Die drei ??? – Sinfonie der Angst (Band 174)

Klangfarben

Der Regisseur Raymondo Kappelhoff braucht dringend die Hilfe der drei Fragezeichen. Ziemlich derangiert taucht er auf dem Schrottplatz auf und präsentiert eine abenteuerliche Geschichte von Musik, die ihn förmlich angegriffen hätte. Zusammengebrochen sei er plötzlich. Dabei war er doch nur auf der Suche nach einem originellen Ensemble für den Soundtrack seines neuen Films – die Wahl fiel auf die experimentelle Gruppe der „Colorphoniker“. Ein Geheimtipp. Noch. Die außergewöhnlichen Musiker, unter der Leitung des verschrobenen und als schwierig bekannten Halb-Japaners Yamada lassen niemanden an sich heran und proben auch nur unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Den drei Jungs gelingt es jedoch unerwartet Zugang zum Team zu erhalten. Chloe, die dreizehnjährige Tochter eines Mitglieds öffnet ihnen die sozusagen die Tür in die neue Klangwelt der so genannten Synästheten, allerdings bricht auch sie bei der Aufführung des Stückes „Phonophobia“ mit Kopfschmerzen und aus der Nase blutend zusammen. Ist die Musik tatsächlich so dämonisch, wie sie beschrieben wird? Und kann das aufstrebende Orchester, vor allem bei einem gerade anstehenden, sehr wichtigen Auftritt, wirklich ernsthaftes Interesse daran haben, sein Publikum absichtlich in Gefahr zu bringen?

Eindrücke

Dieser Band steht außerhalb der regulären Reihe und hat demzufolge keine Folgen- bzw. Bandnummer, wenngleich es durchaus ein Fullsize-Fall ist. Der Grund? „Sinfonie der Angst“ ist die Romanvorlage zur 2014er Live-Tour mit dem Titel „Phonophobia“. Die Geschichte, welche Kari Erlhoff und Kai Schwind ersannen, ist somit ein Special oder wie es in der Serie gerne oft zitiert wird: „Ein spezialgelagerter Sonderfall“. Für das Setup trifft dies nun nicht unbedingt zu, zumindest was den üblichen und somit sattsam bekannten Grundaufbau angeht. All das haben die Leser nunmehr über Generationen in der einen oder anderen Form so schon einmal gelesen und präsentiert bekommen. Das muss in gewissem Rahmen auch so sein, denn gut gepflegte Serienklischees dürfen in einem vermeintlichen Zugpferd, mit dem das berühmte Ensemble auch noch durch die Lande tingelt, natürlich nicht fehlen. Man will schließlich altgediente Fans nicht verprellen und lockt diesbezüglich sogar z. B. mit dem „Gespensterschloss“ (Zur Erinnerung: entgegen der falschen, deutschen Nummerierung, der erste Band der Serie) als prominente Kulisse für den Showdown. Auch Morton darf mitmachen – allerdings taucht Skinny Norris entgegen der festen Erwartung des Rezensenten nicht auf. Sei’s drum.

Die Story ist sicherlich auch dazu konzipiert ein neues, modernes Publikum zu rekrutieren. Ergo braucht sie auch einen ordentlichen, nach Möglichkeit auch noch originellen Aufhänger, der klassische Serientugenden mit der Neuzeit verbindet. Allerdings hapert es genau dort ein wenig, denn die besondere Begabung der Musiker (und – Überraschung! – auch Peters) durch Klänge Farben zu sehen, respektive bestimmte Töne fest damit zu verknüpfen, erinnert beinahe sofort an den Fall „Das Auge das Drachen“, wo die junge Klientin ihre Umwelt dank einer seltenen Genmutation auch ganz anders wahrnimmt, als der Durchschnittsmensch. Während man sich aber als Leser/Hörer aber mit dem kleinen Mädchen seinerzeit bereitwillig und sofort solidarisierte, bleiben die Synästhetiker irgendwie fremd, elitär und undurchsichtig – man ahnt indes bereits früh, dass insbesondere im Kopf des Orchesterleiters nicht nur ein Gendefekt vorliegt, sondern er vielmehr einen veritablen Vollschatten haben muss. Leider ist exakt nach dieser Erkenntnis die Luft fast vollkommen raus. Der Übeltäter ist im Prinzip (zu) bald bekannt, seine Motive bleiben bis kurz vor Schluss jedoch noch ein wenig im Dunkeln. So richtig zünden will die Chose aber trotz ein paar mehr oder weniger gefährlicher wie humoristischer Einstreuungen dann doch nicht mehr.

Fazit

Das Buch hinterlässt ambivalente Gefühle. Zum einen ist es sicher schön, dass auf klassische Geschichten und Elemente zurückgegriffen wird, was treue Fans sicher zu goutieren wissen – „Sinfonie der Angst“ ist demnach auch kein Rohrkrepierer und hat durchaus seien unterhaltsamen Momente. Auf der anderen Seite geht dem Fall aber fast jeglicher Aha-Effekt ab und darüber hinaus viel zu früh die Puste aus, was insofern besonders wichtig gewesen wäre, da er ja auch dazu ausersehen wurde die drei ??? auf breiter medialer (Live-)Front zu repräsentieren. Dabei lässt sich von dieser Warte aus nur schwer sagen, ob und in welchem Umfang die Autoren hier irgendwelche Story-Vorgaben bekamen, die einzuhalten waren. Speziell für Kari Erlhoff, die sonst recht knackige und ausgefeilte Plots beisteuert (Man denke beispielsweise nur an Mr. Grey / „Professor Moriarty“ aus „Botschaft aus der Unterwelt“ sowie „Straße des Grauens“), ist dies jedenfalls ein bemerkenswert mittelmäßiges Werk geworden. Schade, da hätte sich die Leserschaft sicherlich mehr Pep gewünscht, so bleibt der Rezensentendaumen trotz allem Pauken und Trompeten in eher glanzloser Horizontalstellung.

142 Seiten, Hardcover
Erzählt von Kari Erlhoff und Kai Schwind
basierend auf den Figuren von Robert Arthur
Redaktion: Anja Herre
© 2014 – Franckh-Kosmos, Stuttgart
ISBN 9783440134771

www.kosmos.de

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