Schlagwort-Archive: Jean-Christophe Grangé

Grangé, Jean-Christophe – steinerne Kreis, Der (Hörbuch)

_Spannender Thriller: bei den Schamanen Sibiriens_

Als die französische Tierforscherin Diane Thiberge einen kleinen Jungen aus Indonesien adoptiert, ahnt sie noch nicht, dass ihr Leben damit zu einem tödlichen Abenteuer wird. Denn der kleine Lü-sian ist nicht irgendein Straßenkind, sondern ein Schamane: ein „Wächter“.

_Der Autor_

Jean-Christophe Grangé stammt aus einer Reporterfamilie und hat schon früh mit dem Recherchieren von Fakten angefangen. 1961 in Paris geboren, arbeitete er als freier Journalist für diverse Magazine, darunter |Paris-Match|, |Gala|, |Sunday Times|, |Observer|, |El País|, |Spiegel| und |Stern|. Seine Reportagen führten Grangé zu verschiedenen ursprünglich lebenden Völkern wie den Tuareg, den Pygmäen und den Mongolen. In der Mongolei kam er nach Verlagsangaben auch mit Schamanenstämmen in Kontakt, die im vorliegenden Buch eine Rolle spielen.

Grangé ist der Autor des verfilmten Thrillers [„Die purpurnen Flüsse“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=936 (1998). 1996 beschäftigte er sich mit dem Thema Genetik. Aus dem Gedankenspiel eines abgeschlossenen Experimentierfeldes entstand der Roman „Die purpurnen Flüsse“, der zu einem nationalen Bestseller wurde und den Franzosen ihr eigenes Thrillergenre bescherte.

An diesen Erfolg schloss der beredte und gebildete Grangé mit „Der Flug der Störche“, „Der steinerne Kreis“ und mit [„Das Imperium der Wölfe“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1348 an. Dieser Roman wurde 2005 mit Jean Reno verfilmt. Zuletzt erschienen von Grangé „Das schwarze Blut“ und „Das Herz der Hölle“ sowie 2009 „Der Choral des Todes“.

Mehr von Jean-Christoph Grangé auf |Buchwurm.info|:

[„Die purpurnen Flüsse“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=936
[„Das Imperium der Wölfe“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1348
[„Das schwarze Blut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2286
[„Das Herz der Hölle“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4404 (Hörbuch)
[„Das Herz der Hölle“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4569 (Buch)

_Sprecherin & Produktion_

Tanja Geke war nach ihrer Schauspielausbildung in Berlin in verschiedenen Film- und Fernsehrollen zu sehen, unter anderem in „Rosa Roth“ und „Praxis Dr. Sommerfeld – Neues von Bülowbogen“. Neben ihren TV-Auftritten ist von ihr so manches zu hören. Sie lieh ihre Stimme bereits Kate Hudson („Almost Famous“), Scarlett Johannson („The Prestige“) und Beyoncé Knowles.

Geke liest eine von Kai Lüftner bearbeitete Fassung vor. Die Aufnahme in den |d.c. Tonstudios|, NRW-Berlin, leitete Dennis Kassel, der zusammen mit Diky Hank auch die Musik beitrug. Regie führte Kati Schaefer.

_Handlung_

|Eine interessante Frauenfigur|

Die Tierforscherin Diane Thiberge kennt als Hippiekind ihren Vater nicht, deshalb lernt sie, ihre Mutter aufgrund deren wechselnden, wahllosen Liebschaften abzulehnen. Den Gipfel dieser Zurückweisung erlebt Diane im Alter von 14 Jahren: Ihre Mutter, Sibylle, ist nach einem Abendessen mal wieder mit einem ihrer Männern losgezogen, ohne sich um Diane zu kümmern, die zu Fuß nach Hause geht. Dabei muss sie etwas so Schreckliches erlebt haben, dass sie die Erinnerung daran wie in eine Stahlkammer einschloss – es muss wohl eine Vergewaltigung oder etwas Ähnliches sein.

Fortan duldet Diane keinerlei Berührungen oder gar Liebkosungen mehr, lässt sich schon gar nicht auf Männer ein. Sie widmet sich der Erforschung des Jagdverhaltens der Raubtiere – besonders Löwinnen faszinieren sie. Und sie wird Europameisterin in einer Kampfsportart namens Wing Tsun, um sich künftig gegen eventuelle männliche Übergriffe schützen zu können. Man könnte Diane, benannt nach der Jagdgöttin, als moderne Amazone bezeichnen.

Doch ihre biologische Uhr tickt unbarmherzig. Als sie 30 wird und noch kein Kind hat, lehnt sie die Reproduktionsmedizin ab: Sie will nichts in sich eindringen lassen. Folglich entscheidet sie sich für die Adoption. Als sie jedoch wegen ihres Ledigseins für die Rolle der Adoptivmutter für ungeeignet gehalten und abgelehnt wird, muss sie ihren Stiefvater Charles Helikian um Hilfe bitten. Er ist ein psychologischer Berater von höchsten Kreisen der Politik, der Finanz- und Wirtschaftswelt. Ihr Antrag wird in erstaunlich kurzer Zeit bewilligt.

In einem obskuren Waisenhaus auf den Andamaneninseln im Indischen Ozean erhält sie einen Jungen, den sie Lucien nennt, weil er immer „Lü-sian“ sagt. Auch die Heimvorsteherin weiß nicht, woher er stammt. Diane erlebt in Paris mit Lucien die seit langer Zeit schönsten Tage. Er kann singen und tanzen, doch seine Sprache versteht niemand.

|Das Unheil schlägt zu|

Nach einem Abendessen bei ihrer verhassten Mutter ist Diane so verstört, dass sie auf der Ringautobahn von Paris einen schweren Unfall baut: Von der Gegenfahrbahn war ein riesiger Lastzug auf ihre eigene Fahrbahn durchgebrochen. Im strömenden Regen sieht sie den Lastzug zu spät … Sie findet ihren kleinen Sohn halbtot unter dem Lastzug. Im Krankenhaus stellt man fest, dass er im Koma liegt.

Die schier untröstliche Diane bekommt mitgeteilt, dass ihr Sohn bald sterben wird, und so gewährt sie einem fremden Arzt, der sich als Rolf van Kaen aus Deutschland vorstellt, die Erlaubnis, mit Akupunktur zu arbeiten. Wundersamerweise erholt sich Lucien daraufhin, während niemand den Arzt aus Deutschland zu kennen scheint. Wenig später findet man seine Leiche, auf bizarre Weise getötet: Sein Herz war explodiert, weil ihm jemand die Halsschlagader abgedrückt hatte – von innen …

Buch-Reviews

steinerne Kreis, Der (Grangé, Jean-Christophe)

Auflage: Januar 2004
Erscheinungsjahr: 2002
ISBN: 3404150724
Verlag: Bastei Lübbe
Genre: Thriller & Krimis

1 Review

Als die französische Tierforscherin Diane Thiberge einen kleinen Jungen aus Indonesien adoptiert, ahnt sie noch nicht, dass ihr Leben damit zu einem tödlichen Abenteuer wird. Denn der kleine Lü-sian ist nicht irgendein Straßenkind, sondern ein Schamane: ein „Wächter“.

Der Autor

Grangé ist der Autor des verfilmten Thrillers „Die purpurnen Flüsse“ (1998). 1961 in Paris geboren, arbeitet er als freier Journalist für diverse Magazine, darunter Paris-Match, Gala, Sunday Times, Observer, El País, Spiegel und Stern. Seine Reportagen führten Grangé zu verschiedenen ursprünglich lebenden Völkern wie den Tuareg, den Pygmäen und den Mongolen. In der Mongolei kam er nach Verlagsangaben auch mit Schamanenstämmen in Kontakt, die im vorliegenden Buch eine Rolle spielen.

Handlung

Eine interessante Frauenfigur

Mit der Tierforscherin Diane Thiberge hat Grangé eine interessante Frauenfigur geschaffen. Weil Diane als Hippiekind ihren Vater nicht kennt, lernt sie, ihre Mutter aufgrund ihrer wechselnden, wahllosen Liebschaften abzulehnen. Den Gipfel dieser Zurückweisung erlebt Diane im Alter von 14 Jahren: Ihre Mutter, Sibylle, ist nach einem Abendessen mal wieder mit einem ihrer Männern losgezogen, ohne sich um Diane zu kümmern, die zu Fuß nach Hause geht. Dabei muss sie etwas so Schreckliches erlebt haben, dass sie die Erinnerung daran wie in eine Stahlkammer einschloss – es muss wohl eine Vergewaltigung oder etwas Ähnliches sein.

Fortan duldet Diane keinerlei Berührungen oder gar Liebkosungen mehr, lässt sich schon gar nicht auf Männer ein. Sie widmet sich der Erforschung des Jagdverhaltens der Raubtiere – besonders Löwinnen faszinieren sie. Und sie wird Europameisterin in einer Kampfsportart namens Wing Tsun, um sich künftig gegen eventuelle männliche Übergriffe schützen zu können. Man könnte Diane, benannt nach der Jagdgöttin, als moderne Amazone bezeichnen.

Doch ihre biologische Uhr tickt unbarmherzig. Als sie 30 wird und noch kein Kind hat, lehnt sie die Reproduktionsmedizin ab: Sie will nichts in sich eindringen lassen. Folglich entscheidet sie sich für die Adoption. Als sie jedoch wegen ihres Ledigseins für die Rolle der Adoptivmutter für ungeeignet gehalten und abgelehnt wird, muss sie ihren Stiefvater Charles Helikian um Hilfe bitten. Er ist ein psychologischer Berater von höchsten Kreisen der Politik, der Finanz- und Wirtschaftswelt. Ihr Antrag wird in erstaunlich kurzer Zeit bewilligt.

In einem obskuren Waisenhaus auf den Andamaneninseln im Indischen Ozean erhält sie einen Jungen, den sie Lucien nennt, weil er immer „Lü-sian“ sagt. Auch die Heimvorsteherin weiß nicht, woher er stammt. Diane erlebt in Paris mit Lucien die seit langer Zeit schönsten Tage. Er kann singen und tanzen, doch seine Sprache versteht niemand.

Das Unheil schlägt zu, und nicht nur einmal

Nach einem Abendessen bei ihrer verhassten Mutter ist Diane so verstört, dass sie auf der Ringautobahn von Paris einen schweren Unfall baut: Von der Gegenfahrbahn war ein riesiger Lastzug auf ihre eigene Fahrbahn durchgebrochen. Im strömenden Regen sieht sie den Lastzug zu spät … Sie findet ihren kleinen Sohn halbtot unter dem Lastzug. Im Krankenhaus stellt man fest, dass er im Koma liegt.

Die schier untröstliche Diane bekommt mitgeteilt, dass ihr Sohn bald sterben wird, und so gewährt sie einem fremden Arzt, der sich als Rolf van Kaen aus Deutschland vorstellt, die Erlaubnis, mit Akupunktur zu arbeiten. Wundersamerweise erholt sich Lucien daraufhin, während niemand den Arzt aus Deutschland zu kennen scheint. Wenig später findet man seine Leiche, auf bizarre Weise getötet: Sein Herz war explodiert, weil ihm jemand die Halsschlagader abgedrückt hatte – von innen …

Der Polizeiinspektor sagt, dass ein Rolf van Kaen 1969 bis 1972 an einem geheimen Kernfusionsprojekt der Russen, einem sogenannten „Tokamak“, in der nördlichen Mongolei beteiligt gewesen war. Ist es Zufall, dass Lucien als ein „Türkmongole im Alter von fünf Jahren“ und seine Sprache als die eines „Mongolen vom Stamme der Tsewenen“ identifiziert wird? Die Tsewenen sind vom Aussterben bedroht. Haben der Tokamak und die Tsewenen etwas miteinander zu tun?

Das, was Lucien singt, ist der Trancegesang eines Tsewenen-Schamanen. Dessen Funktion besteht darin, bei der Herbstjagd den Scout zu spielen, der die Jagdtiere mit Hilfe des Zweiten Gesichts aufspürt. Dianes Sohn, der nun Lüü-Si-An (Wächter) genannt wird, ist ein ganz besonderes Kind. Aber nicht das einzige seiner Art. Und auf seinen Fingerkuppen steht seitenverkehrt eingebrannt das Datum „20. Oktober 1999“.

|Zum Showdown|

Diane – und dem Rest der Welt – bleiben also offenbar nur noch wenige Tage Zeit, bis etwas Entscheidendes passiert – das womöglich mit Kernfusion zu tun hat. Und deshalb muss sie dringend in die Äußere Mongolei fliegen, bevor noch mehr Menschen sterben, und herausfinden, was es mit dem Tokamak auf sich hatte. Von dem Polizeiinspektor erfährt sie per Mail, dass alle Ermordeten mit parapsychologischen Experimenten der Russen in Zusammenhang standen. Das entsprechende Forschungslabor lag direkt unter dem „steinernen Kreis“ des Kernfusionsreaktors.

Nach langer, anstrengender Reise muss Diane erkennen, wer letzten Endes hinter den Morden, den Wächtern und den parapsychologischen Experimenten an den Schamanen der Tsewenen steckt. Die Erkenntnis erklärt die Tragödie ihres Lebens und zwingt sie zu einem verzweifelten Kampf auf Leben und Tod.

_Mein Eindruck_

Grangés Roman ist sehr schwer zu definieren; keine Schublade will auf das passen, was da auf den Leser zukommt. Was zunächst wie eine eigenartige Biografie beginnt und sich zu einer Mordserie ausweitet, wird unversehens zu einem ethnografischen Abenteuer, das in einen wissenschaftlichen Albtraum zurückführt und als Konsequenz zu einem Zweikampf Mensch gegen Tier zwingt.

Was die Handlung nicht nur enorm spannend, sondern unter anderem auch so interessant macht, ist der Umstand, dass die Amazone Diane eine streng logisch denkende Wissenschaftlerin ist, die kaum Gefühle zulässt, geschweige irgendwelchen esoterischen Humbug wie etwa Hellseherei, Telepathie oder gar Psychokinese.

Doch im Zuge ihrer eigenen Nachforschungen, die sich als gefahrvoll und leichenträchtig herausstellen, muss sie das Unvorstellbare akzeptieren: Dass der verhängnisvolle Unfall durch Telekinese von dritter Seite herbeigeführt wurde. Als sie weiteren Schamanen wie ihrem Adoptivsohn begegnet, ist sie gezwungen, noch weitere Phänomene als existent anzuerkennen, die sie zuvor radikal abgelehnt hatte. Phänomene aus der Parapsychologie, aber noch viel mehr, als die westliche Wissenschaft sich je träumen lassen würde.

Ich dachte, Grangé würde dort aufhören, wo Robert Holdstocks Romane „Mythago Wood“ und „Lavondyss“ beginnen: die Auferstehung der Geisterwelt. Auf den letzten Seiten des Grangé-Buches wurde ich eines Besseren belehrt: Die Grenzlinie, wo Mensch und Tier, Menschenwelt und wilde Natur aufeinandertreffen, verschwindet und das eine geht in das andere über. Natürlich wird nicht jeder Leser bereit sein, diese Grenzlinie zu überschreiten. Man betrachte den Rest dann eben als Fantasy.

Auch wenn man so manches als dichterische Freiheit akzeptieren kann, so steht doch fest, dass der Autor selbst die mongolischen Schamanen besucht hat. Und dass Schamanen von Jakuten, Samojeden und anderen ihre Weltsicht und ihr Wissen mit ihren nordamerikanischen Vettern teilen. Denn diese Indianer sind ja lediglich während der Eiszeit ausgewanderte Stämme, die die Beringstraße überquerten. Der Exodus wird unter anderem in dem Ethno-Roman „Die Zeit des Wolfs“ von Gear & Gear packend und lebendig geschildert.

|Der politische Hintergrund|

Meines Wissens bringt der Autor das erste Mal die Verbrechen der Roten Armee gegen die mongolische Zivilbevölkerung zur Sprache. Der Aufstand von 1932 wurde niedergeschlagen; es gab 40.000 Tote auf mongolischer Seite. 1960 folgte die Welle der Zwangskollektivierung, die den Nomaden ihre Lebensgrundlage entzog und sie, wie einst die Prärieindianer, zu entwurzelten Abhängigen und Bettlern machte. Außerdem unterzogen skrupellose sowjetische Wissenschaftler zahllose Schamanen, also die Vertreter von Heilkunde und Stammesgedächtnis der sibirischen und mongolischen Völker, illegalen und grausamen Experimenten.

Vielleicht sagt dem einen oder anderen Leser „Der Vielleicht sagt dem einen oder anderen Leser „Der Archipel Gulag“ etwas – er wurde in Alexander Solschenitzyns Romanen zur Sprache gebracht: eine Reihe von Konzentrationslagern, in denen Dissidenten und andere unliebsame Zeitgenossen unter unmenschlichen Bedingungen zusammengepfercht wurden. Die meisten dieser Insassen starben. Und wie Grangé behauptet, bestand diese menschenfeindliche Praxis auch noch während der Tauwetterphase der sechziger Jahre und später. Das sind relativ schwere Anklagen, die der Autor hier erhebt. Man kann nur hoffen, dass sie begründet sind.

|Die Sprecherin|

Tanja Geke lässt die sanfte Stimme von Scarlett Johannson erklingen. Das macht das Zuhören für einen männlichen Hörer fast schon zu einem sinnlichen Vergnügen, und für weibliche Hörer mag sie die angemessene Stimme sein, um die Gedanken und Empfindungen der Hauptfigur Diane wiederzugeben.

Zwar tut sich die Sprecherin etwas schwer mit tiefen männlichen Stimmen, doch sind diese deutlich hörbar tiefer gelagert als die von weiblichen Figuren. Hier hat sich Geke seit „Die Hüterin der Wolken“ erheblich verbessert. Nach wie vor liegt ihr der Ausdruck von Gefühlen in bestimmten Situationen, so etwa Strenge, Ängstlichkeit, Zorn, stockendes und zaghaftes Sprechen und dergleichen. Auffallend dürfen sich ihre Figuren aufgeregt äußern, aber auch eindringlich oder abweisend. Immer wieder flüstern sie auch erstaunt.

|Die Musik|

Das immer gleiche musikalische Motiv erklingt jeweils am Anfang und am Ende einer CD, wobei es anfangs vom Vortrag überlagert wird und am Ende wieder in den Vordergrund tritt. Die Harmonien sind sanft, etwas mystisch, aber auf jeden Fall spannend.

_Unterm Strich_

Die Story ist einfach und jederzeit verständlich erzählt, gibt unendlich viele Rätsel auf und spart nicht mit Überraschungen und Enthüllungen. Außerdem mag ich solche Ethnothriller, die vor einem wissenschaftlichen Hintergrund spielen. Die Hauptfigur Diane sorgt für großes Interesse und Anteilnahme, zudem ist sie beinahe frei von Klischees. Ich warne vor der drögen Verfilmung mit Monica Bellucci, die zahlreiche Details verfälscht.

Natürlich gehört der Roman zur Unterhaltungsliteratur. Daher wird man tiefschürfende Nabelschauen der Protagonisten vergeblich suchen, wie man das von deutschen Autoren so gewöhnt ist. Vielmehr setzt der Autor einen bewährten Trick ein: Die Außenwelt spiegelt die Innenwelt. Beschreibungen der Natur und die Reaktion auf Naturphänomene reflektieren metaphorisch das Befinden des jeweiligen Betrachters – der meist die Hauptfigur Diane ist. Und so weiß der Hörer ausreichend Bescheid darüber, wie sie sich fühlt.

|Das Hörbuch|

Die Sprecherin bemüht sich um einen einfühlsamen und vielseitigen Vortrag, was ihr insbesondere bei den weiblichen Stimmen sehr gut gelingt. Bei den männlichen Figuren muss sie sich anstrengen, um die tiefere Stimmlage gut zu treffen und einen autoritären Ton anzuschlagen. Die meisten Männer im Roman sind irgendwelche Respektspersonen wie Polizisten oder Mediziner. Aber es gibt auch sanfte Männerstimmen, so etwa Dianes Stiefvater Charles Elikian oder den mysteriösen Rolf van Kael. Ich bin mir nicht sicher, ob alle Namen richtig ausgesprochen werden, aber das ist ja nebensächlich. Die Musik hält sich dezent im Hintergrund und unterstreicht die mystische, etwas rätselhafte Grundstimmung der Erzählung.

|Originaltitel: Le Concile de Pierre
Aus dem Französischen von Barbara Schaden
456 Minuten auf 6 CDs
ISBN-13: 978-3-404-77321-3|
http://www.luebbe-audio.de

[NEWS] Jean-Christophe Grangé – Die Fesseln des Bösen

In einem Pariser Nachtclub werden zwei junge Tänzerinnen tot aufgefunden. Commandant Stéphane Corso findet heraus, dass beide mit einem mysteriösen älteren Maler liiert waren. Dieser Philippe Sobieski ist erfolgreich, arrogant und ohne jede Moral. Er scheint der perfekte Täter zu sein, doch er hat ein wasserdichtes Alibi. Je weiter Corso sich in den Fall vertieft, desto stärker drohen ihn Sobieskis unheilvolle Geheimnisse in den Abgrund zu reißen… (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 608 Seiten
Lübbe

Grangé, Jean-Christophe – Choral des Todes (Hörbuch)

_Wohlbekanntes Strickmuster: „Die purpurnen Flüsse“ reloaded_

Ein markerschütternder Schrei hallt durch die Kirche, ein Todesschrei. Lionel Kasdan, Kommissar im Ruhestand und zufällig vor Ort, will zu Hilfe eilen und kommt Sekunden zu spät. Der Mann auf der Empore ist bereits tot, seinen Kopf umgibt eine dunkle Blutlache wie ein Heiligenschein. Etwas an dem Toten und seinem Sterben fasziniert Lionel Kasdan. Er muss den Mord einfach untersuchen und entdeckt ein grauenvolles Geheimnis: Unschuldig wirkende Kinder sind der Schlüssel, und sie sind keinesfalls Engel, doch welcher Teufel hat sie ausgesandt? (abgewandelte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Jean-Christophe Grangé, Jahrgang 1961, stammt aus einer Reporterfamilie und hat schon früh mit dem Recherchieren von Fakten angefangen. 1996 beschäftigte er sich mit dem Thema Genetik. Aus dem Gedankenspiel eines abgeschlossenen Experimentierfeldes entstand der Roman „Die purpurnen Flüsse“, der zu einem nationalen Bestseller und internationalen Filmerfolg wurde und den Franzosen ihr eigenes Thrillergenre bescherte.

An diesen Erfolg schloss der beredte und gebildete Grangé mit „Der Flug der Störche“, „Der steinerne Kreis“ und mit „Das Imperium der Wölfe“ an. Auch dieser Roman wurde 2005 mit Jean Reno verfilmt. Zuletzt erschienen von Grangé „Das schwarze Blut“ und „Das Herz der Hölle“. Im Herbst 2009 folgte „Der Choral des Todes“.

Jean-Christoph Grangé auf |Buchwurm.info|:

[„Die purpurnen Flüsse“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=936
[„Das Imperium der Wölfe“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1348
[„Das schwarze Blut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2286
[„Das Herz der Hölle“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4404 (Hörbuch)
[„Das Herz der Hölle“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4569 (Buch)
[„Der steinerne Kreis“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5878 (Hörbuch)

_Der Sprecher_

Wolfgang Pampel hat an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig studiert und machte sich anschließend auf den Bühnen von Leipzig, Düsseldorf, Berlin und Wien einen Namen. Er hat bereits verschiedene Hörbücher von Dan Brown mit seiner markanten Stimme gelesen, darunter „Sakrileg“ und „Illuminati“. In den 80er Jahren gelangte seine sonore Stimme zu allgemeiner Bekanntheit, als er Larry Hagman in „Dallas“ synchronisierte. Heute wird Pampel als Stimme von Harrison Ford und Gérard Depardieu erkannt.

Arno Hoven kürzte die Vorlage. Regie führte Kati Schaefer, die tontechnische Gesamtleitung in den d.c. Tonstudios hatten Dicky Hank & Dennis Kassel inne, die auch für die Musik und Inszenierung sorgten. („Inszenierung“? Dies ist doch wohl kein Hörspiel, oder? Gleich mehr dazu.)

_Handlung_

Lionel Kasdan, ein ehemaliger Kommissar bei der französischen Antiterrortruppe und Pariser Mordkommission, steht in einer armenischen Kirche mitten in Paris, als er einen markerschütternden Schrei hört. Der Schrei scheint von der Kirchenorgel aufgenommen zu werden. Er eilt zur Empore des Orgelspielers und findet dort eine Leiche. Der Kopf des Mannes liegt in einer Blutlache, doch was dem Kommissar und den später eintreffenden Spurensuchern ein Rätsel aufgibt, ist die Todesursache.

|Der Tote|

Eric Vernaud von der Pariser Kripo fragt erst mal misstrauisch, was Kasdan überhaupt in der Kathedrale St. Jean-Baptiste zu suchen hat, ganz so, als wäre Kasdan verdächtig. Der Armenier Kasdan wurde vom armenischen Pfarrer Sarkis eingeladen, um eine Chorprobe zu hören. Und der Mann an der Orgel, ein gewisser Wilhelm Götz, sollte die Probe leiten. Pfarrer Sarkis erklärt, dass Götz ein Chilene war, ein Musikwissenschaftler, der in Kirchen von ganz Paris Chöre leitete. „Er war Sozialist, wurde von Diktator Pinochet verfolgt und musste ins Exil gehen.“ Später stellt sich diese Angabe als eklatante Unwahrheit heraus und Kasdan muss sich fragen, was Sarkis dazu veranlasst hat. Wie auch immer: 2007 ist in Frankreich das Armenienjahr, und Götz sollte mehrere Aufführungen von Knabenchören leiten.

Einer der Spurensucher steckt Kasdan, dass die Schuhspuren am Tatort von kleinen Turnschuhen in Jungengröße stammen. Außerdem finden sich seltsame Holzsplitter. Götz starb an einem Herzstillstand, aber seine Trommelfelle waren ebenfalls durchstochen. Die HNO-Spezialistin von der Rechtsmedizin meint, es müsse sich um ein extrem hartes und spitzes Tatwerkzeug gehandelt haben. Sie könnte nicht falscher liegen.

|Operation Kondor|

Nachdem er in der Akte von Götz keine Angaben über die Jahre zwischen 1973, als Pinochet Allende stürzte, und 1984, als er ins französische Exil ging, gefunden hat, bricht Kasdan in Götz‘ Wohnung ein. Als er ein Geräusch auf dem Balkon bemerkt, folgt er dem Eindringling. Nach einer wilden Verfolgungsjagd stellt sich der Fremde als Götz‘ homosexueller Geliebter heraus: Nazeer, ein Inder von der Insel Mauritius, einem französischen Übersee-Departement. Nazeer gibt ihm Götz‘ Adressbuch und Terminkalender, er deutet an, dass Götz sich in Gefahr gebracht hatte, weil er gegen Chilenen aussagen wollte. Über was? Über die Operation Kondor, in der ein halbes Dutzend lateinamerikanische Länder international gegen Dissidenten vorgingen, um sie zu fangen, zu foltern und schließlich zu töten. Also war es ein politischer Mord, oder?

|Miserere|

In Götz‘ Wohnung lauscht der Ex-Kommissar dem Choral „Miserere“ (Erbarme dich) von Gregorio Allegri, von einer CD-Aufnahme, die Götz vor Jahren mit einem Solisten namens Régis Masoyer produziert hat. Die ätherischen Klänge und die glasklare Solostimme rühren an schwarze Erinnerungen, die Kasdan noch aus seiner Militärzeit in Kamerun anno 1962 hat. Später wird er sich in aller Schärfe daran erinnern MÜSSEN. Doch jetzt fällt ihm beim Lauschen lediglich ein Fleck in einer Nische der Zimmerdecke auf: Darunter ist eine Wanze versteckt – der Verfassungsschutz hat Götz abgehört. Sein Kumpel von der Spurensuche steckt ihm, dass Götz mehrmals Herzstillstände wegen Folter erlitten habe und am ganzen Körper Narben aufweise.

|Wolokin|

Von Sarkis und Vernaud erfährt Kasdan, dass noch jemand im Fall Wilhelm Götz herumschnüffelt, ein gewisser Cédric Wolokin von Jugendschutzdezernat. Kasdan zieht Auskünfte ein: Wolokin sei in einer Entziehungsklinik, weil er heroinsüchtig war. Waise mit fünf, Chorknabe, Pianist, Abi mit 17 anno 1995, dann Jurastudium, französischer Meister im Thaiboxen, bis plötzlich seine Karriere endete und er zur Polizei ging – wegen des Heroins, mit dem er sich dopte. Und wo bekommt man Stoff leichter als eben bei der Drogenfahndung? Na toll: Wolokin war ein Dealer und wurde stinkreich. Aber wieso wurde er zum Kreuzzügler gegen Kinderschänder?

|Serienmorde|

Wolokin seinerseits informiert sich über Kasdan und nimmt ihn erst als Rivalen wahr. Kasdan befragt mehrere Pfarrgemeinden auf der Spur, die Wilhelm Götz hinterlassen hat, und stößt auf mehrere verschwundene Sängerknaben. Was hatte Götz damit zu tun? Ist er ein verkappter Serienmörder? Wie sich herausstellt, ist Wolokin ebenfalls auf dieser Spur, deshalb tun sich die beiden zusammen: Offiziell ist Wolokin Kasdans Praktikant bei der Mordkommission.

Als sie zusammen den Inder Nazeer, Götz‘ Geliebten, besuchen, stoßen sie nicht nur auf dessen Leiche mit den blutenden Ohren. An der Wand steht ein Vers aus dem „Miserere“, das Götz so liebevoll vertonte: das Sühnegebet des 51. Psalms. Weitere Anzeichen deuten darauf hin, dass Nazeer hingerichtet wurde, weil er geredet hat. Offenbar sind Götz‘ Mörder auf einem Rachefeldzug durch Paris. Und wie sie an der Kinderschrift unschwer erkennen können, sind diese Killer noch minderjährig, womöglich noch nicht mal im Stimmbruch. Aber wer hat sie geschickt und in wessen Namen töten sie?

_Mein Eindruck_

Die Spur führt zu einer Neuauflage der Colonia Dignidad, mitten in Frankreich. Das weckt im Leser bzw. Hörer ganz schlimme Erinnerungen. Man erinnere sich (und der Autor nimmt uns diese Mühe ab): Die [Colonia Dignidad]http://de.wikipedia.org/wiki/Colonia__Dignidad wurde von einem deutschen Nazi etliche Meilen entfernt von Santiago de Chile eingerichtet, um hier rassistische und nationalistische Ideale in die Realität umzusetzen – bis hin zu bayerischen Trachten und deutschnationalen Liedern. Die Kolonie war autark, weil sie mit „arischen“ und einheimischen Arbeitskräften Landwirtschaft und Bergbau betrieb. Bei Grangé ist der Leiter dieser Kolonie plus Arbeitslager ein gewisser Hans Werner Hartmann.

|Alte Nazis|

Dieser Nazi hat sehr viel mit der titelgebenden Musik zu tun. Während der Naziherrschaft forschte er in den KZs an den Insassen, was Klang, Schall und besonders Stimmen mit einem Menschen anstellen können. Ein Knabenchor kann einem kalte Schauer über den Rücken jagen oder in einen geistigen Schwebezustand versetzen. Letzteres erlebt Kasdan mit Allegris „Miserere“. Aber Hartmann erforschte als Nazi auch die Einsatzmöglichkeiten der menschlichen Stimme als Waffe, die töten kann. Davon hat Kasdan noch nie gehört, aber wer das Militär – und Nazis – kennt, weiß, dass kein Phänomen zu abwegig ist, um nicht auf Kriegstauglichkeit untersucht zu werden. Ob Hartmann diese Waffe gefunden hat, weiß Kasdan lange Zeit nicht. Bis er die neue Kolonie entdeckt und sie erkundet.

Er erfährt jedoch viel über Götz‘ Vorleben in Chile. Götz war kein Opfer, sondern vielmehr einer der Täter, ebenso wie Hartmann. Beide wurden von der Militärjunta Pinochets gebeten, ihnen beim Foltern der bei der Operation Kondor gefangenen Dissidenten zu helfen. Hartmann machte mit, um seine Colonia zu schützen und weitere Experimente anzustellen: Er war der Doktor Mengele der Folterlager. Götz folgte ihm als Chorleiter und „Dirigent“. Denn wie alle Nazis war Hartmann von der Rolle der Musik fasziniert und begeistert. Sie machte Folteropfer gefügig, vermochte sie sogar direkt zu quälen. Aber sie zu töten? Das kommt Kasdan zu weit gegriffen vor. Er täuscht sich.

|Folterhelfer|

Nun kann man sich fragen, wieso ein französischer Autor dazu kommt, über Altnazis und Chilenen zu schreiben. Was hat denn all das mit den Pariser Morden zu tun? Das Verbindungsstück sind erstens die Kolonie dieser Altnazis in Frankreich, die die jugendlichen Mörder entsendet. Aber es gibt noch ein weiteres, das Kasdan direkt betrifft: Die lateinamerikanischen Folterknechte der Operation Kondor wurden von Franzosen ausgebildet. Diese Franzosen waren Veteranen des Algerienkrieges und kannten sich mit dem Erzwingen von Geständnissen aus. Als Angehörige des militärischen Geheimdienstes und seiner Spezialeinheiten waren sie aber nicht nur in Chile im Einsatz, sondern zuvor schon Kamerun – und hier lernte Kasdan den schlimmsten von ihnen kennen: General Puy. Als Kasdan seinen ehemaligen Kommandanten beim Militär wiedersieht, kommen alle traumatischen Erinnerungen an die Strafaktionen gegen kamerunsche Einheimische wieder hoch, und er dreht durch.

|Moderne Spartaner|

Zum Schluss gilt es noch das Geheimnis der neuen Colonia zu lüften. Hier sieht sich diesmal Cédric Wolokin einem Stück seiner Kindheit gegenüber: Hier wurde er als Sängerknabe ausgebildet. Allerdings hat er diese Zeit komplett verdrängt. Und auch die Praktiken, die er hier am eigenen Leib erfahren hat. In der Colonia wird die Agogé der Spartaner immer noch praktiziert. In Zack Snyders Verfilmung des Comicbooks [„300“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2667 die erst kürzlich wieder im Free-TV gezeigt wurde, werden spartanische Jungen ihren Müttern im Alter von sieben Jahren entrissen, um in der Militärschule zum Spartiaten ausgebildet zu werden.

Die Ausbildung besteht nicht nur im Waffentraining, sondern vor allem in der Abhärtung des Körpers, der Seele und der Gefühle des Jungen. Die Ausbildung endet mit einer Tapferkeitsprüfung, wenn sie etwa 14 oder 15 Jahre alt sind. Man kann sich nun vorstellen, dass die kindlichen Mörder, die in Paris Götz und Nazeer und andere umbringen, solche Agogé-Schüler sind. Nur dass bei ihnen noch christliche Sühne- und Askese-Ideale hinzukommen. Daher auch das Sühnegebet „Miserere“ als Leitmotiv.

|Praktische Übung: Showdown|

Sobald Wolokin und Kasdan als Spione der Polizei entdeckt worden, dürfen die Kindersoldaten der Colonia auch gleich ihr Können demonstrieren. Und die geistigen bzw. direkten Nachfahren Hans Werner Hartmanns leiten sie dabei an. Wird es unseren beiden Helden gelingen zu überleben? In einem actionreichen Showdown wird die Entscheidung gesucht.

|Der Sprecher|

Die Stärke des Sprechers sind tiefe männliche Stimmen, wie jeder weiß, der einmal Harrison Ford gehört hat. Deshalb fällt es ihm auch nie schwer, solche Stimmen grimmig, zornig, höhnisch usw. klingen zu lassen. Etwas anderes sind hingegen die Stimmen von alten Männern, die kurz vorm Abnippeln stehen, wie den alten Folterfranzosen, der von Heroin abhängig ist, als Kasdan und Wolokin ihn finden. Er klingt schwach, heiser, rau und alles andere als autoritär.

Ich hätte mir einen größeren Gegensatz zwischen dem alten Bullen Kasdan, der Vaterfigur im dynamischen Duo, und Wolokin, der Sohnfigur, gewünscht. Sie klingen etwas zu ähnlich, und nicht bloß einmal habe ich sie verwechselt. Dabei ist Wolokin 28 Jahre alt und Kasdan 63, sie liegen also altersmäßig erheblich auseinander. Diesen Unterschied sollte man auch hören können.

Weibliche Stimmen gibt es nur eine, und das ist die der Rechtsmedizinerin, die Kasdan sagt, um was für ein Tatwerkzeug es sich handeln muss. (Sie liegt völlig falsch, aber darum geht es nicht.) Der Sprecher stellt sie mit einer recht hohen, schön weichen Stimme dar, die genau passt. Der Kontrast zu all den vielen Männerstimmen ist frappierend und legt nahe, dass Wolfgang Pampel über eine viel größere Flexibilität verfügt, als er hier zeigen darf.

|Ein Fehler|

Ich konnte keinerlei Aussprachefehler feststellen, und das rechne ich dem Sprecher hoch an. Dafür musste ich aber einen Schnittfehler registrieren. Es ist zwar nur einer, aber man hätte ihn trotzdem entfernen müssen. Der Sprecher wiederholt ein Wort.

|Geräusche|

Erstmals in einem Hörbuch von Grangé erklingen diesmal richtige Geräusche. Es handelt sich dabei in aller Regel um Schüsse, einmal aber auch um ein Klirren von Glas. In einer Klubszene erdröhnt eine Hintergrundmusik, die ich eher als Geräusch ansehen würde denn als Musik: wummernde Bässe und wenig dazu, was man als Melodie bezeichnen könnte, begleitet von undifferenzierten Stimmen.

|Musik|

Nach dem obligatorischen Intro mit der Kirchenorgel hören wir in den Kapitel- und Szenenübergängen Motive, die von Drums und Bass bestritten werden. Sie sollen Spannung erzeugen, aber auch als Intermezzo dienen. Deshalb erklingen sie regelmäßig am Ende einer CD. Das titelgebende „Miserere“ erklingt leider nie in voller Stärke, sondern nur sehr dezent im Hintergrund, wenn davon die Rede ist. Das bedeutet, dass sich der Hörer selbst die entsprechende Klangdatei besorgen sollte, was ich ein wenig viel verlangt finde.

_Unterm Strich_

Die Story von den importierten Altnazis mit ihrer Geheimschule für todbringende Schüler erinnert nicht wenig an die Grundidee von „Die purpurnen Flüsse“. Dort sollte ja auch der bessere Mensch gezüchtet werden, was jedoch dergestalt schiefging, dass die unerwünschten Zeugen zum Schweigen gebracht werden mussten. Genauso hier in „Choral des Todes“, inklusive actionreichem Showdown.

|Die neue Waffe|

Der einzige neue Aspekt an dieser Geschichte sind die Chöre und die Idee, dass bestimmte Gesangsfrequenzen töten könnten. Denn dass niemand über ein derartig spitzes und festes Mordinstrument für die Durchstoßung der Trommelfelle usw. verfügt, ahnt der Leser bzw. Hörer schon frühzeitig. Dass eine Knabenstimme den Tod bringen könnte, ist dann der eigentliche Schock, den der Autor seinem Publikum – nach sorgfältiger Vorbereitung, versteht sich – genussvoll versetzt. Es geht doch nichts über einen guten Kick, um das Publikum zu unterhalten.

Allerdings ist die Rede davon, dass die Leiter der Colonia einen großen Anschlag planen. Um was es sich dabei dreht und wer das Opfer sein soll, erfahren wir nie. Das ist etwas frustrierend. Wozu Spannung erzeugen und sie dann wie ein gebrochenes Versprechen nicht einlösen? Dieses Detail könnte aber auch den Kürzungen zum Opfer gefallen sein. Ich empfehle daher die Lektüre des Buches.

|Patentrezept mit Hautgout|

Auch der Grundaufbau der Handlung reißt niemanden mehr vom Hocker, ganz einfach deshalb, weil sie durch „Die purpurnen Flüsse“ jedermann bekannt ist. Man nehme zwei Bullen, die sich erst nicht ausstehen können, und stecke sie für einen bizarren Fall zusammen. Wie sich herausstellt, sind die beiden optimal dafür geeignet, weil sie jeweils persönlich betroffen sind von dem, worauf sie da stoßen. Auf diese Weise bringt die Lösung des Falls ihnen zugleich die ersehnte Erlösung ihrer ach so beschwerten Seelen.

|No woman, no cry?|

Dass der Autor dabei übersieht, dass es auch noch weibliche Wesen auf der Welt gibt, stößt bei mir allerdings auf Unverständnis. Es gibt keine einzige Frau, die eine relevante Rolle spielt. Das ist nicht gerade modern, das ist eher mittelalterlich. Mich würde mal interessieren, welchen Geheimbünden der Autor selbst angehört. Vielleicht dem Opus Dei, jener erzkonservativen, sektiererischen Katholikenvereinigung, die beim Papst – egal bei welchem – in besonderer Gunst zu stehen scheint. Das würde einiges erklären, beispielsweise die Lateinkenntnisse und die Kenntnisse über Psalmen.

|Das Hörbuch|

Wolfgang Pampel darf hier nicht alle seine Stärken ausspielen, sondern muss vor allem männliche Figuren darstellen. Das gelingt ihm aber abwechslungsreich und glaubhaft. Den Vortrag unterstützen die vielgestaltige Musik und ein paar Geräusche, zu denen vor allem Schüsse gehören. Dennoch gelang es diesem Hörbuch nicht, mich restlos zu fesseln, geschweige denn zu begeistern. Das lag vor allem an den Schwächen der Story – siehe oben.

|Originaltitel: Miserere, 2008
Aus dem Französischen übersetzt von Thorsten Schmidt
450 Minuten auf 6 CDs|
http://www.luebbe-audio.de
http://www.jc-grange.com

[NEWS] Jean-Christophe Grangé – Die letzte Jagd

Ein Mordfall führt Kommissar Pierre Niémans nach Freiburg: Jürgen von Geyersberg, Erbe eines gigantischen Vermögens, wurde auf den französischen Ländereien der jagdbegeisterten Familie tot aufgefunden – wie ein Wild erlegt und „aufgebrochen“. Ein zweiter Mord in selber Manier geschieht. Niémans findet heraus, dass in der Vergangenheit mehrere Söhne der Familie spurlos verschwanden. Ein Fluch? Als er dem abgründigen Geheimnis der Familie auf die Spur kommt, gerät Niémans selbst in Todesgefahr … (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Bastei Lübbe

[NEWS] Jean-Christophe Grangé – Die Fesseln des Bösen

In einem Pariser Nachtclub werden zwei junge Tänzerinnen tot aufgefunden. Commandant Stéphane Corso findet heraus, dass sie mit einem mysteriösen älteren Maler liiert waren. Dieser Sobiesky ist erfolgreich, arrogant und ohne jede Moral. Er scheint der perfekte Täter zu sein, doch er hat stichfeste Alibis für beide Morde. Je weiter Corso sich in den Fall vertieft, desto stärker drohen ihn Sobieskys unheilvolle Geheimnisse in den Abgrund zu reißen …
(Verlagsinfo)


Broschiert: 608 Seiten
Bastei Lübbe

[NEWS] Jean-Christophe Grangé – Schwarzes Requiem

Grégoire Morvan, graue Eminenz des französischen Innenministeriums, schweigt über seine Vergangenheit in Zaire. Dort hatte er in den Siebzigerjahren einen berüchtigten Ritualmörder zu Fall gebracht. Doch jener »Nagelmann«, der seine Opfer stets mit Nägeln gespickt zurückließ, scheint einen Nachfolger zu haben. Als eine Serie ähnlicher Anschläge Morvans Familie bedroht, begibt sich Sohn Erwan in den Kongo, um die wahre Geschichte seines Vaters zu ergründen. Damit öffnet er das Tor zur Hölle … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 688 Seiten
Bastei Lübbe

Grangé, Jean-Christophe – purpurnen Flüsse, Die

In der Nähe von Grenoble wird in einer Felswand eine Leiche gefunden. Der Mann wurde stundenlang gefoltert, seine Augen fehlen. Wenige Stunden später findet der Pariser Hauptkommissar Pierre Niemans im Gletscher über dem Dorf Guernon eine zweite, ähnliche zugerichtete Leiche. Hat er es mit einem Serienmörder zu tun? Doch so einfach ist der Fall nicht.

_Der Autor_

Jean-Christophe Grangé stammt aus einer Reporterfamilie und hat schon früh mit dem Recherchieren von Fakten angefangen. 1996 beschäftigte er sich mit dem Thema Genetik. Aus dem Gedankenspiel eines abgeschlossenen Experimentierfeldes entstand der vorliegende Roman, der zu einem nationalen Bestseller wurde und den Franzosen ihr eigenes Thrillergenre bescherte.

An diesen Erfolg schloss der beredte und gebildete Grangé mit „Der Flug der Störche“, „Der steinerne Kreis“ und zuletzt mit „Das Imperium der Wölfe“ an. Wider Erwarten stammt „Der Pakt der Wölfe“ nicht von ihm, sondern von Pierre Pelot.

_Handlung – im Vergleich zum Film_

Der PROLOG des Buches fehlt im Film. Regisseur und Hauptdarsteller hatten sich wegen der Brutalität dieser Szene dagegen ausgesprochen. Außerdem hätte sie dem Zuschauer einen falschen Eindruck vom Rest der Handlung vermittelt.

In einem Pariser Fußballstadion findet ein Pokalendspiel zwischen zwei ausländischen Mannschaften statt. Danach randalieren die Hooligans von der britischen Insel in den Straßen. Die Polizei ist gerüstet. Eigentlich soll Kommissar Pierre Niemans, ein Bulle von einem Kerl und verhinderter Soldat, nur für den Überblick sorgen, doch schon bald stürzt er sich ins Getümmel, wo er durch wütende Brutalität Furcht und Schrecken verbreitet.

Bei der Verfolgung zweier Bewaffneter tötet er einen von ihnen beinahe. Fortan liegt der Mann im Koma und Niemans wird vom Dienst auf der Straße abgezogen. Sein Chef, der ihn während der Untersuchung aus der Schusslinie haben will, schickt ihn in die Provinz: nach Guernon in der Nähe von Grenoble. Niemans stöhnt, kann aber nichts gegen die „Degradierung“ unternehmen.

Anders als im Buch übernimmt Niemans vor Ort die Ermittlungen und gibt jene Anweisungen, die im Film Dahmane, der Chef der Gendarmerie, erteilt. Im Gegensatz zum Film ist also Niemans ständig im Mittelpunkt des Geschehens und auf dem Laufenden. Hier ist er kein Außenseiter und Besserwisser, auch kein Professor, sondern nur ein stinknormaler Kommissar mit einem verhängnisvollen Innenleben: Wird er in die Enge getrieben, reagiert er mit unkontrollierter Gewalt. Und er hat wirklich Angst vor Hunden. Das ist der Grund, warum er beim Wehrdienst untauglich geschrieben wurde. Da war er 17. Seitdem hat er es weit gebracht: Die Gendarmerie kennt ihn als Star, als Verfolger von Mördern und Dealern.

Die erste Leiche ist Rémy Caillois, 25, Chefbibliothekar an der Elite-Universität von Guernon, einer der ältesten Unis in Europa. Der Wanderer wird hoch oben in einer Schlucht entdeckt, aber nur weil sich seine Leiche im Wasser des Flusses spiegelte. Die Entdeckerin ist Fanny Ferreira, 25, eine Professorin für Geologie und Glaziologie, die auf dem Fluss Kajak fahren wollte. Als Ersten vernimmt Niemans den Uni-Rektor Vincent Louize, der praktisch über das ganze Tal herrscht. Wichtiges Detail: Manche der Lehrer sind auch an der Klinik der Uni tätig. Das traf bis 1982 auch für den Augenarzt Edmond Chernezé zu, der später eine wichtige Rolle spielt. Im Film liefert er bereits ganz zu Anfang entscheidende Hinweise. Im Buch taucht er jedoch erst spät auf.

Der wichtigste Helfer Niemans‘ ist jedoch eine Figur, die im Film überhaupt nicht vorkommt: Der junge Gendarm Eric Joisneau bewundert Niemans und gibt ihm den wichtigen Hinweis, dass an der Uni etwas nicht stimmt: Es gebe hier in Gestalt der Professorenkinder eine regelrechte Elite von Menschen. Auch Fanny Ferreira, die Niemans vernimmt, gehört zur Elite. Sofort empfindet er Sympathie für die robuste und hochintelligente Schöne und baggert sie ganz unverhohlen an. Der Gegensatz zwischen der Härte ihrer Worte, der Robustheit ihrer Bewegungen und der Sanftheit ihrer ausgeprägten Kurven zieht ihn an. Verschüttete Gefühle brechen sich Bahn …

Die Witwe des Ermordeten, Sophie Caillois, ist ebenfalls intelligent, aber auf streitlustige, abwehrende Weise – kein Wunder: Sie hält sich für das nächste Opfer. Sie verrät, dass ihr Rémy an einer Doktorarbeit über das altgriechische Ideal des Athlon, des geistig gebildeten Olympiakämpfers, schrieb und darin Ansichten seines Vaters Etienne übernahm, der ja ebenfalls Chefbibliothekar gewesen war. Sophie wirft Niemans beinahe hinaus, was diesen wütend macht. Er erfährt, dass Caillois schizophren und gewalttätig war.

Zur gleichen Zeit, 200 Kilometer entfernt: Der Marokkaner Karim Abdouf, 29, ausgebildeter Scharfschütze und nun zum Provinzbullen degradiert, wird wegen einer Grabschändung und einem Einbruch in die Dorfschule von Sarzac, Departement Lot, gerufen. Es ist das Grab eines Jungen (!) namens Jude Itéro, 1972 bis 1982. Im Grab wie auch in der Schule fehlen die Bilder des Jungen. Sein Chef Crozier setzt ihn auf die falsche Fährte von Skinheads als Tätern. Nach einer Schlägerei, die es auch im Film zu sehen gibt, erhält er den Hinweis auf einen weißen Lada, der in der fraglichen Nacht am Friedhof gesehen wurde.

Im Gegensatz zum Film ist die katholische Nonne, die er besucht, nicht die Mutter Judes, sondern Schwester André, die für Fabienne Pasquot, die Mutter, versucht die Fotos zu stehlen und alle zu vernichten. Wie im Film erzählt sie von den „Teufeln“, die Mutter und Kind verfolgt hätten, weil das Gesicht des Jungen sie verrate. Sie liefert den Hinweis auf einen Rummelplatz, zu dem der Junge immer gegangen sei, als er zwei Jahre in Sarzac lebte. Dort fällt Karim praktisch aus allen Wolken: Ein Feuerschlucker erinnert sich gut an „Jude“, denn er brachte „ihr“ das Feuerschlucken bei. Wieso „ihr“? Na, Jude war ein Mädchen! Es dauert noch weitere Stunden, bis Karim auf den Trichter kommt: Jude Itéro klingt im Französischen genau gleich wie Judith Hérault!

Unterdessen verhilft das Regenwasser in René Callois‘ Augenhöhlen Niemans zu einem Hinweis: Der saure Regen muss schon vor Jahren gefallen sein. Beim Anblick der Bergriesen ringsum kommt ihm die Erleuchtung: Das Wasser stammt aus einem Gletscher! Er schnappt sich die Eisforscherin und Bergsteigerin Fanny und steigt mit ihr ins Innere der Gletscherwelt hinab. Sobald die Sonne aufgeht, beginnt das Eis zu schmelzen und das Schmelzwasser als Bach und Wasserfall zu Tal zu rauschen. (Diese Szene ist äußerst spannend inszeniert und weiß auch im Film zu faszinieren.) Trotz der zunehmenden Gefahr entdeckt Niemans eine zweite Leiche, allerdings sieht er zunächst ihr Abbild im Eis – ähnlich wie bei Callois. Diesmal handelt es sich um den Klinikpfleger Philippe Sertys, 26. Welche Verbindung gibt es zwischen den Morden?

Sertys gehörte der weiße Lada, der in Sarzac gesehen wurde. Diese Spur führt nun Karim Abdouf nach Guernon, gegen den Widerstand seines Chefs. Es sieht so aus, als müssten sich die beiden degradierten Außenseiter Niemans und Abdouf zusammentun, um das Rätsel dieser Morde zu lösen. Und dadurch und mit Joinnots Hilfe stoßen sie auf ein weit größeres Geheimnis, das das Ende der Universität bedeuten könnte.

_Mein Eindruck_

Die Handlung des Romans ist wesentlich vielschichtiger und verzweigter als die des Films. Im Film sind nicht nur Figuren weggefallen, sondern ganze Ermittlungsketten. Die Mutter von Judith Hérault erscheint im Buch als eine wirklich kluge und raffinierte Beschützerin, der mehrere falsche Fährten auslegte, die (zunächst) auch einen abgebrühten Kriminaler wie Karim in die Irre führen. Wer hätte gedacht, dass Judith als Junge beerdigt wurde! Und wer käme darauf, dass ihr Sarg statt einer Leiche zahllose Rattenskelette enthält?

Endlich wird hier die so genannte Hintergrund-Story der Verbrechen in Guernon deutlich und verstehbar. Sie wird im Film nur bruchstückhaft sichtbar. An einer Stelle, als Niemans und Kerkerian im Auto fahren, gibt Niemans Erkenntnisse wieder, die zuvor nicht an ihn weitergereicht worden waren – deshalb erscheinen sie völlig aus der Luft gegriffen. Der Leser des Romans, der Hörer des Audiobooks aber weiß Bescheid.

[SPOILER]

|Ist der Schluss wirklich „enttäuschend“?|

Was aber die Kritiker dem Buch immer vorgeworfen haben, ist der enttäuschende Schluss. Sowohl der inzwischen verdoppelte Täter als auch die Hauptfigur, die uns von Anfang an begleitet hat – nicht Abdouf – müssen dran glauben. Aber warum? Wollte es sich der Autor leicht machen und einfach alle Hauptfiguren abservieren und nur einen Zeitzeugen übriglassen? Das wäre eine (zu?) billige Art und Weise, um sich aus der Affäre zu ziehen.

Vielmehr ist es ja so, dass sowohl Abdouf als auch Niemans zu den beiden Schwestern unabhängig voneinander eine Liebesbeziehung aufbauen. Für Abdouf wird Judith für 24 Stunden zu einer Art Märtyrerin wird, die er gut zu kennen glaubt: von ihrer geheimnisvollen Geburt über „den kleinen Jungen“ bis hin zum traumatisierten, aggressiv gewordenen Mädchen. Was Niemans im Film sagt: „Nicht sie!“, müsste eigentlich Abdouf sagen. Aber das passiert ja auch mit anderen Figuren so.

Niemans hingegen ist ein ausgebranntes Wrack, am Ende der Fahnenstange angelangt, ein „Opfer seiner Phantome“. Und so trägt er selbst die Schuld am grausamen Tod des jungen Polizisten Joinot, der ihn bewunderte und ihm den Weg zum finsteren Geheimnis der Elite-Uni Guernon zeigte. Niemans war Joinot und seinem wichtigen Hinweis auf den Augenarzt Chernezé nicht nachgegangen, ließ ihn im Stich: Chernezé, ein Teil der Verschwörer aus der Hintergrundgeschichte, tötete Joinot ohne Skrupel und löste seine Leiche im Säurebad auf – zu starker Tobak selbst für diesen Thriller (im Gegensatz zu „Das Schweigen der Lämmer“).

Als sich also Niemans in die attraktive Fanny Ferreira verliebt (siehe oben), trifft ihn das Liebesglück völlig unverhofft. Anders als im Film wird diese Liebe nicht durch Blicke angedeutet – Fanny dreht sich vor ihrer Haustür zu ihm um -, sondern zu einem erotischen Ereignis aufgebaut. Die Liebe wird vollzogen. Deshalb bedeutet es für den beglückten Niemans eine Art Weltuntergang, als er herausfindet, dass er nicht nur Joinots Tod auf dem Gewissen hat (wie kann er mit dieser Schuld leben?), sondern auch in Fanny eine der beiden Killerinnen liebt. Für das Trio, das in dieses Verhängnis verstrickt ist, scheint es keinen Ausweg mehr zu geben.

Man kann sich aber fragen, warum auch Fanny dran glauben muss. Sie erzählt Abdouf die ganze Geschichte, wie sie und Judith zusammenkamen und sich fortan eine einzige Existenz teilten. Wie ging das zu, fragen die Kritiker. Herrje, heutzutage fallen viele Menschen in die Anonymität und es kümmert niemanden. Doch Guernon und seine Uni waren eine eng zusammengewachsene Gemeinschaft, in der das Doppelleben Fannys auffallen musste. Das ist ist letzten Endes ein Problem, das der Autor nicht befriedigend löst. Worin aber besteht Fannys Schuld, die sie in den Augen des Autors zum Tode verurteilt? Es muss wohl ihre Mitwisserschaft, wenn nicht sogar Mittäterschaft sein.

Dieser ganze Komplex existiert im Film nur als winziger Abglanz. Der Regisseur hat dafür den Showdown auf den Gletscher verlegt, was an sich schon symbolisch ist: Die Wahrheit muss ans Licht des Tages. Sie macht Fanny und den sie liebenden Niemans frei, während Kerkerian sozusagen ihren Schutzengel spielt. Mir gefällt der Filmschluss wesentlich besser als die Ausweglosigkeit, in der die Leben von Niemans und den beiden Schwestern enden. Und wenn das Ende an den Haaren herbeigezogen erscheint, so sollte man sich mal nach dem Realismus der restlichen Geschichte fragen: Sie ist ja lediglich ein Gedankenexperiment des Autors über Genetik und Eugenik.

[SPOILER Ende]

_Unterm Strich_

Die „purpurnen Flüsse“, die die Verschwörer von Guernon „beherrschen“, sind nicht nur die Blutadern, sondern auch die genetischen Erblinien, die in Guernon manipulativ weitergeführt werden. Eigentlich wollten die Verschwörer ein Ideal erreichen: den „Athlon“ wiedererschaffen, den Athleten mit einem gebildeten Geist. Das ist ihnen ironischerweise auch gelungen: die modernen „Bill Gates“, wie Kommissar Dahmane im Film sagt.

Leider ist etwas schief gelaufen und nun ein Preis zu zahlen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Roman nicht sehr von moralischen Märchen über verrückte Wissenschaftler, die in B-Filmen der fünfziger Jahre in amerikanischen Matinee-Kinos zu sehen waren. Doch diesmal erfolgt die Rache auf eine so vertrackte Weise, noch dazu von Seiten der Frauen, dass sich das Buch über die Masse der B-Movies erhebt und sich dem Niveau von „Das Schweigen der Lämmer“ annähert. Der Film erreicht dieses Niveau nicht ganz, keine Frage, aber das Buch, das man nun auch hören kann, ist schon verdammt nah am Hannibal-Level dran. Dass die Hintergrundstory so verzwickt ist, daran trägt der Autor die Schuld. Am besten macht man sich ein paar Notizen, um den Überblick zu behalten.

|Originaltitel: Les rivières pourpres, 1997|

[NEWS] Jean-Christophe Grangé – Schwarzes Requiem

Gregoire Morvan, graue Eminenz des französischen Innenministeriums, ist Familientyrann und skrupelloser Geschäftsmann. Und er hütet dunkle Geheimnisse aus seiner Vergangenheit im Kongo, wo er in den Siebzigerjahren einen berüchtigten Killer dingfest gemacht hat. Als sein Sohn Erwan, ein Pariser Starpolizist, in Afrika nach Verbindungen zu einer aktuellen Mordserie sucht, ahnt dieser nicht, dass er längst erwartet wird. Von jemandem, der seit langem in Vergessenheit geraten ist. Und nie aufgehört hat, auf Rache zu sinnen. (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 848 Seiten
Originaltitel: Congo Requiem
Bastei Lübbe

[NEWS] Jean-Christophe Grangé – Purpurne Rache

Grégoire Morvan, graue Eminenz des französischen Innenministeriums, war in den Siebzigerjahren mit lukrativen Geschäften im Kongo erfolgreich. Und er hat dort den berüchtigten Killer Homme-Clou gefasst, der seinerzeit einem bestialischen Ritual folgend neun Menschen ermordet hat. Als an einer bretonischen Militärschule ein Toter gefunden wird, dessen grausame Entstellung dem Modus operandi des Homme-Clou ähnelt, und Morvans Familie akut bedroht wird, muss er sich mit allen Mitteln den Schatten einer Vergangenheit stellen, die niemals aufgehört hat, nach Blut zu dürsten … (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 944 Seiten
Originaltitel: Lontano
Bastei Lübbe

[NEWS] Jean-Christophe Grangé – Purpurne Rache

Grégoire Morvan, graue Eminenz des französischen Innenministeriums, war in den Siebzigerjahren mit lukrativen Geschäften im Kongo erfolgreich. Und er hat dort den berüchtigten Killer Homme-Clou gefasst, der seinerzeit einem bestialischen Ritual folgend neun Menschen ermordet hat. Als an einer bretonischen Militärschule ein Toter gefunden wird, dessen grausame Entstellung dem Modus operandi des Homme-Clou ähnelt, und Morvans Familie akut bedroht wird, muss er sich mit allen Mitteln den Schatten einer Vergangenheit stellen, die niemals aufgehört hat, nach Blut zu dürsten … (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 944 Seiten
Originaltitel: Lontano
Ehrenwirth

[NEWS] Jean-Christophe Grangé – Die Wahrheit des Blutes

Olivier Passan, Pariser Mordkommissar und Einzelgänger, ist einem Serienkiller auf der Spur, der es auf schwangere Frauen abgesehen hat. Zugleich versucht er zu begreifen, warum die Ehe mit seiner japanischen Frau Naoko offenbar gescheitert ist. Als in seinem Haus bedrohliche Dinge geschehen, vermutet Passan zunächst einen Racheakt des Killers. Doch dann stellt sich heraus, dass die Anschläge mit der geheimnisvollen Vergangenheit Naokos zu tun haben – Atemberaubende Spannung mit hohem Gruselfaktor von Frankreichs Thriller-Autor Nr. 1. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 432 Seiten
Originaltitel: Kaiken
Bastei Lübbe

[NEWS] JEAN-CHRISTOPHE GRANGÉ – Der Ursprung des Bösen

„Der Ursprung des Bösen“ von Jean-Christophe Grangé erscheint bei Bastei Lübbe als Taschenbuch.

Mathias Freire leidet unter einer rätselhaften Krankheit: In Stresssituationen setzt sein Gedächtnis aus. Und wenn er das Bewusstsein wiedererlangt, ist er ein anderer – ohne Erinnerung an seine Vergangenheit. Eines Tages steht eine Polizeikommissarin vor seiner Tür: Freire steht unter Verdacht, der Täter einer Ritualmordserie zu sein, die in unmittelbarer Umgebung stattfand. Als er herauszufinden versucht, wer er wirklich ist, scheint jemand dies um jeden Preis verhindern zu wollen …
(Verlagsinfo)

Taschenbuch, 864 Seiten
Originaltitel: Le Passager

[NEWS] JEAN-CHRISTOPHE GRANGÉ – Die Wahrheit des Blutes

Neues von Jean-Christophe Grangé bei Lübbe: „Die Wahrheit des Blutes“.

Olivier Passan, Polizeikommissar und Einzelgänger, steht kurz davor, einen raffinierten Serienkiller zu stellen, der es auf schwangere Frauen abgesehen hat. Zugleich versucht er zu begreifen, warum die Ehe mit seiner japanischen Frau Naoko offenbar gescheitert ist. Als in ihrem gemeinsamen Haus bedrohliche Dinge geschehen, vermutet Passan zunächst einen Racheakt des Killers. Doch dann stellt sich heraus, dass die Anschläge mit der geheimnisvollen Vergangenheit Naokos zu tun haben.
(Verlagsinfo)

Taschenbuch, 432 Seiten
Originaltitel: Kaiken

Jean-Christophe Grangé – Im Wald der stummen Schreie

Jean-Christophe Grangé – diesen Namen verbinde ich mit Nervenkitzel, ausgefeilten Spannungsromanen, packenden Geschichten, interessanten Wendungen und Topspannung bis zur letzten Seite. Bekannt geworden durch „Die purpurnen Flüsse“ hat sich der französische Bestsellerautor inzwischen in die Riege der ganz Großen geschrieben, sodass ich mit großer Vorfreude seinem aktuellen Buch „Im Wald der stummen Schreie“ entgegen gefiebert habe. Doch leider, leider enttäuscht Grangé dieses Mal nahezu auf ganzer Linie …

Penetrante Richterin

Jean-Christophe Grangé – Im Wald der stummen Schreie weiterlesen