Die drei ??? – Dein Fall: Hotel der Diebe

Zur Story

Irgendjemand im angesehenen Derlin-Hotel in Los Angeles hat den drei Fragezeichen einen Auftrag nebst dreier Gutscheine für Übernachtung/Frühstück zukommen lassen – anonym. Dieser jemand ist Monica Riker, die Chefbuchhalterin dort, und die möchte, dass die drei Detektive wegen ungeklärter Diebstähle inkognito im Hause ermitteln. Ihre zunächst unbekannte Auftraggeberin zu finden, ist eine Art Einstellungstest, bei dem die Jungs erst einmal beweisen sollen, dass sie diskret und umsichtig handeln, man hat schließlich einen guten Ruf zu verlieren. Kaum ist diese Hürde geschafft, gehts auch schon an die Observation möglicher Verdächtiger bzw. unauffällige Befragung der Gäste. Schon bald kann das Trio eine heiße Spur vermelden und kurz darauf, unter vollem Leibeseinsatz, tatsächlich einen Dieb quasi auf frischer Tat dingfest machen. Das war ja simpel. Doch steckt der wirklich hinter allen Diebstählen, welche in letzter Zeit im Hotel stattfanden? Irgendwas passt da nicht so recht ins Bild. Es gibt Abweichungen im Muster, die nahelegen, dass der ertappte Gauner wahrscheinlich nur ein Trittbrettfahrer ist und die wahren Gründe hinter den Begebenheiten im Hotel weiterhin im Dunkeln liegen.


Eindrücke

Das „Dein Fall“-Konzept ist keine neue Idee, lediglich eine Wiederentdeckung. Früher hieß diese noch aus Amerika stammende Form von Büchern, bei denen – abhängig davon, welchem Weg man folgen möchte – man hin und her blättern muss, „Find Your Fate“ (kurz: FYF). „Das Volk der Winde“ und „Der weinende Sarg“ waren die ersten Drei-???-Vertreter der Gattung – Nur, dass sie dergestalt nie den Sprung über den großen Teich machten, da die ehemalige Übersetzerin Leonore Puschert sie damals zu „ganz normalen“ Büchern umwandelte. Danach wurde es um diese Spielart ziemlich still, bis hierzulande die „Top Secret Edition“ erschien, welche drei bislang unveröffentlichte Geschichten aus den Neunzigern beinhaltete – darunter auch den FYF-Fall „House of Horrors“, der diesmal jedoch 1:1 als solcher auf die Leserschaft losgelassen wurde. Offenbar war das Feedback dermaßen positiv, dass sich der Verlag entschloss, ganz neue Mitmachfälle unter dem marketingtechnisch hochtrabenden Motto „1000 Spuren – Deine Lösung“ schreiben zu lassen. Den Anfang machte Marco Sonnleitner mit „Tödlicher Dreh“, dem also Christoph Ditterts „Hotel der Diebe“ folgte. Wie gewohnt mit neuerdings 142 Seiten.

Trotz aller Interaktion und Querspringerei ist der Ablauf dennoch recht starr, womit „Deine Lösung“ schon einmal ad absurdum geführt ist. Es ist und bleibt die Lösung des Autors, der Leser hat indes die Wahl, wie er dorthin kommt – und ob überhaupt. „1000 Spuren“ ist natürlich auch übertrieben. Drei Auswahlmöglichkeiten werden höchstens angeboten, welche einen entweder voran bringen oder der Handlung, durch mehr oder weniger gemeine Sackgassen, ein verfrühtes Ende setzen. Ab und zu kann man auch relativ gefahrlos auf einen Seitenstrang abbiegen und kommt über einen Umweg eventuell wieder zurück auf den rechten Pfad. Festzuhalten bleibt, dass die unrühmlichen Enden des Auftrags hier weitaus weniger dramatisch ausfallen, als das noch bei „House of Horrors“ oder „Tödlicher Dreh“ angesagt ist. Krankenhausaufenthalte und unehrenhafter Ausstieg aus dem Hotel oder gar dem Detektivgeschäft stellen die Maximalstrafe für Fehlentscheidungen dar. Fairerweise muss man Christoph Dittert allerdings bescheinigen, dass man mit Kenntnis der Charaktere sehr häufig „richtig“ entscheidet – d. h. im Sinne dessen was für gewöhnlich dem Geist der drei ??? am ehesten entspricht. Manchmal ist aber auch unerwarteter Mut gefragt.

Fazit

Entweder man mag diese Art des Pagehoppings oder man lässt die Finger von den „Dein Fall“-Büchern. Unterm Strich ist der Fall eher Standardkost, der gegen Ende aber doch noch schiefgehen kann, auch wenn der Übeltäter längst entlarvt ist, ist die Sache noch nicht ganz durch. Die vielfältigen Ausstiege aus dem Plot sind realistisch, lassen aber leider ein wenig die sarkastische Bissigkeit von denen aus „House of Horrors“ vermissen. Dafür entscheidet der Serienkenner wohl mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit meist korrekt, wie es weitergehen soll – nur selten musste der Rezensent platt raten und landete daraufhin im peinlichen Aus. Oder war’s doch schieres Glück? Wie dem auch sei: Die Bed-and-Breakfast-Wertung kommt auf satte 4 Sterne für das Derlin-Hotel.

142 Seiten, Hardcover
Erzählt von Christoph Dittert basierend auf den Figuren von Robert Arthur
© 2013 – Franckh-Kosmos, Stuttgart
Redaktion: Anja Herre
ISBN 9783440135853

www.kosmos.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 3,25 von 5)