Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Ringo, John – Invasion: Der Gegenschlag (Invasion 3)

_Landser im Weltraum_

Teil 1: Invasion – [Der Aufmarsch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=497
Teil 2: Invasion – [Der Angriff]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=520

Die Handlung des dritten Bandes der Reihe spielt fünf Jahre nach „A Hymn before Battle“ und „Gust Front“. Lapidar zählt Ringo zunächst auf den ersten zwei Seiten den Verlust von fünf Milliarden Menschen auf. Nur noch in kalten, unwirtlichen Zonen der Erde verschanzen sich die Reste der Menschheit – und natürlich in den USA und Kanada! Hier wird den menschenfressenden Posleen weiter gezeigt, wer auf der Erde den Ton angibt! Millionen über Millionen von Aliens werden am Bollwerk der Amerikaner vernichtet, aber das hilft recht wenig. An die zwölf Milliarden Monster fressen inzwischen die Erde kahl und vermehren sich wie die Kaninchen.

Im vorliegenden Band, der die Ereignisse innerhalb eines Zeitraums von zwei Wochen im Jahr 2009 schildert, erfährt man einiges über die derzeitigen Lebensumstände vieler Handlungsträger der früheren Romane. Die Wege einiger dieser Figuren kreuzen sich, Zukunftspläne werden geschmiedet, selbst der Vater von „Mighty Mite“, dem Kommandeur der inzwischen stark dezimierten Kampfanzug-Streitmächte, scheint noch einmal ein wenig Liebesglück abzubekommen, und seine kampferprobte kleine Tochter interessiert sich außer für Waffen inzwischen auch für Make-up, aber genau da bricht ein konzertierter Angriff der Posleen über sie herein. Diese haben in der Zwischenzeit viel dazugelernt und durchbrechen die Verteidigungslinien der Amerikaner, erobern sogar eine der unterirdischen Rückzugsstädte. Eine Million Frauen und Kinder werden innerhalb eines Tages zu Fleischrationen verarbeitet!

Ringo schildert nun die Flucht einer Handvoll Überlebender, den verzweifelten Kampf der restlichen Truppen im eroberten Gebiet und wie diese durch heldenhaften Einsatz (und erstmaligen Gebrauch von Atombomben) noch einmal das Ende hinausschieben können.

Über die unterschwelligen Geheimdienstaktivitäten der „guten“ Aliens, die bereits im vorigen Band angedeutet wurden, erfährt man weiterhin nur sehr wenig. Das Buch endet zu einem Zeitpunkt, an dem die überlebenden Protagonisten in vorläufiger Sicherheit sind und die Rückeroberung der verlorenen Stellungen wahrscheinlich erscheint.

Außer einer Stelle, wo ausführlich alte Witze erzählt werden, bei denen die stereotypen Blondinen, Ostfriesen oder Anwälte durch „Posleen“ ersetzt worden sind, bietet das Buch wenig Innovatives. Der zwischenmenschliche Bereich wird etwas stärker beleuchtet, aber charakterlich hat sich in den vergangenen fünf Kriegsjahren trotz aller erfahrenen Gräuel wenig getan.

Im Zusammenhang mit einer kürzlich ausgestrahlten Fernsehsendung ist mir übrigens aufgegangen, woher unter anderem die Faszination kommt, die solche Bücher trotz aller rationalen Kritik auf den Leser ausüben: Die geschilderten Helden haben keinerlei Tötungshemmung!

Wenn also Mighty Mites kleine Tochter ohne zu zögern einem bösen Menschen mit der Pistole das Gehirn hinausbläst, bekommt man einen „Thrill“, der wesentlich stärker als erwartet ist. Auch schon früher, bei R. A. Heinlein, kamen immer wieder solche Szenen vor, die mir sehr stark im Gedächtnis geblieben sind. Auch Weber und Flint verwenden solche Beschreibungen, um ihre Leser zu schocken. Bei der amerikanischen Scharfschützin in „1632“, die ungerührt Hunderte von Feinden wegputzt, bekommt ja sogar Gustav Adolf eine Gänsehaut!

Was aber bei Ringo praktisch nicht vorkommt, ist eine Schilderung der immensen psychologischen Probleme, mit denen sich Soldaten, denen die Tötungshemmung wegtrainiert wurde, später auseinandersetzen müssen. Viele der Methoden sind übrigens von Nazi-Wissenschaftlern ausgearbeitet worden, die nach dem zweiten Weltkrieg von den Amerikanern eingesammelt wurden, um dort in Ruhe weiter an diesem Problem zu arbeiten (ohne intensive Gehirnwäsche feuern nämlich achtzig Prozent der Soldaten im Nahkampf nicht ihre Waffe auf den Feind ab!).

Fazit: Spannend und rasant geschrieben, erträglich aber nur für Leser der vorigen Bände.

_[Dr. Gert Vogel]http://home2.vr-web.de/~gert.vogel/index.htm _

William Shatner (mit Judith u. Garfield Reeves-Stevens) – Sternennacht (Star Trek)

Das geschieht:

Das Romulanische Reich ist in Aufruhr, seit der Klon Shinzon die gesamte Regierungsmannschaft umgebracht und die Macht an sich gerissen hatte. Der Usurpator konnte gestoppt werden, aber eine verhängnisvolle Lawine war in Gang gekommen: Romulus, der Zentralplanet des Reiches, besitzt einen bisher geheimen Nachbarn – Remus, einen unwirtlichen, düsteren Minenplaneten, auf dem die Remaner, das Brudervolk der Romulaner, Sklavenarbeit leisten müssen. Unter Shinzon begehrten die Unterdrückten auf. Auch nach dem Tod ihres Anführers fordern sie ihr Recht auf Mitsprache und dürsten nach Vergeltung. Auf Romulus und Remus liefern sich Separatisten, religiöse Eiferer, fanatische Neuerer und verbissene Wahrer alter Traditionen offene und heimliche Kämpfe.

In dieser Situation trifft Botschafter Spock auf Romulus ein. Der berühmte Diplomat träumt von einer Wiedervereinigung von Romulanern und Vulkaniern, Bei einem sorgfältig inszenierten Attentat ‚stirbt‘ er vor den Augen seines romulanischen Publikums, um so als Märtyrer seine Sache populär zu machen. William Shatner (mit Judith u. Garfield Reeves-Stevens) – Sternennacht (Star Trek) weiterlesen

Tolkien, J. R. R. – Hobbit, Der

Tolkiens Bücher sind Klassiker und erlangten zu Recht Weltruhm, anders als beim Ringkrieg, besser bekannt als die |“Herr Der Ringe“|-Trilogie, welche aus einem Sammelsurium von zunächst unzusammenhängenden Kapiteln besteht, ist |“Der Hobbit“| eine Geschichte, die Tolkien in einem Rutsch schrieb. Von Anfang an war die Geschichte um Bilbo Beutlin als Kinderbuch geplant gewesen, allerdings mit dem Hintergrund der Fantasywelt Mittelerdes, deren Grundzüge Tolkien bereits kurz nach dem ersten Weltkrieg schuf.

Der Erfolg dieses Werkes kam für JRR recht unerwartet und dem ist es auch zu verdanken, dass Tolkien überhaupt in Erwägung zog, den heute wesentlich berühmteren |Herrn der Ringe| zu überarbeiten und als eigenständige Geschichte zu veröffentlichen – eigentlich waren die Geschichten rund um Mittelerde nur für ihn selbst bestimmt und fanden dementsprechend nur in der Phantasie seines Kopfes statt. Selbst nach seinem Tod wurde die Fackel weitergetragen: Sein Sohn Christopher – JRRs allererster und kritischster Rezensent – zeichnete nicht nur die Karten, die heute in allen Büchern zu finden sind, sondern trug auch unveröffentlichtes Material seines Vaters zusammen, was posthum in weiteren Publikationen gipfelte.

Das Berühmteste davon ist sicher [|“Das Silmarillion“|,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=408 welches die Anfänge und die Schöpfungsgeschichte Mittelerdes behandelt. Eine Rohfassung der Historie von Mittelerde, wie sie das Silmarillion beschreibt, sind |“Die verlorenen Geschichten“| in zwei Bänden, die sich hauptsächlich um das Reich „Westernis“ (später besser bekannt als „Númenór“) kümmern. Somit stellt |“Der Hobbit“| bemerkenswerterweise das erste komplett fertiggestellte Buch und nicht den tatsächlichen Anfang der niedergeschriebnen Geschichten dar (wie man es bei „Fortsetzungen“ eigentlich erwarten könnte), sondern streng genommen ein Bindeglied mittendrin.

_Zur Story_

Hobbits sind die leicht kleinbürgerlichen Spießer von Mittelerde, die für alles, was sich außerhalb ihres geliebten, friedlichen Auenlands abspielt, nicht nur wenig Interesse, sondern vielmehr spöttische Verachtung übrig haben. Hobbits – oder auch „Halblinge“ genannt – leben in bequemen und gut ausgestatteten Erdhöhlen. Sie weisen einen kleinen Wuchs auf, selten werden sie größer, als 1 – 1,2 Meter, noch dazu ist ihre Statur eher gedrungen und rundlich um die Hüften. Wahrlich kein Volk, das dem Bild heldenhafter Abenteurer entspricht, die sich für gewöhnlich mit der Bekämpfung von Drachen beschäftigen. Solcherlei „Unfug“ überlässt der gemeine Auenländer lieber dem „Großen Volk“ (den Menschen) oder den geschäftstüchtigen Zwergen.

Doch ab und zu schlagen immer wieder mal Hobbits aus der Art und die zieht’s tatsächlich zu Abenteuern hin, das gilt vor allem für die Sippe des alten Tuck, zu welcher auch Bilbo Beutlin gehört. Bilbo ist bis dato ein bodenständiger Hobbit von 50 Jahren, als der Zauberer Gandalf eines schönen Tages an seine Tür klopft und die Geschichte ihren Lauf nimmt. Ehe Bilbo es sich versieht, steckt er als „Meisterdieb“ engagiert mitten in einer zwölfköpfigen Schar von Zwergen, die seine Dienste beim Zurückerobern eines Zwergenschatzes tief unten im „Einsamen Berg“ benötigen.

Das Dumme dabei ist, dass Bilbo eigentlich gar kein Meisterdieb ist, wenngleich eine Eigenschaft seines Volkes darin besteht, beinahe lautlos zu verschwinden, wenn sie es wünschen. Noch dazu wird der Schatz vom alten Drachen Smaug beschützt, der sicher nicht davon begeistert sein wird, wenn man Hand an „seine“ geraubten, unermesslich wertvollen Wertgegenstände legt. Smaug mag alt sein, doch gefährlich ist er dennoch. Und blöd ist er auch nicht.

Obwohl nun Hobbits alles andere als abenteuerlustig sind, riskiert Bilbo die beschwerliche Reise, wohl die Schicksalsschwere seiner Handlungen in weiter Zukunft unterbewusst ahnend. Der kleine Hobbit und seine Mitstreiter sollen auf ihrem Weg so mancher Gefahr trotzen. Dabei sind drei gefräßige Trolle erst der Anfang und so richtig zur Sache geht’s hernach, als man Bruchtal – die Heimstadt Elronds des Halbelben – in Richtung Nebelgebirge verlässt und in den dortigen Höhlen von Orks überfallen und gekidnappt wird. Hier in den finsteren Kavernen kommt es auch zu der schicksalshaften Begegnung mit dem Geschöpf Gollum, dem Bilbo den später so berühmten und heiß begehrten |Einen Ring| und sein blankes Leben mit einer List abringen kann.

Damit werden Ereignisse in Gang gesetzt, die später im Ringkrieg gipfeln sollen, doch noch ist der Ring einfach nur ein Zauberring, der Bilbo und seinen später wiedergefundenen Zwergen-Kameraden im Laufe dieser Odyssee noch häufiger die Haut retten soll. Dennoch ist der Schatten des Herrn von Mordor ebenfalls anzutreffen, wird aber nur am Rande erwähnt, als Gandalf die Gruppe zwischenzeitlich sich selbst überlässt, um den „Nekromanten“ aus dem Finsterwald zu vertreiben. (Richtig geraten, es ist Sauron.)

Unsere Helden schlagen jedoch einen anderen Weg ein, der sie nach weiteren gefahrvollen Momenten und Begegnungen in die Drachenhöhle unter dem Einsamen Berg führen soll. Hier muss Bilbo nun beweisen, dass er wirklich der Meisterdieb ist, für den die Zwerge ihn halten und „sein“ später so berühmter und gefürchteter Zauberring bekommt ordentlich zu tun.

_Meinung_

„Der Hobbit – oder: Hin und Zurück“ – Ich habe dieses Werk des Altmeisters der Fantasyliteratur bereits im zarten Alter von neun Jahren zum ersten Mal gelesen und war fasziniert. Damals hieß es noch: „Der |kleine| Hobbit“. Mittlerweile ist man zu einer akkurateren Übersetzung des Titels und des Inhalts übergegangen, wofür sich Wolfgang Krege verantwortlich zeigt. Das hat nicht überall Anklang gefunden, viele meinen, man hätte die deutsche Urfassung unangetastet lassen sollen. Ich mag beide Varianten. Jede hat ihre Vor- und Nachteile. Die Neuübersetzung ist moderner und flotter, während die alte etwas geschwollen-sperrig („very british“ sozusagen) und archaisch daherkommt. Besser ist es natürlich,wenn man direkt das englische Original liest.

Der Stil des Hobbits ist wesentlich einfacher gehalten als die anderen etwas ernsthafteren Bücher Tolkiens aus Mittelerde, immerhin handelt es sich dabei ja auch um ein Kinderbuch. Die angedachte jugendliche Leserschaft wird von JRR oft im Plural geduzt („Was würdet IHR machen?“) und somit direkt angesprochen bzw. mit einbezogen, hier gönnt Tolkien seinen Lesern zwischendurch die Gelegenheit, das Gelesene zu reflektieren. Diese Einschübe, wo er quasi zum Mitdenken auffordert, sind zudem willkommene kleine Pausen in der temporeichen Geschichte, die ich für Kinder ab acht bis zehn Jahren für geeignet halte.

Trotzdem weist „Der Hobbit“ viel Handlung und Querverweise auf, die es auch für erwachsene HdR-Fans nicht nur lesenswert, sondern immens wichtig machen, denn hier ist das Bindeglied zur Trilogie und den zeitlich früher handelnden Büchern. Viele Personen, Wesen, Orte und Gegebenheiten, die später von Bedeutung sind, hat JRR teils gut versteckt untergebracht, sodass sie den Fan ansprechen, jedoch auch den Neuling nicht vor den Kopf stoßen – Letztere werden vielleicht den einen oder anderen Satz einfach so überlesen, der einem Fan ein schiefes Grinsen abverlangt.

Doch auch ohne den restlichen Mittelerde-Kontext findet sich der Leser zurecht, die eingestreuten Hinweise auf andere Handlungen sind zwar für den Kenner das Salz in der Suppe, benötigt man aber nicht, um diese Geschichte zu verstehen und zu mögen. Sie ist in sich schlüssig und kann für sich alleine stehen, ohne dass man den Rest kennt. Tolkiens oft gepflegter subtiler und feiner Humor findet sich auch im Hobbit wieder, doch denke ich, dass dieser wohl nur (fast) erwachsenen Lesern ins Auge fallen dürfte, auch deshalb ist es nicht nur ein Buch für Kinder, sondern für alle Generationen.

Jede Altersgruppe wird damit angesprochen und etwas für sich darin finden, man muss nur genau hinlesen. Eine gelungene Gratwanderung, die ihresgleichen sucht. Im Buch wird auch gewaltsam gestorben, wenngleich auch nicht so heftig und blumig-ausführlich beschrieben wie im HdR. Wird dort noch darüber referiert, wie schön aerodynamisch (Ork-)Köpfe rollen & fliegen, nimmt JRR hier nen Gang zurück und redet allenfalls von „erschlagen“, was zwar prinzipiell aufs Gleiche herauskommt, sich jedoch wesentlich weniger blutig anhört.

_Fazit_

Ein Must-Read-Buch für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, die knapp 320 Seiten zu lesen und die darin enthaltenen Botschaften zu verstehen, fällt leicht. Wem es sprachlich möglich ist, sollte das Original lesen, denn dann erübrigt sich auch die Diskussion, welche der deutschen Übersetzungen die treffendere ist. Die Abenteuergeschichte ist zeitlos genial und kann auch losgelöst von seinem berühmten Nachfolger verstanden werden, es empfiehlt sich aber, den „Hobbit“ zu lesen, bevor man sich an HdR (Film oder Buch) wagt. Man ist über manche Zusammenhänge wesentlich besser im Bilde. Das Nicht-Kennen des Hobbits ist zudem eine echte Bildungslücke, obwohl er ja seit jeher im Schatten der Trilogie stand. Unverdient. Nicht nur HdR-Fans, die nur die Verfilmung von Peter Jackson kennen, und ein wenig tiefer in die Geschichte von Mittelerde eintauchen wollen, kommen auf ihre Kosten.

_Buchdaten:_

Originaltitel: „The Hobbit“
Ersterscheinungsjahr: 1937
Deutsche Übersetzung: Margaret Carroux oder Wolfgang Krege
ISBN: 3-608-93805-2 (1998 Neuübersetzung / Klett-Cotta)*
ISBN: 3-423-20277-7 (2001 „Klassische“ Übersetzung / dtv)*
ISBN: 0-261-10221-4 (2001 Englisches Original / HarperCollins)
Format: Broschiert oder Hardcover / um 320 Seiten
Extras: Kartenmaterial *
Preis: variiert je nach Ausgabe von 4,50 – 14,95 €

*) Die von mir rezensierte Version des Werkes ist eine Lizenz-Ausgabe (2001) aus dem |Club Bertelsmann|. Der dort erhältliche, leinengebundene Hardcover-Schmuckband hat herausnehmbare Karten Mittelerdes, Lesebändchen und einen Golddruck-Präge-Schutzumschlag. Inhaltlich ist das Buch jedoch mit dem Original aus dem |Klett-Cotta|-Verlag und der Taschenbuchausgabe von |dtv| identisch.

Ann C. Crispin – Alien: Die Wiedergeburt

Zwei Jahrhunderte nach ihrem Tod erwacht Ellen Ripley als Mensch-Alien-Hybrid und Gefangene jenes Konzerns, dessen Bemühen, einen Alien-Krieger zu züchten, sie stets durchkreuzt hat. Zusammen mit einer bunt zusammengewürfelten Schmuggler-Truppe kämpft sie sowohl gegen als auch für die Aliens, da sie sich ihrer Herkunft nicht mehr sicher ist … – Faktisch überflüssige, aber zumindest als Film spannende und gut gefilmte Fortsetzung der „Alien“-Saga. Die Autorin hangelt sich brav am Drehbuch entlang, füllt aber diverse Handlungslücken: typisches, immerhin verbraucherfreundliches (= lesbares) Merchandising-Produkt.
Ann C. Crispin – Alien: Die Wiedergeburt weiterlesen

Smedman, Lisa – Zerstörung (Der Krieg der Spinnenkönigin 4)

„Zerstörung“ von Lisa Smedman ist der vierte Band des sechsteiligen |AD&D|-Epos „Der Krieg der Spinnenkönigin“ (War of the Spider Queen), der in deutscher Übersetzung bei |Feder & Schwert| erscheint.

Im Zentrum des Zyklus steht eine Gruppe von Dunkelelfen, die aus ihrer unterirdischen Stadt Menzoberranzan aufgebrochen ist, um herauszufinden, warum ihre Göttin Lolth schweigt und den Priesterinnen ihre Magie versagt. Diese Schwäche machen sich die Feinde Menzoberranzans zunutze: Eine Allianz geknechteter Völker des Unterreichs sieht ihre Chance, den verhassten Dunkelelfen den Garaus zu machen. Eine Gruppe abtrünniger männlicher Drow unterstützt sie dabei nach Kräften, denn ein Umsturz der matriarchalisch geprägten Dunkelelfen-Gesellschaft wäre ganz in ihrem Sinne.

Die aus der Lolth-Hohepriesterin Quenthel, dem Draegloth Jeggred, dem Magier Pharaun, dem Waffenmeister Ryld Argith, dem Söldner Valas Hune und der aus der kürzlich verwüsteten Stadt Ched Nasad geflohenen Halisstra sowie ihrer Leibsklavin Danifae bestehende Gruppe hat schon einiges durchgemacht:

Bis in den Abyss selbst war man schon vorgestoßen, doch Lolth schweigt, und niemand weiß warum. Während Quenthel einen neuen Vorstoß in den Abyss plant, mit einem erzwungenen Umweg über ein in der See der Schatten treibendes Dämonenschiff, intrigieren die Mitglieder der Gruppe untereinander. Quenthel und Pharaun streiten sich nun nicht mehr nur mit Worten, sie machen ernst und stellen sich gegenseitig tödliche Fallen. Halisstra setzt sich unter fadenscheinigen Gründen ab und der in sie verliebte Ryld folgt ihr. Sie wendet sich endgültig von Lolth ab und Eilistraee, der Göttin der an der Oberfläche lebenden Drow, zu …

_Göttinnensuche die Vierte …_

Die auf sechs Bände ausgelegte Reihe ist der reinste Quell der Freude für AD&D- und Dunkelelfen-Fans: Das gesamte „Who is Who“ des Fantasybestiariums sowie ein geballtes Sortiment arkaner Beschwörungen wurden bisher präsentiert. Die dargebotene Vielfalt an fremdartigen Rassen sorgte für weitere Unterhaltung und Abwechslung, zumal einige Autoren profunde AD&D-Regelkenntnisse demonstrieren und in ihren Romanen umsetzen konnten.

Da jeder Band von einem anderen Autoren geschrieben wurde, gibt es jedoch einige Inkonsistenzen zu beklagen: Spielten anfangs Magier Pharaun sowie Ryld die erste Geige, wechselte dies später über Nebenfiguren bis nun hin zu Halisstra, die in diesem Band eine tragende Rolle spielt. Leider hatte jeder Autor eine geringfügig, aber dennoch unangenehm deutlich spürbar andere Vorstellung der Hauptfiguren. Dies fiel mir vor allem bei Quenthel und Pharaun auf.

Lisa Smedman, sonst eher durch ihre „Shadowrun“-Romane bekannt, hat in diesem Roman die Ehre, einen Knackpunkt der Handlung darzustellen, der sich bereits im dritten Band andeutete. Leider konnte mich der plötzliche Gesinnungswechsel Halisstras nicht überzeugen, noch weniger konnte ich nachvollziehen, warum der seit jeher für einen Drow recht sanfte und freundliche Ryld ihr auf einmal liebestrunken folgt. Dafür hat ihre per Bindungszauber an Halisstras Leben gebundene Leibsklavin Danifae keinerlei Probleme, ihre Herrin ziehen zu lassen – ihr wird schon nichts passieren …

Solche und ähnliche kleine bis ärgerliche Patzer und Wunderlichkeiten bietet diese Reihe leider zuhauf, allerdings kann Lisa Smedman in schreiberischer Hinsicht punkten: Sie kann wirklich einen spannenden Roman schreiben, nicht nur ein Sammelsurium an Monstern gemäß Regelwerk runterleiern und niedermetzeln lassen. Während sie ihre Regelkenntnisse nicht erkennbar wie einige Vorgänger demonstriert oder einfach unter den Scheffel stellt, kann sie die Figuren gut und nachvollziehbar charakterisieren, abgesehen von oben erwähnten Mängeln.

Abenteuer gibt es zuhauf, ein gewisser Eindruck, die ganze AD&D-Welt Faerûn müsse im Schnelldurchlauf abgearbeitet werden, kann ob des hohen Erzähltempos entstehen. So bleibt aber auch wenig Zeit zum Nörgeln, denn Abwechslung und Unterhaltung satt werden wirklich nonstop geboten. Ein Pluspunkt der Reihe ist die wunderschöne Präsentation: Die Cover sind durchweg in dunklen, blauschwarzen bis lila Tönen gehalten und zeigen Dunkelelfen-Motive, die zudem auch noch die Charaktere der Handlung darstellen – was durchaus keine Selbstverständlichkeit ist. Auch innen ist das Buch passend und stilsicher verziert, kleine Spinnensymbole trennen Absätze und Kapitel. Lektorat und Übersetzung sind tadellos, Übersetzer Ralph Sander von |Feder & Schwert| demonstriert Kenntnis der Materie und gab mir dem Eindruck, als wäre der Roman von Anfang an in Deutsch geschrieben worden.

_Fazit_

Für Rollenspieler und Dunkelelfen-Fans ist „Der Krieg der Spinnenkönigin“ einfach ein Muss. Die vorzügliche Präsentation und das insgesamt leicht überdurchschnittliche Niveau der unterhaltsamen Reihe macht dank der interessanten Storyline einige der Mängel wett, die eine von sechs verschiedenen Autoren geschriebene Serie mit sich bringt. Auch wenn Lisa Smedman nicht an den Autor des Anfangsbandes [„Zersetzung“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=183 Richard Lee Byers, herankommt, platziert sie sich knapp hinter ihm und setzt die Reihe spannend fort.

Wer noch nichts mit Dunkelelfen an Hut hatte, wird jedoch überfordert und unter Umständen wenig Freude an dem Roman finden, und sollte lieber mit den AD&D-Klassikern „Die Vergessenen Reiche“ (bitte nicht verwechseln mit den „Vergessenen Reichen“ von Margaret Weis und Tracy Hickman) oder der „Saga vom Dunkelelf“ einsteigen.

Homepage der Autorin:
http://www.lisasmedman.topcities.com/

Feder & Schwert
http://www.feder-und-schwert.com/

Kenneth Robeson – Doc Savage: Der Gespensterkönig

Robeson Savage36 Gespensterkönig Cover kleinDas geschieht:

Im sumpfigen Marschland von Holland County geht der Geist von Englands Ex-König John um. Er beschuldigt die erstaunten Anwohner, ihm 1216 Gift in den Wein geträufelt zu haben, und zieht ihnen rachsüchtig eins mit dem Schwert über. Während sich die Presse lustig macht, findet der Archäologe und Geologe William Harper „Johnny“ Littlejohn endlich ein Ventil für seine Langeweile. Er reist nach England, stellt Nachforschungen an, trifft prompt den unfreundlichen König, wird von diesem niedergeschlagen und entführt.

Das war keine gute Idee, denn Littlejohn gehört zum Team von Dr. Clark „Doc“ Savage, jr., dem übermenschlich klugen und starken Bronzemann, der unermüdlich das Böse auf dieser Welt jagt und züchtigt. Als Savage, der in England einige Vorträge halten soll, seinen Freund und Gefährten vermisst, setzen er sowie Andrew Blodgett „Monk“ Mayfair und Theodore Marley „Ham“ Brooks sich auf dessen Spur. Kenneth Robeson – Doc Savage: Der Gespensterkönig weiterlesen

Powers, Tim – Tore zu Anubis Reich, Die

„The Anubis Gates“ ist Tim Powers bis heute beliebtester und bekanntester Roman. Der Autor gewann mit diesem Werk auf Anhieb den Philip-K.-Dick-Award für die beste Taschenbucherstveröffentlichung des Jahres 1983 und mittlerweile wurde dieses Werk in alle Weltsprachen übersetzt. Im Deutschen erschien das Buch erstmals 1988 als |Heyne|-Taschenbuch 06/4473 und war somit die erste deutsche Übersetzung eines Werkes des Amerikaners.

Powers besuchte in Fullerton das College und die Universität, wo er K. W. Jeter und James P. Blaylock kennen lernte, beide mittlerweile selbst Autoren Phantastischer Literatur.

Vor allem mit Blaylock verstand Powers sich gut, und als Anfang der 70er Jahre in ihrer Schülerzeitung einige bedeutungsschwangere und grottenschlechte Gedichte erschienen, dachten sich die beiden, dass sie dieses Niveau noch mühelos würden unterbieten können. Deshalb schrieben sie, sich dabei zeilenweise abwechselnd, Werke, die düster und bedeutungsvoll klingen sollten, ohne wirklich etwas auszusagen. Als Pseudonym wählten sie den Namen William Ashbless und erzählten allen möglichen Leuten, dass dies ein verkrüppelter und schüchterner Freund von ihnen sei, der sich persönlich nicht an die Öffentlichkeit traue. So entstand ein Kunstfigur, die nicht nur Protagonist von Powers bekanntestem Werk ist, sondern auch in einem von Blaylocks Romanen auftritt (obwohl beide dies nicht abgesprochen hatten, sondern erst erfuhren, als sie zufällig zeitgleich ihre Manuskripte beim selben Verleger einreichten). Mittlerweile gibt es sogar ein Kochbuch, welches unter dem Namen des Dichters erschienen ist.

„Die Tore zu Anubis Reich“ beginnt mit einer Beschwörung des gleichnamigen Gottes, welche dessen Macht wieder herstellen soll, jedoch auf fatale Weise schief geht. Stattdessen werden Löcher in die Abschirmung des Zeitflusses geschlagen. Diese reichen vom Anfang des 19. Jahrhunderts (in dem die Beschwörung erfolgte) knapp 300 Jahre in beide Richtungen (also Vergangenheit und Zukunft).

Im Jahre 1983 (in diesem Jahr erschien Powers Roman) startet ein reicher Millionär, der ebenfalls die Abschirmungslöcher entdeckt hat, eine Zeitreiseexpedition ins Jahr 1810, um dem berühmten Dichter Samuel Taylor Coleridge bei einem Vortrag zu lauschen. Zur Finanzierung des teuren Unternehmens lädt er noch Gäste ein, die sich finanziell beteiligen müssen. Als Service engagiert er den Coleridge-Fachmann Brendan Doyle, der die Expedition begleiten soll. Nach dem Vortrag wird Doyle jedoch überraschend entführt und kann so nicht ins Jahr 1983 zurückkehren. Doch auch der Millionär hat längst andere Pläne, kann er doch im Jahre 1810 eine Form der Unsterblichkeit erlangen, die wohl jeden verlocken würde. Denn die Beschwörung der alten ägyptischen Götter hat auch die naturwissenschaftlichen Gesetze teilweise außer Kraft gesetzt, und so finden sich im London des Jahres 1810 mehr Magie und Zauberei, als es vor allem Brendan Doyle lieb ist.

Bald muss er um sein Leben kämpfen, droht ihm doch von vielen Seiten der Tod, und erst das von Doyle in anderer Form erwartete Auftauchen des zeitgenössischen Dichters William Ashbless, für dessen Werk der Zeitreisende zufällig auch noch Fachmann ist, bringt für den Literaturwissenschaftler die Lösung einiger seiner Probleme …

Wie Doyle sich aus einer Bredouille in die nächste windet, und vor allem auf welch verblüffende Weise er den „heute fast vergessenen englischen Dichter des frühen 19. Jahrhunderts William Ashbless“ kennen lernt, davon erzählt „Die Tore zu Anubis Reich“ äußerst unterhaltsam und spannend.

Was Powers im Laufe der knapp 600 Seiten des Buches dabei an Action, frappierenden Ideen und tollen, verzwickten Handlungssträngen entwickelt, ist einfach sensationell. Nie lässt den Leser die faszinierenden Geschichte aus ihrem Griff. Dabei wechselt der Autor klug Action mit ruhigeren Passagen, in denen sich die vielschichtige Handlung entwickeln kann, ohne dass der Rezipient den Überblick verliert.

Dabei ist „The Anubis Gates“ nicht nur ein packender und zudem intelligenter Roman, er jongliert auch mühelos verschiedene Subgenres der Literatur, vor allem der Phantastischen. Neben Horror- und Fantasyelementen hat die Geschichte zudem eine SF-Rahmenhandlung aufzuweisen, ist außerdem genauso Kriminalroman wie historische Erzählung.

Bisher hat es wohl weltweit noch kaum ein anderer Autor geschafft, diese Genres dermaßen virtuos zu mixen (einziges, dem Rezensenten bekanntes Beispiel für ein ähnlich gelungenes Werk erscheint Christopher Priests genialer Roman „Das Kabinett des Magiers“ zu sein, welcher aber erst zwölf Jahre nach Powers Meisterwerk erschien).

|Heyne| legt dieses nun in einer überarbeiteten Übersetzung in seiner Reihe „Meisterwerke der Fantasy“ wieder auf, wobei das Buch sicherlich nicht der üblichen Fantasy zugeschlagen werden darf, eigentlich besser unter der Rubrik „Phantastik“ eingeordnet werden sollte.

Denn „Die Tore zu Anubis Reich“ ist Phantastik im ureigenstem Sinne, Literatur zum Staunen und Wundern, welche den Kopf genauso anspricht wie den Bauch, und welche perfekt die Balance hält zwischen dem berühmten „Sense of Wonder“ einerseits und einer überzeugenden, niveauvollen Handlung, die in ihrer herrlichen Irrwitzigkeit ihres Gleichen sucht.

Sollte es dort draußen noch Leser geben, die Powers Meisterwerk bisher nicht kannten: Nun, hier ist die ultimative Gelegenheit! Wer jetzt nicht zuschlägt, ist selbst schuld!

_Gunther Barnewald_ © 2004
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung unseres Partnermagazins [Buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de veröffentlicht.|

William Shatner (mit Judith u. Garfield Reeves-Stevens) – Sternendämmerung (Star Trek)

Das geschieht:

James Tiberius Kirk, Raumschiff-Captain außer Dienst aber weiterhin als Retter des Universums tätig, möchte mit seinem neuen Freund Jean-Luc Picard einige Tage Abenteuerurlaub machen. Aus Gründen der Handlungsdramatik beschließen die beiden, dies auf dem Planeten Bajor und im Schatten der Raumstation „Deep Space Nine“ zu tun. Sie haben keine Ahnung, dass sie ihre Atmosphären-Gleitsprünge ausgerechnet über einem Wüstengebiet absolvieren, das vor dreißig Jahren Schauplatz einer merkwürdigen Episode des bajoranisch-cardassianischen Krieges war. In Bar‘trila, der verlorenen Stadt, wurde eines jener als „Tränen der Propheten“ bekannten Artefakte vermutet, die der im Wurmloch über Bajor hausenden Superintelligenz zugeschrieben werden und dem Finder quasi übernatürliche Macht verleihen. Damals konnten die Bajoraner die Cardassianer unter hohen Opfern von diesem Platz verjagen. Die Überlebenden beider Seiten haben den ungehobenen Schatz freilich nicht vergessen.

Unsere gleitenden Helden werden zum Absturz gebracht. Die Notlandung lässt sie in der glühenden Wüste stranden. Während sie dem feuchten Horizont zustreben, bleibt viel Zeit, sich über Vergangenes zu unterhalten. Das bedingt eine lange Kette primär Kirkscher Reminiszenzen an glorreiche „Enterprise“-Zeiten und die Einsamkeit des Captains, der in brenzliger Lage kurzentschlossene Entscheidungen treffen muss.

Die Handlung wird wieder aufgenommen, als Kirk und Picard in eine archäologische Ausgrabung stolpern. Die verlorene Stadt wurde gefunden: von den Bajoranern, aber wohl nicht nur von ihnen, denn just fiel Professor Nilan einem merkwürdigen Unfall zum Opfer. Der Tod weiterer Forscher zeigt eine feindliche Macht am Werk ist. Oder sind es religiöse Fundamentalisten, die es nicht dulden, eventuelle Artefakte als Objekte der Wissenschaft missbraucht zu sehen? Die Lage ist undurchsichtig und eskaliert, als auf Kirk und Picard ein Mordanschlag verübt wird, der Letzteren in einem See versinken lässt. Ist Picard tot? Mit der für ihn typischen Mischung aus Elan und Zorn geht Kirk auf Konfrontationskurs und stört den Gegner auf …

Alter Mann mit jugendlichem Ego

Der rasende Rentner macht erneut das All unsicher. „Sternendämmerung“ ist der furiose Auftakt einer weiteren „Star-Trek“-Kirk-Trilogie. Weil er trotz seines überlebensgroßen Egos kein Dummkopf ist, hat sich William Shatner wiederum der Unterstützung des schreibenden Ehepaars Judith und Garfield Reeves-Stevens versichert. Eine kluge Wahl, denn kaum jemand kennt sich so gut im „Star-Trek“-Universum aus und trifft vor allem den Ton, der uns seine Protagonisten seit vielen Jahren zu lieben und teuren Feierabend-Gästen im Fernsehzimmer macht.

Shatner möchte selbstverständlich „Star-Trek“-Luxus-Science-Fiction produzieren. Das meint er sich und seinem Publikum als der leibhaftige und einzige James T. Kirk schuldig zu sein. Der Leser honoriert und schätzt es, nicht zum x-ten Male mit einem Abenteuer der legendären Fünfjahresmission behelligt zu werden, die sich längst alle irgendwie ähneln. „Sternendämmerung“ gelingt darüber hinaus, was man in Kino und Fernsehen oft entbehren muss: die (überzeugende) Verklammerung von „Star-Trek“- Vergangenheit und -Gegenwart, zwischen denen die Handlung immer wieder springt.

Damit stellt sich „Sternendämmerung“ tapfer der quasi realen, Jahrhunderte umspannenden Fiktion, welche die „Star-Trek“-Saga heute darstellt. Das Autorentrio fürchtet nicht die faktenreiche Historie (oder ihre detailversessenen, pingeligen Kenner), sondern stellt sie in den Nutzen ihrer Geschichte. Noch in den Nebensätzen werden immer wieder Ereignisse aufgegriffen, an die sich womöglich nur der absolute Trekkie erinnert. Das lässt ein außerordentlich dichtes Hintergrundgewebe entstehen, auf dem der eigentliche Plot stabil ruht.

Aller Anfang ist – langsam

‚Ruht‘ ist der zutreffende Ausdruck, denn obwohl stets etwas geschieht, ist „Sternendämmerung“ sichtlich die Ouvertüre zu einem Spektakel, das sich über mindestens 1200 Druckseiten hinziehen wird. So reihen sich zunächst zwar spannend geschriebene aber zusammenhanglos wirkende Episoden aneinander, bis endlich ein roter Faden – der Kampf gegen die „Totalität“ – sichtbar wird. Wer barockes Breitwand-Fabulieren schätzt, wird mit „Sternendämmerung“ nur allmählich auf seine Kosten kommen.

Wer ist der beste „Enterprise“-Kapitän aller Zeiten? William Shatner kennt die Antwort auf diese Frage genau, und seit er ‚Schriftsteller‘ geworden ist, nutzt er jede Gelegenheit, die Trekkies auf seine Seite zu ziehen. Dieses Mal konnten ihn die Reeves-Stevens offenbar nicht so gut kontrollieren wie sonst. Das Ergebnis: ein durch Raum und Zeit kapriolender Kirk, den sein Freund Picard gnädig begleiten darf (wenn er denn Schritt halten kann).

Jean-Luc Picard ist in der Tat ein manchmal dröger Zeitgenosse, aber zum Steigbügelhalter des entfesselten Kirk degradiert zu werden, hat er ganz sicher nicht verdient! Auf der anderen Seite weiß Shatner anschaulich zu machen, dass die Sturm- und Drangzeit der Föderation Männer wie ihn – Tatmenschen – benötigte, die nach der Konsolidierung einer nüchterner forschenden Generation Platz machen konnten und mussten.

Picard ist in der Krise durchaus zu schnellen, die Regeln großzügig auslegenden Entscheidungen fähig. Kirk lebt allerdings in einer Welt, der jedem Moment eine potenzielle Ausnahmesituation entspringen kann. Das hat ihn geprägt und zu dem unberechenbaren Strategen werden lassen, der geachtet und gefürchtet (oder verflucht) wird.

Interessant sind Kirks Selbstreflexionen, die viel vom wahren William Shatner verraten. „Im Gegensatz zu den verlorenen Details standen die Gefühle der damaligen Zeit … Einen Traum verwirklicht zu haben, mit hoch angesehenen Profis und guten Freunden zusammenzuarbeiten … Er konnte immer noch auf jene Erinnerungen zurückgreifen, auch wenn manche von ihnen dunkler und schmerzhafter waren“ (S. 100). Diese Passage spiegelt womöglich Shatners lückenhafte und geschönte Erinnerung an seine „Star-Trek“-TV-Tage wider, die er nach Auskunft seiner erbosten Schauspieler-Kollegen weitgehend vergessen hat, um sie erst im Alter autobiografisch und lukrativ wieder zum Leben zu erwecken.

Autor/en

William Shatner wurde am 22. März 1931 im kanadischen Montreal geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften, wurde aber schon in jungen Jahren Schauspieler – zunächst beim Theater, wo er u. a. in zahlreichen Shakespeare-Stücken auftrat. 1956 ging Shatner nach New York zum Broadway. Parallel dazu spielte er in TV-Dramen, die damals noch live gesendet wurden. Zwei Jahre später tauchte Shatner in „The Brothers Karamazov“ (dt. „Die Brüder Karamasow“) an der Seite von Yul Brunner und Maria Schell im Kino auf.

Der echte Durchbruch blieb aus. In den nächsten Jahren spielte Shatner in zahlreichen aber schnell vergessenen Kinofilmen und TV-Shows mit. Darin lieferte er trotz seiner theatralischen bis pathetischen Darstellungsweise durchaus achtbare Leistungen ab, die ihm die Kritik bekanntlich gern abspricht. 1966 bis 1969 folgte die Hauptrolle in „Star Trek – The Original Series“, gefolgt von einer langen Durststrecke und den für Shatner typischen Rollen in B-Movies und Fernsehserien.

Aber Shatner blieb am Ball. Die Rückkehr als Captain Kirk in den „Star-Trek“-Kinofilmen brachte ihm endlich die Popularität, die er sich wünschte. Er nutzte sie geschickt, um in den 1980er und 90er Jahren eine parallele Karriere als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Gang zu bringen. Seine Aktivitäten als Schauspieler schränkte er keineswegs ein, versuchte sich als Sänger, wurde Pferdezüchter, gründete eine Firma für Spezialeffekte – und entwickelte schriftstellerische Ambitionen.

Von Anfang an sah sich Shatner primär als Lieferant von Plots und Ideen, die von Profischreibern in literarische Form gegossen wurden aber unter seinem zugkräftigen Namen erschienen. Als Ghostwriter für die „Tek-War“-Serie (ab 1994) fungierte SF- Veteran Ron Goulart. Da der Erfolg sich in Grenzen hielt, besann sich Shatner seines Alter Egos James T. Kirk, den er mit tatkräftiger Unterstützung der Reeves-Stevens (s. u.) ins Leben zurückkehren ließ.

Trotz seines Alters denkt Shatner nicht an den Ruhestand. In seiner Rolle als unwürdiger Greis besetzt er im Kulturleben der USA heute etwa dieselbe Nische wie hierzulande Dieter Bohlen oder Jürgen Drews und hat sich als Trash-Ikone und Amerikas liebster Toupet-Träger eine solide Alterskarriere aufgebaut. William Shatner ist in dritter Ehe verheiratet, hat vier Kinder und lebt in Südkalifornien und Kentucky.

Website

Judith und Garfield Reeves-Stevens schreiben Romane und Drehbücher. Außerdem sind sie Produzenten für Kinofilme und Fernsehserien, Ideenlieferanten für SF- und Fantasy-Games und, und, und … Im „Star-Trek“- Universum zählen die Reeves-Stevens zu den Besten unter den Fließband-Literaten des Franchises. Garfield allein schrieb bisher fünf Thriller, die Elemente der Science Fiction mit der des Horrors verknüpfen.

Garfield und Judith sind kompetente „Star-Trek“-Chronisten, die über die verschiedenen Serien großformatige, sehr informative und unterhaltsame Sachbücher verfasst haben.

Taschenbuch: 404 Seiten
Originaltitel: Captain‘s Peril (New York : Pocket Books 2002)
Übersetzung: Andreas Brandhorst
http://www.randomhouse.de/heyne

eBook: 730 KB
ISBN-13: 978-3-641-11518-0
http://www.randomhouse.de/heyne

Der Autor vergibt: (3.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Bradbury, Ray – Fahrenheit 451

In einem totalitären Zukunftsstaat sind Bücher verboten. Die Feuerwehr dient nicht dem Löschen von Feuer, sondern dem Verbrennen der gefährlichen Literatur. Einer der Feuerwehrmänner wandelt sich in seinen Ansichten zum Systemgegner, doch der Ausstieg ist gar nicht so einfach, wie er schnell herausfindet.

_Der Autor_

Raymond Bradbury, geboren 1920 (und immer noch quicklebendig!) in Waukegan, Illinois, ist einer der bekanntesten Erzähler der USA, und zwar nicht nur in der Science-Fiction, sondern auch im sogenannten Mainstream. Als Ray 14 Jahre alt war, übersiedelte seine Familie nach Kalifornien, wo er 1938 seinen Highschool-Abschluss machte. Diesen Verlust der Heimat hat er immer wieder thematisiert.

1937 kam er erstmals mit der Science-Fiction-Szene in Kontakt, als er Ray Harryhausen (Film), Forrest Ackerman (Fandom) und Henry Kuttner (Autor) traf. Zum Teil konnte er seine Träume mit ihnen erfüllen. Harryhausen wurde zu einem der größten Trick- und Special-Effects-Könner auf dem Gebiet des phantastischen Films („Kampf der Titanen“ u. v. a.), während Bradbury später als Autor weit über die Grenzen des Genres hinaus bekannt wurde.

Die Schriftstellerin und Drehbuchautorin („Star Wars Episode V“) Leigh Brackett beeinflusste ihn wesentlich in seiner Entwicklung. 1943 wurde sein Stil poetischer, nostalgisch und zeigte einen Hang zum Makabren. Die damals großen Magazine wie die „Saturday Evening Post“ sollen sich angeblich um seine Storys gerissen haben. Er schrieb für John Huston das Drehbuch zu „Moby Dick“.

In letzter Zeit ist es still um Bradbury geworden, aber von ihm erscheinen immer noch aufwendig gemachte Novellen- und Storybände. Ridley Scott hat in seinem Film „Blade Runner“ eine Hommage eingebaut: Das Hotel, in dem der Showdown stattfindet, heißt „The Bradbury“. Und der Regen fällt wie in Bradburys Story „The Day It Rained Forever“ unablässig.

Seine wichtigsten Werke:

Fahrenheit 451 (1953, verfilmt 1966 von F. Truffaut)
Der illustrierte Mann (1951, verfilmt 1968 mit Rod Steiger, dt. Titel: „Der Tätowierte“)
Die Mars-Chroniken (1946-50, verfilmt 1980 mit Rock Hudson)

_Handlung_

Fahrenheit 451 – oder 232° Celsius – ist die Temperatur, bei der Buchpapier Feuer fängt. Und um Bücher scheint es vordergründig zu gehen. Sie sind nämlich selten – und außerdem ist ihr Besitz strengstens verboten. Wer damit erwischt wird, ein Buch zu besitzen, zu lesen, daraus für andere zu rezitieren, dessen Haus wird mitsamt der Bibliothek abgefackelt. Das ist nicht so schlimm, wie es klingt, denn die meisten modernen Häuser in dem geschilderten Land sind sowieso feuerfest. Bis auf gewisse Ausnahmen.

Die Jungs, die das Verbrennen besorgen, sobald eine entsprechender Befehl in der Zentrale eingegangen ist, sind natürlich die Feuerwehrmänner. Jungs wie Guy Montag: brav in der Berufsausübung, effizient in der Aktion und vor allem linientreu. Montag ist ein Feuerwehrmann, also Angehöriger des Staatlichen Ordnungsdienstes, der mit seinem „Salamander“ bzw. „Feuerwehrauto“ in den Einsatz fährt, um das Kerosin zu verspritzen.

Als er einmal zu einem Haus gerufen wird und das ordnungsgemäße Bücherverbrennen beginnen soll, weigert sich die alte Hausbewohnerin, ihr Domizil zu verlassen. Doch wie die Pflicht erfüllen? Montags Boss Beatty hat zum Glück keine Skrupel, doch er kommt zu spät. Die alte Dame hat selbst ein Streichholz angerissen und das überall verspritzte Kerosin in Brand gesteckt. Montag ist ziemlich verstört. Etwas kann hier nicht stimmen.

Er lebt in einem totalitären Zukunftsstaat, der sich bemüht, das Denken und Handeln seiner Bürger vollständig zu kontrollieren. Bücherlesen ist ein unkalkulierbarer Risikofaktor. Hauptmann Beatty erklärt es Montag haarklein, immer wieder: |Das Wichtigste ist das Glück, das in der Gemütsruhe, dem Seelenfrieden liegt. Alles andere ist zweitrangig. Was den Seelenfrieden und die allgemeine Ordnung stört, muss eliminiert werden.| Doch wer legt fest, was dem „Seelenfrieden“ förderlich und was schädlich ist? Nun, jedenfalls sind Bücher schädlich und die Dauerberieselung durch multimediale Funkkanäle mit Seifenopern förderlich.

Während sich Montags Frau Mildred bis zur Besinnungslosigkeit von den drei bis zur Decke reichenden Fernsehwänden mit dem staatlichen Unterhaltungsprogramm berieseln lässt, hält es Montag nicht bei solchem Stumpfsinn. Er lernt beim Spazierengehen die 16-jährige Clarisse McClellan kennen. Sie kennt nicht nur Bücher und wie man liest, sondern führt auch, o Wunder, ein reges Familienleben. Durch sie ändert sich seine Einstellung ziemlich grundlegend. Außerdem hat er selbst etwa 20 Bücher mitgehen lassen und in seinem Haus versteckt.

Doch Montags Wandel stößt auf allseitigen Widerstand: Mildred ist zunächst unverständig, dann ablehnend, schließlich denunziert sie ihn. Clarisse McClellan wird mitsamt ihrer Familie abgeführt und getötet. Und Hauptmann Beatty, der linientreue Vertreter der Regierung, liest seinem „Fireman“ Montag die Leviten. Dabei zeigt sich Beatty als ein sehr belesener Zeitgenosse, der sogar Shakespeare auswendig zu zitieren vermag.

Die einzige Hilfe erhält Montag von dem alten Mann Faber, der nicht nur eine Bibliothek sein Eigen nennt, sondern auch ein Elektrobastler ist. Er gibt Montag einen Funkempfänger, den er in die Ohrmuschel stecken kann. So kann er Montag vor kritischen Situationen warnen. Das ist auch vielfach notwendig, denn Montags Wut und Frustration kennt nach Clarisses Tod kaum noch Grenzen. Emotionaler Höhepunkt ist Montags Rezitation des viktorianischen Gedichts „Dover Beach“: „ignorant armies clash by night“ (sehr Kuttner-esk).

|(Achtung: Spoiler!)|

Es kommt zur Katastrophe: Der nächste Einsatz führt zu Montags eigenem Haus. Doch ihm gelingt es, Beatty auszuschalten und zu fliehen. Doch der mechanische Hund ist nun die größte Gefahr: Das künstliche Tier lähmt oder tötet seine Opfer mit einer „Procain“-Spritze, die es aus dem Maul ausfährt. Beinahe erwischt es auch den Fliehenden, bevor er in den Fluss springen kann, der die Stadt von der Wildnis abgrenzt.

In der Wildnis begegnet er Leuten, von denen ihm schon Clarisse erzählt hatte: Jeder der ehemaligen Professoren der Literatur und Philosophie hat ein Buch oder Buchteil memoriert. Diese Erinnerungen sind das Einzige, was von den Büchern übrig geblieben ist. Die Angehörigen der Gruppe, die im ganzen Land Kontakte hat, ziehen umher und verbreiten das Wort denjenigen, die es hören wollen. Es ist sehr passend, dass Montag Teile des Bibelteils „Buch des Predigers Salomo“ erinnert.

Doch kaum ist Montag in die Gruppe aufgenommen, bricht der schon lange erwartete Krieg aus. Flogen bislang nur Düsenbomber über den Himmel, so fallen nun die Wasserstoffbomben. Es ist ein Drei-Minuten-Krieg: kaum begonnen, schon vorbei. Doch danach existiert die Stadt nicht mehr. Und so ist für Montag und Co. die Zeit gekommen, einen Neuanfang zu machen und „das Wort“ zu verbreiten: „und die Blätter des Baumes dienten zur Heilung der Völker“.

|(Spoiler Ende)|

_Mein Eindruck_

In „Fahrenheit 451“ hat Bradbury Anfang der fünfziger Jahre seine Wut und Frustration herausgelassen. Sein Wutschrei gilt den Massenmedien des 20. Jahrhunderts, die er in Form des frühen Fernsehens bereits aufkommen sah und vor deren vermeintlichen Folgen er warnte. Fernsehen, Popmusik, Massensportveranstaltungen, sogar Comics und Freizeitparks – Bradbury lehnt alles ab, was nicht der Erbauung, sondern nur dem bloßen Vergnügen dient. Deshalb kommt es für ihn einer Todsünde gleich, Bücher, dieses Gedächtnis einer Kultur, verbannen und vernichten zu wollen. Denn er weiß (mit Heinrich Heine): „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch bald Menschen.“ So geschehen in Nazi-Deutschland, über das Bradbury sicher einige Berichte gehört, gelesen oder sogar gesehen hat.

Allerdings ist das Buch, das er geschrieben hat, auch die Litanei eines konservativen, puritanischen Moralisten. Montag macht eine moralische Entwicklung durch, angestoßen durch ein junges, intellektuell erscheinendes Mädchen (Clarisse). Seine Kontrahenten sind seine Frau Mildred und sein Hauptmann Beatty. Bradbury ist regelrecht sexistisch, wenn er Montag seine Frau als „stupid, empty-headed woman“ bezeichnen lässt, wenn sie Seifenopern via Wandfernsehen und Kopfhörersound in sich aufnimmt und darin versinkt. Doch im Gegensatz zu Montag hat sie noch Freunde. Beatty hingegen ist ein aufgeklärter Regimevertreter, der sehr an Winstons Peiniger in Orwells Roman „1984“ (1948) erinnert. Er hat selbst eine Menge Bücher gelesen und heuchelt seine Linientreue lediglich. Um seinen Job zu behalten, muss er allerdings Abweichler wie Montag ausmerzen.

Der einzige Freund, den Bradbury Montag gestattet, ist im Grunde Faber. Dieser „Handwerker“ (von lateinisch ‚faber‘) und Bücherfreund wird Montags Verbindung zum Untergrundnetz. So gelangt er zu den lebenden Büchern, die sich in der Wildnis treffen. Montag wandelt sich hier in Bradburys Ideal: zum Prediger des Wortes, zum Bewahrer der buchbasierten Kultur. Hätte Bradbury sein Buch dreißig Jahre später geschrieben, hätte er sicher gegen Computerspiele und Heimvideos gewettert. (Montag würde heute aber nicht mehr als Wanderprediger auftreten, sondern auch im Fernsehen oder Internet.)

Es ist daher kein Wunder, dass seine Botschaft bei Lehrern und anderen Kulturwächtern gerne gehört wurde. Da die Botschaft in eine unterhaltsame Geschichte mit poetischen Untertönen verpackt ist, stellte sie sich auch mit der Zeit als sehr akzeptabel heraus – nicht nur im Westen, sondern auch in der UdSSR (1956, 1963ff) und in der DDR (1974), wie Erik Simon in einer Fußnote zur |Heyne|-Ausgabe darlegt. Schön, wenn da ein Westler mal gegen die modernen Auswüchse des kapitalistischen Systems wettert.

Bradburys Buch ist daher weltweit in den Bücherkanon und die Lehrpläne aufgenommen worden – nicht nur weil es so schön schmal ist, sondern weil es auch frei von Sex und ähnlich schlüpfrigen Dingen ist. (Natürlich ist Clarisse kein weibliches Wesen; sie spricht ja nicht einmal wie ein Mächen, sondern genau wie Mädchen bei vielen anderen Science-Fiction-Autoren der vierziger und fünfziger Jahre, etwa bei Asimov: hölzerne Phrasen, die allesamt wie Botschaften eines Alter Ego des Autors klingen.) Dass sich darin eine Frau verbrennt und der Atomkrieg ausbricht, scheint nicht weiter schlimm zu sein. Man könnte das Buch ja sonst für harmlos halten.

Als Traktat für Teenager hat diese einfach gehaltene Dystopie sicher ihre Meriten, doch es handelt sich nicht um einen Science-Fiction-Klassiker für Erwachsene. „Fahrenheit 451“ ist zu unausgewogen, als dass man es als ernsthaften Versuch betrachten könnte, mit erzählerischen Mitteln die moralischen Folgen des Mediensperrfeuers, dem Montags Gesellschaft und Heim ausgesetzt sind, umzusetzen und darzustellen. Vielmehr ist Montag von vornherein immun gegen die Medienberieselung, die seine „dumme, hohlköpfige“ Frau über sich ergehen lässt. Er lehnt „Big Brother“ – in jedem Sinne – ab. Das macht seinen Sinneswandel aber nur wenig verständlicher.

_Unterm Strich_

Man sollte das Buch nicht mit François Truffauts Film vergleichen. Und wer die Story des Films ohne weiteres auf das Buch überträgt, begeht einen Fehler. Beide folgen ihren eigenen Gesetzen, verfügen über ihre eigenen Ausdrucksmittel. Die poetische Sprache ist im Film kaum je wiederzufinden, doch die Bilder des Films sagen etwas anderes als das Buch. Ein Vergleich täte beiden Unrecht, deshalb versuche ich das gar nicht.

Wer kann, sollte den Roman im Original lesen, nicht nur wegen der schöneren und genaueren Sprache, sondern auch wegen der Vollständigkeit des Textes. Ist schon die |Diogenes|-Fassung länger als die bei |Heyne| abgedruckte, so erfährt man in der „Encyclopedia of Science Fiction“, dass in den letzten Textfassungen zwei Kurzgeschichten, eine Coda und ein Nachwort des Autors hinzugekommen sind. Das wäre dann die definitive Ausgabe.

Wer wirklich gute Prosa von Bradbury lesen will, der greife zu den „Mars-Chroniken“ und dem „illustrierten Mann“, also sehr frühen Texten. Beide wurde verfilmt.

Nicholls, Stan – Orks, Die

Der „Herr der Ringe“, dessen Verfilmung zahllose Fans begeistert hat, mag ein Grund sein, warum auf einmal die fantasy-typischen Standardbösewichte,

_DIE ORKS_,

sich so großen allgemeinen Interesses erfreuen dürfen.

|Piper| legt mit Stan Nicholls‘ „Die Orks“ einen Sammelband von drei Ork-Geschichten vor, die uns ein Abenteuer aus Ork-Sicht schildern. So erhält man mit dem 800 Seiten dicken Buch eine komplette und abgeschlossene Trilogie!

Der eher unbekannte australische Autor Stan Nicholls schrieb neben den Orks die bisher ausschließlich im englischen Original erschienene „Quicksilver“-Trilogie und die „Nightshade-Chronicles“, die beide klassische Fantasythemen behandeln.

Der Sammelband „Die Orks“ ist ein sehr sauber und solide broschiertes/kartoniertes Buch. Auf dem breiten Buchrücken sowie dem schwarzen Cover ist eine riesige, vermeintliche Ork-Axt abgebildet – ironischerweise die Axt „Snaga“ des Helden Druss von David Gemmell … Darüber prangt der goldene Schrifzug „Die Orks“ – eine sehr gefällige Gestaltung! Eine SW-Karte zeigt den Handlungsort Maras-Dantien, zur Einstimmung beginnt das Buch mit einem alten Orks-Kriegslied, das sehr schön und sich gut reimend übersetzt wurde.

Das Buch besteht aus den Einzelromanen:

Leibwächter des Blitzes (Bodyguard of Lightning)
Legion des Donners (Legion of Thunder)
Krieger des Sturms (Warriors of the Tempest)

– alle von Stan Nicholls, zusammen eine abgeschlossene Handlung bildend.

_Piper-Orks, Heyne-Orks?_

Wer sich wundert, warum „Die Orks“ auf einmal bei |Piper| und nicht wie ursprünglich bei |Heyne| erscheinen: |Heyne| gehört zu der Verlagsgruppe |Random House|, deren Anteil im Fantasytaschenbuchmarkt so groß wurde, dass vom Bundeskartellamt der Verkauf einiger Reihen gefordert wurde. Die Reihe |Heyne Fantasy|, zu der auch „Die Orks“ gehören, erscheint somit neben anderen klangvollen Namen wie Ursula K. LeGuin, Terry Pratchett und Robert Jordans „Rad der Zeit“ nun bei |Piper Taschenbuch|. Optisch wurde nur der Schriftzug des Verlags auf dem Cover der „Orks“ verändert, alle genannten Reihen werden weiterhin erscheinen. Man kann auf die kommende und nun wahrlich opulente Fantasy-Vorschau des Piper-Verlages zu Recht gespannt sein! Weitere Details finden sich in den [Buchwurminfos III/2004]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=19.

_Zur Sache – was mordet Ork in diesem Buch?_

Der von dem Ork Stryke geführte Kriegstrupp der „Vielfraße“ führt auf den Schlachtfeldern Maras-Dantiens einen blutigen Krieg im Namen ihrer halborkischen Königin Jennesta. Die „älteren“ Rassen der Orks, Zwerge und Elfen stehen im Kampf mit den „Spätankommer“ genannten Menschen. War das Land Maras-Dantien reich an Magie, zehrt die Ankunft der Menschen an dessen Substanz, und der Zauber wird immer schwächer. Glaubenskriege zwischen den die älteren Göttern verehrenden „Mannis“ und den an den einen Gott glaubenden „Unis“ prägen das Land von der Kirgizil-Wüste bis zum Hojanger-Ödland im Norden. Dabei kämpfen Menschen und andere Rassen auch untereinander. Die Orks gelten als die besten Krieger Maras-Dantiens, treten jedoch nicht als eigene Nation auf, sondern werden als Leibwächer oder Kriegstrupps von vielerlei Herren angeworben, von den Menschen verständlicherweise weniger.

Eines Tages erhält Stryke den Auftrag, seiner Herrin Jennesta ein besonderes magisches Artefakt zu überbringen. Der Trupp gerät jedoch in einem Hinterhalt, Kobolde können das Artefakt entwenden. Bei der erzürnten Jennesta fällt der Trupp sofort in Ungnade, und sie hetzt ihre Soldaten, Kopfgeldjäger und sogar Drachen den „Vielfraßen“ hinterher …

Stryke erfährt bald mehr über das Artefakt, eines von fünf sogenannten „Instrumentalen“ … Zusammengesetzt werden sie zu einem Objekt großer Macht, das den Niedergang der Magie stoppen und vielleicht sogar die Orks aus der in Strykes Augen unwürdigen Leibknechtschaft befreien könnte.

Auf der Flucht vor Jennesta und der Suche nach den weiteren Instrumentalen stoßen Stryke und sein Trupp mehrfach mit fanatischen Menschen, Zentauren, Fischwesen und allen Arten von Geschöpfen, welche die Fantasyliteratur bisher hervorbrachte, zusammen. Der geheimnisvolle Seraphim sowie die ebenfalls recht widerwärtigen beiden Schwestern Jennestas mischen sich immer wieder in die Geschicke des Trupps ein … bis es zum Showdown zwischen Stryke, seinen „Vielfraßen“ und der bösen Königin kommt.

_Doch keine „echten“ Orks?_

Auch wenn der Klappentext „Ein etwas anderes Fantasy-Epos – mit den Bösen aus J. R. R. Tolkiens |Herr der Ringe| in den Hauptrollen“ verspricht: Die Welt Maras-Dantien ist doch sehr verschieden von Tolkiens Mittelerde!

Die Orks sind nicht ganz so hässliche Kreaturen wie die anscheinend das Zahnersatz-Bonusheft verachtenden Stinkfüße aus dem Herrn der Ringe, die zudem extreme Hautprobleme und miserable Beauty-Berater haben.

Groß, kräftig, wild, tödlich – im Gegensatz zum |Herrn der Ringe| wirbelt hier ein Ork locker drei, vier Menschenkrieger durch die Luft, nicht umgekehrt. Geblieben ist die Denkart: Orks lösen ein Problem direkt – mit dem Schwert und Körpereinsatz. Zimperlich sind sie nicht, im Gegenteil, sie leben erst so richtig auf, wenn Körperteile und Blut nur so spritzen! Vorurteile gegen die geldgierigen Zwerge hegen sie ebenso, was sich in den unterhaltsamen Streitigkeiten des Ork-Feldwebels Haskeer mit dem einzigen Zwerg im Trupp, Feldwebel Jup, zeigt.

Ein Unterschied zum klassischen Ork ist die Disziplin der Vielfraße: Professionelle, gut ausgebildete und schlachtenerprobte Krieger, die vor allem auch |diszipliniert| sind, das sind Nicholls Orks. Trotz dieser Unterschiede bleibt das barbarische Wesen der Orks dennoch weitgehend unangetastet.

Kämpfe gibt es im Verlauf der sehr linearen Storyline zuhauf. Obwohl einige wirklich brutale Dinge wie die Opferungen menschlicher Gefangener durch die halborkische Königin Jennesta, denen sie zu magischen Zwecken das Herz herausreißt (vorher „vergnügt“ sie sich gerne mit ihren Opfern im Bett oder auf dem Altar …) enthalten sind, gehen Gräuel und Fanatismus selten von den Orks aus. So sind menschliche Söldner oder hetzerische Menschen-Prediger die wahren Bösewichte, nicht die gewalttätigen, kämpferischen und etwas dummen Orks.

Die Vielfalt an fantasytypischen Rassen und Figuren, die im Handlungsverlauf auftreten, ist enorm. Für Abwechslung ist gesorgt, auch beschränkt sich die Story nicht nur auf Hauen und Stechen. Der Zwerg Jup darf so z. B. in einer Menschenstadt spionieren, einzelne Truppmitglieder werden geschnappt von ihren Jägern und erleben parallel zum Haupttrupp ihr eigenes Abenteuer. Gelegentlich wird zu Jennestas ebenfalls bösartiger Schwester Adpar und ihrem Kampf gegen die fischartigen Merz umgeblendet. Besonders amüsant ist auch der fanatische Menschenprediger Kimball Hobrow, seine hartherzige Tochter mit dem passenden Namen „Milde“ und die gemeinen Söldner um Micah Lekmann.

Die Kampfszenen sind sehr lebendig und spannend, sogar Drachen tauchen kurz auf, alles was das Herz des Orkfreunds begehrt. Was will man mehr?

Leider können die schöne Aufmachung und der geglückte Versuch, auf der Massenbegeisterungswelle des |Herrn der Ringe| mitzureiten, nicht verbergen, dass Nicholls einfach kein zweiter Tolkien ist.

Neben dem Ork Stryke, der für einen Ork ungewöhnlich schlau ist, zeigen nur die Figuren in seinem Kriegstrupp wie Alfray, Coilla, Jup und Haskeer so etwas wie Charakter. Alle anderen Orks, auch die des Trupps, sind bedeutungs- und weitgehend sogar namenlos. Dasselbe gilt für die anderen Fantasyrassen: Sie werden wie Statisten nacheinander besucht, ihres Artefakts beraubt und abgehandelt. Königin Jennesta wird als ziemlich flacher, böser Charakter dargestellt. Die Menschen werden ganz gut zum Teil als üble Bösewichte geschildert, ohne zu platt zu werden.

Die furiosen Gefechte können nicht über im späteren Handlungsverlauf auftretende Durststrecken hinwegtäuschen. Das von Nicholls selbst erdachte Finale kam bei mir sogar noch weniger gut an als seine oft geradezu zwanghaft in die Handlung integrierten, geklauten Fantasywesen/rassen an. Alles in allem jedoch keinesfalls ein schlechtes Buch. Allerdings auch keine wirkliche Empfehlung.

Eine kleine Leseprobe aus dem orkischen Marschlied am Anfang des Buchs:

|“Wir sahn einen Bauern so fett mit seiner Tochter so nett,
die Spitzen unserer Dolche weckten ihn rau,
er fing an zu stammeln und zu kreischen, gab uns Gold ohne zu feilschen,
die Tochter floh, also brieten wir seine Frau.

Und jetzt, orkische Lumpen, hebt euren vollen Humpen,
in tüchtigen Schlucken sauft das starke Bier,
spießt sie auf im Geplänkel wie von Schweinen die Schenkel,
fett und reich, so sehen wir Vielfraße uns wieder hier!“|

_Fazit_

Für Fantasy-Freunde ein Paradies. Die Ork-Perspektive des Buches weiß zu gefallen. Trotzdem kommt das Buch oft nicht über gutes Mittelmaß hinaus. Wer selten Fantasy liest oder Tiefgang und Anspruch sucht, der wird hier nicht fündig. Da das Buch ein sehr schön gestalteter Riesenwälzer von 800 Seiten ist, stellt es jedoch ein sehr schönes Geschenk für die entsprechende Zielgruppe dar.

|Tipp – oder Warnung (?)|

Dank des großen Verkaufserfolgs der Orks gibt es nun auch die „Zwerge“ und die „Elfen“ sowie Weiteres von Stan Nicholls. Man kann nur hoffen, dass hier nicht auf Kosten bekannter Fantasylieblinge deren Fans mit reihenweise Mittelmaß bombardiert werden. „Die Zwerge“ zumindest kamen bei der Zielgruppe allerdings überwiegend gut an.

Homepage des Autors: http://herebedragons.co.uk/nicholls/

Heinlein, Robert A. – Zwischen den Planeten

Robert Anson Heinlein (1907-1988) hat zweifellos eine ganze Menge bedeutenderer und unterhaltsamerer Romane geschrieben als „Zwischen den Planeten“. Die Karriere des Autors begann 1939 mit der Veröffentlichung einer Kurzgeschichte in |Astounding Science Fiction|, herausgegeben von John W. Campbell, der viele weitere Storys folgen sollten, ehe ihm der Absprung aus den Pulps hin zum viel beachteten Romanautor gelang, der in den siebziger und achtziger Jahren regelmäßig in den amerikanischen Bestsellerlisten zu finden war. Neben zahlreichen Science-Fiction-Romanen für ein erwachsenes Publikum, wie den allesamt mit dem |Hugo Award| ausgezeichneten „Double Star“ (1956), „Starship Troopers“ (1959), „Stranger in a Strange Land“ (1961) und „The Moon is a harsh Mistress“ (1966) veröffentlichte Heinlein zwischen 1947 und 1963 eine Reihe von Romanen für Jugendliche, zu denen – wenngleich eindeutig zu den qualitativ schwächeren – auch „Between the Planets“ zu rechnen ist.

Don Harvey erhält überraschend ein Telegramm seiner Eltern. Drei Monate vor dem Ende seiner schulischen Ausbildung wird er darin aufgefordert, die Erde zu verlassen und zu seinen Eltern auf den Mars zu kommen. Dieser ist ebenso wie die Venus von den Menschen kolonisiert. Noch bevor er sein Schiff besteigen kann, lernt Don einen der Eingeborenen der Venus, Saurier-ähnliche Wesen, die der Einfachheit halber als „Drachen“ bezeichnet werden, namens „Sir Isaac Newton“ kennen. Aus dem Flug zum Mars wird nichts, da kurz nach dem Start auf der Venus eine Rebellion gegen die irdische Regierung ausbricht: Das Schiff wird abgefangen, Don selbst wird zur Venus gebracht. Eigentlich hält er sich in diesem Konflikt für neutral, sieht er sich doch selbst als Bürger des ganzen Sonnensystems, da sein Vater Erdgeborener ist, seine Mutter eine Venus-Kolonistin der zweiten Generation und er auf einem Raumschiff geboren wurde. Doch einem vermeintlich billigen Plastikring, den er bei sich trägt, scheint eine größere Bedeutung beizukommen, als Don ahnt, was ihn in den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen rückt.

Der mageren Handlung zum Trotz liest sich der Roman auch über fünfzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch recht flüssig, was für Heinleins erzählerische Begabung spricht, auch einem mäßig interessanten Stoff noch halbwegs unterhaltsame Seiten abzugewinnen. Damit hat es sich aber weitgehend: Der naive und gleichzeitig völlig von sich eingenommene Protagonist Don stößt dem Leser ebenso sauer auf wie die verschenkte Möglichkeit, die Urzivilisation der Venus detaillierter und nicht gar so oberflächlich zu schildern, wie es hier geschieht. Von der wenig prickelnden, sehr schwarz-weiß und amerikanisch gemalten Kolonisten-Rebellion gegen die obligatorische irdische Diktatur ganz zu schweigen. So bleibt „Zwischen den Planeten“ unterm Strich einer der schwächsten Romane Heinleins, den man ganz sicher nicht unbedingt gelesen haben muss.

Heinleins Jugendbücher in chronologischer Reihenfolge:
1947: Rocket Ship Galileo (dt. Reiseziel: Mond; BL 24293)
1948: Space Cadet (dt. Weltraumkadetten; BL 23220)
1949: The red Planet (dt. Der rote Planet; BL 23214)
1950: Farmer in the Sky (dt. Farmer im All; BL 24286)
1951: Between Planets (dt. Zwischen den Planeten, BL 23263)
1952: The rolling Stones (dt. Die Tramps von Luna; BL 24311)
1953: Starman Jones (dt. Gestrandet im Sternenreich; BL 24220)
1954: Star Beast (dt. Die Sternenbestie; BL 24163)
1955: Tunnel in the Sky (dt. Tunnel zu den Sternen; BL 23201)
1956: Time for the Stars (dt. Von Stern zu Stern; BL 23191)
1957: Citizen of the Galaxy (dt. Bewohner der Milchstraße; BL 23167)
1958: Have Space Suit – will travel (dt. Invasion der Wurmgesichter; noch nicht bei BL, zuletzt 1982 als Heyne TB 06/3862)
1963: Podkayne of Mars (dt. Bürgerin des Mars, noch nicht bei BL, zuletzt 1980/82 als Goldmann TB 23354)
(Zusammenstellung von Gunther Barnewald)

_Armin Rößler_ © 2004
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung unseres Partnermagazins [buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de/ veröffentlicht.|

Rollins, James – Sub Terra

McMurdo Base, eine Forschungsstation der US-Navy, auf Ron Island und unweit des Mount Erebus an der Antarktisküste – oder eigentlich darunter, ganze drei Kilometer sogar. Dort wurde ein gigantisches System unterirdischer Kavernen entdeckt; allein die Haupthöhle weist einen Durchmesser von acht Kilometern auf. Aber es kommt noch toller: Die Spähtrupps der Navy stießen auf Artefakte, die zwar primitiv, aber eindeutig einer intelligenten Zivilisation zuzuordnen sind. Datiert wurden sie auf ein stolzes Alter von 5,2 Mio. Jahre, und nun wird es unheimlich, weil sich der Mensch erst eine Million Jahre später zu entwickeln begann.

Da es in der unterirdischen Düsternis nichts gibt, auf das sich schießen ließe, ist nun der Zeitpunkt gekommen, wissenschaftliche Hilfe von außen anzufordern. Das chronische Misstrauen der Militärs – vielleicht findet sich da unten ja etwas, mit dem sich die vielen Feinde Amerikas noch besser in Schach halten lassen – bringt den Geologen und Vulkanologen Dr. Andrew Blakely ins Spiel. Er arbeitet ohnehin schon unter McMurdo für die Navy – da kann er wohl auch eine Expedition planen und mit anerkannten Fachleuten besetzen.

Professor Ashley Carter, Paläoanthropologin und Archäologin, gräbt gerade in Neumexiko alte Indianersiedlungen aus, als sie der Ruf aus der Antarktis erreicht. Sie sagt zu, bringt aber ihren elfjährigen Sohn Jason mit. Der Australier Benjamin Brust, Ex-Soldat und Höhlenforscher, organisiert den eher Körpereinsatz erfordernden Part der Kletterei; das Team wird komplettiert durch noch einen weiblichen Professor – die Biologin Linda Furstenberg aus Kanada -, Khalid Najmon, Geologe ägyptischer Herkunft, sowie Major Dennis Michaelson und zwei kernige Marines, die offiziell für die Logistik des Unternehmens, aber außerdem für den Schutz der Wissenschaftler zuständig sind. Denn der recht zwielichtige Blakely hat seinen Forschern eine kleine, aber wichtige Tatsache verschwiegen: Sie sind nicht das erste Team, das sich in die Tiefe wagt. Ihre Vorgänger sind allerdings spurlos verschwunden – und mit ihnen immer wieder Soldaten, die sich ein Stück zu weit ins Unbekannte gewagt hatten. Die Menschen sind ganz sicher nicht allein hier |sub terra|, und sie werden keineswegs gastfreundlich empfangen. Als ob dies nicht genug der Gefahr sei, entpuppt sich dann auch noch einer der Forscher als fanatischer Terrorist, der sicherstellen soll, dass sich die verhassten USA nicht auch noch unter der Erdoberfläche breit machen …

Dreimal geraten, liebe Leser, wer das wohl sein könnte aus unserer Runde! Nun ja, einmal wird wohl reichen (dazu unten mehr) – und damit wissen wir schon, wessen Geistes (Findel-)Kind der Roman „Sub Terra“ ist. Der Doktor und das liebe Leservieh … James Rollins alias James Clemens, geboren 1961 in Chicago, Illinois, als James Czajkowski, Doktor der Veterinärmedizin, vulgo Tierarzt, im kalifornischen Sacramento, dazu Reisender und Geschichtenerzähler – ein Lebenslauf, wie ihn die US-Amerikaner lieben, suggeriert er doch Weltläufigkeit und dass in diesem Land jedermann berühmt und reich werden, wenn er (oder sie) sich nur recht eifrig darum bemüht.

Die Qualität dessen, was dabei das Licht der Welt erblickt, ist von sekundärer Bedeutung. In unserem Fall ist das einleuchtend, wenn wir Dr. Czajkowski lauschen, wie er in Erinnerungen schwelgt an die schöne Zeit, als er mit der Linken hustende Dobermänner kurierte und mit der Rechten „Subterranean“, seinen Romanerstling, niederschrieb: drei Seiten an jedem schönen Tag, den der Herr werden ließ, nicht mehr, nicht weniger, bis das Werk getan. (Diese und weitere Informationen zur Person und zum Werk des James Rollins liefert die Website www.jamesrollins.com, die sich allerdings mit demselben Adjektiv wie das schriftstellerische Potenzial ihres Herrn beschreiben lässt: dürftig.)

Diese ungewöhnliche Art der Schriftstellerei bedingt natürlich gewisse Einschränkungen. Um den Tagesdurchschnitt von drei Seiten nicht zu gefährden, gilt es beispielsweise auf jeglichen Ehrgeiz zu verzichten, sein Werk um den Faktor Originalität zu bereichern. Wozu denn auch, steckt doch die Welt des Abenteuerthrillers voller erprobter und bewährter Szenen und Figuren, die förmlich danach schreien, dass sich ein fix und ökonomisch arbeitender Schreiber(ling) ihrer bedient.

Oder wollen wir männlichen Leser etwa behaupten, wir verfolgten nicht gern – in allen Ehren selbstverständlich – die Abenteuer der 2.004ten schönen Frau, die auf den Spuren Lara Crofts die Unterwelt der Antarktis erobert? Wir müssen uns da keine Vorwürfe machen, ist diese Ashley Carter doch nicht nur hübsch, sondern auch schlau und eine gute Mutter obendrein, so dass sie politisch völlig korrekt bewundert werden darf. Sicher, das Treiben ihres Sprösslings – einer Nerven sägenden Heimsuchung, die das Disney-Studio geschickt haben könnte – lässt insgeheim den Wunsch aufkommen, ein gütiges Schicksal – vielleicht in Gestalt eines hungrigen Höhlenbären? – möge ihn möglichst rasch aus dem Geschehen reißen, aber schließlich muss Autor Rollins schon eine zukünftige Verfilmung bedenken, und da ist eine Identifikationsfigur für die eintrittskartenkaufende US-Teenagerschaft unbedingt erforderlich.

Aber keine Sorge: Guter, altmodischer Abenteuer-Machismo manifestiert sich in der Figur des Australiers Benjamin Brust, der eine Art Stalaktite Dundee gibt und noch in lebensbedrohlicher Notlage die Muße findet, die unbemannte Ashley ordentlich zu bebalzen (was sich auch die moderne Frau des 21. Jahrhunderts insgeheim ganz gern gefallen lässt, wie Rollins mit einem Augenzwinkern deutlich macht). In Reserve hält sich Frau Nr. 2, Linda Furstenberg, der aber eher die Rolle der schwarzhaarigen Verderbnis zugedacht wurde, die ein übles Ende nimmt: In dieser Geschichte ist nur Platz für eine Heldin.

Klassisch auch die Schurkenrollen: Mit falschem Lächeln zieht Dr. Blakely – intrigant, egoistisch, ehrgeizig: kein vom Wissensdurst beseelter Forscher, sondern ein Politiker eben – feige hinter den Kulissen die Fäden. Fürs grobe Tücken vor Ort (Belügen & Bedrohen der Helden, Bestehlen & Umbringen der Eingeborenen, Versündigen gegen Mutter Erde etc.) ist Khalid Najmon zuständig, dessen Namen im Ohr des wachsamen Durchschnittsamerikaners verdächtig nach Ausland und Nahem Osten klingt. (Ägypten? Ist das nicht die Hauptstadt des Iran?)

Bleiben noch der stramme Major Michaelson und seine beiden Mannen, harter Kern in stählerner Schale, mutig und dringend erforderlich, um die gar zu sorglosen Wissenschaftler zu ihrem eigenen Besten vor den Gefahren der Finsternis zu schützen. Außerdem gilt es uramerikanische Interessen zu vertreten: Wo kämen wir denn dahin, wenn am Mittelpunkt der Erde ein anderes als das Sternenbanner wehte? Hei, da kommt patriotischer Stolz auf, wenn tapfere Marines den Polar-Morlocks tüchtig in die Ärsche treten! Ach, wenn das mit den Iranern (Libyern, Kubanern u. a. Strolchen) doch auch nur so einfach wäre!

Der Blick auf die Handlung zeigt indes, dass mit den oben beschriebenen Protagonisten genau die richtigen Personen „Sub Terra“ gegangen sind. Was in der Theorie paradox klingt, weiß Autor Rollins wunderbar zu realisieren: Geografisch geht es klaftertief hinab, während die Geschichte durchweg flach bleibt. Hier Jules Vernes wunderbare [„Reise zum Mittelpunkt der Erde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=325 („Voyage au Centre de la Terre“, 1864) als Vorbild zu nennen, zeugt von einem gut ausgebildeten Selbstbewusstsein – oder kündet vom dreisten Versuch, den zögerlichen Buchladen-Besucher zwecks Kauf des Bandes zu überrumpeln. Parallelen gibt es in der Tat: Auch Vernes Forscher sind Papier gewordene Klischees. Allerdings fand ihre Reise vor fast anderthalb Jahrhunderten statt. Inzwischen hat sich in Sachen Figurenzeichnung und -entwicklung einiges getan – oder eben nicht, wie Rollins hier deutlich macht. Es reicht nicht, sich populärwissenschaftlich auf den aktuellen Stand zu bringen. Natürlich ist es richtig, dass es dieses Mal nicht mehr zum Mittelpunkt der Erde hinab geht, weil wohl heute selbst dem dümmsten Zeitgenossen klar ist, dass dieser einen glühenden, flüssigen und deshalb ziemlich unzugänglichen Kern bildet.

Ein bisschen Realität braucht auch ein Phantastik-Garn wie „Sub Terra“. Auch ein gewisser naiver Charme in Form und Inhalt schadet nicht in einem Genre, dessen Autoren kaum um den Nobelpreis für Literatur zu buhlen pflegen. Doch Rollins übertreibt es bzw. versucht erst gar nicht, Bekanntes wenigstens zu variieren, Das Ergebnis ist spannend dort, wo reine Aktion die Szene bestimmt. Rollins Darstellung einer exotischen Höhlenwelt tief unter der Erde hat ganz sicher ihre Reize. Doch sobald seine Protagonisten auf der Bildfläche erscheinen und womöglich auch noch den Mund aufmachen, ist der Zauber verflogen.

„Sub Terra“ ist ein Debütwerk und muss deshalb mit einer gewissen Nachsicht beurteilt werden. Allerdings lassen Rollins Nachfolgewerke nicht die geringste Tendenz erkennen, die oben beschriebenen Probleme in den Griff zu bekommen. Wie könnte dies auch geschehen, da es doch erklärtes Ziel des Verfassers ist, die lesende Welt mit mindestens einem Abenteuer/Mystery-Thriller und einem Fantasy-Roman – in Deutschland veröffentlicht Rollins als James Clemens die Serie „The Banned and the Banished“ – pro Jahr zu beglücken? Der selbst auferlegte Arbeitsdruck führt denn auch dazu, dass „Excavation“ (1999; dt. „Das Blut des Teufels“), „Deep Fathom“ (2000; dt. „Im Dreieck des Drachen“) und „Amazonia“ (2001, dt. „Operation Amazonas“) unter den bekannten Schwächen leiden.

Da „Sub Terra“ erfreulich preisgünstig erstanden werden kann, ist ein Kauf trotz der beschriebenen Mankos kein Fehler, wenn man einfach nur (irgendwie) und ohne jeden Tiefgang unterhalten werden möchte, was ja manchmal auch ganz angenehm ist.

Foster, Alan Dean – Aliens – Die Rückkehr

Mit letzter Kraft hat sich Ellen Ripley, Deckoffizier an Bord des Raumfrachters NOSTROMO, des unheimlichen, schier unsterblichen Aliens erwehren können, das sie und ihre Kameraden auf Geheiß der „Gesellschaft“, eines mächtigen Konzernmultis, ahnungslos vom Planeten LV-426 bergen mussten. Mit Jones, der Schiffskatze, treibt sie im Kälteschlaf in der Rettungskapsel der untergegangenen NOSTROMO im All und wartet auf ihre Rettung. (Die Vorgeschichte beschreibt Alan Dean Foster in [„Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=645 .)

Schließlich findet man die Kapsel, doch inzwischen sind 57 Jahre vergangen. Ripley kehrt zur Erde zurück, wo ihre Angehörigen und Freunde längst gestorben sind. Die Schatten der Vergangenheit lassen sie nicht los. Da sind die ständigen Albträume. Schlimmer sind allerdings die Intrigen der „Gesellschaft“, die das so fatal fehlgeschlagene und höchst heikle Projekt LV-426 unbedingt vertuschen will und Ripley zum Sündenbock für den Verlust der NOSTROMO und ihrer Mannschaft stempelt. Ripley findet sich auf einer schwarzen Liste wieder, was es ihr doppelt schwer macht, in einer ihr völlig fremd gewordenen Welt Fuß zu fassen.
Da wendet sich Carter Burke, ein Repräsentant der „Gesellschaft“, an Ripley. Sie muss erfahren, dass die „Gesellschaft“ in den vergangenen Jahrzehnten eine Kolonie auf LV-426 – jetzt „Acheron“ genannt – eingerichtet hat. Riesige Maschinen sollen den unwirtlichen Planeten in eine zweite Erde verwandeln. Im Verborgenen wird gleichzeitig das Wrack untersucht, in dem die Mannschaft der NOSTROMO einst auf das Alien stieß.

Ganz plötzlich ist der Kontakt zur Vorzeige-Kolonie abgebrochen. Hat Ripley womöglich doch die Wahrheit gesagt? Die „Gesellschaft“ geht kein Risiko ein. Sie schickt den Truppentransporter SULACO und eine kleine Gruppe kampferprobter Soldaten nach Acheron, die dort nach dem Rechten sehen sollen. Ripley wird ihnen als Beraterin zur Seite gestellt; ihr bleibt keine Wahl, denn der lange Arm der „Gesellschaft“ wird sonst dafür sorgen, dass sie nirgendwo eine Heimat findet.
Nach der Ankunft findet die Gruppe die Kolonie menschenleer und zerstört vor. Ripley findet die einzige Überlebende: die sechsjährige Newt, die ihnen berichtet, wie Horden von Aliens die Kolonie überfallen und sämtliche Bewohner getötet oder verschleppt haben.

Rasch müssen die Soldaten, die Ripleys Warnungen über die Gefährlichkeit der Aliens bisher keinen Glauben geschenkt haben, die Erfahrung machen, dass ihre Bewaffnung und ihre Ausbildung gegen diesen Feind wenig ausrichten. Ein erster Vorstoß in das Nest der Aliens endet in einem Fiasko; einige Männer, darunter der Kommandant, sterben, das Landefahrzeug wird zerstört. Nun ist die Gruppe auf Acheron gefangen – und in der Nacht werden die Aliens kommen …

Seit etwa 1980 ist der „tie-in-Roman“ – die Nacherzählung eines Kino- oder TV-Films – eine feste Größe im Vermarktungskonzept der Film- und Fernsehindustrie. Das Drehbuch liegt sowieso vor; warum es dann nicht als Grundlage eines Romans noch einmal profitbringend recyceln? Im schlimmsten Fall werden die schon vorhandenen Dialoge und Handlungsvorgaben mit einigen Überleitungen verbunden, und schon kann das Produkt – und mehr ist es dann nicht – auf den Markt geworfen werden.
Unter diesem Aspekt ist es einleuchtend, dass sich eine ganze Reihe von zweit- und drittklassigen Autoren auf das Verfassen von Filmromanen spezialisiert hat. Aber auch Schriftsteller von Rang und Namen verdienen sich gern ein kleines Zubrot, wenn die Karrierekurve einmal einen Knick erfährt.

Alan Dean Foster gehört zu den redlichen Vertretern seiner Zunft. Er begann als „richtiger“ Autor und debütierte 1972 mit dem Roman „The Tar Aiym-Krang“ (dt. „Das Tar Aiym Krang“) dem er bis heute knapp 100 (!) weitere folgen ließ: Foster gilt als schneller, aber versierter und unterhaltsamer Handwerker. Als solcher erregte er schon früh die Aufmerksamkeit der Film- und Fernsehindustrie, der er schon vorher durch seine Arbeit in der PR-Abteilung eines kleinen kalifornischen Studios verbunden war. Zwischen 1974 und 1978 verwandelte er die Drehbücher der STAR TREK-Zeichentrickserie in eine zehnbändige Buchreihe. Anschließend ging es Schlag auf Schlag: Neben den „Alien“-Romanen entstanden Bücher zu Filmen wie „Starman“, „Das Ding aus einer anderen Welt“ oder „Outland – Planet der Verdammten“, aber auch zu Western wie „Pale Rider – Der namenlose Reiter“ – bis Anfang der 90er Jahre insgesamt etwa 25 Romane.

Der fleißige Autor hatte 1979 bereits den ersten Teil der „Alien“-Saga in Romanform gebracht und dabei sehr gute Arbeit geleistet. Die Fortsetzung sollte ihn vor ungleich größere Probleme stellen. „Aliens – Die Rückkehr“ ist ein James-Cameron-Film. Dieser Regisseur und Drehbuchautor ist bekannt und berühmt für seine fabelhaften Action-Filme (u. a. „Terminator“, „Terminator II“, „Abyss“). Gegen sein enormes Talent, eine spannende Geschichte in packende Bilder zu kleiden, fällt seine Fähigkeit, dieser Geschichte Tiefe zu verleihen, ab. Zumindest der frühe Cameron (mit „Titanic“ hat sich seine inszenatorische Bandbreite stark erweitert) achtete deshalb darauf, dass vor der Kamera immer etwas geschieht. In „Aliens – Die Rückkehr“ gibt es durchaus ruhige Passagen (das gilt besonders für den „Director´s Cut“, der fast eine halbe Stunde länger ist als die Kinofassung), der Film weist dennoch einen völlig anderen Grundton auf als sein Vorgänger.

Zwangsläufig erschwert die Betonung des Körperlichen einem Schriftsteller wie Alan Dean Foster die Arbeit. Er denke sich gern in die Köpfe seiner Figuren, sagte er in einem Interview einmal (nachzulesen in: Jens H. Altmann, „Am Ende passt alles zusammen“. Ein Interview mit Alan Dean Foster, in: Wolfgang Jeschke [Hg.], Das Science Fiction Jahr 1998, Heyne Verlag, Nr. 06/5925, S. 565-574). Dazu lässt ihm das Drehbuch zu „Aliens“ wenig Spielraum. Foster kann in die actionbetonte Story keine längeren Passagen einfügen, die dieser völlig entgegenlaufen. Also muss er sich mit Andeutungen begnügen. (So erfährt man beispielsweise zum ersten Mal etwas über das Privatleben Ellen Ripleys, die hier zudem endlich zu ihrem Vornamen kommt). Trotzdem gelingt ihm wieder ein spannend zu lesender Roman, der gegen den auf seine Art überragenden Film, der sich wie sein Vorgänger sofort zu einem Klassiker des Genres entwickelte, allerdings dieses Mal deutlich abfällt.

Asher, Neal – Drache von Samarkand, Der

Im Jahr 2432 hat sich die Menschheit über die ganze Galaxis ausgebreitet. Die Regierungsgewalt liegt bei einem riesigen Netzwerk künstlicher Intelligenz, „Earth Central“ genannt. Entfernungen spielen kaum noch eine Rolle, denn mit Hilfe der so genannten „Runcible“-Stationen kann man sich in Sekundenbruchteilen von Planet zu Planet beamen. Runcible-Stationen werden ebenfalls von künstlichen Intelligenzen betrieben und gelten als absolut zuverlässig. Bis auf dem Planeten Samarkand ein Runcible in einem gewaltigen Feuerball vergeht, tausende von Menschen tötet und den terrageformten Planeten in eine lebensfeindliche Wüstenei zurückverwandelt.

Ein Fall für ECS (Earth Central Security). Diese schickt ihren besten Agenten, Ian Cormac, ins Gefecht. Der seit Jahrzehnten mit der KI vernetzte Cormac muss diesen Einsatz ohne Direktlink zu Earth Central bestreiten: Bei seinem letzten Einsatz zeigten sich Schwächen seinerseits, mit „normalen“ Menschen umzugehen. Deshalb musste er die Schwester des Separatisten Arian Pelter töten, die ihn entlarven konnte.

Während Cormac auf Samarkand auf die exotische, außerirdische Lebensform „Drache“ stößt, hetzt Pelter ihm mit dem Söldner Stanton und dem irren Androiden Mr. Crane hinterher …

_Der Autor_

Neal Asher wurde 1961 in Essex geboren. Seine Homepage gibt sich recht zurückhaltend mit persönlichen Daten. Bereits im Alter von 17 Jahren veröffentlichte er mehrere Fantasy-Geschichten, außerdem einige Drehbücher für in Deutschland unbekannte TV-Serien (u. a. „Trines“). „Der Drache von Samarkand“ (Gridlinked) erschien im Jahre 2001 und stellt sein erstes größeres Werk im Bereich der Science-Fiction dar. Im so genannten „Polis“-Universum sind auch die Romane [„Skinner – Der blaue Tod“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=291 und „Das Erbe Dschainas“ angesiedelt, deren Hauptakteure stets ECS-Agenten sind. Cormac hat erst im „Erbe“ seinen nächsten Auftritt, auf „Skinners“ Wasserwelt Spatterjay vertritt ihn Agent Keech.

_Science-Fiction, Agententhriller … oder eine Mogelpackung?_

Ian Cormac ist ein Bond-Verschnitt erster Güte: Ausgestattet mit einem Arsenal exotischer Waffen, z. B. einem Wurfstern mit KI, macht er von seiner Lizenz zum Töten ausgiebig Gebrauch.

Asher zeichnet ein komplexes Universum, mit allem, was die Science-Fiction zu bieten hat: Von der Serie „Stargate“ und Simmons‘ „Hyperion“ inspirierten Teleport-Toren und künstlichen Intelligenzen bis hin zu Golems genannten Androiden. Inklusive eines vermeintlich komplexen Helden, der, nach Jahren von der |Earth-Central|-KI getrennt, nun wohl gewaltigen persönlichen Problemen gegenübersteht, sowie einer absolutig fremdartigen, mysteriösen, ja geradezu gigantischen außerirdischen Lebensform namens „Drache“. An und für sich klingt das alles nicht schlecht, eher vielversprechend. Genauso wie der Klappentext:

|Abwechslungsreich und farbenfroh, für alle Freunde von Peter F. Hamilton.|

Ich möchte dem heftigst widersprechen: Massenweise Ideen anderer Autoren zu übernehmen, garantiert keinen guten Roman. Denn leider ist der Ozean an Ideen, den Asher angezapft hat, bei ihm zwar umfassend, aber so oberflächlich, dass er weniger Tiefgang als eine Pfütze hat.

So ist Ian Cormac von Anfang bis Ende eher unpersönlich, kein starker Heldencharakter oder Antiheld – eher ein Langweiler. Wie der Rest seiner Antagonisten auch. Die angepriesene High-Tech-Waffenspielerei beschränkt sich auf seinen KI-gesteuerten Shuriken. Dann gibt es noch den „Golem“ Mr. Crane, der ein wenig an den „Beißer“ aus diversen James-Bond-Filmen erinnert. Er ist zwar ein Stereotyp, aber er hat mehr Charakter als die lauen Opfer und Nebencharaktere, die blass in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Schleierhaft ist mir die Titelgebung des Romans: Der erwähnte Drache taucht mitten in einer kleinen Privatfehde zwischen dem Separatisten Pelter und Cormac, den dieser seit Jahren erfolgreich bekämpft, auf. Das Schlimme ist: Diese kleine Fehde macht den Hauptteil der Handlung aus!

Und leider … ist sie unglaublich langweilig. Angerissen, aber nie zuende gebracht – das zeichnet alle Handlungsstränge dieses Buches aus. Cormac war lange mit der KI vernetzt – aha, jetzt hat er wohl Probleme ohne diese. Pustekuchen – keinerlei Konflikt. Genauso fallengelassen wie ein wenig Licht ins Dunkel der Motivation des Drachen zu bringen, der wohl ein wenig Grauen ob des Unbekannten in die Handlung bringen sollte. Ansonsten rüsten sich alle Protagonisten gerne genetisch oder technologisch auf. Aber auch hier beschränkt sich Asher auf die rein physischen Resultate, ohne näher ins Detail zu gehen. Die künstlichen Intelligenzen werden auch nicht gerade berauschend in der Art körperloser Stimmen aus dem Off beschrieben, Kontakt per Funk oder Vernetzung in der Regel – wenn Simmons, Asimov und andere Autoren über KIs schreiben, wird wesentlich mehr geboten.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die Übersetzung, die für ein und dieselbe Technik, die „Runcible“ genannten Teleporttore à la Stargate, einen Mix aus Deutsch und Englisch („Runcible“ meets „Zinklöffel“ – wie bitte?) bietet, auch die Namensgebung kann abschrecken. Anglophoner geht es nicht: Arian Pelter, Horace Blegg, Mr. Crane … es fehlt nur der so beliebte und für Engländer anscheinend wohlklingende Name Artemis für einen Mann, dann würde ich schreiend davonrennen. Desweiteren gibt es noch das krude übersetzte „‚Wie es aussieht‘ von Gordon“ …

Was das ist? Zu Beginn jedes Kapitels gibt es eine kleine Einleitung mit Infos zu Geschichte und Technik, eben „Gordon“ oder das „Quittenhandbuch“. An und für sich eine gute Idee, aber meistens ohne Bezug zur aktuellen Handlung und ohne dem vielfältigen Universum ein wenig mehr Tiefe zu verleihen. Ob es am Autor liegt oder am Übersetzer, sei dahingestellt: Sprachlich ist der Roman ein plattes Machwerk. Die Handlung ebenso. Mischen wir den irreführenden Klappentext hinsichtlich der fremdartigen Alien-KI Drache hinzu, haben wir eine literarische Katastrophe: Wer hat den Drachen erbaut, und zu welchem Zweck? Ist er nicht vielmehr ein Lebewesen denn eine KI? Dies wird nie geklärt, anscheinend auch nicht in den zwei folgenden Romanen.

Eine reine Nebenhandlung, die Interesse auf die uninteressante Haupthandlung lenken soll. Wer einen Roman zum Thema KI oder außerirdische Intelligenz erwartet, wird hier ganz klar irregeführt. Dieser Roman ist zu allem Überfluss auf jedem Gebiet, das er anschneidet und fallen lässt, leider nur mäßig bis unterdurchschnittlich.

_Der seichte SciFi-Bruder von James Bond_

Man darf Cormac weder mit James Bond vergleichen, noch anspruchsvolle Science-Fiction erwarten. Andererseits bieten selbst Heftserien wie Perry Rhodan markigere Charaktere, im vorliegenden Buch wird leider nur zwischen blass und stereotyp abgewechselt.

Obwohl es oft blutig zugeht und die Zahl der Todesopfer bemerkenswert hoch ist, die Cormacs Fehde mit Pelter fordert, für einen Actionroman wird zu wenig Finesse geboten. Oberflächliche, unausgegorene Handlungsstränge gibt es dafür zuhauf – die Vergleiche mit Hamilton sind sehr schmeichelhaft, an den |sense of wonder| eines Armageddon-Zyklus oder die Krimis der Mindstar-Reihe kommt dieser Roman bei weitem nicht heran.

Alleine Earth Central, die Regierungs-KI, hätte so viele Möglichkeiten geboten… hätte man daraus nicht zwangsweise etwas machen müssen? Eine KI zum Guten oder Bösen? Fehlanzeige. Gemäß dem scheinbaren Motto des Romans eingeführt und dann sofort wieder fallengelassen worden wie eine heiße Kartoffel.

Neal Asher hätte einen großartigen Mix aus Science-Fiction, Action und Agententhriller schaffen können. Diese Vielfalt hat einen gewissen Reiz. Leider kann der „Drache“ weder einzeln noch in Kombination der Genres das Mittelmaß überbieten.

Homepages des Autors:
http://freespace.virgin.net/n.asher/

Dick, Philip K. – Ubik

_Was ist UBIK?_

In nicht allzu ferner Zukunft werden immer mehr parapsychisch Begabte in der Menschheit auftauchen. Das Sonnensystem ist besiedelt, man arbeitet an den ersten Fernflügen. Nicht wenige Menschen fühlen sich durch die |Psis| bedroht, beobachtet, in ihrer Privatsphäre geschändet. Telepathen überwachen Geschäftspartner oder Gegner, Präkogs können aus vielen Zukunftsvariationen die wahrscheinlichste ermitteln und damit zum Beispiel bei der Verbrechensbekämpfung helfen.

|UBIK hilft bei allen Problemen|
In dieser Situation verlangen immer mehr Menschen nach Psi-Bekämpfung, und der Unternehmer Glen Runciter macht sich diese Furcht zunutze: Er gründet die Schutzgesellschaft „Runciter Associates“, die bald zur angesehensten und größten Anti-Psi-Organisation avanciert. Seine Mitarbeiter sind Anti-Psis, Inerte, die keine Begabung wie die Psis haben, sondern eine entgegengesetzte Fähigkeit, die sie speziell gegen eine Art von Talent einsetzen können – und dieses je nach Stärke des mentalen Feldes neutralisieren. Die Inerten entwickelten ihre Fähigkeiten aus der bedrohlichen Situation heraus, ihren psibegabten Eltern unterlegen zu sein. Runciter engagierte unter anderem auch eigene Psis, die mit ihren Sinnen Inerte aufspühren, um sie der Firma zu vermitteln. Ein Techniker, Joe Chip, ist Runciters wichtigster Angestellter: Er testet mit elektronischem Equipment die Felder der Inerten oder – vor Beginn eines Anti-Psi-Einsatzes – das zu neutralisierende Gegnerfeld.

|UBIK könnte ein Deospray sein, das im Alltag jeglichen Körpergeruch entfernt|
Chip und Runciter verfügen über einen geheimen Code, mit dem sie sich auf Testergebnissen gegenseitig kundtun, ob jemand einzustellen, gefährlich, ungeeignet oder was auch immer ist. Damit verhindern sie, dass Gegner die Firma infiltrieren, selbst wenn sie Testergebnisse zu fälschen versuchen. Als schließlich offenbar wird, dass die meisten der beobachteten Gegner-Psis spurlos untertauchen, wird man bei Runciter Associates misstrauisch. Chip vermittelt eine neue Mitarbeiterin, deren Talent man nicht genau spezifizieren kann. Sie kann die Wirklichkeit über die Vergangenheit manipulieren und scheint dieses Talent gnadenlos zu ihrem Vorteil auszunutzen, doch Chips geheime Notiz |Gefährlich!| ist ihr entgangen.

|UBIK könnte ein geräuschloser Elektro-Ubik sein, der für jeden erschwinglich in einwandfreiem Zustand zu haben ist|
Der größte Einsatz der Inerten in der Firmengeschichte steht bevor: Elf Inerten wurden angefordert, und Runciter und Chip begleiten die Truppe zum Mond. Ihnen kommt einiges spanisch vor, doch als sich der vorgebliche Kunde in die Luft erhebt, ist es fast schon zu spät: Die Körperbombe explodiert, Runciter wird erschlagen. In einer panischen Flucht versucht sein Nachfolger Chip, den noch nicht ganz toten Toten zu retten und einem Moratorium zu überstellen, wo die noch nicht ganz gehirntoten Toten gefriergelagert werden und in ihrem Halbleben leben; dort können sie auch noch für die letzten Jahre, bis zum völligen Gehirntod, mit ihren Angehörigen kommunizieren.

|UBIK könnten knusprige Ubik-Flocken sein, die den Start in den Tag zu einem wundervollen Ereignis machen|
Die Einlagerung Runciters entpuppt sich als ausgesprochen problematisch, dazu kommen weitere Ungereimtheiten, als die Realität zu zerfließen beginnt: Zigaretten sind alt und vertrocknet, es erscheinen Münzen mit Runciters Konterfei – überhaupt scheint alles zu altern und zu verfallen. Dann kommt es zu mysteriösen Todesfällen unter den elf Inerten. Nacheinander werden sie eingefallen und vertrocknet aufgefunden. Schreckliche Angst, aber auch der Wille zur Wahrheit greifen nach Chip.

_Was ist UBIK?_

Die Kapitel beginnen stets mit einem Werbespot zu Ubik, wobei es wirklich jede Ware als Ubik zu geben scheint. Was die Spots verbindet: Der Hinweis, dass Ubik bei vorschriftsgemäßer Verwendung völlig ungefährlich sei …
Über Chips Erlebnisse und seine seltsamen Charakterzüge (so kann er beispielsweise nicht mit Geld umgehen) wird die zukünftige Welt gezeichnet. Gebrauchsgegenstände wie Kühlschrank oder Toaster, Duschen oder Haustüren müssen, selbst wenn sie im persönlichen Besitz stehen, mit Crediteinheiten bezahlt werden. Ironischerweise kann Chip mehrfach seine Wohnung nicht verlassen, weil er völlig pleite ist. Und als die Realität immer stärker zerfällt, ist er irgendwann angenehm berührt, als Radio, Tür und sogar Auto ohne Bezahlung funktionieren.

Das außergewöhnliche Talent der neuen Mitarbeiterin wird eindrucksvoll vorgestellt, als sie, die siebenzehnjährige Pat, sich vor Chips Augen entkleidet und ihm auf seine Frage erklärt, dass er ihre Testergebnisse zu schlecht dargestellt hat in einer Realität, in der sie sich nicht auszog. Zum Beweis zeigt sie ihm das entsprechende Testergebnis – mit seinem geheimen Symbol für |ungeeignet|.

Ungewöhnlicherweise ist es Chip nach derlei Manipulationen möglich, sich an die erste Variante zu erinnern, was sonst niemand zu können scheint. Dabei verblassen seine Erinnerungen allerdings sehr schnell. Bei dieser ersten Demonstration ihres Talents wird ihm unheimlich, und er markiert ihr hervorragendes Testergebnis mit dem Symbol für |Gefährlich!!| – Pat gegenüber deutet er es als Empfehlung.

Dick zeichnet eine interessante, glaubwürdige Welt und benutzt dabei seine Charaktere und ihre Gedanken als Leinwand. Runciter erscheint den Umstehenden stets als energisch und überlegen, fühlt sich selbst aber schwach und spürt die Schmerzen des voranschreitenden Alters. Dass nach seinem Tod ständig verschlüsselte Nachrichten von ihm an Chip erscheinen, ob im Fernsehen als UBIK-Werbespot oder in einer beliebigen Zigarettenschachtel in einem beliebigen Supermarkt in einer beliebigen Stadt eines beliebigen US-Staates, macht die Geschichte spannend und verwirrend. Wer ist denn nun gestorben, wer steckt in der Kaltpackung, wer lebt ein Halbleben?

Schon bald nach Runciters Tod werden Informationen eingestreut, die sowohl Chip als auch dem Leser vermitteln wollen, Runciter sei am Leben und Chip stattdessen getötet, doch Dick verstrickt den Informationsweg geschickt mit widersprüchlichen Erlebnissen, so dass der Leser mit Chip gemeinsam zweifelt.

_Was UBIK ist_

Genau, das ist die Frage. Was ist dieses ominöse Ubik, das von Anfang an als Werbespot angepriesen wird, in der Handlung aber erst recht spät nach Runciters Tod erscheint, wieder als Werbespot, aber direkt an Chip gerichtet? Runciter selbst erscheint im Spot und ermahnt Chip, nicht zu lange zu zögern, sondern es zu nutzen! Es sei eine Sprayflasche, deren Inhalt die Realität für Chip zu stabilisieren vermöchte. Aber leider altert dieses Ubik gemeinsam mit dem Rest der Realität, so dass Chip einmal ein handgemachtes Fläschchen Ubik-Medizin und einmal eine Ubik-Fettcreme findet, die für ihn nutzlos sind.

Chip trifft schließlich, knapp dem Tod entronnen, auf Runciters Frau Ella, die ihm mit wissenschaftlicher Genauigkeit erläutert, um was es sich bei Ubik handelt. Chip versteht nur „[…] Negativionisator […]“ und verzweifelt, denn negative Ionen gibt es nicht, weiß er. Ionen sind immer negativ, hält er ihr entgegen. |Was| also ist Ubik nun?

Das zu verstehen, muss jeder für sich selbst versuchen. Es ist ein sehr interessantes Phänomen, dass Dick eine Handlung ausbreitet, die, unterbrochen von Ubik-Werbespots, völlig ubiklos auszukommen scheint, und doch läuft alles auf eine Dose Ubik hinaus. Ich kenne nicht allzu viele Romane von Dick, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass „Ubik“ nicht zu Unrecht als bester Roman Dicks gepriesen wird. In der Komplexität und Genauigkeit seiner Welt, und dabei in erstaunlicher Kürze, läuft mindestens eine hervorragende Charakterstudie ab. Sie lässt sich auf einige Aspekte des Romans beziehen, unter anderem natürlich und wohl vorrangig auf die Zukunftsvision, andererseits auf Chips nur zu menschlichen Schwächen.

Der Roman endet mit der Erkenntnis, dass noch lange nicht alles so ist, wie es zu sein scheint. Ein absolut fesselndes Lesevergnügen, mal wieder mit dem Nicht-aus-der-Hand-legbar-Effekt.

_Philip K. Dick_

… wurde 1928 in Chicago geboren. Er arbeitete in einem Plattenladen in Berkley und schrieb schon sehr früh eine große Anzahl eigener Storys. 1952 wurde er hauptberuflicher Schriftsteller und gilt allgemein als einer der bedeutendsten seiner Zunft in Amerika. Etliche seiner über dreißig Romane zählen heute zu den Klassikern der amerikanischen Literatur, über hundert Erzählungen und Kurzgeschichten erschienen in Anthologien und Magazinen.
Dick starb am 2.3.1982 in Kalifornien an den Folgen eines Schlaganfalls.
Weitere bekannte und wichtige Werke:
„Blade Runner“, „Minority Report“, „Das Orakel vom Berge“, „Zeit aus den Fugen“ u. v. a. Zahlreiche seiner Kurzgeschichten, Novellen und Romane wurden verfilmt.

Offizielle Website: http://www.philipkdick.com.

Dan Simmons – Endymion – Pforten der Zeit

„Sie lesen diese Seiten aus dem falschen Grund …“, so beginnt der Ich-Erzähler die neue Geschichte aus dem Hyperion-Universum. Ich muss zugeben, dass ich tatsächlich erwartet hab, eine direkte Fortsetzung der Hyperion-Saga zu lesen – genau wie der Erzähler mir und jedem Leser vorhält. Es gehe nicht um die Charaktere, die der Erzähler nicht einmal persönlich kennt, sondern nur aus den bekannten Cantos von Martin Silenus, dem Leser der Hyperion-Bände eine vertraute Figur. Trotzdem stellt sich heraus, dass jene Ereignisse ihre Arme bis in diese Jahrhunderte entfernte Zukunft ausstrecken und Wege markieren, denen zu folgen dem Erzähler angeraten ist.

Inhalt

Raul Endymion ist (mal wieder) zum Tode verurteilt. Warum? Und wie kann man mehrfach zum Tode verurteilt werden? Diese Fragen werfen sich schon bei den ersten Sätzen auf und fangen den Leser sofort. Dan Simmons gelingt dieses Spiel mit dem Interesse mit überragender Meisterschaft, wie uns schon die Begegnung mit dem Hegemoniekonsul auf den ersten Seiten von „Hyperion“ deutlich zeigt.

Endymion ist der Ich-Erzähler der Geschichte und geleitet uns durch das ganze Buch. Er sitzt in einer Raumkapsel und wartet auf den Tod durch Blausäure, ausgelöst von einem System, durch das dem unbeteiligten Zuschauer diese Todesstrafe wie ein Experiment nach „Schrödingers Katze“ erscheint. Endymion wartet und schreibt seine Erinnerungen auf.

Bei seiner ersten Todesstrafe auf Hyperion (verurteilt wegen Mordes an einem reichen Sonntagsjäger) wird Endymion auf geheimnisvolle Weise gerettet und trifft in der gleichnamigen Stadt Endymion auf den uralten, durch Poulsen-Behandlungen überlebenden Martin Silenus, Verfasser der Cantos und ehemaliger Shrike-Pilger. Hier erhält er die Aufgabe, das Mädchen Aenea, die Tochter von Brawne Lamia (einer weiteren Pilgerin) vor den Schergen des Pax zu retten, sobald sie die Sphinx verlassen würde. Vor einigen Jahrhunderten verließ Aenea auf gleiche Weise Hyperion, und aus ungenannten Quellen wissen sowohl der Pax als auch Silenus das genaue Datum ihrer Ankunft aus der Zeit.

In den Jahren seit dem Fall der Hegemonie ist die katholische Kirche erstarkt und hat mit Hilfe der Kruziform genannten Auferstehungs-Symbionten die Herrschaft über das ehemalige Weltennetz ergriffen. Der Pax ist die militärische Polizei- und Kontrollinstanz der Kirche.

Aenea, als Tochter eines Cybrids, wird als große Gefahr für die Kirche und den Pax eingeschätzt und soll überwältigt werden. Irgendwie gelingt es Raul Endymion mit Hilfe der alten Hawking-Matte (ein fliegender Teppich), das Mädchen vor dem Zugriff zu erretten – dabei leistet das unheimliche Shrike uneingeladen blutige Unterstützung. Mit dem alten Raumschiff des Konsuls entkommen die beiden von Hyperion und fliehen zu einer Welt, auf der in Zeiten der Hegemonie ein Teil des Tethys floss – ein gigantischer, über Farcaster weltenverbindender Fluss.

Die Farcaster-Portale sind unzerstörbar durch Menschenhand, doch seit dem Fall unbrauchbar. Nur in Begleitung Aeneas gelingt die Passage – womit sich die Frage stellt, ob der kurz vor dem Fall vernichtet geglaubte Techno-Core (eine KI-Zivilisation und Erbauer der Farcaster) tatsächlich nicht mehr existiert.

Durch die Farcaster des alten Verlaufs des Tethys entkommen Aenea und Endymion den Schergen des Pax mehrmals, immer auf der Suche nach Möglichkeiten, ihr Ziel – die Vernichtung des Pax und der Kruziformen als Joch der Menschheit – zu erreichen. Als plötzlich eine neue Instanz eingreift und Silenus‘ Extraauftrag – „… und finde heraus, was der Core im Schilde führt!“ – eine neue Bedeutung erhält …

Kritik

Bei mir wirkt er: Simmons‘ Erzählstil. Am Anfang rätselhaft, langsam einem Höhepunkt zustrebend und dabei an den richtigen Stellen Informationen einstreuend, mit einer spektakulären Klimax und einem etwas beruhigenden Spannungsabfall auf den letzten zwei Seiten. Es ist einfach unglaublich. Sogar jetzt, wo ich dies schreibe, überschüttet mich mein Körper mit Adrenalin, die Herzfrequenz ist aufgeregt hoch.

Mit dem „Fall von Hyperion“ hätte die Saga ein befriedigendes Ende finden können. Oder doch nicht? In „Endymion“ sprüht Simmons wieder nur so von Ideen, allesamt perfekt zum Kontext der vorher erzählten Geschichte um die Pilger und das Weltengebilde von „Hyperion“ passend. Da ist das Shrike, das seinen Meister findet; die Farcaster, die plötzlich doch funktionieren; Widersprüche, die aufgeklärt werden – und nicht zuletzt Gedankengänge zu der unbekannten Macht, die den „Fall“ perfekt gemacht hat mit der Sperrung des Fatline-Raums. Die Tiger, Löwen und Bären der Metasphäre spielen ebenso eine Rolle wie die Entdeckungen des Keats-Cybrids. Aenea, als Jene Die Lehrt vom Pax gefürchtet, scheint Fähigkeiten zu besitzen, die sie selbst bisher nur erahnen kann. Ob uns diese Fähigkeiten im zweiten Teil die großen Antworten bescheren, die wir – nun auch im Nachhinein bezüglich mancher Hyperion-Aussage – so dringend suchen und erwarten?

Es ist ein fesselndes Gedankenkonstrukt, das Dan Simmons mit diesem gigantischen, großartigen Meisterwerk „Hyperion“ und „Endymion“ entworfen hat. Man merkt jetzt wirklich, dass „Hyperion“ zwar für sich allein stehen kann, aber einige offene Enden tatsächlich noch zu verknüpfen sind, was wahrscheinlich in der Wucht des Hyperion-Endes einfach untergeht. Endymion führt uns zu Wahrheiten, die wir nicht in den abwegigsten Träumen hätten erahnen können.

Fazit

Atemberaubend im Zusammenhang mit der Hyperion-Saga; für sich allein stehend komplex und verwirrend. Neue Ideen knüpfen nahtlos an alte Aspekte an, unverstandene oder offene Fäden aus Hyperion finden ihre überraschende Weiterführung. „Endymion – Pforten der Zeit“ ist absolut empfehlenswert und führt uns wieder einmal Dan Simmons‘ große Meisterschaft vor Augen.

Paxson, Diana L. – Ahnen von Avalon, Die

Mit „Die Ahnen von Avalon“ ist ganz unerwartet noch einmal ein Band über die geheimnisvolle Insel aus Marion Zimmer-Bradleys „Die Nebel von Avalon“ erschienen.

Erdbeben erschüttern die Inseln von Atlantis. Die Priester wissen, was das bedeutet, denn es wurde schon vor langer Zeit prophezeit. In größter Eile werden die Inseln evakuiert. Ziel der auslaufenden Schiffe ist die Zinnküste, wo Atlantis bereits einen Stützpunkt hat.
Doch eines der Schiffe wird von den übrigen getrennt und landet an einer anderen Stelle der Küste. Während der Hauptteil der Flotte sich mit dem Stützpunkt als Basis relativ leicht tut und sofort versucht, in dem neuen Land seine alte Kultur wieder aufzubauen, ist das einzelne Schiff darauf angewiesen, sich mit den Ureinwohnern zusammen zu tun, um zu überleben. Als die beiden Gruppen sich wiederfinden, ist der Konflikt vorprogrammiert.

Der Band schließt eine Lücke, die ursprünglich gar keine war. Lange vor dem Erfolg von „Die Nebel von Avalon“ schrieb Marion Zimmer-Bradley eine Geschichte über Atlantis, die erst nach ihrem Durchbruch unter dem Titel „Das Licht von Atlantis“ veröffentlicht wurde. Auch wenn in Igraines Traum über Uther, der die goldenen Schlangen an den Armen trägt, eine Verbindung zu Atlantis angedeutet ist, entstand der eigentliche Bogen von einer Geschichte zur anderen erst durch „Die Wälder von Albion“, deren Charaktere Eilan und Caillean deutliche Parallelen zu Domaris und Deoris aus Atlantis aufweisen. Reinkarnation wurde zu dem roten Faden, der durch sämtliche Bände führt.
Die Lücke zwischen „Die Wälder von Albion“ und „Die Nebel von Avalon“ versuchte „Die Herrin von Avalon“ zu füllen, doch das gelang nur mäßig. „Die Ahnen von Avalon“ schließlich stellt die endgültige Verbindung zwischen Atlantis und Avalon dar, erzählt, wie das Wissen aus Atlantis nach Avalon kam.

Eigentlich eine interessante Idee. Leider hat es mit der Umsetzung nicht so ganz geklappt!
Das Buch bietet eine Fülle an Personen. Die Hauptpersonen sind Micail, Sohn von Domaris und Mican, und Tiriki, Tochter von Deoris, Domaris‘ Schwester. Die beiden sind verheiratet, werden aber auf der Flucht von Atlantis getrennt.
Tiriki erreicht mit ihrem einzelnen Schiff einen Berg in den Sümpfen, der von der Macht der Muttergöttin nur so vibriert. Außerdem findet sie großes Wissen um die Mysterien bei den Frauen der Ureinwohner. Die Verbindung zwischen den beiden Gruppen legt den Grundstein für das spätere Avalon.
Micail dagegen ist damit beschäftigt, an einem Knotenpunkt magischer Energiestränge einen Steinkreis zu errichten, der genügend Kraft konzentrieren soll, um einen neuen Tempel des Lichtes zu bauen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass Tjalan, Prinz von Alconath, noch ganz andere Absichten verfolgt.
Der größte Teil der anderen Personen sind Priester oder Priesterinnen, die eine mehr oder weniger große Rolle spielen. Nur wenige von ihnen sind detaillierter dargestellt, sodass man sie als Charaktere bezeichnen kann, die meisten wirken eher wie Statisten. Dieser Umstand zusammen mit den oft sehr ähnlich klingenden Namen, vor allem bei den Priesterschülern, hat zur Folge, dass der Leser immer wieder überlegen muss, wer jetzt eigentlich nochmal die Person ist, die da gerade etwas tut. Der Überblick fehlt! Zwar gibt es im Anhang ein Namensregister, aber jedes Nachschlagen reißt aus dem Zusammenhang und wirkt daher störend!
Abgesehen davon sind auch die Hauptcharaktere nicht besonders lebendig gezeichnet. Zwar sind Handlungen, Gedanken und Gefühle nachvollziehbar, es fehlt ihnen aber sehr an Intensität, als wären bei einem Bild alle Farben verblichen.

Der Handlung fehlen ebenfalls Leben und Farbe. Lediglich während der Flucht vor dem Vulkanausbruch und dem Einsatz der Ringsteine kommt so etwas wie Spannung auf, beide Spannungsbögen ebben jedoch rasch wieder ab. Der größte Teil der Handlung verläuft ziemlich gleichförmig, der allmähliche Konfliktaufbau zwischen den Erbauern des Steinkreises und den Eingeborenen sowie den beiden Gruppen der Atlanter bei ihrem ersten Treffen weiß nicht wirklich zu fesseln.
Ganz eigenartig wirkt die Idee des Omphalos, eines eiförmigen Steines, der offenbar große Macht besitzt. Er wird auch als Nabel der Welt bezeichnet und von den Atlantern auf ihrer Flucht von den Inseln mitgenommen. Was es genau mit diesem Stein auf sich hat, warum er überhaupt mitgenommen wurde und was er bewirken kann, bleibt jedoch im Dunkeln, sodass der Leser sich fragt, warum er überhaupt vorkommt. Hier hätte ein ausführlicherer Ausbau der Idee bestimmt nicht geschadet.

Desweiteren haben sich, wie so oft bei der nachträglichen Füllung von Lücken, Brüche eingeschlichen. Es wirkt irgendwie seltsam, wenn ausgerechnet Morgaine den Prolog spricht, der erzählt, wie der Omphalos nach Britannien kam. Schließlich spielte er in Morgaines eigentlicher Geschichte, in den „Nebeln von Avalon“ überhaupt keine Rolle! Ja, er spielt nicht mal in diesem Buch die Rolle, die man aufgrund des Prologes erwarten könnte.
Und die Darstellung, dass die Atlanter ihr Wissen zuerst und hauptsächlich nach Avalon brachten, beißt sich irgendwie mit dem Anfang der „Wälder von Albion“, wo die Frauen davon erzählen, dass das religiöse Zentrum vor dem Angriff der Römer die Insel Mona gewesen sei.
Außerdem gibt es Probleme mit dem Begriff „Merlin“. Bereits der Magier Chedan, der mit Tiriki nach Britannien kam, wurde von den Ureinwohnern Sonnenfalke oder Merlin genannt. In den „Wäldern von Albion“ wird Eilans Sohn Gawen als erster Merlin Britanniens bezeichnet. Gawen ist aber die Reinkarnation Micails, nicht Chedans!

Mit anderen Worten: Die Sache ist nicht konsequent durchdacht. Vielleicht liegt es aber nur daran, dass Entwurf und Buch nicht aus derselben Feder stammen. Das sollte jeder beachten, der Bücher von Marion Zimmer-Bradley gelesen und ein Faible für diese Autorin hat: Dieses Buch ist nicht von ihr! Von ihr stammt nur das Exzerpt. Die Ausarbeitung stammt von Diana Paxson, und das merkt man! Dem Buch fehlt es an Flair.
Es ist also wahrscheinlich ganz gut, dass das Buch wesentlich kürzer ist als die „Nebel von Avalon“ oder die „Nebel von Albion“, die sechshundert Seiten sind ziemlich groß gedruckt. Vielleicht wollte man das Format und die Dicke an die Vorgänger-Bände angleichen, dann wäre es allerdings auch sinnvoll gewesen, dies auf die Gestaltung des Einbands auszuweiten!
Das Lektorat war auch nicht berauschend. Bestimmte und unbestimmte Artikel für dasselbe Hauptwort im selben Satz, das ist ein Fehler, der wirklich nicht vorkommen sollte! Und es war nicht der einzige dieser Art.

Also ich hätte diesen Band nicht unbedingt gebraucht. Schon „Die Herrin von Avalon“ hatte stark nachgelassen, obwohl das Buch noch aus Zimmer-Bradleys eigener Feder stammte. „Die Ahnen von Avalon“ haben es nicht geschafft, daran vorbeizuziehen. Ich hoffe, es sind jetzt keine weiteren unfertigen Konzepte mehr übrig, denn ich glaube kaum, dass Diana Paxson sie besser umsetzen kann als in diesem Fall. „Die Nebel von Avalon“ werden wohl für immer der unerreichte Gipfel von Marion Zimmer-Bradleys Schaffen bleiben.

http://www.diana-paxson.com/

Arkadi und Boris Strugatzki – Das Experiment

„Das Experiment ist das Experiment“ … Verzweiflung, Schicksalsergebenheit, Desinteresse, Lethargie – all das kann aus diesem einen Satz sprechen, den die Bewohner der „Stadt“ ständig wiederholen und vor allem in undurchsichtigen Situationen resigniert plappern. Was ist das Experiment? Wer sind die Experimentatoren, wer die mysteriösen Mentoren?

Die Autoren

Die Strugatzki-Brüder gelten unumstritten als die besten SF-Autoren Russlands. Viele ihrer Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und zählen zu den bedeutendsten SF-Werken des 20. Jahrhunderts. Arkadi Strugatzki starb im Jahre 1991 – damit endete eine der faszinierendsten Kooperationen der Literaturgeschichte.

Arkadi und Boris Strugatzki – Das Experiment weiterlesen

Alan Dean Foster – Alien. Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt

Die angebliche Rettung havarierter Raumfahrer entpuppt sich als Falle, die der Crew eines Erzfrachters ein schier unsterbliches Alien beschert, das für Terror & Tod an Bord sorgt. Erbittert kämpfen die Männer und Frauen der „Nostromo“ um ihr Leben, das anderenorts längst als entbehrlich abgehakt wurde … – Foster erzählt nicht nur das Drehbuch zu einem der besten SF-Filme aller Zeiten nach, sondern verwandelt es in einen eigenständigen Roman, der den Film ergänzt und erweitert. Alan Dean Foster – Alien. Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt weiterlesen

Clarke, Arthur C. – Lied der fernen Erde, Das

Einige tausend Jahre in der Zukunft. Thalassa ist eine menschliche Kolonie, fünfzig Lichtjahre von der Erde entfernt. Es ist ein sonniges Paradies mit unbegrenztem Ozean und zwei kleinen Kontinenten, auf denen sich die Menschen niederließen.
Seit Jahrhunderten ist die allgemeine Meinung gefestigt, dass es mit höchster Wahrscheinlichkeit keine außerirdischen Intelligenzen in der Milchstraße gibt. Da geschieht das Unglaubliche: Ein gigantisches Raumschiff erscheint über Thalassa! Die friedliche Idylle wird gestört; als sich herausstellt, dass die |Magellan| eine Million Überlebende von der Erde an Bord hat, steigt die Aufregung ins Unermessliche.

Bis zu diesem Zeitpunkt war bemannte Raumfahrt unmöglich, die Kolonien wurden durch Saatschiffe gegründet, welche die genetische Anlage der Menschen dem Planeten einimpften. Kurz vor der finalen Katastrophe, die Entstehung der solaren Supernova, gelang es irdischen Wissenschaftlern, den Quantenantrieb zu entwickeln, mit dem echte Großraumschiffe realisiert werden konnten. Die |Magellan| ist das erste und einzige Schiff seiner Art.

Die Lage beruhigt sich, als sich herausstellt, dass die Flüchtenden ausschließlich an einigen tausend Tonnen Wasser interessiert sind, die ihren ausgedienten Eisschirm erneuern sollen. Auf einem kleinen Teil des südlichen Kontinents wird eine Eisanlage errichtet, von der aus das Wasser in gefrorenem Zustand in den Raum befördert wird.

Das Zusammentreffen der Thalassier mit den Menschen der Erde gestaltet sich recht unproblematisch, nachdem kulturelle Unterschiede geklärt werden konnten. Die thalassische Ungezwungenheit in Beziehungen birgt die letzten Probleme, als sich eine intelligente Thalassierin in einen Offizier der |Magellan| verliebt und dafür ihren bisherigen Begleiter verlässt. Das Dilemma ist kompliziert, da die „Magellan“ nach Fertigstellung des Eisschildes weiterziehen wird.

Zu allem Überfluss taucht gerade in dieser Zeit eine unbekannte Spezies aus den Meeren Thalassas auf und verbreitet Verwirrung, da es sich anscheinend um nichtmenschliche Intelligenzen handelt …

_Charaktere_

Mirissa ist eine junge Frau, derzeit die intelligenteste und geistig beweglichste Person auf Thalassa. Sie ist glücklich mit ihrem Freund Brant, der ein begabter Techniker und interessanter Mensch ist. Doch nun erscheinen die Fremden von der Erde mit ihrer fremden Kultur. Von ihnen geht eine Faszination aus, der sich Mirissa nicht entziehen kann. In dem Offizier Loren Lorensson vereinigen sich alle faszinierenden Eigenschaften. Mirissa will lernen, und sie will Leidenschaft und ein Kind … Man erfährt viel über die Gefühle und die Gedanken Mirissas, die Beweggründe, die zu der dramatischen Verbindung von ihr und Loren führen, werden einleuchtend dargestellt. Auch wenn man es nicht fassen kann, man weiß, dass sie Brant noch liebt.

Loren Lorensson ist einer der Überlebenden der Katastrophe, die die Erde vernichtete. Dieses Erlebnis hat ihn gefühlskalt werden lassen. Erst die Beziehung zu Mirissa lässt ihn das Ende der Erde verkraften. Brant gegenüber verhält er sich schuldbewusst, ist sich jedoch klar, dass die Verhaltensweisen der Thalassier nicht seinem erlernten Wissen von der Erde entspricht. Man glaubt Loren, dass er einerseits ein Kind mit Mirissa haben will, andererseits seine Plicht der |Magellan| gegenüber erfüllen muss.

Brant ist ein ungeduldiger Thalassier, der sich trotzdem verständnisvoll aus der Beziehung zu Mirissa zurückzieht. Man erkennt, dass er Mirissa noch immer liebt, doch ihr zuliebe zeitweise verzichten kann.

Kumar ist der Bruder Mirissas. Er ist nicht ehrgeizig, nicht so intelligent wie seine Schwester, aber ein angesehener Bürger Thalassas. Loren und er verstehen sich prächtig, und er rettet Loren das Leben, zu einem hohen Preis …

_Konfliktpotenzial, Spannung, Unterhaltung_

Der Roman beginnt langsam und sacht, man lernt die Hauptpersonen Thalassas kennen. Ein erster Einbruch erfolgt durch das Erscheinen der Magellan, darin erwartete ich eine stetig steigende Konfliktsituation. Die dramatische Entwicklung der Beziehung zwischen Loren, Mirissa und Brant hielt ich anfangs für schmückendes Beiwerk. Dabei ist genau das die Quelle des Konflikts, der durch den Roman gelöst werden soll. Die Beziehung einer Frau zu einem Sternfahrer, wobei beiden klar ist, dass er nach kurzer Zeit weiterreisen wird und es kein Wiedersehen geben kann. Über Funknachrichten kann er nach seiner Tiefschlafreise das Altern seiner Liebe nacherleben …

Der Konflikt um die Magellan ist sehr zurückhaltend beschrieben und führt zu wenigen Höhepunkten. Einige Spannung entsteht durch das Auftauchen der Skorps (der nichtmenschlichen Intelligenzen), aber auch diese Verbindung dient nur der Vertiefung der tragischen zwischenmenschlichen Situation von Loren und Mirissa.

Leider hat Clarke das hohe Konfliktpotenzial (in drei Stufen angelegt) nicht ausgeschöpft. Der Roman plätschert vor sich hin, nie so langweilig, dass man ihn weglegen müsste (immerhin gibt es interessante Fragen zum Kontext, die man beantwortet haben will), aber auch nie so mitreißend, dass man nicht aufhören könnte zu lesen. Ich hätte mir gewünscht, dass Clarke der Skorp-Thematik mehr Gewichtung hätte zukommen lassen. Zum Ende des Romans erhalten sie noch eine kurze, unaufgelöste Bemerkung, die erneuten Konflikt prophezeit. Leider werden wir das wirkliche Ende nie erfahren.

Von diesem Gesichtspunkt aus hat Clarke doch wieder einen guten Griff getan: Der Roman hat ein relativ offenes, für Fantasie freies Ende.
Mit Kumar stirbt die einzige Person in dem Roman, und sein Ende ist wirklich ergreifend geschildert in seiner Ausweglosigkeit und Tragik. Damit löst sich der Konflikt auf, treibt die Geschichte einem Ende zu, doch konnte ich nicht in meiner Trauer als Leser schwelgen, denn kurz werden zum Schluss noch die Schicksale anderer Aspekten angedeutet.

_Fazit_

Das Buch liest sich entspannt und unterhaltsam, in einigen Teilen geht Clarke meiner Meinung nach zu wenig in die Tiefe, andererseits schafft er es sehr gut, ergreifende Szenen zu schildern. Zum Beispiel die namengebende Szene zum Schluss, wo mit der alten Musik der zerstörten Erde das Ende der direkten Beziehung zwischen Magellan und Thalassa seinen Anfang nimmt.
Das Buch hat mich emotional berührt, auch wenn ich nicht völlig befriedigt von seinem Inhalt bin und einige Fragen offen bleiben. Trotzdem möchte ich es jedem empfehlen, der gute Unterhaltung ohne Action, Mord und Totschlag genießen möchte.