Anne Bishop – In Blut geschrieben (Die Anderen 1)

Die Anderen

Band 1: „In Blut geschrieben“
Band 2: „Murdur of Crows“ (noch ohne dt. Titel)
Band 3: „Vision in Silver“ (noch ohne dt. Titel)
Band 4: „Marked in Flesh“ (noch ohne dt. Titel)
Band 5: “Etched in Bone” (erscheint 2017)

Kurz vor Ladenschluss betritt eine junge Frau die Buchhandlung von Simon Wolfgard. Sie ist viel zu dünn angezogen, völlig durchnässt und halb erfroren. Und Simon ist sicher, dass Meg Corbyn nicht ihr richtiger Name ist. Statt dessen sagt ihm sein Instinkt, dass sie vor etwas wegläuft. Trotzdem stellt er sich als menschliche Kontaktperson ein … nicht ahnend, welche Folgen das haben wird!

Normalerweise lese ich ja keine Romane, in denen Vampire oder Werwölfe vorkommen. Aber in diesem Fall hab ich eine Ausnahme gemacht. Und zwar, weil das Buch von Anne Bishop geschrieben wurde, und nahezu alles, was ich bisher von ihr gelesen habe, war sehr gut bis super. Und um es gleich vorweg zu sagen: ich wurde auch diesmal nicht enttäuscht.

Das beginnt schon mit dem Setting. Die Geschichte spielt auf einer alternativen Erde. Die Entwicklung der Menschen ist zwar tatsächlich bis zum Computer gekommen, allerdings nur, weil sie ursprünglich isoliert verlief. Beim ersten Zusammentreffen mit den übrigen Bewohnern der Erde stellt sich sogleich heraus, dass die Menschen die unterlegene Rasse sind. Oder besser: die unterlegenste. Zwar besiedeln sie nach und nach auch andere Teile der Welt und kommen bis nach Amerika, jedoch sind sie außerhalb ihrer ursprünglichen Grenzen bestenfalls geduldet. Ihre Städte sind klein und wenige, der Rest ist Wildnis.

Tatsächlich beherrscht wird die Welt von den Anderen. Dieser Begriff umfasst eine ziemlich weitgespannte Palette von Geschöpfen, von Gestaltwandlern über Vampire bis hin zu Elementarwesen. Magie im üblichen Sinne kommt eigentlich nicht vor. Niemand kann hier zaubern oder dergleichen. Natürlich haben die Anderen gewisse Fähigkeiten im Rahmen ihrer Rasse, sprich: die Elementarwesen haben Macht über ihr jeweiliges Element, die Gestaltwandler können die Gestalt wechseln und ähnliches. Vampire sind ja in der modernen Literatur schon länger nicht mehr an die Dunkelheit gebunden, so sind sie auch hier im hellen Tageslicht unterwegs, aber wenigstens glitzern sie nicht und sind auch sonst in keiner Weise kitschig dargestellt.

Das gilt eigentlich für alle Anderen: keiner von ihnen stellt sich im Nachhinein als nur halb so gefährlich und statt dessen kuschlig und liebebedürftig heraus. Sie alle sind gefährlich, sehr sogar, und sie bleiben es auch. Klischees wurden gekonnt vermieden. Na ja, bis auf eine ganz kleine Ausnahme.

Simon kann natürlich nicht anders, als sich letztlich doch zu Meg hingezogen zu fühlen. Obwohl er der Leitwolf ist, obwohl er stark und tödlich gefährlich ist, obwohl er ihr nicht traut und obwohl die Tatsache, dass sie nicht wie alle anderen Menschen nach Beute riecht, ihn schier verrückt macht.

Meg ist aber auch wie gemacht dafür, gemocht zu werden. Sie ist freundlich, hilfsbereit und absolut unvoreingenommen. Abgesehen davon ist ihr Wille, sich ein eigenes Leben zu erkämpfen, derart stark in ihr, dass sie sogar über ihre körperlichen Grenzen hinauswächst.

Asia sieht dagegen nur Megs Ungeschicklichkeit und hält sie zunächst für zurückgeblieben, später für naiv. Tatsächlich ist Asia selbst im höchsten Grad naiv: obwohl sie ein eitles kleines Miststück ist, das andere rücksichtslos benutzt, merkt sie zu keiner Zeit, dass sie selbst von ihren Auftraggebern benutzt wird.

Von diesen Auftraggebern erscheint vorerst keiner persönlich. Ihre Intrigen und kriminellen Machenschaften tauchen nur indirekt über Asia auf. Und über Megs Erinnerungen. Denn Meg ist eine Blutprophetin. Wenn man ihre Haut ritzt, sieht sie Visionen der Zukunft. Mit diesen Visionen lässt sich viel Geld verdienen, deshalb ist jeder Millimeter von Megs Haut einige tausend Dollar wert. Und deshalb sind die Auftraggeber ziemlich erpicht darauf, die ausgebüchste Meg wieder einzufangen. Nur ist das auf dem Territorium der Anderen, wo Menschen keinen Zutritt und menschliche Gesetze keine Gültigkeit haben, gar nicht so einfach!

Unterm Strich bleibt zu sagen, dass auch dieses Buch von Anne Bishop ein Volltreffer war. Die Ideen sind neu und interessant und bilden eine gute Basis für einen intelligente Plot mit zunehmend straffem Spannungsbogen, der in den weiteren Bänden noch ausgebaut werden kann. Außerdem strotzt die Geschichte wie auch alle ihre anderen vor liebenswerten, vielschichtigen und auch geheimnisvollen Figuren mit jeder Menge Identifikationspotential. Ganz besonders schätze ich den trockenen Humor der Autorin, der immer wieder aufflackert und einen angenehmen Kontrapunkt zu den gefährlichen Charakteren und der steigenden Spannung des Plots bietet. Ich habe jede Minute der Lektüre genossen.

Erstaunlicherweise scheint es etwas schwierig zu sein, eine gedruckte Ausgabe dieses Buches zu ergattern. Über den örtlichen Buchhandel und Amazon war nach einem Monat noch nichts zu bekommen, und auch meine Bestellung beim Verlag direkt dauerte mehr als eine Woche. Ich hoffe nur, das bedeutet nicht, dass diesem Zyklus nicht dasselbe Schicksal zuteilwerden wird wie Ephemera, das ich auf Englisch zu Ende lesen musste, weil Heyne offenbar nach dem zweiten Band kein Interesse mehr hatte! Es wäre jammerschade!

Anne Bishop lebt in New York, liebt Gärtnern und Musik, und hatte bereits einige Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht, ehe ihr mit dem Zyklus der Schwarzen Juwelen der internationale Durchbruch gelang. Außerdem stammen aus ihrer Feder die Trilogie Tir Alainn, die auf Deutsch bisher nicht erschienen ist, sowie der Dreiteiler Ephemera. „In Blut geschrieben“ ist der erste Band des Zyklus Die Anderen, der im englischen Original bereits bis Band vier gediehen ist.

Taschenbuch 400 Seiten
Originaltitel: „Written in Red“
Deutsch von Frauke Watson
ISBN-13: 978-3959916110

www.annebishop.com
www.drachenmond.de

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