Mark Brandis: Der Pandora-Zwischenfall (Folge 32)

Die Handlung:

2137: Auf dem Jupitermond Kallisto haben Republiken und Union gemeinsam einen langlebigen und hochintelligenten Kunstmenschentyp entwickelt. Zwei Dutzend dieser »Astraliden« bereiten sich auf eine Expedition hinaus aus unserem Sonnensystem zu fernen Planeten vor. Als es zu Todesfällen in der Station Pandora auf Kallisto kommt, droht das Projekt zu scheitern. Mark Brandis soll nun die Leiterin der Station ablösen. Er überredet seine Frau Ruth O’Hara, Dr. Levy und seinen alten Gefährten Iwan Stroganow, ihn zu begleiten. Doch dann wird Pandora angegriffen … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Das ist es nun, das letzte Hör-Abenteuer des Raumnotretters … und irgendwo schön, dass es genau in dem Jahr erscheint, in dem die „Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ ihr 150-Jähriges feiert. Was erwartet den ungespoilerten Brandis-Hörspielfreund, der die Romanvorlagen nicht kennt? Wird der Autor dafür sorgen, dass es nie wieder eine Fortsetzung geben kann? Gibts einen runden und für den Dauerhörer versöhnlichen Abschluss der Serie oder reißt es mittendrin einfach ab?

Ironischerweise startet die Folge genau damit, womit ich als unvorbelasteter SciFi-Hörer eigentlich schon mit Serienstart gerechnet hatte: Mark träumt davon, dass die Menschheit ins Weltall vorstößt, um neue Zivilisationen zu entdecken. Aber dagegen scheint jemand etwas zu haben, dem der Autor in diesem letzten Abenteuer den Antagonistenpart zugewiesen hat. Na ja … entweder das … oder er möchte eine Diskussion anregen, ob künstlich gezüchtete Wesen als Vertreter der Menschheit ins All fliegen sollten und uns vielleicht falsch repräsentieren könnten. Sollten sie auf außerirdisches Leben treffen, wären die künstlichen Geschöpfe dieser Folge nicht mal in der Lage, etwas Authentisches über die Menschen oder die Erde zu erzählen, weil sie sie gar nicht kennengelernt haben. Diese Problematik fällt auch Mark Brandis auf, besonders der Aspekt der offenbar fehlenden Empathie einiger Astraliden. Vielleicht sollen wir aber auch erst mal die Probleme auf der Erde lösen, bevor wir uns auf neue im All einlassen oder einfach versuchen zu flüchten und unsere Probleme dabei mitnehmen auf neue Welten. In diesem Punkt stimme ich dem Autor zu.

Wobei das mit der Reise im Grunde auch viel einfacher gegangen wäre: Komplett künstliche Intelligenz losschicken, die Bilder und Videos von Menschen dabei hat sowie die Koordinaten der Erde, falls jemand zu Besuch kommen möchte. Warum also selbst fliegen, wenn der Flug allein schon unfassbar lange dauern würde und die Astraliden zwar länger, aber sicher auch nicht unendlich lange leben werden (wie lange genau, wird hier leider nicht verraten)? Warum nicht das Geld in überlichtschnelle Raumfahrt investieren, um dann später selbst zu starten? Wahrscheinlich, weil es auf der Erde zu viele Probleme gibt, denen sich der Autor in der Vergangenheit schon sehr intensiv gewidmet hat.

Oder, weil man das All kolonisieren möchte, wie es in dieser Folge gewünscht ist. Wie dann aber die normalsterblichen Menschen zu den Kolonien kommen sollen, die so weit weg sind, dass sie den Flug nicht überleben würden …

Darüber kann der Hörer im Anschluss nachdenken, denn vorher gibts erst mal Dramatik … lebensbedrohende Dramatik, für künstlich erschaffene und normal geborene Menschen. Denn laut Klappentext gehts ja nicht um die Diskussion um das Für und Wider der Astraliden an sich … auch wenn das natürlich das Hauptthema ist … wir erleben auch Anschläge und sind mit Mark Brandis mittendrin.

Aber bis zum Schluss ist nicht klar, wer hinter allem steckt und was er oder sie überhaupt für einen Vorteil aus den ganzen Versuchen schöpft, die Astraliden und das ganze Projekt zu vernichten. Da kann der Hörer während der gesamten Hörzeit munter mitraten.

Fans als Teil der letzten Folge

Als kleines Dankeschön an die treuen Fans und Freunde der Serie hatte der Produzent im Vorfeld dazu aufgerufen, Sprachschnipsel aufzunehmen und einzusenden. Ausgewählte Einsendungen sind im dritten Track dieses Hörspiels während der Übergangsmusik zu hören. Warum sie gerade an dieser Stelle zu hören sind, ist mir nicht klar. Sie hätten genauso gut am Ende nach dem Abspann laufen können. Dennoch eine schöne Idee, die besonders die freuen wird, die es ins Hörspiel geschafft haben. Hörer, die nicht wissen, was hinter diesen „Zwischenrufen“ steckt, werden leicht verwirrt sein, warum gerade an dieser Stelle über Mark Brandis sinniert wird.

Das Hörerlebnis:

Auch wenn die Reihe eigentlich von den Dialogen und dem lebt, was der Autor durch die Blume der Science-Fiction an Gesellschaftskritik der 1970er und 1980er loswerden will, kommt der Hörspaß nicht zu kurz, weils hier mehr Action und Spannung zu erleben gibt als noch in den letzten Folgen. Immer gibts eine zur Szene passende Geräuschkulisse zu hören und auch die Musik ist liebevoll ausgewählt und arrangiert, was die Dramatik noch intensiver macht.

Die Sprecher machen allesamt einen überzeugenden Job und lassen das Kopfkinofeeling ungetrübte Unterhaltung bereiten. Als kleines Schmankerl für alle Fans, die auch den Ableger „Mark Brandis: Raumkadett“ kennen: Der Sprecher des jungen Mark Brandis hat auch hier wieder einen Gastauftritt … allerdings nicht als junger Mark Brandis, sondern als Astralide M3. Der aber erinnert den alten Brandis an sein jüngeres Selbst.

Noch ein Schmankerl gibts für Mark Brandis selbst, denn er begegnet der Sprecherin, die für seine Bordcomputerstimme CORA Patin gestanden hat, mit der er zusammen schon viel erlebt hat. Entsprechend lässt es den Hörer grinsen, wenn der Raumnotretter plötzlich ganz verlegen wird.

Die Sprecher und ihre Rollen:

Dr. Rebecca Levy: Claudia Urbschat-Mingues
Mark Brandis: Michael Lott
Ruth O‘Hara: Dorothea Lott
Prolog: Wolf Frass
Col. Frederic Young: Erich Räuker
Lt. Iwan Stroganow: Martin Wehrmann
Dr. Egon Mildrich: Rüdiger Evers
Tschou Fang-Wu: Fang Yu
M6: Mélanie Fouché
M3: Daniel Claus
Ninni Persbrandt: Mira Christine Mühlenhof
Prof. Arved Jago: Hans-Eckart Eckhardt
Dr. Julius Benzinger: Arne Stephan
M11: Philipp Zieschang
John Harris: Gerhart Hinze
Gerlinde Tuborg: Anja Welzel

sowie Andreas Berberich, Julius Biebricher, Christina Grobler, Bjoern Korf, Stan Lueder, Christine Pollack, Stefanie Preik, Oliver Pschorn, Dennis Recht, Frank Schirlitz, Harald Schnürer, Godula Thiemann und Christoph Ziegltrum

Trackliste:

01. „Nein, weiter weg“
02. Prolog
03. Reise nach Kallisto
04. Begegnungen auf Pandora
05. Ausbildung der Astraliden
06. Unbekanntes Schiff!
07. Gefangen im Aufzug
08. Brennende Luft
09. Die Falle
10. Gehen oder Bleiben

Technik-Credits:

Nach Motiven des Romans “Der Pandora-Zwischenfall“ von Nikolai v. Michalewsky
Manuskript: Balthasar von Weymarn
Sounddesign & Musik: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Sven-Michael Bluhm und Tommi Schneefuß
Wortschnitt: Tommi Schneefuß
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss
Layout/ Satz: Jürgen Straub
Product Management: dp

Die Ausstattung:

Die CD steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet enthält eine Aufstellung der bereits veröffentlichten Folgen, sowie eine ganze Seite mit Namen, bei denen sich die Produzenten bedanken. Zusätzlich werden noch die Sprecher und ihre Rollen aufgeführt sowie die Technik-Credits.

Mein Fazit:

Wer weiß, dass dieses Abenteuer die Verhörspielung des Romans Nummer 27 von 32 ist, der weiß auch, dass es hier kein echtes (Serien-)Ende geben wird. Dennoch bekommen wir hier eine Art (Vor-)Abschluss, den Mark Brandis nach dem letzten Track durchaus antreten könnte. Genauso gut könnte der Manuskripter auch an genau dieser Stelle mit eigenen Ideen einsetzen und das alte BRANDIS-Universum verlassen … im wörtlichen Sinne … und die Serie selbst weiterführen … wirklich weiterführen.

Die Frage danach, wie toll man künstlich gezüchtete Menschen findet, muss jeder Hörer für sich selbst entscheiden. Immerhin gibt uns der Autor diesmal seine Meinung nicht mit dem erhobenen Zeigefinger direkt ins Gesicht, sondern lässt uns selbst grübeln, nachdem er uns die Probleme aufgezeigt hat. Für den Fall, dass den Hörern das nicht selbst klar gewesen sein sollte.

Drum herum hat er ein „Whodunit“ geschrieben, das durchaus unterhaltsam und vor allem streckenweise auch ordentlich dramatisch ist. Vor allem die Effekte können wie gewohnt auf ganzer Linie überzeugen. Anhand der Auflösung des Ganzen ist dann wieder zu erkennen, wo für den Autor der Fokus bei diesem Roman wirklich gelegen hat.

Im Übrigen wissen wir jetzt auch, dass der junge Mark Brandis in der jetzt einzigen BRANDIS-Serie „RAUMKADETT“ nie Kontakt zu Außerirdischen haben wird. Er wird nie fremde Welten besuchen und alle seine Abenteuer werden mutmaßlich auf der Erde spielen oder aber dicht dran. Spoiler? Nein, eine einfache Schlussfolgerung.

1 Audio-CD
Spieldauer: 79:48 Min.
Tracks: 10
Vom Verlag empfohlen ab 12 Jahren

www.folgenreich.de
www.markbrandis.de
www.interplanar.de

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