Linda Jaivin – Sex, Space & Rock’n’Roll

Douglas Adams meets the Riot Grrls

Drei Space-Babes, Hybridzüchtungen aus Nufoniern und Menschen, sind mit einem Raumschiff vom Planeten Nufon abgehauen und fliegen zur Erde, um Spass zu haben. Kaum in Sydney gelandet, machen sich Baby, Lati und Doll daran, die Metropole sexuell aufzumischen. (Verlagsinfo)

„Mein erster Tag auf der Erde! Und ich habe gleich meinen ersten Erdling entführt – dich!“ Was wie die Lebenserinnerungen von E.T klingt, ist eine witzige Mischung aus „Per Anhalter ins Weltall“ und einem Aufklärungskurs in Sachen intergalaktischer Liebe.

Die Autorin

Linda Jaivin, geboren 1955 in New London, CT, USA, lebt als Sinologin, Schriftstellerin, Essayistin und Übersetzerin in Sydney. Ihr erster Roman „Haut und Haar“ erschien ebenfalls bei Heyne. Mehr zur Autorin gibt es in der englischsprachigen Wikipedia unter der Adresse https://en.wikipedia.org/wiki/Linda_Jaivin.

Romane

Jaivin, Linda (1995). Eat me.
Rock ’n‘ Roll Babes from Outer Space (1996)
Miles Walker, You’re Dead (1999)
Dead Sexy (2000)
The Infernal Optimist (2006)
A Most Immoral Woman (2009)
The Empress Lover (2014)

Handlung

Baby, Doll und Lati sind drei wirklich nette Girls. Und bis auf die grüne Haut und die zwei Antennen auf dem Kopf könnte man sie selbst in Australien glatt für Menschen halten. Sie sind aber in Wirklichkeit natürlich Außerirdische, genauer eine Kreuzung aus Leuten vom Planeten Nufon (= no fun!) und Menschen, die wie Elvis Presley von den Aliens entführt wurden. Sämtliche Berichte über von Aliens geschwängerte Hausfrauen, die von Elvis träumten, sind also wahr.

Die drei Babes haben ihr Raumschiff Galgal entführt und flogen damit zur Erde, um Spaß zu haben. Sie stehen voll auf Rockmusik, deshalb muss wohl der erste Erdling, den sie entführen – viele weitere sollen noch folgen – ein Rockmusiker, Jake, ein waschechter Slacker. Jake ist der Frontmann der Band „Bosnia“. Zu ihr gehören noch die Zwillinge Tristan und Torqil – alle drei sind fortwährend bekifft und zugedröhnt, so dass es ihnen nicht besonders auffällt, als die Antennengirls in ihrer WG auftauchen und Jake entführen. Die drei Girls haben zwar viel Spaß mit ihren sexuellen Experimenten an ihm, doch nachdem sie Jake zurückgebracht und mit einem Lokalisator ausgestattet haben, wenden sie sich weiteren Forschungsobjekten zu.

Was bei ihrer Exkursion nicht vorgesehen war: 1) Baby, die aussieht wie Courtney Love zu Zeiten des seligen Kurt, hat sich in Jake verliebt; damit fangen die Schwierigkeiten an, denn einen Slacker lieben zu wollen, grenzt echt an Masochismus. 2) Weit schlimmer ist jedoch der Umstand, dass die Nufonier ihr Raumschiff zurückhaben wollen. Captain Qwerk (klingt wie Kirk, darf aber nicht so geschrieben werden, klar?) macht sich mit einigen alliierten Aliens im Schlepptau zur Erde auf, um die entflohenen bösen Mädchen zwecks Disziplinierung und der Wiederbeschaffung des Raumschiffs zurückzuholen. Und 3) hat sich der Asteroid Eros dazu entschlossen, nicht mehr auf seiner von Gott persönlich zugewiesenen Laufbahn zu bleiben, sondern mit der Erde innigsten Kontakt aufzunehmen. Da wird Gott, der oberste Verkehrspolizist im Weltall (sieht alles, hört alles, verwarnt alles!), aber böse sein.

Da kommt was auf die Erde zu, wird sich so mancher Leser sagen, und in der Tat kommt es noch knüppeldick. Um nicht zuviel von der Spannung wegzunehmen, sei nur soviel verraten: Die drei Aliens treten als Girlband „Rock’n’Roll Babes from Outer Space“ mit phänomenalem Erfolg auf und erobern Australien im Sturm. Doch auf dem Höhepunkt ihrer Tour kommt es bei ihrem letzten Konzert im Cricketstadion von Sydney zu einigen unvorhergesehenen und folgenschweren Auftritten: Captain Qwerk und seine Nufonier, Eros und Gott sind nur einige der bemerkenswerten Top-Attraktionen! Es ist schon etwas Besonderes, einen Alien zu lieben, denkt sich Jake.

Mein Eindruck

Die Besichtigung eines Zeitalters – und eines Kontinents, so könnte man diesen spritzigen Roman beschreiben. Ausgestattet mit dem metaphysischen Humor von Douglas Adams in „Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ gibt uns Jaivin einen fundierten Grundkurs in Slacker- und Rocker-Lifestyle à la Down Under. Sie weiß als Türsteherin usw. in den diversen Musiklokalen wirklich, wovon sie redet. So taucht etwa ein Death-Metal-Frontmann auf, der Baby unbedingt die Füße küssen will.

Damit aber auch für Spannung gesorgt ist, flicht sie mit der Lovestory zwischen Baby und Jake einen Handlungsfaden ein, der von Romantik triefen könnte, doch so wie sie ihn bringt, ist er durchaus erträglich. Zwar kriegen sich die beiden, aber Sklackerliebe ist sonderbar und einen Alien zu lieben noch einen Tick seltsamer.

Wirklich witzig sind die Sexszenen, denn natürlich haben die Alienbabes in dieser Hinsicht eine Supersonderausstattung der Extraklasse. Und erst als es zwischen Baby und Jake ernst wird, kommen alle eingebauten Features einer Nufonierhybridin zum Einsatz – zur Überraschung aller Beteiligten, wie ich verraten darf.

Unterm Strich

Die Geschichte von den Alien-Babes auf Besuch in Down Under nimmt kein Blatt vor den Mund, lässt aber auch der Liebe eine Chance. Der Leser sollte aber auf jeden Fall Bescheid wissen, was in den letzten 25 Jahren in Sachen Rockmusik (nicht Pop, nicht HipHop, klar?) gelaufen ist. Dann kann man auch die herrlich respektlosen Bemerkungen über Grunge, Heavy Metal usw. genießen. Ein Glossar hilft über die gröbsten Bildungslücken in dieser Sache hinweg.

„Sex, Space & Rock’n’Roll“ ist für junge und junggebliebene Leser sehr unterhaltsame und vergnügliche Lektüre, deren Tiefgang gut versteckt ist. Lediglich das relativ zurückhaltende Titelbild mit dem zweideutigen Granatapfel stört diesen Eindruck.

Taschenbuch: 272 Seiten
Originaltitel: Rock’n’Roll Babes from Outer Space, 1996
Aus dem Englischen von Thomas Hag
ISBN-13: 9783453195301

www.heyne.de

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