Mark Brandis – Die Zeitspule (Teil 1, Folge 28)

Raumnotretter Brandis in Not

2136: Die Hungersnot ist noch nicht gebannt. Mit strengen Rationierungen versucht die Zentral-Regierung der Union, die Situation unter Kontrolle zu behalten. Die Raumnotretter sind mangels Ressourcen handlungsunfähig. Mark Brandis ist seinem ehemaligen Vorgesetzten John Harris auf die Venuskolonie gefolgt. Doch dann bringt ein skrupelloser Entführer Brandis in seine Gewalt und schickt ihn auf die Jagd nach einem Schatten aus der Vergangenheit… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 12 Jahren.

Der Autor

Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den Mark-Brandis-Büchern, der bis heute (nach Perry Rhodan) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.

Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart im Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)

Bisher erschienen (Gesamt-Titel ohne Teile)

1) Bordbuch Delta
2) Verrat auf der Venus
3) Unternehmen Delphin
4) Aufstand der Roboter
5) Testakte Kolibri
6) Vorstoß zum Uranus
7) Raumsonde Epsilon
8) Die Vollstrecker
9) Pilgrim 2000
10) Aktenzeichen illegal
11) Operation Sonnenfracht
12) Alarm für die Erde
13) Sirius-Patrouille
14) Lautlose Bombe
15) Triton-Passage
16) Blindflug zur Schlange
17) Raumposition Oberon
18) Ikarus Ikarus
19) Metropolis-Konvoi
20) Zeitspule
21) Planet-Aktion Z
22) Geheimsache Wetterhahn
23) Der Pandora-Zwischenfall (Folge 32, Schluss der Serie

Hintergrund und Vorgeschichte

Die Mark Brandis – Hörspielreihe begann 2005-2007 mit Bordbuch Delta VII. Inhaltlich unterscheidet sie sich in einigen wichtigen Punkten von den Büchern.

* Die Geschichten sind um 50 Jahre in die Zukunft verlegt, die Saga beginnt also 2119;
* Die Kürzel EAAU und VOR sind zu „die Union“ und „die Republiken“ geworden;

EAAU: Die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU) ist ein transkontinentaler Staatenverbund und wurde als Zusammenschluss der drei Kontinente Europa, Amerika und Afrika ca. 1999 gegründet – ihr assoziiert ist Australien. Während Europa der Kontinent ist, der über die längste Tradition verfügt, haben sich Afrika und Amerika zu den industriell bedeutendsten Kontinenten entwickelt.
Flagge: ein Ring goldener Planeten um drei kleeblattartig angeordnete grüne Kontinente auf weißem Grund.
Hauptstadt: Metropolis

VOR: Die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) sind ein transkontinentaler Staatenverbund und umfassen zwischen Ural und der Pazifikküste die asiatischen Staaten einschließlich Ozeaniens.
Flagge: zwei gekreuzte Mongolenschwerter vor einer gelb-roten Sonne.
Hauptstadt: Peking

VEGA

Die Strategische Raumflotte (SR) lagerte 2106 ihre Entwicklungsabteilung auf die Venus aus. Die zuständige Agentur ist die VEGA, kurz für Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik, mit immerhin 8000 Mitarbeitern. Direktor der VEGA ist seit 2122 der ehemalige Major (SR) und Commander (VEGA) John Harris. Die Routen der Testflüge für die Neuentwicklungen sind streng geheim, da die Prototypen als begehrte Beute sowohl für die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) und die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU), aber auch für Raumpiraten gelten. Offiziell gilt die VEGA als neutral, aber ihre Auftraggeber waren bislang immer die SR und die Raumfahrtbehörde der Union.

Handlung

Angesichts von 17 Milliarden Erdbewohnern sind die Ressourcen knapp geworden. Auch die Raumnotretter knapsen und dürfen nur noch bis zum Asteroidengürtel fliegen. Mark Brandis ist Commander Harris, dem Chef von VEGA, auf die Venus gefolgt. Als Marks Frau Ruth O’Hara zusammen mit dem Reporter Walter Hildebrand eintrifft, erfährt Mark von der Sprengung des IKARUS-Asteroiden. Dessen Trümmer verdunkeln die Sonne und führen zu Ernteausfällen. Genmanipulierter Weizen müsste in der Arktis angebaut werden. Ruth muss wieder weg.

Ein Flugtaxi fordert Mark auf mitzukommen. Als Mark zögert, zückt der Pilot eine Waffe. Widerstand ist zwecklos. Ein Schuss lähmt Mark, und als er wieder zu sich kommt, erfährt er, dass Ruth als Geisel genommen wurde. Er soll einen Auftrag ausführen. Von den IKARUS-Trümmern soll er einen Grav-Torpedo und dessen Inhalt bergen. Er hat eine Woche Zeit. Fliehen kann er nicht, denn man hat ihm und Ruth eine Nanosonde eingepflanzt, die es erlaubt, ihn jederzeit zu orten.

Doch der Datenzugriff auf Friedrich Chemnitzer ist gesperrt, daher muss sich Mark nach las Lunas begeben, um es auf weniger legalem Weg zu versuchen. Man bittet auf die brücke und gibt ihm eine Nachricht: von der Station Interplanar-12: Ein Commander Elmar Busch von der Raumflotte bittet um Hilfe. Mark fliegt hin. Er war schon mal vor einiger Zeit hier auf Interplanar-12. Er findet Busch tot vor. Der Kapitän wurde gefoltert. Er trug einen Helm, aber keinen Raumanzug.

Ein Audiospeicher führt Mark auf die Spur von Professor Smirnoff, einen Temporalphysiker. Zurück auf las Lunas erinnert sich auch Dr. Levy an Smirnoff. Ein Fremder erinnert Mark an die Dringlichkeit seines IKARUS-Auftrags. Doch zunächst ruft Mark bei der VEGA an, wo ihm Magnus Sauerlein besseren Datenzugang verschafft. Zusammen mit Iwan Stroganoff machen Mark und Dr. Levy eine Delta-7 startklar.

Der Flug der „Henri Dunant“ führt erst zum Wanderplaneten Ceres, dann zu einer Raumstation, wo Smirnoff zu finden sein soll. Kann der Temporalphysiker der Erde helfen, aus der Vergangenheit die DNS für Arktisweizen zu besorgen? Der alte Knabe erinnert sich noch bestens an seinen Schüler Mark Brandis – weil der so unbelehrbar war. Smirnoff nimmt Marks Mission zur Beschaffung von Weizen-DNS zur Kenntnis. Er besitzt das Präteriskop, mit dem man in die Vergangenheit schauen kann. Er nennt es eine Zeitspule. Warum nur?

Mein Eindruck

Unter dem Titel „Zeitspule – Geheimarchiv im Weltraum“ erschien dieses MARK-BRANDIS-Abenteuer 1985 im Herder-Verlag. Wieder einmal geht es um die Rettung der Erde, denn für diese sieht es schlecht aus. Eine Art Nuklearer Winter ist nach dem Sprengen des Planetoiden Ikarus über die Erde hereingebrochen, denn dessen Trümmerstaub halten das Sonnenlicht von der Oberfläche fern. Nur gregorius-Weizen kann utner solch extremen Bedingungen gedeihen, also Gen-Getreide. Die Geheimformel hat Gregorius indes mit ins eisige Grab genommen – in der Antarktis.

Der Trip an den Südpol findet in der Fortsetzung der vorliegenden Folge statt. Hier wird erst einmal die Intrige um Mark gesponnen, so dass sein Weg zu Prof. Smirnoff führt. Die eigentliche Idee, der Titel deutet es ja an, ist die Zeitspule alias Präteritoskop. Die Idee, in die Vergangenheit zu sehen, ist beileibe nicht neu, denn schon Bob Shaw und Arthur C.Clarke/Stephen Baxter haben die Idee spannend und unterhaltsam verarbeitet.

Die Zeitspule scheint aber auch die eigentliche reise in die Vergangenheit zu ermöglichen. Wie auch immer: Um dieses Konzept hat Smirnoff sein Labor herumgebaut. Bislang hat er sich aus allem politischem Händel heraushalten können, aber Marks Auftauchen belegt, dass diese Neutralität nun zu Ende geht.

Der Sprecher/Die Inszenierung

Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa Triebwerke oder Luken und Schleusen. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien und Games ist, dann dürfte einen dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Vor allem das Dröhnen, Zischen und Jaulen von Düsen und Druckschleusen ist regelmäßig zu hören, was ja auch naheliegt. Auch das Auf- und Zuknallen von Toren, Türen, Schotts und Schleusen gehört mit zum üblichen Soundtrack einer BRANDIS-Folge.

Der gute Sound trägt dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten. Auch das Design von verzerrten Meldungen ist ähnlich professionell gehandhabt. Ein Satz kann mittendrin seine Klangcharakteristik ändern – faszinierend. Der Klang menschlicher Stimmen wechselt daher je nachdem, ob sie einen Helm mit Funk tragen oder nicht. Auch Übertragungen können verzerrt klingen, etwa wegen eines Sonnensturms aus geladenen Teilchen.

Die Sprecher

Die Sprecher erfüllen ihre Aufgabe zu meiner Zufriedenheit. Es handelt sich um die immer wieder in der Serie auftauchenden Hauptfiguren wie der Titelheld, die Ärztin, sein Mitarbeiter Stroganow und natürlich Ruth O’Hara, Marks Frau.

CORA, das Bordsystem, ist meist mit von der Partie, und das freut mich immer: Ihre Stimme wirkt immer ein wenig beruhigend und jeder Hörer der Serie weiß, dass sie unserem Commander aus der Patsche zu helfen versucht. Kurzum: Sie ist die Super-Mom.

Musik

Ja, es gibt durchaus Musik in diesem flott inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Intro und in den häufigen Intermezzi, in den Pausen.

Selten ist die Musik mal im Hintergrund zu hören, denn der Dialog soll nicht überdeckt werden, sondern vielmehr als Intermezzo. Die Musik erweist sich als eminent wichtig, um Stimmung zu erzeugen und den Übergang zwischen Szenen zu signalisieren. Allerdings fand ich diesmal, dass die häufige Pausenmusik das Hörspiel unnötig in die Länge zieht. Man kann entgegnen, dass sie dazu dient zu signalisieren, dass die Zeit von mehreren Wochen auf dem Hinflug zur Venus, zu Smirnoffs Raumstation und auf dem Rückflug zur Erde vergeht.

Das Booklet

Das Booklet bietet einen Überblick über die bereits erschienenen Folgen der Serie, über die Macher und über die Sprecher. Zudem gibt es eine Begriffserklärung zum Thema „Wanderplaneten“. Sie sind Streuner im All und schwer zu erreichen. Angeblich hat die „Stella Polaris“ unter dem Kommando von Colonel Rublew einen solchen Wanderplaneten besucht, doch die Ergebnisse sind streng geheim. Literaturtipp: „Der Wanderer“ von SF-Altmeister Fritz Leiber.

Unterm Strich

Es war wahrscheinlich unvermeidlich, dass ein routinierter SF-Autor wie Michalewsky sich auch des Themas „Zeitreise“ annehmen würde. Er zieht sich recht intelligent aus der Falle, die das Thema bereithält – dem Großvater-Problem (wenn ich in die Vergangenheit reise und meinen Opa töte, kann ich dann überhaupt geboren werden?).

Die Zeitspule erlaubt nur eine sehr kurze „Reise“ an einen bestimmten Punkt in der Vergangenheit, und auch nur dann, wenn man sie mitnimmt. Es wäre interessant zu erfahren, wie Prof. Smirnoff auf diese Funktionsweise des Alien-Artefakts vom IKARUS-Asteroiden gekommen ist. Dafür sollte man wahrscheinlich die Buchvorlage lesen.

Recht reizvoll ist die Verbindung des altruistischen Motivs, nach Weizen-DNS zu suchen, um die Menschheit vor dem Hungertod zu bewahren, mit dem Krimi-Motiv, dass Mark dazu genötigt und erpresst wird. Der Kampf fürs Gute ist ja zwar gar nett, aber spannend wird dieser Kampf erst, wenn der Held eine handfeste Motivationshilfe bekommt. Wie sich die Lage zuspitzt, ist in der zweiten Hälfte des Hörspiels zu erfahren.

Das Hörspiel

„Mark Brandis“ ist als Hörspiel professionell inszeniert, spannend, stellenweise actionreich und mitunter sogar bewegend. Im Unterschied zu den ersten Folgen wurden nun mindestens zwei größere Dialogszenen eingebaut, die mir sehr gut gefallen haben. Sie charakterisieren besonders Mark Brandis als einen moral- und verantwortungsbewussten Erwachsenen, der auch mal seine Fehler korrigieren kann.

Dies ist beruhigend weit entfernt von Kinderkram, aber auch ein Handicap: Die junge Zielgruppe fühlt sich wenig angesprochen. Deshalb wurde mit „Raumkadett Mark Brandis“ eine weitere Serie aufgelegt, die sich genau an diese jüngere Hörergruppe wendet. In zehn Jahren wird man diese Serie als Vorbild für eine gelungene SF-Serie aus deutschen Landen auf gleicher Höhe mit „Perry Rhodan“ setzen. Und die Sammler werden sich die Finger danach lecken.

Die Sprecher/Die Inszenierung

Die Macher und Regisseure sind Interplanar.de:
Joachim-C. Redeker: Sounddesign und Musik
Redeker und Balthasar von Weymarn: Produktion, Regie und Schnitt

Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual Reality Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell Momentaufnahmen Wettbewerb ein.

Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u.a.

Nach Motiven des Romans “Zeitspule“ von Nikolai v. Michalewsky
Manuskript: Balthasar von Weymarn
Sounddesign & Musik: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Sven-Michael Bluhm, Manuel Mendes Teixeira
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss

Die Rollen und ihre Sprecher:

Prolog: Wolf Frass
Mark Brandis: Michael Lott
Ruth O’Hara: Dorothea Anna Hagena
John Harris: Gerhart Hinze
Lt. Iwan Stroganow: Martin Wehrmann
Dr. Rebecca Levy: Claudia Urbschat-Mingues
Bordsystem CORA: Mira Christine Mühlenhof
Folke Ericsson: Andreas Conrad
Walter Hildebrand: Oliver Rohrbeck
Leonardo Assante: André Beyer
Bibliothekar: Peter Groeger
Cpt. Lensmann: Richard Barenberg
Lt. Svensson: Balthasar von Weymarn
Magnus Sauerlein: Stefan Peters
Leo S. Smirnoff: Reinhard Scheunemann
Und weitere.

Mehr Info: www.folgenreich.de, www.markbrandis.de und www.interplanar.de.

Der Titel der nächsten Folge (29) lautet „Die Zeitspule 2“.

Info: 1 CD, ca. 60 Minuten
UPC 0602537800131

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)