Die drei ??? – Dein Fall – Wüstenfieber (Band 6)

Die Handlung:

Nur einmal mit einem Trophy Truck über staubige Wüstenpisten rasen – Peters Traum scheint zum Greifen nahe. Denn dieser Fall der drei ??? führt die Freunde zum legendären Off Road Rennen in die Mojave Wüste. Doch um persönlichen Wünschen nachzugehen bleibt keine Zeit, denn im Rennteam ihres Auftraggebers häufen sich die Unfälle und Missgeschicke. Steckt dahinter ein Verbrechen oder doch nur eine Pechsträhne? Spätestens als einer der Rennfahrer Drohbriefe erhält ist klar, dass es jemand auf das Team abgesehen hat …

Dein Fall! – Hier wird der Leser zum vierten Detektiv und entscheidet selbst, wie die Geschichte weitergeht! Welche Spur ist die richtige? Hier ist Spürsinn gefragt! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Find your Fate

Dies ist kein normales „Drei ???“-Abenteuer, sondern ein „FYF-“ („Find Your Fate“) oder auch „Mitmach-„Fall. In den 1980ern gab es ein paar Versuche, um jungen Leuten mehr Spaß beim Lesen zu bereiten und sie aktiv ins Geschehen mit einzubeziehen. Mit am bekanntesten war nicht nur hierzulande die Reihe „Einsamer Wolf“.

Und wer die Jungs schon immer mal aktiv bei der Lösung eines Falles unterstützen wollte, der hat hier … in eingeschränkt vorgegebenem Rahmen … die Chance dazu. Ob es hier allerdings „1000 Spuren“ gibt, denen man nachgehen kann, wie es das Cover verspricht, darf man getrost bezweifeln. Von dem Personenregister, das es vor den normalen ???-Abenteuergeschichten nicht gibt, sollte man sich nicht einschüchtern oder verängstigen lassen. Die Namen muss man nicht auswendig lernen, um hier zu bestehen. Das sollte man eher als nützlichen Anlaufpunkt sehen, zu dem man immer wieder zurückkehren kann … als einzige Konstante in diesem Fall sozusagen, denn schließlich wird dieser Mitmach-Fall nicht von vorn nach hinten durchgelesen.

Die Leser werden vielmehr, je nachdem für welchen der zwei oder drei vorgegebenen Vorschläge des Autors sie sich nach manchmal nur einer halben Seite schon entscheiden müssen, wild blätternd im Buch hin und hergeschickt. Zur besseren Orientierung druckt der Verlag senkrecht am Rand eines jeden Abschnitts eine Info dazu ab, von welcher Seite des Buches aus man hierher gelangt ist. Das ist besonders vorteilhaft, wenn sich der Weg, den man eingeschlagen hat, als unvorteilhaft erwiesen hat und man sich doch noch mal umentscheiden möchte.

Wenn aber dort steht, dass der Leser entweder von Seite 11 oder 56 oder 134 an diese Stelle gelangt ist und entsprechend dann in eine jeweils andere Richtung weiterblättern soll, frage ich mich schon, ob ich hier ein Abenteuer erleben kann oder ob ich mir die ganze Zeit auch noch Notizen machen muss, von welcher Seite ich gekommen bin?

Es gibt ja Leser, die halten die Spannung nicht aus und lesen grundsätzlich das letzte Kapitel eines Buches als erstes … die gibts wirklich. Das ist hier schlecht möglich … aus oben beschriebenen Gründen. Es gibt halt nicht nur ein Ende und Schluss ist nicht zwangsläufig auf der letzten Seite.

Der Fall …

… wird uns diesmal von Evelyn Boyd kredenzt … einer Romantasy- und Grusel-Autorin, die auf der Verlagshomepage noch gar keinen Personeninfoeintrag hat, so neu ist sie bei den ???. Und jetzt noch schnell der unausweichliche Flachwitz: Da sie Medizin studiert hat, kriegt sie das Wüstenfieber bestimmt schnell in den Griff! Sorry, aber ich hatte gesagt, dass der unausweichlich war … und flach.

Wie eine Wüste … na ja, in einigen gibts auch Dünen, von daher ist die Überleitung zu diesem Fall eher nur so mittel. Aber in die Wüste schicken möchte der seltsame Auftraggeber die Jungs schon, so isses ja nich‘. Ob das aber der ideale Ort ist, um sich die eh schon extrem überhitzte Sommerzeit zu vertreiben, zweifeln alle bis auf Peter an. Der ist ganz wild auf die Chance, sich das Wüstenrennen hautnah anzugucken. Hmm, was, wenn wir „Ne“ sagen, ob der Fall dann wohl zu Ende ist? Ist er tatsächlich … wie zu erwarten war.

Wer aber wissen will, wie viel Liter man in der Wüste bei den Temperaturen so schwitzt und obs rund um das Rennen wirklich was zum Ermitteln gibt, der blättert auf eine andere Seite … schließlich übernehmen wir jeden Fall!

Und so entscheiden wir lustig, ob wir Mr X oder Mrs Y als Erstes befragen sollen oder lieber erst mal was trinken. Nicht nachvollziehen konnte ich dabei, dass am Ende nicht weniger Kurzkapitel gar keine Auswahlmöglichkeit steht, sondern nur die Aufforderung, auf Seite Z weiterzulesen … und das mehrfach hintereinander. Das ergibt keinen Sinn, da hätten die Seiten direkt im Anschluss abgedruckt werden können/sollen.

Außerdem entstand bei mir schnell der (bestätigte) Verdacht, dass immer bei einer spannenden Entscheidung oder einer, die (mir) mehr Spaß macht, eine Sackgasse wartet. Also wieder zurück und den „langweiligen“ Weg nehmen, den die Autorin angedacht hat. Manchmal ist es sogar egal, welchen Weg der Leser auswählt, letztendlich wird er eh beide Auswahlteile zu lesen bekommen, die am Ende beide in der gleichen Fortsetzung münden. Auch hier hätte man einfach alles in einem Stück abdrucken können.

Wer hier wem was antun möchte und vor allem warum … das erklären uns die „widerlichen Schnüffler“ am Ende dann zwar, aber der letzte Satz „Gratulation, du hast den Fall gelöst!“ passt irgendwie nicht. So selten wie in diesem „Dein Fall“-Abenteuer habe ich mich noch nie entscheiden müssen. Und wenn, dann landete ich fix in einer Sackgasse, die sich sehr zufällig angefühlt hat und nicht wie eine echte Fehlentscheidung.

Ach so, der Fall selbst … ok … viel Befragung, etwas Observierung und dann war Schluss.

Die Autorin:

Evelyn Boyd begeisterte sich schon immer für coole Waldgeister, dunkle Vampire und einsame Werwölfe. Bereits als Kind las sie alles, was sie dazu in die Hände bekommen konnte. Bevor sie allerdings anfing ihre eigenen Geschichten aufs Papier zu zaubern, studierte sie Medizin. (Verlagsinfo der Kollegen vom CARLSEN-Verlag)

Mein Fazit:

Warm wird dem Leser nur vom ständigen Blättern und dem Gedanken daran, dass die Jungs in der Wüste sind. Da man sich hier aber nur extrem selten zwischen irgendwas entscheiden muss und für interessante Entscheidungen mit einer Sackgasse belohnt wird, ist dieser „Dein Fall“ wie ein Roman, bei dem jemand die Kapitel in falscher Reihenfolge zusammengeklebt hat.

Zu oft werden wir einfach nur aufgefordert, auf Seite XY weiterzulesen, was ich für dieses Format zu langweilig fand. Auch die Story selbst konnte mich nicht wirklich überzeugen. Ein wenig Zuhören, hier und da Befragungen im Fahrerlager und am Ende die große Auflösung mit allen Hintergrundinfos. Das war mir für einen ???-Fall zu unspektakulär.

Der Abschlusslacher hat mir aber gut gefallen.

Laminierter Pappband: 144 Seiten
Vom Verlag empfohlen ab 10 Jahren
1. Auflage, März 2018
ISBN: 978-3440148365

www.kosmos.de

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