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Wilks, Mike / Gustavus, Frank / Seibel, Antje – Mirrorscape – Gefangen im Reich der Bilder (Hörbuch)

_Spannende Abenteuer im Land der Phantasie_

Von den verborgenen Gängen der alten Malschule aus werden Mel, Ludo und Wren Zeugen eines unheimlichen Rituals: Ihr Meister Ambrosius Blenk malt vor einem seiner prächtigen Gemälde ein rätselhaftes Zeichen in die Luft – und plötzlich ist er verschwunden. In seinem Atelier machen die Freunde daraufhin eine unglaubliche Entdeckung: Sie sehen, wie die Gestalt des Meisters durch sein eigenes Bild schreitet.

Leider erfahren auch die Häscher der Gilden, die das Land Neem in ihrem eisernen Griff halten, von diesem Geheimnis und entführen Ambrosius Blenk. Um ihn zu retten, müssen sich die drei Freunde selbst auf eine abenteuerliche Suche nach Mirrorscape begeben, dem Reich der magischen Bilder. (erweiterte Verlagsinfo)

Ich würde das Hörbuch ab 13 Jahren empfehlen.

_Der Autor_

Mike Wilks, 1947 in London geboren, ist Künstler, Illustrator und Autor. Bereits mit 13 Jahren erhielt er ein Stipendium für die Kunstschule. Er studierte Graphik-Design und leitete einige Jahre erfolgreich eine Agentur, bevor er sich ganz dem Schreiben und Illustrieren widmete. Seine Bücher landeten in den Bestsellerlisten, während er selbst und sein Schaffen zum Thema einer Dokumentation des britischen Fernsehens wurden. Seine Originalwerke, die oft eine surreale Traumwelt darstellen, hängen unter anderem im Museum of Modern Art in New York City, in London und in vielen Privatsammlungen. [„Mirrorscape“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5525 ist Wilks‘ erster Roman und der erste Teil einer Trilogie.

_Der Sprecher_

Andreas Fröhlich ist die deutsche Stimme von John Cusack und Edward Norton. Er wurde 1965 in Berlin geboren; bereits mit sieben Jahren begann er mit der Synchronarbeit, nachdem er im Kinderchor des „Sender Freies Berlin“ entdeckt wurde. 1978 stieg er in der Sprecherrolle des Bob Andrews bei einer der bis heute erfolgreichsten Hörspielreihen Deutschlands, „Die drei Fragezeichen“, ein.

Nach dem Abitur ging Fröhlich zunächst zum Theater, wo er unter anderem Rollen in Büchners „Woyzeck“ und in Shakespeares „Was ihr wollt“ spielte, bis er 1991 wieder zu seiner Arbeit als Synchronsprecher zurückkehrte. Außer als Sprecher arbeitet er als Synchronregisseur und Drehbuchautor, wo er unter anderem für die Synchronisierung von „Der Herr der Ringe“ verantwortlich war. In dieser Trilogie übernahm er zum Beispiel die Synchronisation des Wesens Gollum. Doch auch die deutschen Dialoge in Filmen wie Disneys „Mulan“ und „The Beach“ stammen aus seiner Feder. (Verlagsinfo)

_Produktion_

Die gekürzte Fassung erstellte Antje Seibel. Regie führte Frank Gustavus, die Aufnahme steuerte Klaus Trapp im Studio Wort, Berlin.

_Handlung_

Melkin Womper, ein 13-jähriger Weberssohn aus Feck, wird eines Tages von Dirk Tod angeworben, um in der Hauptstadt sein Zeichentalent zu erweitern: in der Gemäldefabrik des berühmten Ambrosius Blenk. Mel könnte dort ein Stipedium bekommen und zu einem ausgezeichneten Illustrator oder gar Gemäldemaler ausgebildet werden. Doch Dirk Tod hat wohl nicht damit gerechnet, dass die fünfte Gilde, nämlich diejenige mit dem Monopol auf Farbe, etwas dagegen haben könnte.

Deren Großvogt jedenfalls lässt Mels Förderer Fra Teum verhaften und alle von Mels Zeichnungen beschlagnahmen. Zum Glück interveniert Dirk Tod gegen diesen Adolphus Spute und seinen Folterer, den Zwerg Stockfisch, und nimmt Mel schleunigst in seiner Kutsche mit. Doch Dirk ahnt nicht, dass es Mel im Durcheinander gelungen ist, etwas aus Stockfischs Kasten mit Folterinstrumenten zu entwenden. Das Fläschchen wird sich noch als sehr wichtig erweisen.

|Die fünf Gilden|

Dirk erklärt ihm auf der Fahrt die Gilden oder Zünfte. Sie verfügen jeweils über das kontrollierende Monopol, das „Pläsier“, über die Handwerke und Substanzen, die einem der fünf Sinne zugeordnet sind: 1) Tastsinn, 2) Geruch, 3) Gehör, 4) Geschmack und 5) Sehen. Nr. 5 ist die größte, reichste und mächtigste aller Gilden, denn sie verwaltet auch die Energieversorgung und ist folglich reicher als sogar der König. Und Spute ist deren Großvogt, aber er wollte eigentlich Dirk Tod, den Maler.

|Zauberstaub|

Mel fragt sich, was an Dirk so Besonderes sein soll, dass ihn die Gildenpolizei verfolgt. Aber bei einer Rast beobachtet er Dirk, wie er sich heimlich mit Gildenleuten trifft und ihnen einen Geldbeutel übergibt. Mel beschließt, vorsichtig zu sein. Heimlich untersucht er das Fläschchen, das er geklaut hat. Darin befindet sich Pigmentstaub, der in Regenbogenfarben schimmert. Es ist kein Gift, und als Mel das Zeug ausspuckt, formt sich sofort ein Bild. Sehr interessant. Doch bevor er die Sache näher erkunden kann, klopft Dirk an die Tür.

Fünf Tage später gelangt die Kutsche nach Flam, die Hauptstadt des Landes Neem. Mel hat noch nie eine so prächtige und hochragende Stadt gesehen. Die Malschule des Ambrosius Blenk befindet sich in dessen ausgedehntem Stadtpalais, in das Dirk Tod Mel führt. Beklommen klammert er sich an seine Zeichenmappe, doch als er ein sehr realistisches Kunstwerk in der Eingangshalle erblickt, spürt er Erleichterung: Er ist in einem neuen Zuhause angekommen. Hier gibt es Dienstboten und putzende Mädchen wie Wren, die er aber nur am Rande bemerkt.

|Der erste Tag|

Der Diener führt Mel ins Refektorium der Lehrlinge. Im Speisesaal wird ihm gleich klargemacht, dass er nur ein Bauerntrampel vom Lande sei und dass Grot das Sagen hat. Der Oberlehrling verurteilt Mels Zeichnungen in Bausch und Bogen, und alle Lehrlinge pflichten ihm bei, außer einem. Dieser wird fortan Mels bester Freund in einer ansonsten feindseligen und misstrauischen Umgebung: Ludo. Er stammt aus einer der reichsten Familien und kann es sich daher nicht leisten, allzu aufmüpfig zu werden. Aber er erzählt Mel, dass Grot nie ein Gesellenstück ablieferte und mit seinen Schergen Bunt und Joges wie ein Tyrann herrscht. Außerdem sei er ein Angehöriger der mächtiger Smert-Familie, ein Neffe des Großvogtes Adolphus Spute. Au weia, denkt Mel, das kann nichts Gutes werden.

Nachdem sich Mel mit Ludos Hilfe im Schlafsaal einquartiert und seine Wertsachen in einem Loch in der Wand versteckt hat (ganz besonders das seltsame Farbpigment), gehen sie spätabends zum Gesinde, um noch etwas Essen zu ergattern. Das Putzmädchen Wren erbarmt sich ihrer, so dass sie nicht hungrig zu Bett gehen müssen. Unterdessen bemerkt Spute das Fehlen des Farbpigments und erhält den Auftrag vom Gildenlord Brol, es wiederzubeschaffen – oder er wird degradiert. Das ärgert Spute, denn er will selbst Hochmeister von Gilde Nummer fünf werden. Ein perfider Plan muss her.

|Der geheime Garten|

Am nächsten Tag übersteht Mel den Besuch des Hausherrn Ambrosius Blenk und seiner Gattin sowie die Tyrannei Grots, der ihn schikaniert. Er entdeckt Dirk Tods geheimen Garten, wo dieser ein „Dauerexperiment“ an Blumen und deren Pigmenten durchführt. Mel ahnt nicht, dass dies etwas extrem Ketzerisches sein könnte. Wenn es Dirk und seinen Verschwörern gelänge, bislang teure Pigmente künstlich herzustellen, würden die Pfründe der fünften Gilde ins Bodenlose fallen und sie ihre Macht verlieren. Die Bürger aber müssten nicht mehr so horrende Monopolpreise für alles Gefärbte bezahlen. Dirk scheucht Mel deshalb schnell wieder weg und erklärt lieber nichts.

Dafür lernt Mel Wren näher kennen, als er in einer entlegenen Kammer verschnauft, um vor Grot sicher zu sein. Das Mädchen liebt es ebenfalls, hier zu essen. Ihr Vater war ein genialer Uhrmacher, gehörte aber keiner Gilde an und wurde verhaftet. Sie hat einen Schlüssel von ihm und zeigt Mel den Geheimgang hinter der entsprechenden Tür. Hier sind die Kammern der Dienstboten. Aber als Mel seinen Freund Ludo einweiht, gehen sie zu dritt zur großen Uhr, die Wrens Vater einst konstruierte. Hier soll es ein Geheimnis in einem Flügel geben, sagt Wren, doch wo, wisse sie nicht. Das Glockenspiel bewegt sich zu jeder vollen Stunde, bewundert von den Bürgern unter auf dem Vorplatz. Doch das Geheimnis wird erst viel später enthüllt …

Als Mel einen Blick in Meister Blenks Privatatelier werfen will, entdecken sie ein weiteres Geheimnis. Gerade noch steht Blenk vor dem großen Gemälde, dann tritt er hinein und verschwindet darin. Aber wohin? Auf dem Gemälde ist eine Insel zu sehen, mit einem Gebäude, das wie ein Kopf aussieht. Sie können auf der Brücke, die zu der Insel führt, die winzige Gestalt des Meisters sehen – und sie bewegt sich! Mels scharfe Augen entdecken ein Symbol auf dem Bild und er zeichnet es ab. Dieses Symbol malte Blenk in die Luft, bevor er verschwand.

Am nächsten Tag treffen sich die Freunde in der Uhrenkammer und begeben sich zum Meisteratelier. Ludo und Mel haken sich unter, Mel malt das magische Symbol in die Luft vor dem Gemälde, dann treten sie hinein … in die Welt jenseits der Bild-Fläche, nach Mirrorscape. Doch schon bald müssen sie feststellen, dass es hier alles andere als friedlich zugeht. Als ein Ungeheuer auftaucht, müssen sie schnell wieder zurück. Wo kommen die denn her?! Und wo ist hier der Ausgang, bitteschön? Da hören sie die Uhrglocke läuten …

_Mein Eindruck_

Es kann nicht ausbleiben, dass auch Mels Feinde Grot und Adolphus Spute von Mels Umtrieben Wind kriegen und ihm nach Mirrorscape folgen. Good guys wie bad guys müssen herausfinden, was es mit Mirrorscape auf sich hat. Gibt es hier vielleicht ein Widerstandsnest gegen die Tyrannei der Gilde Nr. 5, oder gar Separatisten? Könnte Mirrorscape am Ende gar die reale Welt in Gefahr bringen oder – unaussprechlicher Gedanke! – befreien?

|Die Welt der Phantasie|

Es ist offensichtlich, dass die Welt, die sich der Autor Wilks hat einfallen lassen, auch etwas mit unserer eigenen Welt zu tun hat. Sie verhält sich wie eine alternative Gegenwelt zur Real-Welt, wird aber auch wie ein Schlachtfeld genutzt, auf dem zahlreiche Kämpfe stattfinden. Mel ist mittendrin, und mit Hilfe der Bilder, die er als Durchgänge nutzt, gelangt er von einer Landschaft des Geistes in die nächste. Aber er ist ja nicht zum Sightseeing gekommen, sondern um seinen Freunden zu helfen. Schon bald stellt sich heraus, dass das Schicksal ganz Mirrorscapes von ihm abhängt. Seine Gegner haben vor, natürlich auch Mirrorscape unter ihre Kontrolle zu bringen. Jetzt sind Ideen gefragt.

|Müde Zauberer|

Erstaunlicherweise sind es nicht, wie bei Tolkien, die weisen Zauberer, die Mel den Weg weisen und ihm allwissende Ratschläge geben – oder gar eine Mission. Ambrosius Blenk, der Meister der Gemäldefabrik, ist nur einer von mehreren Gefährten Mels, verfügt aber über einen Butler mit erstaunlichen Fähigkeiten. Und der vor Jahren verschwundene Meister Lukas Flink, den Blenk regelmäßig besucht, hat sich aufs Altenteil zurückgezogen, um seinen Phantasien zu frönen. Bezeichnenderweise lebt er in einem Kristallhaus und nennt zwei Engel seine Freunde. Er erinnert an den umnachteten König Théoden vor Gandalfs Besuch. Es verwundert nicht, dass er sich aus allen politischen Händeln heraushalten will. Dummerweise respektieren Adolphus Spute und seine Schergen diesen Wunsch nicht.

|Ein weiteres „Otherland“?|

Schon bald wird es ziemlich eng für Mel und seine Freunde. Auf der Flucht vor den Feinden gelangen sie von einem phantastischen Szenario – auch als „Spiel-Level“ aufzufassen – ins nächste, allerdings erst dann, wenn ihnen eine rettende Idee gekommen ist, um diese Mausefalle zu verlassen. In dieser Hinsicht erweist sich „Mirrorscape“ als eine weitere Variante von Tad Williams‘ genialem und viel weiter gespanntem Mega-Roman [„Otherland“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4196 Dass es dem Autor Wilks gelingt, die Lösung für Mels Probleme innerhalb eines einzigen Buches herbeizuführen, ist jedoch sehr löblich. Die Helden quatschen keine Opern, sondern handeln tatsächlich konsequent.

|Allzweckwaffe?|

Nun mag man sich fragen, ob eine permanente Flucht vor den Jungs mit den schwarzen Hüten wirklich eine ganze Handlung trägt. Theoretisch schon, und Autoren wie A. E. van Vogt haben ein Gestaltungsprinzip daraus gemacht. Nicht so Wilks, der sich wohl gedacht hat, dass eine ewige Schnitzeljagd etwas eintönig ist. Doch er hat ja Mel ein Geheimnis in die Hand gedrückt: den regenbogenfarbenen Zauberstaub, den Mel dem Großvogt stibitzt hat. Wie sich herausstellt, handelt es sich um das superseltene Pigment, das allein schon auf Gedankenkraft gehorcht und – wie Mel kurz in dem Gasthof herausfand – komplette Welten in Mirrorscape erzeugen kann.

Wer nun aber denkt, diese Allzweckwaffe stelle die Lösung sämtlicher Probleme Mels dar, irrt gewaltig. Denn erstens muss er noch ein wenig in der Beherrschung des Zauberpigments üben, zweitens hat er nur einen winzigen Vorrat davon und drittens verfügt die Gilde Nr. 5 über einen sehr viel größeren Vorrat davon. Deren „Zauberlehrling“ Grot findet sich, wie nicht anders zu erwarten, zu allen Schandtaten im Dienste seiner Gilde bereit. Leider erweist er sich wieder einmal nicht gerade als Musterschüler seiner Kunst. Er hätte vielleicht doch lieber Tyrann von Gesellen und Dieb von Farbvorräten bleiben sollen.

Wie auch immer: Angesichts der ungeheuren Dimensionen der Kraft, über welche die Kontrahenten Mel und Grot verfügen, kann eine große Schlacht nicht ausbleiben. Sie muss die Entscheidung bringen. Sie setzen ganz unterschiedliche Mittel ein, und auf Seiten Grots kämpfen Ungeheuer, die einem Hieronymus Bosch Ehre machen würden. (Ein passender Vergleich, wenn man weiß, dass Bosch einer der wichtigsten Maler der nichtitalienischen Renaissance war.)

|Verrat der Phantasie|

Die Welt von Mirrorscape, die Welt der Phantasie und Vorstellungskraft, ist nicht in Schwarz und Weiß eingeteilt, was die Moral anbelangt, genauso wenig wie im [„Herr der Ringe“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5487 Es gibt durchaus auch Verrat, und man kann dabei an Saruman, Boromir, Gollum und Denethor denken. Mel, der Retter dieser Welt à la Frodo, wird ebenfalls verraten, und natürlich ist es jemand, dem er vertraut hat. Der Name des Verräters soll hier nicht preisgegeben werden (sonst wäre ich ja selbst einer). Aber durch solche Ränke wird die Handlung wesentlich spannender, als sie es durch die fortwährende Action eh schon ist.

|Worauf es ankommt|

Es sind also Tugenden wie Treue, Freundschaft, Einfallsreichtum und Opferbereitschaft, die wie bei Tolkien die Guten die Oberhand behalten lassen. Die Herrschaft über die Welt der Phantasie steht immer auf Messers Schneide, und erst in allerletzter Sekunde erfährt die Auseinandersetzung die entscheidende Wende. Liebe spielt dabei offenbar nur eine geringe Rolle, denn zwischen Mel und Wren bestehen zwar freundschaftliche Bande, aber mehr möglicherweise nicht. Vielmehr denkt Mel an seine armen Eltern, die noch mehr zu leiden haben werden, sollte die Gilde gewinnen. Doch was Mel für seine Eltern erreicht, das erreicht er auch für ganz Neem und Flam: Freiheit und Veränderung, und somit Hoffnung und Wachstum.

|Der Sprecher|

Andreas Fröhlich ist ein wahrer Stimmkünstler. Es hat mich immer wieder verblüfft, wie es ihm gelingt, seine Stimme so flexibel anzupassen, dass es ihm glückt, die optimale Ausdruckskraft hervorzubringen. Das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass es Fröhlich war, der in Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung den Gollum spricht.

Auch hier setzt er seine Stimmkunst effektvoll ein. Mit Leichtigkeit gelingt es ihm, die Nebenfiguren schon mit dem ersten Satz zu charakterisieren, so dass wir sie fortan als Angehörige der Guten oder der bösen Jungs erkennen können. Die Guten sprechen alle ziemlich normal und mit wenig verzerrter Stimme, wohingegen die bad guys vielfach ein verzerrte Sprechweise aufweisen. Adolphus Spute krächzt drohend, redet verächtlich und wirkt alles in allem hinterlistig und falsch. Auch Grot führt sich mit lallender Redeweise wenig positiv ein.

Es gibt jedoch einen kniffligen Fall, nämlich den Verräter: Er klingt normal, ist aber einer der Bösen. Interessant, wie der Sprecher diesen Widerspruch gelöst hat – selber hören! Die weiblichen Figuren sind mit einer höheren Stimmlage versehen, versteht sich, und der Sprecher hat auch damit überhaupt kein Problem, so etwa bei der lieben Wren. Ganz wunderbar ist die Charakterisierung von Blenks Gattin, der hochnäsigen Herrin des Hauses, die ach so stolz ist auf ihren Albinoaffen: Sie klingt ungeheuer hoch, verächtlich und etepetete. Offensichtlich liegen ihre geistigen (?) Interessen auf einem anderen Gebiet als der Malerei.

Am wichtigsten ist die Intonierung der Erzählerstimme. Senkt der Sprecher die Tonhöhe, klingt ein Satz bedrohlich oder geheimnisvoll raunend, je nach Satzmelodie. Diese Feinheiten hat Fröhlich routiniert im Griff. Misslungene Sätze wurden natürlich geschnitten und neu aufgenommen. Ich bin mit dieser Sprachaufnahme rundum zufrieden.

Da es weder Musik noch Geräusche gibt, brauche ich darüber keine Worte zu verlieren. Aber schade ist deren Fehlen schon.

_Unterm Strich_

In seiner Grundstruktur und in der Handlungsführung erinnert „Mirrorscape“ zuweilen an Tad Williams‘ „Otherland“. Doch Wilks‘ Roman spielt nicht mit der virtuellen Realität aus dem Rechner, sondern lässt die Barriere zwischen fiktiver Realität und der phantastischen Gegenwelt porös und durchlässig werden. Die Akteure in der Mirrorscape-Welt benötigen keinen VR-Helm mehr, denn sie haben ja das magische Zeichen für den Übergang. Und wenn sie sich eine alternative Welt schaffen wollen, benutzen sie ein ganz besonderes Farbpigment, den „Zauberstaub“, der auf Gedankenkraft hört.

Malerei als Zauberei aufzufassen, ist ein faszinierendes und weit tragendes Konzept. Der Autor versteht es, viele Ideen daraus zu entwickeln. Die Magie wird an keiner Stelle näher erklärt, so dass sie pure Phantasie bleibt und nie zum Ersatz für Technik wird.

Aber Malerei ist kein moralfreier Raum, denn der Maler ist sowohl für sein Tun wie auch für seine Schöpfungen verantwortlich. Damit gleicht der Maler, wie Mel vs. Grot, dem tätigen Menschen in unserer Realität. Und unsere Mirrorscape befindet sich in zwei Welten, die miteinander verschmelzen: einerseits in unserer Vorstellung und Phantasie (Kunst), aber auch im Cyberspace des Internet, wohin sich die menschlichen Interaktionen und künstlerischen Äußerungen zunehmend verlagern.

Bedeutet das, dass wir die primäre Realität, die wir immer noch „Welt“ nennen, vernachlässigen dürfen? Wohl nicht, denn dort befinden sich weiterhin unsere Körper und unsere Gefühle. Der Autor warnt uns mit der Metapher der Mirrorscape-Welt (wie schon Lewis Carroll mit „Alice hinter den Spiegeln“) vor den Folgen der Kontrolle unserer Phantasie durch Egoisten und Machthaber. Phantasie bedeutet nicht nur „Gefangenschaft im Reich der Bilder“, sondern auch die Rettung der Freiheit und somit die Verbesserung unserer Lebenswelt. Das mag naiv erscheinen, doch gibt es bessere Alternativen, die jeder einzelne von uns umsetzen könnte?

|Das Hörbuch|

Jedes Hörbuch mit Andreas Fröhlich ist ein besonderes Erlebnis, ganz einfach deshalb, weil dieser Sprecher es zu einem machen kann. Auch die aktuelle [„Wunschkrieg“-Trilogie]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5641 von Kai Meyer hat er mit seiner Sprechkunst aufgewertet, so dass der Hörer gerne wieder dorthin zurückkehrt. Im vorliegenden Hörbuch kann sich Fröhlich munter in verschiedenen Phantasie-Szenarien austoben.

Das einzige Manko dieses Hörbuchs ist das Fehlen von Musik und Geräuschen. Da aber |Oetinger| einen wesentlich kleineren Vertrieb als |Lübbe| hat und die Stückzahlen wohl nur gering waren, ist der Preis relativ hoch. Da hätte eine Musikproduktion den Preis noch weiter in die Höhe getrieben.

|Originaltitel: Mirrorscape, 2007
Aus dem Englischen übersetzt von Bettina Münch
426 Minuten auf 6 CDs
ISBN-13: 978-3-8373-0396-4|
http://www.oetinger.de/

Sally Nicholls – Zeit der Geheimnisse (Lesung)

Magisch: Mit dem Grünen Mann durch die Zeit der Trauer

Nach dem Tod ihrer Mutter leben die beiden Schwestern Molly und Hanna bei den Großeltern auf dem Dorf. Doch das Leben auf dem Land, die Dorfschule, all das ist nicht so leicht für die Mädchen aus der Stadt Newcastle. Molly, die Leseratte, flüchtet sich in Fantasien von einem seltsamen Mann, der von wilden Reitern verfolgt wird. Einbildung? Hirngespinste?

Merkwürdig ist nur, dass die Fantasien der Zehnjährigen der Legende vom Eichenkönig ähneln, der, so die Sage, jedes Jahr sterben muss, um wenig später wiedergeboren zu werden. Der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen, von Winter und Sommer, aber auch von Sich-Verlieren und Sich-Wieder-Finden. (Erweiterte Verlagsinfo)

Die Autorin

Sally Nicholls, geboren 1983 in Stockton, studierte Philosophie und Literatur. Sie verfasste ihren Debütroman „Wie man unsterblich wird“ mit nur 23 Jahren. Er erschien 2008 in England und wurde bereits mit mehreren großen Literaturpreisen ausgezeichnet und in 18 Sprachen übersetzt (siehe meinen Bericht zum Hörbuch). Sally Nicholls lebt in London. (Verlagsinfo)

Die Sprecherin

Ulrike Claudia Tscharre (* 15. Mai 1972 in Urach) ist eine deutsche Schauspielerin. Sie besuchte von 1996 bis 1998 die Akademie für darstellende Kunst in Ulm. Im Fernsehen war sie erstmals als Susanne in der ARD-Serie Ina und Leo zu sehen. Sie gab ihr Kinodebüt 2004 in „Schöne Frauen“ als Karin Leiser unter der Regie von Sathyan Ramesh. Seitdem wirkte sie in zahlreichen TV-Produktionen mit. 2007 spielte sie an der Seite von Christoph Maria Herbst die weibliche Hauptrolle in der Comedy-Serie „Hilfe! Hochzeit! Die schlimmste Woche meines Lebens“. 2008-2009 drehte sie unter der Regie von Dominik Graf den Krimi-Mehrteiler „Im Angesicht des Verbrechens“ in der Rolle der Sabine Jaschke, 2009 übernahm sie die Hauptrolle in dem TV-Melodram „Letzter Moment“. Außerdem ist sie als Sprecherin bei Hörspielen und Hörbuch-Produktionen, wie „Der Schwarm“ und Henning Mankells „Wallander“-Reihe als Linda Wallander zu hören. Ulrike C. Tscharre lebt in Berlin. (Quelle: Wikipedia)

Die Musiker

Für die Produktion zeichnete Rudi Mika verantwortlich, der auch die Musik auswählte und selbst an Geige, Mandoline, Mundharmonika, Kantele und diversen Gitarren zu hören ist. Neben ihm spielen fünf weitere Musiker diverse Instrumente.

Für den Ton des Textes im auraton Studio zu Berlin war Patrick Ehrlich zuständig. Die Musikeinspielungen fanden im subtone Studio zu Dortmund statt, wo der Musiker Ralf Kiwitt Ton und Technik steuerte.

Handlung

Molly Alice Brooke ist die jüngere von zwei Schwestern, die seit dem Tod ihrer Mutter bei den Großeltern draußen auf dem Land leben müssen, weil ihr Vater, ein freier Journalist in Newcastle, sich nicht alleine um sie kümmern kann. Abgesehen davon, dass sie die Stadt und alle ihre Freunde vermissen, müssen Molly und Hannah auch noch in die doofe Dorfschule, wo alle Kinder ungeachtet ihres Alters von nur einer Lehrerin unterrichtet werden. Wenigstens kriegt Moll im Laden ihres Großvaters immer einen Tee und kann eines ihrer vielen Bücher lesen. Niemand kann es jedoch Hannah rechtmachen. Sie liest auch nie was.

Die Begegnung

Hannah will abhauen, Moll muss ihr folgen. Doch die Straßen in Northumberland können vor allem in Dörfern sehr dunkel sein. Nur der Mond beleuchtet ihren Weg, als Moll ihre Schwester plötzlich aus den Augen verliert und spät abends nach Hause zurückgehen muss. Da hört sie Schritte, Reiter und das Hallen eines Horns und Hundegebell. Die Wilde Jagd ist unterwegs! Moll schließt die Augen, bis der Lärm verhallt ist. Als sie eine Böschung hinabrutscht, fangen starke Arme sie auf. Der Mann, hinter dem die Jäger her waren, beruhigt sie.

Sie sieht, wie jung er ist. Entsetzt starrt sie auf seine blutenden Wunden, da er weder Hemd noch Schuhe trägt. Er rät ihr, nach Hause zu gehen. Sie entgegnet, ihre Mom sei tot. Er warnt sie vor der Wilden Jagd, und Moll stolpert benommen zum Haus ihrer Großeltern. Sie erzählt alles ihrer Oma, die sie tröstet. Doch wo war Hannah, die auf sie achtgeben sollte, die ganze Zeit? Moll fühlt sich von ihr verraten.

Das Abbild

Auf einem Schulausflug der Schule erblickt Moll in der alten Dorfkirche eine Statue, deren Gesicht ihr bekannt vorkommt: So sah der Mann in der vergangenen Nacht aus. Miss Shelley erklärt ihr, dies sei der Grüne Mann. Er sei das Symbol für Wiedergeburt und finde sich deshalb sogar auf manchen Grabplatten abgebildet. Es sei ein uralter Gott, der jeden Winter sterbe und im Jrühjahr wiedergeboren werde. Diese Vorstellung findet Moll grässlich. Man sollte was dagegen tun.

Wiedersehen

Als Moll später an den Ort ihrer Begegnung zurückkehrt, folgt sie einer Blutspur. Über Zäune und durch Gatter gelangt sie zu einer baufälligen Scheune, die zunächst leer zu sein scheint. Doch dann hört sie ihn: „Ich bin hier.“ Er sieht genauso schlimm aus wie gestern, doch er behauptet, es gehe ihm gut und er brauche nichts. Kaum sieht sie einmal nicht hin, ist er verschwunden. Und als sie Hannah den Grünen Mann zeigen will, ist er natürlich nicht zu erblicken. Hannah ist wütend und spottet. Molly verteidigt sich, ihre Mutter Diana, gestorben mit 39 im August, hätte ihr geglaubt. Sie wusste, dass die Welt ein seltsamer, wundervoller Ort ist.

Beim nächsten Besuch in der Scheune staunt sie: Ein Babybaum wächst neben dem grünen Mann, und Gras und Efeu wachsen da, sogar eine Glockenblume. Als sie diese nach Hause bringt, wundert sich Jack, der Gärtner: „Hm, eine Glockenblume im Oktober!“ Sie fragt ihn, ob er an Magie glaube. Er überlegt: „Ja, aber nur in Bäumen.“ Sie fragt sich, welche Wünsche ihr ein Gott wohl erfüllen würde.

Als am Samstag Dad zu Besuch, fragt sie ihn, ob sie nicht wieder bei ihm leben könne. Sie würde kochen und putzen und alles. Doch er winkt ab, dass dies nicht gutgehen würde. Ein Besuch beim Grünen Mann tröstet sie über die Zurückweisung hinweg. Sie hat eine ganze Fragenliste angefertigt. Der Baum wächst zu einer stattlichen Eiche heran, die dem Dach entgegenstrebt. Er selbst sieht jetzt älter aus. Seinen Namen weiß er nicht. Älter sei er als eine Eichel. Und ihm werde nie kalt. Na, toll.

Aber er sagt etwas Besorgniserregendes: „Der Stechpalmenkönig, mein Verfolger, wird stärker.“ Und er hustet schrecklich. Moll fragt ihn, ob er, als Gott der Wiedergeburt, auch ihre Mutter wieder lebendig machen könne. Er verschwindet. Miss Shelley sagt, der Stechpalmenkönig sei wieder Eichenkönig bzw. der Grüne Mann auch ein Gott. Er sei dessen Gegengewicht und herrsche im Herbst und Winter. Moll findet, dieser König sei böse. Und die Wilde Jagd? Von der gebe es verschiedene Geschichten.

Fortan gilt Molly Alice Brooke offiziell als plemplem. Denn sie ist die Einzige, die den Grünen Mann in der Scheune sehen kann. Aber noch ist das Jahr nicht zu Ende…

Mein Eindruck

Molly wird sogar von ihrem Dad verdächtigt, unerlaubten, ja unmoralischen Verkehr mit einem echten Mann zu haben, und schaltet die Polizei ein. In dieser komischen Episode wird natürlich kein Mann gefunden. Aber Dad ist wütend auf seine Großeltern, die angeblich die Kinder verkommen lassen. Unfreiwillig muss er sich um die Erziehung seiner Töchter kümmern, und das führt zu einer neuen, erfreulicheren Entwicklung. Es besteht also Hoffnung, dass die zwei Mädchen in die Stadt zurückkehren.

Aber wir wollen natürlich wissen, was aus dem Grünen Mann wird. Es ist völlig klar, dass er eine Einbildung Mollys ist, aber was, wenn es ihn tatsächlich gäbe? Für Molly macht es keinen Unterschied, und so stellt sie sich seinen Werdegang vor. Er kämpft im Winter mit seinem Widersacher, dem Stechpalmenkönig, wird alt unterliegt und verschwindet aus der Scheune. Doch zur Tagundnachtgleiche des Frühjahrs ist er wieder da, stark und heiter. Und er ist jetzt der Anführer der Wilden Jagd! Molly steigt auf sein feuriges Pferd, und zusammen jagen jetzt sie zur Abwechslung den Stechpalmenkönig…

Heilender Mythos

Diese Einbindung des Mythos in Mollys subjektives Erleben – alles wird im unmittelbaren Präsens erzählt – kann nur funktionieren, weil wir wissen, dass Molly sehr viel liest und sich deshalb gern in ihre fiktiven Welten verliert. Dort endet alles immer mit einem Happyend und alles hat seine Ordnung, begründet sie ihre Einstellung. Doch im Hinblick auf den Grünen Mann, der ein weitverbreiteter britischer Mythos ist, wird Molly enttäuscht: Er muss erst sterben, um im Frühjahr wiedergeboren zu werden. Man sollte etwas dagegen unternehmen, findet Moll. Denn er ist der einzige Mensch, der sie in ihrer Trauer getröstet hat, so wie es ein richtiger Vater tun sollte.

Der Auslöser für diese Phantasie ist der Tod von Mollys Mutter. Sie liebte ihre Mom Diana Elwanor Brooke sehr, und der Tod kam sehr plötzlich durch ein Aneurysma, also eine Art Gehirnschlag, als Diana gerade mal 39 Jahre alt war. So etwas ist ein enormer Schock für die junge Molly, doch die ältere Hannah reagiert völlig anders: mit Wut auf die Ungerechtigkeit der Welt. Interessanterweise sind es gleichermaßen Hannahs Wutausbrüche wie auch Mollys vermeintliches Fremdgehen mit einem Mann, die ihren Daddy dazu bringen, sich besser um sie zu kümmern.

Die eigentliche Lehre des Mythos besteht darin, dass er zwei Seiten hat. Der grüne Mann, den wir im Herbst zusammen mit Molly bedauern, weil unter dem Angriff des Stechpalmenkönigs sterben muss, ist der gleiche, der im Frühjahr wieder jung auftaucht und nun seinerseits den Stechpalmenkönig erbarmungslos als Anführer der Wilden Jagd verfolgt.

Ewiger Kreislauf

Offensichtlich lässt sich nicht sagen, dieser sei gut und jener sei böse, wenn sich doch ihre Rollen Jahr für Jahr immer wieder umkehren. Molly ist ebenso verwirrt wie wir. Und das ist der Sinn der Sache. Wir können nicht sagen, dass Mom Dianas Tod schlecht oder gut war, denn allein schon diese Kategorisierung ist gegenüber einer Naturgewalt – mythologisiert als Grüner Mann – unsinnig. Daher ist auch nicht sinnvoll, ewig zu trauern. Denn Werden und Vergehen entsprechen dem Lauf der Dinge, der dem ewigen Kreislauf (festgehalten im Mythos) gehorcht.

Der Mythos, den die Autorin in ihre Geschichte gewoben hat, ist nur notwendig, weil er eine Geschichte darstellt, die selbst kleine Kinder verstehen können, und für sie eine wichtige Lehre bereithält. Je einfacher ein Mythos, desto beständiger ist er. So wie der vom Garten Eden und einem Goldenen Zeitalter der Unschuld. So etwas hat es ja auch nie gegeben.

Die Sprecherin

Ulrike Claudia Tscharre hat eine sehr flexible und ausdrucksstarke Stimme, der man sofort anmerkt, dass sie einer Schauspielerin gehört. Hannah spricht ganz anders als die sanfte Molly, nämlich energisch und vielfach wütend. Wenn ein Mann wie Jack spricht, senkt sie ihre Tonhöhe stark ab. Sprechen die Schulkinder, gibt es immer was zu lachen.

Sie kann auch ihr Sprechtempo unvermittelt steigern oder verlangsamen, stockend oder gar im Stakkato hetzend – das ist spannend. Mit Hilfe eines Filters klingt ihre Stimme verzerrt wie durch ein altes Telefon. Kurzum: Dieser Vortrag erweckt die Geschichte und ihre Figuren zum Leben.

Die Musik

Die Musikbeiträge bilden einen wesentliche Bestandteile des Hörbuchs. Sie füllen die Pausen zwischen Szenen, erklingen aber manchmal auch im Hintergrund des Vortrags. Die Beiträge bestehen meist aus schottischen, irischen und nordenglischen Volksmusikstücken. Im Booklet sind folgende Stücke aufgeführt:

– „John Barleycorn must die“ (englisch)
– „Sally Gardens“ (irisch)
– „The Trees They Grow So High“ (englisch)
– „The Harvest Home“ (Hornpipes, irisch)
– „Molly Brannigan“ (irisch)
– „Annie Laurie“ (schottisch)
– „Bonnie At Morn“ (schottisch)
– „Peggy Gordon“ (schottisch)
– „In the Bleak Midwinter“ von Gustav Holst (1974-1934)
– „O Little Town of Bethlehem“ von Lewis H. Redner (1831-1908)

Die Musik erklingt in der Regel zwischen den Szenen des Hörspiels. Vielfach ist die Wirkung erleichternd, weil sie so heiter und beschwingt ist, manchmal aber auch besinnlich und ruhig. Als integraler Bestandteil des Hörbuchs ergänzt sie den Vortrag ideal, quasi komplementär, aber auch kontrastiv.

Unterm Strich

Wer nun meint, nur weil es um die Verarbeitung eines Todesfalls gehe, müsse die Geschichte ebenfalls todtraurig und melancholisch sein, der irrt gewaltig. Denn Molly und Hannah müssen sich mit vielen neuen Dingen auseinandersetzen und gewinnen Freunde in der Schule, die ihnen viel Spaß bereiten – oder sie total abnerven. Dazu bietet die Geschichte viele lustige Szenen, vor allem wenn sie das Thema des Grünen Mannes ironisch durch die Brille der zynischen Vernunft beleuchten.

So bilden Humor, Phantasie, Musik und Mythos ein unterhaltsames und lehrreiches Gewebe aus vielerlei Themen. Man sollte allerdings ein wenig Aufgeschlossenheit gegenüber alten geschichten und Phantasie aufbringen, sicherlich auch gegenüber britischer Folk Music – die im Übrigen ausgezeichnet dazu passt. Am Schluss ist Moll gewachsen, körperlich wie auch seelisch, und wir begleiten sie bei diesem Prozess und ihrer seelischen Reifung.

Das Hörbuch

Die als Schauspielerin ausgebildete Sprecherin erweckt die Figuren zum Leben und kann ebenso gut dynamische Szenen schaffen, die den Hörer in ihren Bann schlagen. Soe muss ein Vortrag sein. Die ideale Ergänzung bildet die Musik. Sie besteht vielfach aus nordenglischen (dem Schauplatz der Handlung), schottischen und irischen Volksweisen, ergänzt durch zwei weitere Stücke.

Im Lied „John Barleycorn Must Die“ steckt eine weitere Verkörperung des Grünen Mannes. Es gibt unzählige Aufnahmen davon, doch diejenige, die die Gruppe Traffic (mit Steve Winwood als Sänger) in den Siebzigern aufnahm, ist eine der besten und längsten.

4 Audio-CDs mit 233 Minuten Spieldauer
Originaltitel: Season of Secrets
Aus dem Englischen übersetzt von Birgitt Kollmann
ISBN-13: 978-3893533381

http://www.oetinger.de

_Sally Nicholls bei |Buchwurm.info|:_
[„Wie man unsterblich wird – Jede Minute zählt“ (Hörspiel)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6118

Jujja Wieslander – Mama Muh liest

Worum gehts?

Mama Muhs beste Freundin Krähe ist der Meinung, dass Kühe gar nicht lesen können. Doch Mama Muh belehrt sie eines Besseren, denn für sie gibt es keine schönere Beschäftigung, als den lieben langen Tag zu lesen. Krähe findet, Mama Muh sollte lieber Fahrradfahren oder auf Bäume klettern, ganz normale Sachen eben, doch dann hat sie plötzlich eine Idee…

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Susanne Weber – Die kleine Eule fliegt zu den Sternen

Worum gehts?

Abends, wenn es dunkel wird, hoch oben am Himmelszelt di Sterne stehn. Genau zu dieser Tageszeit, bewundert die kleine Eule das Gefunkel und Glitzern hoch über ihr. Sie möchte so gerne zu den Sternen gelangen, doch da gibt es ein kleines Problem – sie kann noch nicht fliegen. Da gibt es nur eine Lösung, sie muss am besten glich sofort mit dem Fliegenüben beginnen.

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Jujja Wieslander – Mama Muh feiert Weihnachten

Worum gehts?

Bald ist Weihnachten. Mama Muh ist schon voller Vorfreude und ganz aufgeregt. Ihre beste Freundin die Krähe war sogar so aufgeregt, dass sie es gar nicht abwarten konnte bis Weihnachten und schon all ihre Geschenke vor Heiligabend ausgepackt hat. Sie hat aber nicht an die Folge gedacht, dass sie an Weihnachten nun nichts mehr zum Auspacken hat und ist betrübt. Zum Glück hat Mama Muh noch eine Idee für die Krähe.

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P. B. Kerr – Das Akhenaten-Abenteuer (Die Kinder des Dschinn 1)

Archäologie-Krimi für Jugendliche

Eigentlich dachten John und Philippa, sie seien ganz normale Kinder. Bis ihnen ihre Weisheitszähne entfernt werden und plötzlich unerklärliche Dinge passieren. Denn John und Philippa sind keineswegs wie alle anderen Zwölfjährigen. Sie sind Dschinn. Und ehe sie so recht wissen, wie ihnen geschieht, landen sie mitten in einem unglaublichen Abenteuer.

Nach London und Ägypten und sogar bis an den Nordpol geht ihre Reise, um die siebzig verschwundenen Dschinn des Pharaos Akhenaten (Echnaton) wiederzufinden. Denn nur so kann es John und Philippa gelingen, die Menschen vor der bösen Macht der Ifrit zu beschützen …(Verlagsinfo)

Der Autor

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Mein Bilderbuchschatz. Die schönsten Geschichten zum Kuscheln und Träumen


Zehn Geschichten in einem Buch…

…machen dieses Buch in der Tat zu einem wahren Bilderbuchschatz. Diese zehn unterschiedlich langen Geschichten laden ein zum Vorlesen, Kuscheln und Träumen. Ein weiteres Highlight sind die tollen Illustrationen, die den verschiedenen Abenteuern den letzten Schliff verpassen und das Buch einmal mehr abrunden.

Inhalt

Die einzelnen Titel der Geschichten und ihre Autoren:

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John Dickson Carr – Das verhexte Haus

Carr Verhextes Haus Cover kleinDas geschieht:

Nach einem erfolgreichen Berufsleben plant Fabrikant Martin Clarke, sich in England zur Ruhe setzen. Er will unbedingt ein echtes Spukhaus erwerben und hat Glück: Longwood House, erbaut 1605 in der Grafschaft Essex, gilt als verflucht, nachdem dort 1820 der Arzt und Alchimist Dr. Norbert Longwood unter mysteriösen Umständen zu Tode kam. Ein Jahrhundert später erschlug ein riesiger Kronleuchter einen unglücklichen Diener. Seither steht das Haus leer.

Im Frühsommer des Jahres 1937 zieht Clarke ein und lädt sechs Gäste zu einer „Gespenstergesellschaft“. Der Autor Robert Morrison wird von seiner Braut Tess Fraser begleitet, der Geschäftsmann Archibald Bentley Logan von seiner Gattin Gwyneth. Mit dabei sind außerdem der Architekt Andy Hunter und der Anwalt Julian Enderby. John Dickson Carr – Das verhexte Haus weiterlesen

L. Frank Baum – Der Zauberer von Oz

Uralt-Übersetzung wunderbar vorgetragen

Ein Wirbelsturm hat Dorothy und ihren Hund Toto ins Land Oz geweht. Nur der Zauberer von Oz, der Herrscher des Landes, kann ihr helfen, zurückzufinden. Auf dem Weg zu ihm begegnen die beiden einer Vogelscheuche, einem Holzfäller aus Blech und einem feigen Löwen. Doch damit nicht genug: Das größte Wunder erwartet sie in der Smaragdstadt, wo der Zauberer bereits auf sie wartet … (Verlagsinfo)

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Suzanne Collins – Flammender Zorn (Die Tribute von Panem 3)

Die Tribute von Panem:

Band 1: „Tödliche Spiele“
Band 2: „Gefährliche Liebe“
Band 3: „Flammender Zorn“

_Mit dem Werk „Flammender Zorn“_ findet Suzanne Collins‘ erfolgreiche Buchreihe „Die Tribute von Panem“ nun ihr Ende.

_Nachdem die Geschichte_ in „Gefährliche Liebe“ ein plötzliches Ende fand, als es Katniss und ihren Mitstreitern gelang, die Arena der grausamen Hungerspiele in die Luft zu jagen, Katniss nur in letzter Sekunde gerettet werden konnte und sich plötzlich in einem Luftschiff der Widerstandsorganisation wiederfand, werden die Geheimnisse der Rebellen nun gelüftet. Nicht nur ihr vermeintlicher Mentor Haymitch, dem die Jugendlichen vertrauten, sondern auch Tribute aus anderen Distrikten und sogar eingeschleuste Politiker des Kapitols gehören zu den Rebellen, die alles von langer Hand geplant haben, um dem Kapitol einen entscheidenden Schlag zu versetzen.

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Paul Maar – Lippels Traum

Der zehnjährige Phillipp, von allen „Lippel“ genannt, liebt vor allem Sammelbilder und Bücher und besucht gern seine Freundin Frau Jeschke, eine ältere Frau aus der Nachbarschaft. Eines Tages kommen zwei neue Mitschüler in Lippels Klasse. Das Mädchen Hamide und ihr Bruder Arslan stammen aus der Türkei. Im Gegensatz zu Hamide kann Arslan nicht viel deutsch, weshalb er nur wenig spricht. Kurz darauf müssen Lippels Eltern zu einem Kongress nach Wien verreisen. Damit Lippel in der Zeit nicht alleine bleibt, stellen sie die pingelige Frau Jakob, die Bekannte einer Freundin, als Babysitterin ein.

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Mark Haddon – Boom!

Spadwetsch! Die Aliens sind unter uns

Das ziemlich eintönige Leben des 13-jährigen Jim ändert sich schlagartig, als er und sein Freund Charlie einer mysteriösen Verschwörung auf die Spur kommen. Warum reden die Lehrer in einer Geheimsprache miteinander? Als Jim und Charlie ihnen folgen, landen sie plötzlich in einer fremden Galaxie, auf dem Planeten Plonk. Und damit beginnt das Abenteuer: Denn sie müssen nicht nur ihre Lehrer retten, sondern die ganze Welt … (Verlagsinfo)

Der Autor

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Suzanne Collins – Tödliche Spiele (Die Tribute von Panem 1)

Im Auftaktband „Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele“ erzählt Suzanne Collins von einem zerstörten Nordamerika in einer düsteren Zukunft. Kriege und Hungersnöte haben das Land zerstört, die überlebenden Menschen leben in Distrikten. Jeder der zwölf Distrikte hat etwas Besonders an sich und konzentriert sich auf seine produktive Stärke. Es gibt einen Distrikt, der sich auf Bergbau spezialisiert hat, ein anderer widmet sich ganz der Landwirtschaft, der nächste der technischen Produktion von elektronischen Gütern oder Waffen.

Panems 13. Distrikt wurde vom „Kapitol“, dem imperialen Machtzentrum, zerstört. In diesem Distrikt rebellierten die Einwohner gegen das Regime, und es rächte sich, indem der Distrikt ausgelöscht wurde. Das Exempel verfehlte seine Wirkung nicht, die anderen Distrikte verstanden die Warnung, dass Rebellion im Keim erstickt wird. Doch auch die verbliebenen Distrikte mussten von nun an ihren Tribut an das „Kapitol“ mit einem Blutzoll entrichten, denn kurz nach der Zerstörung des 13. Distrikts wurden die „Hungerspiele“ ins Leben gerufen.

Nun müssen Jahr für Jahr die zwölf Distrikte zwei „Tribute“ – Jugendliche im Alter zwischen zwölf und achtzehn Jahren – in einer großen Arena auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen lassen. Den Überlebenden und dessen Familie erwartet dann ein erfülltes und sicheres Leben, kein Hunger, keine Angst – reich und berühmt für den Rest des Lebens. Auf die anderen warten nur der Tod und unglückliche Familien, die ihre Kinder in einer Unterhaltungsshow verloren haben. Die „Hungerspiele“ werden rund um die Uhr live im nationalen Fernsehen übertragen. Der Kampf, die Angst, die Verzweiflung und der grausame Tod werden den Zuschauern und natürlich auch den Angehörigen live vor Augen geführt.

Als Prim, die jüngere Schwester von Katniss, aus dem 12. Distrikt ausgelost wird, stellt sich Katniss vor ihre Schwester und nimmt ihren Platz als Freiwillige ein. Als männlicher Part des Distrikts wird Peeta, der Sohn des hiesigen Bäckers, ausgelost. Die anderen jugendlichen Tribute kennt das Duo nicht. Katniss, die immer für ihre Familie die Versorgung übernommen hat, indem sie Kleintiere jagte, rechnet sich keine großen Chancen auf einen Sieg aus.

In der Vorbereitungszeit gibt es Trainingseinheiten und die Chance für die Tribute, ihre Fähigkeiten auszubauen. Als Mentoren für die ausgelosten Tribute fungieren ehemalige Sieger der Hungerspiele. Es ist ein Medienspektakel, und genauso, wie sich Sponsoren für die kämpfenden Jugendlichen einfinden, werden hier auch Wetten darüber abgeschlossen, wie die diesjährigen Hungerspiele ausgehen werden. Interviews mit den Tributen und eine Zurschaustellung der Kombattanten dienen der Unterhaltung. Die Diktatur überlässt nichts dem Zufall, alles dient nur dazu, die Macht des Kapitols zu präsentieren. Ihre Spielmacher, die sich die Fallen in der Arena einfallen lassen, um das Publikum zu begeistern, verstehen ihr tödliches Handwerk.

Als die tödlichen Spiele beginnen, muss Katniss in der Arena entweder töten oder sie wird getötet …

_Kritik_

Auch wenn „Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele“ ein Buch für Jugendliche ist und so vor allem die Zwölf- bis Sechzehnjährigen ansprechen soll, ist es doch mehr als eines unter vielen ähnlich gelagerten Jugendbüchern und schlägt eine deutlich andere Gangart an.

Die Thematik, die Suzanne Collins aufgreift, ist vielschichtig und spiegelt auch unsere Gesellschaft wider. Die Macht der Medien, Manipulation und Unterdrückung finden hier ebenso ihren Platz wie ethische und moralische Werte, Pflicht- und Mitgefühl gegenüber anderen, vor allem schwächeren und benachteiligen Personen. Der Roman erzählt primär die spannende und sehr ergreifende Geschichte von Katniss und Peeta, aber auch die durchaus zahlreichen Nebenfiguren haben ihren bemerkenswerten Auftritt und bleiben dem Leser auch nach dem literarischen Tod noch lange im Gedächtnis.

Die Story wird ausschließlich aus der Perspektive von Katniss geschildert. Der Leser hat nun die Möglichkeit, Katniss‘ Weg in die Arena mitzuerleben, so dass ihre Emotionen sehr greifbar und realistisch nachklingen, wenn sie von ihrer Angst und Verzweiflung erzählt, aber auch ihrer Wut freien Lauf lässt. Die Sympathie für ihre Figur entwickelt sich im Laufe der Handlung, und auch ihre persönliche Entfaltung ist nachvollziehbar, auch wenn Katniss oft unsicher und naiv wirkt. Peeta verhält sich zunächst zurückhaltend, aber seine Persönlichkeit birgt starkes Potenzial, und es dauert nicht lange, bis seine Fähigkeiten an die Oberfläche drängen. Er weiß, was er tut, und er spielt in der Arena nach seinen eigenen Regeln.

Spannung sowie viel Raum für Gesellschaftskritik und einen Ausblick in eine nicht allzu ferne Zukunft versprechen ein außergewöhnliches Lesevergnügen. Menschliche Abgründe und ein perverser Voyeurismus, aber auch bedingungslose Liebe sowie Verantwortung gegenüber anderen sind der Tenor des Romans. Die Hungerspiele sollen den Einwohnern der Distrikte aufzeigen, wo sie in einer totalitären Gesellschaft stehen. Einschüchterung, Angst und Brutalität sind die Noten dieser grausamen Melodie, aber auch in dieser Dunkelheit flammt am Ende ein Hoffnungsfunke auf, denn Katniss ist nicht gewillt, sich kontrollieren und manipulieren zu lassen. Doch ihre Entscheidung wird Folgen haben, die sie sich zunächst nicht ausmalen kann. Entscheidungen schlagen immer Wellen, und selbst wenn man vor den Konsequenzen davonläuft, werden sie einen immer wieder ein- und überholen.

„Brot und Spiele“ verlangen nach einer blutigen Show, doch die Autorin verzichtet auf detailreiche Beschreibungen der Tötungen. Zwar fließt hin und wieder Blut, doch die Autorin umschifft diese Klippe und konzentriert sich auf die Emotionen von Katniss und den anderen Tributen. Actionreich ist „Die Tribute von Panem“ nur phasenweise, doch auch die Vorbereitungen für den finalen Kampf in der Arena sind spannend und der Leser erhält einen Überblick über die Fähigkeit und Talente der anderen Kandidaten.

Suzanne Collins Erzählstil ist äußerst pragmatisch zu nennen. Der Aufbau ihrer Sätze ist zumeist kurz und anfangs gewöhnungsbedürftig. Ich hätte mir manchmal mehr Erklärungen zu einzelnen Situationen und Szenen gewünscht, oftmals mangelte es mir an Details, zu schnell wechseln die Szenen. Auch die Vergangenheit Panems, die Entwicklung der Distrikte, die Macht des Kapitols, die früheren Kriege in Nordamerika sowie die Erklärung der anderen Distrikte bleiben (noch) im Verborgenen. Zudem wäre es vorteilhaft gewesen, wenn der Roman nicht nur aus der Sicht von Katniss erzählt worden wäre, sondern vielleicht auch die Perspektive der Zuschauer, der Angehörigen der Kandidaten und zuletzt der Spielmacher berücksichtigt worden wäre. Diese eindimensionale Perspektive ist zwar spannend, aber nicht sonderlich informativ gewählt.

_Fazit_

„Die Tribute von Panem . Tödliche Spiele“ ist der erste Roman einer geplanten Trilogie von der Autorin Suzanne Collins. Selten habe ich einen Jugendroman gelesen, der sich so ernsthaft mit gesellschaftlichen Themen befasst und zugleich eine Spannung entwickelt, der man sich nur schwerlich entziehen kann. Suzanne Collins versteht ihr Handwerk, und nach Ende des ersten Teils wird man es nicht vermeiden können, gleich den zweiten Band zur Hand zu nehmen, in dem das Schicksal von Katniss fortgeführt wird.

Emotional und spannend, regt der Roman auch zum Nachdenken an. Zwischen den Zeilen wird so mancher Gedanke transportiert, und auch die bei Jugendlichen oft von hormongelenkten Emotionen durcheinandergewirbelte Welt lässt es zu, dass sich der junge Leser gut mit Katniss oder Peeta identifizieren kann. In „Die Tribute von Panem“ verschwimmen die Grenzen zwischen Gefühl und Verstand, und wie so oft liegt in der Liebe die Antwort zu allen Fragen.

Dieser Roman verdient in der Summe ein Platin-Prädikat und wird sich neben den Bestsellerlisten in so mancher Diskussion wiederfinden. Ein Jugendbuch, das Spannung verspricht und nicht damit enttäuscht, und zudem noch viel Potenzial für Diskussionen und eigene Gedanken einbringt – was will man mehr? Ganz klar: Mit Sicherheit den zweiten Teil lesen – „Die Tribute von Panem. Gefährliche Liebe“.

_Die Autorin_

Suzanne Collins (* 1962 in New Jersey) ist eine in Connecticut ansässige Autorin für Cartoons und Kinder- und Jugendliteratur. Collins schreibt seit 1991 sehr erfolgreich für das US-amerikanische Kinderfernsehen. Mit den Abenteuern von Gregor und seiner kleinen Schwester Boots veröffentlicht sie seit 2003 ihre ersten eigenen Kinderbücher, die in den USA schon bald auf Empfehlungslisten für Kinderliteratur erschienen und bereits in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Collins wurde für „Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele“ mit dem |Buxtehuder Bullen| 2009 ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 nominiert.

Originaltitel: The Hunger Games 1. The Hunger Games
Aus dem Amerikanischen von Peter Klöss und Sylke Hachmeister
414 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Empfohlen ab 14 Jahren
ISBN-13: 978-3-7891-3218
http://www.dietributevonpanem.de
http://www.oetinger.de

Conor Kostick – Epic

Story

Nach einer gewaltigen Explosion auf der alten Erde sah sich das Zentrale Lenkungskomitee auf Neuerde dazu gezwungen zu handeln. Beschlossen wurde fortan, dass alle Probleme, die sich dort ergeben, nur noch in der virtuellen Welt des Computer-Rollenspiels ‚Epic‘ gelöst werden sollen,und dies in der dortigen Arena.

Erik und seine Familie sind von dieser Entscheidung auch betroffen und müssen auch schon erste Opfer bringen. Seine Mutter war der Epic-Welt nicht mehr gewachsen, und auch Erik selber hat unlängst ein weiteres Leben in der Cyberwelt verloren. Ihm bleibt nur noch die eine Chance, mittels eines weiteren selbst kreierten Charakters in ‚Epic‘ zu bestehen und das Zentrale Lenkungskomitee zu besiegen, und hierfür greift er auf recht unkonventionelle Mittel zurück.

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