Schlagwort-Archive: C. Bertelsmann

Jodi Picoult – Kleine große Schritte

Ruth Jefferson ist Hebamme und Krankenschwester aus Überzeugung und mit Herzblut. Seit über 20 Jahren arbeitet sie im Mercy West Krankenhaus und hat schon unzähligen Babys auf die Welt geholfen. Doch eines Tages möchte sie den neugeborenen Sohn eines Paares versorgen, das sich äußerst merkwürdig verhält. Als sie das Zimmer betritt, liegt direkt eine Spannung in der Luft. Schnell untersucht sie den Jungen, doch als sie die frisch gebackene Mutter untersuchen möchte, wird ihr das verweigert. Später bittet ihre Vorgesetzte sie, das Baby auf Wunsch des Vaters nicht mehr anzufassen – denn Ruth ist schwarz, der Vater des neugeborenen Jungen aber ein Rassist.

Ruth ist verletzt und gekränkt, beugt sich dem Wunsch der Eltern aber – bis sie eines Tages in einer personellen Notsituation auf den Jungen aufpassen muss und bemerkt, dass dieser aufgehört hat zu atmen. Ruth gerät in einen Gewissenskonflikt – sie kann das Kind nicht einfach sterben lassen, darf es aber eigentlich nicht anfassen. Nach kurzem Zögern beginnt sie mit der Wiederbelebung, doch alle Hilfe kommt zu spät. Der Junge stirbt. Als der wütende und trauernde Vater das Krankenhaus verklagen will, rät die Krankenhausanwältin ihm, sich an die behandelnde Krankenschwester zu wenden. Und so muss sich Ruth einem Prozess stellen, der ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Des Nachts wird sie im Nachthemd von bewaffneten Polizisten abgeführt, die Arbeitserlaubnis wird ihr entzogen. Doch die Pflichtverteidigerin Kennedy McQuarrie nimmt sich des Falls an und will für Ruth einen Freispruch erwirken.

Im Prozess steht dann die Frage im Raum, ob Ruth den Jungen hätte helfen können oder gar aktiv zu seinem Tod beigetragen hat. Doch unterschwellig geht es um Rassismus und die Frage, was passiert wäre, wenn Ruth weiß wäre…

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Rike Drust – Muttergefühle. Zwei: Neues Kind, neues Glück

Rike Drust hat es gewagt – das zweite Kind, obwohl das erste doch bereits so schwierig war. Angefangen von der Geburt über sein Schlafverhalten bis hin zu seinen ausgeprägten Trotzphasen. Doch beim zweiten Kind ist alles besser, selbst der Kaiserschnitt war in der geplanten Version längst nicht so schlimm wie in der Notfallvariante und auch „die Kleine“ ist wesentlich lieber, sozial verträglicher und insgesamt viel einfacher als „der Große“. Nach der Geburt schwebt Rike Drust auf einer heimeligen Wolke voller schöner Hormone und kann ihr zweites Mutterglück kaum fassen.

Aber natürlich ist nicht alles so rosa – nur zu häufig fühlt sie sich als fürsorgliche Mutter und in Teilzeit arbeitende Hausfrau nicht entsprechend von „dem Mann“ gewürdigt. Immer wieder knallt es, und all das bei extremem Schlafmangel, der einfach nicht weichen will und Rike Drust dunkle Augenringe ins Gesicht zaubert. Und doch: Ihre Familie macht sie einfach glücklich!

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Jürgen Todenhöfer – Inside IS – 10 Tage im ‚Islamischen Staat‘

Sie sitzen uns noch arg im Nacken, die Terroranschläge in Paris, bei denen die westliche Welt nicht nur auf empfindliche Weise getroffen wurde, sondern die uns auch gezeigt haben, wie verwundbar und ohnmächtig selbst diejenigen Bürger sind, die sich in ihrer hiesigen Heimat in Sicherheit wähnen. Das Phänomen des Islamischen Staates, jener Organisation, die sich relativ schnell zu den Attentaten bekannt hat, ist nicht erst seit gestern ein Thema, das Politik und Gesellschaft gleichermaßen beschäftigt. Tagtäglich werden in Syrien und im Irak unzählige Menschen Opfer der radikalen Gesinnung jenes selbst ernannten Kalifats, das sich mit aller brutalen Macht über all jene hinwegsetzt, die der mittelalterlichen Interpretation des Islams nicht folgen. Und dennoch scheint all das immer so weit entfernt bzw. schien es das – bis eben an jenem 13. November dieses Jahres 130 unschuldige Menschen mit Waffengewalt aus dem Leben gerissen wurden.

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[NEWS] Kazuaki Takano – Extinction

Ist die nächste Stufe der Evolution das Ende von uns allen?

Jonathan Yeager wird im Auftrag der amerikanischen Regierung in den Kongo geschickt. Bei einem Pygmäenstamm sei ein tödliches Virus ausgebrochen. Die Verbreitung muss mit allen Mitteln verhindert werden. Doch im Dschungel erkennt Yeager, dass es um etwas ganz anderes geht: Ein kleiner Junge, der über unglaubliche Fähigkeiten und übermenschliche Intelligenz verfügt, ist das eigentliche Ziel der Operation. Kann es sein, dass dieses Geschöpf die Zukunft der Menschheit bedroht? Yeager weigert sich, das Kind zu töten. Er setzt alles daran, den Jungen in Sicherheit zu bringen. Eine gnadenlose Jagd auf die beiden beginnt. (Verlagsinfo)

Broschiert: 560 Seiten
Originaltitel: Genocide
C. Bertelsmann

Nicci French – Eisiger Dienstag

Worum gehts?

London. In der Wohnung einer psychisch Kranken wird die Leiche eines Mannes entdeckt. Der Tote, der seine Mitmenschen durch seinen Charme der Reihe nach um den Finger wickelte, heißt Edward Green. Doch sein Unwesen trieb er unter einer anderen Identität: Robert „Bob“ Poole. Stellt sich nur die Frage, ob die Bewohnerin der Wohnung auch die Täterin war.

Frieda Klein unterstützt auch in diesem Fall wieder die Polizei. Wie vermutet, sind nicht alle begeistert davon, zumal in einem früheren Fall eine unschuldige Studentin Friedas wegen sterben musste. Und obwohl sie schon bald eine furchtbare Vermutung hat, verfolgt die Presse sie mit einer Hetzjagd.


Inhalt

Die Sozialarbeiterin Maggie Brennan ist gerade auf dem Weg nach Deptford, in die Wohnung von Michelle Doyce. Als sie in der Wohnung der psychisch kranken Frau ankommt, schlägt ihr ein unangenehmer Geruch entgegen und auch Michelle verhält sich auffällig merkwürdig und redet die ganze Zeit von „ihm“. Nachdem Maggie darum gebeten hat, „ihn“ einmal kennenzulernen, bleibt ihr fast das Herz stehen. Im Wohnzimmer sitzt eine Männerleiche angezogen und in aufrechter Sitzposition auf dem Sofa. Die erste Vermutung ist selbstverständlich, dass Michelle Doyce hinter dieser grausamen Tat steckt, und Frieda Klein wird zur Hilfe gebeten.

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Nicci French – Blauer Montag

Worum gehts?

Die Psychologin Frieda Klein hat ihre eigene kleine Praxis im Herzen von London. Alan ist nur einer ihrer zahlreichen Patienten. Sein größtes Problem besteht in einem unerfüllten Kinderwunsch. Da ihm das so dermaßen zusetzt, nimmt er regelmäßig an Sitzungen bei Frieda Klein teil und redet mit ihr über all die Dinge, über die er mit sonst niemandem reden kann.

Als der fünfjährige Matthew plötzlich verschwindet, ist die ganze Stadt in heller Aufregung. Auch Frieda stößt in der Zeitung auf diese Meldung und traut ihren Augen kaum, als sie ein Foto des kleinen Jungen sieht, denn Matthew sieht haargenau so aus, wie Alan ihr sein Wunschkind in einer ihrer Therapiestunden beschrieben hat. Ist ihr unscheinbarer Patient Alan etwa der Entführer dieses Kindes?


Inhalt

Die ganze Stadt ist entsetzt, als die Meldung von der Entführung eines kleinen Jungen Londons Tageszeitungen erreicht. Auch Frieda Klein erfährt von dieser Entführung und ist zunächst geschockt und verunsichert zugleich. Denn erst neulich hat einer ihrer Patienten sein Wunschkind beschrieben, das dem kleinen Matthew wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Sie fragt sich nun, ob es sich bei dem unscheinbaren Alan um den Entführer handeln könnte, und ist fest entschlossen, etwas zu unternehmen. Das Wichtigste dabei ist, das Vertrauen des Patienten ihr gegenüber nicht zu gefährden, und dies benötigt viel Fingerspitzengefühl.
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[NEWS] NICCI FRENCH: Eisiger Dienstag

Eisiger DienstagNicci French veröffentlicht bei C. Bertelsmann einen neuen Fall für Frieda Klein:

In der Wohnung einer psychisch Kranken wird ein Toter gefunden: Edward Green, alias Robert Poole, der zu seinen Lebzeiten den Mitmenschen mit Charme und Charisma Alltag und Bankkonto erleichterte. Wieder einmal unterstützt die Psychotherapeutin Frieda Klein die Polizei bei den Ermittlungen. Das wird nicht überall gern gesehen. Zumal die Leiche einer jungen Studentin aufgefunden wird, die durch Kleins Fehleinschätzung ums Leben kam. Die Presse veranstaltet eine Hetzjagd auf sie. Aber sie trotzt allen Anfeindungen und hat bald eine schreckliche Vermutung. Und die Suche nach Pooles Mörder bringt auch sie in Lebensgefahr… Ein intelligenter Thriller aus einem London, wie es nur wenige von uns kennen.

Nicci French – hinter diesem Namen verbirgt sich das Ehepaar Nicci Gerrard und Sean French. Seit langem sorgen sie mit ihren höchst erfolgreichen Psychothrillern international für Furore. Die beiden leben in Südengland. „Eisiger Dienstag“ ist der zweite Band der neuen 8-teiligen Krimireihe. Zuletzt erschien „Blauer Montag“ – der erste Fall für die Therapeutin Frieda Klein.
(Verlagsinfos)

Originaltitel: Tuesday’s Gone
Originalverlag: Michael Joseph (Penguin Group), London 2012
Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller
Deutsche Erstausgabe
Paperback, Klappenbroschur, 528 Seiten
ISBN: 978-3-570-10083-7

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.

Der Titel ist zeitgleich bei Random House Audio als Lesung von Andrea Sawatzki auf 6 CDs erschienen.

Nicci French auf Buchwurm.info:
„In seiner Hand“
„Das rote Zimmer“
„Der Sommermörder“
„Der falsche Freund“
„Der Feind in deiner Nähe“

Melanie Benjamin – Alice und Ich

„Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll ist wohl eins der bekanntesten Kinderbücher. Gerade wurde es von Tim Burton neu verfilmt und ist im Frühjahr mit Stars wie Johnny Depp oder Anne Hathaway im Kino erschienen. Doch über die Entstehung des Buches wissen wohl die wenigsten etwas. Auch nicht darüber, dass es diese Alice tatsächlich gegeben hat. Diesem Umstand nimmt sich die Amerikanerin Melanie Benjamin an. In „Alice und ich“ beschreibt sie das Leben der echten Alice im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.

Alice Liddell wächst behütet und sorglos in einer Dekansfamilie in Oxford auf. Sie und ihre zwei Schwestern, die ältere Ina und die jüngere Edith, pflegen eine lockere Freundschaft mit Mr. Dodgson, einem Mathematikdozenten. Sie machen häufig Ausflüge mit dem herrischen Kindermädchen Mrs. Prick und Mr. Dodgson zückt dann gerne seine Kamera, um die Kinder zu fotografieren. Besonders Alice mit ihrem lebendigen Charakter und ihrer Altklugheit hat es ihm angetan. Und auch Alice mag Mr. Dodgson sehr gerne, doch da ist sie nicht alleine. Mit ihren Geschwistern buhlt sie um dessen Gunst, nicht ahnend, wohin das später führen wird.

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Ellis Kaut – Meister Eder und sein Pumuckl

Der erste Pumuckl-Band umfasst folgende Geschichten:

„Spuk in der Wekstatt“:

Der Meister Eder ist ein freundlicher älterer Herr, der seit vielen Jahren eine Schreinerwerkstatt führt. Bei den Kunden ist er für seine sorgfältige Arbeit und seine Gutmütigkeit beliebt. Ab und zu trifft er sich mit befreundeten Handwerkskollegen auf einen Stammtisch, ansonsten lebt er zurückgezogen und recht einsam. Eines Tages fällt Meister Eder auf, dass ständig Gegenstände verschwinden oder herunterfallen, obwohl er sich nicht erinnern kann, dass er sie auch nur berührt hätte. Er schiebt die Vorfälle auf seine Vergesslichkeit – bis er an einem Leimtopf einen Kobold entdeckt. Der kleine Kerl mit dem roten Wuschelkopf heißt Pumuckl und spukt seit einiger Zeit in der Werkstatt herum. Bisher war er unsichtbar, doch wenn ein Kobold an etwas hängen- oder klebenbleibt, wird er zwangsläufig sichtbar. Außerdem muss er bei dem Menschen bleiben, der ihn gesehen hat. Für Meister Eder beginnt eine aufregende Zeit mit seinem neuen Gefährten, der natürlich jede Menge Unsinn anstellt …

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French, Nicci – falsche Freund, Der

_Das Stalker-Opfer ist nicht machtlos_

Eine kurze Liebesaffäre entwickelt sich zu einem mörderischen Albtraum: Mirandas neuer Freund, mit dem sie Schluss gemacht hat, schleicht sich als Freund ihrer Schwester Kerry zurück in ihr Leben, spioniert sie aus, verbündet sich mit ihrer Familie, verdrängt sie aus ihrer Wohnung.

Keiner glaubt Miranda, dass Brendan ein Schwein ist und sich an ihr rächen will, bis es zu spät ist. Sie ist offensichtlich von ihm besessen. Es müssen zwei ihr liebe Menschen sterben, bevor Miranda verzweifelt zurückschlägt.

_Die Autoren_

„Nicci French“ ist das kombinierte Pseudonym der Londoner Autorin Nicci Gerrard mit weitreichenden psychologischen Kenntnissen und des Journalisten Sean French. Die beiden haben mit „Höhenangst“ und vor allem mit dem genialen [„Sommermörder“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1679 viele Fans unter Thrillerfreunden gewonnen. Das Paar lebt mit seinen Kindern im Süden von London. Neuester Roman: „Catch me when I fall“ (11/2005).

_Handlung_

Miranda Cotton ist schon an die 30, aber immer noch unverheiratet, so dass sich ihre Mutter Marcia schwere Sorgen macht. Aber Miranda ist ziemlich selbständig, hat einen festen Job in einem Maler- und Tapeziergeschäft. Sie kann es sich leisten, unverheiratet zu sein. Als sie ihrem Kurzzeit-Freund Brendan Block den Laufpass gibt, denkt sie sich nichts dabei und vergisst das Arschloch und dessen seltsames Lächeln. Er hat nämlich ihr geheimes Tagebuch gelesen, ohne sie zuvor zu fragen. Sowas kann sie nicht verzeihen. Und ständig nennt er sie „Mirrie“. Als wäre sie noch ein kleines Kind.

Doch dann taucht Brendan wieder auf: an der Seite ihrer älteren Schwester Kerry! Die willensschwache Reisekauffrau Kerry sieht total happy aus. Auch ihre Mutter ist total happy: Endlich muss sie sich nicht mehr um ihre Tochter sorgen. Beide sind hingerissen von dem freundlichen jungen Mann, doch Miranda hört etwas anderes: Brendan flüstert ihr ein obszönes Kompliment ins Ohr. Sie taumelt ins nächste Klo, um sich die Seele aus dem Leib zu kotzen.

Das ist erst der Anfang von Brendans Rachefeldzug. Das junge Paar braucht ein neues Domizil, und weil das Elternhaus gerade renoviert wird und man warten muss, bis eine andere Wohnung frei wird, bitten Kerry und Brendan die liebe Miranda, bei ihr vorübergehend bleiben zu dürfen. Doch dort geht der heimliche Terror Brendans erst richtig los. Schon bald zieht Miranda zu ihrer besten Freundin Laura und deren Freund Tony. Dafür zieht Mirandas geliebter Bruder Troy bei Kerry und Brendan ein.

Als Miranda herausbekommt, dass Brendans Lebenslauf von vorne bis hinten erlogen und er im Grunde nur ein Schnorrer ist, wirft sie ihm diese Lügen im trauten Familienkreis vor. Er schlägt auf ebenso raffinierte wie fiese Weise zurück, indem er ein intimes Geheimnis aus ihrem Tagebuch preisgibt. Kerry ist geschockt – will Miranda ihr nun auch Brendan wegnehmen? Miranda scheint erst einmal schachmatt gesetzt zu sein. Ihr neuer Freund Nick jedenfalls hält ihre Obsession mit Brendan nicht mehr aus.

Allmählich beginnt sich Miranda auch Sorgen zu machen, dass Brendans Ziel nicht nur sie selbst sein könnte, sondern auch alles, was sie liebt – nämlich ihren Bruder Troy und ihre beste Freundin Laura. Als er ihr auch dies nimmt, ohne dass die Polizei reagiert, schlägt sie verzweifelt zurück. Kann sie ihn aber mit seinen eigenen Waffen schlagen oder muss sie zu anderen Mitteln greifen?

_Mein Eindruck_

Wie so viel Romane von Nicci French, liest sich auch „Der falsche Freund“ locker und flüssig, und die Spannung baut sich langsam, aber unerbittlich auf. Der leise und versteckte Terror, den Brendan ausübt, lässt Miranda immer beklommener werden, bis sie ausrastet – was natürlich von ihrer Familie und ihren Freunden bloß als Hysterie ausgelegt wird. Denn Brendan ist doch so nett zu allen. Dass er Kerry ausbeutet und betrügt, will niemand wahrhaben. Doch was kann eine einzelne junge Frau schon tun, um sich und ihre Lieben zu schützen?

|Es gibt keine Wahrheit|

Es heißt seit der Offenbarung des Johannes, die Wahrheit mache einen frei. Doch wie sieht es aus, wenn niemand die Wahrheit sehen will? Oder jedenfalls so wie Miranda. Zunehmend fassungslos muss Miranda erleben, wie sich ihre Familie, ihre Freunde und offensichtlich auch die Polizei von ihr distanzieren. Als sie es verdächtig findet, dass sich Troy, der mental beinträchtigt war, an einem nagelneuen Strick aufgehängt haben soll – was ja einige Vorbereitung erfordert – da sucht sie den Rest des Stricks. Doch statt eben diesen Rest, den sie in Brendans Zimmer findet, als Beweisstück zu akzeptieren, wird er gegen Miranda verwendet: Wie kommt sie dazu, die Sachen anderer Leute zu durchwühlen?

Dies ist nur eines von vielen Beispielen, die Miranda zeigen, dass sie richtig liegt, aber die anderen auf dem Holzweg sind. Ja, man hält sie zunehmend für geisteskrank und empfiehlt ihr eine Psychotherapeutin. Leider hat diese keine kriminalistischen Interessen und denkt ebenfalls, Miranda habe einen Sparren locker. Doch als auch ihre Freudin Laura unter verdächtigen Umständen ums Leben kommen, passiert das Gleiche. Miranda kann die Unfalltheorie widerlegen; niemand will etwas davon hören. Als sie herausfindet, woher Brendan kommt und dass sein wahrer Name ganz anders lautet, wird es jedoch ernst: Brendan droht Miranda wegen Belästigung zu verklagen. Das ist der so genannte „Stalker“-Paragraph.

Brendan – er wird von Miranda weiterhin so genannt – hat nicht nur die scheinbare Wahrheit zu seinen Gunsten gedreht, nein, auch das Gesetz. Miranda muss zunächst klein beigeben, doch sie wird Brendans nächstes Opfer nicht sehenden Auges ins Unglück rennen lassen. Das schwört sie sich. Die Dinge nehmen einen verhängnisvollen Lauf.

|Der unzuverlässige Berichterstatter|

Doch schon früh stellt sich der Verdacht ein, dass Miranda, unsere einzige Informationsquelle, der seit etwa hundert Jahren in der Literatur etablierte „unzuverlässige Berichterstatter“ ist. Können wir ihr unbesehen glauben? Was, wenn sie wirklich durchgeknallt wäre, wirklich besessen von Brendan Block, wie ihre Umgebung glaubt? Geschichten sind wie Gerüchte: Nur harte Beweise erzählen die Wahrheit. Oder? Miranda hat ihre Zweifel, denn auch „Beweise“ wie der Strick zählen nichts, wenn die Umstände nicht ebenfalls stimmen, unter denen sie beschafft wurden.

Im Grunde ist also die so genannte „Wirklichkeit“ ein Schattenland, in dem sich Schwarz in Weiß und umgekehrt verwandeln kann. Ein außenstehender Beobachter wie ein Polizist oder eine Psychologin (die Autorin spricht hier aus Erfahrung) können nichts auf der Grundlage von Verdachtsmomenten und Indizien tun. Es muss erst Opfer geben, bevor sie einschreiten. Das findet nicht nur Miranda traurig und empörend. Noch schlimmer: Nicht einmal Mordopfer werden als solche erkannt, wenn die Umstände auf einen Unfall oder Selbstmord hinweisen – sie Laura und Troy.

Doch wie soll Miranda ihr Dilemma lösen? Wie kann sie der Polizei handfeste Beweise für Brendans Schuld liefern? Das Ende des Romans hält eine Überraschung bereit. Die Überraschung kann nur deshalb gelingen, weil die unzuverlässige Berichterstatterin Miranda auch den Leser hinters Licht führt. Wir finden uns plötzlich in der gleichen Position wie Polizei und Psychologin wieder. Und uns stellt sich die Frage: Hätten wir ebenfalls nichts gegen Brendan Block unternommen? Hätten wir lieber dem Unglück seinen Lauf gelassen?

|Die Zeit des Abwartens ist abgelaufen|

Wenn man sich die Tagesnachrichten über verwahrloste Kinder, die in verdreckten Wohnungen gehalten werden, ansieht, dann fällt es einem schwer, nicht an die Untätigkeit unseres Gewissens zu glauben. Was natürlich genau die Kritik der Autorin ist. Können wir es uns länger leisten, apathisch im Schattenland der Amoralität und des Zusehens beim Unglück anderer umherzuwandeln? Die Zeit ist bereits abgelaufen, wie die Aufstände in den französischen und anderen Städten belegen.

_Unterm Strich_

Der Titel „Der falsche Freund“ ist natürlich doppeldeutig: „Falsch“ bedeutet hier auch „untreu, hinterhältig, unehrlich“. Er stellt ein Rätsel dar: Ist er eine Bedrohung, wie die Berichterstatterin glaubt, oder ist er das Opfer ihres Verfolgungswahns? Die Autorin stellt den Leser in das Dilemma, selbst entscheiden zu müssen. Wir wollen zwar zu gerne der armen Miranda glauben – aber ist sie wirklich noch bei Verstand?

Der Roman lebt also weniger von blutiger Action – sie findet völlig abseits statt – sondern vielmehr von der psychologischen Spannung, die sich immer wieder aufbaut. Dabei erweist sich die zweite Hälfte, als Miranda zur Jägerin wird, als weitaus unterhaltsamer, aber auch als konventioneller als der Anfang. Am interessantesten sind vielmehr die geistigen Kontrollmechanismen, die in der Gesellschaft hinsichtlich Frauen und ihrer Wahrnehmung der Wirklichkeit angewendet werden: Der Polizeiinspektor Rob glaubt lieber einem Mann wie Brendan als einer Frau wie Miranda. Aber dieser Spieß lässt sich auch umdrehen, wie ihm Miranda zeigt …

Das Buch ist flott und mit Gewinn und Anteilnahme zu lesen, bietet aber innerhalb des Kanons von Krimis und French-Romanen wenig Herausragendes.

|Originaltitel: Secret smile, 2003
384 Seiten
Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller|

Michael Ignatieff – Charlie Johnson in den Flammen

Der Schatten einer brennenden Frau

Charlie Johnson ist ein abgebrühter Kriegsreporter, der seit 20 Jahren Kriegsgebiete besucht. Nichts kann ihn wirklich berühren, er lässt nichts an sich rankommen. Doch während eines Einsatzes auf dem Balkan (Bosnien) pokert er zu hoch. Eine junge Zivilistin muss dafür mit ihrem Leben bezahlen. Charlie wird das Bild der von serbischen Milizen mit Benzin übergossenen, brennenden Frau nie vergessen können. Er beschließt, den brutalen Täter zu stellen. Dieses eine Mal soll Vergeltung geübt werden. Ein Himmelfahrtskommando?

Der Autor

Michael Ignatieff, ein kanadischer Publizist, wurde bekannt für seine Grundsatzartikel zu Fragen über Macht und Moral. In Harvard leitet er ein Institut für Menschenrechtspolitik (und natürlich eine Webseite).

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