine Geliebte wird. Thomas Harris – Hannibal Rising weiterlesen

Brian Freeman – Doppelmord (Unmoralisch)

Spannendes Thrillerdebüt: Mädchenmorde im hohen Norden

Lieutenant Jonathan Stride ermittelt in einer Serie von Mädchenmorden, die seine Heimatstadt Duluth, Minnesota, erschüttern. Das erste Opfer war Kerry McGrath, lebenslustig und süße sechzehn. Ihre Leiche wurde noch nicht gefunden. Und jetzt Rachel Deese, das gleiche Lied. Doch die Wahrheit hinter Rachels Verschwinden ist komplizierter, als sich Stride das hätte träumen lassen. Und viel unmoralischer. Aber nach dem Indizienprozess erhält er eine seltsame Postkarte mit einer weiblichen Handschrift. Die Spur führt nach Las Vegas.

Der Autor

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Marklund, Lisa – Paradies (Lesung)

Dieser Roman schließt direkt an [„Studio 6“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=904 an. Die Journalistin Annika Bengtzon beschäftigt sich diesmal mit einer Privatorganisation, die bedrohte Menschen verschwinden lassen kann, und mit der serbischen Mafia in ihrem Land. Außerdem findet sie einen neuen Mann in ihrem Leben. Leider ist er schon verheiratet. Aber das lässt sich ja ändern.

_Die Autorin_

Liza Marklund, geb. 1962, verließ mit 19 die nordschwedische Provinz, um in Tel Aviv Orangenbäume zu pflanzen und in London Pizza zu verkaufen. Nach ihrer Rückkehr nach Schweden studierte sie Journalismus und arbeitete bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Mehrere Jahre war sie Nachrichtenchefin des schwedischen Privatsenders „TV 4“. Diesen Traumjob kündigte sie, um Romane zu schreiben. Der Erfolg gibt ihr Recht: Für ihr Debüt „Olympisches Feuer“ (dt. 2000) erhielt sie 1998 den Poloni-Preis sowie den Debütpreis der schwedischen Kriminalakademie. Der Nachfolgeroman, „Studio 6“ war weltweit ein Erfolg. Liza Marklund lebt mit ihrem Mann Micke, einem Fernsehproduzenten, und ihren drei Kindern in Stockholm. Bei |Hoffmann und Campe| erschienen bisher die Romane „Olympisches Feuer“ (2000), der fürs Kino verfilmt wurde, „Studio 6“ (2001), „Paradies“ (2002), das Doku-Drama: „Mia – Ein Leben im Versteck“ und „Der Rote Wolf“ (2004). (Verlagsinfo)

_Die Sprecherin_

Judy Winters Karriere am Theater begann 1962. Die 1944 Geborene wurde von Peter Zadek ans Bremer Theater engagiert und feierte in Musicals wie „My Fair Lady“ oder „Hello Dolly“ große Erfolge. Es folgten zahlreiche TV-Filme, u. a. Simmel-Verfilmungen und der Kult-Tatort „Reifezeugnis“. Mit dem Programm „Marlene“ hat Judy Winter einen Meilenstein ihrer Kunst gesetzt. Damit ging sie im Sommer 2001 auf Japan-Tournee. Sie hat bereits Marklunds Romane „Prime Time“ und „Studio 6“ gelesen.

Winter liest die von Gisela Mathiak gekürzte Fassung.

_Handlung_

Die ehrgeizige „Abendblatt“-Journalistin Annika Bengtzon, 24, hat den beruflichen Durchbruch nach den Ereignissen um „Studio 6“ noch nicht geschafft. Sie ist erst Textredakteurin, bereitet also die Artikel ihrer Kollegen und der freien Autoren auf. Wenigstens ist ihr direkter Vorgesetzter Jörnsson zufrieden. Sie darf für die Kriminalredaktion arbeiten, aushilfsweise.

Da erhält sie die Meldung, dass im Stockholmer Freihafen zwei Leichen in einem Flugzeugwrack gefunden worden seien. Waren es Schmuggler? Zigarettenschmuggel aus Russland und Estland scheint ein großes Geschäft geworden zu sein. Und was alles in den Sattelschleppern steckt, die am Freihafen herumstehen, weiß nicht einmal der Zoll ganz genau. Was Annika nicht weiß: Ein Laster mit 50 Millionen Zigaretten ist verschwunden; Wert: 50 Millionen Kronen. Und das bereitet in der Unterwelt mächtigen Ärger und führt zu weiteren Toten.

Kurz darauf erhält Annika am „Idiotentelefon“, auf dem die Öffentlichkeit die Redaktion erreichen kann, einen merkwürdigen Anruf, dem sie aber nachgehen will. Eine Frau namens Rebecca Björgstig hat eine private Organisation für von Mord bedrohte Frauen gegründet und will dies nun publik machen – nur um von den Sozialbehörden entsprechende Geldspritzen zu erhalten, wie Annika bald herausfindet. Doch wie ist es möglich, einen Menschen überhaupt in Schweden zu verstecken, ihn aus sämtlichen öffentlichen Verzeichnissen zu „löschen“? Das wundert Annika doch sehr. Die Stiftung Björgstigs nennt sich „Paradies“, nach dem Garten Eden, der von einer Mauer vor dem Bösen geschützt wurde.

Noch ein Anruf, der wichtigste. Aida Begovic ist eine bosnische Flüchtlingsfrau, die angeblich in Schweden von der jugoslawischen Mafia verfolgt wird: Auch sie hätte im Freihafen erschossen werden sollen, erzählt sie. Nach einem Interview gibt Annika der Frau aus Mitgefühl die Geheimnummer zu der „Paradies“-Organisation. Gerade noch rechtzeitig, denn schon taucht vor der Tür ihres Hotelzimmers Aidas Verfolger auf, Radko, ein serbischer Söldner. Annika gelingt es, ihn abzuwimmeln und Aida in Sicherheit zu bringen. Aida schenkt ihr zum Dank eine symbolträchtige Goldkette.

Ist „Paradies“ wirklich, was es zu sein vorgibt? Annika kommen durch ihre Interviews und Recherchen immer größere Zweifel, ob es sich überhaupt um eine legale Stiftung handelt und nicht vielmehr um die Geldbeschaffungsmaschine einer Serienbetrügerin. Ein Domizil von „Paradies“ ist Voxhavn, wo auch Aida lebte. Der Sozialkämmerer des dortigen Sozialamtes, Thomas Samuelsson, lebt unglücklich in einer kinderlosen Ehe mit einer stellvertretenden Bankdirektorin (wir treffen Eleonor in [„Prime Time“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=385 wieder) und verliebt sich sofort in Annika, aber natürlich dauert es bis zum Schluss, bis die beiden zusammenkommen. Er gibt Annika entscheidende Information über das fiese Spiel, das Rebecca Björgstig alias Ingrid Agneta Nordin alias Eva Ingrid Andersson mit dem Sozialamt treibt.

Durch ihre Einmischung geraten Annika und Thomas zwischen die Fronten, denn Radko sucht immer noch Aida Begovic, und Rebecca Björgstig scheint in Verbindung mit ihm zu stehen. Ist „Paradies“ nur ein Schleusernetz der serbischen Mafia? Das fragt sich Annika, als die beiden Schurken Thomas bewusstlos schlagen und Annika einsperren. Da ahnt sie, dass noch viel mehr dahinterstecken muss.

_Mein Eindruck_

War [„Studio 6“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=904 der reinste Zickzacklauf und nicht gerade das glorreichste Abenteuer für die Anfängerin Annika Bengtzon, so ist „Paradies“ wesentlich spannender sowie actionreicher und Annika kann sich endlich erfolgreich durchsetzen, beruflich wie privat.

Diesmal nimmt die engagierte Reporterin und Autorin Marklund zwei heiße Eisen ins Visier: die Asylantenpolitik und die vielfältigen Aktivitäten der jeweils herrschenden Mafia, der nicht nur Schmugglerbanden, sondern auch Asylantenschleuser angehören. Wenn Henning Mankell die afrikanischen Einwanderer zu Protagonisten machen kann, so kann Marklund mit gleichem Recht bosnische und serbische Flüchtlinge in das Personal ihres Romans aufnehmen. Sehr intensiv sind die Zitate aus Aida Begovics privatem Tagebuch, in dem sie von ihrer Vertreibung erzählt.

Die Probleme, mit denen die Asylanten zu tun haben, sind ähnlich gelagert wie bei Mankell, so etwa die Abhängigkeit von Schleusern und anderen mafiosen Gestalten. (Nur dass Aida noch einen anderen Grund hatte, nach Schweden zu kommen: Rache an den Mördern ihrer Familie.)

Dass die Kripo sich als machtlos gegenüber der jeweiligen Mafia erweist, prangert Marklund gnadenlos an. Offenbar mangelt es an politischem Willen, etwas gegen die Mafia zu unternehmen. Daher können auch Pseudo-Organisationen wie „Paradies“ fröhlich Profit herausschlagen, indem sie die Sozialämter betrügen. Die Steuerzahler haben ja eine Eselsgeduld.

Beruflich scheint Annika endlich in eine festere Position zu gelangen. Dafür aber bemüht sich ihr Redaktionschef Anders Schüman, seinen eigenen Chef Torstensson wegen kompletter Unfähigkeit abzusägen. Erst in „Prime Time“ soll es ihm gelingen.

Annikas Privatleben befindet sich in einem dynamischen Übergang, der nicht ohne Stress abläuft. Erst stirbt ihre über alles geliebte Großmutter, dann klagt ihre eigene Mutter sie als „Unglücksrabe“ der Familie an! Schließlich habe Annika mindestens einen Menschen auf dem Gewissen! In Thomas Samuelsson findet Annika zunächst einen Liebhaber für eine Nacht, doch als sie feststellt, dass sie von ihm schwanger ist, muss sie eine Entscheidung herbeiführen. Ob Thomas‘ Frau ihn einfach so gehen lässt?

Diese privaten Wechselfälle schildert Marklund ebenso anschaulich, einfühlsam und verständlich wie die großen politisch-mafiosen Hintergründe und Zusammenhänge, denen ihre Heldin auf die Spur kommt. Die Auffassungsgabe des Zuhörers wird jedoch auf die Probe gestellt: Die Erzählstruktur, derer sich Marklund diesmal bedient, ist wesentlich komplizierter als in dem einfach gestrickten „Studio 6“. Auch hier gibt es wieder Zitate aus einem Tagebuch, aber der Verlauf der drei Haupthandlungsstränge ist verschlungener.

Daher fiel es mir beispielsweise schwer, die bedeutsame Verbindung zwischen der Stiftung „Paradies“ und der serbischen Mafia unter Radko herzustellen. Vielleicht habe ich einen Moment nicht aufgepasst, und schon war’s passiert. Wer diesen Zusammenhang nicht herstellen kann, hat Probleme, das „Paradies“-Thema mit den Radko-Szenen in Verbindung zu bringen und ihre Bedeutung zu intepretieren. Diese Schwäche seitens der Darstellung kann auch auf die Kürzungen im Hörbuchtext zurückzuführen sein.

_Die Sprecherin_

Judy Winter verfügt über einen unglaublichen Stimmumfang, möglicherweise geschult durch ihre Musicalkarriere. Die Stimme reicht vom maskulinen Bass bis in die Höhen von Kinderstimmchen und Zickengekreisch. Deswegen fällt es ihr auch nicht schwer, Vertreter beider Geschlechter ebenso glaubwürdig zu sprechen wie etwa ein Kind. Sehr schön gelingt ihr Vortrag bei der einfühlsamen und tränenreichen Liebesszene zwischen Thomas und Annika – die Sprache wird hier recht poetisch, und bei unsensiblen Zuhörern könnte dies auf Ablehnung stoßen. Judy Winter rettet die Stelle, die ganz wesentlich für die Glaubwürdigkeit der zarten Liebesbande zwischen Thomas und Annika ist.

Die Wirkung von Judy Winters Vortrag ist durchaus fesselnd. An spannenden Stellen liest sie langsam, an actionreichen natürlich schneller. Dennoch gehört die Mehrheit der Stimmen weiblichen Figuren, und da könnte die Charakterisierung durch unterschiedliche Stimm- oder Tonlage größer sein, um die jeweilige Figur besser unterscheidbar zu machen – eines der Hauptprobleme bei einem Hörbuchvortrag. Bei einer Handlung mit über einem Dutzend Figuren ist dies umso notwendiger.

Beeindruckend ist Winters Beherrschung des Englischen und Schwedischen, die sie gleichermaßen korrekt aussprechen kann. Ihre Aussprache des Schwedischen stellt sicher gehobene Ansprüche, und wie im Englischen und Deutschen entspricht das geschriebene Wort nicht immer dem gesprochenen. Das kann besonders bei den zahlreichen Namen des Romans Verwirrung stiften, insbesondere dann, falls die Aussprache schwankt.

_Unterm Strich_

„Paradies“ ist noch besser als „Studio 6“, indem es spannender, actionbetonter und ehrgeiziger in seiner politischen Aussage ist. Aber es verlangt vom Konsumenten auch ein höheres Maß an Aufmerksamkeit, Intelligenz und Kombinationsfähigkeit – die Erzählstruktur ist komplexer, abwechslungsreicher. Sehr befriedigend ist es natürlich, endlich zu erfahren, dass sich Annika nach ihren massiven Niederlagen in „Studio 6“ wieder berappelt und unter ihrem neuen Chef anspruchsvollere Aufgaben erhält. Natürlich deckt sie auch diesmal wieder eine hammerharte Affäre auf, die das Ende der serbischen Mafia in Schweden bedeutet. (Im zynischen Epilog wird erwähnt, dass die abgeschobenen Serben sofort von den Russen ersetzt wurden.)

Ich kann dem Leser bzw. Zuhörer nur dazu raten, sich sofort die Fortsetzung „Prime Time“ zu Gemüte zu führen. „Olympisches Feuer“ hingegen spielt nach Angaben der Autorin erst acht Jahre nach den Ereignissen in „Studio 6“. Man kann diesen Roman also gut als Letzten lesen.

Im August 2004 wurde auch der Marklund-Roman [„Der Rote Wolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=573 als Hörbuch bei |Hoffmann und Campe| veröffentlicht.

|373 Minuten auf 5 CDs|