Michael Marcus Thurner – Der verheerte Planet (Perry Rhodan 2877)

Perry Rhodan im Untergrund – er erfährt eine dramatische Vergangenheit.

Im Januar 1519 Neuer Galaktischer Zeitrechnung (NGZ) verändert sich die Situation in der heimatlichen Milchstraße grundlegend: Die Herrschaft des Atopischen Tribunals, das aus der Zukunft agiert, wird abgeschüttelt. Gleichzeitig endet der Kriegszug der Tiuphoren, die aus der Vergangenheit aufgetaucht sind. Viele Folgen dieser Ereignisse werden sich erst in den kommenden Jahren und Jahrhunderten abzeichnen. Wie es aussieht, werden die Milchstraße und die umliegenden Sterneninseln künftig frei sein, was den Einfluss von Superintelligenzen und anderen kosmischen Mächten angeht.

Allerdings kosteten die Erfolge einen hohen Preis: Perry Rhodan musste sterben. Sein körperloses Bewusstsein ging in ein sogenanntes Sextadim-Banner ein. In dieser Form verlässt er mit den Tiuphoren die Milchstraße – er tritt die Reise in die ferne Galaxis Orpleyd an. Als er im Jahr 1522 NGZ dort ankommt, muss er feststellen, dass Orpleyd von einem Geheimnis umgeben wird, dem sich der Terraner nicht entziehen kann. Im Zentrum steht die Heimat der Tiuphoren, DER VERHEERTE PLANET…
(Verlagsinfo)

Wieder erleben wir durch Rhodans Augen die Vergangenheit und den Werdegang eines Volkes, wie wir es brutaler und Lebensverachtender kaum kennen gelernt haben in der Geschichte dieser endlosen Weltraumserie. Die Wurzeln dieses Volkes zeigen sich jedoch von unerahnten Seiten, die die Frage aufwerfen: Können wir die Tiuphoren eigentlich verantwortlich für ihr Tun machen? Ein heikles Thema …


Das Hin und Her Rhodans zwischen seiner Erinnerungsreise im Cyberspace und den erzwungenen Rückrufen in die Realität ist im Verlauf ermüdend und dämpft das Interesse für die Geschichte. Das eigentliche Thema ist natürlich eben diese Erinnerungsreise, und diese Inhalte sind auch fraglos interessant, werfen ein neues Licht auf die Tiuphoren. Wobei die Frage erlaubt sein muss, warum man aus diesen Bestien nun Opfer machen muss, Opfer eines Spiegelbildes ihres jetzigen Selbst, Opfer eines fehlgeschlagenen Experiments … Die Sympathie, die man diesen Tiuphoren aus Rhodans Erkenntnisreise entgegen bringt, lässt sich schwerlich auf die bisher bekannten Taten dieses Volkes übertragen. Es gelingt auch nur unzureichend, die Tiuphoren in den bekannten Parametern zu beschreiben, eher erscheinen sie wie austauschbare Figuren ohne besonderes Profil. Die philosophische oder psychologische Frage nach der Verantwortung ihres Tuns hat einen herben Klang, der mir auch in unserer Welt stets missfällt, wenn es um die sogenannte »schwere Kindheit« und dergleichen geht, um Täter, die eigentlich Opfer sein sollen. Das ist eine moderne Sichtweise, die ich meist nicht teilen kann, und mich bewegt dann eigentlich auch nicht die Frage nach den Gründen für eine Untat, sondern nach den Auswirkungen für die Opfer.

In dieser Romanwelt allerdings haben wir nun über 75 Heftromane hinweg die Opfer erlebt, da ist es nur interessant und spannend, einen näheren Blick auf die Täter zu werfen. Trotzdem sei jedem ungenommen, die Tiuphoren weiterhin als Übeltäter anzusehen.

Rhodans Affinität zu dem kleinen Mädchen zeigt nun in der Geistreise keine größeren Auswirkungen, die sorgfältig im Vorgängerband aufgebaute Charakteristik seiner Anwesenheit in der sogenannten »Urkunde«, der erinnerten Vergangenheit, gerät nun etwas beliebig, und auch sein Aufenthalt in der Pararealität verliert an Griffigkeit. Dem gegenüber stehen die Sequenzen um Rhodans Begleiter in der wirklichen Welt, die nach einem Fluchtweg suchen und um Rhodans Geistesgesundheit bangen. Ihr Teil des Romans ist bis auf einen kurzen Abschnitt um eine besondere Emanzipation eher belanglos dargestellt.

Das Abdriften in die Tiefen des irrealen Raums der Tiuphoren ist für den Protagonisten nicht gefahrlos, wenn man den Urteilen seiner Gefährten trauen darf. Doch sind das nur Hinweise von Seiten des Autors, die sich nicht in der Erlebniswelt des Romans wiederfinden. Hier hätte man sich mehr Dramatik vorstellen können.

Das mag in diesen harten Worten jegliches Interesse an dem Roman entziehen, jedoch muss das relativiert werden: Tom Jacobs als Leser erbringt eine beachtliche Leistung bei der Interpretation der Figuren. Denn obwohl er der Dramatik eines Andreas Laurenz Meier nicht nahe kommt, zwingt seine besonnene und ausdrucksstarke Stimme den Hörer in ihren Bann, so dass man den durchaus interessanten neuen Aspekten gespannt folgen kann und die eher füllenden Nebensächlichkeiten entspannt über sich ergehen lässt. Als Gesamtkonzept trägt der Roman seinen Inhalt grundsolide, ist jedoch keine Meisterleistung des Autors.

Erfreulich dagegen bleibt weiterhin die Erkenntnis, dass dieser Kurzzyklus, der sich über 25 Romane zu erstrecken gedenkt, mit einer straffen Handlung aufwartet. Hier geht es zur Sache, und man darf gespannt sein, wie lange die Autoren dieses Tempo beibehalten können. Nun wechselt man allerdings vorerst die Handlungsebene und wirft einen Blick zurück auf die Freunde, die in der Milchstraße die Suche nach Rhodan einleiten. Hoffen wir, dass auch dieser Strang ähnlich energisch an den Start geht.

(Mehr zu den Hintergründen der Perry-Rhodan-Serie in der Perrypedia.)

Hörbuch
gelesen von Tom Jacobs
Spieldauer: 3 Stunden und 11 Minuten
Ungekürzte Ausgabe
Verlag: Eins A Medien GmbH

http://www.perry-rhodan.net/

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