Archiv der Kategorie: Musik

Shooman, Joe – Bruce Dickinson – Eine Biografie

Was wäre Bruce Dickinson wohl geworden, hätten die Mannen von |IRON MAIDEN| ihn in den frühen Achtzigern nicht darum gebeten, den vakanten Sängerposten zu füllen? Und umgekehrt: Wo würde der Metal-Dinosaurier heute wohl stehen, wäre der vielleicht begabteste Classic-Metal-Frontmann und -Entertainer damals nicht auf das Angebot eingegangen und lieber seiner alten Kapelle |SAMSON| treu geblieben? Vielleicht hätte ihn seine Passion für den Fechtsport bis an die Weltspitze gebracht. Möglicherweise hätte er sich auch damit zufriedengegeben, als Pilot um die Welt zu reisen. Oder aber er hätte vielleicht sein Studium zu Ende gebracht und sich als Lehrer für Geschichte engagiert.

Spekulationen gibt es hierzu viele, doch laufen sie alle auf ein Ergebnis heraus: Dieser Mann ist ein absolutes Multitalent, sowohl als Showmensch als auch in seinem steten Explorationsdurst, der ihn unter anderem auch lange Jahre durch seine musikalische Karriere gebracht hat. Deshalb ist seine Biografie definitiv nicht gleichzeitig diejenige von |IRON MAIDEN|, auch wenn vor allem die Erfolgsstory des Sängers unmittelbar mit der seiner langjährigen Wegbegleiter verknüpft ist. Aber es steht weiterhin außer Frage, dass Dickinson auch ohne die Band einen konsequenten, erfolgreichen Weg eingeschlagen hätte. Dafür ist seine Willensstärke nämlich einfach zu immens, als dass man hieran Zweifel anbringen müsste.

Als Joe Shooman nun vor Jahren die ersten Ideen zu dieser Biografie entwarf, musste er sich genau diesen Umstand erst noch einmal bewusst machen. Und er ging sein Projekt auch sehr geschickt an, indem er die |MAIDEN|-Jahre vergleichsweise grob anriss und die präziseren Inhalte der Bandgeschichte seinem Kollegen Mick Wall überließ, der die Historie der Briten seinerzeit in [„Run to the Hills“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1708 abarbeitete.

Also konzentriert er sich vor allem auf die Person Paul Bruce Dickinson und deren zahlreiche Talente, die natürlich in erster Linie mit dem Leben als Musiker zusammenhängen. So erfährt man von seinen ersten Engagements in Bands wie |STYX| und |SHOTS|, von den Diskrepanzen, die der Job bei |SAMSON| mit sich brachte, da sein hoher Gesang bisweilen gar nicht zum klassischen Hardrock seiner neuen Weggefährten passen wollte, und begleitet natürlich den Werdegang von |IRON MAIDEN|, der vorläufig nur bis zum „Fear of the Dark“-Album reichen sollte. Dazu erfährt man reihenweise Persönliches über den rauen Bruce und seinen kreativen Dickkopf, lernt seine kontinuierliche Selbstdisziplin schätzen, realisiert aber im Grunde genommen, dass er trotz der großen Erfolge stets ein Mensch mit Bodenhaftung geblieben ist, der seine Herkunft nie vergessen hat.

Bodenhaftung war schließlich auch nötig, als der Sänger sich von seiner Band loseiste, um seine eigenen Projekte zu starten, die anfangs noch recht erfolgreich und eigenwillig waren, später aber zwangsläufig in eine Sackgasse führten, da Dickinson einfach ein Metal-Sänger war und ist und die Arbeiten bei |SKUNKWORKS| lediglich seine Experimentierfreude befriedigten, nicht aber seine Zielgerichtetheit als Künstler. Sein erneuter Wechsel zu |IRON MAIDEN| kam 1999 dennoch überraschend, war jedoch der einzig logische Schritt für die beiden sinkenden Schiffe und wurde letzten Endes zu einem noch größeren Triumphzug als die erhabenen Momente des vorherigen Jahrzehnts – vor allem dank der Schlüsselfigur Dickinson.

Shooman bleibt in seinen Ausführungen allerdings jederzeit objektiv und feiert seinen Helden nicht ständig als solchen ab. Eher aus der Draufsicht schildert er vor allem das Leben des jungen Bruce in einer Detailfreude, die bislang beispiellos ist. Gerade die zwischenmenschlichen Geschichten haben es ihm angetan, was er in zahlreichen Interviews mit frühen Helden der NWoBHM und Gefährten Dickinsons immer wieder belegt. Doch auch der Informationsgehalt seiner Biografie ist enorm und bringt gerade auf musikalischer Ebene zahlreiche Insider-Facts zutage, die man an dieser Stelle auch gerne lesen möchte. Zu kurz kommt lediglich der Wiedereinstieg bei |IRON MAIDEN|, der eigentlich einer der wesentlichen Knackpunkte in der Karriere des Sängers ist. Hier hätten ein paar Details mehr sicherlich gut getan, um die Sache komplett rund zu bekommen. Ansonsten gibt es an Shoomans Werk absolut nichts auszusetzen; wer einen Ausnahmekünstler wie Bruce Dickinson so bodenständig und gleichsam anerkennend vorstellt und das Ganze mit einem solch reichen Informationsschatz füllt, der verdient nicht nur Respekt, sondern auch zahlreiche Abnehmer. Wirklich gelungen, was hier auf gut 250 Seiten als offizielle Biografie angeboten wird!

|ISBN-13: 978-3-931624-53-8|
http://www.iron-pages.de

Oidium, Jan – Metal Dream Girls / Metal Dream Boys 2009

Für Metalheads läuft die Zeit anders. Dies zumindest hat sich Comic-Zeichner, Medienmacher und Autor Jan Oidium gedacht. Die „Metal Dream Girls/Boys“-Kalender sind der terminliche Countdownkalender zum Wacken 2009 und beginnen beide im September 2008. Jüngst ist nun der vierte „Metal Dream Girls“-Kalender auf den Markt gekommen, ihn gibt es im Buchhandel und auf der Website http://www.jan-oidium.com.

Und ein Schmuck sind die Kalender fürwahr, die in circa 30 cm Höhe daherkommen. Denn nicht etwa die privaten Vorlieben von Jan Oidium posieren vor der Kamera. Nein, der Berliner hat sich ein demokratisches Kalendermodell überlegt. Über Monate konnten Mädchen und Jungen auf der Internetseite http://www.metaldreamgirls.com ein möglichst vorteilhaftes Bild von sich einstellen und die weltweite Netz-Gemeinde auf einer Punkteskala von eins bis zehn über ihre Attraktivität entscheiden lassen. Tausende Frauen und Männer aus der Metal-Szene machten mit. Und noch mehr Klicks später standen die jeweils zwölf Gewinner fest, die dann professionell abgelichtet wurden.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: In schicken, manchmal auch schrägen Posen präsentieren sich die „Traumfrauen“ und „Dream Men“ der Metal-Gemeinde. Dazu ist der Kalender so gestaltet, dass sich zu jedem Tag zumindest ein, zwei kleine Einträge machen lassen, er also nicht nur ein reiner Hingucker ist, sondern eben auch einen gewissen praktischen Nutzwert besitzt. Und schön sind die Frauen sowieso. Aus männlicher Perspektive hat sogar auch der „Boys“-Kalender seine Berechtigung: Etwa als Geschenk für die gute Metal-Freundin, die vielleicht zurzeit solo ist und auch mal wieder schwärmen soll.

Dabei soll es nicht bleiben: Für den September hat Jan Oidium einen dritten Kalender für dieses Jahr angekündigt: „Warrior Dream Girls“ soll „erotische und ästhetische Fotoaufnahmen von Kriegerinnen des Fantasy Genres“ bieten, erste Aufnahmen versprechen viel. Und dieser Monatsplaner hat dann auch den Januar als Anfangsmonat – für konservative Kalender-Freaks …

|ISBN-13: 978-3-939106-12-8 / 978-3-939106-13-5|

Hearn, Marcus (Hrsg.) – A Tribute to Pink Floyd – Fotografien

_Zeitgeschichte: Von Psychedelia bis Stadionrock_

„A Tribute to Pink Floyd“ illustriert die Geschichte der Band anhand der gelungensten und aussagekräftigsten Fotos aus dem Archiv der Fotoagentur Rex Collection. Der Bildband enthält Aufnahmen von ihrem ersten Pressetermin bis zum letzten Bild des Bandes, auf dem man die Trauerkarte eines Fans vor dem Haus von Syd Barrett sieht, kurz nach dessen Tod im Juli 2006.

_Der Herausgeber_

Marcus Hearn ist der Herausgeber dieses Bildbandes. Das bedeutet, dass er nicht für sich in Anspruch nimmt, hochgeistige Beiträge abzuliefern und tiefschürfende Untersuchungsergebnisse zum Besten zu geben. Obwohl er es nicht sagt, bestand seine Aufgabe darin, einfach nur die Begleittexte zu den Fotos schreiben.

Hauptsache also, die Fotos sind gut. Diese stammen von Rex Features, einer „unabhängigen britischen Presseagentur für Fotografie“ (www.rexfeatures.com). Sie beliefert seit 1954 über 30 Ländern mit Fotomaterial zu Medienereignissen. Ihr Bildarchiv ist dementsprechend umfassend, insbesondere zu allen Exponenten der Rockmusik.

Der Zeitraum, der von den in diesem Band präsentierten Fotos abgedeckt wird, reicht von 1966 bis November 2006, also 40 Jahre.

Die Band |Pink Floyd| (offiziell Feb. 1967 bis heute):

Roger Keith „Syd“ Barrett: Gitarre (bis Ende 1967)
David Gilmour: Gitarre, Gesang (ab 1968)
Nick Mason: Drums, Percussions
Richard Wright: Keyboards
Roger Waters: Bass, Gitarre, Gesang
Und diverse andere Mitwirkende, insbesondere Terrence „Snowy“ White (Gitarre).

_Inhalte_

_Der Text_

Eine kurze Biografie jedes Musikers eröffnet den Band, gefolgt von einer Fotostrecke zu ihrer ersten Pressevorstellung im Februar 1967. Die Einleitung, die davor platziert ist, umreißt das ganze Themenfeld, das sich mit |Pink Floyd| verbinden lässt. Der Herausgeber versucht das Geheimnis, die Besonderheit dieser Band einzufangen. Gut finde ich in dieser Hinsicht besonders die Statements der Musiker selbst.

Die Entwicklung der Band soll sich nach dem Willen des Herausgebers in den Fotos widerspiegeln – sonst wäre ja der Sinn eines solchen Bildbandes verfehlt. Die Fotos sind Zeitdokumente, aber auch Geschenke an die Millionen Fans der Band. Seltene Fotos wie etwa von der Reunion 2005 werden deshalb wie Juwelen in einem Collier besonders hervorgehoben.

Die meisten der kurzen Kapitel tragen den Titel eines der Alben, die die offizielle Band |Pink Floyd| veröffentlichte. Das bedeutet, dass Roger Waters‘ Alben nicht berücksichtigt werden. „Radio KAOS“ wird nur am Rande erwähnt, ebenso Gilmours „On An Island“ (2006). Dem Leser springen also Überschriften wie „The Piper at the Gates of Dawn“ entgegen, und das mag für Fans, die |Pink Floyd| erst seit „Dark Side of the Moon“ kennen, ein paar Überraschungen bereithalten.

Die |Floyd| waren am Anfang eine Undergroundband, die sich für die Gegenkultur engagierte. Als sie im Februar 1967 einen Plattenvertrag von EMI bekamen, trug ihnen dies zwar nicht überall Begeisterung ein, aber sie blieben weiterhin aufmüpfig. Als „Arnold Layne“, eine ihrer ersten Singles, von einem Londoner Radiosender boykottiert wurde, verteidigte Syd Barrett, der musikalische Kopf der Band, diesen Song über einen Transvestiten, der Dessous von Wäscheleinen klaut. Er forderte den Sender auf, sich mal in der Realität umzuschauen.

Solche und viele weitere Anekdoten rücken die |Floyd| in ein interessanteres Licht, als es die üblichen Pophistorien tun, die kaum über Lobhudeleien hinauskommen. Ganz im Gegenteil: Vielfach wird die Kritik der damaligen Journalisten und Marktbeobachter aufgegriffen und den Aussagen der Bandmitglieder gegenübergestellt. So erlangt das folgende Statement von Roger Waters einen hohen Stellenwert, denn es begründet, warum die |Floyd| durch Grenzüberschreitung immer wieder die Kritiker vor den Kopf stoßen mussten, um schließlich 1973 dort anzukommen, wo sie Ruhm und Reichtum einheimsten:

|“Wir könnten immer so weitermachen und dieselben beliebten alten Nummern spielen, und es würde uns sicher Spaß machen, aber darum geht es bei Pink Floyd nicht. Es geht darum, Risiken einzugehen und neue Wege einzuschlagen.“| (1969)

Auf die experimentelle psychedelische Phase und diverse Filmmusiken folgten die Konzeptalben der Siebziger „Dark Side of the Moon“ sowie „Wish you were here“ und schließlich die gigantischen Stadionkonzerte und jahrelangen Welttourneen in den achtziger und neunziger Jahren.

Der Herausgeber beschäftigt sich erstaunlich intensiv mit dem Bruch zwischen Roger Waters und dem Rest der Band anno 1983, dem 1981 der Ausstieg Rick Wrights vorausgegangen war. Waters dachte, sie würden es nicht wagen, ohne ihn weiterzumachen und sogar den Bandnamen zu benutzen. Nun, sie wagten es und wurden eine der erfolgreichsten Bands aller Zeiten, auch ohne ihn. Aber sie spielten kaum jemals wieder von den beiden Alben, die Waters fast im Alleingang hervorgebracht hatte: „Animals“ von 1977 und „The Final Cut“ von 1983. Dazwischen erschien 1979 ihr epochales Album „The Wall“. Es war eine Reaktion auf die Entfremdung der Musiker von ihrem Publikum.

2005 kam es auf dem Live-8-Konzert Bob Geldofs zu einer kurzfristigen Reunion der legendären Band, und es sah so aus, als hätten Gilmour und Waters nach einem Vierteljahrhundert das Kriegsbeil begraben. Seither scheint Waffenstillstand zu herrschen.

(Am Schluss des Bandes findet der Fan eine Liste der Artikel und Bücher, die der Herausgeber als Quellen nutzte. Sie können als weiterführende Lektüre dienen.)

_Die Fotos_

Der Bildband enthält 152 farbige und Schwarzweiß-Abbildungen. Das ist weitaus mehr als der entsprechende Led-Zeppelin-Bildband vorweisen kann. Der Fan bekommt mithin einen reellen Gegenwert für seinen knapp 30 Euronen. Aber das ist noch längst nicht alles.

Ich habe schon etliche Fotos der |Floyd| gesehen und eine „Biografie“ der Band gelesen, die selbstredend ebenfalls einen Fototeil enthielt. Auch das Bonusmaterial zur Live-DVD „P.U.L.S.E.“ ist gut gefüllt mit Fotos. Aber solche Fotostrecken wie in diesem Band habe ich noch nie gesehen.

|Presseauftritt 1967|

Nach den Porträtfotos, die den Biografien von Barrett, Waters, Wright und Mason (nicht Gilmour, der folgt später) beigefügt sind, folgt die Bildstrecke, mit der Dezo Hoffman den Presseauftritt der vier Urmitglieder dokumentiert hat. Es wurde Playback eingesetzt, was zu einigem Unmut geführt haben soll. Aber es war wohl nicht nur die Musik megapeinlich, sondern auch die ganze Atmosphäre – kein bisschen von einem Live-Auftritt. Im Anschluss entblöden sich die Musiker nicht, vor dem EMI-Haus eine Chorus Line vorzuführen. Fehlt nur noch der Cancan mit Rüschenrock.

|Psychedelia und was daraus wurde|

Das folgende Kapitel „Psychedelia“ sieht schon mehr nach den |Floyd| aus: Farbeffekte und Unschärfe sowie Reflexe entrücken die vier Männer der Realität. Etwas störend wirken jedoch Waters‘ und Masons Brillen. Sie fehlen beim nächsten Shooting, als das Quartett in bunten Hemden der Sechziger sich Hoffmans Kamera stellt. Auch dies wirkt so künstlich wie der Presseauftritt und steht in hartem Kontrast zum Fotos von Syd Barretts letztem größeren Gig am 22.12.1967. Er sieht unrasiert und zerzaust aus, ein Opfer der Drogenexzesse des vergangenen Jahres. Man trennte sich von ihm, denn er konnte nicht einmal mehr die Gitarre richtig spielen. Sein Nachfolger wurde David Gilmour, den eine Doppelseite vorstellt.

|Pushing the envelope: Auftrittsorte|

In den Sechzigern und Siebzigern scheint |Pink Floyd| à la Waters die Grenzen dessen, was als Live-Auftritt bekannt ist, ausgelotet und erweitert zu haben. Fans und Helfer fertigten spezielle Dias an – das war alles unvorstellbar primitiv, wurde aber schnell ausgefeilter, wie man auf „P.U.L.S.E.“ sehen kann. Die Auftrittsorte waren ebenso ausgefallen. Zunächst im Hyde Park, dann in Pompeji (1971), wo der bekannte Musikfilm entstand, und sogar in einem französischen Kloster. Dort trafen die |Floyd| die Filmschauspielerin Jeanne Moreau [(„Jules und Jim“).]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1065 Die Fotos dieses Innenraumes gehören zu den seltsamsten, aber auch eindrucksvollsten Motiven in diesem Band.

Den ultimativen Durchbruch in Sachen Bühnengestaltung zauberten die |Floyd| dann wohl mit der 50 Meter langen und 10 Meter hohen Mauer aus Pappmachéblöcken hin, die sie als „Dekoration“ einsetzten, um „The Wall“ aufzuführen. Es gelang ihnen 1979/80 immerhin 29-mal, dann wurde der Aufwand einfach zu groß, teuer und beschwerlich. So legt es jedenfalls der Begleittext nahe.

|Letzter Auftritt|

Auch die Stadionkonzerte müssen gigantische logistische Unternehmungen gewesen sein. Nicht nur „P.U.L.S.E.“ belegt dies, sondern auch die zahlreichen Fotos dieses Bildbandes. Auf die Reunion von 2005 weist der Herausgeber mit Recht als besonders bemerkenswert hin. Diese Fotos sind nicht nur ein bedeutsames Zeitdokument (s. o.), sondern auch erstklassige Arbeiten (von Brian Rasic und Richard Young). Fast jedem Musiker ist eine ganze bzw. Doppelseite gewidmet. Besonders beeindruckt hat mich Roger Waters. Dessen Gesicht erzählt eine lange Geschichte.

|Humor|

Dass der Herausgeber auch den typisch britischen Humor besitzt, belegt sein Kapitel „A momentary lapse of reason“ – wörtlich: „ein kurzer, vorübergehender Verlust der Vernunft“. Als Fotomaterial hat er das fliegende und aufblasbare Bett ausgewählt, mit dem die Band 1987 ihr neuestes Album vor den Londoner Houses of Parliament bewarb. Das fliegende Bett erinnert an das aufblasbare Schwein, mit dem „Animals“ 1977 beworben wurde. Dass die Band auch 1987 ein wenig den Verstand verloren haben könnte, ist eine Assoziation, die von den Fotos nahegelegt wird, ohne dies explizit sagen zu müssen. Das folgende Kapitel hat frecherweise die Überschrift: „Another lapse“. Es handelt sich diesmal um den Titel der Europatournee.

_Unterm Strich_

Die Fotos sind meist von bester Qualität und sollten dem Fan ihr Geld wert sein. Aber was sie wirklich zu bemerkenswerten Zeitdokumenten macht, sind die Motive und die Auswahl. Das beginnt mit dem megapeinlichen Playback-Gig vor der Londoner Presse im Februar 1967 und endet mit dem Reunion-Auftritt auf dem Live-8-Konzert, das Bob Geldof organisiert hatte. Dazwischen liegt knapp 40 Jahre Musikgeschichte voller Wandlungen und Metamorphosen. Von denen einige heutzutage recht skurril anmuten.

Die Texte sind in kleine Häppchen aufgeteilt, wesentlich leichter verdaulich als die ambitionierten Kapitel Tedmans im Bildband [„A Tribute to Led Zeppelin“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4929 Dennoch bleiben die Informationen, Meinungen und Kritiken keineswegs auf der Strecke, sondern formen vielmehr ein anregenderes Gesamtbild dessen, was die |Floyd| auslösten: eine Ausweitung – nicht der Kampfzone, sondern dessen, was als moderne Rockmusik in Erscheinung treten sollte, sowohl in musikalischer Hinsicht als auch, was die Auftrittsorte, Bühnendekoration und PR-Aktionen anging: Pompeji oder Kloster, The Wall an der Berliner Mauer, aber auch fliegende Schweine und Betten. Es hätte durchaus noch etwas mehr britischer Humor sein dürfen.

Insgesamt bekommt der Sammler und Fan einen ziemlichen einmaligen Fotoband in die Hand, der durch seine inhaltliche Gestaltung selbst als Zeitdokument bezeichnet werden kann. Mögen auch die ersten Seiten megapeinlich erscheinen, na und: Dies waren eben die Auswüchse jener Zeit, als die Rockmusik sich schrittweise zum Big Business mauserte, als das wir sie heute kennen. So kann der Band auch zum Verständnis der musikalischen Entwicklung beitragen, welche die Rockmusik durchlaufen hat.

Noch besser wäre beim Betrachten der Fotos der entsprechende Soundtrack. Dazu eignet sich die Best-of-Doppel-CD „Echoes“. Diese beginnt und endet mit Syd Barretts genialen Kompositionen „Astronomy Dominée“ und „Bike“. Da passt es hervorragend, wenn der vorliegende Bildband ebenso mit Barrett beginnt und endet. R.I.P., Syd.

|Originaltitel: A tribute to Pink Floyd, 2008
160 Seiten
Aus dem Englischen von Thorsten Wortmann|
http://www.schwarzkopf-schwarzkopf.de

Reynolds, Simon – Rip It Up and Start Again: Postpunk 1978-1984

Mit „Rip It Up And Start Again“ hat der ehemalige |Monitor|- & |Melody Maker|-Redakteur, freischaffende Musikjournalist (|The New York Times|, |Village Voice|, |The Guardian|, |Rolling Stone|, |The Observer|, |Artforum|, |The Wire|, |Uncut|, |Blissout|, |Blissblog|) und Pop-Chronist („The Sex Revolts: Gender, Rebellion & Rock’n’Roll“, 1995; „Energy Flash: A Journey Through Rave Music and Dance Culture“, 1998) Simon Reynolds eine umfassende Sammlung von Portraits innovativer, zukunftsorientierter Bands und ihres jeweiligen Umfelds zur Zeit der ausgehenden Siebzigerjahre bis in die erste Hälfte der 1980er herausgegeben. Eingebettet sind seine biographischen Skizzen (Reynolds fokussiert dabei auf Kunstverständnis, Intentionen und Manifeste der jeweiligen Akteure sowie auf einzelne Werke) in eine übergreifende Narration, welche die jeweiligen lokalen/regionalen bzw. nationalen Kunst- und Musik-Szenen miteinander in Beziehung setzt, vergleicht und gegeneinander abgrenzt. Auch die Aspekte Markt und Marketing bleiben dabei nicht außen vor.

Der rote Faden dieser Erzählung ist das facettenreiche Kontinuum einer Reihe von Künstlern, Musikern, Managern und Musikjournalisten, die – beflügelt von der durch die Punkbewegung ausgelösten Aufbruchstimmung des Do-it-yourself-Spirits und des Ausbruchs aus formalisiserten musikalischen Traditionen – begannen, unter bewusster Vermeidung überkommener Rockstrukturen mit neuen technischen Möglichkeiten sowie mit neuartigen bzw. gänzlich ohne (formelle) Spieltechniken herumzuexperimentieren. Da die Protagonisten dieser heterogenen Szene(n) eine Vielzahl von musikalischen bzw. künstlerischen Ansätzen aufweisen, deren einziger gemeinsamer Nenner der bewusste Bruch mit der bisherigen Musikgeschichte inklusive des sich zunehmend formalisierenden Punkgenres war (welches in seiner Rolle als zum Rock ’n‘ Roll zurückkehrende Strömung bzw. als Fortsetzung des R ’n‘ R mit anderen Mitteln zum Teil bewusst abgelehnt wurde), ist der Untertitel des Buches „Postpunk 1978-1984“ eine durchaus treffende Bezeichnung. In der zweiten Hälfte der Achtziger wurde die anfangs noch konsequente Absetzung von den Traditionen des Rock und Pop dagegen kontinuierlich schwammiger bzw. unwichtiger. Doch bereits in den Anfängen der Postpunk-Szene(n) lassen sich erste Wurzeln solch unterschiedlicher Genres wie Synthpop, Industrial, Gothic, EBM und Alternative Rock ausmachen.

Innerhalb dieser breitgefächerten Gemengelage an eher vorwärts als rückwärts orientierten Bands beschreibt Reynolds zwei Strömungen, die sich jeweils weniger durch einen gemeinsamen Sound der ihnen zugeordneten Künstler auszeichnen als vielmehr durch ihre unterschiedliche Haltung gegenüber dem zeitgenössischen Musikmarkt und seinen Geschäftsstrukturen bzw. den Mustern des Konsums seitens der Kunden.

Der erste Teil des Buches widmet sich unter der Überschrift „Postpunk“ Bands, die sich bewusst gegen das herkömmliche (populäre) Musikverständnis – in radikalster Ausprägung teils sogar gegen das Konzept von (populärer) Musik überhaupt – stellten und/oder in bewusster Abgrenzung gegenüber dem konventionellen Musikmarkt alternative Vertriebs- und Kommunikationsformen aufzubauen versuchten. Mit den Protagonisten der Punkbewegung gemein – oftmals sogar in noch ausgeprägterer Form – hatten viele von ihnen einen (wie auch immer gearteten) revolutionären Anspruch des Selbermachens bei größtmöglicher Unabhängigkeit von bestehenden Marktstrukturen und schließlich auch die bewusste Abgrenzung gegenüber der Mainstreamkultur. Zugleich stammten mehrere dieser Bands bzw. Kollektive aus einem ursprünglich eher musikfernen künstlerischen Umfeld, das oftmals über einen kunsttheoretischen, theatralischen oder durch |performance art| geprägten Hintergrund verfügte. Vor der (neo-)konservativen Wende unter den Regierungen Reagan/Thatcher profitierten einige dieser (britischen) Gruppen von staatlicher Kunstförderung, sei es im akademischen Umfeld oder in sozialen Projekten. Für manche dieser Bands spielte sogar der |Happening|-Charakter ihrer Auftritte eine ebenso große Rolle wie die Musik selbst, bei anderen kam eine ähnliche Bedeutung ihrer künstlerischen Gesamtkonzeption oder ihren (gegen-)gesellschaftlichen Manifesten zu. Wieder anderen war besonders an der Umsetzung eines innovativen, möglichst unabhängigen Geschäfts- und Vertriebssystems oder an der Etablierung eines ureigenen Stils im Sinne einer |corporate identity| gelegen. Im Gegensatz dazu gab es freilich auch Gruppen, die sich ganz dem freien, experimentellen Spiel mit neuen oder neu verknüpften Formen hingaben oder gar der reinen Provokation ihres Publikums frönten.

Der zweiten von Reynolds beschriebenen Strömung ist dagegen gemein, dass sie sich, wenn schon nicht richtungsweisend vom Mainstream beeinflussen ließ, so doch zumindest bewusst in diesen hineindrängte. Die am Pop bzw. schließlich doch auch wieder am Rock orientierte Ausrichtung der ihr zugeordneten Bands konnte sowohl in subversiver als auch in provokativer, kommerzieller oder missionarischer Absicht erfolgen. Programmatik, thematische Geschlossenheit, das Stilmittel der Übertreibung, gewollte Exotik oder auch modisches |styling| konnten dadurch an Bedeutung gewinnen. Einerseits konnten diese Aspekte den jeweiligen Bands eine besonders faszinierende (je nach Ausprägung abgründige, glamouröse oder auch ambivalente) Aura verleihen, sich anderseits aber auch in Oberflächlichkeiten erschöpfen bzw. ähnlich aufgeblasene Stilblüten treiben wie jener bombastische Artrock, den abzulösen die Punkbewegung einstmals angetreten war. Mit dem ursprünglichen Postpunk gemein hatten diese jüngeren (oder teils auch sich weiter fortentwickelnden älteren) Bands indes noch immer einen – wenn auch im Umgang mit Versatzstücken traditionellerer Musik bisweilen formalisierteren – innovativen, spielerischen, teils auch ironisierenden oder ins Groteske kippenden oder überspitzenden Ansatz. Auch zeigten sich gerade im Postpunk-Umfeld erste Ansätze zu damals neu heraufdämmernden Musikgenres, von denen einige – wenn auch in anderer Ausprägung – mittlerweile fest etabliert sind. Obschon Reynolds in der zweiten Welle der Gothicbands während der 1980er Jahre bereits eine erste Retro-Orientierung erkennt, sieht er in ihren Anfängen wie auch im „New Pop and New Rock“ (so der Titel des zweiten Buchabschnitts) allgemein bis etwa ins Jahr 1984 noch eine Fortsetzung der Grundhaltung vieler Postpunkbands bzw. ein Aufbauen auf sowie eine Weiterentwicklung der Formensprache ihrer (modernistischen) Musik.

Im weiteren Verlauf der Musikgeschichte sei diese dann zunehmend im Zitatewust der Postmoderne auf- bzw. untergegangen, wohingegen die ursprüngliche Rolle des (Post-)Punks als musikalische Revolutionsbewegung (nach Malcolm McLaren, den der Autor durchaus als ambivalente Figur beschreibt) um die Mitte der Achtziger herum schließlich vom Hip Hop übernommen worden sei. Den heute vom Postpunk beeinflussten oder inspirierten Bands attestiert Reynolds im Nachwort eine oftmals großartige, aufregende und erfreulich verstörende Art, die Klänge seiner Jugend wiederaufleben zu lassen. Auch sprängen sie auf die Aura der Dringlichkeit und des missionarischen Eifers an, von der die Musik dieser Ära durchdrungen gewesen sei, und das, ohne notwendigerweise viel über den damaligen Kontext solcher Bands zu wissen. Doch obwohl der weitere Kontext damals wie heute von geopolitischem Tohuwabohu und einem reaktionären |backlash| mitbestimmt sei, zweifelt Reynolds am Feuer der Neopostpunkbands und ihrem augenscheinlich fehlenden Willen zum Widerstand. Mögliche Ursachen dafür, dass die meisten jüngeren Bands sich der grundsätzlichen Schwierigkeit, Politik im Pop zu verhandeln – ohne zu den bereits Überzeugten zu predigen, politisch korrekt oder übermäßig ernst zu erscheinen –, überhaupt nicht mehr stellten, sieht er in der Empfänglichkeit der 1990er Jahre für Ironie und Disengagement, welche die Popkultur noch immer im Griff halte.

Als wichtigstes Vermächtnis des Postpunk nennt der Autor dessen Eingeschworensein auf die Veränderung, welches sich zum einen in der Überzeugung geäußert habe, dass sich die Musik stets weiterentwickeln müsse, zum anderen aber auch im Vertrauen darauf, dass sie die Welt verändern könne – und sei es auch nur, indem sie die Wahrnehmung Einzelner verändere oder ihr Gespür für das Mögliche erweitere. Bei aller Bewunderung für die Zukunftsorientierung des Postpunk äußert Reynolds jedoch auch leise Zweifel und fragt sich, ob all die Energie, die in diesen Glauben geflossen ist, nicht vielleicht verschwendet und von etwas weggelenkt wurde, das die Beschäftigung damit eher wert gewesen wäre. Dennoch zeigt er sich dankbar für die durch diese Ära in ihm geweckten Erwartungen an die Musik.

Über den Index kann man das Buch durchaus auch als Nachschlagewerk für die in ihm vorgestellten Bands verwenden. Ein großes Plus ist, dass diese nicht im luftleeren Raum stehenbleiben, sondern in ihr jeweiliges Umfeld und die damaligen Trends eingebettet werden. Reynolds schreibt – ohne die eigene Subjektivität ganz außen vor zu lassen – überwiegend sachlich, jedoch in einem umgangssprachlichen Ton, sodass die Lektüre zwar informativ ist, aber niemals trocken wird. Auch auf Mainstreamgrößen wird hin und wieder Bezug genommen, hier sei auf DONNA SUMMER’s ‚I Feel Love‘ und MICHAEL JACKSON’s „Off The Wall“ verwiesen. Allerdings kann es nichts schaden, wenn man zumindest schon ein wenig Vorwissen bezüglich der (Musik-)Historie und einzelner Bands mitbringt, da man als Leser sonst hin und wieder doch etwas überwältigt werden kann. Was die Fülle des Stoffes anbelangt sowieso, denn alleine 119 vom Autor eigens geführte Interviews flossen in das Werk ein.

Auf knapp 400 Seiten lässt sich natürlich keine umfassende Geschichte sämtlicher Bands schreiben, und so wurde zu Gunsten des Gesamtüberblicks auf persönliche Anekdoten und Ähnliches weitgehend verzichtet. Stattdessen hält man mit „Rip It Up and Start Again. Postpunk 1978-1984“ eine vorbildliche Einführung für musikhistorisch Interessierte in der Hand. Wer Kultband-Klatsch und sensationelle Szenegängerberichte erwartet, der ist mit diesem Buch dagegen denkbar schlecht bedient. Doch wahre Fans der Ära werden an diesem Werk kaum vorbeikommen. Denn nicht zuletzt fordern die zahlreichen Nennungen diverser Singles dazu auf, sich selbst einmal näher mit der ein oder anderen Band zu beschäftigen, die man noch nicht kannte.

Zusätzlich zum Buch hat Reynolds von seiner [Homepage]http://www.simonreynolds.net/ aus über achtzig Seiten kommentierte Postpunk-Diskographie verlinkt, was das Stöbern nach Neu- und Wiederentdeckungen erleichtert. Schön ist auch, dass hier etablierte Genregrenzen nicht einfach zementiert werden, sondern auch Kontinuitäten, Vorläufer (wie die |Freak Culture| der Sechziger), Impulsgeber und benachbarte Strömungen (wie Electro-Funk) zumindest einmal angerissen werden, anstatt grob vereinfachende Dichotomien wie etwa ‚Punk vs. Rock‘ oder ‚Post-Punk vs. Punk‘ zu behaupten.

Nach Judith Ammanns Interview-Collage „Who’s Been Sleeping In My Brain“ und dem deutschlandlastigen Pendant „Verschwende deine Jugend“ von Jürgen Teipel ist Simon Reynolds mit „Rip It Up and Start Again. Postpunk 1978-1984“ nun ein wirklich unverzichtbares, weil umfassendes Werk zum Thema gelungen.

Wer das Buch im englischen Original lesen möchte, sollte allerdings entweder in dieser Sprache sehr bewandert sein oder aber zumindest ein Wörterbuch ständig greifbar halten, um nicht um die Feinheiten des Ausdrucks verlegen zu sein. Wenn man denn über den entsprechenden Wortschatz verfügt, liest sich „Rip It Up and Start Again“ jedoch recht flüssig. Eine deutsche Ausgabe des Buches erschien im [Hannibal Verlag]http://www.hannibal-verlag.de unter dem Titel „Schmeiß alles hin und fang neu an“, übersetzt von Conny Lösch, die bisher eher durch Bücher im Bereich ‚Sex & Porno als Pop‘ aufgefallen ist. Allerdings enthält diese Ausgabe, im Gegensatz zum Original, leider keinen Index.

Tedman, Ray (Hg.) – A Tribute to Led Zeppelin – Fotografien

_Neuer Led-Zep-Fotoband: Geldmacherei oder Perle?_

Nach dem Mega-Erfolg der fabelhaft gelungenen Live-DVD aus dem Jahr 2003 hat sich um die Hard-Rock- und Heavy-Metal-Band |Led Zeppelin| geradezu eine Medien-Industrie entwickelt, und das zusätzlich zu der bereits vorhandenen Literatur von Fans, Journalisten, „Managern“ und Musikologen. Angesichts der Flut von Veröffentlichungen muss der Musikinteressierte die Rip-offs von den Perlen unterscheiden lernen. Ob „A Tribute to Led Zeppelin“ die Geschichte der Band in Fotos von 1968 bis heute, eine Perle ist, die man sich für knapp 30 Euronen zulegen sollte, muss sich erst noch zeigen.

Hinweis: Diese Rezension liefert nicht die Geschichte dieser Band, sondern setzt sie als bekannt voraus. Wer alles über |Led Zeppelin| sucht, stößt im Internet auf reiche Jagdgründe. Es gibt kaum noch etwas, was über LZ nicht bekannt wäre. Auf |Buchwurm.info| erfährt man mehr über die Band in den folgenden Rezensionen:

[„Led Zeppelin – Talking“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=434
[„Whole lotta Led – Unsere Reise mit Led Zeppelin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2855

_Der Herausgeber_

Ray Tedman ist der Herausgeber dieses Bildbandes. Das bedeutet, dass er nicht für sich in Anspruch nimmt, hochgeistige Beiträge abzuliefern und tiefschürfende Untersuchungsergebnisse zum Besten zu geben. Obwohl er es nicht sagt, bestand seine Aufgabe darin, einfach nur die Begleittexte zu den Fotos schreiben.

Die Begleittexte immerhin basieren auf gesicherten Informationen vom zuverlässigsten Bandbegleiter namens Dave Lewis. Was Tedman also über die Laufbahn der Band und ihrer Mitglieder schreibt, ist also nah an der Wahrheit, wenn auch bei weitem nicht die ganze Wahrheit. Für den Rest gibt es andere Bücher.

Hauptsache also, die Fotos sind gut. Diese stammen von Rex Features, einer „unabhängigen britischen Presseagentur für Fotografie“ (www.rexfeatures.com). Sie beliefert seit 1954 über 30 Ländern mit Fotomaterial zu Medienereignissen. Ihr Bildarchiv ist dementsprechend umfassend, insbesondere zu allen Exponenten der Rockmusik.

Der Zeitraum, der von den in diesem Band präsentierten Fotos abgedeckt wird, reicht von 1964 bis November 2006, also 42 Jahre.

Die BAND |Led Zeppelin| (1968-1980):

Jimmy Page: Gitarren
Robert Plant: Gesang, Mundharmonika
John Bonham: Drums, Percussion
John Paul Jones: Keyboards, Bass

Im Dezember 2007 traten |Led Zeppelin| mit Jason Bonham, John Bonhams Sohn, als Drummer in London auf. Die Tickets kosteten hunderte von britischen Pfund, und nur 20.000 Glückliche konnten bei diesem Wohltätigkeitskonzert live dabei sein. Das spricht Bände für die anhaltende Attraktivität dieser Gruppe.

_Inhalte_

|A) Der Text|

Ray Tedmans Begleittexte zeichnen in zwölf Kapiteln die gesamte Geschichte |Led Zeppelins| nach, von der kuriosen Entstehung als |The New Yardbirds| (Herbst 1968) bis zu ihrem jähen Ende 1980, das durch den Tod des Drummers John Bonham herbeigeführt wurde. In einem Zusatzkapitel erfahren dann noch mehr über die Wege, welche die übrigen Mitglieder der Band gingen.

|B) Die Fotografien|

Die ca. 130 Farb- und Schwarzweißaufnahmen zeigen die „beste Rock-and-Roll-Band der Welt“, so das Fan-Credo, bevorzugt bei ihren Live-Auftritten, aber auch im Studio und backstage. Die meisten Fotos widmen sich den zahllosen Live-Auftritten, allerdings ohne dass jedes Fotos datiert wäre (immer eine Fitzelarbeit). Eine fast ebenso große Zahl von Aufnahmen zeigt die einzelnen Bandmitglieder bei ihren Offstage-Auftritten, so etwa im Los-Angeles-Hotel Chateau Marmont (wo sie kein Hausverbot bekamen) oder in ihren diversen Büros und Wohnungen.

Recht interessant ist die letzte Sektion der Aufnahmen im Kapitel „Nachwehen“. Hier finden sich die Aufnahmen neuesten Datums, die bis in den November 2006 reichen. Am 14. 12. 2005 erhielt Jimmy Page von der Queen einen MBE-Orden für seine Arbeit mit brasilianischen Straßenkindern, und 2006 wurde er in die |UK Hall of Fame| aufgenommen. Die Band selbst ist schon längst in die |US Rock ’n‘ Roll Hall of Fame| aufgenommen worden, aber so wie die britische Presse die Band in den 70ern ignorierte oder niedermachte, wundert es nicht, dass Page diese Ehrung erst so spät zuteil wurde.

Die Qualität der Fotos ist nicht durchweg optimal. Das ist angesichts der Entstehungsumstände durchaus verständlich. Eine Konzertbühne ist schließlich kein Studio. Da können die Aufnahmen schon mal grobkörnig sein. Mitunter werden sogar Abzüge einfach nebeneinander geklebt – wohl um die filmreife Dynamik eines Robert-Plant-Auftrittes zu simulieren.

_Mein Eindruck_

Der Herausgeber Ray Tedman bemüht sich um einen sachlichen Tonfall, der auf nachweisbaren Fakten basiert. Doch um unterhaltsam zu sein, muss er auch ein wenig Lobhudelei betreiben. Schließlich soll sein Buch die Fans ansprechen. Und wenn er über den Tod von John Henry Bonham schreibt, weiß er den Fan durchaus zu Tränen zu rühren. Tragische Vorfälle gibt es bei LZ genügend, so etwa den Tod von Robert Plants Sohn Carac und den Beinahetod Plants und seiner Frau auf einer griechischen Insel.

Aber es gibt auch eine humorvolle Seite, die leicht ins Bizarre umzuschlagen droht. Immer wieder muten dem heutigen Leser die Exzesse der Bandmitglieder wie Märchen aus einer anderen Welt an. Und das kann nicht bloß daran liegen, dass die Rocker in den Spätsechzigern und Siebziger ständig zugedröhnt gewesen sein müssen. Wenn also Humor auftaucht, so oft in Verbindung mit Bizarrerie, Groteske, ja, sogar brachialer Gewalt. Humor war schon damals eine Geschmacksfrage. Und was die Kolportageberichte der Herren Cole und Davis („Hammer of the Gods“) daraus machten, kann man sich leicht ausmalen.

Dankenswerterweise enthält sich der Herausgeber aller Kolportage, auch wenn er im Anhang ausdrücklich „Hammer of the Gods“ als Quelle erwähnt – nicht gerade ein Pluspunkt. Meist stützt sich Tedman auf die von Dave Lewis gesicherten Fakten. Darauf weisen zumindest die Danksagungen im Anhang hin. Die Begleittexte bestätigen diesen positiven Eindruck.

Tedman beschreitet einen schmalen Grat zwischen Begeisterung für das musikalische Phänomen der Band und der Kritik an dem soziokulturellen Phänomen des Kultes und des Big Business. Die Sachlichkeit kann aber auch stellenweise in Faktenhuberei umschlagen. Dann wird aus der Geschichte der Band lediglich eine Chronologie der Auftritte. Diese Entwicklung ist wohl angesichts des knapp bemessenen Platzes – nur je eine Seite pro Kapitel – verständlich.

|Die Fotografien|

Wenn 130 von 160 Seiten eines Buches auf Fotografien entfallen, dann ist klar, dass es sich um einen Bildband handelt. Diese Fotografien wussten mich wirklich zu begeistern. Bemerkenswert ist, dass es sich dabei zum größten Teil um Aufnahmen der Live-Auftritte aus LZs bester Zeit zwischen 1970 und 1975 handelt.

Immer wieder ist Jimmy Page als Gitarrengott zu sehen und Sänger Plant als narzisstischer Frontman (der überhaupt kein Narziss war – es ist alles nur Show). Angesichts dieses dynamischen Duos rücken der Keyboarder/Bassist Jones und der Drummer Bonham etwas in den Hintergrund. Das haben sie nicht verdient.

Immerhin lässt sich anhand der Bilder eine organische Entwicklung der Band und ihrer Mitglieder ablesen. Dadurch wird der Bildband zu einem Dokument jener Zeit, die uns heute schon wieder fremd – oder doch zumindest heroisch verklärt – anmutet. Der Dokumentationscharakter zeigt sich am stärksten im letzten Kapitel, in dem der weitere Werdegang der Bandmitglieder gezeigt wird.

Hier sehen Plant & Page auf der Bühne ebenfalls gut aus. Und sie sind es auch, die backstage am meisten auftauchen (was Mister Bonham, zugegeben, ziemlich schwerfallen würde). Wer’s noch nicht wusste: Herr Plant verfolgt seit fast 30 Jahren eine ziemlich erfolgreiche Solokarriere, und bezüglich seiner jüngsten Kooperation mit der Country-&-Western-Sängerin Alison Krauss überschlagen sich auch die Kritiker wieder vor Lob.

Wenn man sich die frühen Fotos der Band mal genauer anschaut, dann fällt schnell auf, dass es Plant ist, der quasi eine Aversion gegen die Kamera an den Tag legt. |Led Zep| wurden so oft von der Presse geschmäht und verleumdet (oder einfach nur naiv mit den |Beatles| verglichen, siehe oben erwähnte DVD), dass sich die Mitglieder fast nie gegenüber Journalisten äußerten, dafür aber umso bereitwilliger gegenüber ihren Fans. (Weshalb ihre Live-Aufnahmen wesentlich schöner sind als alle Studioaufnahmen.)

Wenn also Plant misstrauisch in die Kameralinse schaut oder sie gleich gänzlich ignoriert (im Chateau Marmont), so belegt dies nur seinen Widerwillen gegenüber einer Presse, die ihn und seine Mitstreiter überwiegend schlecht behandelte. Die Band schlug zum Beispiel mit unbetitelten Alben wie Nr. 4 zurück. Das belegte in den Augen der brüskierten Presse nur die arrogante Herablassung von sogenannten „Rockgiganten“ usw. usf. ad infinitum. Dass Nr. 4 das Rock-Album mit der vierthöchsten Auflage aller Zeiten ist (laut Nigel Williamson), dürfte die Presse nicht versöhnlicher gestimmt haben.

_Unterm Strich_

Es gibt einen Maßstab für Bildbände über |Led Zeppelin|. Das ist immer noch „Led Zeppelin: Heaven and Hell. An illustrated history by Charles Cross, Erik Flanagan with photographs by Neal Preston“. Hinsichtlich der Auswahl der Fotografien, deren Bandbreite und Qualität braucht sich Tedman/RexFeatures‘ Bildband keineswegs dahinter zu verstecken. Natürlich ist das Fotomaterial ein völlig anderes. Wo Neal Preston die US-Auftritte der Band in überreichem Maße ablichtete, spielen die USA bei Tedman nur eine Nebenrolle, und Auftritte in England stehen verhältnismäßig im Mittelpunkt.

Textmäßig könnte der Unterschied nicht größer sein. Cross & Flanagan erzählen sämtliche notorischen Anekdoten und decken zahllose Mythen, Lügen und Legenden auf, die sich um die Band ranken. Dabei liefern sie im Anhang aber auch detaillierte Konzert- und Tourinfos. Dazu gibt kaum etwas Besseres, höchstens von Dave Lewis. Einziges Manko: So etwas wie kritische Distanz zur Band fällt den Autoren etwas schwer.

Im Hinblick auf kritische Distanz hebt sich Tedman von seinen amerikanischen Vorgängern wohltuend ab. Er stützt sich auf gesicherte Fakten und Zitate, die er mit Dave Lewis auf Glaubwürdigkeit abklopfte. Natürlich fehlen dann so saftige Anekdoten wie die Hai-Episode vom Mai 1969 in Seattle (nach anderen Versionen handelte es sich um einen Tintenfisch). Stellenweise verliert er sich in Tourdaten, aber die meiste Zeit konzentriert er sich auf den verhängnisvollen Werdegang der Götter des Rockpantheons, die 1980 eine historische Bruchlandung hinlegten. Nur um dann 25 Jahre später größer als je zuvor wieder in den Medien herumzugeistern.

Rip-off oder Perle – das ist hier die Frage. Wer einen Bildband mit dokumentarischem Charakter sucht, wird mit diesem qualitätsvoll gestalteten und fehlerlos übersetzten Buch optimal bedient – eine Perle also. Wer mehr über die Band an sich erfahren möchte, findet sicherlich andere Werke, die seine Wünsche besser und umfangreicher befriedigen können. Ganz sicher aber ist dieses Buch keine Geldmacherei, sondern bietet reellen Gegenwert.

|Originaltitel: A Tribute to Led Zeppelin, 2008
160 Seiten
Aus dem US-Englischen von Madeleine Lampe
ISBN 978-3-89602-822-8|
http://www.schwarzkopf-schwarzkopf.de

Alexander F. Spreng (ASP) – Horror Vacui

Mit dem Album „Requiembryo“ schloss die Gothic-Band |ASP| im Jahr 2007 ihren Zyklus um den Schwarzen Schmetterling ab: eine auf fünf CDs angelegte Konzeptgeschichte, welche die Auseinandersetzung zwischen der hellen und dunklen Seite der menschlichen Persönlichkeit thematisiert, sich dabei aber vor allem auf die Facetten der düsteren Aspekte konzentriert. „Horror Vacui“, ein teilweise neu eingespieltes Best-of-Album, stellte Anfang 2008 den Zyklus noch einmal aus einer von der Band als solche betitelten Retrospektive dar.

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Popoff, Martin – Rainbow. Zwischen Genie und Wahnsinn

|“… einmal habe ich dabei zugehört, wie jemand Roger Glover interviewte, und ich saß dabei. Und er erzählte eine Geschichte darüber, was passiert ist, und ich saß dabei und rief: ‚Das ist nie geschehen und das auch nicht, und das war ganz anders!‘ Dann dachte ich mir, dass es schon seltsam ist, wie wir alle unsere Geschichten abändern, ohne es zu wollen. (…) Ich habe wahrscheinlich selbst Anekdoten erzählt und jemand anderer hat dazu gesagt: ‚Moment mal, so ist das aber nicht geschehen.‘ Es ist schon erstaunlich, wie man eine Geschichte verdreht, wenn man über etwas spricht, das 20 Jahre zurückliegt, und wie man sich an die Dinge erinnert.“|

Mit diesen Worten zitiert der Musikjournalist Martin Popoff in seiner neuesten Bandbiographie „Rainbow. Zwischen Genie und Wahnsinn“ (S. 169/171) Ritchie Blackmore, den Gründer und Kopf von RAINBOW. Dieses Zitat hätte er seinem Buch als Motto voranstellen können.

In seiner langjährigen Tätigkeit hat Popoff etliche Interviews mit Bandmitgliedern aus den verschiedenen Phasen der Gruppe geführt und damit eine breite und wertvolle Datenquelle geschaffen, aber sein Buch besteht in weiten Teilen nur aus einer unkritischen Zusammenstellung von Interviewzitaten. Weitere Quellen waren für den Autor offenkundig nur einige Fremdinterviews und die Covertexte der veröffentlichten Tonträger. Sein Buch hätte den Untertitel „RAINBOW in Selbstzeugnissen“ bekommen sollen. Was man als Leser aus dieser weitgehend unreflektierten und unkommentierten Aussagensammlung gewinnen kann, ist vor allem die Erkenntnis, wie sehr die Erinnerungen der Menschen von Eitelkeit, Kameradschaft, Interessantmacherei oder einfach einem schlechten Gedächtnis getrübt werden und das eingangs wiedergegebene Zitat Blackmores bestätigt wird. Wenn der Autor von verschiedenen Beteiligten allerdings gleichlautende Aussagen bekommt, dann gelingen ihm wichtige Erkenntnisse aus erster Hand. Insbesondere einige der vielen Umbesetzungen des autokratischen Bandleaders Blackmore (bei RAINBOW erschienen nie zwei Studioalben in der gleichen Besetzung) dürften hier endgültig geklärt sein und das Buch zur unverzichtbaren Quelle für alle weiteren Arbeiten über diese Band machen.

Ansonsten muss man als Leser zwischen den Zeilen lesen, besonders wenn die Musiker übereinander reden. Die Floskel „Aber er war ein netter Kerl“ scheint die gleiche Qualität zu haben wie „Der Trainer hat unser Vertrauen“ in Fußballerkreisen. Häufig interviewte Bandmitglieder werden – unabhängig vom Aussagewert – hinter ihren Äußerungen ein wenig als Menschen greifbar. So erkennt man einen launischen Blackmore, der heute seinen Begleitern kreative Freiräume gewährt und junge Talente fördert und sie morgen ohne ehrliche Aussprache feuert oder plötzlich Zugaben verweigert, wenn das Konzertpublikum sie nicht „verdient“ habe. Und einen eitlen Joe Lynn Turner (Sänger 1980 bis 1984), der gleich mehrfach betont, wie gut er doch beim weiblichen Publikum ankam, und mitteilt, dass seine Fans einer Umfrage zufolge intelligenter und wohlhabender seien als diejenigen seines Vorgängers Ronnie James Dio (trotzdem ist Dio natürlich ein netter Kerl).

Als Rockfan wird man auch den traurigen Eindruck nie ganz los, dass RAINBOW ein ungeliebtes Kind war. 1975 verlässt Ritchie Blackmore DEEP PURPLE, weil er fürchtet, dass die Soul-, Funk- und Blueseinflüsse, welche die Neumitglieder David Coverdale und Glenn Hughes mitgebracht haben, den reinen Rock auf barocker und klassischer Grundlage verwässern. Menschliche und hierarchische Reibereien dürften ebenfalls eine große Rolle gespielt haben. So entbeint Blackmore kurzerhand die PURPLE-Vorband ELF um ihren Gitarristen und spielt mit dem Rest als RAINBOW noch im selben Jahr das Debütalbum „Ritchie Blackmore’s Rainbow“ ein. Der erste gemeinsam aufgenommene Titel, der schlagerhafte Oldie ‚Black Sheep Of The Family‘ aus den 60ern, den die DEEP-PURPLE-Mitglieder zurückgewiesen haben, wirkt wie ein Fremdkörper auf dem Album und hinterlässt den Eindruck, dass es hier nur jemand den alten Kollegen ganz schnell zeigen wollte. Kaum ist die Platte draußen, entlässt Blackmore die ELF-Leute außer dem Sänger Ronnie James Dio. Die personellen und musikalischen Änderungen halten an. Im Rückblick ist Blackmore mit keinem Album restlos zufrieden, und als sich 1984 die Gelegenheit zur einer lukrativen PURPLE-Reunion bietet, löst er die eigene Band, in der er doch der Chef ist, wieder auf.

Martin Popoff lässt die Originalzitate aus den Interviews unverändert. Wenn ein Musiker mitten im Satz den Faden verliert und eine neue Formulierung beginnt, ist das genau so abgedruckt. Das zeigt einerseits den Respekt des Autors vor den Quellen, erschwert allerdings den Lesefluss, ohne zu einem Erkenntnisgewinn zu führen. Dass er, wie erwähnt, diese Zitate häufig auch ohne Überleitung und Kommentierung stehen lässt, führt dazu, dass neben Banalitäten der Sorte „Ich mochte diese Unterkunft, nicht aber jenes Studio“ echte Knaller fast untergehen. Wenn hier immer die Wahrheit gesagt wird, dann sind auf dem Erfolgsalbum „Love At First Sting“ der SCORPIONS ehemalige RAINBOW-Mitglieder und nicht etwa (nur) die eigene Rhythmusgruppe an Bass und Schlagzeug zu hören. Und dann wollte Ritchie Blackmore das 95er Album „Stranger In Us All“ gar nicht unter RAINBOW herausbringen, sondern wurde von den Kaufleuten beim Label zu diesem zugkräftigen Namen genötigt, was den Eindruck eines ungeliebten Kindes bestätigen würde.

Musik in Worten wiederzugeben, ist grundsätzlich schwierig. Aber der Autor geht in seiner nach Alben gegliederten Bandbiographie auf jeden veröffentlichten Titel ein, indem er O-Töne der Beteiligten zitiert oder eigene kurze Beschreibungen abgibt, wobei persönliche Meinungsäußerungen als solche kenntlich sind. Diese Konzentration auf die Musik als das Wesentliche ist eine Stärke des Buches. Aus den Aussagen mehrerer Bandmitglieder geht hervor, dass die Lieder in der Entwicklung der Gruppe von 1975 bis 1983/84 immer kommerzieller wurden und auch werden sollten. Nun bedeutet „kommerziell erfolgreich“ zunächst einmal nur, dass sich etwas besser verkauft, ein geringerer künstlerischer Wert ist damit nicht zwangsläufig gemeint. Ob RAINBOW vor oder nach Dios Weggang besser waren, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Aber hier wäre eine Analyse oder Kommentierung des Autors gefragt, festzustellen, dass RAINBOW nach 1979 nie mehr echte Markenzeichen wie ‚Catch The Rainbow‘, ‚Gates Of Babylon‘ und vor allem ‚Stargazer‘ hervorgebracht haben, die man sich so bei keiner anderen Gruppe vorstellen könnte. Vergleiche mit anderen Bands wie JOURNEY seit dem Einstieg Steve Perrys hätten auch etwas über die damalige Zeit aussagen können.

Der Anhang des Buches enthält eine ausführliche Liste der offiziellen und halboffiziellen Alben. Das Bildmaterial reicht von gelungen (Bandfotos, Tourplakate, Magazincover mit einem humorvollen und selbstironischen Ritchie Blackmore) bis überflüssig (ganze Porträtstrecken von Ronnie James Dio, Roger Glover, Candice Night), wobei die fehlenden Bildunterschriften den RAINBOW-Neuling eher hilflos zurücklassen dürften. Seine Leser wir das Buch vermutlich überwiegend unter den beinharten RAINBOW-Fans finden.

http://www.ritchieblackmore.com (offizielle Seite zu RAINBOW und BLACKMORE’S NIGHT)
http://www.martinpopoff.com
http://www.ip-verlag.de

Hensley, Ken – Blood On The Highway – The Ken Hensley Story

_Eine wahrhaftige Ikone spricht_

Ken Hensley gehört zu der Sparte Musiker, die während ihrer ewig währenden Karriere jeden Nebenzweig des Business kennengelernt, ihn gelebt, gepflegt und letztendlich doch verabscheut, allerdings erst viel zu spät gemerkt haben, dass ihr bisweilen luxuriöses Künstlerleben kein Freifahrtschein in die Zügellosigkeit sein kann. Hensley merkte dies jedoch wie so viele andere Kollegen deutlich zu spät, litt insgeheim unter den Folgen von Ruhm und Ehre und konnte auch mit den finanziellen Gegebenheiten des Starlebens nicht so recht umgehen, was er jedoch letztendlich weniger bereut als die einzelnen Versäumnisse, die aus der Zeit um Sex, Drugs & Rock ’n‘ Roll noch in die heutige Zeit hineinreichen.

All jene Erfahrungen aus den wilden Siebzigern offenbart der Gitarrist und Songwriter in seiner persönlichen Biografie „Blood On The Highway“, die hierzulande jüngst über den |Grosser & Stein|-Verlag veröffentlicht wurde. In diesem recht unterhaltsamen Werk berichtet Hensley über seine Zeit bei URIAH HEEP, so manche Eskapade, aber auch über die zweifelhaften Nebeneffekte des ruhmreichen Musikerlebens, ohne dabei rückblickend mit erhobenem Zeigefinger den Moralapostel zu spielen. Von seinen Anfängen in der Jugend, den ersten Kontakten mit der Musik bis hin zum steilen Aufstieg und anschließenden Absturz in die Kokainabhängigkeit resümiert Hensley hier vor allem die unliebsamen Erlebnisse, die sein Leben bis dato zeitigten, verleiht seiner Berichterstattung aber einen insgesamt überraschend lebendigen Rahmen, der die Story des Musikers zwischenzeitlich fast schon wie ein Akt der Selbstironie verkauft. Bei all der Tragik und Brisanz, die besonders den zweiten Teil seiner aktiven Karriere überschattete, gelingt es dem Autor dennoch, ein insgesamt positives Resümee zu ziehen und sein Leben nicht als die skandalöse Geschichte eines Business-Opfers darzustellen. Man bekommt stattdessen den Eindruck, Hensley verstehe seine gesamte Laufbahn als wechselseitigen Lernprozess, der bis zum heutigen Tage und trotz aller Schicksalsschläge nicht abgeschlossen ist.

Dementsprechend versteht sich der lockere Schreibstil des Altstars (Ken zählt mittlerweile auch schon stolze sechzig Lenze) fast wie von selbst und wirkt erfrischend jugendlich – so wie im Übrigen die kompakte Zusammenfassung seiner persönlichen Autobiografie. Dies hängt mitunter auch damit zusammen, dass der Mann nicht die Band als Leitfaden für die Story verwendet hat, sondern seine eigene Befindlichkeit während all der Jahre in den Mittelpunkt stellt. Natürlich spielt seine Partizipation bei URIAH HEEP für den wesentlichen Teil seiner charakterbezogenen Entwicklung eine immens wichtige Rolle, wird aber nicht als Aufhänger für eine etwaige Sensationspublikation genutzt. Anders als erwartet nutzt Hensley nämlich die sich bietende Gelegenheit ausschließlich, um von den verschiedensten Eindrücken zu erzählen, sowohl in Sachen Musik und Therapie, aber auch hinsichtlich seiner Familie und den gewöhnlichen Hoch- und Tiefpunkten des ganz gewöhnlichen Lebensalltags. Besonders dieser Umstand verabreicht dem Buch sowie auch der Person hinter „Blood On The Highway“ das Fünkchen Menschlichkeit, welches bereits ausreicht, um die erforderlichen Sympathien beim Publikum zu wecken. Ähnlich wie einst bei URIAH HEEP …

Auf den 160 bebilderten, englischsprachigen Seiten gibt’s dennoch eine Sache, die sich ein wenig als störend erweist. Der Autor verpasst der Biografie eine in etwa chronologische Struktur, hält sich in den einzelnen Kapiteln aber kaum an diese Vorgaben. Es wird ständig rezitiert, verglichen und auch vorausgeschaut, was der Entwicklung einer stringenten Historienaufarbeitung manchmal entscheidende Steine in den Weg legt und mitunter auch schon mal ein wenig Verwirrung stiftet. Etwas mehr Gradlinigkeit hätte so manchem Abschnitt gutgetan, gerade in der ersten Hälfte, in der man noch damit beschäftigt ist, den Menschen hinter diesem Buchprojekt genauer kennenzulernen.

Doch derartige Versäumnisse bzw. vergleichsweise geringfügige Unzulänglichkeiten verwässern den angenehmen Charakter des Buchs keinesfalls. Ken Hensley hat zweifelsohne ein bewegtes Leben hinter sich und kann mit mancherlei Anekdote aufwarten, deren Humorgehalt bereits ausreichen würde, um die Anschaffung dieser Biografie zu rechtfertigen. Darüber hinaus wird hier in einer teils recht bewegten Geschichte dargestellt, wie nahe Licht und Schatten im Musik-Business zusammenliegen bzw. wie schnell man als standhafter Mensch aufs moralische Abstellgleis gerät, sobald einem die Zügel entgleiten – und zumindest dies wurde in keinem mir bekannten Buch derart glaubhaft und nüchtern vorgetragen, dass man stellenweise wirklich ergriffen ist.

Insofern ist „Blood On The Highway“ auch samt seiner teils chaotischen Schlenker ein wirklich lesenswerter Titel und im Hardrock-Business ohne jeden Zweifel eine der gelungensten und persönlichsten Autobiografien auf dem Markt. Ganz egal, welche Verbindung man zu diesem Musiker und Menschen hat oder ob eine solche überhaupt besteht: Prinzipiell sollte sich hier jeder vom finsteren Untertitel „When too many Dreams come true“ inspiriert fühlen und Hensley in der Schilderung der Ereignisse seine Aufmerksamkeit schenken. Verdient hat „Blood On The Highway“ dies allemal.

http://www.grosser-stein.de/
http://www.membran.net/

Bosworth (Herausgeber) – Nur für Anfänger – Klavier

Die Veröffentlichungsreihenfolge der unterschiedlichen Musik-Lehrbücher beim |Bosworth|-Verlag ist mitunter ein bisschen seltsam. Nachdem man schon die unterschiedlichsten Editionen für Geübte und weiter fortgeschrittene Pianisten auf den Markt gebracht hat, folgt nun, quasi ein Schritt zurück, eine neue, vornehmlich für Einsteiger und Anfänger konzipierte Ausgabe zum Thema Klavierspielen. Wie auch schon die Gitarrenbücher aus der Reihe „Nur für Anfänger“ bitet aber auch die Piano-Edition dieses neuen Werkes einen sehr guten, sinnvoll zusammengesetzten Aufbau und eine leicht verständliche Schritt-für-Schritt-Struktur, die nicht nur auf bloßer Theorie fußt. Ziel des immerhin 40 Seiten starken Bandes war definitiv Transparenz und leichte Nachvollziehbarkeit anhand praktischer bzw. zumindest praxisnaher Beispiele. Und was das betrifft, wurden die zugehörigen Vorgaben weitestgehend perfekt erfüllt!

„Nur für Anfänger – Klavier“ gefällt vor allen Dingen wegen der exzellenten Verquickung von theoretischem, fachbezogenem Lernstoff und anschaulich offengelegten Fingerübungen. Das Magazin ist reichlich bebildert, gibt anhand von fotografischen Abbildungen Aufschluss über die Überbrückung erster Schwierigkeiten und zeigt situationsabhängig die richtige Position von Körper und Fingern. Selbstverständlich werden auch Notation und Notenlehre kurz aufgegriffen, jedoch nicht mehr in aller Ausführlichkeit erklärt, sondern vermehrt im Zuge der einzelnen praktischen Übungen integrativ in den Lernprozess mit einbezogen. Und dennoch beginnt „Nur für Anfänger – Klavier“ im Grunde genommen von der Pieke an und führt die wesentlichen Elemente und Techniken in der kompakteren Variante mit auf. Man erfährt Wissenswertes zur Struktur von Akkorden, lernt, die beiden Hände auf den Tasten in Harmonie zu bringen, und letztendlich auch, die ersten Schritte gleich beidhändig sicher zu beherrschen.

Um das Ganze auch entsprechend abgleichen und überprüfen zu können, enthält das Buch außerdem eine Audio-CD mit diversen Playbacks und Demonstrationen des aufgebotenen Stoffes. Hilfreiche Instruktionen und ein trotzdem eingeführter, minimalistischer Crash-Kurs in der Musiktheorie runden dieses Werk schließlich ab, welches berechtigterweise den Untertitel „Alles, was du (zum Klavierspielen) brauchst“ trägt. Interessierte und baldige Einsteiger sind daher gut beraten, sich mit diesem leichten Anfangswerk mit der ersten Materie vertraut zu machen. Hinsichtlich der Anschaulichkeit und des liebevoll durchstrukturierten Theorie-Praxis-Bezuges wird man jedenfalls kaum einen anderen Titel finden, der in so kurzer Zeit für derart große Fortschritte bürgt. Dass man am Ende tatsächlich schon einige Passagen von Dvorak, Brahms und Beethoven spielen kann, spricht jedenfalls für sich!

http://www.bosworth.de

Stevens, Cat (Islam, Yusuf) – Cat Stevens / Yusuf Islam – Das kleine schwarze

Yusuf Islam – für viele nach wie vor ein Fremdling, dessen religiöser Wandel wohl nur den wenigsten richtig begreiflich scheint. Der Mann, der einst als Cat Stevens (bürgerlich: Steven Demetre Georgiou) zu einem der bedeutendsten und einflussreichsten Singer/Songwriter avancierte, wird bereits seit längerer Zeit von Medien und politischen Instanzen äußerst skeptisch betrachtet. Mehrere Skandale überschatteten seine jüngste Karriere, darunter auch der vorläufige Negativ-Höhepunkt im Jahre 2004, als ihm wegen vehementer Bedenken über eventuelle Verbindungen zum islamischen Terrornetzwerk die Einreise in die USA verweigert wurde. Aber auch eine angebliche frauenfeindliche Attitüde wird ihm wegen einiger markanter Aussagen und Vorfälle nachgesagt, so dass der Fokus im Laufe der vergangenen vier Dekaden immer weiter von der Musik wegrückte und der Mensch Yusuf Islam mit all seinen unkonventionellen Einstellungen in den Medien präsent war.

Dennoch bleibt unbestritten, dass der Mann unter seinem ersten Künstlernamen Cat Stevens einige der wichtigsten Beiträge zum politisch engagierten Rock der späten Sechziger und frühen Siebziger geleistet hat und somit maßgeblich daran beteiligt war, dass die internationale Friedensbewegung deutlichen Einzug ins Musik-Business hielt. Zwischen 1967 und 1977 verkaufte er in seiner Zeit als aktiver Musiker immerhin 41 Millionen Alben, bevor dann seine Hingabe zum Islam sein Leben völlig auf den Kopf stellte und den Rockmusiker Stevens auslöschte.

Sein geistiges Fundament, darunter auch Material seiner zweiten Karriere als Yusuf Islam, wird nun in einem weiteren exklusiven Songbook im |Bosworth|-Verlag festgehalten. In „Das kleine schwarze“ ist das Gesamtwerk des bemerkenswerten Künstlers in Text und Notation aufgeführt, angefangen bei seinen stürmischen Anfangstagen über internationale Volltreffer wie ‚Wild World‘, ‚Morning Has Broken‘ und ‚Father And Son‘ bis hin zu aktuellen, weniger bekannten Stücken wie ‚The Beloved‘ und ‚Maybe There’s A World‘. Insgesamt sind es beinahe 150 Tracks, die in diesem schmucken Taschenbuch zusammengefasst sind und mit allen Akkorden für die Gitarrenbegleitung ausgestattet wurden. Außerdem werden im Anhang noch einige Kniffe zum Stimmen der typischen Stevens-Gitarre verraten, um einen möglichst authentischen Sound zu erzielen und die Begleitung der zahlreichen Originale so stimmig wie nur eben möglich zu gewährleisten.

Ähnlich wie schon bei den Büchern zu den |Ärzten| oder den |Toten Hosen| setzt der Verlag auf das bewährte Kompaktformat, welches sich einmal mehr als sehr praktisch erweist. Lediglich die Handhabung der Gitarrenbegleitung ist ein wenig umständlich, da die Seiten aufgrund des Kleinformats schnell umschlagen, was aber mit ein bisschen Feingefühl wieder umgangen werden kann. Viel wichtiger ist indes die Vollständigkeit dieses Werkes, welche von der ersten bis zur letzten Seite in alphabetischer Reihenfolge garantiert ist und „Das kleine schwarze“ zu einem unverzichtbaren Werk für jeden Fan des viel zitierten, wenn auch merkwürdigen Musikers macht. Man kann zum Menschen Yusuf Islam respektive Cat Stevens alias Steven Demetre Georgiou stehen, wie man mag – seine Musik allerdings ist ein unumstößliches, geschichtsträchtiges Monument, welches auch etliche Jahre nach seiner größten Zeit immer noch von immenser Bedeutung ist. In diesem schmucken Begleitheft zur Karriere des Künstlers wird dies sehr eindrucksvoll notiert und reflektiert.

http://www.bosworth.de

Mader, Matthias – Judas Priest, Der stählerne Weg von

JUDAS PRIEST ist die wahrscheinlich wegweisendste Gruppe im Heavy Metal. Ohne die Band aus Birmingham wäre diese Musik nicht so, wie sie sich seit fast 30 Jahren darstellt, wenn sie sich überhaupt jemals voll entfaltet hätte.

Seit über 20 Jahren gab es keine umfassende Biographie über JUDAS PRIEST mehr. Erst in diesem Jahr werden einige Werke aufgelegt oder vorbereitet. Eines davon ist „Der stählerne Weg von Judas Priest“ des langjährigen Musikjournalisten Matthias Mader. Mader ist seit den späten 70ern bekennender Anhänger von JUDAS PRIEST, was sich als Stärke und zugleich Schwäche seines Buches herausstellt. Eine Stärke ist es, weil der Autor aus einer jahrelangen Beobachtung der Band und vielen persönlichen Interviews schöpfen kann. Die Schwäche ist die mangelnde nüchterne Distanz zum Thema, die sich teils in einer unkritischen Verehrung, teils in der überkritischen Betrachtung des 110-prozentigen Fans äußert.

Mader stellt die Geschichte der Gruppe in chronologischer Ordnung dar, wobei fast jedes Kapitel ein neues Album zum Hauptthema hat. Wichtige Ereignisse wie der Prozess von Reno, bei dem der angebliche Einfluss der Band auf den Selbstmord zweier Jugendlicher verhandelt wurde, oder die lange und mühselige Suche nach einem neuen Sänger, als sich Rob Halford für etwa ein Jahrzehnt ausklinkte, werden gesondert abgehandelt. Auch die Neben- und Soloprojekte sowie die Veröffentlichungen des ursprünglichen PRIEST-Sängers Al Atkins werden vorgestellt. Dadurch wird auch deutlich, dass der Autor eine fast ausschließlich musikalische Biographie verfasst hat. Das Privatleben der Bandmitglieder bleibt beinahe völlig außen vor. Erst recht werden dem Leser nicht wie in vielen anderen Musikerbiographien sämtliche abgelegten Groupies und Schnapsflaschen vorgestellt.

Die problematische unentschiedene Stellung Maders zwischen Chronist und Fan zeigt sich schon in der Einleitung, wenn er JUDAS PRIEST als die „Erfinder des Heavy Metal“ vorstellt, die „einzig und allein“ die maßgeblichen Eigenschaften dieser Musik schufen (S. 4f), was er allerdings auch wieder, teilweise mit Zitaten Rob Halfords, relativiert, indem er an die älterem BLACK SABBATH erinnert, ebenso an DEEP PURPLE und LED ZEPPELIN; man hätte wohl auch noch die im Buch nicht genannten BLUE ÖYSTER CULT u. a. erwähnen können. JUDAS PRIEST haben die vorhandenen Ansätze aufgegriffen, umfassend weiterentwickelt und den Heavy Metal, wie wir ihn heute kennen, geprägt wie keine andere Gruppe sonst, aber sie waren nicht die Ersten und nicht die Einzigen. Die endgültige Definition der PRIEST’schen Bedeutung für den Metal liegt also auch mit Maders Buch noch nicht vor.

Auch die musikalische Entwicklung der Band zeichnet er als Fan, und zwar vor allem der ausgeprägten Metalalben „British Steel“ (1980), „Screaming For Vengeance“ (1982) und „Painkiller“ (1990). Seine Kritik an der teilweise poppigen und zeitgeschmäcklerischen „Turbo“ (1986) und der demonstrativ bis zur Selbstkarikatur vollzogenen Rückkehr zum Heavy Metal von „Ram It Down“ (1988) hat gute Gründe und ist berechtigt. Wenn auch andere Alben, etwa das Debüt „Rocka Rolla“ (1974), als „schlecht“ bezeichnet werden, übersieht Mader, dass immer (mindestens) zwei Herzen in der Brust von JUDAS PRIEST geschlagen haben. Außer Metallern waren sie als Kinder ihrer Zeit auch eine klassische spielfreudige und instrumental versierte Rockband, deren zweites Gesicht sich in düster-melancholischen Stücken und einer schwerblütigen Spielweise zeigte. Insofern führt eine klare Linie von ‚Run Of The Mill‘ über ‚Beyond The Realms Of Death‘ und ‚Out In The Cold‘ bis zu ‚Worth Fighting For‘ von der bislang letzten Studioscheibe „Angel Of Retribution“. Und ein Album wie „Stained Class“ ist ohne „Rocka Rolla“ gar nicht völlig erfassbar.

Bei der Vorstellung der einzelnen Etappen der Bandgeschichte kann Mader nun aus seinen über eine lange Zeit geführten Interviews schöpfen. Zu Alben, Tourneen und anderen Stationen ihrer Biographie, etwa zu den Vorwürfen über Nachbearbeitungen am ersten Livealbum „Unleashed In The East“, kann er exklusive Aussagen von aktuellen oder ehemaligen Mitgliedern vorlegen. Diese gewinnen dabei auch allmählich für den Leser persönliche Gesichter. Man lernt Musiker aus armen Verhältnissen kennen, die ihre Bodenständigkeit und ihre Geschäftstüchtigkeit, sobald sich der Erfolg einstellte, prägten. Sie bemühten sich immer, faire Geschäftspartner – gerade auch den Fans gegenüber – zu sein, aber in ihren Äußerungen zeigen sich auch einige Eitelkeiten und gewollt-ungewollte Erinnerungslücken. Insbesondere die Wandlungen Rob Halfords in seinem Solojahrzehnt von der zunehmenden, teilweise provokanten Abwendung vom Metal bis zur Rückkehr des verlorenen Sohns in die Band zeichnet Matthias Mader gut nachvollziehbar nach.

Dann ist es auf der anderen Seite wieder ärgerlich, wie unreflektiert und genügsam der Autor gelegentlich mit seinem Quellenmaterial umgeht. Am Beispiel der Verkaufszahlen von „Screaming For Vengeance“: Erst wird diese Platte mehrfach als PRIESTs meistverkaufte herausgestellt, doch als es um konkrete Zahlen geht, wird ein zehn Jahre altes Interview angeführt, in dem Gitarrist K. K. Downing drei Millionen verkaufte Exemplare schätzt!

Illustriert ist „Der stählerne Weg von Judas Priest“ mit vielen, meist farbigen Fotos, die der Qualität des Textes entsprechen: Jede Menge sehenswerte Zeitdokumente wie Konzertfotos, Tourplakate und Eintrittskarten werden präsentiert, auf seltenen Plattenhüllen sind liebevoll Sonderpressungen etwa auf farbigem Vinyl drapiert. Aber leider fehlen immer Bildunterschriften; auch Fans dürften nicht unbedingt alle jemals veröffentlichten Singles und Bootlegs und alle ehemaligen Mitglieder der Vor- und Frühzeit kennen. Fast schon mustergültig ist aber der Anhang mit einer ausführlichen Diskographie, einer Bibliographie der Sekundärliteratur und einer Konzerthistorie, für die Matthias Mader alle nachweisbaren Liveauftritte von 1969 bis 2006 zusammengetragen hat.

„Der stählerne Weg von Judas Priest“ liefert dem Interessierten jede Menge Daten über eine bedeutende und bisher kaum untersuchte Band. Gerade für Fans dürfte es ein wichtiges Nachschlagewerk werden. Auf eine rundum befriedigende Biographie von JUDAS PRIEST muss man aber weiterhin warten.

http://www.judaspriest.com
http://www.ip-verlag.de

Heumann, Hans-Günter – The very Best of … New Jazz

Der Bereich der Jazzmusik wird derzeit zum Unmut vieler Genre-Verfechter gehäuft von Vertretern der Pop-Branche unterlaufen, die in etwas mehr beschwingten Arrangements sofort die direkten Parallelen zur weitläufigen, experimentierfreudigen Szene sehen wollen. Allerdings ist diesbezüglich auch keine festgesetzte Trennlinie möglich, da die Übergänge phasenweise fließend sind und man wahrscheinlich ewig darüber streiten und diskutieren kann, was nun auch wirklich dem Jazz angehört bzw. was sich doch eher nur mit dem wohlklingenden Namen dieses Musikstils schmückt.

Eine derartige Diskussion könnte nun auch Hans-Günter Heumanns neues Songbook „The very Best of … New Jazz“ auslösen, in dem zehn Künstler aus dem aktuellen Zeitgeschehen mit einem kurzen Beitrag geehrt werden. Während bereits die beiden Singer/Songwriter-Heroen Katie Melua und Norah Jones in ihrer Einordnung hier grenzwertig sind, scheint die Einbeziehung Roger Ciceros doch ein wenig fragwürdig, zumal der diesjährige Grand-Prix-Teilnehmer in den Verdacht gerät, zu einem gewissen Teil auch aufgrund des anhaltenden Medienrummels um seine Person als Zugpferd verwendet worden zu sein. Dies wäre ob der Klasse der übrigen Beiträge allerdings gänzlich unnötig gewesen, denn es sind speziell Ausnahmekompositionen wie ‚That ole Devil called Love‘ von Alison Moyet oder ‚You Don’t know me‘ aus der Feder von Harry Connick jr., die diese kleine Sammlung merklich aufwerten und zumindest im Bezug auf ihren musikalischen Gehalt einen entsprechenden Gegenwert für die Investition bieten.

Darüber hinaus bietet Heumann in seinem aktuellen Sammelwerk auch allerhand Aktuelles, angefangen bei ‚Spoiled‘, für das die junge Soul-Sängerin Joss Stone verantwortlich zeichnet, über Jamie Cullums ‚Twentysomething‘ bis hin zu Diana Kralls ‚The Girl in the other Room‘, die allesamt in vergleichsweise simple Klavierarrangements gepackt wurden und somit erneut eher den Einsteiger als den Profimusiker ansprechen sollten – doch diese Maxime verfolgt der Autor bzw. der Herausgeber schon von jeher.

Insofern kann „The very Best of … New Jazz“ auch jedem interessierten Musiker ans Herz gelegt werden, wobei noch einmal darauf verwiesen sei, dass die Begriffe ‚Best of‘ und ‚Jazz‘ ein wenig frei ausgelegt wurden. Im Großen und Ganzen umschreibt der Titel nämlich ein wenig mehr, als tatsächlich enthalten ist. Doch da die Songauswahl – mal ganz vom Schubladendenken losgelöst – wirklich ordentlich ist und sich dazu inhaltlich nicht mit den bisherigen Publikationen Heumanns deckt, liegt man mit der Anschaffung dieses zehnteiligen Werkes gar nicht mal so verkehrt.

_Inhalt_

1. JAMIE CULLUM – Twentysomething
2. NORAH JONES – The Nearness of you
3. DIANA KRALL – The Girl in the other Room
4. JOSS STONE – Spoiled
5. KATIE MELUA – My Aphrodisiac is you
6. PATRICIA KAAS – Mademoiselle Chante Le Blues
7. ROGER CICERO – Zieh die Schuh‘ aus
8. ALICIA KEYS – Fallin‘
9. HARRY CONNICK JR. – You don’t know me
10. ALISON MOYET – The ole Devil called Love

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Bananafishbones / Masannek, Joachim – DWK Songs. Die wilden Kerle – Songbook

Mit mittlerweile vier abgeschlossenen Kinoproduktionen, einem jugendlichen Millionenpublikum und schier unerschöpflichem Potenzial ist die cineastische Fußballserie zu einem echten Trademark auf den deutschen Kinoleinwänden geworden und erfreut sich auch fünf Jahre nach dem ersten Gehversuch einer kaum zu stoppenden Popularität. Erst in diesem Jahr legte Regisseur Joachim Masannek mit“Die wilden Kerle & der Angriff der Silberlichten“ erfolgreich nach, wohl wissend, dass sich das Produkt „Die wilden Kerle“ gewinnbringend mit immer neuen kommerziellen Ideen vermarkten lässt. Die Kehrseite der Medaille ist nämlich die totale Ausschlachtung des Themas in Sachen Merchandise, etc. Es gibt wohl derzeit keinen Fanartikel, den es noch nicht gibt, soll heißen dass einem an allen erdenklichen Ecken des häuslichen Discounters Dinge entgegenlächeln, die das Emblem der Jung-Fußballtruppe tragen – und das nervt zumindest den neutralen Betrachter ganz gewaltig.

Letzteres ist auch ein berechtigter Grund, einer Veröffentlichung wie dem ersten Songbook zu den Filmen um die beiden Ochsenknecht-Kids mit äußerster Skepsis entgegenzutreten, einfach in der Befürchtung, hier werde erneut nach neuen Möglichkeiten des kommerziellen Totalausverkaufs geschielt. Doch wider alle Bedenken hat sich der |Bosworth|-Verlag doch ganz ordentlich ins Zeug gelegt, um die Notensammlung von insgesamt fünfzehn Titeln aus dem musikalischen Fundus aller vier Streifen liebevoll aufzuarbeiten. Die Musik der |Bananafishbones|, die hier in Arrangements für Gesang, Gitarren und Keyboards aufgereiht wurde, wird von einer ganzen Reihe Fotos und Bilder zum Kino-Event begleitet und somit auch nahezu chronologisch in die brisanteren, hier visuell dargestellten Ereignisse der vier Filme eingeflochten. In diesem Sinne ist auch eine Einordnung in die jeweiligen Szene recht einfach zu vollziehen, wenngleich ein paar Hintergründe zu den Songs dem Unterfangen sicher nicht geschadet hätten. Allerdings muss man einfach davon ausgehen, dass die Zielgruppe umfassend mit der Materie vertraut ist und sofort Assoziationen vor Augen hat, sobald Text und Musik reflektiert werden.

Dies macht dieses Songbook jedoch auch zu einer arg limitierten Geschichte, da sich höchstwahrscheinlich auch nur Personen damit auseinandersetzen werden, die über die Filme auf die Songs aufmerksam geworden sind und sich mit Hilfe der kleinen Notensammlung gerne ein weiteres Mal inspirieren lassen. Daher mag man über Sinn und Unsinn dieser Veröffentlichung auch lange diskutieren und streiten können, ohne dabei klare Resultate zu erzielen. Letzten Endes wird die Pro-Seite immer darauf hinweisen, dass das Sammelwerk relativ vollständig ist und zudem optisch einiges hermacht, wohingegen die Kontra-Verfechter sich gerne an den Folgen des ungebremsten Kommerzes stören werden. Objektiv betrachtet, und damit auch nur auf das Produkt bezogen, ist „DWK Songs“ aber sicherlich eine feine Sache, unter anderem auch wegen der wirklich guten Liedkompositionen der |Bananafishbones|. Musikalisch begabte Liebhaber der Fußballabenteuer sollten sich also wirklich mal mit dem Gedanken herumschlagen, hier zu investieren, denn im Gegensatz zu den vielen anderen Artikeln, auf denen das Logo der wilden Kerle prangt, beherbergt dieser Titel noch ganz individuelle Inhalte.

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Murray Engleheart/Arnaud Durieux – AC/DC: Maximum Rock’n‘ Roll

Mehr als 40 Jahre Geschichte einer dem Zeitgeist den Stinkefinger zeigenden Rockband werden auf mehr als 600 opulent gestalteten Seiten aufgeblättert. Den Schwerpunkt bilden die aufregenden Anfänge, wobei neben grundsätzlichen Fakten unwichtige Kleinigkeiten aufgegriffen werden, die den Lesern ‚beweisen‘ sollen, dass AC/DC unkonventionelle Teufelskerle sind. „Maximum Rock ’n‘ Roll“ ist stattdessen das erschreckend beliebige Porträt einer aufregenden Band, deren Werdegang ebenso ehrfürchtig wie unkritisch nacherzählt und mit langweiligen Fotos illustriert wird.
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Naidoo, Xavier / bearbeitet von Michael Schlierf – Xavier Naidoo – The Best of – Songbook für Piano, Gitarre und Gesang

Trotz seines anhaltenden Erfolgs gilt Xavier Naidoo hierzulande als ein recht kontroverser Künstler: Entweder liebt man den spirituell angehauchten Soul-Pop des Platin-Sellers, oder man stellt sich konsequent gegen die tiefgründige Lyrik, die Naidoo in seinen Liedern unterbringt. Dennoch muss man dem Mann fraglos attestieren, der deutschen Musikszene in den letzten Jahren einen enorm deutlichen, wenn nicht sogar richtungsweisenden Stempel aufgesetzt zu haben und zumindest im Pop-Bereich wieder ein gewisses inhaltliches Qualitätsbewusstsein hervorzurufen, das sich gegen die Plattitüden aus dem Hip-Hop-Zirkus und der Eintönigkeit der Dancefloor-Szene durchgesetzt hat.

Inzwischen blickt der Künstler bereits auf ein breites Repertoire national gefeierter Hits zurück, darunter auch zahlreiche Frontplatzierungen in den Media-Control-Charts, die ihn über die Jahre zu erfolgreichsten deutschen Künstler des neuen Jahrtausends haben aufsteigen lassen. Dennoch bemüht sich der Musiker weiterhin, in der Öffentlichkeit den unscheinbaren, ruhigen Songschreiber zu mimen und trotz des gewaltigen Erfolgs lieber introvertiert als explosiv aufzutreten. Insofern passt die düstere Untermalung des jüngst erschienen Best-of-Songbooks auch perfekt zum Menschen Xavier Naidoo, wohingegen die Musik sich bereits von Anfang an diese stille Melancholie bewahrte, die hier optisch in all ihren Vorzügen repräsentiert wird.

Dennoch geht es auch in dieser bewusst farblosen Partitur in erster Linie um die Sprache der Musik, die in insgesamt 17 der bekanntesten Stücke Naidoos gesprochen wird. Darunter befinden sich sowohl ältere Gassenhauer wie ‚Führ mich ins Licht‘ und ‚Nicht von dieser Welt‘, Spirituelles wie ‚Abschied nehmen‘ und ‚Seelenheil‘ sowie natürlich die nach wie vor präsenten Hits wie ‚Was wir alleine nicht schaffen‘ und ‚Dieser Weg‘, welche vor allem im Rahmen der letztjährigen Fußball-Weltmeisterschaft eine ungeheure Medienpräsenz erfuhren.

Inhaltlich ist das Ganze für Piano, Gitarre und natürlich Gesang arrangiert und insgesamt sehr edel aufgemacht. Die Notenblätter sind für ein solches Werk gar überdurchschnittlich überschaubar, die Struktur der Songs selbst für Laien schnell durchschaubar und durch die leeren Akkordgitter zum Ende des Albums ergibt sich darüber hinaus noch die Möglichkeit, einzelne Akkorde präziser aufzuschlüsseln bzw. auch eigene Notationen einzubringen.

Visuell betrachtet ist das Songbook ebenfalls eine durchweg gelungene Ausgabe, sei es nun auf die dezenten Farbtöne oder eben auf die kontinuierlich eingeschobenen Illustrationen bezogen. Und auch was die Songauswahl betrifft, wird wohl kein treuer Anhänger Anlass zum Mosern finden, schließlich sind alle wichtigen Hits dabei und darüber hinaus auch noch ein paar Geheimtipps. Für musikbegabte Fans des besonnenen Chartstürmers ist dieses Buch ergo auch sehr empfehlenswert, zumal man durch die Wahl zwischen Klavier- und Gitarrenbegleitung sogar die Möglichkeit erhält, den Charakter eines Songs ein wenig zu modifizieren. Damit erhält so manches Stück eine völlig neue Seele und fordert den experimentierfreudigen Musiker zu einer noch konzentrierteren und konsequenteren Auseinandersetzung mit dem Material des Musikers und Lyrikers auf. Ein Grund mehr also, sich mit diesem Werk auseinanderzusetzen!

_Inhalt_

Was wir alleine nicht schaffen
Danke
Dieser Weg
Zeilen aus Gold
Oh My Lady
Seelenheil
Bist du am Leben interessiert
Du bist wie ein Segen
Kleines Lied (Kinderlied)
Wenn ich schon Kinder hätte
Ich kenne nichts (das so schön ist wie du)
Abschied nehmen
Wo willst du hin?
Ernten was man sät
Nicht von dieser Welt
Führ mich ans Licht
Sie sieht mich nicht

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Rosenstolz – Rosenstolz – Das große Leben (Songbook)

ROSENSTOLZ gehören bereits seit einer halben Ewigkeit zur Speerspitze der deutschsprachigen Indie-Bewegung. Die beiden Protagonisten Peter Plate und AnNa R. haben sich in den letzten Jahren durch eine deutliche Abkehr von Trends, Strömungen und Neuentwicklungen in die Herzen eines enorm großen Pop-Publikums gespielt und nicht zuletzt dank Super-Hits wie ‚Liebe ist alles‘ den endgültigen Sprung an die Spitze eines nicht näher definierten Genres innerhalb der Popmusik vollzogen. Mit dem letzten Album „Das große Leben“ hat sich der Erfolg auch rein äußerlich mit Fakten belegen lassen; die Scheibe stieg auf Nummer 1 der Media-Control-Charts ein – eine Ehre, die sicherlich nur den besten deutschsprachigen Künstlern zuteil wird, und auf die das Duo lange und gezielt hingearbeitet hat. Dabei lebte gerade dieses Album von der Kraft jedes einzelnen Elements; die sanften Pianos, die entschlossene und manchmal doch so zerbrechliche Stimme und nicht zuletzt die bezaubernden, einprägsamen Gitarren-Arrangements setzten sich fest und lieferten individuell den Beweis ab, dass der große Absatz des Albums in jeglicher Hinsicht gerechtfertigt ist.

Nun sind ROSENSTOLZ sicherlich auch gute Lehrmeister, was die reine Kompositionslehre betrifft; eigenwillig, anders und doch genial setzen sich ihre Lieder über das herkömmliche Fundament des klassischen Arrangierens hinweg. Aus diesem Grunde scheint die Veröffentlichung eines Songbooks zur neuen Platte ein konsequenter und auch ansprechender Schritt, den die Gruppe bereits mit den zwei vorherigen Notenbüchern erfolgreich vollzogen hatte. Der Unterschied dieses Mal: Das Sammelalbum mit Arrangements für Klavier, Gesang und Gitarre ist auf den letzten musikalischen Output spezialisiert und enthält lediglich die zwölf Kompositionen von „Das große Leben“, darunter die Hitsingle ‚Ich bin ich (Wir sind wir)‘, nachdenkliche Songs wie ‚Ich hab genauso Angst wie du‘ und typische ROSENSTOLZ-Nummern wie ‚Bester Feind‘ und ‚Aus Liebe wollt ich alles wissen‘. All dies wurde sehr wirkungsvoll in die Farben des Albums getaucht und mit einigen tollen Schwarzweiß-Fotos versehen, welche die Stimmung der Songs sowie des gesamten Material richtig schön wiedergeben. Dazu gehören auch einzelne Impressionen der darstellenden Künstler in den bedächtigen Düster-Farben, deren Wirkung ebenfalls stimmig mit der Grundatmosphäre der Songs ist.

Nicht nur inhaltlich, sondern auch bezogen auf die Aufmachung ist das Songbook zu „Das große Leben“ daher auch ein echter Genuss. Und strukturell lässt man dann auch nichts mehr anbrennen; das Buch ist sehr übersichtlich und anschaulich aufgebaut, und wenn einen nicht schon die fantastischen Fotos in den Bann ziehen, dann tun es spätestens die poetischen Texte, deren anspruchsvolle Darbietung aufgrund der charismatischen Stimme von Sängerin AnNa eine Herausforderung für jede Nachahmerin darstellen sollte. ROSENSTOLZ-Fans, die ebenfalls eine musikalische Begabung aufwiesen und gerne noch mehr mit ihren Favoriten verwachsen wollen, sollten daher nicht lange zögern, denn dieses kleine Notenalbum ist insgesamt ein wirklich prächtiges Werk.

|Songs:|

Nichts von alledem (tut mir leid)
Ich bin ich (Wir sind wir)
Anders als geplant
Ich geh in Flammen auf
Ein Wunder für mich
Auch im Regen
Ich bin verändert
Bester Feind
Ich hab genauso Angst wie du
Aus Liebe wollt ich alles wissen
Etwas zerstört
Woran hält sich die Liebe

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Fabig, Jörg – Drum Along – 10 Classic Rock Songs

Als Schlagzeuger im Amateur-Stadium kann ich ein Lied davon singen, wie langweilig so manche Trockenübung sein kann, wenn man jenseits von Melodien oder gar kompletten Songarrangements verschiedenen Rhythmen und Fills trainiert. Anders als bei den ungleich beliebteren Instrumenten wie beispielsweise der Gitarre bekommt man auf diesem Terrain nämlich zumeist nur dann die vollständige Befriedigung, wenn man sich auch mal im Rahmen eines Bandgefüges oder überhaupt im Kreise anderer Musiker an den Kesseln austoben darf. Dementsprechend sind gute Lehrbücher gerade für denjenigen, der den zumeist überteuerten Unterricht in den privaten Musikschulen meidet, das A und O auf dem Weg zum semi-professionellen Drumming, und Gott sei Dank ist die Auswahl auf dem Markt mittlerweile auch recht ansprechend und vor allem auch vielseitig.

Wer sich beispielsweise schon mal an erfolgreichen Rockhits versuchen und zwischendurch auch mal ein wenig abseits der strengen Rhythmuslehre spielen möchte, findet in „Drum Along“ einen guten, ansprechend aufgebauten Wegweiser durch die kunterbunte Welt der groovigeren Sounds. In unterschiedlichen, leicht ansteigenden Schwierigkeitsgraden präsentiert Autor Jörg Fabig in diesem kleinen Sammelwerk anhand verschiedener Leadsheets zehn mehr oder minder bekannte Kompositionen zum Mit- und Nachspielen. Die Auswahl mag in diesem Zusammenhang zwar ein wenig unkonventionell sein, wenn man mal betrachtet, dass Gruppen wie The Cure, und The Beatles neben modernen Bands wie System Of A Down aufgeführt sind, doch da es sich hierbei um ein reines Lernbuch handelt, geht diese vielseitige Ausrichtung durchaus in Ordnung.

Vorteilhaft ist in diesem Sinne vor allem die einfache Aufteilung der Drum-Arrangements anhand der Ablaufpläne (Leadhseets), in denen die Konstruktion der einzelnen Kompositionen in kurzer, optisch vereinfachter Form dargestellt ist. Diese Struktur macht seitenlange Notationen schon mal komplett überflüssig und ermöglicht es dem potenziellen Interessenten, auf zwei Seiten einen ganzen Song im Überblick zu halten. Sicherlich keine ganz neue Technik, aber definitiv eine übersichtlichere als in manch anderem Lehrwerk. Ebenfalls begrüßenswert ist die generelle Abfolge der ausgewählten Lieder. Der Schlagzeuger kann sich hier von relativ leichten Übungen wie den vergleichsweise unspektakulären Fills in ‚Supersonic‘ von Oasis und dem Beatles-Gassenhauer ‚Let It Be‘ langsam zu anspruchsvolleren Tracks wie ‚Free Fallin‘ von Tom Petty und schnelleren Sachen wie besagtem SOAD-Track ‚Lonely Day‘ heranarbeiten, der zum Abschluss wohl den höchsten Schwierigkeitsgrad des dennoch nicht zu harten Kontrastprogramms bildet. Um das Ganze weiterhin zu erleichtern, beinhaltet „Drum Along“ noch eine Begleit-CD, auf der alle zehn Stücke sowohl als Vollversion als auch in der Clicktrack-Variante begleitet werden können. Insgesamt also eine runde Sache, die sich besonders für Einsteiger als Abwechslung eignet und den gesamten Unterricht spürbar auflockert. Mit einem Preis zwischen 15 und 20 € bewegt sich das Lernbuch schließlich auch noch in einem relativ konsumentenfreundlichen Bereich.

|Songinhalt:|

OASIS – Supersonic
THE BEATLES – Let It Be
OTIS REDDING – (Sittin‘ On) The Docks Of The Bay
THE POLICE – Every Breath You Take
BRYAN ADAMS – Summer Of ’69
REAMONN – Supergirl
THE CURE – Friday I’m In Love
COLDPLAY – Clocks
SYSTEM OF A DOWN – Lonely Day
TOM PETTY & THE HEARTBREAKERS – Free Fallin‘

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Heumann, Hans-Günter – German Songs

Hans-Günter Heumann hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder einen Namen mit seinen zahlreichen Sonderausgaben und Veröffentlichungen im Bereich der Klaviermusik gemacht. Nicht nur das klassische Piano, sondern vor allem auch der Gebrauch der Tasten im Popsektor haben es ihm dabei angetan, so dass der vielseitige Instrumentalist in seinen Büchern sicherlich immer wieder Inspirationen und Fingerübungen zur Begleitung weltbekannter Klassiker finden wird. Räumlich etwas eingeschränkt ist indes seine jüngste Veröffentlichung „German Songs“, die – wie der Name schon sagt – sich ausschließlich mit Kompositionen aus dem hiesigen Gebiet beschäftigt, in diesem Fall aber in einer Spanne von Traditionals über klassische Adaptionen bis hin zu bekannten Pop-Klassikern der deutschen Musikgeschichte mehrerer Dekaden.

So mag es zunächst einmal seltsam erscheinen, dass ständig wiedergekäute Kompositionen wie ‚Durch den Monsun‘ neben traditionellem Liedgut wie ‚Muss i denn, muss i denn‘ oder ‚Guten Abend, gut‘ Nacht‘ auftauchen, doch dem Anspruch, eine möglichst facettenreiche Noten-Kompilation aufzubieten, kann der Autor mit dieser ungewöhnlichen Wahl natürlich gerecht werden. Und dennoch stößt man unwiderruflich auf Kopfschütteln; einmal natürlich wegen der etwas berechnenden Aufnahme des Tokio-Hotel-Songs, dann aber auch, weil sich Heumann in „German Songs“ das in englisch vorgetragene ‚Wind Of Change‘ der Scorpions ausgesucht hat. Zumindest vor dem Titel des Büchleins ist dies ein ziemlich inkonsequenter Schritt.

Darüber hinaus bleibt festzuhalten, dass der instrumentale Anspruch zwischen den einzelnen Stücken gehörig schwankt; der ‚Brautchor‘ aus Wagners „Lohegrin“ fordert definitiv mehr vom Nachahmer als das Gros der erwählten Popsongs, so dass trotz des vergleichsweise gering professionellen Niveaus schon teils ganz verschiedene Anforderungen an den Klavierschüler gestellt werden. Damit ist auch die Zielgruppe für „German Songs“ nicht eindeutig definiert, was letztendlich dadurch verstärkt wird, dass der lose thematische Zusammenhang wohl kaum jemanden ansprechen wird, der nicht auf alle drei hier abgehandelten Genres schwört. Zusammengehalten wird das Buch letztendlich lediglich durch den deutschen Ursprung der Künstler, und so eignet sich „German Songs“ einzig als schmale Ansammlung deutschen Liedguts, wohl kaum aber als Lehrbuch für den bereits erprobten Virtuosen. Wäre das Ganze etwas spezifischer und mitunter auch liebevoller zusammengestellt worden, hätte man sich hingegen einiges an Kritik sparen können. In dieser Auflage jedoch ergibt der Aufbau der Notensammlung nicht sonderlich viel Sinn.

|Inhalt:|

_Traditionals_
Der Mond ist aufgegangen
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten
Freut euch des Lebens
Muss i denn, muss i denn
Am Brunnen vor dem Tore
Die Gedanken sind frei
Guten Abend, gut’ Nacht
Du, du liegst mir im Herzen
Komm, lieber Mai, und mache
Sah ein Knab ein Röslein stehen

_Classics_
Jesus bleibet meine Freude (Bach)
Freude, schöner Götterfunken (Beethoven)
Halleluja (Händel)
Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen (Lortzing)
Im wunderschönen Monat Mai (Schumann)
Brautchor (Wagner)
O, du mein holder Abendstern (Wagner)
Abends, will ich schlafen gehen (Humpendinck)
Wir winden dir den Jungfernkranz (Weber)
Durch die Wälder, durch die Auen (Weber)

_Pop Hits_
Marmor, Stein und Eisen bricht (Drafi Deutscher)
Über sieben Brücken musst du gehen (Karat / Peter Maffay)
Aber bitte mit Sahne (Udo Jürgens)
Er gehört zu mir (Marianne Rosenberg)
Flugzeuge im Bauch (Herbert Grönemeyer)
Wind Of Change (Scorpions)
Liebe ist (Nena)
Du erinnerst mich an Liebe (Ich + Ich)
Das Spiel (Annett Louisan)
Durch den Monsun (Tokio Hotel)

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Masino, Susan – Let there be Rock. Die AC/DC-Story

Mit diesem Buch erscheint ein weiteres Werk über die Erfolgsgeschichte der australischen Rocker. Verfasst wurde es von Susan Masino, einer amerikanischen Journalistin für Rockmusik. Auf rund 300 Seiten erfährt der Leser sehr viele Details zur Bandgeschichte. Der Fakt, dass die Autorin AC/DC persönlich kennt und mit ihnen befreundet ist, lässt teilweise eine sehr emotionsreiche und private Erzählung entstehen. Zudem kann sie mit vielen Erlebnissen in ihrem Buch aufwarten, die so niemand außer ihr kennt und demzufolge auch noch nicht veröffentlicht wurden.

Der Weg zur Band AC/DC und die Geschichte der einzelnen Mitglieder werden sehr ausführlich erzählt. Der Leser erfährt unter anderem, dass Angus Young nicht unbedingt ein Freund der Schule war, sich dafür aber stundenlang mit der Gitarre beschäftigen konnte, dass Bon Scott die Angewohnheit hatte, bei einem Umzug sein Zimmer immer rot zu streichen und er sogar mal als Postbote arbeitete. Zudem wird darüber berichtet, dass sie in ihren Anfangsjahren bei der Hochzeit eines Freundes mit ‚Zorba The Creek‘ den wohl ungewöhnlichsten Song in ihrer Geschichte spielten.

Eindrucksvoll wird beschrieben, wie sie im Laufe der Jahre unzählige Konzerte gaben, um bekannt zu werden, wie sich langsam der Erfolg einstellte und der Bekanntheitsgrad stieg. Aber auch, welche Schwierigkeiten und Rückschläge es gab. Den größten Hieb in ihrer Karriere war der tragische Tod von Sänger Bon. Darüber wird sehr emotionsvoll und ausführlich berichtet, ebenso, wie die Band fast daran zerbrach. Weiterhin erfährt der Leser, wer sie trotz diesen herben Verlustes alles ermutigte weiterzumachen und wie sie mit Brian Johnson einen würdigen Nachfolger fanden.

Im Buch kommen die Bandmitglieder sowie zahlreiche Freunde, Kollegen und Fans zu Wort, die ihre Eindrücke und Begebenheiten mit der Band schildern. Die Erzählung erfolgt häufiger aus einem anderen Blickwinkel und wird dadurch nie langweilig. Auch der Humor kommt natürlich nicht zu kurz und lässt dem Leser ab und an ein Schmunzeln über die Lippen gleiten, schon allein deshalb, weil sich die Autorin oft einen lustigen oder etwas zynishen Kommentar nicht verkneifen kann. Aufgelockert wird das Ganze mit zahlreichen Schwarzweiß-Bildern, die teilweise lustige Motive beinhalten.

Am Ende findet der Leser eine sehr umfangreiche Diskografie und Bibliografie, die in einzelne Rubriken aufgeteilt ist. Wünschenswert wäre noch eine Übersicht gewesen, wer im Laufe der Jahre alles in der Band gespielt hat. Es wird zwar ausführlich über die Besetzungswechsel berichtet, aber zur besseren Übersicht der Bandgeschichte wäre dies von Vorteil gewesen. Ein Manko, eigentlich auch das einzige, ist, dass man an manchen Stellen im Buch regelrecht mit Informationen zugeschüttet wird, gerade, was Personen angeht. Der nicht so belesene AC/DC-Fan verliert dann etwas den Überblick, von wem gerade die Rede ist, beziehungsweise welche Funktion diejenige Person hatte.

Für jeden AC/DC-Fan dürfte das Buch, neben vielen Dingen, die er bereits kennt, einige interessante Neuigkeiten ans Tageslicht bringen. Durch die persönliche Erzählung und die ganz eigenen Begebenheiten zwischen der Autorin und der Band hebt sich das Werk sehr gut von anderen Büchern über die australischen Rocker ab. Aber auch für jeden anderen, der sich für Rockmusik und deren Geschichte interessiert, ist das Buch empfehlenswert. Denn schließlich gehören AC/CD nach wie vor zu den ganz Großen, die mit ihrer Musik den Rock nachhaltig geprägt und Meilensteine gesetzt haben.

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Welch, Chris – Genesis – Story und Songs kompakt

Aus heutiger Sicht scheint die Geschichte von GENESIS eher unspektakulär zu sein. Keine ausufernden Exzesse, wenig Glanz und Glamour, null Eskapaden und nicht ein einziger nennenswerter Skandal. Selbst die Trennung von Original-Sänger Peter Gabriel und das Ende der Karriere mit Phil Collins am Mikro wurden einst als Tatsache hingenommen, aber eben nicht vor den klassischen Hintergründen hinterfragt. Dies mag sicherlich auch einer der wesentlichen Gründe sein, warum beinahe vier Dekaden nach dem Release des Debütalbums „From Genesis To Revelation“ gleich drei vollwertige Generationen vollkommen hinter dem jüngst ausgerufenen, eigentlich nicht mehr erwarteten Comeback stehen.

Als die Band am 7. November 2006 öffentlich die Rückkehr in der kommerziell wohl erfolgreichsten Triobesetzung verkündete, fühlten sich nicht nur diejenigen verzaubert, die bereits damals zu Zeiten von „Nursery Crime“, „Foxtrot“ und natürlich „The Lamb Lies Down On Broadway“ das Potenzial der Musiker erkannten, sondern sicher auch der Teil der Fangemeinde, der erst über die berüchtigten Videoclips zu ‚I Can’t Dance‘ und ‚Jesus He Knows Me‘ seine ersten Kontakte mit der Band knüpfte und sie seither innig liebt. Ein guter Zeitpunkt also, um die Karriere parallel zur hierzulande gerade beendeten Tournee Revue passieren zu lassen und die Karriere sowohl historisch als auch musikalisch genauer zu analysieren.

In der Reihe „Story und Songs kompakt“ erscheint daher dieser Tage treffenderweise auch eine Ausgabe zu den britischen Progressive-Rock-Pionieren, in der die gesamte Geschichte der Legende über knapp vier Dekaden Album für Album aufgearbeitet und die unheimlich innovative Entwicklung über diese lange Periode dokumentiert wird. Begonnen mit den ersten eher schlechten als rechten Erfolgen über das Trio Infernale, die Alben zwei bis vier, bis hin zum Ausstieg von Peter Gabriel, dem ein internes wie musikalisches Zerwürfnis infolge des von ihm entworfenen Konzeptalbums „The Lamb Lies Down On Broadway“ vorausgegangen war, lernt der Leser vor allem einiges zur heute nur noch von beinharten Proggies aufgesogenen Frühphase der Band, bevor dann der Schwenk zum Pop-Rock der Achtziger mit Phil Collins am Mikro und Platten wie „Abacab“ und „Invisible Touch“ folgt, dank derer die Band auch in den erfolgstechnisch mageren Zeiten der progressiven Musik locker bestehen konnte, ohne sich dabei in irgendeiner Weise anzubiedern. Dass die Band selbst mit eingängigen Hitproduktionen wie dem zu dieser Zeit stilistisch radikal erscheinenden ‚I Can’t Dance‘ innovative Weg beschritt, rechneten Fans ihr damals wie heute mit größtem Respekt an, was wiederum in der ungeheuren Nachfrage zum Comeback mündete, der Rutherford, Banks und Collins dieser Tage endgültig und gottlob Rechnung trugen.

Diese musikalische Chronik wird im vorliegenden Dokumentarwerk sehr gut nachgezeichnet. Fundiert, wenn insgesamt auch ein wenig unkritisch, werden die zahlreichen Highlights der langen Karriere hervorgehoben und selbst die Soloalben der Musiker einer genaueren Betrachtung unterzogen. Gleich ein Drittel des Buches gilt den von der Band unabhängig veröffentlichten Scheiben, unter denen sich sogar die Veröffentlichungen des einstweiligen Collins-Nachfolgers Ray Wilson befinden – und dies bis zum heutigen Zeitpunkt.

Dementsprechend wird der 180 Seiten starke ‚Wälzer‘ dem Anspruch auf Komplettierung der Historie uneingeschränkt gerecht, wenngleich es sich – und auch das sagt der Titel – um eine sehr kompakte Abhandlung handelt. Aber um einen Überblick über das Schaffen der beliebten Superstars zu bekommen und besonders die wohl wichtigste Anfangsphase zu erfassen, ist dieses Werk gerade für den jüngeren Fan unentbehrlich und folgerichtig auch absolut empfehlenswert. Aufgewertet wird das Ganze schließlich noch mit einigen raren Bildern aus allen Schaffensphasen der Briten, die das Mysterium um diese Combo wohl am treffendsten erfassen. Gewöhnliche Menschen, aber unberechenbare Musiker!

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