Mark Brandis: Planetaktion Z (Folge 30)

Die Handlung:

2136: Ein Notruf hat den Raumnotrettungskreuzer »Florence Nightingale« zur »Barrakuda« geführt. Im leeren Luxuskreuzer entdeckt Vormann Grischa Romen Spuren eines Verbrechens, das er sich nicht erklären kann. Als er zur Erde zurückkehrt, stellt er fest, dass sich das politische Klima der Union inzwischen verändert hat. Bereits ausgerottet geglaubte Fremdenfeindlichkeit ist wieder aufgeflackert, und bald muss der stolze Tzigan um sein Leben fürchten … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wenn ich Buch-, Film- oder sonstige Titel mit einem „Z“ drin sehe, rolle ich eigentlich direkt mit den Augen, weil mir die ganze Zombie-Sache relativ am Allerwertesten vorbeigeht. Zombies waren in den 1980ern cool, jetzt brauch ich sie nicht mehr. Und da MARK BRANDIS auch aus dem Zeitraum stammt und jetzt das „Z“ so populär ist, schwante mir Böses. Aber, der Klappentext besänftigt ja schon wieder. Es geht um Fremdenfeindlichkeit … was aber auch nicht besser ist als Zombies. Im Gegensatz zu Zombies ist Fremdenfeindlichkeit leider auch keine Modeerscheinung und grad derzeit überall auf der Welt viel zu aktuell.

Und wie stehts mit Toleranz im Jahr 2136? Nicht gut, wenn man dem Autor der Romanvorlage des Hörspiels glauben möchte, denn der nutzt die eigentliche Sci-Fi-Serie mal wieder für einen erhobenen Zeigefinger und reichlich Sozialkritik.

So erleben wir … wie erwartet … mal wieder kein Weltraumabenteuer, auch wenn diese Geschichte im All startet und zu einem spannenden Whodunit werden könnte. Wir folgen in der ersten halben Stunde Grigori »Grischa« Romen und erfahren, dass er zu den Tzigani gehört, den Zigeunern. „Ah ja … und?“ sollte darauf die normale Reaktion sein … ist sie aber in dieser Folge nicht. So wird der Mensch komplett ignoriert, seine Leistungen unter den Teppich gekehrt und Grischa einfach eingebuchtet und unter Verschwörungsverdacht gestellt, nur weil er zu dieser Volksgruppe gehört. Klingt eigentlich nach üblen Nazi-Methoden der Vergangenheit, mit Internierungslager und allem. Und in der Zukunft … da gibts sogar eine Impfung gegen Fremdenfeindlichkeit … aber leider immer noch faschistoide Vereine wie die „Reinigende Flamme“ und jede Menge Misstrauen und vorschnelle Verdächtigungen.

Die einen nutzen die Unsicherheit und die Angst anderer aus und schwingen sich an die Macht, die anderen kuschen und kehren denen den Rücken, die sie eigentlich lieben … womit wir wieder bei unserer Story wären, bei der Grischa im Mittelpunkt steht und nicht sein Freund Mark Brandis, der nach einer halben Hörstunde dann auch endlich mal auftaucht, aber in dieser Folge eigentlich nur zu Besuch ist.

Was dann kommt, ist ein Mix aus Roadmovie und „Gesprengte Ketten“, bei dem klar wird, dass der Autor hier kein Abenteuer erzählen wollte, sondern wie so oft ausschließlich Sozialkritik üben. Dass im Brandesversum immer noch auf der Erde ein kalter Dauerkrieg herrscht, sei hier nur am Rande erwähnt. Da ist ja jede Jugend-Dystopie angenehmer zu ertragen.

Und der Mordfall, um den es hier ja eigentlich gehen sollte? Wenn man nämlich den ganzen Fremdenhass mal weglässt, dann ist die Story leider extrem dünn, auch wenn es gegen Ende noch mal spannend und sehr dramatisch und auch ziemlich ergreifend wird. Es gibt nämlich weder unerwartete Wendungen, noch überraschende Ereignisse oder sonstige Sachen, die einen guten Krimi oder ein tolles (Weltraum-)Abenteuer ausmachen, um den Hörer gut und kurzweilig zu unterhalten. Darum hat sich der Autor leider nicht wirklich gekümmert … um beides nichts … und das merkt man. Zwar hat man beim Hören ständig einen Hals ob der Geschehnisse, aber das liegt mehr an der eigenen Grundeinstellung zur Thematik als an der Geschichte, die erzählt wird.

Den Abschluss behält der Autor dann wieder für sich und seinen Zeigefinger vor und mit viel Hall predigt er seine Meinung von der Kanzel herab. Ist ja nicht so, dass ich ihm nicht zustimmen würde, ich finds halt nur irgendwie eine Mogelpackung, wenn auf der CD „Abenteuer in der Welt von Morgen“ steht und wir dann nur eine Moralpredigt bekommen und nach einem Abenteuer mit der Lupe suchen müssen. „Meckern im Weltall“ hätte es als Zusatz besser getroffen, wobei wir selbst da ja eigentlich auch nur ganz selten mal sind.

Das Hörerlebnis:

Auch wenn die Reihe von den Dialogen und dem lebt, was der Autor durch die Blume der Science-Fiction an Gesellschaftskritik der 1980er loswerden will, kommt der Hörspaß nicht zu kurz. Immer gibts eine zur Szene passende Geräuschkulisse zu hören und auch die Musik ist liebevoll ausgewählt und arrangiert, was die Dramatik noch intensiver macht … besonders gegen Ende.

Die Sprecher machen allesamt einen überzeugenden Job und lassen das Kopfkinofeeling ungetrübte Unterhaltung bereiten. Und die geht diesmal so richtig nahe.

Die Sprecher und ihre Rollen:

Cpt. Esko Tuomi: Martin May
Grigori »Grischa« Romen: David Nathan
Lt. Marie Hamilton: Antje von der Ahe
Prolog: Wolf Frass
Lt. Per Dahlsen: Erich Räuker
Gregor Chesterfield: Fabian Kluckert
Präsident Hastings: Georg Matthias
Juan Segovia: Rainer Schmitt
Mark Brandis: Michael Lott
Jacques Rochelle: Rainer Fritzsche
Walter Hildebrand: Oliver Rohrbeck
Prof. Richard Westhoff: Leon Boden
Janosch Adonay: Walèra Kanischtscheff
Alain Ibañez: Daniel Montoya
Ko Ai: Tanja Fornaro
Sven Björnsen: Robert Vogel
Bordsystem CORA: Mira Christine Mühlenhof

sowie Johannes Avenarius, Anja Jaramillo, Thomas Müller, Melanie Pukaß, Jochim C. Redeker, Artur Weimann und Hanna Ziemens

Trackliste:

01. Die „Barrakuda“
02. Die Lebenden und die Toten
03. Prolog
04. Vorzeichen eines Nachspiels
05. Überraschung in Metropolis
06. Zwei Frauen
07. Die Flucht
08. Jagd auf die ATLAS 14
09. „Wir werden beschossen!“
10. Chesterfields Sühne

Technik-Credits:

Nach Motiven des gleichnamigen Romans „PlanetaktionZ „von Nikolai v. Michalewsky
Manuskript: Balthasar von Weymarn
Sounddesign & Musik: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Sven-Michael Bluhm, Stefan Schieffer und Dennis Schmidkunz
Wortschnitt: Tommi Schneefuß
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss
Layout/ Satz: Jürgen Straub
Product Management: dp

Die Ausstattung:

Die CD steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet enthält eine Aufstellung der bereits veröffentlichten Folgen, sowie eine ausführliche Begriffserklärung der Abkürzung IPEXT. Zusätzlich werden noch die Sprecher und ihre Rollen aufgeführt sowie die Technik-Credits.

Mein Fazit:

Fremdenfeindlichkeit ist leider zeitlos und wird wohl auch in der Zukunft nicht ausgestorben sein. Davon gibts in dieser Folge eine Menge zu hören und in den Nachrichten bei uns jeden Tag leider auch zu sehen.

Dass bei aller Sympathie und Zustimmung zur Meinung des Autors aber das Abenteuer fast komplett auf der Strecke bleibt und nur schmückendes Beiwerk der (üblichen) sozialpolitischen Moralpredigt des Autors ist, das ist sehr schade. Ein paar Anlehnungen an diverse Weltkriegsausbruchsfilme, ordentlich Drama auf der Flucht und ein Ende, das keinen happy zurücklässt … Die Sozialkritik hat hier komplett die Story gefressen und das hat bei mir den Hörspaß erheblich gebremst.

Einige wenige Folgen bleiben noch, bis die gesamte Reihe umgesetzt wurde und ich bin wirklich gespannt, wie viel Unzufriedenheit noch im Autor steckt oder ob es zum Schluss hin noch wirklich echte Abenteuer geben wird. Die Tendenz, die die Serie seit vielen Folgen schon einschlägt, deutet allerdings nicht in diese Richtung.

1 Audio-CD
Spieldauer: 78:07 Min.
Tracks: 10
Vom Verlag empfohlen ab 12 Jahren

www.folgenreich.de
www.markbrandis.de
www.interplanar.de

Der Autor vergibt: (2/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 4,00 von 5)

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