Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Asher, Neal – Skinner – Der blaue Tod

In der Zukunft – auf dem Wasserplaneten Spatterjay: Das Leben ist hart, teuer und gefährlich. Die Bewohner verdienen ihr Geld mit dem Fang merkwürdiger Meeresbewohner, die alle sehr tödlich sind. Die Fauna hat sich vollständig dem Lebenszyklus angepasst – und so kann man gefressen werden und trotzdem überleben. Das hat auch Auswirkungen auf die Menschen, die hier leben. Sie sind unsterblich, flicken sich bei schweren Verletzungen einfach zusammen und müssen massiv verletzt werden, um überhaupt ausgeschaltet zu werden. Der Preis: Der Körper eines Unsterblichen mutiert, falls man nicht höllisch aufpasst.

Dieser merkwürdige Planet ist Ziel dreier Personen. Janer, Erlin und Keech. Obwohl sie alle verschiedene Motivationen vorantreiben, haben sie ein gemeinsames Ziel: den Skinner. Ehemals Sklaventreiber, Mörder und an einem Stück. Scheinbar war er tot, doch nun ist er wohl zurück – oder nicht?

Anlässlich von Filmen wie „Fluch der Karibik“ und „Master and Commander“ erfreuen sich Piratenstücke derzeit großer Beliebtheit. Wie passend, dass es sich bei „Skinner – Der blaue Tod“ um ein Piratenstück handelt. Zwar ist es in der Zukunft und auf einem fremden Planeten angesiedelt, aber dennoch spannend zu lesen und voller Überraschungen.

Moderne Technologie ist für Spatterjay kaum erschwinglich und so fahren hölzerne Kutter über das Meer. An Bord die unsterblichen Einheimischen, ausgestattet mit einem großen Waffenarsenal. Damit erwehren sie sich der bedrohlichen Tierwelt. Fortwährend gibt es kleine Einschübe des Autoren, die sich mit genau dieser Tierwelt beschäftigen und den Kreislauf des „Fressen und Gefressen werden“ behandeln. Recht anschaulich und faszinierend geschrieben. Neal Asher zeigt hier sein kreatives Talent und entwickelt eine einzigartige Umgebung für seine Geschichte.

In dieser Umgebung agieren dann künstliche Intelligenzen, semiintelligente Segel, Drohnen, Schnecken, die sich Menschen als Nahrungsmittel halten, ein seit siebenhundert Jahren toter Keech und andere Wesen.

Das Protagonisten-Trio ist Asher besonders gut gelungen. Am normalsten erscheint vielleicht Erlin. Die jugendliche Wissenschaftlerin hat bereits einige Jahrhunderte auf dem Buckel und entpuppt sich als knallharter Brocken. Auch Janer erscheint Anfangs normal, allerdings gehörte er zu einem Schwarmbewusstsein. Die Hornissen stellten sich im Laufe der Geschichte als intelligent heraus und wurden ziemlich mächtig. Durch Janer versuchen sie ihre Macht nun zu stärken. Am auffälligsten scheint jedoch Keech. Er ist seit Jahrhunderten ein wandelnder Leichnam, wird durch Elektronik eines Kults am Leben gehalten und von Rachegelüsten geleitet. Damit ergibt sich eine Sammlung verschiedener Charaktere, die alle gut zusammenpassen und miteinander harmonieren.

Das Charakterspiel der Hauptcharaktere, ihre Entwicklung und ihre Motivation, reizen den Leser, zwingen ihn zum Weiterlesen. Man wird vom Schicksal der Personen berührt, nimmt Anteil an ihrem Leben. Neal Ashers Roman ist im sozialen Bereich erstklassig geschrieben und auch die Übersetzung von Thomas Schichtel steht dem in nichts nach.

„Skinner – Der blaue Tod“ ist ein spannender Roman, flüssig zu lesen und gut aufgebaut. Zwar wechseln häufig Schauplätze, Personen und auch mal die Zeit, aber man behält stets den Überblick. Eine gelungene Piratengeschichte, tolles Seemansgarn und faszinierende Science-Fiction.

_Günther Lietz_ © 2004
mit freundlicher Unterstützung von [Buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de/

Robin Hobb – Der Ring der Händler (Die Zauberschiffe 1)

Schon einmal im Hafen mit der Galionsfigur eines Handelsschiffes gesprochen? Schlimmer noch, hat sie sich bewegt und geantwortet? Wird es Zeit, geistigen Getränken völlig zu entsagen?

Keine Panik, alles ganz normal. Zumindest in Bingtown.

Solche Dinge, die man gewöhnlicherweise als unter Alkoholeinfluss enstandenes Seemannsgarn abtun würde, sind dort Realität: Die aus Hexenholz gebauten Lebensschiffe der alteingesessenen Händlersippen sind im wahrsten Sinne des Wortes lebendig. Sie haben ihren eigenen Charakter, können sprechen und sich bewegen – sobald sie erwacht sind. Mindestens drei Angehörige einer Familie müssen auf den Planken eines Hexenholz-Schiffes versterben, um es mit Leben zu erfüllen. Hexenholzschiffe sind schneller, widerstandsfähiger und in nahezu jeder Beziehung gewöhnlichen Schiffen überlegen – welches normale Schiff könnte selbständig einer Sandbank ausweichen, wenn der Steuermann unachtsam ist?

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Engmann, Charlotte – Myranor – Den Göttern versprochen

„Myranor“ ist der neueste Ableger des Rollenspiele-Klassikers DAS SCHWARZE AUGE: ein weiterer Fantasy-Kontinent, in dem es vor Völkern, Abenteuern und Magie wimmelt, und Charlotte Engniann hat in ihrem Roman einerseits das Vergnügen, andererseits aber auch die nicht sonderlich beneidenswerte Aufgabe, die Grundlagen vorzustellen. Sehr viel Verantwortung also, die auf ihren Schultern lastete, eigentlich konnte es nur schief gehen, sollte man meinen.

Um es vorweg zu nehmen: Das Gegenteil ist der Fall!

Erzählt wird die Geschichte von Lycadia, deren Vergangenheit im Dunkeln liegt. Sie wächst bei Dha’veru, einer Heilzauberin auf, die ihre Ziehtochter in die Künste des Heilens einweist. Doch Lycadia hat eine ganz besondere Beziehung zur Magie: Sobald sie einen Patienten berührt, erkennt sie, wodurch er seine Verletzungen erlitten hat, sei es durch einen Schwertstreich bei einem verbotenen Gladiatorenkampf oder durch die Berührung eines Albschmeichlers, der niedlich aussieht, jedoch über ein hochwirksames Kontaktgift verfügt. Plötzlich erleidet Lycadia die Vision eines schrecklichen Wesens, das sie zutiefst erschüttert. Ein Wesen, das sich als Erijschu herausstellt, einst ein legendäres Tiefseewesen, heute nur noch ein Kinderschreck aus Märchen.

Regiert werden das Imperium und der Moloch Stadt von den Optimaten, einigen Familien, in denen die Magie besonders stark wirkt; sie zeichnen sich durch ihr drittes Auge auf der Stirn aus. Die Metropolitin aus einer der Familien herrscht mit religiös-diktatorischen Befugnissen.

Zusammen mit einigen Freunden und deren Freunden versucht Lycadia die Herkunft ihrer Vision zu ergründen und stellt dabei fest: Sie ist eng mit ihrer eigenen verknüpft. Zur Seite stehen ihr unter anderem Valorian, ein desertierter Myrmidone (Soldat), der einen Shingwa (Chamäleonid) aus den Händen seiner Truppe befreit hatte. Dann RaoRi, Lycadias katzenhafte Freundin vom Volk der Amaunir; sie ist Schamanin, Geistwesen können sich in ihr manifestierten. Rishuran hingegen ist Dha-verus dunkelhäutiger, väterlicher Freund und Leibwächter eines Optimatenhauses, sowie Shiniope, eine Kriegerin, und Groarhach, ein junger Löwe-Mensch-Hybrid vom Stamin der Leonir.

Mehr und mehr versinken Lycania und ihre Gefährten in einem Netz aus Lügen und Intrigen, und bei verlustreichen Ermittlungen stellt die junge Heilerin fest: Ihr Leben ist viel enger mit den Optimaten, Erijschu und nicht zuletzt auch einem verbotenen, archaischen Blutkult verknüpft, als sie anfangs annahm: Sie wurde nur geboren, um der Göttin des kalten Lichts, Madharya, geopfert zu werden, wurde als Baby jedoch in letzter Sekunde gerettet. Jetzt fordert Madharya ihr Recht…

Charlotte Engmanns Myranor-Debütroman besticht durch eine babylonisch zu nennende Völkervielfalt. Besonders Hybrid-Rassen aus Menschen und verschiedenen Tierarten herrschen vor, andererseits gibt es aber auch beispielsweise die vierarmigen, nachtaktiven Neristu und die Loualil, Meereswesen, die mit nichts zu vergleichen sind. Sehr farbenprächtig und facettenreich geschildert, dekoriert mit einigen amüsanten Details (z.B. werden kleine Hunde zwecks Nahrung gezüchtet, und es gibt – man höre und staune! – sogar eine Schwulen-Bar).

Dabei legt die Autorin einen ausgesprochen flüssigen Erzählstil zutage, der routiniert wirkt und sich dennoch extrem positiv von dem mancher Akkordschreiber unterscheidet. „Holperer“ beim Lesen habe ich beim besten Willen nicht finden können, was für sehr viel Sorgfalt spricht. Eine Investition, die sich gelohnt hat.

Einziger Kritikpunkt: Zu Beginn des Romans wirken die zahlreichen verschiedenen Völker und Protagonisten ein wenig verwirrend, man braucht einige Seiten, um sich einzulesen. Nicht jedem Volk wird der Platz zugestanden, den es eigentlich bräuchte, um Profil zu gewinnen. Doch dies ist entschuldbar und wohl eines der zwangsläufig auftretenden Probleme, wenn eine Welt „eingeführt“ wird, auf der spätere Romane basieren sollen. Dennoch: Diese Aufgabe wurde hervorragend gemeistert. Denn hat man sich erst eingelesen, springt der sogenannte „magische Funke“ mühelos über, sofort versinkt man in dem faszinierenden Ambiente. Und da die Handlung ausgesprochen spannend ist, möchte man das Buch am liebsten gar nicht aus der Hand legen.

Einige Rezensenten sollen behauptet haben, einen Schwarze-Auge-Roman könne im Prinzip ja jeder schreiben… Nun, bei einigen Werken der Reihe mag das möglicherweise zutreffen, nicht jedoch bei „Den Göttern versprochen“.

Ein mehr als empfehlenswerter Roman, nicht nur für eingefleischte Rollenspiel- und Fantasy-Fans!

_Markus Kastenholz_ © 2004
mit freundlicher Unterstützung von [Buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de/

Hohlbein, Wolfgang – u.a. – Vermächtnis der Feuervögel, Das

Einen Hohlbein kann man eigentlich (fast) immer lesen, ohne enttäuscht zu werden; und einige Bücher sind richtig spannend („Drachenfeuer“ oder „Spiegelzeit“ z.B.). Nicht dass wir besonders raffinierte oder gar innovative Genre-Stückchen vor uns hätten, aber der „deutsche Stephen King“ kann routiniert und flüssig schreiben, so wie halt King oder Koontz auch. Seine schlechtesten Bücher sind nicht schlechter als deren schlechteste Bücher, seine besten können manchmal gar (fast) mithalten und toppen die Durchschnittsware der Amerikaner, auch die gehobene. Wenn ich für diesen Band dennoch keinen Tipp ausspreche, so hat das drei Gründe, der erste ist bereits genannt: Routine, Handwerk, vom Hocker reißt nichts wirklich, vieles ist vorhersehbar. Der zweite und dritte haben zu tun mit der Verlagspolitik (kaum vorstellbar allerdings, dass Hohlbein keinen Einfluss darauf hat, er ist immerhin Hohlbein).

Hier wird nämlich – zweiter Grund – Irreführung betrieben. Das beginnt beim Untertitel „Fantasy-Stories“; davon enthält der Band eigentlich nur eine waschechte. Der Rest entstammt SF, Horror und dem, was man mitunter „Phantastik“ nennt (weil es weder Horror noch SF usw. ist). Ausschließlich auf Fantasy fixierte Leser (die gibt es!) dürften hier also weitgehend enttäuscht werden. Doch die Täuschung geht noch weiter; man ist gut beraten, sich vor Kauf das Inhaltsverzeichnis anzusehen: Drei der Geschichten, ein knappes Drittel des Textes, stammen gar nicht von Hohlbein, er hat nur die Vorworte geschrieben – und dann ist es vermessen zu titeln „Wohlgang Hohlbein und andere“, „Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler“ etc.

Dritter Grund: Piper recycelt kräftig. Ja, Hohlbein soll künftig stärker in den Verlag eingebunden werden – mindestens mit einer neuen Staffel ENWOR-Romane, die ab 2004 erscheinen wird. Und es ist nur verständlich, dass man möglichst viele Bücher eines unbestrittenen Erfolgsautors herausbringen will. Doch der potenzielle Käufer sollte seine WH-Sammlung durchsehen – falls diese Hohlbeins Fantasy-Selections der Jahre 1999 bis 2001 enthält (erschienen bei Weitbrecht Verlag in K. Thienemanns Verlag), dann besitzt er knapp 180 der 270 Seiten schon. Und von den restlichen 90 Seiten stammen nur 25 von Hohlbein. Anders gesagt: Der Band enthält nur eine (!) bisher nicht veröffentlichte Geschichte des Meisters … und diese, „Das Relief“, ist eine zugegeben schnell und sicher erzählte Horrorstory, aber nichts wirklich Neues. Harvard-Studenten suchen sich für einen Schabernack einen Friedhof aus, aber am Ende sind nicht die anvisierten Kommilitonen die Leidtragenden. Durchschnitt – lieber wieder einmal „Pickman’s Modell“ von Lovecraft lesen (dessen Grundidee hier variiert wird, doch auf nicht unbedingt überzeugende Art und Weise).

Alles Wesentliche zum Band wäre hiermit eigentlich gesagt; für Neugierigere folgt nun die Besprechung der Einzeltexte im Schnelldurchlauf:

„Das Vermächtnis der Feuervögel“, die Titel- und längste Geschichte, bringt einen Drehbuchautor, dessen Agenten und ihre beiden Freundinnen in das übliche alte, fast ruinierte Herrenhaus, dessen letzter Besitzer ein Vogelnarr war. Er vermachte die Immobilie denn auch seinen gefiederten Freunden, und man darf weder das Haus renovieren, noch die Vögel vertreiben, noch die Zimmer bewohnen, in denen sie nisten. Durchschaubar spätestens ab Seite 28, Ende inklusive. Horror Kingscher Machart, Dutzende Male gelesen.

„In Namen der Menschlichkeit“ gehört in die Rubrik „SF“, Unterabteilung „Alternative Geschichte“, Regal „häufig gebrauchte Grundideen“: Das Römische Imperium ist 1500 n. Chr. eine Weltmacht, die im Kampf mit dem Toltekenreich liegt – weltkriegsartige Zustände, Millionen Tote usw. Die Römer schicken eine Zeitkapsel mit 4 Mann und 2 Bomben in die Vergangenheit, um das Problem zu lösen, bevor es entsteht. Die Tolteken torpedieren das Unternehmen (im wahrsten Wortsinn); die Legionäre stranden irgendwo, irgendwann. Auf der ersten Seite fällt der Familienname der Hauptfigur: Cyrene, was beim leidlich bibelfesten Leser einen Verdacht weckt; drei Seiten später verdichtet der volle Name Simon Cyrene diesen zur Gewissheit (na? wer hat die passende Bibelstelle parat oder wenigstens die entsprechende Szene aus „Leben des Brian“??). Zum Glück gibt es immer weniger bibelfeste Leser, der immer größere Rest wird daher etwas später (vielleicht) überrascht. – Nee, ich muss hier mal die Katze aus dem Sack lassen: Natürlich ist der Ort der Handlung Jerusalem, die Zeit kurz vor dem Passahfest 33 n. Chr., und gewiss haben wir hier wieder einmal eine Jesus-Geschichte zu lesen. Originell daran sind Hohlbeins Entwurf der Ideologie des Römischen Imperiums – die Symbole Christi: Schwert und Lasergewehr -, die Idee der Gegner – Tolteken unter dem Banner Quetzalcoatls – und sein alternativer Geschichtsverlauf: Das Volk widersetzt sich der Kreuzigung, rebelliert, metzelt Römer, das Imperium wandelt sich, die Apostel werden Kaiser und Könige … Klar kommt es am Ende zu unserer Geschichte, doch wie, ist wieder schwach: Cyrene überlegt sich, wie viele Kriege im Namen Christi geführt werden und wie viele Menschen sterben – und gibt Judas Ischarioth dreißig Silberlinge. Eine fragwürdige Entscheidung, denn Cyrene macht einen ganz intelligenten Eindruck und müsste sich auch fragen, ob es ohne den Namen Christi wirklich weniger Kriege und weniger Tote wären. Ich behaupte mal: Nein. Wir hätten auch ohne die Religion einen Grund gefunden, das fortschrittliche Arabien zu überfallen oder die Indianer niederzumetzeln. Außerdem: Warum sollten die Leute nicht auch gegen die Kreuzigung rebellieren? – Schade, aus der Geschichte hätte sich mehr machen lassen; so jedoch weckt sie die meisten Erwartungen und enttäuscht daher am meisten.

„Das zweite Gesicht“ ist SF, verbunden mit Horror-Elementen, soll vor dem Missbrauch der Medizin warnen und die Frage stellen, ob wir alles dürfen, was wir können. Aber abgesehen davon, dass die Geschichte am Ende eigentümlich unentschieden bleibt, was diese Frage betrifft – sie geht auch unentschieden aus, ist in Teilen vorhersehbar und hat kein überzeugendes Ende.

„Im Schatten der Sonne“ wurde im Internet als Fortsetzungsgeschichte von 14 AutorInnen geschrieben. Macht pro Frau/Mann gut 1 Seite. Das merkt man. Nicht einmal C. L. Moore, Abraham Merritt, Robert E. Howard, Frank Belknap Long und Howard Phillips Lovecraft bekamen 1935 unter dem Titel „The Challenge from Beyond“ eine mehr als nur durchschnittliche Story zusammen (wobei Howards Schluss mit seiner ironischen Howard-Parodie wenigstens ein echter Brüller ist). Doch dieser 14-Mensch-Eintopf hier bleibt fade, verdorben im Sinne des Sprichworts von den vielen Köchen und enthält alles Mögliche, nur nix Nahrhaftes.

„Malicia“ aus der Feder Dieter Winklers, die allererste und bisher nicht veröffentlichte ENWOR-Geschichte, ist dann endlich einmal richtige Fantasy, gewürzt mit Horror-Elementen. Sie kann Howards „Conan“-Geschichten durchaus das Wasser reichen. In den Augen mancher Leser mag das freilich kein Kompliment sein, doch ich habe eine leise Schwäche für den Cymmerier, sofern er von Howard selbst zum Leben erweckt wird, bekenne mich fröhlich dazu und zu dieser Geschichte und empfehle den Puristen, es doch besser zu machen, wenn es so einfach ist, „Trivialliteratur“ zu schreiben. Eine akzeptable, spannende Story, die beste des Bandes – nur eben nicht von Hohlbein.

Esmee Weisleders „Engel laufen nicht!“ beschließt das Buch und ist laut WH die Siegergeschichte eines Schreibwettbewerbs des Hohlbein-Internet-Fanclubs. „Die Anzahl der Storys … war überwältigend, und die Qualität übertraf meine kühnsten Erwartungen (in jeder Hinsicht)“ schreibt der Meister doppelbödig. Je nun. Die Geschichte ist nicht schlecht, dennoch: Wenn sie die beste war, überbietet die Qualität der anderen die Erwartungen nur in einer Hinsicht, nach unten nämlich. Immerhin: konsequent komponiert, straff erzählt, die Hauptfigur lebendig gezeichnet, der Schluss in seinen Grundzügen erahnbar, aber gut ausgestaltet – eine Story auf besserem Fanzine-Niveau. Nicht mehr, nicht weniger.

Fazit dieser langen Rezension? Ein Buch mit wenigen Höhen und etlichen Tiefen, das mehr verspricht, als es hält; für Hohlbein- und/oder ENWOR-Freaks ein Muss, für alle anderen Leser eher fraglich. Nicht allzu enttäuschend freilich, aber das nimmt nicht Wunder – man erwartete ja auch nicht allzu viel …

© 2004 by _Peter Schünemann_
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Gibson, William – Neuromancer

William Gibson ist einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren der letzten zwanzig Jahre. Er hat, wie kein anderer SF-Autor, in kürzester Zeit Kultstatus erlangt. Sein Erstlingswerk „Neuromancer“ wurde mit dem |Nebula Award|, dem |Hugo Award|, dem |Locus Award| und dem |Philip K. Dick Memorial|-Preis ausgezeichnet.

William Gibson entführt seine Leser in eine Welt immanenter, teils futuristischer Technik, die sich aber von ihrem sozialen und politischen Gefüge her kaum von unserer wirklichen Welt unterscheidet – multinationale Megakonzerne beherrschen die Wirtschaft und die Politik; die Ballungsräume haben sich zu immer größeren, geschwürartigen Gebilden entwickelt, bis sie irgendwann zusammengewachsen sind; ein sehr großer Teil der Bevölkerung lebt in den Randgebieten des Sprawl – in den Slums – und kämpft ums Überleben. Einige von ihnen haben sich die Technik zu Nutze gemacht und verdienen ihr Geld mit Datendiebstahl und Industriespionage.

|“Cyberpunks nennen sich die Computerfreaks mit implantierter Elektronik im Schädel, allesamt verrückt und süchtig nach irren Abenteuern jenseits der Realität. Die Direktschaltung von Gehirn und Computer verheißt Allgegenwart und nie dagewesene Sensationen. Eine neue Welt tut sich auf, intensiv wie ein elektrischer Schock.“| (Bruce Sterling)

Case war ein solcher Cyberpunk. Mit 22 Jahren war er einer der besten Deckjockeys im Sprawl – ein |Cowboy|, wie er es nannte. Er war ein Dieb, der für die großen, reicheren Diebe arbeitete. Seine Auftraggeber beschafften ihm die Software, die er benötigte, um in die riesigen Industrie-Komplexe mit ihren geheimen Forschungslaboratorien einzubrechen und dort all jene Daten zu stehlen, an denen sie interessiert waren.
Dann machte er den klassischen Fehler. Case behielt etwas von dem zurück, was ihm nicht gehörte. Er wollte das große Geld machen – und zwar schnell. Sie kamen ihm auf die Schliche, fanden ihn und bestraften ihn auf eine Art, die für Case schlimmer war als der Tod. |“Sie schädigten sein Nervensystem mit einem russischen Mykotoxin aus Kriegszeiten. In einem Hotel von Memphis ans Bett gefesselt, halluzinierte er dreißig Stunden lang. Mikron für Mikron brannte sein Talent aus. Der Schaden war gering, unauffällig, aber äußerst wirksam.“ (S. 14/15)| Seit dieser Nacht war der Cyberspace nur noch eine Erinnerung, ein Traum. Die Ärzte in den schwarzen Kliniken hatten seine Verstümmelung bestaunt, doch sie konnten ihn nicht heilen.
Darauf folgte der soziale und gesellschaftliche Abstieg. Er begann Drogen zu nehmen, Speed und Alkohol, und steigerte sich in eine akute Suizidgefahr hinein. Case stand mit einem Mal am Rande der Gesellschaft und agierte hart an der Grenze zur Unterwelt. Er war nur ein kleiner Gauner unter vielen.
|Heute| ist Case 24 Jahre alt. Er ist ein Punk, der orientierungslos einen Leitfaden durch sein Leben sucht. Case versucht den Eindruck zu erwecken, er habe mit seinem |früheren| Leben abgeschlossen, doch Drogen und mehr oder weniger unmotivierter Sex vermögen ihm nicht zu geben, was er außerhalb des Cyberspace entbehren muss.. |“(…) Der Körper war nur Fleisch. Case wurde ein Gefangener des Fleisches.“ (S. 15)|
Er ist einer der unzähligen Straßendealer in Ninsei, den Slums von Chiba City. Er schläft in den billigsten Absteigen und schlägt sich mit illegalen Geschäften für das organisierte Verbrechen und manchmal auch mit Mord durchs Leben. Die neuen Yen, die ihm seine Deals einbringen, investiert er direkt in den nächsten Auftrag und in Drogen.
Eines Abends tritt Molly in sein Leben. Molly ist eine kybernetisch aufgewertete Straßenkämpferin mit implantierten Linsen und Nagelmessern. Ihr Job ist es, Case zu ihrem Auftraggeber Armitage zu bringen – nur um zu reden, wie sie ihm versichert. Armitage unterbreitet ihm einen interessanten Deal. Er will Case’s Nervenschäden in einer illegalen Klinik heilen lassen, wenn dieser dafür einen Auftrag im Cyberspace übernimmt. Anfänglich zögert Case, da er zu oft enttäuscht wurde. Sein altes Leben wieder zum Greifen nah, willigt er dann aber doch ein, da er der Verlockung, endlich wieder den Cyberspace betreten zu können, nicht widerstehen kann …

William Gibson wurde am 17. März 1948 in Convay, South Carolina (USA), geboren. Nachdem 1966 seine Mutter starb, verließ er im Alter von 19 Jahren die USA und zog, um sich der Einberufung in den Vietnamkrieg zu entziehen, nach Toronto (Kanada). Seit 1971 wohnt er in Vancouver, British Columbia (Kanada).
Auf der |University of British Columbia| begann William Gibson zu schreiben. 1977 verkaufte er, zu Beginn der Punkbewegung, seine Kurzgeschichte „Fragments of a Hologram Rose“ (später im Heyne-Verlag veröffentlicht in der Kurzgeschichtensammlung „Cyberspace“) an die wenig verbreitete Zeitschrift UnEarth.

Er begründete den Begriff |Cyberspace| und beschrieb die |Virtuelle Realität| (VR) und das |Internet|, bevor die meisten Menschen deren Existenz auch nur erahnten.

Der Cyberspace ähnelt im Großen und Ganzen unserem heutigen Internet. Während man, um das Internet zu benutzen, vor einem Bildschirm sitzt und seine Daten via Tastatur und Maus eingibt, |’steckt’| der User in Gibsons Vorstellung jedoch nur noch |’ein’|, worauf sein Geist in den Cyberspace eintaucht und dort agiert. Die Visualisierung basiert auf der Technologie der virtuellen Realität, die auf eine abstrakte Art und Weise an die reale Welt angelehnt ist.
Der Cyberspace wird z.B. genutzt, um Geschäftsprozesse von jedem Ort auf der Welt für die berechtigten Benutzer zugänglich zu machen. Aus den Mauern der realen Industriekomplexe und Banken werden im Cyberspace unsichtbare Mauern aus EIS (Elektronisches Invasionsabwehr-System). Auch hier gibt es, wie in der Realität, technische Möglichkeiten, diese Abwehrmechanismen zu umgehen. Genau wie in der realen Welt, treiben auch im Cyberspace Gauner, Diebe und Industriespione ihr Unwesen. Ihre Werkzeuge sind nur nicht mehr Dietrich und Schneidbrenner, sondern eigens zum Durchbrechen der Mauern aus EIS geschriebene Computerviren.
In Gibsons Vorstellung kann ein Deckjockey im Cyberspace auch sterben. Die Idee, welche dahintersteht, ist, dass, wenn der Geist im Cyberspace angegriffen und |getötet| wird, eine Rückkopplung erfolgt, die das Gehirn im wahrsten Sinne des Wortes grillt. Es besteht also ein gravierender Unterschied zwischen unseren heutigen Computerspielen, z.B. in Virtual-Reality-Cafés, und Gibsons Cyberspace. Wenn ein Deckjockey im Cyberspace einen schwerwiegenden Fehler begeht, dann wird kein virtuelles Leben abgezogen und es gibt auch keinen Schriftzug |Game Over|, der in roter Schrift im Blickfeld aufblinkt, der Deckjockey stirbt einfach – sowohl in der virtuellen als auch in der realen Welt.

Als Hommage an Gibsons „Neuromancer“ entstand das Pen&Paper-Rollenspiel „Cyberpunk“, welches in der düsteren Welt von „Neuromancer“ spielt.

William Gibson gilt auch als Begründer einer neuen literarischen Strömung in der Science-Fiction, dem |Cyberpunk| oder – in Anlehnung an „Neuromancer“ – der |Neuromantik|.

Der Titel „Neuromancer“ ist ein Wortspiel zu |Necromancer| (dt.: Nekromant), was soviel wie Geisterbeschwörer bedeutet, und |neuro|, also Nervensystem. Case, der Protagonist der Geschichte, ist ein zeitgenössischer, in naher Zukunft angesiedelter Zauberer. Seine Hexerei besteht darin, das menschliche Nervensystem mit dem elektronischen neuronalen Netzwerk der Computerwelt zu |interfacen| und diese zu manipulieren bzw. von ihr manipuliert zu werden. Dieser Gedanke folgt analog dem wechselwirkenden Eintritt eines Schamanen in traditionelle mystische Bereiche (die Geisterwelt) mittels Drogen und/oder Trance.

Das Genre ist geprägt vom Lebensgefühl der Punkkultur, die sich in einer modernen, von Elektronik geprägten Welt wiederfindet. Im Mittelpunkt steht ein Computernetzwerk ähnlich unserem Internet, der Cyberspace oder auch die Matrix, welches dem Menschen mittels Interfaces ein völlig neues Terrain eröffnet.

William Gibson verbindet in seinen Romanen zwei Strömungen der Science-Fiction, die |Hard SF| und die |New Wave| der siebziger Jahre. Seine wissenschaftlich-technische Extrapolation entstammt der Hard SF, während seine stilistische Ausführung New Wave pur ist, das heißt, er schreibt gesellschaftskritisch mit einem romantischen Impuls und er bedient sich des in der New Wave verwendeten Archetypus der Protagonisten.

Die Hard SF zeichnet sich durch einen logischen Positivismus, traditionelle moralische Werte und ein wissenschaftliches Weltbild aus. Streng wissenschaftlich orientiert, werden in simpler, transparenter Erzählkunst die Geschichten gestählter Könnertypen und gefühlloser Technikmenschen dem Leser nahe gebracht. Die Archetypen dieser Stilrichtung sind beispielsweise Computerhacker oder Weltraumkommandanten, die meist aus mittelständischen oder aristokratischen Gesellschaftsschichten stammen.
Aus der Sicht der Hard-SF-Autoren vertreten die Autoren des New Wave eine nihilistische, gegen Wirtschaft und Technik gerichtete Einstellung.

Die New Wave hingegen begründet sich auf ein |gesundes| Volksempfinden, welches sich in der Rebellion gegen Establishment und Krieg manifestiert. Sie steht für sexuelle Befreiung und einen kulturellen Pluralismus, aus dem sich ein charakterologischer Realismus ergibt, der sich auch in den Archetypen, wie z. B. Hippies oder Punks widerspiegelt. Stilistische Experimente, wie z. B. Slang oder mehrere Erzählstränge und ein starker romantischer Impuls, der sich in der Einbeziehung und Beschreibung des Banden- und Straßenmilieus offen zeigt, runden das Bild der New Wave ab.
Die New-Wave-Autoren werfen den Autoren der Hard SF vor, sie seien naiv, da sie zu glauben scheinen, ein Aufschwung in Wirtschaft und Technik müsse eo ipso zur Verbesserung der menschlichen Bedingungen beitragen.

Die Merkmale dieser beiden Strömungen galten lange Zeit als unvereinbar. Doch Gibsons Werke scheinen genau den Nerv der Zeit zu treffen. Er vereinigt in seinen Romanen eine komplexe Synthese der Popkultur mit High-Tech und einem fortgeschrittenen Schreibstil. Seine Werke beheimaten dichte und bizarre Storys, eine kantige und düstere Leidenschaft und intensive Detailfreude. Hervorzuheben sind dabei neben der Neuromancer-Trilogie, welche durch „Count Zero“ (Biochips) und „Mona Lisa Overdrive“ komplettiert wird, die |Sprawl-Serie|, zu der die Kurzgeschichten „Johnny Mnemonic“, „New Rose Hotel“ und das fabelhafte „Burning Chrome“ gehören. Die Charaktere sind ein Sammelsurium aus Verlierern, Gangstern, Abtrünnigen, Ausgestoßenen und Irren, mit denen man sich durchaus zu identifizieren vermag. Gibson schreibt von |normalen| Menschen, die sich in unserer technisierten Welt zurecht finden müssen und nicht von den unfehlbaren |Super|-Helden aus gehobenen gesellschaftlichen Schichten, wie es die Hard SF bevorzugt.

Im Vorwort von „Cyberspace“ schreibt Bruce Sterling über Gibsons Erzählungen:
|“(…) In seiner Welt ist die Wissenschaft kein Wunderbrunnen schrulliger Genies, sondern eine allgegenwärtige, alles durchdringende, greifbare Kraft.
Die Geschichten zeichnen ein Bild der modernen Misere, das ein jeder auf den ersten Blick erkennt. Gibsons Extrapolationen führen uns mit überspitzter Klarheit den verborgenen Teil eines Eisbergs sozialen Wandels vor. Dieser Eisberg treibt mit finsterer Majestät durchs späte zwanzigste Jahrhundert, aber seine Proportionen sind gewaltig und düster.“|

Gibsons Schreibstil, die kantige und düstere Leidenschaft seiner Geschichten, spiegelt sich in der Passage auf der ersten Seite des Buches wider. Er nutzt nicht nur in der wörtlichen Rede, sondern auch bei seinem Erzählstil eine Syntax, die dem Straßenslang sehr nahe kommt. Hier zeigt sich der Impuls des New Wave, der in Gibsons Geschichten eine große Rolle spielt.
|Case schloss die Augen.
Fand den geriffelten EIN-Schalter.
Und in der blutgeschwängerten Dunkelheit hinter den Augen wallten silberne Phosphene aus den Grenzen des Raumes auf, hypnagoge Bilder, die wie ein wahllos zusammengeschnittener Film ruckend vorüberzogen. Symbole, Ziffern, Gesichter, ein verschwommenes, fragmentarisches Mandala visueller Information.
Bitte, betete er, jetzt …
Eine graue Scheibe, Himmelsfarbe von Chiba.
Jetzt …
Die Scheibe begann zu rotieren, immer schneller, wurde zur hellgrauen Sphäre. Weitete sich.
Und floß, entfaltete sich für ihn. Wie ein Origami-Trick in flüssigem Neon entfaltete sich seine distanzlose Heimat, sein Land, ein transparentes Schachbrett in 3-D, unendlich ausgedehnt. Das innere Auge öffnete sich zur abgestuften, knallroten Pyramide der Eastern Seabord Fission Authority, die leuchtend hinter den grünen Würfeln der Mitsubishi Bank of America aufragte. Hoch oben und sehr weit entfernt sah er die Spiralarme militärischer Systeme, für immer unerreichbar für ihn.
Und irgendwo er, lachend, in einer weiß getünchten Dachkammer, die fernen Finger zärtlich auf dem Deck, das Gesicht mit Freudentränen überströmt.
in Liebe für Deb,
die es möglich gemacht hat|

Mir liegen noch ein paar Worte zur deutschen Übersetzung auf der Seele.

Zum Einen wirkt es ein wenig befremdlich, wenn man anstelle des weit verbreiteten Begriffes |Cyberspace| immer wieder |Kyberspace| lesen muss. Noch schlimmer kann man ein englisches Wort wohl kaum verunstalten – das erste Teilwort auf Deutsch und das zweite weiterhin auf Englisch. Nun gut, diese Übersetzung ist in der Mitte der achtziger Jahre entstanden und so mag man es dem guten Reinhard Heinz nachsehen, aber ehrlich gesagt, habe ich mich da im gesamten Buch nicht dran gewöhnen können.
Dieser Hirnverdreher ist zwar in der neuen Auflage behoben, dafür ist aber der gesamte Sprachstil |geglättet| worden. Meiner Meinung nach verliert der Roman dadurch viel an Atmosphäre. Da „Count Zero“ (Biochips) und „Mona Lisa Overdrive“ nicht mehr einzeln erhältlich sind, wird sich der geneigte Leser ein Bild davon machen können, wenn er die neue Fassung mit der alten vergleicht. Ich empfehle wirklich, den ersten Roman in der älteren Übersetzung zu lesen.
Leider tritt das gleiche Phänomen auch bei der Kurzgeschichtensammlung „Cyberspace“ auf und auch hier verlieren die Geschichten an Atmosphäre.

Alles in allem ist dieses Buch in jedem Falle ein Leckerbissen für alle „Cyberpunk“- und „Shadowrun“-Rollenspieler, aber auch alle Nicht-Rollenspieler, die sich an diesem Genre erfreuen, werden ihre helle Freude daran haben.

|Siehe ergänzend dazu Michael Matzers [Rezension]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=521 zum Hörspiel.|

Stephen Baxter – Evolution

Über mehr als eine halbe Milliarde Jahre spannt sich der Bogen dieses Romans, der den langen Weg der Menschwerdung beschreibt, um schließlich mit dem Ende der Menschheit und sogar allen Lebens zu schließen; in seinen ersten beiden Dritteln ein Quasi-Sachbuch mit erzählerischen Elementen, das mit dem Sprung in die nahe und besonders in die ferne Zukunft den Charakter einer Vision gewinnt. Ob 1000 Seiten erforderlich sind, eine im Grunde aus Episoden montierte Geschichte zu erzählen, ist ein diskussionswürdiger Punkt. Zwar nicht „das große Meisterwerk der Science Fiction“ (Klappentext), aber definitiv ein lesenswertes Buch! Stephen Baxter – Evolution weiterlesen

Bionda, Alisha (Hg.) / Borlik, Michael (Hg.) – Wellensang

Mit der Anthologie „Wellensang“ haben Alisha Bionda und Michael Borlik eine Sammlung von Kurzgeschichten zusammengetragen, die „nicht im Einheitsbrei der Masse untergehen sollte“.

Die Anthologie umfasst achtzehn Geschichten mit einem breit gefächerten Spektrum in der Thematik, es reicht von alten Kulturen über Märchen und Futuristisches bis zu typischen Fantasy-Motiven wie Zwergen und Drachen.
So erzählt „Das Lied der Krähe“ von einer geraubten und zur Ehe gezwungenen keltischen Fürstentochter, die grausame Rache an ihrem Entführer nimmt, die „Welt zwischen den Zeilen“ von einem Mädchen, das einen Weg aus seiner kalten und technisierten Welt sucht, „Wenn die Eiswölfe singen“ vom Kampf einer unvollständig ausgebildeten Hexe gegen die Eroberer ihrer Heimat, und „Dämonenbrut“ von einem Drachen, dessen Brut sich vom Angstschweiß der Menschen ernährt.
Einige Geschichten verknüpfen unsere alltägliche Welt mit einer Fantasiewelt, wie zum Beispiel „Mohnblumenkönigin“, andere spielen ganz in unserer, wie „Haus ohne Schlüssel“, oder ganz in einer Fantasy-Welt, wie „Heimkehr nach Kalipay“. Manche lassen uns schmunzeln, wie „La Belle et la Bête“, oder gruseln, wie „Zwischen 9 und 9“.

Zu den Schmunzel-Geschichten gehört „Die Tränen des blauen Gottes“. Zwei Gauner versuchen den Coup ihres Lebens: Sie wollen den Tempel des blauen Gottes berauben. Gläubige bringen dem Gott kostbare Opfer dar, Gold und Silberschmuck, mit Perlen und Juwelen verziert, um dafür mit seinen Tränen beschenkt zu werden, faustgroßen blauen Edelsteinen. Der kleinere der beiden Gauner hat ausgekundschaftet, dass diese Edelsteine keine echten Tränen sind, sondern von den Priestern durch die löchrigen Augenhöhlen der Götterstatue hindurchgereicht werden. Tatsächlich gelingt es den beiden, sich Edelsteine aus dem Tempel zu beschaffen….
Die Geschichte ist leicht und amüsant erzählt, trotz der Erzählkürze sind die beiden Gauner gut getroffen, auch wenn das Duo „klein und schlau“ gemeinsam mit „groß und eher langsam“ nicht ganz neu ist. Leider geht die eigentliche Ironie der Erzählung etwas verloren, weil das Ende zu früh absehbar ist, deshalb gehört diese Geschichte auch nicht zu den besten des Buches.

„Zolineks Geschichte“ ist eigentlich Erikas Geschichte, aber Zolinek ist derjenige, der sie erzählt. Zolinek ist ein Zwerg, der mit seiner Frau, einer Koboldin, als Kräuterverkäufer durchs Land zieht. Die beiden fanden Erika im Wald und päppelten das arme Wesen wieder auf. Erika fängt an, ihnen zu vertrauen, und erzählt ihnen, dass der für seine Grausamkeit berüchtigte Graf Sulak ihre ganze Familie ermorden ließ. Jetzt ist er hinter Erika her. Erika aber will nicht davonlaufen, sondern sich rächen, und macht sich auf die Suche nach jemandem, der ihr den Weg zu einem besonderen Berg zeigen kann. Dort wohnt ein Geist, den sie um Hilfe bitten will. Doch die Suche zieht sich in die Länge, und die Häscher kommen näher….
Was diese Erzählung auszeichnet, ist weniger die Handlung an sich als die liebevolle Erzählweise, in der die Geschichte vorgetragen wird. Zolinek erzählt mal drollig, mal ernst, und man kann beinahe die Kummerfalten auf seiner Stirn sehen, wenn er zum Ende kommt. Der Zwerg wird durch seine Worte richtig lebendig, was unter anderem daran liegt, dass er ebenso viel von sich und seiner Frau wie von Erika erzählt. Dieser Teil der Geschichte ist der interessantere, denn im Gegensatz zu der Handlung um Erika, die im Grunde nicht viel hergibt, sind die Beschreibungen des kuriosen Paares und seines Planwagens samt Mitbewohner einfallsreich und gelungen.

Zu meinen eindeutigen Favoriten gehört „Das Orakel“. Die junge Priesterin der Pinks, vogelähnlicher Wesen, sucht in jeder Vollmondnacht die Höhle ihres Gottes auf. In diesen Nächten öffnet sich die Tür zum Orakel, das vorhersagt, was in dieser Nacht geschehen wird. Denn in den Vollmondnächten passieren seit mehreren Mondzyklen jedes Mal irgendwelche Katastrophen…
Edgar Halverfeld wird seit mehreren Monaten von Albträumen geplagt, immer in den Vollmondnächten, und die ganze Nacht hindurch immer wieder. Alle Versuche wachzubleiben, sind gescheitert, schlag Zwölf schläft er ein und träumt jedesmal von entsetzlichen Katastrophen….
Hier lebt die ganze Geschichte voll von den beiden parallelen Handlungen, wobei der Teil um Edgar der kleinere ist. Die fremde Welt der Pinks ist nur knapp skizziert, gerade ausreichend, damit der Leser versteht, worum es geht, und doch fließen hier und da ein paar im Grunde völlig nebensächliche Details ein, mit der frappierenden Wirkung, dass man plötzlich das Gefühl hat, es ganz genau zu wissen. Tatsächliche Antworten erhält man aber kaum. Nur eine kurze Erklärung wird geliefert, warum die Welt der Pinks und die Edgars auf einmal durch eine Tür miteinander verbunden sind. Andere Fragen wie die nach dem Grund für Edgars Albträume und Ahnliches bleiben unbeantwortet. Die Geschichte erhält dadurch etwas Rätselhaftes. Gute Idee gut umgesetzt.

„Von Zähnen, Sternen und Feen“ hat zunächst überhaupt nichts Fantastisches an sich. Jeff verschluckt sich beim Frühstück an einem ausgebissenen Zahn. Sein letzter Milchzahn. Aber die Bemerkung seines Vaters über die Zahnfee bringt ein Fass zum überlaufen und es gibt Zoff. Was das Fass gefüllt hat, erfährt man allmählich, während Jeff die Schule schwänzt. Als er endlich abends im Bett liegt, erlebt er eine Überraschung.
Jeff hat offenbar nicht unbedingt das beste Zuhause, aber im Großen und Ganzen klingt das alles eigentlich ziemlich banal und alltäglich. Wenn da nicht das seltsame Verhalten von Jeffs Mutter wäre. Jeff grübelt darüber nach, ob sie wirklich trinkt, wie ein Klassenkamerad behauptet hat. Richtig gruselig wird es erst, als die Zahnfee auftaucht, und der Leser grübelt hinterher über etwas ganz Anderes nach: „War sie’s oder war sie’s nicht?“

Auch die Hauptfigur in „Die gläserne Stadt“ ist ein amerikanischer Durchschnittsjunge, und er läuft vor etwas davon, stürzt aber im Nebel und landet an einem unbekannten Ort. Er befindet sich an einem stillen, dunklen Fluss, und jenseits schimmert Licht. Dann taucht eine Gestalt auf, die eine Maske trägt. Sie ist gekommen, um Martin etwas zu zeigen, etwas jenseits des Flusses…
Die Geschichte hat große Ähnlichkeit mit einer Traumsequenz, ist aber nicht wirr und auch nicht beängstigend. Sie spiegelt eine Art Suche wieder, ein Verarbeiten von Verlust, eine Auseinandersetzung mit dem Tod. Auch hier bleiben Fragen offen, zum Beispiel, um wen es sich bei dem geheimnisvollen Maskierten handelt, aber die Botschaft ist eindeutig tröstlich.

Eine wirklich traurige Geschichte dagegen ist ein weiterer meiner Favoriten: „Heimkehr nach Kalipay“. Kalipay ist ein wunderbarer Ort, fast ein Paradies. Doch die Jungen werden mit zwölf Jahren aus Kalipay fortgeschickt, um in einer wüsten Ödnis nach seltenen Steinen zu graben. Für die Steine erhalten sie Punkte, und nur mit genügend Punkten dürfen sie nach Hause zurückkehren. Siebenundzwanzig Jahre schuftet Gashiah schon, und ist trotzdem noch unendlich weit vom Ziel entfernt. Nur weil er bereit ist, sich in tödliche Gefahr zu begeben, kann er schließlich seine Heimat wieder betreten. Doch das Paradies währt nur kurz…
Das Erstaunlichste an der Geschichte ist, dass Gashiah am Ende zufrieden ist so wie es ist, und das trotz all der Jahre des Schuftens und der Sehnsucht. Dieses Akzeptieren ohne jede Bitterkeit verleiht der Geschichte einen Hauch wehmütiger Melancholie und ihrem Helden innere Größe.

Auch wenn die angesprochenen Erzählungen nur ein Drittel des Buches ausmachen, dürfte die Vielfalt und Besonderheit der Sammlung deutlich geworden sein, und man darf den Herausgebern bescheinigen, dass sich diese Anthologie in der Tat von der Masse abhebt: Keine Abenteuerfahrten, kein Held, der als einziger die Welt retten kann, keine Schlachten, keine großen Zauberer. Alle Geschichten zeichnen sich durch ein begrenztes Umfeld aus, das sich mehr oder weniger stark auf die Hauptperson konzentriert. Es sind kleine Welten, die hier dargestellt sind, und kleine Geschehnisse, auch wenn sie große Folgen nach sich ziehen.
Der Grund dafür liegt sicher auch in der Erzählform der Kurzgeschichte. Im Vordergrund steht das Geschehen an sich, Landschaftsbeschreibungen oder detaillierte Charakterdarstellungen fehlen. Für epische Breite ist kein Platz. Kurzgeschichten sind Momentaufnahmen, sie neigen zur Unvollständigkeit, fangen mittendrin an und hören auch mehr oder weniger mittendrin auf. Im Gegensatz zum Roman, wo man ungeklärte Fragen als Manko empfindet, gehört dies hier durchaus dazu. Eine Kurzgeschichte macht sich nicht die Mühe zu erklären, sondern verlangt, dass der Leser selbst nach einer Erklärung sucht, Lücken ausfüllt, sich vielleicht ein eigenes Ende oder eine eigene Vorgeschichte ersinnt.
Das unterscheidet diese Anthologie auch von anderen wie zum Beispiel der Diebeswelt, die Robert Asprin ins Leben rief. Dort wurde eine gemeinsame Welt erschaffen, in der die Geschichten aller Autoren spielen, und die Geschichten wurden mehrfach fortgesetzt, wodurch die Diebeswelt schon wieder epische Ausmaße annimmt. In „Wellensang“ steht jede Geschichte und jede Welt für sich allein, und es gibt auch zu keiner eine Fortsetzung, sodass der Charakter der Kurzgeschichte erhalten geblieben ist. Dadurch kann man das Buch nicht einfach von vorne nach hinten durchlesen. Es empfiehlt sich, zwischen den einzelnen Geschichten Pausen einzulegen und das Gelesene nachwirken zu lassen.

Ich fand die Sammlung äußerst bemerkenswert. Im Allgemeinen liegen mir Kurzgeschichten nicht so sehr, ich ziehe Geschichten, die sich über längere Zeit entwickeln, den Anthologien vor. Diese war jedoch eine angenehme Abwechslung, sowohl in sich selbst als auch im Vergleich zu anderen Werken. Auch wenn ich vereinzelt Assoziationen zu bekannten Werken hatte, wie in „Das Lied der Krähe“ und „Zwischen 9 und 9“, ist der Großteil der Geschichten erfrischend unverbraucht und außergewöhnlich.
Bemerkenswert finde ich aber nicht nur die Geschichten, sondern auch die Illustrationen jeweils am Beginn der einzelnen Geschichten. Mal romantisch, mal als Karrikatur, geben sie wesentliche Teile der Geschichte wieder und fügen sich harmonisch ins Gesamtbild der Anthologie ein. Sehr gelungen.
Ebenfalls lobend erwähnen möchte ich das ausgezeichnete Lektorat des Buches, was leider immer weniger selbstverständlich wird.

„Wellensang“ trägt den Untertitel „Fantasy-Welten“.
Zu meiner Schulzeit unterschied man noch zwischen Fantastischer Literatur und Fantasy, wobei Fantasy als trivial galt und deshalb das Schmuddelkind war, das man bestenfalls nachsichtig belächelte. Literatur dagegen war, grob vereinfacht gesagt, interpretierbar.
„Wellensang“ zeigt, dass diese strenge Grenze offenbar durchlässig geworden ist. Viele der darin enthaltenen Geschichten zeigen deutliche Spuren fantastischer Literatur. Im Gegenzug hat der Begriff „Fantasy“ seinen abwertenden Beigeschmack verloren.
Stephanie Bense hat sich im letzten Kapitel des Buches die Mühe gemacht und versucht, den Bergen von Genres und Subgenres ein gewisses Maß an Ordnung und Erklärung zu geben. Es ist ihr gut gelungen, ich gestehe aber, dass es für mich persönlich nicht so wichtig ist, zu welchem Genre oder Subgenre eine Geschichte gehört. Wichtig ist, dass das Thema mich anspricht und die Geschichte gut erzählt ist. Von „Wellensang“ kann ich das fast ausnahmslos behaupten. Die Erzählungen kommen aus vielen verschiedenen Ecken, sodass für jede Vorliebe etwas Passendes dabei sein dürfte, und sie sind flüssig und gut erzählt. Was man jedoch vergeblich sucht, ist Action. Auch wer es gern monumental mag, wird hier nicht auf seine Kosten kommen.

Sowohl Alisha Bionda als auch Michael Borlik haben bereits mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht und auch bei diversen Anthologien mitgewirkt. Von Alisha Bionda ist der Fantasyroman „Regenbogen-Welt“ in Vorbereitung. Michael Borlik schreibt außerdem an seinem zweiten Roman. Zu beiden sowie auch zu den Autoren der einzelnen Geschichten und dem Illustrator findet man im Anhang des Buches eine Art Ministeckbrief.

http://www.alisha-bionda.de
http://www.borlik.de

Irwin, Valerie M. – Legende von Atlantis, Die

Der beliebteste Stoff für Fantasy neben der Artussage dürfte eine Erzählung sein, die bis in die Zeit der ersten Geschichtsschreibung überhaupt zurückreicht. Solon soll die Geschichte in einem ägyptischen Tempel auf einer Steinsäule entdeckt und abgeschrieben haben. Jahrhunderte später nahm Platon sich der Geschichte an. Sein „Kritias“ machte die Geschichte zum sagenhaften Mythos, um dessen Wahrheitsgehalt sich bis heute die Gelehrten streiten: Atlantis.
Neben vielen anderen Autoren, darunter Marion Zimmer-Bradley, hat sich auch Valerie M. Irwin des Themas angenommen. Ihre Version von Atlantis unterscheidet sich jedoch grundlegend von den meisten anderen. Sie wirkt wie ein Historienroman.

Ashinn ist ein junger Mann Mitte Zwanzig, der als Koch bei einem reichen Schiffbauer arbeitet. Er lebt ein ziemlich sorgenfreies Leben, genießt gutes Essen und Pferderennen, besucht gelegentlich seine Eltern und Freunde und liebt seinen Beruf. Doch eines Tages fällt ein Schatten auf diese zufriedene Welt: Das Gerücht kommt auf, dass der Meeresspiegel steigt, und bald ist es mehr als ein Gerücht. Ashinn, dessen Ziehvater Mitglied im Hohen Rat ist, gerät dadurch unversehens mitten in den Brennpunkt des Geschehens, denn Atlan soll an einem anderen Ort neu errichtet und die gesamte Bevölkerung umgesiedelt werden. Ein Mammutprojekt! Und Ashinn wird in den Rat des Neuen Atlan berufen, der dieses Projekt durchführen soll.
Allerdings hat das Projekt viele Gegner: eine Sekte, die sich „Die Diener“ nennt, hält die steigenden Fluten für eine Strafe des Sonnengottes En und die Umsiedlung von Atlan für Gotteslästerung. Ihr Einfluss wächst und macht die Arbeit für den Rat des Neuen Atlan zu einem Wettlauf nicht nur gegen die Zeit, sondern auch gegen sein eigenes Volk.

Valerie M. Irwin hat sich in vielem dicht an Platon gehalten, so in ihren Beschreibungen der Stadt und der Insel insgesamt, der Wasserversorgung u.a. Was allerdings bei Platon hauptsächlicher, ja alleiniger Grund für den Untergang Atlantis‘ war, nämlich der Zorn des obersten Gottes über die Gottlosigkeit der Atlanter, ist hier nur eine von zwei sich unversönlich gegenüberstehenden Überzeugungen, verkörpert vor allem in dem hohen Priester Diarr. Die Gegenposition wird vertreten von Narr, Ashinns Ziehvater, der nicht an Götter, sondern an die Vernunft glaubt. Der Streit zwischen diesen beiden gegensätzlichen Weltanschauungen wird zum größten Hemmnis bei dem Versuch der Atlanter, sich und ihre Kultur zu retten.
Den entscheidenden Ausschlag für das Misslingen des Versuchs jedoch gab schlicht menschliches Versagen.
Die Religion ist hier also nicht zum reinen Buhmann und alleinigen Bösen verkommen, wie es in vielen Romanen allzu oft der Fall ist. Zustimmung und Ablehnung ziehen sich durch alle Bevölkerungsschichten und Hierarchiestufen, sodass ein Schwarz-Weiß-Effekt vermieden wird.
In diese religiösen, politischen und ideologischen Konflikte ist die Geschichte von Ashinns Familie eingebunden und ergänzt sie durch die gesellschaftlichen Aspekte der atlantischen Kultur:
Sklaverei, Tafelrunden, die an mittelalterliche Gilden und Zünfte erinnern, Ehe und Konkubinat, gesellschaftliche Ereignisse wie Pferderennen und Festessen geben zusammen mit Ashinns persönlichen Erlebnissen dem Gesamtbild Leben und Farbe. In Ashinns Familie spielen sich ähnliche Konflikte ab wie im Hohen Rat: Diener gegen Vertreter der Wissenschaft, Religion gegen Vernunft, nur dass es hierbei nicht so sehr um Macht als um Gefühle geht, um Liebe, Eifersucht und verletzten Stolz.
Allein der Teil der Geschichte, in der sich herausstellt, dass Ashinn und Oriole verwandt sind, wirkt, wenn auch nicht wirklich unrealistisch, so doch zumindest leicht konstruiert.

Abgesehen vom Verlauf der Handlung sind auch die statischen Elemente gut gelungen. Der Entwurf der religiösen Weltsicht und die dazugehörigen Riten sind stimmig und außerdem in die allerdings nur knapp umrissene Vergangenheit eingepasst. Ähnlichkeiten mit dem, was wir von den alten Hochkulturen im Zweistromland und Mittelmeerraum kennen, sind gewollt.
Ashinns Arbeit und seine gelegentlichen Ausflüge in verschiedene Viertel Atlans, sowie aufs Land und zur Nachbarinsel Xetlan, wo er Oriole abholt, beleuchten alle Gesellschaftsschichten, sodass man ein lebhaftes Bild von der Stadt und ihren Bewohnern erhält.
Die Charaktere sind ebenfalls überzeugend gezeichnet. Gekonnt hat die Autorin Aktion und Reaktion ineinander verzahnt und dadurch ein glaubwürdiges Geflecht von Beziehungen geschaffen, so zum Beispiel zwischen König Rastinn, der nichts mehr fürchtet als einen Putschversuch seines Halbbruders, und Prinz Ivorr, der daran überhaupt nicht denkt, sondern einfach nur Atlans Bevölkerung retten will; zwischen Ashinns Ziehvater Narr, dem Atheisten und Forscher, der gerade einen Dampfwagen erfunden hat, und seiner Frau Ocean, die früher zur Dienersekte gehörte und sich für so gut wie nichts interessiert, am allerwenigsten für Technik; zwischen Oriole und ihren Eltern, von denen sie sich rigoros abgrenzt, weil sie sich von beiden ständig in entgegengesetzte Richtungen gedrängt fühlt; und Diarr, der Hohepriester, der zwar fast außerhalb aller Beziehungen zu stehen scheint, aber dessen eindimensionale Denkweise, Dogmatik und Gnadenlosigkeit trotzdem klar herausgearbeitet sind.

So hat die Autorin es verstanden, ein Szenario zu entwerfen, das nicht nur realistisch, sondern in manchen Dingen, wie z. B. Elendsviertel und Überbevölkerung, geradezu modern wirkt. Und wenn, wie ein Teil der Wissenschaft glaubt, Platon sein Kritias nicht als Historienbericht sondern als Utopie, als Belehrung, geschrieben hat, dann ist Valerie Irwins Atlantis ein Exempel dafür, wie eine äußere Gefahr zur Krise und zum Untergang einer ganzen Kultur führen kann, wenn die Verantwortlichen nicht die Kraft und innere Größe haben, die Dinge sachlich und frei von persönlichen Gefühlen und Ideologien zu betrachten, sondern sich statt dessen in kleinlichen Rivalitäten und Machtkämpfen verzetteln.

Die gesamte Geschichte ist eingebettet in einen wissenschaftlichen Bericht über die Entdeckung von beschriebenen Tontafeln in Cornwall, und läßt den Verfasser dieser Tafeln, Ashinn, seine Geschichte selbst aus seinen Erinnerungen erzählen. Anfangs holpert der Erzählfluss ein wenig, da Ashinn sich immer wieder selbst unterbricht, um allgemeine Erklärungen und Beschreibungen über das Leben in seiner Stadt einfließen zu lassen, die für das Verständnis der Ereignisse wichtig sind, doch diese Unterbrechungen hören irgendwann auf, und Ashinn entwickelt sich zu einem guten Erzähler. Alle Erzählstränge sind gekonnt miteinander und ineinander verwoben und ergeben das detailliert ausgearbeitete Bild einer Natur- und menschlichen Katastrophe, eine Geschichte von religiösem Fanatismus, von Machtmissbrauch und politischem und menschlichem Versagen.

Alles in Allem kann man das Buch getrost als gelungen bezeichnen. Das Holpern am Anfang und die konstruierte Verwandtschaft zwischen Oriole und Ashinn stören nur wenig, und der realistische Entwurf, der ohne übliche Fantasy-Elemente wie Magie und mythische Wesen auskommt, hebt es aus der Masse heraus und macht es zu einer interessanten Abwechslung. Die Autorin schreibt flüssig und eher schlicht, aber durchaus lebendig, und auch wenn der Spannungsbogen sich nur allmählich aufbaut, wird es nie zäh oder flach. Durchaus empfehlenswert.

Valerie M. Irwin ist ein Pseudonym und „Die Legende von Atlantis“ scheint das einzige Buch zu sein, das sie unter diesem Pseudonym veröffentlicht hat. Informationen über die Autorin, wie eine Homepage o.ä., waren nicht zu finden.

http://home.pages.at/yoman/atlantis/platon.htm

Pratchett, Terry – Rincewind, der Zauberer

Rincewind ist der berühmteste Zauberer der Scheibenwelt: ein lächerlicher Charakter, feige und völlig inkompetent, er flieht meist vor Magie, denn seine Zaubersprüche bewegen meist nur heiße Luft. Er wird begleitet von dem geheimnisvollen Gepäckstück Truhe und einem unbedarften Touristen namens Zweiblume.

_Die Farben der Magie_

„Die Farben der Magie“ (The Colour of Magic, 1983) ist Pratchetts erster Scheibenwelt-Roman. Widerwillig begleitet hier der junge Unterzauberer Rincewind Zweiblum, den ersten Touristen auf der Scheibenwelt, und dessen ebenso vielbeiniges wie psychopathisches Gepäckstück Truhe. Im letzten Drittel werden alle von Drachenkriegern auf einen umgedrehten Berg entführt, was zu unsäglich komischen Verwicklungen führt. Außerdem wechselt Rincewind kurzzeitig in unsere Dimension, wo er mit seinem Dusel eine Flugzeugentführung beendet. Dass die Truhe am Schluss wieder einschreitet, ist auch klar.

Die Parodie in „Farben der Magie“ dient Pratchett dazu, die Fantasy durch den Kakao zu ziehen, vom Genre der Schwerter-und-Zauberei von Fritz Leiber, über H.P. Lovecraft bis hin zu den Drachenepen von Anne Caffrey.

_Das Licht der Phantasie_

Im zweiten Scheibenwelt-Roman, der direkten Fortsetzung von Band 1, treten erstmals auf: Ankh-Morpork, die übelriechende Metropole, und ihre Unsichtbare Universität. Die Zielscheibe von Pratchetts Parodie sind: Astrologie, Druiden, Zwerge, Heroische Fantasy (durch den neunzigjährigen Barbaren Cohen), magische Läden, Zaubersprüche, Trolle und anderes Genre-Inventar.

Dies ist die Geschichte der Scheibenwelt, die von einer riesigen Schildkröte durchs Universum getragen wird und die sich auf Kollisionskurs befindet: einem Roten Stern entgegen. Die Sprüche des Zauberbuchs „Octavo“ (octo = Acht ist die Glückszahl auf der Scheibenwelt!) könnten die Katastrophe verhindern; doch ausgerechnet der schusselige Zauberer Rincewind hat den wichtigsten Spruch im Kopf. Während die Kollegen von der Unsichtbaren Universität ihn auszuspüren versuchen, macht sich Rincewind in Begleitung des Touristen Zweiblum und dessen laufender Reisetruhe aus dem Staub.

Da stiehlt ein verrückt gewordener Magier das Buch „Octavo“ und ist drauf und dran, die Scheibenwelt dem Untergang preiszugeben. Rincewind muss sich entscheiden…

_Der Zauberhut_

In diesem Band ist die Kraft der Zauberei derartig gesteigert, dass die Magier der Scheibenwelt zu Überheblichkeit verführt werden – und zum Krieg: Als Folge dräuen gar bald die Apokalypse und ihre vier Reiter (Pest, Krieg usw.). Ein widerwillig unternommener Akt unzureichender Zauberei rettet zwar die Welt, versetzt aber zugleich Rincewind in eine Anderswelt, die den Kenner doch schwer an H.P. Lovecraft erinnert („Die Traumfahrt zum unbekannten Kadath“ und andere Werke). Für jede Magie gibt’s einen Verlust, um die Dinge im Gleichgewicht zu halten. (Magic and Loss – so heißt auch eine gute Platte von Lou Reed.)

_Eric_

Der etwa 14-jährige Eric ist so eine Art Möchtegernzauberer und macht Sachen, von denen seine Eltern nichts erfahren dürfen. Er beschwört einen Dämon und erhält statt dessen Rincewind. Er soll ihm drei Wünsche erfüllen: Eric möchte Herrscher der Welt sein, die schönste Frau besuchen und ewig leben. Na, denn prost, denkt sich Rincewind unwillig. Und ich meine: Das ist ja wie bei Dr. Faust.

Herrscher der Welt wird Eric im Urwald von Klatsch, wo auf Pyramiden Menschen den Göttern geopfert werden. Genau wie ihre Kulturgenossen, die Azteken, schneiden auch die Tezumaner ihren Opfern gern mit einem Obsidianmesser das Herz raus…

Nun hat aber der neue Herrscher der Hölle, Dämonenkönig Astfgl, neue Leitlinien für die Führung von dämonischen und höllischen Aktivitäten erlassen. Der Dämon, der für die Tezumaner zuständig ist, wird bei seiner Materialisierung auf der Steinpyramide leider das unerwartete Opfer einer vorbeikommende Truhe mit tausend Beinen. Eric und Rincewind sind gerettet.

Sogleich erfüllt sich der nächste Wunsch. Was bei „faust“ die schöne Helena in Troja, das ist für Eric die achtfache Mutter Elenor von Tsota, das nun von den Ephebianern umzingelt ist. Doch der schlaue Held Lavaeolus (= Odysseus) verschafft ihnen Einlass bei Elenor. Eric winkt dankend ab.

Das ewige Leben jedoch beginnt nirgendwo, das heißt im Nichts – denn eine Ewigkeit dauert von Anfang bis Ende einer Welt (Letzteres taucht ebenfalls auf, im Stil von H.G. Wells). Erst als ein (der?) Schöpfer auch die Scheibenwelt kreiert hat, dürfen Eric und Rincewind auf ihr landen. Wenig später stellt sich auch eine Truhe ein. Das ist auch nötig, denn den Dämonenkönig holt das Duo in die Hölle, wo dann der Showdown inklusive Revolution stattfindet.

_Fazit_

Viel Buch fürs Geld, wenn auch die vornehmlich ältesten Kamellen unter Pratchetts Büchern. Für den Einstieg ins Pratchett-Universum der Scheibenwelt eignet sich der Sammelband aber sehr gut. Ein fünfter Rincewind-Roman, „Interesting Times“, erwähnt auch wieder Cohen den Barbaren, wurde aber nicht in diesen Sammelband aufgenommen.

_Der Autor_

Terry Pratchett, geboren 1948, und seine Frau Lynda haben mit dem Scheibenwelt-Zyklus einen phänomenalen Erfolg gehabt, der dazu führte, dass bereits 1996 mindestens ein Prozent aller im Vereinigten Königreich verkauften Bücher von ihnen stammten! Inzwischen gibt es nach zahlreichen Romanen auch PC-Spiele sowie Comics, die auf der Discworld basieren.

_Michael Matzer_ © 2001ff

Lustbader, Eric Van – Ring der Drachen, Der

Ein Klassiker der Science-Fiction lieferte Eric Van Lustbader die Inspiration zu seinem neuesten Fantasyepos, dessen ersten Band „Der Ring der Drachen“ darstellt: Frank Herbert’s „Dune – Der Wüstenplanet“.

War es in der Vorlage Paul Atreides, der den Fremen den Weg aus der Wüste in eine bessere Zukunft ebnete und die Harkonnen samt Imperator und Raumfahrergilde zum Teufel jagte, heißt bei Lustbader der ersehnte Messias Annon und gehört zu der raumfahrenden und kriegerischen Rasse der V’ornn, die vor 101 Jahren den Planeten Kundala wie ein kosmischer Heuschreckenschwarm überfallen hat, in der Absicht ihn wie unzählige Planeten zuvor seiner Ressourcen zu berauben, verödet zurückzulassen und dann weiterzuziehen.

Für die weit unterlegenen Kundalan eine Katastrophe – sie konnten den V’ornn nicht Widerstand leisten, selbst ihre Religion wird in den Grundfesten erschüttert: Die oberste Priesterin der Göttin Miina, genannt Mutter, wurde angeblich von (männlichen) Ramahan und den Rappas, den auserwählten Tieren Miinas, getötet. Die Perle und der Ring der Drachen, mystische Artefakte der Kundalan, gingen in den Kriegswirren verloren.

Nur der prophezeite Dar Sala-at kann die Kundalan in eine bessere Zukunft führen, indem er die Perle und den Ring der Drachen rettet und die Knechtschaft durch die V’ornn beendet. Deren Herrscherkaste, die genetisch und technologisch in eine Art Cyborgs transformierten Gyrgonen, sind von Kundala fasziniert: Sie können nicht das Geheimnis des verschlossenen Tempels der Kundalan lösen, ihre Magie stellt selbst ihre selbst fast ans magische grenzenden technologischen Fertigkeiten auf die Probe. Nur deshalb wurde der Planet noch nicht verlassen. Zudem hat die Mythologie der Kundalan einige Übereinstimmungen mit der der V’ornn: Za Hara-at, bei den Invasoren die „Stadt der Millionen Edelsteine“ genannt. Die Gyrgonen versprechen sich von der Perle, dem Ring und der mythischen Stadt, die auf Geheiß des V’ornn-Königs Eleusis Ashera gemeinsam von V’ornn und Kundalan gebaut wird, einen Quantensprung in ihrer Entwicklung, die zur Stagnation gekommen ist.

Dessen Konkubine Giyan ist eine Kundalan – die kahlköpfigen V’ornn lieben langes Haar. Aber während die Kundalan ansonsten schlechter als Tiere behandelt werden, verliebt sich Eleusis in Giyan – eine der letzten mit der Gabe gesegneten Anhängerinnen der Göttin Miina. Ihr Sohn Annon ist einer der wenigen lebensfähigen Bastarde, normalerweise sterben sie jung oder werden von den Gyrgonen vermutlich für Experimente eingesammelt. Offiziell gilt Annon als Sohn einer von Eleusis verstoßenen Gemahlin.

Annon wächst auf und freundet sich mit Kurgan an, dem Sohn eines Erzfeindes seines Vaters: Wennn Stogggul. Dieser plant schon lange im Geheimen den Untergang der Asheras, zusammen mit Sternadmiral Kinnnus Morcha, der den weichen und auf Verständigung angelegten Kurs des Königs gegenüber den Kundalan nicht gutheißt.

König Eleusis wird gemeuchelt, nur Giyan und Annon können vorerst entkommen. Da Stogggul den Ring der Drachen gefunden hat und ihnen zur Verfügung stellt, akzeptieren sie ihn vorerst als neuen Herrscher.

Sein Sohn Kurgan erweist sich wiederholt als schlechter Freund: Er gibt Kinnnus Morcha den entscheidenden Tipp, wohin Giyan und Annon geflohen sind. Als Test der Loyalität soll der Eleusis treue Truppkommandeur Rekkk Hacilar Annon exekutieren. Doch Annon wird ihm bereits tot von der in die Enge getriebenen Giyan ausgeliefert, die er insgeheim begehrt und als Kriegsbeute und Mätresse zu sich nimmt.

Dennoch wird er seines Kommandos enthoben und durch einen linientreuen Khagggun (Soldatenkaste) ersetzt. Dank der Hilfe des Gyrgonen Nith Sahor, der wie Rekkk, Eleusis und Giyan an ein friedvolleres Zusammenleben von V’ornn und Kundalan glaubt, kann er mit Giyan in die Berge entkommen – sie machen sich auf den Weg zu der Weißheim-Abtei, wo der in einen weiblichen Kundalan-Körper transferierte Annon von Giyan’s verbitterter Schwester Bartta auf seine Rolle als Dar Sala-at vorbereitet wird, was für Annon zur Gefahr wird: Zwar glauben beide an die Prophezeihung, doch Bartta ist von der Göttin Miina abgefallen und hat sich der schwarzen Kunst, Gyofu, zugewandt, die von jedermann erlernt werden kann. Sie verdirbt jedoch ihre Anwender – und das seit langer Zeit, alle mit der Gabe geborenen Kundalan wurden nicht in „Osoru“ unterrichtet, die Synthese beider Magien ist mit dem Tod der Hohepriesterin verlorengegangen – ebenso wie das Todesurteil über alle (männlichen) Ramahan dafür sorgte, dass nur noch die Kundalan-Frauen Magie wirken können. Miinas heilige Rappas, eine Art sechsbeiniger Raupen mit großem Maul, die ebenfalls über besondere Fähigkeiten verfügen, gelten ebenso als ausgerottet, ihnen wurde ebenfalls die Schuld am Tod von Mutter gegeben.

Viel Zeit bleibt Annon in seiner Rolle als Dar Sala-at nicht mehr: Die Gyrgonen haben den Ring der Drachen in das Tor des Tempels gesetzt, das aber leider verschlossen blieb – wenn der Dar Sala-at ihn nicht entfernt oder einsetzt, wie die Prophezeiung es gebietet, wird Kundala vernichtet.

Das Buch umfasst 816 Seiten und bietet genügend lose Enden und Konfliktstoff für etliche weitere. Wie das Vorbild Dune hat das Buch ein Glossar, das allerdings winzig und nicht von wirklichem Nutzen ist.

Lustbader wandelt auf einem schmalen Grat – ständig wird man an bekannte Vorbilder erinnert: Eleusis Ashera teilt das Schicksal von Leto Atreides, auch er wird von seinem Erzfeind übertölpelt – während Giyan und Annon ähnlich Lady Jessica und Paul entkommen können. Sogar bei Truppkommandeur Rekkk Hacilar kommt man nicht umhin, sofort an einen Mix aus Duncan Idaho und Gurney Halleck zu denken. Über das Thema „Ionenschwert“ und den zwei Seiten der Magie, einer „Guten“ und einer „Bösen“, muss man auch nicht lange nachrätseln. Aber nicht nur aus Star Wars flossen Elemente ein, die rein weibliche Priesterschaft erinnerte mich an Robert Jordans „Aes Sedai“ aus dem „Rad der Zeit“-Zyklus.

Wer so hemmungslos Ideen klaut, muss sich zwangsläufig auch den Vergleich mit den großen Vorbildern stellen. Die Frage ist, ob nicht die Gefahr besteht, dabei literarischen Schiffbruch zu erleiden: Wer will schon eine lauen Aufguss von „Dune“ lesen?

Zum Glück hat Lustbader aber kein Plagiat geschaffen, sondern ist in einigen wesentlichen Punkten von Herbert’s ausgetretenen Wüstenpfaden abgewichen, mit zwei Pärchen, die sinnbildlich für zwei der großen Thematiken des Buches stehen könnten:

Die offene, liebevolle Giyan und ihre verbitterte, engstirnige Schwester Bartta sowie ihr Sohn Annon und sein egoistischer und rücksichtsloser Freund Kurgan.

In den Augen Barttas hat die Göttin Miina ihr Volk in der Not verlassen, sie neidet ihrer Schwester ihre Gabe, hasst alle V’ornn, weil sie V’ornn sind, zieht Vergebung gegenüber den Peinigern der Kundalan nicht in Betracht und ist in ihrem Hass gefangen, der sich ironischerweise letzten Endes gegen ihr eigenes Volk wenden wird: Immer mehr Kundalan schwören der Göttin Miina ab und werden in ihren Methoden radikaler, der Widerstand geht hart gegenüber liberaleren Kundalan vor, die weiterhin die Göttin verehren, und ist auf seine Weise nicht weniger brutal als die V’ornn. Giyan hingegen hat zwar nicht viel für die V’ornn übrig, aber sie hat in der Gefangenschaft auch gelernt, einige zu achten und später gar zu lieben. Sie lehnt Barttas unbeugsame Härte und ihre dogmatischen Schemata von Gut und Böse ab, und sie wird Recht haben, wie sich herausstellen wird. Barttas und ihre Schülerinnen richten mit fanatischem Eifer für die „gerechte Sache“ viel Unheil an, zumal ihre Abtei damit den Feinden des Dar Sala-at, die nicht nur V’ornn sind, in die Hände spielt.

Kurgan ist in gewisser Hinsicht Bartta ähnlich: Alle Kundalan sind für ihn kaum besser als Tiere, und wenn eine hübsch ist, so vergewaltigt man sie ohne Gewissensbisse. Er ist ein intelligenter, selbstbewußter V’ornn, besitzt aber wie der Großteil seines Volkes eine gewisse Herrenrassenmentalität. Er ist trotz seines Egoismus ein guter Freund von Annon, den er schätzt, aber für zu weich und sonderbar hält. Dass sein Vater und der Annons Todfeinde sind, kümmert ihn wenig – er selbst kann seinen Vater nicht ausstehen. Auch er wird seit frühester Jugend manipuliert, ohne dass es ihm klar ist: Seine egoistische und machthungrige Ader ist ein Ergebnis dieses Einflusses. Er verrät seinen Freund Annon, um Adjutant des Sternenadmirals Kinnnus Morcha zu werden, später spielt er sogar diesen gegen seinen eigenen Vater aus. Als er erkennt, wer der mysteriöse „Alte V’ornn“, sein Freund und Lehrmeister der Jugend, in Wahrheit ist, hat dieser sich einen mächtigen Feind geschaffen: Wie er es ihn gelehrt hat, steht Kurgan nur auf einer Seite: Auf der seines eigenen Vorteils.

Annon ist zwar nicht so gerissen wie Kurgan, dafür wie sein Vater eine Ausnahme unter den V’ornn: Er wurde von Giyan großgezogen, sie lehrte ihn viele Geheimnisse der Kundalan und Lebensweisheiten, er fühlt sich zwar jedem Kundalan überlegen, aber es gefällt ihm nicht, wie andere V’ornn mit ihnen umgehen. Er ist ein Zweifler und erkennt, wie ungerecht die V’ornn gegenüber den Kundalan sind. Seine Rolle als Dar Sala-at überfordert ihn, er hat seinen Vater verloren und sein eigener Körper ist tot, jetzt muss er im Körper eines halbwüchsigen Kundalan-Mädchens leben, ein weiterer Schock – dazu bleibt nur wenig Zeit, den Ring der Drachen an sich zu nehmen, um den drohenden Weltuntergang zu verhindern, wobei es sicher ist, dass ihn am Tempel eine Falle erwarten wird.

Lustbader schreibt indirekt gegen Intoleranz und pauschalen Fremdenhass. In den USA ein weit heißeres Eisen als bei uns ist die Beziehung zwischen zwei verschiedenen Rassen, es wird eigentlich nur in der Tatsache, dass Eleusis und Giyan ein Kind haben, angesprochen, wurde aber in amerikanischen Kritiken interessanterweise oft besonders hervorgehoben. Im Gegensatz zu „Dune“ spielt Religion hier trotz allem eine eher untergeordnete Rolle: Dogmen liegen hier sehr menschliche und primitive Gefühle zugrunde, was mir etwas besser lag als Herbert’s besonders in den Folgebänden von Dune wahrlich ausufernde Religionswut.

Seine Charaktere müssen sich nicht verstecken: Wie die Hure Dalma, deren ehrgeiziges Spiel als Doppelagentin vieler Herren sie in Lebensgefahr bringt, oder die geheimnisvollen Gyrgonen Nith Sahor und Nith Batoxxx, die sich erst durch ihre Helfer bekriegen, bis es zur direkten Konfrontation kommt. Einige Charaktere bleiben relativ eindimensional, Wennn Stogggul ist stets ein simpler, lüsterner und machthungriger Emporkömmling, während sein Sohn Kurgan hinter seinem Rücken die Fäden in die Hand nimmt und sich auf interessante Weise weiterentwickelt. Bemerkenswert ist auch die von Kurgan vergewaltigte Eleana, eine Kundalan, die sich in Annon verliebt hat – der nun im Körper einer Kundalan-Frau steckt und sich ihr nicht offenbaren kann.

Es wimmelt nur so von gelungenen Nebenfiguren, viele werden das Ende dieses Buchs nicht erleben. Natürlich wird es Annon gelingen, den Ring an sich zu nehmen. Aber man kann gespannt sein, wie es weitergehen wird: Kundala ist keine reine Wüstenwelt, es gibt neben der großen Wüste und den Druugen, zu denen es Annon am Ende des Buchs ziehen wird, noch große Ozeane und mit den Sarakkon einen wettsüchtigen und seefahrenden Stamm der Kundalan, der von den V’ornn nicht unterworfen wurde – sie handeln mit seltenen radioaktiven Elementen; Versuche sie zu unterwerfen endeten mit Heerscharen verstrahlter V’ornn-Soldaten. Gyrgonen lieben es, an sich selbst zu experimentieren, um sich zu vervollkommen – und so handelt man mit den Sarakkon, zum beiderseitigen Nutzen. Neben den Interessen der Kundalan, der V’ornn und ihrer herrschenden Kaste drängen auch noch Dämonen in die Welt, während die Gyrgonen in den Kundalan-V’ornn-Bastarden eine Chance sehen, sich zu „vervollkommnen“. Genetik und Dämonen werden in den kommenden Bänden noch eine große Rolle spielen. Dabei kann ich selbst nach Vorausblicken auf den noch nicht übersetzten dritten Band der Reihe (der angeblich der beste sein soll!) keinerlei Vermutung abgeben, wie die Saga enden wird – geschweige denn, wieviele Bücher sie umfassen wird. Lobenswert ist, dass Heyne die deutsche Übersetzung, die mir gut gelungen scheint, nicht wie so oft üblich auf zwei Bände verteilt, sondern in einem Stück belassen hat. Normalerweise rate ich bei so dicken (816 Seiten!) Büchern immer zum Hardcover, aber das Paperback ist optisch genauso schön gestaltet und überdurchschnittlich gut gebunden, vor allem auch knickfrei umzublättern, ohne dass ein, wie er so oft üblich ist, nervender Druck des Fingers nötig ist, um die Seiten daran zu hindern, das Buch zuzuschlagen. Für 9,95 EUR bzw. 14,00 EUR sind die Bücher auch relativ preiswert. Die deutsche Version zeigt einen stilisierten goldenen Drachen auf rot marmorierten Hintergrund, der zweite Band einen Löwen auf identisch blau marmorierten Hintergrund und gefällt mir ausnahmsweise sogar besser als das Original.

Nach allem Lob darf auch die Kritik nicht fehlen: Wie Giyan und Eleusis die Geburt von Annon vor den Gyrgonen geheim halten und seine Herkunft verschleiern konnten, wo diese doch sonst allwissend erscheinen, das weiß wohl nicht einmal Lustbader selbst. Ebenso erstaunlich ist, wie Eleana sich in Annon verlieben kann, während dieser Kurgan nicht davon abhalten kann, sie zu vergewaltigen. Es gibt noch einige weniger gravierende Mängel dieser Art, die jedoch von dem hohen Erzähltempo der Geschichte kompensiert werden können. Nach und nach werden neue Geheimnisse enthüllt, es existiert keinerlei Leerlauf. Etwas mehr Sorgfalt hätte Lustbader auch auf die Technik der Gyrgonen verwenden können: Er weiß besser zu beschreiben, wie Zauber gesprochen werden oder diverse dunkle Rituale ablaufen, als auch nur ein Wort an die „Okummmon“ der V’ornn, eine Kombination aus Handy, PDA und Waffe, zu verschwenden. Dafür brennen überall Fusionslampen – hat man etwa Atombirnen in der Lampe, nur weil der Strom mit Kernkraft erzeugt wird? Nun, darüber hat Lustbader wohl nicht nachgedacht, es klingt eben recht gut – als Hexenmeister macht Lustbader eine bessere Figur denn als Technokrat.

Die Namensgebung ist auch zwiespältig: V’ornn-Namen haben oft eine Verdreifachung von Buchstaben, wie Kinnnus Morcha, Rekkk Hacilar, Okummmon, Looorm, oder mein Favorit, Wennn Stogggul. Der obligatorische Apostroph im Rassennamen fehlt auch nicht. Teilweise klingen diese Namen wirklich gut, einige sind jedoch, wie man sieht, grausam auszusprechen. Wenn der Held Eric Van Lustbader’s dann auch noch fast „Der Salat“ heißt, muss man ihm ein Talent für missdeutbare Namen zuschreiben. Er selbst wird oft für einen Holländer gehalten, ist aber ein Amerikaner, und „Van“ ist ein zweiter Vorname, ähnlich wie in George Walker Bush.

Ein Tribut an das positiv hohe Erzählempo ist ein gewisser Mangel an Beschreibung der verschiedenen Szenerien; Räume und Umgebung der Personen werden bestenfalls skizziert, das Augenmerk liegt auf den Personen, ihrer individuellen Perspektive und der Geschichte selbst, was ich persönlich nicht als negativ empfinde.

„Der Ring der Drachen“ ist ein gefällig präsentiertes Epos, welches ich jedem Fantasy-Fan nur empfehlen kann. Wer glaubt, Lustbader zu kennen, sollte bemerkt haben, wie wenig dieser Roman mit seinen bekannten Romanen „Der Ninja“, „French Kiss“ oder „Weißer Engel“ zu tun hat. Das Szenario ist einfach vollkommen anders. Vielleicht ein wenig zu sehr von anderen Romanzyklen beeinflusst, um selbst jemals Kultstatus zu erreichen, wird man nicht enttäuscht, wenn man einen überdurchschnittlich guten, komplexen und breit angelegten Fantasyzyklus der etwas anderen Art sucht. Der zweite Band, „Das Tor der Tränen“, ist bereits in Übersetzung erschienen.

Homepage des Autors:
http://www.ericvanlustbaderbooks.com/

Paxson, Diana L. – Zauber von Erin, Der

Nachdem ich Diana Paxsons [Zyklus]http://www.powermetal.de/book/anzeigen.php?id__book=213 über König Artus gelesen hatte, lag es nahe, auch ihre Version von Tristan und Isolde zu lesen, die oft mit der Artussage in Zusammenhang gebracht wird. Auch hier beginnt die Geschichte sehr früh, weit vor dem Zeitpunkt, zu dem Esseilte nach Britannien reist, um dort König March von Kernow zu heiraten.

Der Anfang der Erzählung liegt dort, wo auch der Anstoß zur Entwicklung der ganzen Geschichte liegt: an jenem Samhain, als der Bruder der irischen Königin Mairenn und Recke des Hochkönigs Diarmait Irland verlässt, um einen Beutezug an Britanniens Küste zu unternehmen. Dort fällt er im Zweikampf mit Drustan, dem Recken des Königs von Kernow. Doch auch der Brite wurde verwundet und sucht inkognito Heilung in der Heimat seines Widersachers. Dort begegnet er zum ersten Mal Esseilte und ihrer Ziehschwester und Cousine Branwen.

Als Drustan den irischen Königshof zum zweiten Mal aufsucht, ist er in einer offiziellen Mission unterwegs: als Brautwerber für König March. Diesmal erfährt Esseilte, wen sie vor sich hat, und ist kurz davor, ihren Onkel zu rächen, indem sie den Kerl einfach mit seinem eigenen Schwert umbringt. Aber sie tut es nicht.

Das zweite Mal versucht sie es auf dem Schiff, das sie nach Britannien bringen soll. Sie will Drustan vergiften. Doch ihre Cousine Branwen hat in ihrem Kräuterkasten nicht nur Medizin und Gift, sondern auch einen besonderen Trank, den sie ebenfalls mit Gift beschriftet hat, um andere fernzuhalten. Und eben diese Flasche erwischt Esseilte bei ihrem Mordversuch. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf …

Wie bei der Artussage legte die Autorin ihrer Erzählung gründliche Recherchen über die damalige Zeit und die dazugehörigen Geschehnisse zugrunde. So spielt ihre Version von Tristan und Isolde nicht zu Artus‘ Zeiten, sondern eine Generation später. Und wie bei ihrer Artussage pflegt sie auch hier wieder ihren knappen, spartanischen Schreibstil.

Was allerdings bei der Artus-Sage nur mäßig störte, ist in diesem Fall ein Stolperstrick! Der Grund liegt in dem völlig verschiedenen Erzählstoff. Die Artussage hat viele Facetten: Die Vorgeschichte von Merlin, Uther und Igraine, die Sachsenkriege, Artus‘ Schwester, sein Sohn, Gwendivar … genügend Stoff, den man auch in sachliche, präzise Worte kleiden kann, ohne dass er dadurch viel verliert. Tristan und Isolde jedoch ist vor allen Dingen eine romantische Liebesgeschichte. Ein solcher Stoff leidet unter einem solchen Stil erheblich!

Diana Paxson hat ihre Geschichte aus der Sicht von Branwen erzählt, und zwar in der Ich-Form. Naturgemäß erfährt der Leser von der Gefühlswelt der eigentlichen Protagonisten Esseilte und Drustan also nur aus Beobachtung und deren Worten. Aber auch die wirken eher trocken. Schon die Angelegenheit mit dem Trank, der die beiden zu Liebenden macht, ist sehr verschwommen. Zunächst hört es sich so an, als sei die Wirkung lediglich vorrübergehend, um Esseilte den Anfang einer widerstrebenden Ehe und die erste Nacht mit einem ungewollten Mann zu erleichtern. Warum sich die Wirkung dann plötzlich so ausweitet, wird nicht erklärt, auch keine anderen Erklärungen für die unzerreißbare Bindung zwischen den beiden wird geboten, zumal Esseilte Drustan ja zunächst hasst!

Aber davon abgesehen: eine Liebesbeziehung, die so leidenschaftlich ist, wie die Sage es in diesem Fall erzählt, muss sich wesentlich deutlicher ausdrücken, als das hier der Fall ist! Obwohl die Liebe der eigentliche Gegenstand der Erzählung ist, kommen Zorn und kalte Ablehnung stärker zum Ausdruck als die Liebe, um die es geht! Das Benehmen und die Entscheidungen der beiden Liebenden verlieren dadurch an Nachvollziehbarkeit, erscheinen kindisch und unreif. Der Leser versteht nicht ganz, was das alles eigentlich soll, und warum die beiden sich so anstellen.

Auch die Personen als solche wirken manchmal wie fehlbesetzte Schauspielrollen. Wenn Esseilte mit ihrem Schicksal hadert, weil sie als Frau nur so wenig Möglichkeiten hat, in einem Heldenlied verewigt zu werden, wirkt sie wie ein verwöhntes, unzufriedenes Gör, später dagegen kommt sie mir manchmal vor wie ein albernes Gänschen, das zu nicht mehr fähig ist, als Drustan anzuschmachten. Dadurch erscheint ihr Zornausbruch, als sie von Drustans Vermählung erfährt, geradezu aufgesetzt und unecht, zumal sie sich, kaum dass sie ihn wiedersieht, mit ihm versöhnt. Dieser Esseilte fehlt es ganz entschieden an Charakterstärke! Nur fordern, das kann sie gut.

Mit Drustan ist es nicht viel besser. Die Selbstironie, die ihm am Anfang einen sympathischen Zug verleiht, bleibt im Laufe der Erzählung ziemlich auf der Strecke. Er ist hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe zu Esseilte und seinem König, zumindest sollte er das sein. Da aber der Liebesgeschichte an sich schon das Feuer fehlt, fehlt sie auch Drustans innerer Zerrissenheit, sodass von der Tragik seiner Situation nicht viel mehr übrig bleibt als bestenfalls Selbstmitleid. Ich würde ihn nicht direkt als Schwächling bezeichnen, denn stellenweise zeigt er durchaus Charakter, allerdings entsteht dadurch eine Diskrepanz zwischen dem Liebhaber Esseiltes und dem übrigen Drustan, eine Unstimmigkeit, die die Darstellung dieser Person stört wie … wie ein blauer Löwenzahn oder ein schwimmendes Huhn.

Selbst Branwen, die ja als Erzählerin fungiert, ist blass und leblos. Das kann im Grunde nicht anders sein, denn da die Autorin ihr ihre kühlen, distanzierten Worte in den Mund legt, wirkt Branwen eben auch so kühl und distanziert. Bei Branwen driften Sprachstil und Wortbedeutung am weitesten auseinander. Sie erzählt von ihrer unerfüllten Liebe zu König March, von ihrem Hass auf ihren Peiniger Keihirdyn und von ihrer steten Furcht, dass Esseilte und Drustan entdeckt werden könnten, und das alles oft so unbeteiligt, als ginge es sie gar nichts an. Immerhin verleihen ihr die Mühen, die sie damit hat, ihren Eid zu halten und die beiden Liebenden zu decken, eine gewisse Würde und zeigen ihre innere Stärke. Zumal die beiden diese Unterstützung durch Branwen ziemlich selbstverständlich zu finden scheinen!

Dass die Hauptpersonen der Geschichte so schwächeln, ist ein schwerwiegendes Manko des Buches, denn an äußerer Handlung gibt es nicht allzu viel zu erzählen. Nur ein einziger Kampf wird beschrieben, der im Hof von Marchs Burg in Armorica stattfindet und sehr kurz ist. Zwar führt König March immer wieder Kriege, doch da die Geschichte von Branwen erzählt ist, erfährt man darüber fast nichts, und was man erfährt, ist manchmal eher verwirrend. Karten und Stammbäume sind hier nicht nur ein nettes Feature. Ansonsten kommen noch eine Ernteszene und zwei Jagdszenen vor, das war’s.

So kommt es, dass die Geschichte zu dem Zeitpunkt, wo sich die Geschehnisse quasi zu einem gordischen Knoten verheddern und es eigentlich spannend oder zumindest mitreißend werden sollte, anfängt langweilig zu werden! So interessant es war, die Entstehung all der Verwicklungen nachzuvollziehen, so uninteressant ist es später, die immer neuen Varianten geheimer Treffen zu erfahren. Da hilft es auch nichts, dass Esseilte und Drustan zweimal haarscharf an der Entdeckung vorbeischrammen, eh man sie tatsächlich erwischt. Bei einer so blutleeren Geschichte kann man einfach nicht mitfiebern.

Das Einzige, was wirklich gut rübergebracht wird, sind die Teile der Geschichte, die mit der keltischen Kultur und Religion zusammenhängen: das Drachenritual, die Beltanenacht, in der Branwen die Stelle Esseiltes einnimmt und andere, die mit Visionen oder Zauberei zu tun haben. Hier bewegt sich die Autorin auf sicherem Boden, und das spürt man.

Bleibt zu sagen, dass das Buch eher hinter meinen Erwartungen zurückblieb, ich fand es bei weitem nicht so gelungen. Um meinen Vergleich vom letzten Mal (Artussage) nochmal zu bemühen: Dieses Buch ist eine vage Bleistiftskizze in einem faden Rahmen. So sehr ich Diana Paxsons Bemühen um Echtheit und Autentizität schätze, glaube ich doch, auf Dauer ist mir ihr Schreibstil zu herb und zu trocken. Ein bisschen lebendig sollten die Geschichten schon sein, sonst kann ich auch gleich ein Sachbuch lesen. Aber zu einem solchen Thema gehört auch so etwas wie Poesie, und zwar nicht nur in den Liedern, die Drustan zum Besten gibt. Die Sprache einer Juliet Marillier hätte zu diesem Stoff wesentlich besser gepasst.

_Diana Paxson_ lebt in den USA, wo sie die populäre Mittelalterbewegung mitgegründet hat. Unter anderem ist sie eine führende Vertreterin der dortigen neuheidnischen Religionsbewegung. Die damit verbundenen Kenntnisse werden in ihren Büchern deutlich spürbar. Außer der Reihe der Herrinnen hat sie den Romanzyklus „Die Töchter der Nibelungen“, „Die Keltenkönigin“ und weitere Romane veröffentlicht. Desweiteren schrieb sie viele Kurzgeschichten, sowie Theaterstücke und Gedichte.

Pratchett, Terry / Kidby, Paul – Wahre Helden

Mit Cohen dem Barbaren begegnet der Pratchett-Fan einem alten Bekannten aus den frühen Rincewind-Romanen. Unser verehrter Unfähiger taucht natürlich ebenfalls auf, dito seine Truhe und einige Mentoren von der Unsichtbaren Uni. Diesmal betätigt sich Rincewind als „Space Cowboy“! Houston, bitte… – pardon: Ankh-Morpork, bitte kommen!

_Handlung_

Als einer der letzten wahren Helden ist Cohen der Barbar mit seinen Kollegen von der Grauen Horde – allesamt bis an die Zähne bewaffnete Tattergreise – aufgebrochen, um den Göttern zurückzugeben, was ihnen einst von einem gewissen Prometheus gestohlen wurde: ihr Feuer. Und zwar in einem kleinen Fass, das eine höchst explosive Substanz enthält. Sollte diese Bombe hochgehen, so wäre dies das Ende. Für alle, für immer.

Aber nicht jeder ist wirklich dafür – wen wundert das auf der Scheibenwelt schon. Und kein Geringerer als Lord Vetinari, der verdienstvolle Herrscher von Ankh-Morpork, erhält von „höherer Stelle“ (ich sage nur: T.P.) den Auftrag, die Scheibenwelt vor ihrem Ende zu bewahren.

So brechen schließlich drei kühne Männer gen Mittelpunkt der Weltenscheibe auf, zum Götterberg Cori Celesti. Darunter der ruhmbekleckerte Zauberer Rincewind, der erfinderische Leonardo Da Quirm – der u.a. grinsende Mona Lisas malt – und Hauptmann Karotte, der aufrechte Wächter von der Stadtwache, mitsamt seinem Ikonographen.

200 feuerspeiende Sumpfdrachen ziehen das erste flugtaugliche Raumschiff, das über den Rand der Welt hinausfliegt, um die selbige zu retten. Doch vor die Rettung haben die Götter, allen voran Lady Luck und das blinde Schicksal, noch haufenweise Hindernisse gelegt. Unterdessen versucht Cohen einem romantischen Barden „behutsam“ beizubringen, wie man eine Heldensaga komponiert…

_Mein Eindruck_

„Wahre Helden“ liest sich flüssig wie aus einem Guss in einem Stück weg. Die Geschichte ist spannend, besonders durch den fortwährenden Szenenwechsel, und komisch: wir kennen die Figuren und ihre Eigenheiten. Außerdem lassen sich reihenweise Anspielungen und Zitate finden, die natürlich parodiert und ironisch gebrochen werden. Eine wahre Fundgrube für den Kenner der Popkultur: Filme (Clint Eastwood und Xena lassen grüßen), Bücher (Clarke’s „2001“), Musik (Barden), natürlich auch gestaltende Kunst (Leonardo!).

Zweitens gibt es hier wirklich etwas zu sehen. Von der Scheibenwelt betrachten wir nun nicht nur die Ober- und Unterseite, sondern auch ihren Rand, die Säulen der Elefantenbeine („Mein Gott! Es ist voller Elefanten!“, eine Anspielung auf Kubricks „2001“) und ihren Mond. Der Wunder ist kaum ein Ende, denn auch die verschiedenen Lebensformen werden haarklein beschrieben – schließlich ist dies eine außerirdische Expedition, nicht wahr? Anspielungen auf Science-Fiction-Film-Versatzstücke wie etwa ein Missionskontrollzentrum, ein blinder Passagier („Ugh!“), eine Mondlandung und vieles mehr bereiten höchstes Vergnügen.

Der Preis dieses Werkes mag vielleicht hoch erscheinen, aber ich finde ihn sogar noch niedrig angesetzt. Denn die vierfarbigen Reproduktionen der Gemälde Paul Kidbys (siehe unten) sind sehr aufwändig, ebenso wie der Satz des daran angepassten Textes. Es wäre ein Jammer, müsste man diesen Text alleine in einem mickrigen Taschenbuch lesen – so mager wie die Unterschrift Leonardos auf einer leeren Leinwand statt auf der „Mona Lisa“.

Da es also einerseits wenige Käufer dieses Werks geben dürfte, dürfte es andererseits in wenigen Jahren bereits ein begehrtes Sammlerstück geworden sein.

_Über die Künstler_

Über Pratchett braucht man keine Worte mehr zu verlieren, denke ich: Jeder kennt ihn. Das Buch wurde aber illustriert von Paul Kidby, dessen Beitrag mindestens ebenso wichtig ist. Seine meisterhaften Gemälde und Zeichnungen sind bis in jede Einzelheit ausgefeilt und machen diesen Band so zu einem Schaustück wie auch zu einem Kabinett der skurrilen Entdeckungen.

So findet der genaue Beobachter stets ein weiteres witziges Detail in den Konstruktionszeichnungen sowie in den biologischen Beschreibungen erfundener Wesen wie etwa der Drachen auf dem Scheibenweltmond, die so ziemlich das Gegenteil ihrer triefäugigen Vettern aus den Sümpfen der Scheibenwelt selbst darstellen.

Leider hat man die Beschriftungen nicht aus dem gekünstelten Akademiker-Englisch des Originals übertragen. Deren Schrift entstammt einer merkwürdigen Type, die man so woanders kaum finden dürfte. Das A beispielsweise hat keinen Querstrich. Das deutsche Gegenstück wären wohl gotische Lettern gewesen, und auf die verzichte ich dankend.

Nicht zuletzt sollte man dem deutschen Übersetzer A. Brandhorst danken, der so viele Anspielungen verstehen und übertragen musste. Er hat einen ausgezeichneten Job gemacht.

_Michael Matzer_ © 2001ff

Pratchett, Terry – Schweinsgalopp

Father Christmas ist auf der Scheibenwelt verschwunden. Als Ersatz springt Gevatter Tod ein. Rotgewandet fährt er mit seinen vier fliegenden Schweinen durch die Lande und bringt den Menschenkindern alles, was sie sich wünschen (auch wenn sie es selber nicht genau wissen). Die Bräuche zu befolgen, fällt Tod manchmal etwas schwer, doch das mit dem fröhlichen (?) „Ho-ho-ho“ hat er schon raus. Vielleicht übertreibt er es damit ein bisschen.

Father Christmas ist einem Anschlag der Assassinengilde zum Opfer gefallen. Einer ihrer übelsten Vertreter ist in Fathers Schlossturm eingebrochen und versucht nun mit Hilfe eines angeheuerten Magiers, dem zwölften mit dieser Aufgabe, den Tresorraum von Father Christmas zu öffnen. (Das klingt sehr nach „Stirb langsam 1“.)

Unterdessen in der Unsichtbaren Universität: Die Abwesenheit des echten Father Christmas hat ein (wissenschaftlich natürlich begründbares) Glaubens-Vakuum entstehen lassen. Dadurch glauben die Menschen nun an alles Mögliche, zum Beispiel an die Zahnfee. Selbst die Professores der Uni brauchen es nur laut auszusprechen, an was sie glauben könnten, und schon – ist es da: Gnome, Wichte, Aufmunterungsfeen. Der Erzkanzler Ridcull rauft sich die Haare. Auch die neue Rechenmaschine, die von Ameisen (= Bits & Bytes) und Käse (= Speicher) angetrieben wird, hilft da nicht viel weiter.

Susanne, die Tochter TODs, wollte eigentlich ein ganz normales Leben führen. Doch seit er verschwunden ist, macht sie sich Sorgen. Auf der Suche nach ihm begegnet sie nicht nur dem Gott des Katzenjammers. Sie trifft auch auf die Assassinen im Turm von Father Christmas. Es wird spannend, doch das Ende soll hier nicht verraten werden.

In einer kompliziert verflochtenen Handlung führt uns der „Douglas Adams der Fantasy“ vor Augen, was es mit dem Kinderglauben an den Nikolaus und die Zahnfee so alles auf sich hat – und das ist eine ganze Menge. In todernstem Ton bringt Pratchett wie so oft die unglaublichsten Sätze und Szenen (p.s.: … und Fußnoten), so etwa die Sache mit dem Ameisencomputer. (Das erinnert mich an den Termitencomputer von Jeff Noon in „Automated Alice“, mit seinem „beanary system“. Beide Bücher entstanden 1996…)

Pratchetts Humor und Erzählstil mag nicht jedermanns Sache sein, aber „Schweinsgalopp“ könnte selbst solche Skeptiker von den Qualitäten dieses Autors überzeugen: Es ist einer seiner gelungensten Romane!

_Michael Matzer_ © 1998ff

Pratchett, Terry / Kirby, Josh – Eric

Diese Ausgabe eines klassischen Rincewind-Romans wurde knallbunt illustriert von Josh Kirby, im gewohnten Stil. Genau genommen, ist sogar das ganze Buch nur geschrieben worden, um Kirby Gelegenheit zur Darbietung seiner Kunst zu geben. Denn diese Reiseerzählung hat relativ wenig mit der Scheibenwelt der übrigen Romane zu tun.

_Handlung_

Der 13-jährige Eric ist so eine Art Möchtegernzauberer und macht Sachen, von denen seine Eltern nichts erfahren dürfen. Er beschwört einen Dämon und erhält statt dessen Rincewind. Er soll ihm drei Wünsche erfüllen: Eric möchte Herrscher der Welt sein, die schönste Frau besuchen und ewig leben: kurzum höchstes Glück! Na, denn prost, denkt sich Rincewind unwillig. Und ich meine: Das ist ja wie bei Dr. Faust. (In der Tat ist auf der Originalausgabe das Wort „Faust“ durchgestrichen und durch „ERIC“ ersetzt. Aber als Engländer bezieht sich Pratchett eher auf den „Faust“ von Christopher Marlowe, nicht auf Goethe.)

Herrscher der Welt wird Eric im Urwald von Klatsch, wo auf Pyramiden Menschen den Göttern geopfert werden. Genau wie ihre Kulturgenossen, die Azteken, schneiden auch die Tezumaner ihren Opfern gern mit einem Obsidianmesser das Herz raus…

Nun hat aber der neue Herrscher der Hölle, Dämonenkönig Astfgl, neue Leitlinien für die Führung von dämonischen und höllischen Aktivitäten erlassen. Der Dämon, der für die Tezumaner zuständig ist, wird bei seiner Materialisierung auf der Steinpyramide leider das unerwartete Opfer einer vorbei kommenden Truhe mit tausend Beinen. Eric und Rincewind sind gerettet.

Sogleich erfüllt sich der nächste Wunsch. Was bei „Faust“ die schöne Helena in Troja, das ist für Eric die achtfache Mutter Elenor von Tsota, das nun von den Ephebianern umzingelt ist. Doch der schlaue Held Lavaeolus (= Odysseus) verschafft ihnen Einlass bei Elenor. Eric winkt angesichts der fülligen Dame und ihrer Kinderschar dankend ab.

Auf geht’s zum nächsten Wunsch. Das ewige Leben jedoch beginnt nirgendwo, das heißt im Nichts – denn eine Ewigkeit dauert von Anfang bis Ende einer Welt (Letzteres taucht ebenfalls auf, im Stil von H.G. Wells). Erst als ein (der?) Schöpfer auch die Scheibenwelt kreiert hat, dürfen Eric und Rincewind auf ihr landen. Wenig später stellt sich auch eine Truhe ein. Das ist auch nötig, denn der Dämonenkönig holt das Duo in die Hölle, wo dann der Showdown inklusive Revolution stattfindet.

_Fazit_

Die Hölle als Traum eines Bürokraten darzustellen und die Götter als verkappte Dämonen, gehört mit zur Parodie der Religionsgeschichte und ihrer seltsamen Vorstellungen. Aber auch die hinterlistige Kritik an dem, was sich die (jungen) Leute so landläufig unter „erfüllten Wünschen“ vorstellen, kommt nicht zu kurz. Man nehme sich vor seinen Wünschen in acht!

Dieser kleine Band ist ein Schmuckstück für jede Pratchett-Sammlung. Seit der deutschen Neuauflage der Pratchettwerke ist er auch wieder offiziell erhältlich.

_Michael Matzer_ © 2001ff

Hobb, Robin – goldene Narr, Der (Die zweiten Chroniken von Fitz dem Weitseher II)

„Der goldene Narr“ ist der Mittelband der zweiten Chroniken von Fitz dem Weitseher; Robin Hobbs Nachfolgezyklus der „Weitseher“-Trilogie verbindet diese mit der Handlung im „Zauberschiffe“-Zyklus.

Es ist nicht nötig, diese Zyklen zu kennen, es empfiehlt sich jedoch, mit dem ersten Band der Trilogie, [„Der lohfarbene Mann“,]http://www.powermetal.de/book/anzeigen.php?id__book=230 zu beginnen, da dieser einige für Neueinsteiger wichtige Informationen enthält.

Nach langen Jahren im selbstgewählten Exil ist Fitz an den Hof von Bocksburg zurückgekehrt und hat Prinz Pflichtgetreu aus den Fängen der „Gescheckten“ gerettet. Der Verlobung Pflichtgetreus mit Narcheska Elliana, einer Prinzessin der Outislander, dem ehemals größten Feind der Sechs Provinzen, steht nichts mehr im Wege. Chade und Fitz sind unterdessen besorgt, denn mindestens ein Spion der Gescheckten befindet sich in der Burg. Chade drängt Fitz, Pflichtgetreu, ihn selbst und den geistig etwas zurückgebliebenen Dick in der Gabe der Weitseher zu unterweisen, was sich als problematisch erweist, da Dick sich gegenüber Fitz feindselig verhält und Chade so versessen darauf ist, auch die Gabe zu erlernen, was ihm lange verwehrt war, dass er unvorsichtig vorgeht und so alle in Gefahr bringt.

Neben einigen Anschlägen der Gescheckten hat Fitz zudem noch Probleme mit seinem Ziehsohn Harm, der sich unglücklich verliebt hat. Beunruhigender sind die Entdeckungen, die Fitz bei der Delegation der Outislander macht: Die Narcheska und ihr Beschützer Peottre scheinen von ihrer Magd herumkommandiert zu werden. Auch der Narr macht Fitz Kummer, seit der Ankunft einer Handelsdelegation aus Bingtown im Süden versteckt er sich in seinen Gemächern. Weitere unheimliche Details über die Narcheska verunsichern ihn: Die kleine Statuette, die Pflichtgetreu am Strand des Gabenpfeilers in „Der lohfarbene Mann“ fand, zeigt eindeutig eine erwachsene Elliana… während der Narr auf seinem Rücken dieselben Seeschlangentätowierungen wie der Narcheska aufweist. Diese verlangt von Königin Kettricken kategorisch, den Bingtownern und ihrem – angeblichen letzten lebenden – Drachen Tintaglia keinerlei Hilfe im Kampf gegen Chalced zu gewähren. Stattdessen verlangt sie von Pflichtgetreu als Beweis seiner Wertschätzung, den mythischen Drachen Eisfeuer auf der Insel Aslevjal zu töten und ihr seinen Kopf zu bringen. Pflichtgetreu nimmt zu aller Entsetzen an, verlangt aber, von ihr begleitet zu werden, denn aller Wahrscheinlichkeit handelt es sich wirklich nur um einen Mythos, und es soll nicht heißen, er hätte es nicht versucht.

Chade und Fitz machen sich missmutig an die Vorbereitung der Expedition, während Kettricken Erfolge bei ihren Verhandlungen mit den Zwiehaften erzielt: Man beschließt, einige Zwiehafte offiziell am Hof aufzunehmen und einige „Normale“ bei den Zwiehaften aufwachsen zu lassen.

Fitz‘ Sorgen werden jedoch immer größer: Er ist nach einem Zusammenstoß mit Gescheckten schwer verwundet, und nur mittels der Gabe kann er geheilt werden – eine Kordiale aus Chade, dem Narren, Pflichtgetreu und dem einfältigen Dick hat ihm das Leben gerettet.

Er nimmt der Königin das Versprechen ab, dass seine Tochter Nessel, die ebenfalls die Gabe geerbt hat, nicht an den Hof wie alle anderen Gabenkundigen des Reiches kommen soll – er will sie so beschützen. Bald kommen ihm Zweifel, ob das klug war, denn in seine Träume, die er über eine Gabenverbindung mit Nessel teilt, mischt sich wiederholt ein nichtmenschliches Wesen ein, dessen letzte Worte Fitz mit Grauen erfüllen: „Jetzt kenne ich dich“.

„Der goldene Narr“ schließt nahtlos an den ersten Band an und legt von Beginn ein hohes Erzähltempo vor – wobei er jedoch nichts abschließt, für den zweiten Band einer Trilogie typisch werden dafür sehr viele Geheimnisse und neue Handlungsstränge erschaffen. Besonders die Verknüpfung mit den Bingtownern und ihren „Zauberschiffen“ gefiel mir gut und gibt der Welt fantastische Qualitäten, die in der [Weitseher-Trilogie]http://www.powermetal.de/book/anzeigen.php?id__book=229 erst spät zum Tragen kamen. Man kann spekulieren über Verbindungen und Interessenkonflikte zwischen Bingtown und den Outislandern, etwas, das ich in der sehr linearen Weitseher-Trilogie ein wenig vermisst habe. Die Thematik ist auch fantastischer und von wesentlich mehr Magie geprägt. Die Charaktere werden genauso fabelhaft aus der Ich-Perspektive von Fitz geschildert wie in den Vorgängern, dieses Mal leidet jedoch nicht das Tempo der Handlung darunter.

Es werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet, aber „Der goldene Narr“ schafft so viele neue Handlungsstränge, dass man sich auf einen vermutlich grandiosen Abschlussband (Übersetzung im Laufe des Jahres 2004) freuen darf.

Pratchett, Terry – Gevatter Tod

Terry Pratchett, geboren 1948, und seine Frau Lynda haben mit dem Scheibenwelt-Zyklus einen phänomenalen Erfolg gehabt, der dazu führte, dass bereits 1996 mindestens ein Prozent aller im Vereinigten Königreich verkauften Bücher von ihnen stammten! Inzwischen gibt es nach zahlreichen Romanen auch PC-Spiele sowie Comics, die auf der Discworld basieren.

„Mort“ ist der erste der TOD-Romane: Danach folgten „Reaper Man“ (1991, „Alles Sense!“), „Soul Music“ (1994, „Rollende Steine“) und „Hogfather“ (1997, „Schweinsgalopp“).

Dies ist die Geschichte von der Scheibenwelt, die von einer riesigen Schildkröte durchs Universum getragen wird. Der junge Mort findet keine Lehrstelle. Bis ihn Gevatter Tod als Azubi in seine Dienste nimmt. Fortan begleitet Mort die Seelen Verstorbener ins Jenseits. Als Prinzessin Keli hinterrücks gemeuchelt werden soll, fällt Mort dem Attentäter in den Arm und tötet ihn sogar – völlig gegen alle Vorschriften.

Das Universum reagiert höchst ungnädig auf die Geschichtsverfälschung: Es ignoriert Kelis Existenz und quetscht sie an den Rand der Realität. Im verzweifelten Kampf um das Leben der Angebeteten wird Mort seinem Meister immer ähnlicher, bis er eines Tages sogar IN GROSSBUCHSTABEN REDET…

Der TOD ist wunderbar. Humorlos, stets grimmig, mit einem Pokergesicht und doch mit einer gewissen Sympathie für das Menschengeschlecht. Sein Pathos rührt von seiner Unfähigkeit her, solche Launen wie menschliche Gefühle zu begreifen. In „Gevatter Tod“, dem ersten Scheibenwelt-Roman mit einer vollständig in sich geschlossenen Handlung, geht er auf Urlaub. Doch während die Katze fort ist, tanzen bekanntlich die Mäuse auf dem Tisch – bis die Katastrophe nicht mehr ausbleibt.

_Michael Matzer_ © 1999ff

Pratchett, Terry – MacBest

Shakespeare auf der Scheibenwelt – da ist natürlich so einiges anders als beim alten englischen Barden. Die Hauptpersonen, wie kann es auch anders sein: drei Hexen, ein Dolch, ein gemeuchelter König (siehe Dolch), ein Thronräuber (siehe König), ein schüchterner Monolith, ein ernster Narr, ein dichtender Zwerg und ein Kronprinz im Schauspielerexil – kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor? Lachen oder nicht lachen, das ist hier die Frage.

König Verence wird hinterrücks erdolcht, der kronprinzliche Säugling zusammen mit der Reichskrone von Getreuen gerettet und den drei Hexen (den „Wyrd Sisters“ des Originaltitels) anvertraut. Die bereits aus [„Equal Rites“]http://www.powermetal.de/book/anzeigen.php?id__book=218 (ein Wortspiel mit „equal rights“ – Gleichberechtigung, das hier aber „gleiche Riten“ bedeutet) bekannte Oma Wetterwachs, die alte, allem Weltlichen aufgeschlossene Nanny Ogg (die mit dem berühmt-berüchtigten Kochbuch) und die junge, etwas flippige Magrat Garlick wissen zunächst nicht, wohin mit dem Wickelkind.

Ihnen fällt nichts Besseres ein, als den Kronprinzen einer fahrenden Schauspielertruppe inkognito anzuvertrauen – schließlich mischen sich Hexen grundsätzlich nicht in weltliche Angelegenheiten ein. Doch auch sie müssen feststellen, dass erstens alles meist anders kommt, und zweitens, als man es sich vorgestellt hat. Vorhang auf also für den großen Dornröschenschlafzauber der Hexen für das gesamte Reich. Zumindest so lange, bis Kleinprinzlein erwachsen geworden ist und als Held den Thronräuber verjagt – allerdings ist Prinz Tomjon mit Leib und Seele Schauspieler und denkt überhaupt nicht daran, das verantwortungsvolle Amt eines hochoffiziellen Helden außerhalb der Bühne anzustreben. Guter Rat ist da selbst für so gewiefte Hexen wie unser infernalisches Trio teuer…

In der sechsten deutschen Auflage der Scheibenwelt beweist Pratchett seinen enormen Einfallsreichtum und hintergründigen Humor. Wie kaum ein anderer – vielleicht mit Ausnahme von Tom Holt – versteht es Pratchetts Fantasyvariante, Anspruch und intelligenten Humor miteinander zu verknüpfen.

Im Gegensatz zu seinen Autorenkollegen klebt er nicht an einer Hauptperson (etwa in Aprins „Myth“-Serie oder in Gordons „Drachenritter“-Zyklus) oder einem längst ausgelutschten Schauplatz (etwa Anthonys „Xanth“), sondern sucht sich immer wieder neue Freiräume, neue für ihn und seine Leser interessante Figuren und Konstellationen und sorgt auf diese Weise für scheinbar immerwährende Frische und Pepp in seinen Scheibenweltromanen.

Nicht etwa, dass er hierbei darauf verzichtet, altbekannte Figuren (u.a. der Literatur) bei Gelegenheit wieder auftreten zu lassen: Der Primaten-Bibliothekar der Unsichtbaren Universität erscheint in fast jedem der ersten Bände, und das Hexentrio mischt sogar noch den zwölften Band („Witches abroad“) auf. Aber dabei kommt nie Langeweile auf, wirken die Protagonisten nie abgegriffen und und altbekannt. Wieder einmal ist für prächtige Unterhaltung gesorgt.

_Michael Matzer_ © 2002ff

Hobb, Robin – lohfarbene Mann, Der (Die zweiten Chroniken von Fitz dem Weitseher I)

„Der lohfarbene Mann“ ist kein anderer als der Narr aus Robin Hobb’s [„Weitseher“-Trilogie]http://www.powermetal.de/book/anzeigen.php?id__book=229 und der erste Band einer neuen Trilogie, die knapp 15 Jahre nach dem Ende des Krieges gegen die Roten Korsaren spielt.

Fitz, der ehemalige Assassinen-Lehrling und Bastard königlichen Blutes, gilt für die meisten seiner Freunde und den Rest der Welt als tot – und das ist ihm auch sehr recht. Körperlich und geistig geschunden, hat er sich in ein einsames Waldhaus zurückgezogen und möchte mit der Welt nichts mehr zu tun haben, zu viel hat man ihm abverlangt. Nur sein Wolf Nachtauge und sein Ziehsohn Harm, ein Findelkind, das er bei sich aufgenommen hat, leisten ihm Gesellschaft, wenn nicht seine alte Freundin, die Menestrelle Merle, auf einen Sprung vorbeischaut.

Doch die Welt dreht sich weiter, und Harm benötigt eine Lehrstelle, soll er nicht auf ewig im Wald versauern. Auch wenn die Schäden des Krieges gegen die Roten Korsaren behoben sind, Ruhe ist in den sechs Provinzen nicht eingekehrt. Der Thron Königin Kettrickens steht auf wackeligen Beinen, und ihr Sohn, Prinz Pflichtgetreu, soll als Geste der Versöhnung und um einen starken Verbündeten zu gewinnen, eine Narcheska (Prinzessin) der Outislander heiraten, was nicht von allen Herzögen der Königin begrüßt wird. Aber auch sonst rumort es im Lande: Die der Tiermagie mächtigen Menschen vom „Alten Blut“ werden nun noch weit mehr als zu Zeiten einer äußeren Bedrohung verfolgt und grausam misshandelt. Ein idealer Sündenbock für Missernte und sonstige Unbill – stirbt eine Kuh, hatte garantiert ein missgünstiger Zwiehafter seine Hände im Spiel, keine Frage. Doch nicht alle vom „Alten Blut“ laufen davon, sie schlagen zurück: Mit Terror gegenüber nicht nur allen „Normalen“, sondern auch gegen die eigenen Leute – man zwingt gemäßigte Zwiehafte zur Mitarbeit, andernfalls werden sie denunziert und verraten oder auf sonstige Weise genötigt. Diese „Gescheckten“ werden zu einer echten Bedrohung für die Krone, und Chade, Fitz‘ alter Lehrmeister, bittet ihn zurück nach Bocksburg zu kommen, auch um die Ausbildung Pflichtgetreus in der „Gabe“ der Weitseher zu übernehmen.

Da Fitz, selbst ein Zwiehafter, mit dem Wolf Nachtauge verschwistert und als Bastard eines Weitsehers auch der Gabe zuteil ist, wäre sein Wert für Chade in beiderlei Hinsicht immens. Doch Fitz will seine Hütte nicht verlassen und sich der Welt wieder stellen – bis Prinz Pflichtgetreu davonläuft oder entführt wird, Chade vermutet, dass auch er der „Alten Macht“ mächtig ist und sich mit einer Katze verschwistert hat – die anscheinend zu den „Gescheckten“ gehört und einen schlechten Einfluss auf den Prinzen ausübt.

Fitz bringt seinen Ziehsohn in der Stadt unter und macht sich unter dem Decknamen Tom Dachsenbless als Diener des Narren, der jetzt als Fürst Leuenfarb an den Hof in Bocksburg zurückgekehrt ist, und der königlichen Jagdmeisterin Laurel auf die Suche nach Prinz Pflichtgetreu.

Die lange erwartete Fortsetzung der Weitseher-Trilogie beginnt recht verhalten. Für Kenner etwas ermüdend, für Neuleser jedoch absolut notwendig sind die anfänglichen Erklärungen der „Alten Macht“ und der „Gabe“, da diese im weiteren Handlungsverlauf eine wichtige Rolle spielen werden: „Zwiehafte“ mit der „Alten Macht“ können mit Tieren reden, und Tiere mit ihnen – ihre Geschwistertiere können sogar intellektuell auf das Niveau eines Menschen steigen, die Gefahr ist jedoch, dass der Mensch nicht nur von den meist sensorischen Vorteilen der Tiere wie gesteigerten Geruchssinn profitiert, sondern mehr und mehr tierische Verhaltensweisen annimmt und selbst zum Tier wird. Deshalb wird die Tiermagie so geschmäht, auch das Verhalten der Zwiehaften macht dem einfachen Volk große Angst, die oft in Gewalt umschlägt. Einige schwarze Schafe unter den Zwiehaften missbrauchen ihre Brudertiere auch bewusst und nehmen Rache an den Bürgern, die ein immer schlechteres Bild von den Zwiehaften gewinnen. Die Gabe ist eine Fähigkeit, die dem Geschlecht der Weitseher den Namen gab und auf den Thron verhalf: Telepathie, Suggestion und andere Fähigkeiten, die jedoch weitgehend verloren gingen, als die letzte wahre Gabenmeisterin ohne echten Nachfolger starb, gaben den Weitsehern große Macht. Die Gefahr der Gabe ist, dass man sich in ihrer Macht verliert und den Körper vernachlässigt und vergisst, der dann stirbt. Die Verlockungen der Gabe sind für viele zu stark, so dass sie ohne Ausbildung oft sterben. Fitz sind beide Fähigkeiten zueigen – aber in keiner wurde er erzogen oder ausgebildet. Und nun scheint der schlimmstmögliche Fall eingetreten: Die Gescheckten scheinen Prinz Pflichtgetreu zu beeinflussen, könnten seine zwiehafte Veranlagung publik machen, und er scheint zu allen Überfluss auch noch unter ihren Einfluss geraten zu sein.

Diese notwendigen Rückblenden und Erklärungen lesen sich wie gewohnt sehr gut, erzählerisch ist Robin Hobb wie immer in Bestform. Leider, ähnlich der Weitseher-Trilogie, beginnt die eigentliche Handlung erst knapp in der Mitte des Buches. Dann allerdings in einem zügigen Tempo, welches man beim Vorgänger oft vermisst hat.

Starke Charaktere zeichneten die Weitseher-Trilogie aus – viele der alten und zahlreiche neue werden in diesem Buch vorgestellt. In der Fantasy werden oft Archetypen verwendet, die eine Rolle zu spielen haben. Bei Robin Hobb agieren Menschen, sie versteht es ihren Figuren Leben einzuhauchen. Sei es der listige und ständig Intrigen spinnende Chade oder Kettricken, die sich zu einer großartigen Königin entwickelt hat – Robin Hobb’s Figuren leben und gedeihen, entwickeln sich und wachsen einem so ans Herz, in einem unerreichten Maße. Nicht einmal George R.R. Martin kann solche Charaktere erschaffen, auch nicht David Eddings, der bei seinen liebenswerten Charakteren stets Klischees bis zur Neige erschöpft.

Der erste Band bringt Prinz Pflichtgetreu und Fitz zum ersten Mal zusammen, er muss diesen gegen seinen Willen nach Hause zurückbringen, was jedoch für Fitz mit einem sehr tragischen Verlust einhergeht, und auch Pflichtgetreu muss leiden – keine gute Grundlage für gegenseitiges Vertrauen.

Die Handlung um die „Gescheckten“ ist in sich abgeschlossen, man kann diesen Roman einzeln und ohne Kenntnis der Weitseher-Trilogie lesen. Die Übersetzung ist wieder von Eva Bauche-Eppers und genauso hervorragend wie die der Weitseher-Trilogie gelungen. Einzig die „Telling Names“ blieben erhalten, Prince Dutiful ist in deutscher Übersetzung als Prinz Pflichtgetreu zwar gewöhnungsbedürftig, aber das englische Original ist kaum besser. Das Lektorat allerdings hätte besser sein müssen, man stolpert über viel zu viele Buchstabendreher, Trennungszeichen mitten Satz, Anführungszeichen ohne Sinn und Ende und sonstige Nachlässigkeiten, wo man beim Vorgänger maximal ein Fehlerchen pro Buch finden konnte, und das bei bis zu 1200 (!) Seiten Umfang, schade (Anmerkung: Dieses Buch hat „nur“ 916 Seiten Umfang, die Seitenzahlangabe bei Amazon ist falsch). Dafür ist diese Trilogie gebunden und erscheint im edlen Stil der Reihe „Bibliothek der Phantastischen Literatur“.

Wenn man sich durch den etwas zähen Beginn gekämpft hat, wird man mit einer deutlich temporeicheren Handlung als in der Weitseher-Trilogie belohnt. Die Charaktere begeistern nach wie vor – und der zweite Band der neuen Trilogie – [„Der goldene Narr“]http://www.powermetal.de/book/anzeigen.php?id__book=232 – verbindet Teile der fantasievolleren „Zauberschiffe“-Trilogie Robin Hobb’s, die im Süden derselben Welt spielt, mit dem Geheimnis um den Narren und die Narcheska der Outislander. „Der lohfarbene Mann“ ist ein gutes Buch, die beiden Folgebände (Band Drei ist noch nicht übersetzt) sind aber besser und warten mit einer komplexeren und fantastischeren Handlung auf, verbinden somit die Vorzüge der „Zauberschiffe“ mit denen der „Weitseher“-Trilogie – man sollte unbedingt weiterlesen, der „goldene Narr“ schließt nahtlos an dieses Buch an und bietet von Beginn an eine spannendere, komplexere und vor allem fantastischere Handlung mit faszinierenden Geheimnissen. Robin Hobb hat sich gesteigert – diese Trilogie hat all das, was man bei der Weitseher-Trilogie vermisst hat – und hat sich ihre Stärken bewahrt. Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle Fantasyfreunde, der Umfang (jedes Buch der Trilogie hat knapp 900 Seiten) dürfte Gelegenheitsleser jedoch abschrecken.

Pratchett, Terry – Erbe des Zauberers, Das

Terry Pratchett, geboren 1948, und seine Frau Lynda haben mit dem Scheibenwelt-Zyklus einen phänomenalen Erfolg gehabt, der dazu führte, dass bereits 1996 mindestens ein Prozent aller im Vereinigten Königreich verkauften Bücher von ihnen stammten! Inzwischen gibt es nach zahlreichen Romanen auch PC-Spiele sowie Comics, die auf der Discworld basieren.

„Equal Rites“ ist Pratchetts dritter Scheibenwelt-Roman, insgesamt sein sechster nach „Die Teppichvölker“ (1971/1992), „Die dunkle Seite der Sonne“ und „Strata“ (1981).

Dies ist die Geschichte der Scheibenwelt, die von einer riesigen Schildkröte durchs Universum getragen wird. Ein alter Magier fühlt das Ende nahen und übergibt seinen machtvollen Zauberstab dem ungeborenen achten Sohn eines achten Sohnes (Acht ist die Glückszahl auf der Scheibenwelt). Doch als das Kind das Licht der Welt erblickt, stellt man erschrocken fest, dass es ein Mädchen ist – und Mädchen dürfen die Zauberkunst nicht ausüben.

Als die magischen Talente der kleinen Eskarina bedrohliche Ausmaße annehmen, reist die resolute Dorfhexe mit ihr zur Unsichtbaren Universität, um der Kleinen mit allen Mitteln einen Studienplatz zu verschaffen und sie zur ersten staatlich geprüften Zauberin der Scheibenwelt zu machen.

Als sie sich mit dem Erzmagier und seinem ebenso genialen wie pickligen Zauberlehrling zusammentut, ahnt keiner, dass die Kräfte der jungen Leute eine hochbrisante Mischung ergeben, die die Scheibenwelt zum Einsturz bringen könnte.

Granny Wetterwachs, die resolute Hexe mit dem eisernen Willen, fürchtet nichts – nicht einmal die Aufnahmestelle der Unsichtbaren Universität. Hier bekämpft und überwindet sie die geschlechtsspezifischen Vorurteile ihrer männlichen, organisierten Zunftkollegen. Granny ist unwiderstehlich, auch für den Leser!

_Michael Matzer_ © 2000ff

Robin Hobb – Der Adept des Assassinen (Die Legende vom Weitseher 1)

Fitz ist KEIN gewöhnlicher kleiner Junge. Er ist der Bastard von Prinz Chivalric, dem Thronerben des Königshauses der Weitseher, und dieser Fehltritt war es, der denselben zumindest vordergründig zum Rücktritt bewegt hat. Wenig später stürzt der Prinz unglücklich vom Pferd…

Chivalric gab zuvor seinem treuesten Gefolgsmann, dem Stallmeister Burrich, die Aufgabe Fitz großzuziehen. Doch nicht nur dieser hat Interesse an Fitz: Er ist einfach ein Politikum. Um der Gefahr eines von Fürsten für ihre Zwecke als Thronerben aufgebauten Bastards zu entgehen, beschließt König Listenreich, ihn in seine Dienste zu nehmen. So wie er es schon mit seinem eigenen Bastard-Halbbruder tat… Chade.

Robin Hobb – Der Adept des Assassinen (Die Legende vom Weitseher 1) weiterlesen