Lueg, Lars Peter / Richter, Devon / Frey, Nikola – Hexensabbat (Offenbarung 23, Folge 37)

_Kurios: Königin Luises Wiederauferstehung_

Ein paar Adelige aus der Prätorianer-Loge wollen Königin Luise wieder zum Leben erwecken – mit Pia von Boysen als Blutopfer! Dürfen Tom Baumann und Florian das zulassen? Selbstredend nicht!

„In einer Zeit, in der kein Geheimnis sicher ist vor unbarmherzigen Erpressern, rücksichtslosen Verschwörern, bestechlichen Behörden oder machthungrigen Geheimdiensten, kannst du nur dir selbst vertrauen. Wenn du die Wahrheit wirklich wissen willst, brauchst du Stärke und Mut. Niemand wird dir dafür danken, aber vielleicht kannst du die Welt verändern.

Was steckt hinter den Mysterien von Magie und Astrologie? Gibt es ein verborgenes Wissen, das niemand jemals ergründen darf? Kann es sein, dass es dort draußen mehr gibt als das, was man mit wissenschaftlichen Methoden erklären kann? Oder steckt eine einfache Erkenntnis hinter allem, was wir als ‚okkult‘ bezeichnen?“ (abgewandelte Verlagsinfo)

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Erzähler: Helmut Krauss
Stimme des Schicksals: Franziska Pigulla
Graf Eberhard: Lutz Riedel
Nadja Uljanow: Arianne Borbach
Tom Baumann: David Nathan
Pia van Boysen: Marie Bierstedt
Florian Bogner: Dietmar Wunder
Alexander Andropow: Tilo Schmitz
Jutta: Denise Gorzelanny
Hagen Wolf: Udo Schenk
Karl von Stetten: Marcel Collé
Jürgen Schubert: Detlef Bierstedt
Hendrik van Boysen: Michael Pan
Dirk Falken: Björn Schalla
Grace Jones: Christin Marquitan
Jens Wagner: Tobias Kluckert
Klaus Fischer: Lutz Mackensy
Schwester Augusta: Regina Lemnitz
Pater Bruno: Andy Matern

Regie, Produktion und Dramaturgie lagen in den Händen von Lars Peter Lueg. Die Dialogbücher stammen von Devon Richter & Nikola Frey. Die Musik stammt von Andy Matern. Die Gitarren spielte Stefan Ellerhorst.

Die Aufnahmeleitung im Studio |Sprachaufnahmen-Berlin.de| und bei |LPL records| in Nidda hatte Anno Storbeck inne.

_Handlung_

Schloss Grunewald ist nicht nur der Wohnsitz von Graf Eberhard von Hohensalza, sondern auch das Hauptquartier der Prätorianer-Loge, die unserem Heldentrio Tom, Florian und Pia schon einiges Ungemach bereitet hat. Dass Tom Baumann aus den Klauen von Graf Eberhards Verbündeter Nadja Uljanow befreit werden konnte, zählt zu Nadjas und Eberhards größten Niederlagen. Doch Nadja konnte den Ex-Agenten des Netzwerks Operation 13 entschlüpfen: Sie verschwand auf dem Flug von Berlin nach Moskau per Fallschirm. Deshalb kann sie Eberhard wieder anrufen und ihm einen heißen Tipp geben: „Geh in die Staatsbibliothek! Dort findest du einen Schatz.“

Tatsächlich eskortiert einer der von Nadja bestochenen Wachleute des Staatsarchivs Graf Eberhard und seinen Logenbruder Karl Benediktus von Stetten in einen kleinen Lesesaal. Er gibt ihnen exakt fünf Minuten Zeit, sich den „Schatz“ anzusehen, und geht. Die Alleingelassenen entdecken, dass es sich um das Dokument hinter Panzerglas um „Das Lied der Deutschen“ aus dem Jahr 1841 handelt: das Original. Auf dessen Rückseite steht jedoch etwas höchst Erstaunliches: eine verschollene Zauberformel für einen wichtigen Ritus der Loge, der die Aufhebung des Todes bezweckt. Eberhard schreibt sie begeistert ab …

Am nächsten Tag hören Tom, Flo und Pia, dass die Leiche der Königin Luise, die 1810 starb, aus dem Mausoleum in Charlottenburg geraubt wurde. Wer würde denn sowas tun? Tom und Pia hegen sofort einen Verdacht gegen Hohensalza und gegen Graf Zahl von der Stiftung Preußische Denkmäler. Einer der Exagenten von Operation 13 bittet sie um Mithilfe. Pia bekommt von ihrem Vater, dem Messi Hendrik von Boysen, einen wichtigen Tipp. König Friedrich war damals ein Mitglied des Rosenkreuzer-Ordens, wie so viele Adelige seiner Zeit. Aber was wollen die Leichenräuber mit ihrer Beute anfangen? Sie wieder zum Leben erwecken etwa?

Eine Konsultation von |Wikipedia| und |Google Maps| weist ihnen den Weg zum Teehäuschen Belvedere, einer Kultstätte der Rosenkreuzer, die unweit Charlottenburgs mitten in dessen Park liegt. Die Bauweise vereint die Symbole von Rose und Kreuz. Sie können nicht hinein und müssen einen Fachmann fragen. Kaum sind die Männer weg, wird Pia überfallen und entführt, nur ihre Freundin Grace, eine Exagentin, kann die Männer warnen. Tom besorgt sich eine Knarre, Flo eine Ladung C4-Sprengstoff.

Tom schießt die Tür auf, drinnen brennt Licht, sie eilen ins zweite Stockwerk. Kommen sie noch rechtzeitig, oder hat Hohensalza bereits sein teuflisches Werk an Pia vollendet?

_Mein Eindruck_

Die Handlung erinnert stark an diverse Vampirromane, in denen die Wiederbelebung von Toten sowie Blutopfer eine Rolle spielen. Natürlich sind diese Opfer stets weiblich, stets jung und in aller Regel schön. Interessant ist allerdings, dass dieser abgedroschene Plot in die preußische Vergangenheit eingebettet wird, in der Königin Luise eine zentrale Rolle spielte. Um sie rankt sich ja immer noch ein Mythos, dem bereits ein paar Filme gewidmet wurden.

Da verwundert es wenig, wenn sich ein reaktionärer Adeliger mit einem Dachschaden zu der Idee versteigt, sie wieder zum Leben zu erwecken, zu ehelichen und sich so einen Anspruch auf einen preußischen Thron zu sichern. Das hätte ihm aber in einer demokratischen Republik aber auch nichts geholfen. Die Regierung hätte über ihn gelacht, doch unter anderen Adeligen und Logenbrüdern wären ihm natürlich Anhänger zugeströmt, mit Geld in den Taschen.

Dass sich der Wiederbelebungs-Zauberspruch ausgerechnet auf der Rückseite der Nationalhymne befinden soll (ohne dass ihn ein Archivar zuvor entdeckt hätte?), ist allerdings ein perfider Einfall. Er erinnert an den Plot des Films „Das Vermächtnis der Tempelritter“, in dem sich eine Schatzkarte auf der Rückseite der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung befindet.

Dass wir es hier mit echter Magie zu tun haben können, weisen die drei Helden allerdings weit von sich. Pia und Tom glauben, es mit Autosuggestion zu tun zu haben, einer Art Selbsthypnose, wie sie auch von Fakiren angewandt wird, um Schmerzen ertragen zu können. In der Tat passt die Wiederauferstehung von Königin Luise, trotz aller Komik, komplett in dieses Erklärungsmuster. Kein Wunder, dass Hohensalza völlig seinen Verstand verliert!

_Die Inszenierung_

Da ich sämtliche Folgen zwischen 29 und 37 verpasst habe, betrat ich mit Nr. 37 Neuland: Drei neue Helden – die drei Bs – ein Netzwerk von Ex-Agenten als Helfer und unbekannte Gegenspieler, die sich Prätorianer-Loge und Goldene Horde nennen. Das ist eine Menge Zeug, an das ich mich gewöhnen musste. Der Bruch, der mit Folge 30 erfolgte, ist doch im Aufbau der Story ziemlich deutlich.

|Die Sprecher|

Aber andere Dinge sind geblieben. So gibt es weiterhin die bekannten Sprecher David Nathan (Tom Baumann), Marie Bierstedt (als Pia) und Dietmar Wunder (alias Florian), ebenso Helmut Krauss als Erzähler und Tilo Schmitz, der diesmal einen Exagenten spricht. Das Heldentrio ist auf überraschende Weise entschlossen, anderen Leuten den Garaus zu machen, Tom mit Knarre, Flo mit Sprengstoff. Offenbar gehört jetzt Pyrotechnik mit zum Programm. Die alte Ironie und Verletzlichkeit der Hauptfiguren ist wie weggeblasen. Stattdessen sind die ausgepowerten Helden selbst Gegenstand von Ironie geworden, sofern man in der Lage ist, sie nicht ernstzunehmen.

Wunderbar gelungen ist der Auftritt des reichlich labilen Eberhard von Hohensalza, offenbar „letzter Sproß eines uralten Geschlechts“ – und wir wissen ja aus Poes „Haus von Usher“, wie verderblich solche Abkunft sein kann. Aber den Sprecher Lutz Riedel, sonst für seine Stimmbandvertretung von Timothy Dalton bekannt, ficht dies nicht an. Vielmehr macht er sich einen Spaß daraus, auch Königin Luise eine Tonlage höher zu sprechen und die Unterwerfung ihrer Untertanen zu fordern. Selbst noch in der Irrenanstalt von Ordensschwester Augusta (wunderbar: Regina Lemnitz, die Stimme von Kathy Bates) verlässt ihn nie sein irres Lachen.

|Geräusche|

Die Geräusche entsprechen dem realistischen Eindruck, den man von der Handlung bekommen soll: Schritte, Telefone, Trinkgeräusche, Hintergrundstimmen und so weiter, sogar eine Invasion von Marienkäfern (die gab’s letzten Sommer tatsächlich) wurde nachgebildet. Auch die Schussgeräusche klingen satt und wuchtig, nicht nach Knallbonbons wie in alten Filmen aus den Fünfzigern. Die Explosion ist ebenfalls sofort als solche zu identifizieren – den Bässen sei Dank auch mit ordentlich Schmackes.

|Musik|

Neben der dahinplätschernden oder spannenden Hintergrundmusik gibt es noch die sattsam bekannten Serien-Intros und Outros. Aus den fetzigen E-Gitarren Markus Wienstroers hat Stefan Ellerhorst eine rappende Version gebastelt, die fetter klingt und dem modernen Geschmack besser entspricht.

|Das Booklet|

Im Booklet finden sich die Credits für das Werk sowie eine Liste aller Folgen der Reihe. Die vierte Seite enthält einen Link auf den Wachschutz Securitas, den ich aber nicht geprüft habe. Das Titelbild zeigt fünf brennende Kerzen über einem Pentagramm bzw. Drudenfuß. Dies soll den Hexensabbat symbolisieren.

|Der Prolog|

Im Prolog befinden wir uns im Aufnahmestudio mit den Sprechern und dem Regisseur. Da geschieht ein Überfall von Unbekannten, und am Schluss fallen Schüsse. Heißt dies nun, dass die Serie zu Ende ist, da ihre Macher alle zu Tode gebracht wurden? Oder ist auch dies nur gespielt, um den Zuhörer zu erschrecken? Wo verläuft die Grenze zwischen Realität und Fiktion? Es gibt keine Möglichkeit, dies nachzuprüfen, außer die Macher zu befragen.

_Unterm Strich_

Das Hörspiel weiß ganz gut zu unterhalten, denn das Tempo ist ziemlich hoch, die Story hat immer was zu bieten, bis das Problem endlich in einem explosiven Showdown gelöst ist. Doch der Epilog zeigt, dass sich unsere drei Helden – klare Nachfolger der drei Fragezeichen – zu früh gefreut haben: Das Böse ist immer und überall. Besonders lästig ist, dass es nie schläft.

Das legt die Erwartung nahe, dass es eine Fortsetzung gibt. Dem widerspricht der Prolog, in dem offenbar alle Mitwirkenden von Unbekannten umgelegt werden. Da es aber hier um Wiederauferstehung geht, dürfen wir hoffen, dass dieser Bonus auch unseren Helden zuteil wird.

Freunde der ersten 29 Folgen müssen sich erheblich umstellen, auf neue Namen, neue Figuren, neue Widersacher. Ich kenne Fans, die bei Folge 30 ausgestiegen sind, nachdem sie die Hörprobe abgehört hatten. Ich finde aber, dass die ganze Struktur besser in die aktuelle Zeit passt. Die alten Ideen des 19. Jahrhunderts, denen noch Autoren wie Dan Brown nachweinen, obwohl sie damit Millionen scheffeln, sind einfach überholt.

Dass jetzt wieder Königin Luise von anno Asbach aus der Versenkung geholt wird, halte ich auch für kein gutes Zeichen. Das ist aber immer noch besser, als abgedroschene Dracula-Epen für Teeniegirls zu vertonen. Wenn aber die Schurken so zahnlos sind wie Eberhard von Hohensalza, haben wir für unsere drei Helden nichts zu befürchten.

|61 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-4204-4|
http://www.offenbarung-23.de
http://wikibeta-offenbarung-23.de
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de

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