C.J. Cherryh – Weltenjäger (Hanan Rebellion 2)

Überladene Space Opera

„Weltenjäger“ (1977) ist ein früher, nahezu einzeln stehender SF-Roman, eine Space Opera, in der sich bereits die großen Stärken der vielfach ausgezeichneten Autorin zeigen: glaubwürdige Weltkonstruktion in jeder Hinsicht, keine einfachen Lösungen und keine Moralpredigten oder Belehrungen. Ein Maßstab für andere SF-Autoren.

In Cherryhs Bibliografie bildet „Weltenjäger“ einen weiteren Band in der Dilogie „Hanan Rebellion“, in dem „Brüder der Erde“ den ersten Beitrag bildet. Ich konnte aber keinen Zusammenhang entdecken, außer vielleicht einem gemeinsamen Hintergrund: das Allianz-Union-Universum. Der Sammelband aus dem Jahr 2003 trägt den englischen Titel „At the Edge of Space“. Er ist bei uns nicht erschienen.

Die Autorin

Caroline Janice Cherryh, geboren 1942 in St. Louis, ist von Haus aus Historikerin und lebt in Oklahoma. Sie erhielt schon 1980 ihren ersten Science Fiction-Preis für ihre umwerfende Novelle „Kassandra“***. 1983 folgte der erste HUGO Award für „Pells Stern“, später ein weiterer für „Cyteen“. Beide Romane gehören zu ihrem Allianz-Union- bzw. PELL-Zyklus, der eine Future History darstellt, wie sie schon von anderen Größen des Science Fiction-Feldes geschaffen wurde, darunter Robert A. Heinlein oder Isaac Asimov.
***: Die Story ist jetzt im Sammelband „The short fiction of C.J. Cherryh“ (Januar 2004) zu finden.

Wichtige Romane und Trilogien des Allianz-Union- bzw. PELL-Zyklus:

„Downbelow Station“ („Pells Stern“): PELL 1
„Merchanter’s Luck“ („Kauffahrers Glück“): PELL 2
„40.000 in Gehenna“ (dito): PELL 3
„Rimrunners“ („Yeager): PELL 4
„Heavy Time“ („Schwerkraftzeit“): PELL 5
„Hellburner“ („Höllenfeuer“): PELL 6
„Finity’s End“ („Pells Ruf“): PELL 7
„Tripoint“ (dito): PELL 8

„Cyteen“ (3 Romane im Sammelband „Geklont“)
„Serpent’s Reach“ („Der Biss der Schlange“)
„Cuckoo’s Egg“ („Das Kuckucksei“)

Die DUNCAN-Trilogie „Die Sterbenden Sonnen“: Kesrith; Shon’jir; Kutath.

Der CHANUR-Zyklus: Das Schiff der Chanur; Das Unternehmen der Chanur; Die Kif schlagen zurück; Die Heimkehr der Chanur; Chanurs Legat.

Der FOREIGNER- bzw. ATEVI-Zyklus, der immer noch weitergeführt wird.

Handlung

Die Iduve sind die älteste raumfahrende Rasse in der Galaxis. Seit zehntausend Jahren durchstreifen sie mit ihren gigantischen Raumschiffen die Weiten des Alls. Selten gehen sie auf Planeten nieder, und wenn sie dies tun, dann nehmen sie sich, was sie haben wollen – Produkte, Rohstoffe, Sklaven – , und niemand wagt es, sich ihren Wünschen zu widersetzen, denn das Leben anderer Rassen bedeutet ihnen nichts.

Sie löschen unerbittlich ganze Planetenbevölkerungen aus, wenn ihnen der Sinn danach steht oder wenn es ihnen als ein geschickter Schachzug bei den Ehrenhändeln erscheint, in die die Clanschiffe ständig untereinander verstrickt sind. In einem weit entfernten Bereich der Galaxis gelingt einem Clan des Iduve-Volkes der Fang eines Wesens, das sich „Mensch“ nennt, sowie zweier weiterer Aliens.

Dies ist die abenteuerliche Geschichte von Aiela, einem jungen Kalliraner, der auf das Clanschiff Ashanome verschleppt und in die Dienste der Iduve gepresst wurde. Durch ein Implantat in seinem Gehirn mit einer schiffgeborenen Kalliranerin und Daniel, einem versklavten Menschen, zu einer geistigen Einheit verbunden, soll er als Waffe gegen einen abtrünnigen Iduve verwendet und dann weggeworfen werden. Die Iduve benutzen alle drei als Köder, um einen Flüchtling aus einer ihrer Privatfehden einzufangen.

Dummerweise lösen sie damit einen Krieg aus, der fast dazu führt, dass eine komplette Welt vernichtet wird…

Mein Eindruck

„Weltenjäger“ ist einerseits eine altmodische Space Opera, andererseits konzentriert sich die handlung mehr auf die exotischen Bräuche und Vokabeln der Aliens statt auf Technologie und Action. Insbesondere interessiert sich die Historikerin Cherryh für die fremde Sprache der Iduve. Sie ist sehr kompliziert und hat offenbar bei manchen (US-amerikanischen) Kritikern zu schweren Anfällen von Hirnverknotung geführt. Seitdem hat die Autorin ihre Ansprüche an den amerikanischen SF-Markt zurückgeschraubt und verwendet nur noch ein sehr eingeschränktes Alien-Vokabular, so etwa in ihrer langen Atevi-Serie.

Aus der englischen Wikipedia:

„The Iduve language makes „no clear distinction between the concepts of noun and verb, between solid and action“. The Encyclopedia of Fictional and Fantastic Languages describes three of the languages present in Hunter of Worlds, namely the kalliran, amaut and iduve languages, but felt that the „dense use of alien terminology“ does tend to make the prose difficult to follow at times, despite the „Glossary of Foreign Terms“ and the back of the book.

Some of the alien vocabulary represents concepts that are not easily represented as single words in English:

vaikka – revenge, but not in the usual English sense;
takkhenes – a kind of shared consciousness;
arastiethe – the area you are responsible for or in control of.“

Das Buch erlaubt es dem Leser, sich selbst als Alien, quasi von außen zu betrachten und so ein wenig zu relativieren. Leider packt Cherryh viel zu viel Stoff – es geht um drei Spezies und drei Sprachen! – in zu wenige Seiten, so dass die Handlung spätestens nach der ersten Hälfte unübersichtlich wirkt. Jedenfalls erging es mir so – und den besagten Kritikern.

C. J. Cherryh auf |Buchwurm.info|:

Kauffahrers Glück
Der Baum der Schwerter und Juwelen
Das Tor von Ivrel
Pells Stern
Der Quell von Shiuan
Tripoint
Das Schiff der Chanur
Das Unternehmen der Chanur
Die Heimkehr der Chanur
Chanurs Legat (Chanur 5)
Fremdling (Atevi 1)
Eroberer (Atevi 2)
Erbe (Atevi 3)
40000 in Gehenna
The Betrayal (Cyteen 1)
Cyteen: Die Wiedergeburt
Cyteen: Die Rechtfertigung
Die letzten Städte der Erde
Finity’s End. Ein Alliance-Union-Roman
Der Engel mit dem Schwert
Hammerfall (The Gene Wars 1)
Yeager
Schwerkraftzeit
Höllenfeuer
Hestia
Der Paladin
Der Koboldspiegel
Der Biss der Schlange
Das Kuckucksei
Fortress in the Eye of Time
Fortress of Eagles
Fortress of Owls
Fortress of Dragons“
Visible Light
Rider at the Gate (Finisterre 1)

Taschenbuch: 284 Seiten
O-Titel: Hunter of Worlds, 1977;
Aus dem US-Englischen übertragen von Irene Holicki;
ISBN-13: 9783453306738

www.heyne.de

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