Bishop, Anne – Sebastian (Die dunklen Welten 1)

|Die schwarzen Juwelen|:

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Sebastian hat keine sehr glückliche Kindheit hinter sich. Erst im Alter von fünfzehn Jahren fand er einen Ort, an dem er bleiben konnte: den Sündenpfuhl! Genau der richtige Platz für einen Inkubus wie ihn. Doch nun scheint es, als sei sein Zufluchtsort plötzlich bedroht. Innerhalb kurzer Zeit wurden zwei Leichen gefunden. Und etwas hat versucht, die Landschaft des Pfuhls zu verändern.

Schon bald erfährt Sebastian die Ursache für diese unheimlichen Vorgänge: Jemand hat den Weltenfresser freigelassen, jenes grausame Geschöpf, das schon einmal versucht hat, die Welt Ephemera in ein einziges, wüstes Jagdgebiet für die schrecklichsten Alpträume der Menschheit zu verwandeln. Und es gibt nur noch eine, die genug Macht besitzt, um den drohenden Untergang aufzuhalten, Sebastians Cousine Glorianna. Doch Glorianna ist eine Ausgestoßene …

_Wie schon in Anne Bishops Zyklus der |schwarzen Juwelen|_, ist auch hier das Dunkle nicht unbedingt das Böse und das Licht nicht das Gute.

So ist Sebastian zwar ein Inkubus, das heißt, er braucht zum Leben nicht nur Essen und Trinken, sondern auch die Gefühle anderer, um sich daran zu nähren, er nutzt seine Anziehungskraft und seine Macht, in fremde Träume einzudringen, aber nicht dazu, seine Beute zu quälen oder zu töten. Er ist vor allem eines: einsam. Der Angriff auf den Pfuhl sowie das Auftauchen eines verirrten, jungen Mädchens namens Lynnea rütteln ihn auf, und allmählich entwickelt Sebastian so etwas wie einen Beschützerinstinkt. Zum ersten Mal übernimmt er Verantwortung, und im selben Maße, wie er damit wächst, wachsen auch seine Fähigkeiten.

Dafür ist Koltak, der in einer lichten Landschaft lebt und als Zauberer eigentlich der Gerechtigkeit dienen sollte, von Ehrgeiz und Hochmut zerfressen. Er verabscheut seinen Sohn, weil dieser ein Mischling ist, ein Mühlstein für Koltaks Karriere, und gibt ihn deshalb ständig in die Obhut irgendwelcher liebloser Vetteln, wo der Junge gerade das Nötigste zum Leben erhält. Und auch andere, die ihm im Weg stehen, räumt er gnadenlos beiseite, wie den Hauptmann der Wache, der ihn daran gehindert hat, einen wehrlosen Gefangenen zu misshandeln.

Das Ergebnis dieser Umkehrung ist, dass die Dämonen mit den Menschen auf eine Stufe gestellt werden. Sie sind nichts weiter als unterschiedliche Rassen, und in beiden gibt es Gute wie Böse.

Abgesehen davon war die Charakterzeichnung wieder sehr gelungen. Die Intensität war – von Sebastian abgesehen – nicht so stark wie bei den Blutjuwelen, aber dennoch sehr lebendig und glaubwürdig, auch wenn Lynneas Selbstbewusstsein vielleicht doch ein wenig schnell gewachsen ist.

_Besonders gut gefallen hat mir der Entwurf von Ephemera_, einer Welt, die sich den Wünschen und Sehnsüchten ihrer menschlichen Bewohner anpasst. Allerdings ist Ephemera nicht in der Lage, zwischen kurzfristigen Launen und echten Herzenswünschen zu unterscheiden. Diese Fähigkeit besitzen nur die Wächter, und sie wachen darüber, dass nur wirklich tiefe Wünsche in Erfüllung gehen.

Doch als vor langer Zeit die Dunklen Wächter den Weltenfresser erweckten, geriet Ephemera an den Rand des Abgrunds. Nur unter größten Opfern gelang es, den Weltenfresser einzusperren, und Ephemera brach dabei in Stücke. Nun müssen alle, die von einer Landschaft in die andere wollen, magische Brücken benutzen, die unterschiedliche Eigenschaften haben. Manche sind fest und verbinden lediglich zwei Gegenden miteinander. Andere sind flexibel, sie lauschen auf die Wünsche des Reisenden und befördern ihn dorthin. Meist kann der Reisende durch Konzentration seinen Zielort bestimmen, manchmal beschließt die Brücke aber auch, auf die Tiefen des Herzens zu hören anstatt auf den Verstand, sodass man nie wirklich sicher sein kann, wo man landet!

Ephemera ist aber nicht nur ständig im Wandel, weil die Menschen sich ständig wandeln. Die Landschafferinnen, zu denen auch Glorianna gehört hätte, besitzen die Fähigkeit, die Landschaften untereinander neu anzuordnen, indem sie einen Garten anlegen, dessen verschiedene Flecken die verschiedenen Landschaft repräsentieren.

_Aus diesen Elementen hat Anne Bishop eine Geschichte gesponnen_, die erfreulich neu und eigenständig ist. Dass Ephemera den Juwelenzyklus weiterführen soll, ist schlicht falsch. Der Zweiteiler hat durchaus Gemeinsamkeiten mit seinem erfolgreichen großen Bruder, vor allem in Stil und Aufbau, die Bewegung der Handlung hält sich eher in Grenzen, und der Spannungsbogen steigt nur langsam, ehe er kurz vor Schluss kräftig anzieht. Auch hat er die dunkel schillernde Grundstimmung sowie stellenweise auch den trockenen Humor des Juwelenzyklus geerbt. Dafür ist er weit weniger grausam, als besonders der erste Band der Blutjuwelen es stellenweise war. Vor allem aber sind sowohl die Welt als auch die Personen vollkommen neu und anders. Ephemera besitzt trotz mancher Ähnlichkeiten einen eigenen Charme und zeigt erneut den großen Einfallsreichtum der Autorin, sodass es mich – wie beim Juwelenzyklus auch – nicht im Geringsten gestört hat, dass es nicht ständig turbulent und aufregend zuging.

Mir hat „Sebastian“ genauso gefallen wie die Geschichte um Jaenelle. Ephemera steht dem Juwelenzyklus in nichts nach. Wahrscheinlich gerade deshalb, weil es ihn nicht weiterführt!

_Anne Bishop_ lebt in New York, liebt Gärtnern und Musik und hatte bereits einige Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht, ehe ihr mit dem Zyklus der |schwarzen Juwelen| der internationale Durchbruch gelang. Der fünfte Band aus diesem Zyklus, für den sie den |Crawford Fantasy Award| erhielt, ist bereits auf Deutsch erhältlich. Außerdem stammt aus ihrer Feder die Trilogie |Tir Alainn|, die auf Deutsch bisher nicht erschienen ist. „Belladonna“, die Fortsetzung von „Sebastian“, hat noch keinen offiziellen deutschen Veröffentlichungstermin.

http://www.annebishop.com
http://www.heyne.de

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