Mark Brandis: Ikarus, Ikarus (Folge 26)

Zwei in einem: Sternenstaub im Doppelpack

2134: Mehr Rohstoffe! Dass die Menschen diese Forderung auch auf den Weltraum ausdehnen würden, war nur eine Frage der technischen Möglichkeiten. Der Asteroid Ikarus, reich an Silikaten und Diamanten, soll in eine Mondumlaufbahn verlagert werden, um ihn besser ausbeuten zu können. Die Firma Gumboldt Stellar hat den Auftrag bekommen. Als Mark Brandis und die Crew seiner „Henri Dunant“ auf Wunsch von Direktor Harris dort nach dem Rechten sehen, machen sie eine erschütternde Entdeckung … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 12 Jahren.

Der Autor

Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den Mark-Brandis-Büchern, der bis heute (nach Perry Rhodan) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.

Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart imm Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)

Bisher erschienen (Gesamt-Titel ohne Teile)

1) Bordbuch Delta
2) Verrat auf der Venus
3) Unternehmen Delphin
4) Aufstand der Roboter
5) Testakte Kolibri
6) Vorstoß zum Uranus
7) Raumsonde Epsilon
8) Die Vollstrecker
9) Pilgrim 2000
10) Aktenzeichen illegal
11) Operation Sonnenfracht
12) Alarm für die Erde
13) Sirius-Patrouille
14) Lautlose Bombe
15) Triton-Passage
16) Blindflug zur Schlange
17) Raumposition Oberon
18) Ikarus Ikarus
19) Metropolis-Konvoi

Die Sprecher/Die Inszenierung

Die Macher und Regisseure sind Interplanar.de:
Joachim-C. Redeker: Sounddesign und Musik
Redeker und Balthasar von Weymarn: Produktion, Regie und Schnitt

Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual Reality Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell Momentaufnahmen Wettbewerb ein.

Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u. a.

Nach Motiven der Romane “Ikarus, Ikarus…“ und „Countdown für die Erde“ von Nikolai v. Michalewsky
Manuskript: Balthasar von Weymarn
Sounddesign & Musik: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Sven-Michael Bluhm, Manuel Mendes Teixeira
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss

Die Rollen und ihre Sprecher:

Prolog: Wolf Frass
Piet Gumboldt: Thomas Nero Wolff
Mark Brandis: Michael Lott
Ruth O’Hara: Dorothea Anna Hagena
John Harris: Gerhart Hinze
Lt. Iwan Stroganow: Martin Wehrmann
Lt. Pablo Torrente: Martin Keßler
Dr. Rebecca Levy: Claudia Urbschat-Mingues
Walter “Wally” Ryan: Uve Teschner
Bordsystem CORA: Mira Christine Mühlenhof
Maurice Addams: Michael Hansonis
Dr. Egon Mildrich: Rüdiger Evers
Col. Igor Rublew: Uwe Jellinek
sowie Sven Bottesch, Jochim C. Redeker und Hanna Ziemens

Mehr Info: www.folgenreich.de, www.markbrandis.de und www.interplanar.de .

Hintergrund und Vorgeschichte

Die Mark Brandis – Hörspielreihe begann 2005-2007 mit Bordbuch Delta VII. Inhaltlich unterscheidet sie sich in einigen wichtigen Punkten von den Büchern.

* Die Geschichten sind um 50 Jahre in die Zukunft verlegt, die Saga beginnt also 2119;
* Die Kürzel EAAU und VOR sind zu „die Union“ und „die Republiken“ geworden;

EAAU: Die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU) ist ein transkontinentaler Staatenverbund und wurde als Zusammenschluss der drei Kontinente Europa, Amerika und Afrika ca. 1999 gegründet – ihr assoziiert ist Australien. Während Europa der Kontinent ist, der über die längste Tradition verfügt, haben sich Afrika und Amerika zu den industriell bedeutendsten Kontinenten entwickelt.
Flagge: ein Ring goldener Planeten um drei kleeblattartig angeordnete grüne Kontinente auf weißem Grund.
Hauptstadt: Metropolis

VOR: Die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) sind ein transkontinentaler Staatenverbund und umfassen zwischen Ural und der Pazifikküste die asiatischen Staaten einschließlich Ozeaniens.
Flagge: zwei gekreuzte Mongolenschwerter vor einer gelb-roten Sonne.
Hauptstadt: Peking

VEGA

Die Strategische Raumflotte (SR) lagerte 2106 ihre Entwicklungsabteilung auf die Venus aus. Die zuständige Agentur ist die VEGA, kurz für Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik, mit immerhin 8000 Mitarbeitern. Direktor der VEGA ist seit 2122 der ehemalige Major (SR) und Commander (VEGA) John Harris. Die Routen der Testflüge für die Neuentwicklungen sind streng geheim, da die Prototypen als begehrte Beute sowohl für die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) und die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU), aber auch für Raumpiraten gelten. Offiziell gilt die VEGA als neutral, aber ihre Auftraggeber waren bislang immer die SR und die Raumfahrtbehörde der Union.

Handlung

Der Asteroid Ikarus ist aus seiner Bahn in eine erdnahe Umlaufbahn gelenkt worden, damit er Zwölf bis 14 Jahre lang nahe Luna abgebaut werden kann. Asteroiden stecken voller wertvoller Silikate und Diamanten, und Ikarus ist keine Ausnahme. Die Firma Gumboldt Stellar hat die Lizenz erhalten, ihn auszubeuten. Doch Commander Harris von der VEGA riecht Unrat und schickt Mark Brandis hin, um nachzusehen, was an dem Bergbau nicht stimmt. Auch Marks Frau Ruth macht sich Sorgen: Sollte sich die Umlaufbahn des Riesenkiesels ändern, könnte er den Erdlingen auf den Kopf fallen…

Mark startet mit einem offiziellen Schiff und einem heimlichen nachkommenden zweiten Schiff. An Bord sind mal wieder Lt. Torrente, der Mann mit der Machete, Lt. Stroganoff und Dr. Levy. Diese kennt Piet Gumboldt , den Firmendirektor von Gumboldt Stellar, schon aus Südafrika, das von den Chinesen erobert und wieder zurückgegeben wurde. Der Asteroid stellte die Reparationszahlung der Chinesen an die Union dar.

Auch Wally, ein Bergarbeiter auf Ikarus, ist erfreut über das Wiedersehen – er war bei den Aktionen in Ostafrika dabei (vgl. „Alarm für die Erde“ usw.). Levy untersucht die Bergarbeiter auf dem Asteroiden auf ihren Gesundheitszustand – das ist die Tarnung für den Besuch. Ein Bergarbeiter namens Maurice Addams berichtet, dass Arbeiter manchmal Diamanten einstecken, aber auch die Minenleitung sei nicht zimperlich: Sie bunkere Diamanten im Asteroideninnern.

Der Asteroid verfügt über einen Antrieb, eine Steuerzentrale dafür und sogar künstliche Schwerkraft. Als Piet Gumboldt Mark Brandis, der eine potentielle Bombe sucht, beim Herumschnüffeln erwischt, lädt er ihn in die Steuerzentrale ein. Begeistert berichtet Gumboldt , er habe an der Oberfläche die Überreste des Wracks eines vor 25 Jahren verschollenen Raumschiffs, der „Stella Polaris“, entdeckt. Aber die so geweckten Erinnerungen an Igor Rublews todgeweihte Sternenfahrt mit der „Stella“ dienen nur Marks Ablenkung.

Denn als Mark sich eine angeblich harmlose Pille einwirft und in der Steuerzentrale den Helm abnimmt, wird ihm ganz schwummrig. Jetzt fällt ihm auch auf, dass er Gumbolds Stimme schon mal irgendwo gehört hat. Die Steuerzentrale lässt sich nicht mehr verlassen. Über Funk kann er Torrente nicht erreichen, aber vielleicht über Klopfzeichen. Die Luft wird knapp und Mark fällt in tiefe Bewusstlosigkeit …

Mein Eindruck

Ein Superschurke mit einem Masterplan – wunderbar! Sofort werden Erinnerungen an exquisite James-Bond-Filme wach, in den Superschurken regelmäßig für Ungemach sowie jede Menge Action sorgen. Deshalb macht es in meinen Augen überhaupt nichts, dass die Hörspielmacher zwei Originalbücher zusammengeschustert haben, um dem aktuellen Geschehen eine tiefere zeitliche Dimension zu verleihen. Denn die Backstory erklärt, wie es dem Superschurken gelingen konnte, den Asteroiden quasi zu einer Lenkwaffe zu machen. Das klappt auch mit dem erhofften Effekt – allerdings muss sich der Hörer diese Folge vielleicht zweimal anhören, um alle Ebenen zu verstehen.

Denn am Schluss muss alles ganz schnell gehen: Schließlich hat Gumboldt alias Chemnitzer alias Choliac den Asteroiden nicht ohne Hintergedanken per Antrieb in eine erdnahe Umlaufbahn gelenkt: Er will den Riesenkiesel in den Nordpazifik fallen lassen! Doch wie soll man a) den Superschurken und b) sein trägheitsgesteuertes Geschoss aufhalten? Mark Brandis telefoniert kurz mal mit der Erdpräsidentin: Bitte sofort den Notfallplan „Thors Hammer“ aktivieren! Schon der Name verrät, dass nun schweres Geschütz aufgefahren wird.

Mitten in all diesem Trubel steckt Mark in einem menschlichen Drama fest. Denn Wally Ryan hat bei einem riskanten Einsatz den Schlüssel zur Vergangenheit gefunden: Rublews Logbuch! Doch Mark steckt in einer Zwickmühle: Er muss entweder Ryans Leben oder das Logbuch aufgeben. Ein dramatischer Wettlauf gegen die Uhr beginnt – und dann muss sich Mark auch noch dem Superschurken in den Weg stellen: Wird ihn dessen Angebot korrumpieren?

Die Sprecher/Die Inszenierung

Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa Triebwerke oder Luken und Schleusen. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien und Games ist, dann dürfte einen dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Vor allem das Dröhnen, Zischen und Jaulen von Düsen, Schleusen und Schotts ist regelmäßig zu hören, was ja auch naheliegt. Auf Ikarus hallen Schleusen

Der gute Sound trägt dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten. Auch das Design von verzerrten Meldungen ist ähnlich professionell gehandhabt. Ein Satz kann mittendrin seine Klangcharakteristik ändern – faszinierend.

Der Klang menschlicher Stimmen wechselt daher je nachdem, ob sie einen Helm mit Funk tragen oder nicht. Auch Übertragungen können verzerrt klingen, etwa wegen eines Sonnensturms. Als Mark von Gumboldt überlistet wird, hören wir sein Atemgeräusch verebben, bis zum Schluss nur noch sein Pulsschlag zu hören ist. Das wiederum treibt unseren Adrenalinpegel in die Höhe.

Die Sprecher

Die Sprecher erfüllen ihre Aufgabe zu meiner Zufriedenheit. Es handelt sich um die immer wieder in der Serie auftauchenden Hauptfiguren wie der Titelheld, die Ärztin, seine Mitarbeiter Torrente und Stroganoff. Romen fehlt diesmal. CORA, das Bordsystem, ist meist mit von der Partie, un das freut mich immer: Ihre Stimme wirkt immer ein wenig beruhigend und jeder Hörer der Serie weiß, dass sie unserem Commander aus der Patsche zu helfen versucht. Kurzum: Sie ist die Super-Mom.

Piet Gumboldt wird von Thomas Nero Wolff als Oberfiesling gesprochen: knallhart, skrupellos, aber beängstigend intelligent. Ähnlich wie er und der verlässliche Brandis-Sprecher Michael Lott bietet Claudia Mingues-Urschat als Dr. Levy eine durchweg überzeugende und engagierte Darbietung. Anfänger haben es in dieser Reihe nicht leicht: Sie müssen sich gegen eine eingespielte Sprecherriege erster Güte durchsetzen.

Musik

Ja, es gibt durchaus Musik in diesem flott inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Intro und in den häufigen Intermezzi, in den Pausen . Selten ist die Musik mal im Hintergrund zu hören, denn der Dialog soll nicht überdeckt werden. Die Musik erweist sich als eminent wichtig, um Stimmung zu erzeugen und den Übergang zwischen Szenen zu signalisieren.

Ganz am Schluss erklingt ein dramatisches Outro, das den Ausklang zu dieser Episode bildet, bevor es zu einer etwas flotteren Hintergrundmusik abbremst. Diese läuft während der relativ langen Absage (etwa zwei Minuten), bei der sämtliche Sprecher und, wo sinnvoll, ihre Rollen aufgezählt werden. Außerdem erfolgt der Hinweis auf den Titel der nächsten Folge „Metropolis-Konvoi“.

Das Booklet

Das Booklet bietet einen Überblick über die bereits erschienenen Folgen der Serie, über die Macher und über die Sprecher. Zudem gibt es eine Begriffserklärung zum Thema “Asteroidenausbeutung”, die die Besitzverhältnisse auf dem Asteroiden Ikarus erklärt: Dieser war nach der Privatisierung des Weltraums anno 2075 (der Mars ging an Peking, die Venus an die Union) im Jahr 2133 an Metropolis übergegangen – als Ausgleichszahlung für entstandene Schäden bei der Besetzung Südafrikas durch Peking.

Des Weiteren findet sich eine Informationsseite darüber, dass es sogar Unterrichtsmaterialien für den Schulunterricht der 7. und 8. Klasse zu MARK BRANDIS gibt: „Mark Brandis im Lehrplan“. Diese Materialien greifen besonders die Doppel-Episode „Operation Sonnenfracht“ auf.

Unterm Strich

Es gibt kaum eine naturwissenschaftlich fundierte Geschichte der Zukunft, in der nicht die Gesteinsbrocken, die im Asteroidengürtel (asteroid belt) zwischen Mars und Jupiter herumfliegen, ausgebeutet werden. Dazu bildet sich ein spezieller Ableger der menschlichen Rasse heraus: die Belter (vgl. dazu das Ringwelt-Universum von Larry Niven, John Varley u. v. a.). So weit ist in MARK BRANDIS noch nicht, aber der Weg dorthin wird bereits beschritten.

Die Chancen, die der Asteroidenabbau bietet, sind enorm. Aber es gibt auch Risiken, und eines davon zeigt diese Episode auf: Der Riesenkiesel lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen (Antrieb beispielsweise) als Lenkwaffe und Druckmittel verwenden, um entsprechend hohe Gegenleistungen zu erpressen. Dies ist der Masterplan des Superschurken, gegen den Mark diesmal antreten muss.

Dass die Handlung an mehreren Schauplätzen stattfindet, gehört mit zum Actionthriller, der hier inszeniert wurde. Weil häufig die Szene wechselt und viele Akteure sprechen ist es für den Hörer unabdingbar, sehr aufmerksam zuzuhören. Dies ist – wie alle übrigen Episoden – kein Hörspiel, das man sich mal nebenbei reinzieht, etwa im Auto auf einer langen Nachtfahrt. (Dass es solche Hörer gibt, weiß ich aus erster Hand.)

Mit der Action geht es gleich in den ersten fünf Minuten los, man sollte also bereits in den Startlöchern stehen. Obwohl es dramaturgisch nicht geradlinig verläuft, ist das Hörspiel mit rund 70 Minuten Dauer keineswegs zu lang.

Der Titel der nächsten Folge lautet „Metropolis-Konvoi“.

1 Audio-CD
Spieldauer: 70:28 Min.
UPC: 0602537390168

www.folgenreich.de
www.markbrandis.de
www.interplanar.de

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