Archer, Jeffrey – elfte Gebot, Das

Die zehn Gebote der Bibel sind hinlänglich bekannt. Ein Verstoß gegen eines oder alle von ihnen ist für CIA-Agenten nicht weiter tragisch, jedoch gibt es da noch das elfte Gebot: Lass dich nicht erwischen! Wie soll man das allerdings schaffen, wenn der Agent von der CIA selbst verraten und verkauft wird?

Conner Fitzgerald ist ein NOC – ein nichtoffizieler Cover-Agent der CIA. Kurz vor der Präsidentschaftswahl in Kolumbien führt er seinen Auftrag aus: die Ermordung des favorisierenden Kandidaten Ricardo Guzman. Fitzgerald, der kurz vor seiner Versetzung in den Innendienst steht, ahnt nicht, dass die Direktorin der CIA, Helen Dexter, in diesem Fall eigenmächtig gehandelt hat.

Als der Präsident der Vereinigten Staaten, Tom Lawrence, von dem Attentat erfährt, stellt er Dexter zur Rede, die eine Beteiligung der CIA abstreitet. Lawrence, der die Chance wittert, die ihm unangenehme Frau loszuwerden, verlangt Beweise und setzt selber den ehemaligen stellvertretenden Direktor Chris Jackson auf den Killer an.

Fitzgerald wird damit zur Gefahr für Dexter. Sie verbaut ihm seinen neuen Job, schickt ihn nach Russland, um dort erneut einen Präsidentschaftskandidaten namens Viktor Zerimskij zu eliminieren, und liefert ihn an die Russen aus, wohl wissend, dass der Agent zum Tode verurteilt wird, sollte Zerimskij zum Präsidenten gewählt werden – was auch prompt geschieht.

Seine einzige Hoffnung liegt nun auf seinem langjährigen Freund Jackson, der die Absichten der CIA-Chefin durchschaut und sich schließlich an die russische Mafia wendet, um mit deren Hilfe Fitzgerald zu befreien. Doch auch die Mafia tut nichts umsonst.

„Das elfte Gebot“ besagt Folgendes: Der amerikanische Präsident darf alles, wenn es dem Land dient, was natürlich auch seiner Einschätzung unterliegt. Die CIA darf morden, weil’s eine Geheimorganisation ist. Fitzgerald, der irgendwie an James Bond erinnert, ist sowohl ein eiskalter Killer als auch ein treusorgender, liebevolle Familienvater und Ehemann, ein wegen Tapferkeit ausgezeichneter Held aus dem Vietnamkrieg und natürlich der allerbeste Mann der CIA, der ungerechterweise bei einem Auftrag für sein Vaterland verraten wird. Der russische Präsident ist ein Stalin-Imitator, der skrupellos die Diktatur einführt und Russland zu einer gefürchteten Staatsmacht führen will. Die Mafia ist genau das, was wir aus unzähligen Filmen kennen: eine Familie, deren Dienste immer einen hohen Preis haben und die alle ‚arbeitssuchenden‘ Jugendlichen bereitwillig aufnimmt.

Für mich ein bisschen zu viele Klischees, derer sich der Autor Jeffrey Archer hier bedient, deswegen kann ich das Buch auch nur eingeschränkt empfehlen. Lesenswert ist es aufgrund eines ausgezeichneten Erzählstils, der einen optimalen Spannungsbogen schlägt und den Leser zu fesseln weiß. Auch die ‚böse‘ CIA-Chefin ist durchaus unterhaltsam, genauso wie das Hin und Her zwischen ihr und dem Weißen Haus. Mein Lieblingscharakter ist jedoch ein kleiner russischer Junge, der mit einem Anruf bei seiner Mutter die Mafia ins Spiel bringt, was mal wieder beweist: Die Mafia kennt jeden!

Wer also über die erwähnten Minuspunkte hinwegsehen kann oder sie mit Humor hinnimmt, der wird mit „Das elfte Gebot“ einen spannenden Thriller in die Hand bekommen, allen anderen ist dann doch eher von der Lektüre abzuraten.

Der britische Autor Jeffrey Archer (geb. 1940) wurde mit 29 Jahren Abgeordneter der Conservative Party und begann damit sein Politiker-Dasein. Sein Lebenslauf umfasst die unterschiedlichsten Stationen: Er war professioneller Bodybuilder, BBC-Rugbykommentator und auch Sportlehrer an einer Privatschule. Er war bei der Armee und bei der Polizei, besaß zeitweilig eine Kunstgalerie und ein Theater. Nach Fehlschlägen bei Börsenspekulationen stieg er aus der Politik aus und schrieb 1974 seinen ersten Roman „Not a Penny More, Not a Penny Less“, der in 17 Ländern ein Erfolg wurde. 1992 wurde er in den Adelsstand zum Baron Archer of Weston-super-Mare erhoben. Mittlerweile gilt er als der schillerndste und zwielichtigste Schriftsteller Englands und saß seit 2000 einige Jahre wegen Meineides im Gefängnis. Jeffrey Archer lebt zurzeit in Lambeth (London) und in The Old Vicarage im Dorf Grantchester bei Cambridge. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Bibliographie deutschsprachiger Ausgaben:

– „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ (1974, dt. 1984)
– „Kain und Abel“ (1980, dt. 1981)
– „Abels Tochter“ (1982, dt. 1983)
– „Das Attentat“ (1977, dt. 1986)
– „Rivalen“ (1984, dt. 1985)
– „Ein Mann von Ehre“ (1986, dt. 1987)
– „Der Aufstieg“ (1991, dt. 1991)
– „Die Stunde der Fälscher“ (1993, dt. 1994)
– „Imperium“ (1996, dt. 1998)
– „Das elfte Gebot“ (1998, dt. 2000)

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Rice, Anne – Merrick oder Die Schuld des Vampirs

Und die wohl berühmtesten Vampir-Chroniken werden fortgesetzt …

Im achten Band der Vampir-Chronik verbindet Anne Rice zum ersten Mal direkt die Geschichten um Louis und Lestat mit der Saga um die Mayfair-Hexen. Die Geschichte wird erzählt von David Talbot, dem ehemaligen Generaloberst der Talamasca. Die Talamasca sind ein wohl tausend Jahre alter Orden übersinnlicher Detektive, die Wesen wie Vampire, Hexen oder auch Geister beobachten und überwachen. David tauchte zum ersten Mal in „Königin der Verdammten“ auf, wo er als Generaloberst der Talamasca vorstand. Obwohl über siebzig und schwer krank, lehnte David Lestats Angebot, ihn unsterblich zu machen, ab. In „Nachtmahr“ half er dann Lestat dabei, seinen Körper wiederzubekommen (Lestat tauschte seinen mächtigen Vampirkörper mit einem übersinnlich veranlagten Mann. Dieser hatte jedoch nicht die Absicht, Lestats Körper zurückzugeben). Lestat dankte David für seine Hilfe, indem er ihn gegen seinen Willen in einen Vampir verwandelte. In „Merrick oder die Schuld des Vampirs“ bittet nun Louis de Pointe du Lac David um Hilfe. Er möchte mit dem Geist seiner Tochter und Geliebten Claudia in Verbindung treten, die in „Interview mit einem Vampir“ auf so grausame Weise vernichtet wurde. Louis plagen starke Schuldgefühle, weil er Lestat dabei geholfen hatte, das Vampirkind zu erschaffen und später nicht in der Lage war, sie zu retten. Er hat Angst, dass Claudia als ruheloser Geist herumirrt und wegen seiner Fehler keinen Frieden finden kann. Um Louis zu helfen, wendet David sich an Merrick Mayfair. Merrick, ein Mitglied des farbigen Teils der riesengroßen Mayfair-Familie, ist eine Hexe mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und zudem eine ausgebildete Vodooo-Priesterin. Unter anderem besitzt sie die Fähigkeit, Geister zu beschwören. Früher war David Merricks Vorgesetzter, Vaterfigur und für kurze Zeit ihr Geliebter. Auf Bitten von David und Louis führt Merrick schließlich ein Ritual durch, um den Geist von Claudia zu beschwören. Doch wie Merrick schon sagte : „Ein Geist kann denen, die ihn rufen, fürchterliche Dinge sagen, und hier geht es um den Geist eines Monsterkindes, das gewaltsam gestorben ist!“

„Merrick“ ist einer der weniger gelungenen Romane von Anne Rice. Die Lebensgeschichte von Merrick ist zwar durchaus fesselnd und die Beschreibung der Voodoo-Rituale und Geisterbeschwörungen sind ziemlich überzeugend. Auch die Idee einer Verbindung zwischen den beiden Romanreihen (Vampir-Chronik und Mayfair-Saga) wurde gut umgesetzt. Durch die Wahl eines Mitglieds des farbigen Zweigs der Mayfair-Familie, das mit den Hexen aus der Triologie zwar entfernt verwandt ist, aber mit diesen im Grunde genommen nichts zu tun hat, bieten sich vielfältige Möglichkeiten, die Anne Rice zum Teil auch aufgreift. Jedoch verliert die Geschichte schnell an Schwung. Durch die Wahl von David als Erzähler der Geschichte fehlen wichtige Einblicke in die Gefühle der anderen Figuren. Die Handlungen von Merrick und Louis sind deshalb ziemlich sprunghaft und zum Teil überhaupt nicht nachvollziehbar. Wer eine Weiterentwicklung der Vampir-Chronik erwartet, wird zwar nicht entäuscht, aber leider findet dies erst auf den letzten hundert Seiten statt. Da David die Geschichte erzählt, aber die Veränderung Merrick und Louis betrifft, erfährt man zwar was passiert, leider jedoch nicht warum. Für Fans der Serie ist Merrick sicherlich lesenswert, aber trotz allem ziemlich unbefriedigend.

Homepage der Autorin: http://www.annerice.com/

Hohlbein, Wolfgang – Dunkel

Wolfgang Hohlbein ist ein geradezu schreibbesessener Geschichtenerzähler – zu einem wirklichen Literaten und Künstler des geschriebenen Wortes hat es nie gereicht, aber wenn man sich darauf einstellt und den Geschichten selbst hingibt, nimmt man ihm dieses Manko auch nicht übel. Immerhin hat er es mit den Jahren geschafft, die beständige Nutzung abgeschliffener Phrasen und dramaturgischer Wortplattitüden einzudämmen. Dass bei der enormen Masse an Veröffentlichungen nicht viel Muße für literarische Feinheiten bleibt, ist nachvollziehbar – weit über 200 Bücher in 20 Jahren Schreibtätigkeit zeugen von einem beeindruckenden Schaffensdrang. Hohlbein geht es nicht um eloquente Satzkonstruktionen oder ausgefeilte Wortgebilde, sondern um die Geschichten; und dass er diese ansprechend zu präsentieren weiß, zeigt sein für deutsche Autoren erstaunlicher Erfolg. Natürlich ist es schon etwas verwunderlich, wie es zu dieser allgemeinen Beachtung kommen konnte, da auch seine Geschichten unter dramaturgischen Schwächen leiden, sich die Ideen gern wiederholen und so manches Werk rein kommerziell motiviert ist, aber nehmen wir Hohlbein einfach hin wie er nun einmal als Autor ist, gönnen ihm den Erfolg seines Schaffens und gestehen ihm die herausragende Stellung in der Autorengemeinde zu – und gerade durch seinen schlichten Stil gelingt es ihm in besonderem Maße, Kinder und Jugendliche für die phantastische Literatur zu interessieren, was ich ihm sehr zugute halten möchte.

Den Vampirroman „Dunkel“ zähle ich zu Hohlbeins gelungeneren Werken, was sich wie zumeist bei Hohlbein nicht richtig objektiv begründen lässt, sondern in meinem Falle dadurch motiviert ist, dass ich das Buch gebannt in einem Zug aufgesogen habe – das sollte man als gutes Zeichen werten. Hohlbein hat es geschafft, mich als Leser intensiv genug in die Geschichte zu ziehen, um emotional beteiligt zu reagieren und mich im Geiste auf die Seite des eher gebeutelten als heldenhaften Protagonisten zu schlagen.

Der freischaffende Photograph Jan wird in einem Kinokomplex Zeuge eines mysteriösen Todesfalles und darf sofort am eigenen Leibe einen Angriff aus der Schattenwelt erfahren, den er allerdings überlebt. Wie sich herausstellt, gibt es eine ganze ‚Mordserie‘ dieser Art und er ist der bislang einzige Überlebende, was das Interesse der in ihren Motiven schwer durchschaubaren Vera auf sich zieht sowie das der Kripo. Fortan wird sein Leben gänzlich umgekrempelt und die folgenden Tage werden zu einer gnadenlosen Jagd und einem Kampf um die Existenz.

Dass es sich bei dem Angreifer um einen Vampir handelt, wird eigentlich erst sehr spät deutlich; abseits der üblichen Klischees und mit gelungener Spannungsdichte wird das Wirken dieser Wesen in einer Art Realität hinter der Realität offen gelegt und Leser wie Hauptheld geraten in einen Strudel unwirklicher Bedrohungen und Konflikte mit der Alltagswelt. Hohlbeins Vampire sind keine Blut saugenden Fledermäuse, sondern eher Energiefresser mit illusionistischen und Willen beherrschenden Fähigkeiten; manipulativ, gefühlskalt, gefährliche Spieler mit dem Schicksal der Menschen. Die Bedrohung schleicht sich in die Handlung und kommt erst zum Ende zu einem offenen und aktionsgeladenen Ausbruch, so dass diese Komponente durchaus mit Feingefühl verwirklicht wurde. Die Charakterdarstellung der Hauptakteure ist gelungen und wirkt lebensecht; die Einbindung in eine reale Handlungswelt dagegen hätte noch mehr Tiefe vertragen. Hohlbein ist mit Opfern auf dem Weg zum Finale nicht gerade zimperlich, und dass die Geschichte nicht auf ein Happy End hinaus läuft und dieses halb offene Ende sich durchaus unerwartet gestaltet, ist als deutlicher Pluspunkt zu verzeichnen. Die für Vampirgeschichten prägende animalisch-erotische Komponente von „Dunkel“ ist übrigens auch nicht zu verachten. Einige Punkte werfen allerdings Fragen auf, was zum Beispiel die insektoiden Andeutungen in Bezug auf die Vampire angeht oder die Tatsache, dass ein ganzes Volk, darunter zwei der wohl mächtigsten seiner Geschöpfe, es sich ausgerechnet in der Schattenwelt von Neuss bequem gemacht haben. Aber Hohlbein-Bücher darf man eben nicht allzu kritisch beäugen, sondern sollte sie wie einen guten Film ohne hohe Anspruchserwartungen allein der Geschichte, Spannung und Action wegen mit lockerer Lesehaltung genießen. Das Material würde sich übrigens in der Tat sehr gut für einen ordentlichen Suspense-Horror-Film eignen.
„Dunkel“ zählt somit zu den Hohlbein-Veröffentlichungen, die ich guten Gewissens zur kurzweiligen Lektüre empfehlen kann.

Homepage des Autors: http://www.hohlbein.de

Rice, Anne – Interview mit einem Vampir

Anne Rice, am 4. Oktober 1941 in New Orleans geboren, schreibt nach dem Tod ihrer Tochter Michele durch Leukämie in nur fünf Wochen den Roman „Interview with the Vampire“.
In dem 1974 in den USA veröffentlichten Roman verliert der junge Plantagenbesitzer Louis de Pointe du Lac durch ein Unglück seinen Bruder und mit ihm auch seine Freude am Leben. Voller Selbstzerstörungswut fällt er im Jahre 1791 dem Vampir Lestat de Lioncourt in den Straßen von New Orleans zum Opfer. Aus eigennützigen Gründen verwandelt Lestat Louis in einen Vampir. Anfangs von Lestat und dem Leben als Vampir beeindruckt, erkennt Louis schnell, wie schrecklich das Leben als Vampir ist, wenn man wie er Skrupel hat zu töten. Um Louis an sich zu binden, verführt Lestat ihn dazu, mit ihm zusammen die fünfjährige Claudia in einen Vampir zu verwandeln.
Zusammen ‚leben‘ die drei Vampire anfangs glücklich in New Orleans, bis Claudia bewusst wird, dass sie auf ewig in einem Kinderkörper gefangen ist, der niemals erwachsen werden kann. Dafür beginnt sie ihre beiden ‚Väter‘ zu hassen. Für ewig auf die Hilfe eines anderen Vampirs angewiesen, benutzt sie Louis, um Lestat zu beseitigen. Vergiftet und ausgeblutet werfen sie Lestat in die Sümpfe, in der trügerischen Hoffnung, ihn so für immer losgeworden zu sein. Jedoch ist es gar nicht so einfach, einen Vampir wie Lestat zu vernichten.

Anne Rice‘ Erstlingswerk wird 1978 unter dem Titel „Schule der Vampire“ vom Claasen-Verlag erstmals in Deutschland veröffentlicht. Insgesamt vier weitere Auflagen folgen: zunächst 1989 beim Ullstein-Verlag und 1992 beim Goldmann-Verlag unter dem Titel „Gespräch mit einem Vampir“, und nach der Verfilmung mit Brad Pitt und Tom Cruise 1994 wird es im selben Jahr ebenfalls beim Goldmann-Verlag unter dem selben Titel wie der Film, „Interview mit einem Vampir“, veröffentlicht. 2003 erscheint dann die neueste Auflage auch wieder im Goldmann-Verlag.

Da ursprünglich keine weiteren Vampir-Romane geplant waren, ist „Interview mit einem Vampir“ ein abgeschlossener Roman, denn erst der große Erfolg in den USA veranlasste Anne Rice, daraus eine ganze Reihe zu machen. Durch diesen Roman entstand (in den USA) ein neues Feld der Literatur: New Gothic. Erstmals in der damaligen Literatur wird die Geschichte aus der Sicht des Vampirs dargestellt. Man erfährt von der Zerissenheit zwischen der Sehnsucht nach der verlorenen Menschlichkeit und der Sucht nach dem Gefühl und der Macht, die darin liegt, einen Menschen zu töten und über sein Blut seine Lebenskraft in sich aufzusaugen. Schnell vergisst man die mörderischen Monster, die sie ja eigentlich sind, und sieht nur noch ihr allzu menschliches Streben nach Liebe, Wissen und einem Sinn im Leben.
Ein sehr gelungener und packender Roman, bei dem es wirklich schwer fällt, ihn aus der Hand zu legen, bevor man die letzte Seite gelesen und somit alles über Louis, Lestat und Claudia erfahren hat. Vor allem macht gerade dieser erste Teil der Vampir-Chronik süchtig – süchtig nach mehr.

Homepage der Autorin: http://www.annerice.com

Koontz, Dean R. – Schattenfeuer

Rachael Leben steckt mitten in den Scheidungsverhandlungen, als ihr Noch-Ehemann Eric, ein Experte auf dem Gebiet der Genetik, nach einem Streit mit ihr direkt vor ein Auto läuft und ums Leben kommt.
Den Schock noch nicht ganz überwunden, erfährt sie, dass Erics Leiche aus dem Leichenschauhaus verschwunden ist – eine Tatsache, die angesichts der ausgezeichneten Sicherheitsvorkehrungen schlichtweg unmöglich ist.
Doch Rachael ahnt, was passiert ist und fürchtet nun um ihr Leben, denn sie kennt das geheime Projekt, an dem Eric und seine Mitarbeiter bei Geneplan arbeiteten: Die Verlängerung des Lebens durch Genmanipulation. Als die getöteten Versuchstiere wieder lebendig wurden, führte Eric die Genveränderung an sich selbst durch und ist nun wieder von den Toten auferstanden – aggressiver und hassvoller als je zuvor. Mit den Nebenwirkungen hat er allerdings nicht gerechnet: Sein Körper erholt sich innerhalb weniger Stunden von den Unfallfolgen, doch das Zellenwachstum hört nicht auf; die Zornesausbrüche und die Zerstörungswut werden immer animalischer. Hin- und hergerissen zwischen Menschsein und Tierwerden konzentriert sich sein Hass nur noch auf seine Frau.

Rachael und ihr Freund Ben Shadway nehmen die Jagd nach ihm auf, um ihn zurück ins Jenseits zu befördern, und werden dabei selbst verfolgt. Die Regierung weiß ebenfalls von dem Projekt und will es unter ihre Kontrolle bringen, denn wer Unsterblichkeit vergeben kann, hat die ganze Menschheit in seiner Gewalt.
Anson Sharp, der stellvertretende Direktor der Defense Security Agency, nimmt den Fall gerne in die Hand. Da er mit Ben noch eine Rechnung zu begleichen hat, plant er statt einer Verhaftung den Tod der Beiden.
Rachael und Ben bleibt nur die Chance Eric gefangen zu nehmen und mit ihm als „lebendem“ Beweis das Projekt an die Öffentlichkeit zu bringen, um ihr eigenes Leben zu retten.

Wer Dean R. Koontz kennt, weiß genau, dass eine unheimliche Story noch längst nicht alles ist, was der Autor zu bieten hat. Seine Charaktere wirken durch die exakt ausgearbeiteten Hintergründe und eine psychologisch angehauchte Analyse ihrer Taten und Gedanken wie aus dem Leben gegriffen. Der Leser wird stückchenweise in die tiefen Abgründe der Geschichte geführt, die immer wieder mit Überraschungen aufwartet und in einem sehr flüssigen und irgendwie auch ästhetischen Stil geschrieben ist.
Koontz versteht es, seinen Lesern unvermittelt eine Gänsehaut aufzudrücken, nur um sie dann wieder schmunzeln zu lassen. Und irgendwann während der Lektüre schaut jeder wohl mal in die dunklen Ecken seines Zuhauses – nur zur Sicherheit.
Auch „Schattenfeuer“ macht da keine Ausnahme und brilliert zusätzlich noch mit beängstigenden Zukunftsvisionen, die die Frage aufwerfen: Lohnt sich Unsterblichkeit wirklich?
Für alle Grusel- und Horror-Fans sowieso ein ultimatives Muss, allein schon wegen der Beschreibung von Erics Veränderungen! Für alle anderen: Spannung ist von der ersten bis zur letzten Seite garantiert, und erst beim Gruseln spürt man doch wirklich, dass man lebt…

Dean Ray Koontz wurde 1946 in Bedfort, Pennsylvania geboren und gewann mit 20 Jahren bereits den ersten Platz bei einem Schreibwettbewerb. Er besuchte das Shippensburg State Teachers College, heiratete 1966 und lebt heute mit seiner Frau in Orange County / Kalifornien. Seine Bücher erreichten eine Weltauflage von über 100 Millionen Exemplaren in 18 Ländern. Mehrere seiner Romane schafften es in die Bestsellerlisten.
Gerade neu erschienen ist „Der Geblendete“.

[Homepage des Autors]http://www.randomhouse.com/bantamdell/koontz/index.html

Senf, Bernd – Wiederentdeckung des Lebendigen, Die

Ein Wort vorweg: Die Buchbesprechung ist aufgrund der Komplexität des Themas etwas ausführlicher geraten, zudem ist dieser Themenkomplex den wenigsten vertraut, so dass ich einen etwas genaueren Überblick über dieses Gebiet für angebracht halte.

Im Titel „Die Wiederentdeckung des Lebendigen“ stecken bereits zwei Grundannahmen: Zum einen, dass der Begriff des Lebendigen weiträumig aus unserer menschlichen Wahrnehmung von Realität verschwunden ist. Zum zweiten, dass den scheinbar neuen Ansätzen nicht so sehr die Rolle eines Neuansatzes zukommt als vielmehr die archäologische Funktion, altes und verschüttetes Wissen wieder freizulegen.

Beiden Thesen und noch einigen mehr geht Bernd Senf, Professor für Ökonomie, Reich-Kenner, Lebensenergieforscher und Bioenergetiker, in seiner populärwissenschaftlichen Publikation nach, die bereits 1996 im Verlag Zweitausendeins erschien. In seiner Einleitung stellt er Kernproblemzonen heraus und führt zugleich die Hauptthesen an, um deren Erläuterung und Darstellung es nachfolgend gehen wird.
Er betrachtet die zivilisatorisch erkrankte Menschheit – körperlich wie ‚feinstofflich‘ –, die kippende Atmosphäre, unsere gleichermaßen kranke Ökologie und interessanterweise auch Ökonomie, die ebenso wie die erstarrten Wissenschaften lediglich Ausdruck tiefer liegender Blockierungen, einer ‚ängstlichen‘ Kontraktion sind. Diese äußern sich bei Lebewesen in einem durch Außendruck erzeugten blockierenden Muskel- und Charakterpanzer, einem Begriffsfeld, dessen gar nicht so abwegige Bildhaftigkeit sich überdies sehr effizient auf analoge Prozesse in den oben genannten Bereichen übertragen lässt. Somit sieht Prof. Senf in Tradition früherer Forscher, auf die ich noch eingehen werde, hier auch den Ansatz für Lösungsfindungen: In der Auflösung dieser bioenergetischen Blockaden. Seine Hauptarbeit in diesem Buch besteht darin, Forschungen lang ‚übersehener‘ Entdecker darzustellen und zu verdeutlichen, dass es bei aller scheinbaren Verschiedenheit offenbar Überschneidungspunkte und Identitäten in den Arbeiten gibt, die sich zu einem größeren, effektiveren und solideren Ganzen zusammenfügen lassen.

Die Verschüttungsprozesse solchen Wissens muss man gar nicht allzu lang in der Vergangenheit suchen, sie beginnen bereits unmittelbar mit der ‚Wiederentdeckung‘ dieser Zusammenhänge im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts, die geradezu inquisitorische Reaktionen des Etablissements provozierte und zu weitläufiger Zensur und Verfolgung führte. Den direkten Ursprung der Erforschung des Lebendigen bzw. der Lebensenergie kann man wohl in der Orgon-Forschung des vielseitigen Wissenschaftlers Wilhelm Reich suchen, der sich von seinem Lehrer Sigmund Freud lossagte, da sie in ihren Ansätzen unterschiedlicher Meinung waren und Reich bereits die Freudsche These von der „Todessehnsucht“ ablehnte. So setzte er nicht beim Negativen als Wesenskern der Menschen an, sondern beim Positiven fließender, frei strömender und wirbelnder Lebenskraft, deren Erforschung als Therapiebasis er sich fortan widmete und die Ansätze weit über das eigentlich angestrebte Ziel hinaus liefern sollte. Dabei ließ er es nicht mit theoretischen Konstrukten bewenden, sondern erforschte das Lebendige zunächst unter dem Mikroskop, beobachtete seine Patienten, Lebewesen unserer Mitwelt und führte verschiedene Zusammenhänge zur Synthese. Der Vorteil der Reichschen Forschung liegt darin, dass nicht nur unübersehbare Therapieerfolge sowohl auf psychologischer wie auch heilpraktischer Basis – z.B. durch den Einsatz der von ihm erdachten und mittlerweile wieder weiter entwickelten ‚Geräte‘ – zur Untermauerung der Richtigkeit herangezogen werden können, sondern zudem ein theoretisches Modell zugrunde liegt, das in sich sinnvoll und geschlossen ist – ein für die etablierte Wissenschaft wichtiges Kriterium. Aber ähnlich wie damals, als Galilei angeklagt wurde und die kirchlichen Astronomen sich weigerten, durch das noch recht neuartige Teleskop zu blicken, da ohnehin nicht sein kann, was nicht sein darf, so weigern sich die Wissenschaftler im Falle Reichs, seiner Forschung und auch nur seinen Beobachtungen lebender Zellen unter dem Mikroskop nachzugehen. Selbst die Biologen ziehen es vor, sich mit der Analyse zumeist zerschnittenen, sezierten und letztlich abgetöteten Forschungsmaterials zu befassen, um daraus eine Wissenschaft vom Leben etablieren zu wollen – ein recht absurder Gedanke eigentlich. Reichs Theorien und Forschungsresultate zur Biogenese und Orgon-Energie haben neuzeitlich weitere Bestätigung gefunden, und obwohl sie zunächst vor allem für psychotherapeutische und noch mehr für heilpraktische Zwecke nutzbar sind, kann das Grundprinzip sehr weitreichend ausgebaut werden. Sie liefern interessante und ebenfalls experimentell untermauerte Zusammenhänge – durch neuere Forschungen, teils unabhängig von Reichs Arbeit durchgeführt – zum Verständnis der Erkrankung insbesondere der Atmosphäre – und praktische Lösungen zu einer ‚Heilung‘, die eine ausreichend lange Erprobungsphase hinter sich haben, um als bewährt gelten zu können.
Für seine Forschungen wurde er, wie schon erwähnt, ausgegrenzt und verfolgt; was in Deutschland in der Auseinandersetzung mit der Vereinigung der Psychoanalytiker zusammenhängen dürfte und mit Analysen wie seinem erstaunlich weitsichtigen Werk „Massenpsychologie des Faschismus“. Aber auch in seinem Wahlland USA ging es ihm nicht besser: Seine Orgon-Theorie wurde per Gesetz verboten, das Gericht stellte amtlich fest, dass irgendeine „Lebensenergie“ nicht existiere und man verfasste, dass Reichs Werke zu vernichten und aus dem Verkehr zu ziehen seien. Da Reich weiterhin seine Thesen publizierte, wurde er inhaftiert, und er starb zwei Jahre darauf im Gefängnis.

Nicht wesentlich anders erging es Viktor Schauberger, der beispielsweise von den Nazis in einem Gefangenenlager zur Forschung gezwungen wurde und letztlich innerlich gebrochen verstarb, als ihn skrupellose amerikanische Geschäftsleute nach Ende des Krieges schamlos ausnutzten und vertraglich knebelten. Schauberger beobachtete die Natur und kam zu dem Schluss, dass ein Fließen und Verwirbeln allem Lebendigen und allen energetischen Lebensprinzipien zugrunde liegt. Dies deckt sich interessanterweise mit Beschreibungen jener Physiker, die sich der Vakuum- bzw. Nullpunktenergie widmen, dem weitest verbreiteten Ansatz für den Bereich der so genannten „Freien Energie“; bei Kenntnis entsprechender Sekundärliteratur stellen sich ohnehin erhebliche Überschneidungen und Ähnlichkeiten heraus zwischen Freier Energie und der Erforschung der Lebensenergie – vermutlich liegen beiden Ansätzen ähnliche Realitäten zugrunde. Schauberger war wie die meisten Forscher dieser Richtungen mehr Pragmatiker als Theoretiker und konstruierte verschiedene Maschinen vornehmlich zu dem Zwecke, gestörtes Gleichgewicht in Gewässern und Böden wieder herzustellen, und seine Methoden erwiesen sich als äußerst wirkungsvoll.

Mit ähnlichen Zielen ging Roland Plocher zu Werke, dessen Energiesystem zur bioenergetischen Heilung von Böden und Gewässern einige Aufmerksamkeit auf sich zog und höchst effektiv eingesetzt werden kann. Georges Lakhovsky, Paul Schmidt und Arno Herbert konzentrierten sich auf die Schwingungs- und Resonanzaspekte lebender Systeme, und auch ihre Arbeit wird ausführlich vorgestellt sowie in Zusammenhang gebracht. Letzter Forscher, dem ein eigenes Unterkapitel gewidmet wurde, ist Dieter Knapp, der die Energie- und Strahlungsfelder untersucht hat, die lebende Systeme abstrahlen und die sich problemlos zum Test der Gesundheitsverträglichkeit und Wirksamkeit nutzen lassen, ohne Patienten oder Tiere als Versuchskaninchen zu missbrauchen.

Im letzten Schwerpunktbereich „Die historische Verschüttung des Lebendigen“ kommt Bernd Senf auf ein Thema zu sprechen, bei dem er als Ökonomieprofessor fundierte Fachkenntnis aufzuweisen hat. In einer Analyse von Kulturen, Herrschaftsstrukturen, Wirtschaftssystemen sowie Wissenschafts- und Glaubensdogmen stellt er heraus, wie es zum einen zur Verschüttung der Wahrnehmung des Lebendigen und zum andren zu einer zivilisatorischen Komplettpanzerung und Erstarrung in vielen Formen kommen konnte. Dabei geht Prof. Senf nicht gerade zimperlich ins Gericht mit allerlei lebensfeindlichen Grundhaltungen und Institutionen.

Der Schreibstil ist sehr gut verständlich und angenehm zu lesen. Sowohl von fachlicher Seite als auch wegen der verschiedenen Hintergrundinformationen sowie der Zweiteilung in den Themenschwerpunkten bleibt „Die Wiederentdeckung des Lebendigen“ durchweg eine faszinierende Lektüre. Die komprimierte Faktendarstellung eignet sich hervorragend, um zum Themenkomplex der Lebensenergieforschung einen Zugang zu bekommen, die weitreichende Gesamtanalyse bietet darüber hinaus faszinierende Möglichkeiten, hält aber auch so einiges bereit, das uns erschrecken und ermahnen sollte. In dem hier aufgezeigten Bereich sollte erheblich mehr geforscht werden; warum sich dies aber als so schwer herausstellt, wird ebenfalls im Buch aufgezeigt. Über reines Faktenwissen und interessante Modelle hinaus finden Heilpraktiker und an Heilkunde interessierte Laien in diesem Buch viele Praktiken und Anwendungen, die mit wenig Aufwand selbst überprüft und verwendet werden können; so enthält der Anhang z.B. eine Bauanleitung für Orgon-Akkumulatoren.
Der Band von knapp 400 Seiten Hardcover wird ergänzt durch 125 schwarz-weiße Abbildungen, acht Farbtafeln, ein umfassendes Literaturverzeichnis, eine Adressinformation, ein Register sowie eine Liste zusätzlicher Anmerkungen.

Grobes Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung
1.1. Krankheit und Heilung
1.2. Die Verschüttung und Wiederentdeckung des Lebendigen
1.3. Die Angst vor dem spontanen Fließen

2. Die innere Bewegung des Lebendigen
2.1. Sigmund Freuds Tragik
2.2. Wilhelm Reich: Entdeckung des biologischen Kerns

3. Mein eigener Weg zu Reich

4. Die Wiederentdeckung des Lebendigen
4.1. Wilhelm Reich: Erforschung der Lebensenergie
4.2. Viktor Schauberger: Mit der Natur bewegen
4.3. Georges Lakhovsky: Bioenergetische Schwingung und Resonanz
4.4. Paul Schmidt: Schwingung und Heilung
4.5. Roland Plocher: Bioenergetische Heilung kranker Gewässer und Böden
4.6. Arno Herbert: Übertragen und Kopieren von Schwingungen
4.7. Dieter Knapp: Lebensenergie sichtbar gemacht

5. Die historische Verschüttung des Lebendigen
5.1. Lebensenergetisches Wissen und liebevolle „Kulturen“
5.2. Die ethnologische Wiederentdeckung des Lebendigen: Die Trobriander
5.3. Patriarchat: Sexualunterdrückung und Gewalt
5.4. James DeMeo: Die Saharasia-These
5.5. Kapitalismus und Kolonialismus: Gewaltwellen aus Europa
5.6. Historische Wurzeln der Bevölkerungsexplosion
5.7. Rationalismus und mechanistisches Weltbild
5.8. Herrschende Wissenschaft, Technologie und Verwertungsinteresse
5.9. Moderne Physik – Grundlage eines ökologischen Weltbilds?

6. Zusammenfassung

7. Innere und äußere Heilung durch Resonanz und Inspiration

Anhang
Anmerkungen
Literatur
Über den Autor
Adressen
Register
Bildnachweise

[Hier]http://www.omega-verlag.de/pdf/wdlk1.pdf gibt es das vollständige Kapitel 1 als Leseprobe im pdf-Format.

[Homepage des Autors]http://www.berndsenf.de

Buchholz, Tonny Vos-Dahmen von – Vom Rentierjäger zum Raubritter

„Vom Rentierjäger zum Raubritter“ beschäftigt sich mit dem Teil der menschlichen Geschichte, die sich von 9000 vor bis 1600 nach Christus abgespielt hat. Also, wie der Titel schon sagt, von der Zeit der Rentierjäger bis zu der der Raubritter. Dabei handelt es sich aber keineswegs um ein trockenes Geschichtsbuch, in dem man keine zwei Seiten am Stück lesen kann, sondern um 15 spannende Geschichten.

Diese Erzählungen orientieren sich meistens an Funden aus der jeweiligen Epoche. So lässt die Autorin Tonny Vos-Dahmen von Buchholz die mögliche Vergangenheit eines Steins, in den ein tanzendes Mädchen eingraviert wurde, wieder lebendig werden, indem sie eine Menge Fantasie und Spannung hinzugibt: Vor den Augen des Lesers lässt sie die vergangene Landschaft wieder auferstehen, in der einst die Rentierjäger lebten und arbeiteten. Sie berichtet von einem Jäger namens Orf, der in ein Mädchen von einer anderen Horde verliebt ist. Aber leider ist es für die beiden nicht so einfach, ein Paar zu werden, denn der Vater von Ena möchte aber lieber Rangi, das erfolgreiche Oberhaupt des Nachbarstammes, als seinen Schwiegersohn sehen. Eines Abends treffen sich Orf und Ena heimlich im Wald, wo sie einander die Treue versprechen und Orf als Zeichen dafür ein Bildnis von Ena in seinen Druckstein ritzt. Als Ena erfährt, dass sie von ihrem Vater an Rangi versprochen worden ist, beschließt sie, sich zu verstecken und zu warten, bis ihre Horde nach der Rentierjagd, die fast ein halbes Jahr dauert, wieder zurückkehren würde. Sie muss nun alleine versuchen zu überleben, damit sie ihr Versprechen an Orf halten kann. Denn Rangi würde bestimmt nicht so lange warten, wenn er nicht einmal wüsste, ob sie noch am Leben ist, sondern sich eine andere zur Frau nehmen. Ena schaffte es auch tatsächlich, den Winter zu überstehen und kann endlich mit ihrem geliebten Orf zusammen sein.

Doch hier liegt auch leider schon der Haken, der ansonsten gelungenen Geschichte: Wenn man am Ende angelangt ist verspürt man immer noch diesen innerlicher Drang weiterzulesen, was aber nicht möglich ist, weil da nichts weiter über Orf, Ena und die anderen Mitglieder der Rentierjägerhorden steht.
Dieses Problem zieht sich durch das ganze Buch, da eigentlich jede der Geschichten zu schnell aufhört. Sei es die Geschichte vom Eichengott, von den heiligen Beilen oder dem Altar für die Göttin Nehalennia – jede einzelne hätte locker ein ganzes Buch füllen können und wäre immer noch spannend gewesen. Als nützlich, aber leider noch weiter spannungshemmend, erweisen sich die historischen Quellenangaben und Museumsempfehlungen, die nach jeder einzelnen Geschichte folgen. Hier wird immer darauf verwiesen, welcher historische Fund der jeweiligen Erzählung zu Grunde liegt und wo man diesen oder ähnliche Dinge finden kann. Dennoch eignet sich dieses Buch eher zur Unterhaltung als zur historischen Bildung, da ja nur wenige Ausschnitte aus der Geschichte angesprochen werden. Außerdem geht es in den Erzählungen mehr um die Lebensweisen des ‚kleinen Mannes‘ und der ‚kleinen Frau‘, weshalb die sonst in der Geschichte relevanten Könige und Jahreszahlen – glücklicherweise – ausgespart werden.

Zu erwähnen ist noch, dass „Vom Rentierjäger zum Raubritter“ den niederländischen Jugendliteraturpreis „Silberner Griffel“ erhalten hat, was aber nicht bedeutet, dass das Buch nur von Jugendlichen gelesen werden kann. Die Sprache ist zwar so gewählt, dass sie auch für die Jüngeren verständlich ist, artet aber noch lange nicht in naives Kindergeplapper aus, weshalb das Buch auch noch für ‚große‘ Abenteurer geeignet ist.

Fazit also: Ein gutes, spannendes und einfach geschriebenes Buch, aus dem aber noch viel mehr hätte werden können.

Doherty, Paul – gefallene Engel, Der

Der englische Historiker Paul Doherty, der auch unter den Pseudonymen Paul Harding, Michael Clynes, Celia L. Grace, P. C. Doherty, und Ann Dukthas Bücher verfasst, hat mit „Der gefallene Engel“ einen faszinierenden historischen Roman geschaffen, der intensiven Gebrauch von Mystik, Religion und Elementen des Vampirmythos‘ zu machen weiß. Angesiedelt ist die Geschichte des von dunklen Geheimnissen umgebenen Matthias Fitzosbert in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, wobei sich der erzählerische Zeitbogen vom Fall Konstantinopels 1453 bis zu Kolumbus‘ Entdeckungsfahrt 1492 spannt. Hauptort der Handlung sind England und Schottland, die zu dieser Zeit von schweren Unruhen und Bürgerkriegen zerrissen sind.

Eigenartige Morde verunsichern die Einwohner im ländlichen Sutton Courteny in Gloucestershire, die zu diesem Zeitpunkt von den Wirren der Kriege verschont blieben und ein beschauliches Leben abseits der Machtkämpfe bestreiten. Die Umstände der Tötungen tun ihr Übriges, um für Verwirrung zu sorgen, denn den Opfern wurde offenkundig das Blut ausgesaugt, was uns natürlich direkt an Vampirgeschichten denken lässt. Aber die Konstruktion Dohertys hat hier mehr zu bieten als abgewetzte Blutsaugermythen, denn in diesem Falle steckt hinter dem unheimlichen Treiben ein Dämon, genauer gesagt der Rosendämon, einstiger Hüter der himmlischen Gärten, der gemeinsam mit Luzifer aus den Himmeln gestürzt wurde, als die Engel sich gegen Gottes Entscheidungen auflehnten. Dieser religiöse Hintergrund wird im Verlauf des Buches immer detaillierter offenbart und macht einen der Spannungspunkte der Geschichte aus. Der besagte Matthias, seines Zeichens Pfarrerssohn und damit ein gesellschaftlicher Außenseiter und Schandfleck, hegt eine geheime Freundschaft zu einem in der Nähe lebenden Eremiten, der ihn in so manches Wissen einweiht. Als der Eremit durch Intrigierung eines seltsamen Predigers mit den Morden in Verbindung gebracht und letztlich nach einem Schauprozess verbrannt wird, ist es mit der Ruhe im Dorf vorbei und ein wahres Blutbad tilgt Sutton Courteny förmlich von der Landkarte. Matthias jedoch bleibt verschont und für ihn beginnt nun eine lebenslange Odyssey auf der Suche nach sich selbst, seiner Vergangenheit, seiner Bestimmung und nach einer Lösung für all die Seltsamkeiten, die ihm beständige Begleiter sind und es ihm unmöglich machen, Ruhe zu finden.

Bis auf die drei Prologe, die sich immerhin über 40 Seiten erstrecken, begleitet der Leser während des gesamten Buches Matthias auf seiner Irrfahrt von einem Abenteuer ins nächste; es gibt keine Perspektivenwechsel oder parallele Handlungen, so dass wir bis auf diesen Prologvorsprung nicht viel mehr wissen als Matthias selbst. Das sorgt zwar für eine sehr dichte Identifizierung mit der tragischen Hauptfigur, die alles andere als heldenhaft ihr scheinbar unausweichliches Schicksal meistert, ist zugleich aber ein Stolperstein, was die Dramaturgie angeht, denn bereits nach dem ersten Drittel – bei 668 Seiten immerhin schon eine ordentliche Lesestrecke – hat man genug Hinweise, um sich die größeren Zusammenhänge und selbst den Ausgang der Geschichte denken zu können. Von da an wird das Interesse des Lesers aufrechterhalten von der Frage, in wessen Körper der Rosendämon gerade wieder steckt, um von dort aus Einfluss auf Matthias‘ Lebensgeschichte zu nehmen. Außerdem sind die Abenteuer seiner Odyssey wirklich spannend zu lesen, und nicht zuletzt faszinieren die historischen Details und bringen zugleich einen nicht zu verachtenden Bildungsfaktor in punkto Geschichte mit sich. Doherty geht als Historiker, der in Oxford promoviert hat, detailgetreu zu Werke und selbst die mystischen Begebenheiten sind zwar fiktiv in ihren Einzelheiten, bauen aber auf Überlieferungen der Chronisten auf. Die Erzählhandlung wird stets in den korrekten und sehr lebendig präsentierten historischen Rahmen eingebettet, und so begegnet der Leser gemeinsam mit Matthias den Großen jener Zeit, Königen, Feldherren, Kirchendienern, Inquisitoren, allerlei zwielichtigen und einflussreichen Gestalten und wird in ihre Intrigen und Machtränke involviert. Und da letztlich das Kernthema des Romans sich als Suche nach Zugehörigkeit, Geborgenheit und Zuneigung offenbart, kommt auch die emotionale – und nebenher erwähnte erotische – Seite beim Lesen nicht zu kurz.

Wenn man sich – wie dies auch bei so manch gelungenem Film der Fall ist – mit diesen Ansatzpunkten und der Art der Darstellung begnügen kann und nicht nur deshalb weiter liest, weil auf ein überraschendes Finale und die Enthüllung weiterer verborgener Geheimnisse gehofft wird, dann lohnen sich auch die letzten beiden Drittel von „Der gefallene Engel“ auf jeden Fall. Zusätzliche Erzählebenen und sparsamer gestreute Lösungshinweise hätten der Spannung zwar sicherlich gut getan, aber ich habe diesen Roman, der in der durchaus üblichen Tradition historischer Werke eine Mischung aus Reisebericht, Biographie und Abenteuerepos ist, dennoch sehr genossen und bin von der lebendigen und detailgetreuen Darstellung, den mystischen Verflechtungen und philosophischen Bezugspunkten beeindruckt genug, um eine Leseempfehlung für dieses gelungene Werk aussprechen zu können.

Herbert, Mary H. – letzte Zauberin, Die

Lord Medb, Häuptling des mächtigen Klans der Wylflinge, hegt ehrgeizige Pläne: Er will uneingeschränkter Herrscher über die zwölf nomadischen Stämme werden, die in Eintracht in der weiten Ebene der dunklen Pferde leben. Als die Corin sich gegen Lord Medb auflehnen, lässt er den gesamten Klan durch Söldner auslöschen. Allein Gabria, die halbwüchsige Tochter des Häuptlings, überlebt unbemerkt das Massaker und schwört Blutrache. Da eine Frau im Rahmen der Klangesetze kein Recht auf Vergeltung hat, opfert sie ihr langes blondes Haar und nimmt die Identität ihres Zwillingsbruders Gabran an. Auf dem Weg zu den Khulinin, dem Klan ihrer ermordeten Mutter, rettet Gabria eine schwarze Hunnuli-Stute, die sich ihr anschließt. Die Hunnulis sind eine besondere Rasse von Pferden und jeder, der ein Hunnuli reitet, genießt ein besonderes Ansehen. Dennoch stößt Gabria bei den Khulinin auf großes Misstrauen. In dieser einsamen Zeit hält allein der Gedanke an Rache sie aufrecht; unbeirrt lässt sie sich zum Krieger ausbilden, um den Mörder der Corin beim jährlichen Treffen der Klane herauszufordern.
Lord Medb hat jedoch inzwischen ein uraltes schwarzmagisches Buch in seinen Besitz gebracht, und obwohl die Ausübung von Magie bei den Klanen mit dem Tode bestraft wird, nutzt er das Buch bei seinem Versuch, die Stämme zu unterjochen.

Der Roman ist sehr spannend geschrieben und kommt ohne eine komplexe neue Welt aus, in der es von fantastischen Elementen nur so wimmelt. Vielmehr liegt der Schwerpunkt eher auf dem fremdartigen Leben der Stämme; von den Hunnuli-Pferden und der Zauberei abgesehen, könnte das Ganze auch ein historisches Abenteuer sein.

Mary H. Herbert wurde 1957 in Ohio geboren und fing zuerst als Autorin bei der Fantasy-Serie „Drachenlanze“ an. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann und ihren zwei Kindern in Georgia.

Manning, Jeane – Freie Energie

Aus Ansätzen heraus, die bereits seit mehr als 100 Jahren den Weg in die Moderne gefunden haben, entwickelt sich derzeit ein reges Interesse an Forschungsarbeiten und Erfindungen, die sich mit dem Bereich der so genannten „Freien Energie“ befassen. Diese Erkenntnisse wurden bisweilen immer wieder vergessen, unterdrückt, ignoriert und in den wissenschaftlichen ‚Untergrund‘ abgedrängt, was auf verschiedenste Motivationen zurück geführt werden kann. Bereits der Begriff einer ‚freien‘ Energie lässt den konventionell geschulten Physiker zusammenzucken, da gemäß dem beliebten und gern zitierten Energieerhaltungssatz nichts ‚frei‘, also ‚umsonst‘ daherkommt, sondern immer so in Erscheinung treten muss, dass sich an der Gesamtsumme der Energien im System nichts ändert. Nun ist dieser Begriff allerdings irreführend, da nicht wirklich behauptet wird, man sei auf der Suche nach einer Energiequelle, die aus dem Nichts grenzenlose Energien verfügbar macht. Es handelt sich lediglich um eine gedankliche Erweiterung der Überlegungen zur Energieerhaltung, die wie so viele Theorien und Axiome ganz einfach einer Revision bedürfen, da unsere Erkenntnisse vom Aufbau der Welt beständig anwachsen und bestehende Theoriegebäude eben gelegentlich angepasst werden müssen. Dabei ist der Gedanke einer ‚Energie aus dem Nichts‘ bei genauerer Betrachtung in seiner Wortwahl gar nicht so abwegig, denn der wesentliche Ansatz einer Neuen Wissenschaft geht von bislang unzureichend verstandenen Eigenschaften des Vakuums aus, wobei aus der etablierten Wissenschaft heraus eine Anknüpfung durch die Quantenmechanik über so genannte Vakuumquantenfluktuationen und Eigenschaften der Nullpunkt- oder Raumenergie erfolgen kann.

Doch so sehr ins wissenschaftliche Detail geht Jeane Manning in ihrem Buch „Freie Energie – Die Revolution des 21. Jahrhunderts“ gar nicht – wer sich von zu viel physikalischer oder mathematischer Detailfreude abschrecken lässt, darf also beruhigt weiter lesen. Ihr Schreibstil ist überdies sehr gut verständlich und unkompliziert; das vorliegende Buch dient ohnehin vor allem der Problembeschreibung und einer informativen Einführung in die Ideenwelt der Freien Energie. Manning studierte zwar Soziologie, arbeitet aber auf verschiedensten Gebieten als Reporterin, Redakteurin und Buchautorin, insbesondere ist sie seit über 20 Jahren im Informations- und Aufklärungsbereich zu Technologien der Freien Energie tätig. Bekannt wurde sie unter andrem durch ihr Buch „Löcher im Himmel“ über das H.A.A.R.P.-Projekt in Alaska, das sie gemeinsam mit Nick Begich verfasste.

Mannings Ausführungen geht ein recht umfangreiches Vorwort von Dr. Brian O’Leary voraus, seines Zeichens Physiker und ehemaliger Astronaut sowie Spezialberater für Energiefragen im Innenausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses. Einleitungen wie diese sind immer hilfreich, um vorab deutlich zu machen, dass nicht nur übereifrige Enthusiasten scheinbar weltfremde Ziele anstreben, sondern dass auch Akademiker sich ernsthaft mit diesen Möglichkeiten auseinandersetzen – und von Titeln und den Namen bekannter Größen wimmelt es im Bereich der alternativen Energieforschung nur so. In „Freie Energie“ begegnet dem Leser eine Vielzahl dieser Zeitgenossen, und eine Beschreibung ihrer Arbeit im Forschungs- und Entwicklungsbereich macht den Hauptteil des Buches aus. Zuvor jedoch macht Mannings im Anschluss an die Worte O’Learys deutlich, wo Schwierigkeiten im Umgang mit dem Begriff der Energie liegen, dass Freie Energie nichts mit einem Perpetuum Mobile zu tun hat und vor allem, warum es höchst dringend geworden ist, über den akademischen Tellerrand hinauszublicken und scheinbar gewagte Alternativen zu erwägen, um Energiequellen zu finden, die unseren wachsenden Bedarf decken und vor allem die Erde nicht weiter belasten. Eine Vielzahl solcher Ideen wird dann wie schon erwähnt vorgestellt, beginnend mit der Arbeit von Nikola Tesla bis hin zur neueren Entwicklung in diesem Bereich. Die Vakuum- oder Raumenergie spielt vor allem zu Beginn eine wesentliche Rolle, aber Jeanne Manning stellt auch andere Forschungsbereiche der so genannten „Neuen Energie“ vor, wie dem unten stehenden Inhaltsverzeichnis zu entnehmen ist.
Der Schlussteil befasst sich mit gesellschaftlichen und akademischen Problemzonen im Bereich der Neuen Energie und macht eine Zahl von Lösungsvorschlägen, erfreulicherweise durchaus mit Verständnis für die Argumente und Bedenken der ‚Gegenseite‘.

„Freie Energie – Die Revolution des 21. Jahrhunderts“ liest sich spannend wie ein Wissenschaftskrimi und hat so manch erstaunliche Information zu bieten; faszinierend und flüssig zu lesen und mit einem Minimalvorwissen für physikalische Zusammenhänge zu verstehen. Wichtige Begriffe werden außerdem im Glossar knapp erläutert. Es ist somit in der Art der Darstellung und vom inhaltlichen Konzept her wunderbar als Einstiegslektüre in dieses brisante und hochaktuelle Forschungsthema geeignet. Manning bietet im Anhang zur weiterführenden Information eine Vielzahl von Buchvorschlägen und Adressen, die sich mit dem Themenbereich auseinandersetzen. Interessierte Laien und auch Neueinsteiger in dieses Genre, das es dank des Engagements einer wachsenden Zahl von Unterstützern und Forschern endlich aus dem Randbereich zwischen Wissenschaft und Science-Fiction heraus geschafft hat, sollten hier auf jeden Fall einen neugierigen Blick hinter die Kulissen werfen, wo neue Energieforscher eine verheißungsvollere Zukunft für den von uns geschundenen Planeten Erde entwerfen.

Grobes Inhaltsverzeichnis:

• Vorwort von Dr. Brian O’Leary
• Vorwort der Autorin
• Quantensprung
Teil I: Revolutionäre von damals
• Nikola Tesla: der Vater der Freien Energie
• Andere Energieforscher im Einklang mit der Natur
Teil II: Raumenergie und die neue Physik
• Eine neue Physik für eine neue Energiequelle
• Solid-State-Energiegeräte und ihre Erfinder
• Floyd Sweet: Pionier des Solid-State-Magneten
• Energie-Erfindungen mit rotierenden Magneten
Teil III: Aufstrebende Neue-Energie-Technologien
• Kalte Fusion: die bessere Kerntechnologie
• Volle Kraft voraus mit Wasserstoff
• Neue Wege zur Umwandlung von Abwärme in Elektrizität
• Eine alte Technik mit neuem Dreh: umweltfreundliche Wasserkraft
• Mauerentfeuchtung ohne Strom
• Die Welt der Energiemöglichkeiten
Teil IV: Die Energierevolution – Chancen und Hindernisse
• Die Schikanierung der Neue-Energie-Erfinder
• Die Gesellschaft und eine Neue-Energie-Wirtschaft
• Die Macht liegt in unserer Hand
Anhang
• Quellenverzeichnis & Quellennachweise
• Glossar
• Bücher zur Neuen Energie
• Internationale Adressen zur Neuen Energie
• Register

[Hier]http://www.omega-verlag.de/pdf/fek12.pdf gibt es das Kapitel 12 vollständig als Leseprobe im pdf-Format.

Genzmer, Felix – Edda, Die

Es hieße wohl Eulen nach Athen – oder unserem Thema angepasst: Raben nach Asgard – tragen, wenn man betonte, dass die „Edda“ das wichtigste Zeugnis für die germanische Religion darstellt. Sie ist sozusagen die große alte, weise Frau, die uns etwas über die Religion auch unserer Vorfahren erzählt. Denn obwohl der Hauptteil dieser Lieder über germanische Götter und Helden, der sogenannte „Codex Regius“, erst im 13. Jahrhundert auf der Insel Thule im hohen Norden, also Island, aufgezeichnet wurde, überliefert er uns doch Vorstellungen, die über die Fläche eines Gebiet verbreitet waren, das Skandinavien, das heutige Deutschland und Britannien einschloß. Odin und Thor kennt man im südgermanischen Raum als Wotan und Donar. Die Heldenlieder des „Nibelungen-Zyklus“ in der „Edda“ sind von heutigen deutschen Gebieten nach Island gewandert – Siegfried heißt hier Sigurd und Hagen Högni. Zugleich gibt die „Edda“ damit die älteste erhaltene Version der Nibelungensage wieder.

Selbst wer sich als Leser dieser Seite noch nicht mit den altgermanischen Mythen und Sagen in der „Edda“ auseinandergesetzt hat, dem werden die Geschichten vielleicht bekannt vorkommen. Viele Musikgruppen aus dem Bereich des Metal, Gothic, Neofolk oder Dark Ambient beschäftigen sich ja mit den alten Göttern, Sagenhelden oder Runen. Auf der zweiten CD der Viking-Metaller FALKENBACH beispielsweise findet sich das Instrumental „Baldurs Tod“ – jener strahlende Gott Baldur ist gemeint, der durch die List Lokis ums Leben kommt und ins Totenreich zur Göttin Hel fährt. Sein Tod stellt ein unheilvolles Omen dar, das auf den Ragnarök verweist, den Untergang der Götter.

Tragisch und voll dunklen Zwielichts erscheint die Religion der Germanen in dem berühmten Lied „Volüspa“ („Der Seherin Gesicht“). Doch diese Tragik ist kämpferisch und das genaue Gegenteil einer Opferhaltung. Die Götter wissen um ihren Untergang und trotzdem ergeben sie sich kein einziges Mal der Resignation. Ihre Verantwortung und ihre Sorge um die Welt bestimmen ihr ganzes Handeln. Der Höchste des Göttergeschlechts der Asen, Odin, murmelt bis zuletzt mit dem zukunftskundigen Haupt Mimirs, um für die Endschlacht bereit zu sein. In dieser Schlacht kämpfen die Einherjer, die gefallenen Krieger, Seite an Seite mit den Göttern gegen die dämonischen Mächte, den Gott Loki, seine von ihm gezeugten Ungeheuer und die Riesen. Auch wenn Odin, Thor und Frey fallen, so taucht doch eine neue Welt auf, in der Baldur aus dem Reich der Hel zurückkehrt und über die die Söhne der Asen herrschen werden.

Diese aktive Haltung gegenüber dem Schicksal, das von den Nornen als den überpersönlichen Mächten gewebt wird, findet sich in den Heldensagen wieder. Die germanische Heldensage erzählt von der Konfrontation einer starken Persönlichkeit mit dem eigenen Tod. Der Germane nimmt dieses Schicksal nicht nur an – nein, er macht es auch noch ganz zu seinem eigenen Willen. Die menschliche Freiheit bewährt sich für den Germanen erst in der Haltung, die er dem Tod gegenüber einnimmt. Högni lacht, während die Hunnen ihm das Herz aus der Brust schneiden. Hamdir und Sörli rächen den Tod ihrer Schwester Schwanhild an dem König Jörmunrek. Aufgereizt durch die eigene Mutter gehen sie mit vollem Bewußtsein in den Tod. Kurz bevor Hamdir mit vielen klaffenden Wunden zu Boden sinkt, sagt er: „Gut haben wir gekämpft: / Wir stehn auf Gotenleichen, / aufrecht, ob schwertmüden, / wie Aare im Gezweig; / Heldenruhm gewannen wir, / sterben wir heut oder morgen: / niemand sieht den Abend, / wenn die Norne sprach.“ (S. 221) Diese Stelle soll gleichzeitig als Beispiel für die kraftvolle Schönheit der Übersetzung Felix Genzmers dienen.

Felix Genzmer gilt zu Recht als der beste Edda-Übersetzer. Von der Erstveröffentlichung 1912 (der Heldenliedteil) bis zu seinem Tode 1959 hat Genzmer an seiner Übersetzung gearbeitet, um dem Original noch ein Stück näher zu kommen und noch besser die Stimmung der altnordischen Lieder zu rekonstruieren. Er stand allerdings unter dem Einfluss der in den Zwanzigerjahren führenden Schule des bekannten Germanisten/Nordisten Andreas Heusler, die unter dem Postulat arbeitete, dass man aus der teils ungeordneten Überlieferung das Original zurückgewinnen könne. So kommt es, dass Genzmer einige Gesätze anders als in der Vorlage anordnet und manches als unpassend Empfundene wegließ. In seinen späteren Überarbeitungen nahm er viele dieser gestrichenen Stellen wieder auf. Die Aufzählung der Zwergennamen in der „Volüspa“ erscheint allerdings nicht in Genzmers Übersetzung, weil sie wahrscheinlich ein späterer Einschub in das Gedicht ist. Wer einen Vergleich haben will, sollte sich die preiswerte Simrock-Übersetzung aus dem |Phaidon|-Verlag besorgen, welche auch einen Teil der sogenannten „Jüngeren Edda“ des Snorri Sturluson enthält.

Die Übertragung von Genzmer darf als die sprachlich schönste bezeichnet werden. Sie nähert sich in Ton und Duktus dem Original am weitesten an. Genzmer versucht möglichst häufig den Stabreim wiederzugeben, der in der Regel auf vier Hebungen innerhalb von zwei Kurzzeilen (eine Kurzzeile im oberen Beispiel immer bis zum / ) beruht und bei dem die Betonung auf dem Anlaut liegt: Eine beeindruckende altertümliche Reimform, die vor allem beim lauten Lesen zu ihrer vollen Wirkung kommt. Und laut vorlesen sollte man diese Lieder – immerhin waren sie ursprünglich zum mündlichen Vortrag in der geselligen Runde z. B. beim Opferfest oder in der Königshalle gedacht.

Wie kam es nun, dass diese mündlichen Lieder in christlicher Zeit in Island auf Pergament niedergeschrieben wurden? Wir haben auf Island die typische „Inselsituation“. Fernab der großen Umwälzungen in Europa, fernab der eigentlichen Missionszentren konnte sich hier die alte Überlieferung halten. Eine Donar-Eiche wurde in Island glücklicherweise nie gefällt. Zwar führten die Isländer im Jahre 1000 durch eigenen Thingbeschluss, aber unter militärischem Druck des norwegischen Königs Olaf Tryggvason die christliche Religion ein, doch die nicht-öffentliche Verehrung der alten Götter war erlaubt; es bildeten sich heidnisch-christliche Synkretismen und das altgermanische Ethos blieb noch weit bis ins 12. Jahrhundert lebendig. Die isländischen Geistlichen waren so eng mit ihrem Volk verbunden, dass sie die heidnischen Sagen und Lieder mit viel Liebe aufgezeichnet haben.

Diese Edda-Ausgabe enthält neben dem „Codex Regius“ noch einige andere Lieder aus den Island-Sagas (eine sehr altertümliche Form besitzt das „Hunnenschlachtlied“). Jedem der kostbaren Sprachdenkmäler ist ein kleiner Einführungstext vorangestellt. Erwähnt sollte noch werden, dass die Edda neben den Götter- und Heldensagen auch Sittengedichte, Spruchweisheiten und Mitteilungen über die Runen enthält. Hier erfährt man, woher die Runen stammen (reginkunnum – „götterenstammt“) und zu welchen Zwecken sie verwendet wurden. Leider fehlt in der vorliegenden Ausgabe das „Bjarkilied“, welches uns nur in einer lateinischen Umschreibung des dänischen Geschichtsschreibers Saxo Grammaticus erhalten ist. Genzmer rekonstruierte aus dieser Umschreibung ein Stabreimlied. Das „Bjarkilied“ stellt eine Hymne auf die germanische Gefolgschaftstreue dar. Unerfindlich bleibt, warum es in der Gesamtausgabe keinen Platz gefunden hat.

Die Edda-Übersetzung von Felix Genzmer sei allen ans Herz gelegt, die sich nicht als „menschliche Eintagsfliegen“ betrachten, sondern mit Goethe der Meinung sind, dass das Leben dessen nicht lebenswert ist, der „nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben“.

Dunne, Dominick – Zeit des Fegefeuers

|Originaltitel: A Season in Purgatory|

Anfang der Siebzigerjahre lernt der weitgehend mittellose Harrison Burns auf der katholischen Eliteschule Milford den charismatischen Constant Bradley kennen, der einer reichen Unternehmerfamilie entstammt. Zwischen den ungleichen Jungen entsteht eine tiefe Freundschaft und Burns verbringt zunehmend mehr Zeit mit Constant und dessen Familie. Auf deren Landsitz Scarborough lernt er im Laufe der Zeit auch die Schattenseiten und Uneigenheiten des herrischen und skrupellosen Vaters sowie der Schwestern und Brüder von Constant kennen. Gerald Bradley findet als neureicher Emporkömmling trotz aller finanziellen Zuwendungen und Spenden keine Achtung in der alteingesessenen, feinen Ostküsten-Gesellschaft, wozu auch die Gerüchte über seine mehr als zwielichtigen Partner aus New Yorker Mafiakreisen und dubiose Geschäftspraktiken beitragen. Seine Frau Grace setzt alles daran, in der kirchlichen Gesellschaft zu Ehren zu kommen und lebt in einem Dauerzustand religiöser Verblendung, während Gerald seine Söhne mit allen Mitteln in hohe politische Ämter manövrieren will.

Als besonders aussichtsreich gilt der gut aussehende Constant mit seinem einnehmenden Wesen und der Fähigkeit, Menschen zu blenden und zu manipulieren. Aber die dunklen Seiten von Constant sind noch weit bedrohlicher, im Alkoholrausch erschlägt dieser nach einem Tanztreffen der örtlichen Debütantinnen die junge Winnifred Utley, die zwar seiner Einladung zu einem nächtlichen Treffen im Wald gefolgt ist, dann aber seinen sexuellen Wünschen offenbar nicht geneigt war. Der hochmoralische Burns hilft ihm zwar zunächst bei der Beseitigung der Spuren, leidet danach aber unter enormen Gewissensbissen. Gerald Bradley besticht den Jungen mit der Zahlung seines Studiums sowie einem einjährigen Aufenthalt in Europa, worauf sich Burns und Constant dann endgültig aus den Augen verlieren.

17 Jahre später ist Burns ein gefeierter Schriftsteller und Constant auf dem Weg in das amerikanische Repräsentantenhaus. Der alternde Gerald Bradley will Burns, der bereits früher einmal eine Rede für Constant geschrieben hat, zu einem Buch über Familie, Moral und andere Grundwerte überreden, das unter Constants Namen erscheinen und ihm den Weg in die große Politik ebnen soll. Wider besseres Wissen lässt sich Burns zu einem Familientreffen auf dem mittlerweile nach Southampton verlegten Landsitz überreden, bei dem sein lange gehegter Groll gegen seine eigene Mittäterschaft und die Machenschaften der Bradleys endlich ausbricht und sich die Situation dramatisch zuspitzt. Burns teilt sich schließlich den Behörden mit und es kommt zum Prozess gegen Constant, in dessen Verlauf jeder seine ganz persönliche Abrechnung präsentiert bekommt.

„Zeit des Fegefeuers“ ist kein Kriminalroman. Statt um die Aufklärung einer Straftat geht es um Schuld und Sühne, Ehre und Gewissen, moralische Grundwerte des Einzelnen und der Gesellschaft. Dies entwickelt sich langsam und subtil, und über einige Passagen hinweg ist der Unterschied zu einer der typischen, überladenen Familiensagen nicht mehr allzu groß. Die Vielzahl der Personen und deren familiäre Zusammenhänge werden allesamt sehr ausführlich dargestellt, obwohl der Anteil einiger Protagonisten an der eigentlichen Geschichte eher nichtig ist. Bis auf die fast lächerlich anmutende Szene von Burns Kampf mit dem „Hausmafioso“ der Bradleys ist die Geschichte jedoch schlüssig und nachvollziehbar und überzeugt durch eine besondere Atmosphäre und Spannung.

Dominick Dunne schreibt seit 1980 einen Erfolgsroman nach dem anderen, ein Großteil davon wurde verfilmt. Seine Werke gelten zumeist als kritische Beobachtungen der amerikanischen Gesellschaft und werden in den USA zuweilen mit denen Truman Capotes verglichen.

Anthony, Patricia – Gottes Feuer

Um eins gleich mal vorwegzunehmen: Auch wenn „Gottes Feuer“ bei der ‚Science Fiction & Fantasy‘-Reihe von Heyne erschienen ist, so handelt es dabei doch eher um einen historischen Roman, in den die Autorin geschickt einige SF-Elemente einfließen lässt.
Patricia Anthony, 1947 in den USA geboren, schrieb bereits „Kalte Verbündete“ und „Bruder Termite“. Sie ist vielseitig begabt, kann reiten und schießen, unterrichtete Englisch in Brasilien und seit 1991 lehrt sie Kreatives Schreiben an der Southern Methodist University in Dallas, Texas. Dort lebt sie heute auch.

Wenn Außerirdische im 17. Jahrhundert in Portugal abstürzen, stellt sich die Frage, sind es Engel, Dämonen, Menschen aus Borneo oder doch nur seltsame Tiere, die die Spanier per Katapulten ‚rübergeschossen haben?
Pater Manoel Pessoa ist Jesuit und Inquisitor. Im Auftrag des Heiligen Offizium reist er das Jahr über in seinem Gerichtsbezirk umher und hält nach Häresien Ausschau. In dem Dorf Quintas erfährt er bei einer Beichte, dass angeblich Engel mehreren Frauen beiwohnen, wobei ein Mädchen von ihnen sogar geschwängert worden sei. Ein anderes Mädchen berichtet ihm, es hätte die Jungfrau Maria gesehen und von ihr einen Auftrag bekommen, den sie aber niemandem sagen dürfe. Mehrere Bewohner des Dorfes erzählen von leuchtenden Kreuzen am Himmel, die sie nachts beobachtet hätten, und auf einem Feld befindet sich ein Kornkreis – gedeutet als die Spuren des Rades vom Propheten Ezechiel.
Pessoa, der mit einem doch sehr rationalen Verstand ausgestattet ist, hält diese Berichte zunächst für religiöse Wunschträume. Um eine von ihm verhasste Untersuchung und Meldung beim Offizium zu vermeiden und um seine Schäfchen zu retten, beschwört er die Bewohner, von ihren Aussagen abzulassen, ja er fordert sie sogar auf, zu fliehen, um einer Verurteilung zu entkommen.
Doch ein fallender Stern, der „Engel“ auf die Erde bringt, macht seine Bemühungen zunichte. Selbst der Dorfpater und Pessoas Freund Luis Soares sinkt vor den seltsamen Wesen auf die Knie und glaubt an ein Wunder.

Der geistig zurückgebliebene König Afonso, der auf seiner Gegen-Windmühlen-kämpfen-wie-Don-Quijote-Reise den Stern beobachtete, findet in der abgestürzten Kapsel Gott, der mit Farben zu ihm spricht und ihn in seiner, von der Inquisition als ketzerisch angesehenen Meinung bestärkt, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Mit seinem verkümmerten Verstand scheint er der einzige zu sein, der die Wahrheit erkennt, doch sein Bruder Pedro befindet sich schon auf dem Weg zur Thronbesteigung.
Als der Generalinquisitor Monsignor Gomes in Quintas eintrifft, werden Pessoas Hoffnungen vollends zerschlagen. Ohnmächtig muss er mit ansehen, wie die fremden Wesen und die Bewohner des Dorfes ins Gefängnis geworfen werden und ein Tribunal zusammengestellt wird, bei dem er natürlich selbst Mitglied ist. Ein Autodafé (port.: Ketzerverbrennung) wird vorbereitet, und unter den Verurteilten befindet sich die jüdische Kräuterfrau Berenice Pinheiro, die schon einmal gestorben war und dank eines Engels, der sie immer noch besucht, wieder ins Leben zurückkehrte – die Frau, die er liebt.

Patricia Anthony muss auf Kirchenmänner nicht gut zu sprechen sein. Mit bissigem Humor beschreibt sie die Laster ihrer Charaktere: Der eine kann das Essen, der zweite das Huren, der dritte von kleinen Jungs nicht lassen – für den Leser ist es allerdings ein Genuss, diesen Ausschweifungen zu folgen. Ein ständig furzender Generalinquisitor und sich häufig an ungezieme Stellen fassender König geben oft Anlass zum Schmunzeln, und mit prägnanten weiblichen Charakteren wie z.B. der Kräuterfrau wird’s niemals langweilig.
Locker (sehr locker), mit einer teilweisen drastischen Ausdrucksweise und dauerhaftem Augenzwinkern erzählt Anthony, wie das Chaos ausbricht, wenn die Inquisition Außerirdischen gegenübersteht. Ich für meinen Teil habe Hunger nach mehr bekommen, aber ich habe ja auch keine Magenleiden wie Monsignor Gomes.
Fazit: Ein überaus unterhaltsamer Roman, den ich eigentlich jedem empfehlen kann, der an Geschichte oder Science Fiction interessiert ist, oder der einfach mal ein etwas anderes Buch zur Hand nehmen möchte.

Grazyna Fosar & Franz Bludorf – Vernetzte Intelligenz – Die Natur geht online

Ein Wissenschaftlerpaar, das inzwischen schon berechtigte Bestseller-Garantie liefert, versucht sich in „Vernetzte Intelligenz – Die Natur geht online“ erfolgreich und überzeugend an der Formulierung einer äußerst wagemutigen und revolutionären Theorie, die Gravitation, Genetik und Gruppenbewusstsein miteinander verbindet. Dabei wendet sich das Werk in seiner klaren, leicht verständlichen Formulierung an ein breites Publikum, so dass der grenzwissenschaftlich interessierte Laie nicht fürchten muss, von Fachvokabular und schwer zugänglichen Theoriegebäuden erschlagen zu werden.

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Rawn, Melanie – Drachenprinz: Das Gesicht im Feuer

Von wem sich Melanie Rawn für ihre dreibändige „Drachenprinz“-Saga (bei uns wie meistens in sechs Teilen erschienen) inspirieren ließ, liegt auf der Hand: Frank Herberts „Wüstenplanet“ musste herhalten, um eine ähnlich aufgebaute Geschichte ins Fantasy-Genre zu übertragen. Allerdings ist dieses Halbplagiat in meinen Augen ausgezeichnet gelungen und darf als Hommage an den Meister sowie als Geschenk für die Fantasy-Gemeinde verstanden werden. Letztlich stibitzen so viele Autoren bei Tolkien oder Büchern wie „Conan“, die Teil des kulturellen Erbes geworden sind, dass sich die Grenze zu kreativer Eigenleistung kaum noch ziehen lässt. Und Fans von Marion Zimmer Bradley oder Anne McCaffrey dürfen ebenso neugierig aufhorchen wie Leser der „Drachenbeinthron“-Bände oder des Zyklus’ „Das Rad der Zeit“.

Mir liegen die Ausgaben von 1992/93 vor, die bei Goldmann erschienen. Inzwischen ist der Zyklus zur Verlagsgruppe Blanvalet gewechselt und wird dort seit 2000 aufgelegt – leider auch mit neuen Titelbildern (bis auf eines), obwohl mir die alten mehr zusagten (ein absoluter Augenschmaus) und besser auf die Charaktere zugeschnitten waren. Das Original erschien in den USA zwischen 1988 und 1990 und war damals wegweisend für das aufstrebende Genre. Die obigen Daten beziehen sich auf den ersten Band der Reihe in neuer Auflage.

Der junge Wüstenprinz Rohan hat sich nach der Thronbesteigung zum Ziel gesetzt, seinem Land Frieden und Harmonie zu bringen und das Land, insbesondere die letzten Drachen, zu bewahren. Die Lichtläuferin (Lichtmagierin) Sioned steht ihm dabei mit Liebe und Weitsicht zur Seite und alles scheint glücklich zu verlaufen, doch dunkle Wolken ziehen auf: Ein Thronfolgekrieg, Machtränke, Intrigen und finstere Ziele kreuzen ihre hehren Pläne. Es zeigt sich, dass Lichtläufer und Drachen dabei eine zentrale Rolle zu spielen haben und es eine unentdeckte Verbindung zwischen ihnen, dem Land und dem Wüstenreich gibt …

Das romantisch durchwirkte Epos von insgesamt etwa 2.200 Seiten besticht durch emotionale Dichte, eine detailgetreu ausgestaltete Welt, lebendige Charaktere und eine spannende Entwicklung, die von Machtkämpfen und allerlei Verwicklungen voran getragen wird. Ich bin fasziniert und voller Hingabe in die Welt und Erzählung von Melanie Rawn versunken und zähle es zu dem Besten, was der Sektor des Phantastischen an Zyklen hervorgebracht hat, auch wenn sich inzwischen so manch etabliertes Klischee finden lässt.

Jedem Band der mir vorliegenden Ausgaben ist eine Karte der Erzählwelt vorangestellt; ein Glossar mit Personennamen sowie Bezeichnungen spezieller Eigenheiten, Volksgruppen etc. hielte ich angesichts der Dichte der Romanwelt für sinnvoll, kann aber nicht sagen, ob dies in der Neuauflage inzwischen aufgeholt worden ist.

Die Bände im Einzelnen:

• Das Gesicht im Feuer
• Die Braut des Lichts
• Das Band der Sterne
• Der Schatten des Bruders
• Die Flammen des Himmels
• Der Brand der Wüste

Homepage der Autorin: http://www.melanierawn.com/

Daley, Robert – Aufruhr in Harlem

|Originaltitel: Tainted Evidence|

Der amerikanische Autor Robert Daley war lange Zeit Polizist des N.Y.P.D. und hat sich mittlerweile als Verfasser von Dutzenden Polizeiromanen in den USA einen Namen gemacht.

Die Detectives Dan Muldoon und Mike Barone sind im 32. Revier in New York tätig, das sich von der 127. bis zur 157. Straße erstreckt und in dem etwa 100.000 Menschen, vornehmlich Schwarze, leben. Große Erfolge haben beide nicht vorzuweisen, ihr Alltag besteht zumeist aus der Verfolgung von Kleinkriminellen und nächtlichen Streifen durch Harlem.

Als Muldoon von einem Spitzel Hinweise auf das Versteck von Lionel Epps erhält, einem Drogendealer, der in einem anderen Bezirk bereits wegen Mordes vor Gericht stand, organisiert er hastig und ohne entsprechende Kompetenzen ein Überfallkommando. Der Zugriff auf den schwer bewaffneten Epps endet in einem Fiasko, bei dem mehrere Beamte schwer verletzt werden, der Gesuchte jedoch verhaftet werden kann.

Der Fall wird der stellvertretenden Staatsanwältin Karen Henning übertragen, die in kürzester Zeit in üble politische Intrigen und Machenschaften um die Wiederwahl des Bezirksstaatsanwalts verstrickt wird und vor der Entscheidung steht, den Fall auf politisch opportune Weise zu verfolgen oder ihrer beruflichen Ethik zu folgen. Epps wird von dem schillernden Anwalt Justin McCarthy vertreten, der keine Gelegenheit auslässt, mit übelster Polemik und Lügen öffentlich den Rassenhass der weißen Polizisten gegen die schwarzen Ghettobewohner Harlems anzuprangern und diesen dadurch noch zu schüren. Die Entscheidung der Geschworenen führt letztlich zu Krawallen in Harlem.

Der reißerische (deutsche) Titel hält nicht, was er verspricht. Der „Aufruhr in Harlem“ nimmt einen nur geringen Teil des Buchs ein und ist ohne Leidenschaft oder Spannung geschildert. Vielmehr handelt es sich um eine wenig aufsehenerregende Mischung aus Cop- und Justizthriller, die sich zwar angenehm liest und einige interessant geschilderte Einblicke in das schwarze Harlem der frühen Neunzigerjahre bietet, aber in Stil wie Story nur Mittelmaß darstellt. Dazu bedienen die, durchaus lebendig geschilderten Protagonisten aus Polizei- und Politikkreisen jedes nur erdenkliche Klischee.

Soyener, Johannes K. – Mondfeld, Wolfram zu – Meister des siebten Siegels, Der

„Der Meister des siebten Siegels“ ist ein gewaltiges Historien-Epos geworden, das im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts spielt und sich räumlich zwischen deutschsprachigen Landen, Venedig, England und Polen bewegt. Im Zentrum der Handlung steht der Geschützgießer Adam Dreyling, der von seinem Oheim die „sieben Siegel“ der Waffenkunst erlernte und mit seinem Wissen dabei ist, das Interesse der großen Flottennationen auf sich zu ziehen, denn für allerlei Konflikte werden dringend technisch überlegene und zuverlässige Geschützrohre benötigt. Hauptort der Handlung ist England in Krisenzeiten und dabei fällt der Schlacht gegen die spanische Armada 1588 eine ebenso zentrale Bedeutung zu wie Adam Dreyling selbst, ohne den alles ziemlich anders verlaufen sein dürfte. Seine Odyssey durch Europa, von Herrscherhaus zu Herrscherhaus, die dabei auftretenden Intrigen, Gefahren und politischen Plänkeleien sind gar abenteuerlich zu lesen und vor allem außerordentlich authentisch und detailgetreu geraten.

So wird auf den Reisen ausführlich über Einzelheiten von Bergbaukunst, Gießerkunst und Schiffsbau berichtet und ein wahrhaft lebendiges Bild der alten Zeit entworfen. Hierbei kommt Johannes K. Soyener natürlich zugute, dass er auf diesen Gebieten ein Spezialist ist und als deutsche Fachkraft gilt. Nachteilig daran ist, dass technisch und im Detail weniger interessierte Leser auf Dauer etwas überfordert werden, während sie auf den Fortlauf der eigentlichen Handlung warten, die wirklich spannend ist und in ihrer liebevollen Gestaltung jeden historisch Interessierten begeistern wird. Praktisch eine optimale Synthese aus Fachbuch und Abenteuerroman, ohne dass man fürchten muss, ständig Fiktion von Wirklichkeit trennen zu müssen, denn der Wahrheitsgehalt des Romans überwiegt deutlich. Sorge dafür tragen auch die zahlreichen Fachkräfte, die beratend in historischen und technischen Fragen zur Seite standen. Die Sorgfalt lässt sich bereits an der jahrelangen Vorbereitung zu diesem Roman ermessen, die nichts dem Zufall überließ. Da die Handlungsträger männlich sind, es inhaltlich zumeist um technische Themen und Schlachten geht und eine romantische Komponente, die eine Identifizierung mit den Hauptpersonen erleichtert, nahezu ausbleibt, wird dieses opulente Werk von über 1.100 Seiten die weiblichen Leser wohl weniger ansprechen, wie sich aus Leserreaktionen im Netz auch ersehen lässt.
Abwechslung wird aber durch geschickte Zeit-, Perspektiven- und Erzählstilwechsel eingebracht, wobei der größte Teil der Handlung von Adams Tagebucherzählungen bestimmt wird.

Ich für meinen Teil kann nur dazu einladen, in die abenteuerliche Geschichte von Adam Dreyling einzutauchen und dabei Persönlichkeiten wie den Fuggern, Habsburgern oder Tudors, Sir Walter Raleigh, John Hawkins, Sir Francis Drake, Shakespeare, Maria Steward oder Philipp II. in lebendiger Darstellung zu begegnen.

Homepage des Autors: http://www.soyener.de

Allen, Robert – große IQ-Trainingsbuch, Das

Die schicken – und in ihren Erkenntnissen eigentlich überhaupt nicht neuen – Statistiken der PISA-Studien sind vielleicht ihrem Aussagegehalt nach von zweifelhaftem Nutzwert, aber eines zumindest haben sie auf jeden Fall an positiver Entwicklung eingebracht: geradezu einen Massenansturm auf alles, was mit Bildung und Denksport zu tun hat, bevorzugt in Quiz-Form. Wissen.de ist als Europas größtes Bildungsportal natürlich auf dieses Zugpferd mit aufgesprungen und hat das 1995 von Robert Allen und MENSA herausgegebene Werk „MENSA presents the ultimate mental challenge“ unter dem etwas blassen Titel „Das große IQ-Trainingsbuch“ aufgelegt.

Der Originaltitel trifft es dabei besser, denn auf den weit über 300 großformatigen Seiten dieses hart gebundenen Schwergewichtes wird nicht nur mengenmäßig viel geboten, sondern auch qualitativ und dies im Anspruch nicht gerade zurückhaltend gewählt. Damit zeigt sich schon der erste Knackpunkt, der die Güte des Inhaltes in meinen Augen allerdings nicht schmälert, sondern umso interessanter macht: Das Buch ist nur eingeschränkt als Trainingsbuch für Anfänger geeignet, setzt eher bereits einige Erfahrung im Umgang mit derlei Denksportknobeleien voraus und lässt es bereits auf Seite 1 von Level 1 ordentlich knacken. Der Schwierigkeitsgrad ist zwar recht variabel und zudem sinnigerweise in drei Schwierigkeitsebenen aufgeschlüsselt, aber seichte Minirätsel, die man in zehn Sekunden durchschaut hat, wird man hier kaum finden. Um wirklich in diesen Bereich einzusteigen und mit Testaufgaben verschiedenen Typs warm zu werden, eignet sich eher ein in der Erwartung zurückhaltender aufgebautes Buch wie z.B. jenes zum „RTL IQ-Test“ (kein Wunder, dass bei solchen Schmunzelaufgaben nach der Sendung jeder Zweite in Deutschland freudig erregt nackt durch die Straßen tanzte und verkündete, sein IQ läge über 120).

Wie auch immer – da sich hartnäckig das Gerücht hält, selbst Metaller und anderweitig gitarrenbegeistertes Volk könnten zusammenhängende Gedankengänge nachvollziehen, sogar selbst konstruieren und hätten zudem Freude an Hirnakrobatik, soll mich nichts davon abhalten, euch das „IQ-Trainingsbuch“ noch etwas näher vorzustellen.

Die Aufgaben sind ziemlich abwechslungsreich gestaltet und sprechen die verschiedensten Denkbereiche an. Dabei gibt es neben Aufgaben, wie sie auch in Bewerbungs- oder IQ-Tests üblich sind, viele, die sich an Knobelbegeisterte wenden – und in Zeit- und Logikaufwand entsprechend anspruchsvoll gehalten sind und den Wert gegenüber anderen Veröffentlichungen dieser Form anheben. Wie schon erwähnt, werden diese Hauptaufgaben in drei „Levels“ unterteilt, wobei jedem Level ausführliche Lösungen mit Begründung folgen sowie etwas leerer Raum für persönliche Notizen im Buch.
Zwei besondere Passagen sind zwischen den Levels zu finden: Zum einen das Spiel „Gargantua“, zum andren ein Block von Labyrinthen. Bei „Gargantua“ handelt es sich um einen Zentralrechner, der samt seinem Erfinder durch einen elektrischen Schlag außer Kontrolle geraten ist und nun wieder in den Griff bekommen werden soll. Dazu muss man sich durch ein vom Erfinder angelegtes Sicherheitssystem hangeln, das aus komplizierten Denkaufgaben besteht, wobei jede erreichte Lösung zur Gesamtlösung und der nächsten Hürde beiträgt. Dieses knackige Spiel dürfte so manchen Knoten in die Hirnwindungen jener schrauben, die sich daran wagen, den Code zu knacken. Die erwähnten Labyrinthe sind ebenfalls recht abwechslungsreich gestaltet und bieten auch für Erfahrene noch genug Anreiz.
Wer damit immer noch nicht ausgelastet ist, darf sich zusätzlich zum Ende des Buches einem Test zur Allgemeinbildung und einem IQ-Test samt Auswertung widmen – und gleich antesten, ob das Durcharbeiten dieses ausgesprochen empfehlenswerten Wälzers seinem IQ tatsächlich durch Training auf die Sprünge geholfen hat.

Eine einschränkende Bemerkung noch zum Schluss: An einigen wenigen Stellen hat sich der Druckteufel eingeschlichen (bzw. der Lektor gepennt) und beim Testknobeln fiel uns bislang eine durch Druckfehler nicht mehr lösbare Aufgabe auf (was ein vergessenes Haar an einem Strichmännchengesicht so alles ausmachen kann). Etwas mehr Sorgfalt wäre hier geboten gewesen. Ansonsten ist das „IQ-Trainingsbuch“ eine absolut solide Sache geworden, die zu einem sehr fairen Preis ordentlich etwas zu bieten hat und für lange, lange Zeit jede Menge Knobelspaß bereitet.

Lawhead, Stephen – Sohn des Kreuzfahrers, Der (The Celtic Crusades)

1899, Schottland: Ein Mitglied eines religiösen Geheimbundes wird einer Aufgabe unterzogen, in deren Verlauf er die Entstehungsgeschichte des Ordens entdecken kann:

Im Jahre 1096 n. Chr. ruft Papst Urban II. alle Gläubigen auf, ins Heilige Land zu ziehen und Jerusalem vom Joch der Ungläubigen zu befreien.
Ranulf, der Herr zu Hrafnbú in Dyrness auf den Orkney-Inseln, und zwei seiner Söhne folgen dem Ruf.

Der jüngste Sohn Murdo und seine Mutter Niamh bleiben zurück, um das Anwesen in deren Abwesenheit zu verwalten. Während die beiden das Osterfest bei Freunden verbringen, wird Hrafnbú von einem Edelmann besetzt, der danach ebenfalls das Kreuz nimmt und das Anwesen unter den Schutz der Kirche stellt.

Ein Gang zum Abt bringt schnell ans Tageslicht, dass die habgierigen Kirchenmänner die Besetzung der Grundstücke initiiert haben, um so in deren Besitz zu gelangen. Unfähig etwas dagegen zu tun, beschließt Murdo seinem Vater nachzureisen, damit dieser Hrafnbú aus den Klauen der Kirche rettet.

Er findet Platz auf dem Schiff eines Nordmannes, der König Magnus von Norwegen hinterher segelt, um ebenfalls an der Befreiung von Jerusalem teilzunehmen. An Bord befinden sich drei Mönche, und trotz seiner Feindschaft gegenüber Kirchenmännern ist Murdo von ihnen und ihrer Einstellung zum Leben und zu Gott fasziniert. Gespannt lauscht er ihren Erzählungen über ihre Heimat und über das Heilige Licht und den Wahren Weg.

Parallel dazu müssen die Pilger auf ihrem Weg nach Jerusalem verschiedene Hürden nehmen. So verlangt Alexios Komnenos, Kaiser der gesamten Christenheit, von den Edelmännern bei ihrer Ankunft in Konstantinopel ein Treuegelöbnis und die Anerkennung seines Besitzanspruches zurückeroberter Städte.

Überall lauern Hinterhalte der Ungläubigen; Hungersnöte, die Pest und die unerträgliche Hitze begleiten die Pilger auf ihrer dreijährigen Reise. Als Murdo in Jerusalem eintrifft, ist die Stadt bereits befreit – und zerstört. Blutströme ergießen sich durch die Straßen der Stadt und sinnloses, brutales Morden ist der Hauptzeitvertreib der Pilger. In all dem Gewirr begibt sich Murdo auf die Suche nach seinem Vater.

So spannend das Buch auch begann, so sehr musste ich mich zusammennehmen, um es überhaupt zu Ende zu lesen. Immer wieder ein Gähnen unterdrückend quälte ich mich durch die umfangreiche, langatmige Schilderung des Kreuzzugs, während ich mich ständig fragte, ob der Autor zwangsverpflichtet war, 716 Seiten abzuliefern … Auch der ständige Wechsel zwischen den Zeiten (zwischendurch finden wir uns gelegentlich im Jahre 1899 wieder), Schauplätzen und Personen hat nur die Verwirrung des Lesers zur Folge, aber keine zusätzliche Spannung wie es vermutlich beabsichtigt war.

Dem größten Teil der handelnden Personen fehlt es an der nötigen Ausstrahlung, um eine gewisse Neugier auf deren Tun und Lassen entwickeln zu können. Die Beschreibung der Schauplätze ist einfach glanzlos, und überhaupt ist der Schreibstil ermüdend. Seitenlanges Warten auf den Fortgang der Story brachte mich dann endgültig zur traurigen Erkenntnis, dass ich tatsächlich einen Fehlkauf getätigt hatte und bei meiner Wunschliste hätte bleiben sollen. Doch vielleicht können ja eingefleischte Mittelalter-Fans mit besonderer Affinität zu den Kreuzzügen diesem Roman einiges abringen, was mir versagt geblieben ist.

Hinweis: „Der Sohn des Kreuzfahrers“ ist die Taschenbuchausgabe des gebundenen „Das Kreuz und die Lanze“, nicht die Fortsetzung davon! Deren Titel lautet „Der Gast des Kalifen“, und das Buch ist bereits im Handel erhältlich.

Stephen Lawhead wurde 1950 in den USA geboren und studierte Kunst und Englisch am Kearney State College. Er machte seinen Magister in Theologie nach zwei Jahren am Northern Baptist Theological Seminary. Lawhead lebt heute mit seiner Familie in Oxford. Sein erstes Werk „In der Halle des Drachenkönigs“ eröffnete die Drachenkönig-Triologie, gefolgt von vielen weiteren Romanen, wie z. B. der Empyrion-Duologie, der Pentragon-Saga sowie „Das Lied von Albion“ (3 Bände).

http://www.bastei-luebbe.de

Wienecke-Janz, Detlef (Hrsg.) – Lexikon der Zauberwelten

Wissen.de, das größte europäische Netzportal für lexikalisches Wissen und Bildung (zur Bertelsmanngruppe gehörend), hat eine Reihe eigener Bücher herausgebracht, bei denen es sich um Lexika oder Denksport-Bände handelt und die durch ihre Darstellungsform ebenso wie die Webseite gerade für die jüngere Leserschaft sehr reizvoll sind. „Lexikon der Zauberwelten – Gandalf & Co.“ widmet sich dem Bereich der Phantasie und Mythologie in einer modernen, optisch wie inhaltlich sehr ansprechenden Form und bereichert Buchsammlung wie Rundumbildung jedes Liebhabers von Fantasy, Science-Fiction oder Mythen.

Das mit einem einstimmenden Vorwort versehene Lexikon – das erfreulicherweise nicht im üblichen Stichwortjargon anderer Lexika daherkommt, sondern durchweg gut lesbar ist – wagt einen Rundumschlag, der die Bereiche Literatur, Film, Computerspiele, Brettspiele, Rollenspiele, Sagen und Mythologien umfasst und somit breit gefächert zum gezielten Nachschlagen, aber auch neugierigen Stöbern einlädt. Dabei wird teilweise in längeren Ausführungen auch ins Detail gegangen, größtenteils aber ist man dem Grundprinzip eines Lexikons treu geblieben und beschränkt sich auf wesentliche, knappe Darstellungen für einen inhaltlichen Überblick zum Stichwort. Das wirkt zum Teil, wie beispielsweise bei mythologischen Gestalten, etwas oberflächlich und fordert gewiss an einigen Stellen eine etwas gründlichere Erklärung heraus, ist aber im Großen und Ganzen der strukturellen Ausrichtung solch eines Nachschlagewerkes angemessen. Außerdem werden mit dem Schreibstil, zahlreichen Farbbildern, ergänzenden Tabellen (z.B. für Listen der Bände eines Fantasy-Zyklus oder bestimmter wichtiger Autoren) und vielen Essays zu Kernthemen (vor allem die Mythologien der Haupt-Religionen seit der Antike betreffend) einige Besonderheiten geboten, das Gesamtbild aufgelockert und der Inhalt über den lexikalisch notwendigen Rahmen hinaus erweitert.
Einige Fehler im Lektorat sowie inhaltliche Wackligkeiten (beispielsweise im Artikel über Harry Potter) lassen die Notwendigkeit von etwas mehr Sorgfalt in der Darstellung erkennen.
Sehr lobenswert dagegen ist das Bemühen, nicht nur in der Moderne zu verbleiben und sich auf reine Unterhaltungsmedien zu beschränken, sondern die Ursprünge dieser Kunstgattung in der Vergangenheit von Traditionen und Überlieferungen zu beleuchten und Hintergründe darzustellen, auch wenn bei diesem Anspruch mehr Raum angebracht gewesen wäre, da zum einen unklar bleibt, nach welchen Kriterien bestimmte tragende Figuren weggelassen wurden und zum andren die Reduktion auf einige Schlagworte den mythologischen Gestalten und Gottheiten nicht zufrieden stellend gerecht wird.

„Lexikon der Zauberwelten“ ist dennoch – zumal zum ‚Kaufmichpreis’ von zehn Euro – eine unbedingte Empfehlung wert und gehört einfach in die Sammlung eines jeden Fantasy-Fans. Gerade für die derzeit durch „Harry Potter“ oder „Herr der Ringe“ aufkommende Interessewelle an dieser Thematik bietet das Buch den Neu- und Quereinsteigern eine ausgezeichnete Möglichkeit, tiefer in die Mysterien und die Faszination des Phantastischen einzutauchen, den Horizont zu erweitern, Neues zu entdecken (die Bücherwunschliste für Weihnachten dürfte nach dem Schmökern recht erheblich anwachsen) und die Zauberwelten menschlichen Geistes zu bereisen.