C. J. Cherryh – Die Feuer von Azeroth (Morgaine 3)

Morgaine und die Hüter des Waldes

Dies ist der dritte Teil des Morgaine-Zyklus. Als Morgaine und Vanye im friedlichen Land von Azeroth eintreffen, sind ihnen die wilden Horden aus Shiuan auf den Fersen, darauf bedacht, ein neues Land für sich zu erobern und ihren verlorenen Planeten zu rächen. Morgaine trifft auf Menschen und auf qhal-Aliens, die im Wald leben. Es entsteht eine Tolkien-hafte Stimmung, die aber bedroht ist. Zwischen Vanye und dem Alien-Mischling Roh entsteht eine bedeutsame Beziehung.

Der Heyne-Verlag bezeichnete das Buch im Klappentext als „Abschluss der Morgaine-Trilogie“, aber danach folgte noch ein Band mit dem Titel „Exile’s Gate“, der immer noch nicht übersetzt worden it.

Nach Azeroth ist 2018 eine Spiele-Welt benannt worden, nämlich eine Erweiterung von „World of Warcraft“ mit dem Titel „Battle for Azeroth“.

Die Autorin

Caroline Janice Cherryh, geboren 1942 in St. Louis, ist von Haus aus Historikerin und lebt in Oklahoma. Sie erhielt schon 1980 ihren ersten Science Fiction-Preis für ihre umwerfende Novelle „Kassandra“***. 1983 folgte der erste HUGO Award für „Pells Stern“, später ein weiterer für „Cyteen“. Beide Romane gehören zu ihrem Allianz-Union- bzw. PELL-Zyklus, der eine Future History darstellt, wie sie schon von anderen Größen des Science Fiction-Feldes geschaffen wurde, darunter Robert A. Heinlein oder Isaac Asimov.
***: Die Story ist jetzt im Sammelband „The Short Fiction of C.J. Cherryh“ (Januar 2004) zu finden.

Der MORGAINE-Zyklus

Morgaine-Zyklus

1 Gate of Ivrel (1976)
Deutsch: Das Tor von Ivrel. Übersetzt von Thomas Schlück. Heyne SF&F #3629, 1979, ISBN 3-453-30540-X.
2 Well of Shiuan (1978)
Deutsch: Der Quell von Shiuan. Übersetzt von Thomas Schlück. Heyne SF&F #3732, 1980, ISBN 3-453-30635-X.
3 Fires of Azeroth (1979, in: C. J. Cherryh: The Book of Morgaine)
Deutsch: Die Feuer von Azeroth. Übersetzt von Thomas Schlück. Heyne SF&F #3921, 1982, ISBN 3-453-30847-6.
4 Exile’s Gate (1988)
The Book of Morgaine (Sammelausgabe von 1–3; 1979; auch: The Morgaine Saga; auch: The Chronicles of Morgaine, 1987)
The Complete Morgaine (Sammelausgabe von 1–4; 2015)
Gate of Ivrel / Well of Shiuan / Fires of Azeroth
Deutsch: Tore ins Chaos : Der Morgaine-Zyklus. Illustrationen von John Stewart. Die Karte zeichnete Erhard Ringer. Übersetzt von Thomas Schlück. Heyne SF&F #4204, München 1993, ISBN 3-453-31185-X.

Graphic Novel (mit Jane S. Fancher):

1 Gate of Ivrel: Claiming Rites (1987)
2 Gate of Ivrel: Fever Dreams (1987)

Der vierte Band, „Exile’s Gate“, ist noch unübersetzt. Die ersten drei Bände wurden in einem Sammelband zusammengefasst, der in der deutschen Ausgabe „Tore ins Chaos“ betitelt ist (Heyne 06/4204, 1985).

Handlung

Als Morgaine und ihr Diener Vanye durch das Dimensionstor im friedlichen Land von Azeroth eintreffen, sind ihnen die wilden Horden aus Shiuan auf den Fersen, darauf bedacht, ein neues Land für sich zu erobern und ihren verlorenen Planeten zu rächen. Mit ihrem qhal-Dämonenschwert aus Kristall sucht sie nach dem nächsten Dimensionstor, und es zeigt mit seiner Singularitätsspitze nach Süden. Vanye wendet sofort den Blick davon ab, denn er ahnt, dass das Schwert selbst ein Tor ist, aber nicht unbedingt zu anderen Welten…

Gastfreundschaft

Morgaine und Vanye treffen auf Menschen, die die alte Qhalursprache verstehen und sie sofort als eine hohe Lady erkennen, so dass sie ihr und ihrem Diener Obdach und Nahrung gewähren. Sie ahnen nicht, dass ein feindliches Heer sich nähert. Vanye muss an die Wesen denken, die sie unterwegs im Wald gespürt haben, doch er weiß nicht, was diese vielgelenkigen Wesen sind.

Die Aufnahme im Dorf Mirrind ist gastfreundlich , doch nach ein paar Tagen wird einer der jungen krieger tot im Wald gefunden. Morgaine hatte darum gebeten, auf Kundschaft zu gehen. Nun muss sie Erklärungen liefern, die die Sippenältesten des Jungen verlangen. Den Wunden nach zu schließen, wurde er auch gefoltert – jemand wollte Auskünfte. Wenig später erscheinen drei qhal-Männer ihrer eigenen Rasse im Dorf und tadeln Morgaine dafür, dass sie etwas getan hat, was ihr nicht zustand: Andere für ihre Zwecke einzuspannen. Mirrind steht unter dem Schutz dieser qhal, ebenso wie der ganze Shatan-Wald, der an die Azeroth-Ebene grenzt, wo sich das Tor erhebt.

Invasion

Sie müssen Mirrind verlassen, und ihr Weg führt sie am Waldrand nach Norden, bis ein weiterer qhal sie stoppt und sie als Führer zu einer Zeltstadt im Wald geleitet. Er nennt sich Lellin, und der Älteste dieser verborgenen qhal-Stadt ist sein Großvater Merir. Auch er verlangt Antworten, und jetzt endlich rückt Morgaine mit der Sprache heraus. Dass nämlich aus der Welt Shiuan eine große Horde von Kriegern und ihren Sippen nach Azeroth gekommen sei, die von zwei Mischlingen namens Chya Roh und Heruth angeführt werden. Chya Roh sei ein Formwechsler, dessen Seele von einem Wirtskörper zum nächsten wechsle. Der jetzige Wirtskörper sei ein Cousin von Vanye. Zweifellos wolle diese Horde entweder Azeroth erobern – denn Shiuan ist unter den Wellen versunken – oder durch das Tor ins Nichts gehen. Azeroth scheint das letzte bzw. das erste Tor zu sein.

Merir bestätigt dies. Er warnt Morgaine, dass Rohs Horde keinesfalls die nördlichen Steppen jenseits des Shathan-Waldes erreichen dürfe, denn dort könne sie sich mit den ansässigen Reitervölkern verbünden. Daraufhin wäre sie unbesiegbar. Der Wald muss also gehalten werden, und um dies auszukundschaften, gibt er ihr seinen Enkel lellin mit. Weil sich die qual so selten fortpflanzen, bittet Merir Vanye und Morgaine um Schutz für Lellin, den ihm Vanye verspricht. Als Morgaine zum Zugang zur Kontrollstation des Tores, die sich in Nehmin befindet, bittet, zögert Merir. Soll er ihr wirklich so viel Macht über ganz Azeroth überlassen? Sich dieses Privilegs bewusst, bedankt sie sich für sein Vertrauen.

Fremde Wesen

Geführt von Lellin und Sezar, einem Menschen, gelangen sie zum Dorf Carrhend, wo sie Flüchtlinge aus Mirrind wiedersehen. Gefahr liegt in der Luft, doch sie können wenigstens eine Nacht durchschlafen. Am nächsten Tag stoßen sie an einer Furt auf jenes Waldwesen, das sie schon einmal gespürt haben. Lellin nennt es ein „haril“ und spricht seine Zeichensprache. Es führt sie zu seinen Artgenossen, die schon einmal gegen Menschen kämpfen mussten. Auf einer Lichtung liegen zahlreiche tote Eindringlinge aus der Horde. Lellin kann die „harilin“ überzeugen, dass der Mensch Vanye nicht ihr Feind sei. Dennoch müssen sie rasch weiterreiten.

Gefangen

Als sie an die Furt des Stromes Narn gelangen, auf dessen jenseitigem Ufer Nehmin liegt, werden sie beschossen. Verletzt kann Morgaine mit Lellin und Sezar entkommen, doch die berittenen Verfolger erwischen Vanye, als dessen Stute erschöpft auf ihn kippt. Es sind Myya, und sie wollen sich dafür rächen, dass er viele von ihren Verwandten in Kursh getötet hat. Doch sie dürfen ihn nicht lange foltern, denn ein qhal-Lord beschlagnahmt den Gefangenen, der Bescheid weiß: Vanye ist Morgaines Begleiter und kennt viele ihrer Geheimnisse. Der qhal Shien glaubt, er könne anhand dieser geheimnisse in der Horde, die Heruth befehligt, an Macht gewinnen. Doch Vanye traut ihm nicht, und deshalb bleibt Shien nichts anderes übrig, als Vanye zu Heruth, dem menschlichen Halbling, zu bringen.

Der Seelenwanderer

Hetharu feiert gerade eine Gelage in seinem Häuptlingszelt, als Shien Vanye ins Zelt stößt. Schon die erste Frage nach Roh ändert die Lage dramatisch. Dies sind Geheimnisse, und das sollen sie auch bleiben. Vanye wird unter Drogen gesetzt und verhört. Hetharu ahnt bereits, wohin Morgaine will, doch von wem hat sie Hilfe erhalten? Vanye erwähnt nur Lellin, dann erscheint auch Chya Roh im Zelt. Er scheint über mehr Macht als Hetharu zur verfügen, denn er darf sich Vanye schnappen und ihn in seinem eigenen Zeit gesundpflegen. Auch Roh, der qhal-Halbling, will Vanyes Geheimnisse erfahren. Doch er ist auch der qhal-Zauberer Liell, und den fürchtet Vanye: Wird er seine, Vanyes Körper, übernehmen? Doch Roh begnügt sich mit seinem Ehrendolch, den Vanye ihm abgenommen hatte, pflegt Vanyes Wunden und bittet ihn, ihm den Rücken zu decken. Gegen wen? Gegen Hetharu und seine qhal natürlich, aber auch gegen die heimtückischen Hiua unter Fwar. Widerwillig gibt Vanye sein Wort. Als Fwar und seine Krieger auftauchen, nimmt Roh Vanye in Schutz.

Doch die unmittelbare Nähe des gewaltigen Dimensionstors schürt unter allen Lagernden Wahnsinn und Misstrauen. Hetharu wittert Verrat und will Vanye gefangennehmen, doch der ist gerade mit Roh dabei, heimlich aufzubrechen, um Morgaine zu suchen. Fwars Leute warnen Roh rechtzeitig. In wilder Flucht reitet Roh mit Vanye und Fwars Rotte durch das Lager der Menschen, verfolgt von Hetharus Kriegern. Über die Steppe führt sie der Weg an den Rand des Shathan-Waldes. In dessen düsteren Schatten lauert der Tod…

Mein Eindruck

Über die Begegnung mit Merir und seinen qhal-Gefolgsleuten führt Vanyes und Rohs beschwerlicher Weg wieder zurück zu Morgaine und ihren Beschützern (nicht, dass sie mit ihrem Schwert Schutz nötig gehabt hätte). Das nächste Ziel, von dem Morgaine die Beschützer des Shathan-Waldes überzeugen kann, ist die Erstürmung der Burgruine Nehmin, denn diese kontrolliere angeblich das Tor von Azeroth. Bei diesem Unterfangen müssen sich sämtliche Waldbewohner plus Morgaine und Vanye gegen die Horden von hetharu und Shiuan zur Wehr setzen. Es ist eine großartige, in mehreren Etappen geschilderte Schlacht, die sich über 50 bis 60 Seiten erstreckt. Insofern lohnt sich die Lektüre für den Action-Fan – nach langem Warten.

Die Figuren: Männer

Die Autorin erschafft männliche Charaktere, die keineswegs vollkommen sind. Ihre Männer sind freundlich, fähig zu großer Tapferkeit, zu Ehre, tiefen Gefühlen, Zärtlichkeit und Selbstbetrachtung. So zeigt es Vanye, der Bastard, für seine Herrin, aber auch gegenüber seinem gefährlichen Cousin, dem Doppelwesen Roh. Die Autorin ist in der Lage, Spannung zwischen Männern, die einander respektieren, zu erzeugen, ohne dass dies sexuelle Konnotationen hat oder ein Wirtshausstreit ist. Solche Männer unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den Helden männlicher Fantasy-Schriftsteller, mit einer einzigen Ausnahme: Michael Moorcocks negativer Held Elric von Melniboné. Er hat ebenfalls ein tiefes und kompliziertes Innenleben.

Die qhal-Männer

Es gibt zwei Arten von qhal-Männern. Auf der einen Seite stehen machtgierige Hauptleute wie Hetharu und Shien, die versuchen, die Oberhand über die Menschen aus Shiuan zu behalten. Sie greifen Morgaine an, um ihre Superwaffe in die Hände zu bekommen. Auf der anderen stehen die einheimischen qhal-Männer (und -Frauen), die mithilfe ihrer Macht über 1500 Jahre hinweg für Frieden im Shathan-Wald gesorgt haben. Merir gehört zu ihren ältesten Meistern, und diese wiederum bilden eine Art Senat. Weil jeder Meister über einen Stein der Macht verfügt, können sie, denken sie, Morgaine Paroli bieten und sie zwingen, ihnen die das Schwert der Macht zu übergeben. Dieser Konflikt wird jedoch von Morgaine auf andere Weise beigelegt, als sie erwartet haben.

Morgaine

Morgaine hingegen ist eine Figur, die alle Menschen um sie herum, insbesondere Vanye, sowohl mit Furcht als auch mit verehrungsvoller Liebe erfüllt. Dabei ist sie im Grunde eine tragische Gestalt. Als Vernichterin und Retterin spielt sie eine Doppelrolle, die sie manchmal zu zerreißen droht. Und da die Dimensionstore für so manche Welt sehr wichtig sind, zuweilen göttlich verehrt werden, zerstört sie mitunter die Grundlage einer Religion bzw. einer Kultur.

Zugleich hat Morgaine ein existentielles Problem: Jeder Tor-Durchgang wirft sie in eine andere Zeit, eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Immerhin sind alle – erzählten – Welten auf einer mittelalterlichen Stufe, so dass sie mit ihren Waffen aus der Zukunft immer die Überlegene bleibt. Dies nutzt sie selten aus, denn sie ist auf die Hilfe von Führern und Beschützern wie Vanye angewiesen. Auch sie muss ja einmal schlafen. Auch wenn sie aus der Zukunft kommt, so trägt sie doch keinen Superduper-Raumanzug, der sie schier unsterblich und unverwundbar macht. Sie besitzt zwar zwei Superwaffen – das Schwert und eine Laserpistole –, doch sie hat ihre menschlichen Momente, und wenn sie es zulässt, ertappt Vanye sie dabei, wie sie weint. In „Azeroth“ kommt es sogar zu einem Kuss aus Zuneigung. Und – o Wunder – sie gesteht ihm, dass auch sie „nur“ ein Bastard ist.

Das alte Muster

Mit ihren männlichen und weiblichen Heldengestalten liest sich die vierteilige Morgaine-Serie wie eine Kombination aus Joseph Campbells Mythologie-Studie „Der Held mit den tausend Gesichtern“ und C.G. Jungs Psychologie mit ihren Archetypen. Der Stil der jungen Cherryh erinnert in „Das Tor von Ivrel“ noch ein wenig an das Beste von Tolkien, aber schon in den nächsten Büchern sollte Cherryh ihren eigenen unverwechselbaren Stil entwickeln, den der sehr engen persönlichen Perspektive (sie schreibt seit ihrem zehnten Lebensjahr!).

Humor und Psychologie

Obwohl die Spannung zwischen den Romanfiguren manchmal unerträglich ist, ist der Stil doch stellenweise auch zu einem sehr trockenen Humor fähig. Das habe ich schon immer an ihrem Stil bewundert. Doch für den unvorbereiteten Leser ist die Spannung, die sie gerne erzeugt, manchmal schier unerträglich hoch, und wenn ihre Figuren ständig mit ethischen Begriffen wie Ehre, Treue, Bindung, Verrat und Täuschung zu ringen haben, so mag dies dem einen oder anderen ebenfalls zuviel werden.

Diesmal steht der Konflikt zwischen Vanye, Morgaines Gefolgsmann, und seinem Cousin Roh im Mittelpunkt der psychologischen Handlung. Kann Vanye seinem Cousin trauen, wenn der doch von dem qhal-Zauberer Liell besessen ist? In mehreren Schritten muss sich zuerst Vanye mit Roh anfreunden, dann verbürgt er sich Morgaine gegenüber für Roh. In der finalen Schlacht muss Roh seine Loyalität und Vertrauenswürdigkeit unter Beweis stellen.

Die Illustrationen

Die Illustrationen stammen wie schon in den Vorgängerbänden von John Stewart. Sie zeigen Burgen, schräge Waldwesen wie die Haralim, aber auch die elfenartigen Wald-qhal, die über Azeroth wachen. Für das völlig unpassende Titelbild kann Stewart nichts.

Die Übersetzung

… von Thomas Schlück ist weitgehend in Ordnung. Doch muss sich der heutige Leser mit seiner eigenartigen Verwendung des Wörtchens „da“ anfreunden. „Da“ kann im Deutschen alles Mögliche bedeuten, sogar einen Kausalzusammenhang ausdrücken. Hier setzt Schlück es aber auch relativisch ein, so etwa in der Konstruktion: „der Ort, da ein Tor offenstand“. Wir würden heute sagen: „der Ort, wo ein Tor offenstand“. Das ist recht gewöhnungsbedürftig und kann den unvorbereiteten Leser verwirren.

Ebenso fragwürdig und gewöhnungsbedürftig ist seine übermäßige Verwendung des Partizips Perfekts Aktiv (PPA) als direkte Entsprechung des englischen Gerundiums „-ing“. Er treibt diese Eins-zu-eins-Entsprechung bis an die Grenze der Verständlichkeit. An dieser grenze hat der leser dann Mühe, überhaupt einen Sinn aus dem malträtierten Satz zu gewinnen. Ein krasses Beispiel findet sich auf S. 231:

„Er [Vanye] hatte sie für eine Lügnerin gehalten, er hatte sie in dieser Überzeugung angeklagt, mit großer Gewissheit glaubend, dass er eine solche Lüge nun abtun und verzeihen konnte, sie verstehend.“

S. 58: „ghal“ statt „qhal“.

S. 66: „hate“ statt „hatte“.

S. 146: „ein Versprechen, das du aus freiwilligen Stücken gibst…“. Der korrekte Ausdruck lautet jedoch „aus freien Stücken“. „freiwillig“ ist also doppelt gemoppelt.

S. 153: „Die khal werden da in einen aufgescheuchten Bienenhaufen geraten.“ Es gibt keine Bienenhaufen, sondern nur Bienenstöcke oder Bienenschwärme. Wahrscheinlich ist letzteres gemeint.

S. 215: „sie verehrten die Macht der Feuer, das Merir in der nackten Hand hielt.“ Korrekt muss es „die Macht des Feuers“ heißen. Gemeint ist konkret ein Stein der Macht gemeint.

S. 226: „abgezeilt“ statt „abgeteilt“.

S. 230: „Abe[r] wie kann ich das weiter glauben?“ Das R fehlt.

S. 291: „“Ich möchte wissen, wo du bist“ hatte sie zu Roh gesagt.“ Aber gemeint ist kein Ort – denn der ist bekannt – sondern eine Haltung des Geistes und die Identität. Denn Roh ist sowohl Mensch als auch der Zauberer Liell. Im Englischen kann man umgangssprachlich sagen: „I don’t know where you are“ in dem Sinne: „Ich möchte wissen, woran ich mit dir bin.“ Der Übersetzer hat das Original eins zu eins übernommen und damit Schiffbruch erlitten.

Gekürzt?

Immer wieder hat sich mir der Eindruck aufgedrängt, dass wichtige Teile des Textes gestrichen worden sind, um das Limit von 300 Seiten nicht zu überschreiten. Manche Nebenfiguren sind bis auf ein Minimum reduziert, so etwa eine junge qhal-Frau, die sich für Morgaine aufopfert.

Diese Kürzungspraxis war bei Heyne seit den siebziger Jahren Usus, sehr zum Leidwesen der Leser. Alle Gor-Romane, die Thomas Schlück übersetzte, sind gekürzt, manchmal um bis zu 50 Prozent. Ich traue ihm durchaus zu, dass auch der vorliegende Roman stark gekürzt worden ist, so dass nur das zentrale Gerüst der Handlung übriggeblieben ist. Es ließ mich dementsprechend unzufrieden zurück.

Unterm Strich

Der Morgaine-Zyklus eignet sich sowohl für Fantasy- als auch Science Fiction-Leser. Der Hintergrund ist der SF entliehen, die Handlung spielt meist in einer Kultur, die auf eine mittelalterliche Stufe herabgesunken ist und somit Fantasy-Ansprüchen genügt. Ein weiteres wichtiges Fantasy-Element ist natürlich Morgaine selbst: Als Maid in Rüstung und mit einem Zauberschwert ausgestattet, mutet sie wie die perverse Darstellung einer Jeanne d’Arc an. Die Kunst der Autorin besteht nun darin, ihr menschliche, ja sogar weibliche Züge zu verleihen.

Allerdings besteht Morgaines „Zauber“ lediglich in Waffen, die aus der Zukunft kommen: ein Schwert, das jeden, der in seinen Bannkreis gerät, ins Nichts schleudert, und eine Laserpistole. Für Morgaine wird jedoch die wachsende Bedeutung ihrer Beziehung zu ihrem Lehnsmann Vanye sehr wichtig, und der Leser verfolgt diese Entwicklung gespannt mit. In diesem Band müssen beide mit dem qhal-Bastard Roh und dessen Seelenwanderer Liell zurechtkommen. Wie wertvoll ist Roh für die kommende Schlacht wirklich? Und warum kann er die Runen auf Morgaines Zauberschwert lesen?

Wer also Action, Drama und tiefe Emotionen sucht, wird hier fündig werden. Dabei wird der Leser von der Autorin stets mit harten moralischen Konflikten konfrontiert – genau wie Vanye, aus dessen Blickwinkel wir alle Geschehnisse und Überlegungen wir erleben. Das Schwergewicht liegt auf den Kulturen, nicht auf Wissenschaft oder gar Magie – letztere wird lediglich von den Kulturen als Erklärungsrahmen für die mysteriösen Tore gebraucht.

Die Hüter des Waldes

Die interessanteste Erfindung dieses dritten, vorletzten Bandes sind für mich die Hüter des Waldes von Shathan. Da sind einerseits die wilden haralim, andererseits ihre an Tolkiens Elben erinnernden qhal-Verbündeten wie der uralte Merir. Sie verfügen jeweils über einen Stein der macht, so wie Galadriel, Elrond und Cirdan von Celebrimbor im zweiten Zeitalter drei Ringe der Macht schmieden ließen. Und weil sie diese nicht von Sauron, dem Täuscher, erhielten, waren sie der Macht seines Einen Rings nie unterworfen. (Cirdan vertraute seinen Ring des Feuers Gandalf an, was vieles erklärt.) Doch nun tun sich die Hüter des Waldes zusammen, um Morgaine ihr Schwert abzutrotzen. Wird ihnen das gelingen? Ist das überhaupt eine gute Idee?

Mein Eindruck

Die Übersetzung

Unterm Strich

Taschenbuch: 301 Seiten
Originaltitel: The Fires of Azeroth, 1979
Aus dem Englischen von Thomas Schlück.
ISBN-13: 9783453308473

www.heyne.de

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