Die drei ??? – Top Secret Edition 2 (Drei-Band-Schuber)

Die Handlung:

Drei bisher unveröffentlichte Fälle der Kultdetektive im hochwertigen Schuber mit Magnetverschluss.

Das versunkene Schiff: Liegt tatsachlich ein alter Goldschatz vor der Küste des Ferienortes von Justus, Peter und Bob? Prompt vergessen die drei ??? ihren Ärger über den verregneten Urlaub und nehmen die Jagd nach den versunkenen Reichtümern auf.

Shoot the works – Im Visier: Justus, Bob und Peter stehen unter Beschuss! Ein Paintball-Turnier fordert die Schnelligkeit und Geschicklichkeit der drei Detektive. Doch was zunächst wie ein harmloses Spiel wirkt, entpuppt sich schnell als neuer Fall.

Savage Statue – Grausame Göttin: Hat die Statue der grausamen Göttin Kali wirklich etwas mit Entführung und zwielichtigen Machenschaften zu tun? Für diesen Fall brauchen die drei ??? die Hilfe ihrer Leser: Schaffen sie es, das Rätsel gemeinsam zu lösen?(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ok, dass die Romane der beiden amerikanischen Schriftsteller als verschollen und nicht veröffentlicht durchgehen, das konnte ich nachvollziehen … aber André Marx? Das ist doch ein deutscher Autor … was kann der denn schon für verschollene Manuskripte in der Hinterhand haben?

Tja … nicht er hatte die, sondern der Verlag. Denn mit diesem Abenteuer hatte er sich 1995 als Autor für die Reihe beworben … was letztendlich ja auch zum Glück für den Leser geklappt hat. Das Abenteuer selbst aber wurde nie veröffentlicht, weil der Autor es selbst nicht soooo toll fand und außerdem schon wieder ein neues verfasst hatte, das dann stattdessen seinen Weg in die Regale der Händler fand.

Und da in der letzten TOP-SECRET-Ausgabe schon drei Bücher drin steckten, lag nahe, dass man diesmal wieder drei nimmt. Da fiel die Wahl auf diesen Fall und das Manuskript aus der Verlagsschublade. Obs nun gut oder schlecht ist, das darf sich nun die breite Masse auch fragen. Damit sich die meisten für „gut“ entscheiden, hat der Autor seine Story noch mal ein wenig aufpoliert, damit er sie guten Gewissens an die Leserschaft weiterreichen kann.

Das versunkene Schiff von André Marx

Erwartet hatte ich die für einen Mehrbandschuber übliche gekürzte Seitenzahl von 128, aber, weit gefehlt … denn die letzte Zahl lautet 157, die da unten in der Ecke im Buch steht. Und ein Vorwort des Autors gibts auch noch, in dem er all die Fragen beantwortet, die sich der aufmerksame Leser auch gestellt hätte. Und so nimmt er jedem Nörgler gleich den Wind aus den Segeln.

Ums Segeln gehts aber in seiner Geschichte auch nicht, sondern ums Tauchen. Und wer beim Blick aufs Cover unwillkürlich an „Das Riff der Haie“ denkt, der liegt gar nicht so falsch … die Seitenzahl vergrößernde Haie gibts hier nämlich auch. Und womöglich einen versunkenen Schatz. Die gibts ja irgendwie eh nur in zwei unterschiedlichen Zuständen: „versunken“ oder „vergraben“. Und hinter diesem hier sind gleich mehrere Parteien her, später sogar unübersichtlich viele … wäre aber auch langweilig, wenns anders wäre.

Und so ermitteln wir hier Manuskript-altersgerecht noch in der Bibliothek statt im Internet und wir befragen die Verdächtigen und Suspekten noch persönlich, weil wir kein Handy haben (aber immerhin Walkie-Talkies!). Und wir legen uns noch klassisch dick eingemummelt mit Verpflegung auf die Lauer und die Mädchen, auf die wir treffen, sind noch nicht unsere Freundinnen, wir fahren auch nicht mit Peters MG durch die Gegend und wichtige Sachen passieren „eine halbe Stunde später“, aber wir haben Ferien wie die FÜNF FREUNDE … und wir lernen nebenbei etwas … diesmal unter anderem übers Tauchen und die zugehörigen Sicherheitsvorschriften. Angenehm old-school halt.

Ob alt oder neu, wichtig ist, obs spannend ist und das ist es und ich freue mich, dass André Marx seinen verborgenen Schatz mit uns geteilt hat. Denn nicht gradlinig, sondern in Wendungen gehts hier zum Ziel und gegen Ende nimmt die Spannung sogar noch mal dramatische Züge an. Und statt eines Abschlusslachers gibts offene Münder bei den Jungs!

Shoot the Works – Im Visier von William „Bill“ McCay

Diesmal gibts 157 Seiten, inklusive Vorwort und Leseprobe aus der ersten TOP-SECRET-Edition. Und wieder ist auch das lesenswert, wird uns doch erzählt, dass dieses bislang unveröffentlichte Abenteuer bereits im Februar 2001 auf einer Fanseite ins Deutsche übersetzt präsentiert wurde. Einige Jahre später entschied sich der deutsche Verlag, der hierzulande die meisten Fragezeichen-Titel (wie auch diesen hier) im Angebot hat, dazu, das Manuskript selbst zu veröffentlichen und schon war das Ganze wieder aus dem Netz verschwunden. Offenbar hat der Verlag aber, obwohl die Fan-Übersetzung nochmals überarbeitet wurde, die damaligen Übersetzer für ihre Arbeit im Nachhinein entlohnt … ein fairer Zug … und gut für die PR ist so was auch immer.

Das erklärt nun also, warum ganze sieben Übersetzer in den anfänglichen Technik-Credits aufgeführt werden. Nachvollziehbar, aber dennoch irgendwie unerklärlich ist der verzweifelte Versuch der US-Autoren kurz vor Ende der Serie in Amerika das Image der Jungs cooler zu machen. Das fuhr 1990 überm Teich gegen die Wand und Freundinnen sind auch bei uns nicht beliebt, also bleiben sie meist weg oder spielen nur am Rand mal mit. Wir wollen mit cleveren Wendungen und spannenden Rätseln unterhalten werden und nicht an der Pubertät der Jungs teilhaben, den Teil kennen wir schließlich von uns selbst schon. Und das schöne an fiktionalen Charakteren ist ja, dass sie sich nicht zwangsweise weiterentwickeln müssen, solange die Leserschaft dies nicht fordert. Dann sollte man auch gehörigst die Finger von so was lassen. Hatte der Autor dieser Geschichte aber nicht … and the rest is history.

Und weil die Ausdrucksweise dem Verlag offenbar zu fies war, hat er sie an die allerjüngste Zielgruppe angepasst und verbal extrem entschärft. Allein das erste Kapitel, das im Original „Fresh Meat“ heißt … also „Frischfleisch“, wurde zu „Junges Gemüse“, was eine komplett andere Bedeutung hat. Und der allererste Satz überhaupt, der „We’re gonna go out there and kill them!” wurde zum eher harmlosen „Wir gehen da jetzt raus und machen sie fertig!“ … aber hey, das Ausrufezeichen ist geblieben! Wenn man solche grundlegenden Veränderungen vornimmt, dann sollte man das ins Vorwort reinschreiben und nicht nur, dass das Ganze nachträglich trotz bereits vorhandener Übersetzung noch einmal überarbeitet wurde. Und die „Marines“ gehören zwar formell zur Marine, aber wenn man sich anzieht wie die Mitglieder vom United States Marine Corps, dann will man nicht zur Marine, sondern zu dieser Spezialeinheit … und die trägt keine lustig blauen Anzüge mit Schleifchen am Hut. Ich dachte, die Übersetzung sei noch mal überarbeitet worden … Übrigens schreibt man die Abkürzung für „Mister“ im Amerikanischen „Mr.“ und nicht „Mr“. Letzteres ist britisches Englisch und Rocky Beach liegt nicht im Vereinigten Königreich.

Alles fühlt gleich zu Anfang schon nicht nur ein wenig nach Zensur an. Denn wenn schon ein verschollener Fall beworben wird, der nach eigenen Aussagen „knallhart“ sein soll, dann möchte ich den auch gern unverfälscht erleben dürfen und nicht in der FSK0-Variante, in der sich alle liebhaben. Dennoch merkt man allein schon am ungewöhnlichen und für den Fan aufgesetzt albern anmutenden Gehabe der Jungs, wie weit sich die Serie als CRIMEBUSTERS-Version vom Original entfernt und die Hauptfiguren verbogen hat, um cooler zu sein!

Aber genug gemeckert, worum gehts eigentlich in diesem Fall und wer wird denn überhaupt erschossen? Es geht erst mal um Paintball, das Kriegssimulationsspiel, bei dem man rumläuft und andere mit Farbkugeln beschießt. Das wird sehr lang und extrem breitgetreten … und wenn der Autor das schon macht, dann hätte er eigentlich auch wissen müssen, dass Tarnklamotten bei den Profis verpönt sind und niemand damit rumläuft. Das aber hätte nicht zu seinem Aufhänger gepasst, der auch für mich nicht nachvollziehbar ist. Nur weil jemand lustig gefleckte Sachen anhat, muss man recherchieren, welche Armee die im Normalfall trägt, weil das verdächtig ist und macht? Nicht wirklich, nein. Und nur weil einer was von „Millionen“ auf dem Paintballspielfeld sagt und einem „Tresor“, den er knacken will, heißt das gleich, dass er Bankräuber ist und gegen ihn ermittelt werden muss? Auch wenn sonst überhaupt nichts Anderes, oder gar Kriminelles zu sehen oder zu hören ist und die Sprechenden niemandem bekannt sind? Wie sehr kann man sich seine Story eigentlich zusammenzimmern? Ich denke, die Jungs sind pubertär und keine Fünfjährigen, die sofort alles glauben, was einer sagt. Aber Seiten um Seiten über Paintballspiele schreiben, um selbige zu schinden, das hat offenbar super geklappt.

Dass Bob der Ladykiller ist und Mädchen ständig dabei sind, nervt extrem, aber gehörte zum Image der grunderneuerten Profile unserer CRIMEBUSTERS-Jungs und ist von daher auch ok. Aber die Dramatik und die Action in dieser Geschichte fühlen sich nur um ihrer selbst Willen platziert an und wirken dennoch irgendwo fehl am Platz. Alles übertrieben, alles überzogen, alles gestreckt … und am Ende doch nicht wirklich Spaß gehabt. Dem deutschen Leser ist bislang nichts entgangen, weil er dieses Abenteuer nicht kannte.

Savage Statue – Grausame Göttin von Mary Virginia Carey

So, nachdem der erste Fall prima und der zweite Fall ein Fehlschlag war … auf welche Seite schlägt sich denn nun das Mitmach-Abenteuer? Erfahrungstechnisch schlägt die Dame im Trio ihren US-Kollegen auf jeden Fall schon mal um Längen. 140 Seiten hat dieser Band zu bieten und gleich zwei Vorworte, eins vom Verlag mit Hintergrundinfos zu diesem FIND-YOUR-FATE-Abenteuer und eins, das schon zur Geschichte selbst gehört.

Und schon nach wenigen Seiten stellt der Fan mit Entsetzen fest, dass es hier wieder dieses schreckliche System gibt, das den Leser schon in der „Dein Fall“-Reihe fix zum Wahnsinn beziehungsweise komplett an den Anfang der Geschichte zurückbringt, wenn er nicht alle Finger gleichzeitig als Lesezeichen benutzt.

Die Leser werden, je nachdem für welchen der meist zwei vorgegebenen Vorschläge der Autorin sie sich nach manchmal nur einer halben Seite schon entscheiden müssen, wild blätternd im Buch hin- und hergeschickt. Zur besseren Orientierung druckt der Verlag senkrecht am Rand eines jeden Abschnitts eine Info dazu ab, von welcher Seite des Buches aus man hierher gelangt ist. Das wäre hilfreich, wenn sich der Weg, den man eingeschlagen hat, als unvorteilhaft erwiesen hat und man sich doch noch mal umentscheiden möchte … oder muss, weil sonst ENDE am Ende steht.

Tja, „wäre“ … wenn aber dort steht: „Du bist von Seite 31, 65, 117 oder 122“ hierher gelangt, frage ich mich schon, ob ich hier ein Abenteuer erleben kann oder ob ich mir die ganze Zeit auch noch Notizen machen muss, von welcher Seite ich gekommen bin? Nach meiner ersten Sackgasse und dem damit verbundenen zu frühen Ende der Geschichte, hatte ich das Glück von einer einzigen Seite gekommen zu sein und nicht von einer aus einer Auswahl an Seiten. So konnte ich glücklicherweise zurückgehen und mich für eine mir nicht nachvollziehbare Variante der weiteren Geschichte entscheiden, die die Autorin aber vorgesehen hatte.

Es gibt ja Leser, die halten die Spannung nicht aus und lesen grundsätzlich das letzte Kapitel eines Buches als erstes … die gibts wirklich. Das ist hier schlecht möglich … aus oben beschriebenen Gründen. Es gibt halt nicht nur ein Ende und Schluss ist nicht zwangsläufig auf der letzten Seite. Manchmal ist auch Schluss, wenn der Leser nach einer Sackgasse nicht mehr weiß, von welcher Seite er zu diesem Abschnitt gekommen ist und entnervt das Buch zuklappt. Die Motivation noch mal ganz von vorn anzufangen, nimmt ab dem ersten Versuch an schon exponenziell ab, besonders aufgrund der geschilderten „Du musst dir jetzt die Seitenzahl merken“-Problematik, die stressfreie Spannung nur schlecht aufkommen lässt.

Bei den DREI-FRAGEZEICHEN-KIDS klappen die Mitmach-Fälle übrigens prima. Da sind die Abschnitte länger, sodass man sich auch auf die eigentliche Story einlassen kann und da gibts auch dieses Gehirnjogging beim Lesen nicht.

Zum Glück fällte ich nur eine einzige „falsche“ Entscheidung und konnte nach einem schnellen Rücksprung wider Erwarten doch noch ein spannendes Abenteuer um eine Entführung und eine gestohlene Statue erleben, bei der das wilde Rumblättern im Buch sogar Spaß gemacht hat und es Justus buchstäblich an den Kragen ging.

Und wem das alles zu hektisch war, der bekommt am (von der Autorin vorgesehenen) Ende im üblichen Monolog noch mal alles erklärt und auch die letzten Fragen beantwortet.

Die Autoren:

Mary Virginia Carey war eine amerikanische Schriftstellerin, deren Name erst auf den Cover ihrer „Drei ???“-Romane abgekürzt wurde, damit man nicht sieht, dass eine Frau Jungsabenteuer schreibt. Nicht fragen, einfach mal so hinnehmen. Insgesamt schrieb sie 17 Romane für die Serie, der Letzte allerdings wurde nie veröffentlicht, weil die Serie in den USA eingestellt wurde.

William „Bill“ McCay ist ein amerikanischer Schriftsteller und hat zwei „Drei ???“-Fälle geschrieben. „… und die Comic-Diebe“ stammt aus seiner Feder und der hier abgedruckte Fall „Shoot the Works“ ,

André Marx schreibt seit 1997 für die Reihe „Die drei ???“ und begeistert Krimifans und Rezensenten. Seit 2007 lässt er „Das Wilde Pack“ spannende Abenteuer erleben. Meisterhaft versteht er es, geheimnisvolle Rätsel, Nervenkitzel und Spannung in seinen Geschichten mit viel Sprachwitz umzusetzen. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Zwei verschollene US-Fälle und ein nie veröffentlichter deutscher Fall für die „drei ???“ gibts hier zu erleben … einmal sogar wieder zum Mitmachen.

Der vom deutschen Autor André Marx überarbeite „Alt-Fall“ überzeugt mit klassischen Wendungen, bei denen auch der Leser nie so richtig durchblickt und irgendwie jeder nicht ganz ehrlich zu sein scheint. Und dabei gehts doch eigentlich nur um einen versunkenen Schatz … oder?

Der verschollene CRIMEBUSTERS-Roman von William „Bill“ McCay wurde vom Verlag sprachlich entschärft und mehrfach einfach falsch übersetzt, wodurch ein wenig flötengeht, warum das neue, coole Image und die etwas schärfere Gangart und eben auch die Sprache bei den Fans der Serie in den USA so gar nicht ankam. Der Fall selbst fängt haarsträubend an und geht dann extrem konstruiert weiter. Sehr nervig sind die seitenschindenden Beschreibungen von Paintballspielen und Paintballzubehör … wie auch die ständig präsenten Mädchen, die allerdings zu den CRIMEBUSTERS dazugehörten. Action und Drama, nur um Action und Drama mit drin zu haben und eine Auflösung, die den Fan zum Gähnen bringt. Das ist langweilig und weiß nicht zu fesseln. Dieser Fall hätte gern in der Schublade bleiben können.

Der FIND-YOUR-FATE-Mitmachfall Mary Virginia Carey fängt erschreckend wie das Leser-Verwirrspiel der „Dein Fall“-Reihe an, bei der man sich Notizen machen muss, um nicht immer ganz von vorn anfangen zu müssen. Hat man die Anfangsphase dann aber ohne Sackgassentreffer überstanden, entfaltet sich eine spannende Verfolgungsjagd, die nicht nur den Leser durchs Buch, sondern auch die Jungs von einem Ort zum anderen … fahren lassen … von Morton.

Der Fan greift bei diesem Schuber eh zu, der Vollständigkeit halber und vor allem aus nostalgischen Gründen. Allen anderen Lesern von Jugendliteratur würde ich eher die Einzelromane der deutschen Autoren aus der laufenden Reihe empfehlen, weil sie das Retrofeeling, das hier geboten wird, nicht als solches empfinden würden.

Dreimal laminierter Pappband mit zusammen 448 Seiten im Schuber mit Magnetverschluss
Vom Verlag empfohlen ab 10 Jahren
ISBN-13: 978-3-440-14122-9

www.kosmos.de

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