Nevis, Ben – Die drei ??? – Geister-Canyon

Im Gegensatz zur Hörspielserie, die bis mindestens Anfang 2006 mit der Umsetzung neuer Geschichten ruht (Wir erinnern uns: Die Hitchcock-Lizenz lief Februar 2005 nach 25 Jahren aus, was bei EUROPA zum kompletten Überdenken der Marketingstrategie Anlass gab), gehen die Veröffentlichungen auf dem Buchsektor mit beinahe unverminderter Geschwindigkeit weiter. Erst jetzt im Dezember ereilte die Lesegemeinde unlängst das [„Survival-Buch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2061 mit Outdoor-Tipps und Tricks für angehende Junior-Detektive. Die junge Seitenlinie ???-KIDS erreichte im November auch ihren 25. Band und feierte ein kleines Jubiläum.

Die letzte Tranche Publikationen aus der regulären Serie erblickte hingegen schon im September die Regale der Händler und beinhaltete, neben einem neuerlichen (Jubiläums-)Dreierband („Feuermond“ – Nummer 125) auch den derzeit aktuellsten Band 126 „Geister-Canyon“, verfasst von Ben Nevis, der in letzter Zeit häufiger für die Serie aktiv wird. Seit dem Fiasko „Todesflug“ (Bd. 92), dessen bloße Erwähnung in Fankreisen immer noch kollektiven Schüttelfrost hervorruft, sind einige Jahre ins Land gegangen und in seiner Bibliographie weist der Daumen nunmehr immer häufiger nach oben. Wie bei |Franckh-Kosmos| mittlerweile üblich, werden für gut 128 Seiten Hardcover auch hier die gewohnten Siebeneuroneunzich fällig.

_Zum Inhalt_

Es beginnt wie so oft bei den drei Detektiven. Ein seltsamer Besuch auf dem Schrottplatz – in Form einer Stretch-Limousine – und schon haben die Jungs fast einen neuen Fall. Fast. Der Auftraggeber in spe verlangt allein die Anwesenheit von Chefschnüffler Justus. Allerdings können die Fragezeichen den Butler und Chauffeur von Mr O’Sullivan, der Just abholen soll, davon überzeugen, dass es sie nur im Dreierpack gibt – oder gar nicht. O’Sullivan ist ein recht wohlhabender Filmproduzent und wohnt im noblen Beverly Hills. Sein Problem: Er ist Besitzer einer sehr kostbaren Geige und eben jene ist ihm gemopst worden. Entführt, wie er sagt. Denn er betrachtet das gute Stück mit dem klangvollen Beinamen „Diener des Herrn“ als Persönlichkeit. Der oder die „Entführer“ verlangen eine Million Scheinchen. O’Sullivan ist bereit, für die wohlbehaltene Rückkehr des Instruments die Portokasse zu plündern.

Ungewöhnlich an diesem Auftrag ist, dass die drei Fragezeichen den Täter primär gar nicht dingfest machen sollen. Vielmehr sollen die Jungs (respektive Justus allein) als Bote für das Lösegeld fungieren und die heiß geliebte Fidel als die Echte identifizieren und mitbringen. Die Übergabe – so verlangt es das Erpresserschreiben – muss durch ein Kind an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit erfolgen. So kam O’Sullivan auf Justus, er erinnerte sich an einige Artikel über die berühmten drei ??? aus Rocky Beach und ihm dämmerte die Idee, die als zuverlässig und vertrauenswürdig bekannten Jung-Detektive zu engagieren. Doch was als millionenschwerer Kurierdienst beginnt, wird rasch zu einer nicht ungefährlichen Tour de Force. Zu allem Überfluss funkt ihnen auch noch der – aus [„Gift per E-Mail“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1156 bekannte – zwielichtige Privatdetektiv Dick Perry (wieder) dazwischen.

_Meinung_

Das Leitmotiv der Schnitzeljagd ist innerhalb der Serie nicht grade neu und schon des Öfteren verwendet (und zum Teil sogar überstrapaziert) worden. Die Hatz quer durch Kalifornien kennt man beispielsweise in ganz ähnlicher Form schon von „… und der unsichtbare Gegner“ (39), diesmal jedoch mit etwas anderen Parametern und ohne CIA. Die Rahmenhandlung dieses ???-Roadmovies ist aber aus recht gefälligen Zutaten zusammengemischt und die Lösung des Falles wird dem Leser nicht ganz einfach gemacht. Auch die Wiederbelebung des eigentlich im Knast geglaubten, unausstehlichen Schleimbeutels Dick Perry ist eine gelungene Idee. Bei ihm weiß man bis zum Schluss nicht, was man von dem Knilch halten soll – jedenfalls nichts Gutes. Seine Charakterzeichnung trifft ins Schwarze.

Nicht jedoch die von Peter. Zwar spielt Peter in der Reihe immer gern den Angsthasen, Advocatus Diaboli und Nörgler (manchmal sogar alles gleichzeitig), doch ihm – wie hier – zu unterstellen, er würde auch nur länger als eine Minute ernsthaft darüber nachdenken, mit der Kohle abzuzischen und sich in Acapulco ein schönes Leben zu machen, das will nicht zur Figur passen. Mag sein Charakter auch die stets kritische und unkende Stimme der drei Fragezeichen sein, seine Integrität sowie Loyalität zu Justus und Bob ist über jeden Zweifel erhaben. Eine Million Dollar in den Händen von Jugendlichen sind schon verführerisch, doch wurde der Bogen der Versuchung Peters meines Erachtens zu sehr überspannt.

Bob – der gute und besonnene Geist des Trios – hat beim Geister-Canyon nicht so sehr viel zu tun, seine Rolle beschränkt sich hauptsächlich darauf, Wissenswertes unters Volk zu bringen und Schlichter zu spielen, kurzum: der Kitt der drei Satzzeichen zu sein. Justus hat (natürlich!) wieder die Hauptrolle inne. Das korpulente Superhirn muss sich diesmal ordentlich strecken und eine Zeit lang sieht es so aus, als solle Fall Nummer 126 die größte Schlappe der Detektei werden. Niederlage auf der ganzen Linie droht. Doch Kommissar Zufall – in Person von Bob – zeigt sich äußerst gnädig, sodass sich die Geschichte noch einmal in eine recht unerwartete Richtung dreht. Wobei aufmerksame Leser an einigen versteckten Stellen bestimmt schon Lunte riechen, ihnen werden aber elementare Informationen vorenthalten. Bis fast zum Schluss.

_Fazit_

Ben Nevis spannt hier ein unterhaltsames Garn, auch wenn er bestimmt keinen Innovationspreis dafür bekommt. Mir sagt insbesondere Peters Entwicklung nicht so sehr zu, dafür aber die Wiederauferstehung von Dick Perry umso mehr. Einsteiger werden den Geister-Canyon sicher sehr verdaulich finden, auch wenn sie die Serie (noch) nicht kennen. Gruselelemente flackern – trotz des gewählten Titels – nur einmal ganz kurz durch, Mystery ist nicht das Thema der Schnitzeljagd. Humor übrigens auch nicht. Es ist eine flüssig geschriebene und zu lesende (Kriminal-)Geschichte. Die logisch aufgebaute Story ist ein im oberen Drittel angesiedelter Mittelklasse-Fall der drei Fragezeichen, kein wirklicher Gassenfeger, jedoch spannend genug, um auch zukünftig bei der Stange zu halten und vielleicht sogar ein paar neue Fans zu akquirieren.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_
Die drei ???® – Band 126
„Geister-Canyon“
Erzählt von Ben Nevis
Franckh-Kosmos, Stuttgart 09/2005
128 Seiten Hardcover, ISBN: 3-4401-0204-1

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