TKKG – Doppelte Entführung (Folge 207)

Die Handlung:

Tim und Klößchen betreten ein kleines Kellerstudio, um den bekannten MeTuber „JaJaFORCE“ für die Schülerzeitung der Internatsschule zu interviewen, allerdings fehlt vom Internetstar jede Spur. Die umgefallene Videokamera zeichnet seit Stunden auf und als Tim und Klößchen das Material sichten, wird ihnen klar, dass „JaJaFORCE“ entführt wurde. TKKG machen sich an die Detektivarbeit. Ist die Entführung nur eine geschmacklose Promoaktion um mehr Follower zu gewinnen oder steckt doch mehr dahinter, als sie vermutet hatten? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ok, cleveren Hördetektiven fällt beim Lesen des Klappentexts sofort einiges auf: Wie kommen Klößchen und Tim in das „kleine Kellerstudio“, wenn doch gar keiner da ist, um aufzumachen? Wieso sichten sie das stundenlange Videomaterial … und nicht die Polizei, wenn sie doch ein Verbrechen vermuten? Und zu guter Letzt: Wieso heißt die Folge „Doppelte Entführung“, wenn es doch nur ein einzelner IrgendwasTuber war, der hier verschwunden … zu sein scheint? Fragen über Fragen … und das schon, bevor die erste Sekunde verstrichen ist … na das kann und sollte ja heiter werden.

Ich weiß, es sind Modewörter und Anglizismen, die sich in unserem Sprachgebrauch eingenistet haben … aber ich weiß nicht, ob ein Achtjähriger erklären kann, was „Hater“ und „Trolle“ sind und was „Posten“, „Leaken“, „Chatten“, „Nickname“, „Influencer“ oder „viral gehen“ bedeutet oder was „Start-ups“ und „Shitstorms“ sind. Erklärt hier leider niemand. Yeet! Aber, immerhin wird recht fix beantwortet, wie die Schülerzeitungs-Interviewer in den Keller kommen, wo doch das Opfer von Willis Fanbegierde nicht da ist. Haken dran.

Die Frage nach dem Titel wird beantwortet und auch die nach der integrativen Nutzung der örtlichen Polizeidienstler … noch mehr Haken. Und dann gibts Elektro-Disco-Sound als Übergangsmusik, während wir das gerade Gehörte erst mal verarbeiten müssen. Später gibts sogar Dubstep … ist das jetzt nur, weil diese Folge unglaublich hip und trendy klingen will oder gibts das jetzt als Standardmusik auf die Ohren?

Von dem Gemoser mal ganz abgesehen, entwickelt sich dieser Fall schon recht dramatisch. Der Promodingens von diesem MeTube-Star macht sich glaubhaft Sorgen, zumal er die andere Person auf dem Entführungs-Video persönlich kennt.

Bleibt halt die Frage nach dem Grund für das Ganze. Promo für einen sinkenden Stern am Inernet-Video-Himmel, dem die Subber und Follower ausgehen oder echte Hassattacken, die nicht nur anonym hetzen, sondern handfest entführen … das aber auch anonym?

Da sich Willi am Anfang der Folge aber irre darüber freut, dass sie recht exklusiv erfahren haben, wie der MeTuber mit echtem Namen heißt und wo er sein Studio hat, stellt sich auch die Frage danach, woher die Entführer das wissen. Gerade vor ein paar Tagen ist das Haus des bekannten Twitch-Streamers Dr DisRespect beschossen worden. Es ist nicht wirklich harmlos, was diese Leute erleben, sobald jemand herausgefunden hat, wer sie wirklich sind und wo sie wohnen. Und populäre, weibliche Streamer müssen nicht selten umziehen, wenn sie jemand „enttarnt“ hat.

Wer sich hier übrigens mittendrin selbst enttarnt ist einer der Entführer! Es ist Spongebob! Diese Stimme ist so unverkennbar und hat sich bei so vielen festgesprochen, dass kaum ein Hörer dem durchaus talentierten Santiago Ziesmer eine andere Rolle abkauft … schon gar nicht die, eines Bösewichts.

Tim nimmt die ganze Sache auch nicht ernst … obwohl aus der zweifachen Entführung eine dreifache wird … ihn eingeschlossen. Sicher lustig zu hören, aber storytechnisch unglaubwürdig. Auch wenn er in vielen der vergangenen Folgen als recht hirnloser Draufgänger gezeichnet wurde … sich aber über seine Entführer lustig machen, war noch nie ein probates Mittel um ungeschoren aus einer brenzligen Situation zu kommen. Und sich später auch noch über jemanden aufzuregen, der nachvollziehbar Angst hatte und nicht rumalbert … kann ich bitte den alten Tim wiederhaben? Gern auch Tarzan!

Und als die ganze Comedynummer mit den Typen vorbei ist, verhalten sich die ursprünglich Entführten auf einmal auch ganz seltsam. Wieso wollen DIE denn jetzt auf einmal keine Polizei?

Der Grund dafür bringt dem bisher gehörten Fall so eine brutale Wendung, dass der Hörer sich schon fragen kann, ob es hier nicht sinniger gewesen wäre, das Ganze als zwei getrennte Folgen zu veröffentlichen. Potenzial genug hätten beide gehabt. Na ja … nun sind beide Storys miteinander verknüpft und es geht in eine völlig andere Richtung, mit der kein Hörer hätte rechnen können.

Wie ein IrgendwasTuber allerdings spontan einen Aufmarsch organisieren kann, habe ich mich schon gefragt. Die produzieren doch Konserven und senden in der Regel gar nicht live (auch wenns diese Option mittlerweile gibt). Das wäre die beste Lösung, denn die Zeit drängt, wenn Karls Idee funktionieren soll. Wäre zwar wieder unglaubwürdig, wenns klappen sollte, aber unmöglich ists nicht.

Diverse andere Sachen habe ich mich im Anschluss auch gefragt, die ich mir nicht so ganz erklären konnte, aber, dramatisch wars schon … irgendwie … denk ich … ach ja, und irgendwo auch unterhaltsam, aber auf eine ganz seltsame Art.

Die Sprecher und ihre Rollen:

Erzähler – Wolfgang Kaven
Tim – Sascha Draeger
Karl – Tobias Diakow
Klößchen (Willi) – Manou Lubowski
Gaby – Rhea Harder
Kommissar Glockner – Wolfgang Draeger
Jannik Jakobs – Julian Greis
Leif Posch – Holger Umbreit
Gina De Luca – Manuela Eifrig
Reinhard Sonnschmitt – Achim Schülke
Jörn Winter – Kai Mertens
Adam Lampe – Santiago Ziesmer
Sarah – Enie van de Meiklokjes
und Oskar, der schwarz-weiße Cockerspaniel

Trackliste:

1. Entführung auf Band
2. New Media Posch
3. Das geheime Treffen
4. Tim ist unaufmerksam
5. An der Küste Kalabriens
6. Überraschungsbesuch
7. Die Masse macht’s!
8. Ein Live-Chat als Alibi
9. 20.000 um 2 Uhr
10. TKKG schweigen und genießen

Technik-Credits:

Buch: Martin Hofstetter nach Motiven von Stefan Wolf
Produktion und Regie: Heikedine Körting
Redaktion: Svenja Bartsch, Wanda Osten
Geräusche und Effekte: Wanda Osten, André Minninger
Coverillustration: Comicon S.L. nach Artworkvorlagen von R. Stolte
Rahmendesign: KB&B – Gestaltung: Atelier Schoedsack
„TKKG – Die Profis in spe“: Bonda/Büscher
(c) 2018 – Eine Produktion der Sony Music Entertainment Germany GmbH

Die Ausstattung:

Die Hörspiel-CD steckt in einem Jewel-Case und ist in „TKKG-Blau“ bedruckt. Das Booklet-Faltblatt enthält eine Aufstellung der bereits veröffentlichten Abenteuer ab Nummer 100 und sechs ausgewählte Cover. Dazu gibts noch die Sprecher und ihre Rollen sowie die Technik-Credits auf der Rückseite nachzulesen.

Mein Fazit:

Diese Folge hat nicht nur das Wort „doppelt“ im Titel, es gibt auch zwei komplett voneinander unabhängig vertonbare Abenteuer zum Preis von einem. Auf der einen Seite die Geschichte mit diesem Internetvideo-Star, die gespickt ist mit hippen Szene-Anglizismen, die zwar im richtigen Kontext verwendet werden … aber dennoch irgendwie aufgesetzt und künstlich klingen. Weil sie so gar nicht in die TKKG-Welt passen und sich wie ein verzweifelter Versuch anfühlen, TKKG aus der Zeitlosigkeit in die Neuzeit zu schubsen.

Das Internet gibts da zwar auch, aber ich bezweifle, dass jeder Junghörer mit allen Begriffen, die hier runtergerattert werden, etwas anfangen kann. Keinen einzigen bekommt der Hörer hier erklärt … vielleicht wärs uncool oder man ging davon aus, dass die nicht für jeden #neuland sind. Mit jedem Fachbegriff, den der Hörer nicht kennt, sinkt der Hörspaß und das Verständnis für die Handlung.

Tim verhält sich wie in zu vielen jüngeren Folgen wie ein hirnloser Draufgänger, der sich über alles lustig macht, was ihm eigentlich Respekt vor der Situation einflößen sollte. Und der zweite Fall, zu dem sich nach der Hälfte komplett alles nach einer 180-Grad-Wendung hier gestaltet, ist nicht zu erwarten gewesen.

Das ist ja im Grunde prima, wenn etwas passiert, das der Hörer nicht vorahnen konnte, aber die Verflechtung der beiden Themenwelten war für mich erzwungen künstlich und reißerisch. Nachvollziehbar bemüht, aber da war für mich zu viel zu weit hergeholt, als dass das alles so hätte passieren und klappen und aufgehen könnte, wie das hier gelaufen ist. Dafür ist die Thematik zu ernst und vor allem zu gefährlich.

„Mal was anderes“ triffts schon … ob das aber jedem gefällt, wage ich zu bezweifeln. Die älteren Hörer verdrehen die Augen und die jüngsten verstehen nicht alles, wovon geredet wird. Ich hätte hier lieber zwei getrennt veröffentlichte Fälle gehört und keine Mischung aus zwei Welten, die für mich nicht aufging. Bei aller Dramatik und recht albernen Comedy-Elementen.

Audio-CD
Spieldauer: 62:32 Min.
Vom Verlag empfohlen ab 8 Jahren
Besprochene Auflage: 1 (September 2018)
EAN: 889854541729

www.natuerlichvoneuropa.de
www.tkkg.de

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